Eingeleitete und integrierte wörtliche Wiedergabe

Frage

Es geht um folgende Satzkonstruktion:

Auf die Frage „War es schön?“ folgt ein muffliges „Kann sein“.

Ich würde die Satzzeichen (Doppelpunkt, Komma, Doppelpunkt) folgendermaßen ergänzen:

Auf die Frage: „War es schön?“, folgt ein muffliges: „Kann sein“.

Liege ich damit richtig?

Antwort

Bei eingeleiteten Zitaten mit Begleitsatz gelten die Regeln, die hier dargestellt werden. Weniger oft wird ein anderer Fall in den Rechtschreibbüchern dargestellt: Ein Zitat kann eng in den Satz integriert sein. Dann sieht die Zeichensetzung etwas einfacher aus (nämlich so).

Der Übergang zwischen „eingeleitet“ und „integriert“ ist allerdings fließend. Integrierte Zitate stehen häufig am Satzanfang oder im Satzinnern oder sie haben ein Artikelwort, ein Adjektiv oder ein Attribut bei sich. Am besten sieht man den Unterschied wahrscheinlich an konkreten Beispielen:

a) eingeleitet direkte Rede
b) integrierte direkte Rede

a) Sie hat gesagt: „Ich gehe nach Hause.“
b) Sie hat „Ich gehe nach Hause“ gesagt.

a) Er fragte: „Wer kommt mit?“, aber niemand antwortete.
b) Auf seine Frage „Wer kommt mit?“ antwortete niemand.

a) Das bekannte Sprichwort lautet: „Eile mit Weile“.
b) Das Sprichwort „Eile mit Weile“ ist sehr bekannt.

a) Nicht alle mögen diese Frage: „Woran denkst du?“
a) „Woran denkst du?“, wollte er schon wieder wissen.
b) „Woran denkst du?“ ist eine Frage, die nicht alle mögen.

a) Das Kind rief laut: „Ich esse das nicht!“
b) Laut klang das „Ich esse das nicht!“ des Kindes.
b) Laut klang sein „Das esse ich nicht!“.

Für Ihren Satz bedeutet dies, dass er ohne zusätzliche Doppelpunkte und ohne ein Komma auskommt:

a) Die Mutter fragte: „War es schön?“, und ich antwortete mufflig: „Kann sein.“
b) Auf die Frage „War es schön?“ folgte ein muffliges „Kann sein“.

Er war also so richtig geschrieben, wie Sie ihn zuerst angegeben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die doppelte Menge wie sonst oder als sonst?

Frage

Muss es „die doppelte Menge wie sonst“ oder „die doppelte Menge als sonst“ heißen? Wenn ich paraphrasiere, ginge beides: „doppelt so viel wie sonst“ und (mit leicht geändertem Inhalt) „mehr als sonst“. Aber was ist korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

kein Wunder, dass Sie zweifeln, denn beides will nicht so recht passen:

Ich nehme die doppelte Menge wie sonst. [?]
Ich nehme die doppelte Menge als sonst. [?]

Manche entscheiden sich sogar für als wie, was in der Standardsprache ganz bestimmt nicht richtig ist:

*Ich nehme meist etwa die doppelte Menge als wie auf der Packung steht.

Die Unsicherheit kommt daher, dass es weder die doppelte Menge wie sonst noch die doppelte Menge als sonst heißt, sondern doppelt so viel wie sonst. So heißt es zum Beispiel auch nicht die dreifache Menge als/wie sonst, sondern dreimal so viel wie sonst. Sie sagen also viel besser:

Ich nehme doppelt so viel wie sonst.

Wenn man nicht auf das Wort Menge verzichten will, sind auch andere Formulierungen möglich, zum Beispiel:

Ich nehme das Doppelte der Menge, die ich sonst nehme.
Ich nehme das Doppelte der üblichen Menge.

Und weil es so schön ist, gleich noch ein paar Beispiele:

statt: *Für vier Personen nehmen Sie die doppelte Menge wie oben angegeben.
besser: Für vier Personen nehmen Sie doppelt so viel wie oben angegeben.
oder: Für vier Personen nehmen Sie das Doppelte der oben angegebenen Menge.

statt: *Wir haben diesmal die doppelte Summe wie beim letzten Mal bezahlt.
besser: Wir haben diesmal doppelt so viel wie beim letzten Mal bezahlt.
oder: Wir haben diesmal das Doppelte der Summe vom letzten Mal bezahlt.

statt: *Es gab mindestens die doppelte Anzahl Anmeldungen als verfügbare Plätze.
besser: Es gab mindestens doppelt so viele Anmeldungen wie verfügbare Plätze.
oder: Die Anzahl Anmeldungen war mindestens doppelt so hoch wie die der verfügbaren Plätze.

Und wenn Sie großer Fan des Karnevals, des Faschings und der Fas(t)nacht sind: Feiern Sie schön, aber trinken Sie nicht viel mehr als die doppelte Menge wie sonst – ähh – nicht viel mehr als doppelt so viel wie sonst. Ich erlaube mir diese onkelhaft ermahnenden Worte hier nur deshalb, weil echte Fans des Narrentreibens in dieser Zeit des Jahres ohnehin keine Zeit für Sprachblogs haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist es mehr als etwas zu essen oder ist es mehr, als etwas zu essen?

Falls Sie den Titel nicht gleich verstanden haben: Das ist so gewollt. Es geht nämlich um etwas zu essen und einen subtilen Unterschied, der sich auf die Kommasetzung auswirkt.

Frage

Es geht um den Satz:

Sie brauchte Schlaf wahrscheinlich noch mehr,(?) als etwas zu essen.

Mir ist unklar, ob diese Infinitivkonstruktion mit Komma abgetrennt wird, weil mit „etwas zu essen“ ja eigentlich ein Substantiv gemeint ist, wenn man schreiben würde „als Essen“. Vergleichbar hier ein Satz aus dem Netz: „Eine Jause ist mehr als etwas zu essen.“

Antwort

Guten Tag Herr E.,

die Frage lautet genau genommen nicht, ob die Infinitivgruppe etwas zu essen durch ein Komma abgetrennt werden muss. Sie lautet vielmehr, ob etwas zu essen in Ihrem Satz überhaupt eine Infinitivgruppe ist. Es kann nämlich a) eine Infinitivgruppe oder b) eine Pronomengruppe sein.

Man sollte bei Erklärungen für Phänomene der deutschen Sprache eigentlich nicht mit Übersetzungen arbeiten, aber hier macht ein Vergleich mit z. B. dem Englischen oder Französischen die Sache so schön deutlich (falls man – und das ist ein Problem bei Erklärung durch Übersetzung – diese Fremdsprachen genügend beherrscht). Deshalb füge ich im Folgenden ausnahmsweise einmal eine Übersetzung hinzu:

a) Infinitivgruppe
etwas zu essen = dass man etwas isst
eng. to eat something
frz. (de) manger quelque chose

b) Pronomengruppe (vgl. hier)
etwa zu essen = etwas, das man essen kann
eng. something to eat
frz. quelque chose à manger

Kommen wir nun zu Ihrem Satz und dem fraglichen Komma: Vor vergleichendem als steht nur dann ein Komma, wenn es einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe einleitet (siehe hier). In Ihrem Satz ist eine Pronomengruppe gemeint.** Deshalb sollten Sie hier kein Komma setzen:

Sie brauchte Schlaf wahrscheinlich noch mehr als etwas zu essen.
(… als etwas, das sie essen kann).

Und hier ein Beispiel, in dem etwas zu essen als Ganzes eine Infinitivgruppe ist und durch ein Komma abgetrennt werden muss:

Sie geht jetzt besser schlafen, als etwas zu essen.
(… als dass sie etwas isst)

In Ihrem zweiten Beispiel kann etwas zu essen einfach beides sein:

Pronomengruppe:
Eine Jause ist mehr als etwas zu essen.
(… mehr als etwas, das man Essen kann)

Infinitivgruppe:
Eine Jause ist mehr, als etwas zu essen.
(… mehr, als dass man etwas isst)

Hier ist der Unterschied nicht allzu groß. Manchmal ist es aber doch recht wichtig, ob man ein Komma setzt oder nicht:

Sie gingen ohne etwas zu essen weg. (= ohne Esswaren)
Sie gingen, ohne etwas zu essen, weg. (= ohne dass sie etwas gegessen hätten)

Bring mir etwas zu essen statt nur etwas zu trinken.
Bring mir etwas zu essen, statt nur etwas zu trinken.

Bei der Wendung etwas zu x-en muss man also manchmal entscheiden, ob es eine Pronomengruppe oder eine Infinitivgruppe ist, damit die Kommas auch richtig gesetzt werden. Zum Glück gehört das zu den kleinen kniffligen Hürden, die man im täglichen Schreibleben nicht sehr häufig nehmen muss.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Eine Infinitivgruppe kann nicht von bejahtem, uneingeschränktem brauchen abhängig sein, zum Beispiel nicht: *Sie brauchte den Apfel zu essen.

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Die Meldepflicht der Berufskrankheiten und die Wahrscheinlichkeitsberechnung eines Meteoriteneinschlags

Frage

Laut Duden 9 „Kompositum“ ist es nicht korrekt, zu einer Zusammensetzung ein Genitivattribut zu stellen, das inhaltlich nur zum ersten Bestandteil der Zusammensetzung gehört. Also nicht: „Meldepflicht der Berufskrankheiten“, weil nicht die Berufskrankheiten die Pflicht zur Meldung haben; sie sollen gemeldet werden. Richtig heißt es: „die Pflicht zur Meldung von Berufskrankheiten“.

Ich frage mich, wie streng diese Regel auszulegen ist, z. B. bei Genitivattributen, die inhaltlich eher zum ersten Bestandteil gehören, etwa „Finanzierungsquelle der Behörden“.

Antwort

Guten Tag Frau N.,

Ein Genitivattribut darf sich tatsächlich nicht nur auf den ersten Teil einer Zusammensetzung beziehen. Ein Genitivattribut bezieht sich immer auf die ganze Zusammensetzung:

nicht: *Meldepflicht der Berufskrankheiten
sondern: Pflicht zur Meldung von Berufskrankheiten

Wie schon in Ihrer Frage gesagt: Die Berufskrankheiten haben nicht Plicht, etwas zu melden, sondern es geht darum, dass es eine Pflicht gibt, Berufskrankheiten zu melden.

nicht: *Wahrscheinlichkeitsberechnung eines Meteoriteneinschlags
sondern: Berechnung der Wahrscheinlichkeit eines Meteoriteneinschlags

Die Wahrscheinlichkeitsberechnung eines Meteoriteneinschlags ist nicht korrekt, weil sich das Genitivattribut eines Meteoriteneischlags nur auf Wahrscheinlichkeit bezieht (die Wahrscheinlichkeit eines Meteoriteneinschlags wird berechnet).

Wahrscheinlichkeitsberechungen des astronomischen Institutes (hinsichtlich eines Meteoriteneinschlags)

Die Wahrscheinlichkeitsberechung des astronomischen Institutes hingegen ist hier korrekt, denn das Genitivattribut des astronomischen Institutes bezieht sich auf die ganze Zusammensetzung Wahrscheinlichkeitsberechung (das astronomische Institut macht eine Wahrscheinlichkeitsberechnung).

Dieses Prinzip wird eigentlich immer eingehalten, es gibt aber Zweifelsfälle. Nehmen wir den ebenfalls im Duden genannten Finanzverwalter dieser Gesellschaft. Er ist der Verwalter der Finanzen der Gesellschaft. Das Genitivattribut bezieht sich so gesehen auf Finanzen, den ersten Teil der Zusammensetzung. Trotzdem ist diese Formulierung richtig: Da man auch sagen kann, dass der gute Mann Finanzverwalter bei dieser Gesellschaft ist, bezieht sich das Genitivattribut dieser Gesellschaft auch auf die ganze Zusammensetzung Finanzverwalter.

Kommen wir nun endlich zu Ihrem Zweifelsfall: Finanzierungsquellen der Behörden. Ob diese Formulierung akzeptabel ist, hängt davon ab, was genau gemeint ist.

nicht richtig: Finanzierungsquellen der Behörden = Quellen für die Finanzierung der Behörden
richtig: Finanzierungsquellen der Behörden = Quellen der Behörden für die (eigene) Finanzierung

Wenn die Regierung  Quellen für die Finanzierung der Behörden sucht, kann man nicht sagen:

Die Regierung sucht Finanzierungsquellen der Behörden.

Damit würde gesagt, dass die Regierung danach forscht, aus welchen Quellen sich die Behörden finanzieren. Wenn die Regierung sich aber Sorgen darüber macht, aus welchen Quellen die Behörden sich finanzieren, kann man sagen:

Die Regierung macht sich sorgen über die Finanzierungsquellen der Behörden.

Diese Formulierung ist wiederum nicht korrekt, wenn gemeint ist, dass sich die Regierung Sorgen macht, wie sie die Behören finanzieren soll …

Der Kontext ist also sehr wichtig bei der Beurteilung, ob in diesen Fällen ein Genitivattribut möglich ist oder nicht.

Ich hoffe, dass nun klarer geworden ist, warum der *Erklärungsversuch dieses Phänomens nicht richtig ist, der Erklärungsversuch des Sprachdoktors (zumindest diese Formulierung) hingegen schon.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenig, weniger, wenigerer

Wenn der Genitiv tatsächlich vom Untergang bedroht ist – man hört zwar in letzter Zeit nicht mehr so viel davon –, ist er auch ein bisschen selbst schuld daran, dass er weniger verwendet wird. Manchmal macht er uns nämlich das Sprachleben nicht einfacher, wie Herrn M.s Frage zur Form weniger zeigt:

Frage

Meist bleibt das Wort „wenig“ ungebeugt, obwohl man die Beugung eventuell auch anwenden könnte. Mit dem Wort „weniger“ verhält es sich da schon etwas anders, da dieses anscheinend immer ungebeugt bleibt:

Es erschienen immer weniger Menschen zu den Vorträgen.
Man kommuniziert mit deutlich weniger Personen.
Man kämpfte gegen weitaus weniger Richtlinien an.

[…] Problematisch verhält es sich meines Erachtens, wenn man hier den Genitiv anzuwenden versucht, da es ja „wenig“ von „weniger“ zu unterscheiden gilt:

Sie nimmt sich weniger Menschen an.
(Es sind wenige Menschen, deren sie sich annimmt.)

Man könnte ja dann – um den Unterschied deutlich zu machen – auch folgende Formulierung anwenden:

Sie nimmt sich wenigerer Menschen an, als es im Vorjahr der Fall war.
(Es sind weniger Menschen, deren sie sich annimmt, als …)

Erachten Sie diese Formulierung als korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

die Komparativform weniger ist unveränderlich. Die Form wenigerer ist nicht korrekt. Daraus ergibt sich, wie Sie richtig beschrieben haben, eine Schwierigkeit im Genitiv.

Abgesehen vom Problem der Unterscheidung mit dem Genitiv von wenig, gibt es noch eine Schwierigkeit: Im Deutschen kann eine Wortgruppe u. a dann nicht im Genitiv stehen, wenn sie nicht mindestens ein Wort mit der Genitivendung (e)s oder er enthält. Die Steigerungsform weniger hat keine solche Endung, denn das er markiert ja die Steigerung, nicht einen Fall.

Eine Lösung für diese Form im Genitiv könnte dann sein, einfach ein er anzuhängen, doch die Steigerungsform weniger beharrt nun einmal darauf, unveränderlich zu sein. Man muss deshalb – wie in anderen Fällen auch – auf eine andere Formulierung ausweichen. Bei den folgenden Beispielen gebe ich auch die Form mehr an, für die dasselbe gibt:

Bei Genitivattributen und einigen Präpositionen weicht man auf eine Präpositionalgruppe mit von aus:

nach der Ansicht von mehr/weniger Menschen als früher
aufgrund von mehr/weniger Hinweisen als beim letzten Fall

Bei einigen Präpositionen kann auf den Dativ ausgewichen werden:

während mehr/weniger Tagen als im letzten Monat

(Vgl. die Angaben hier und hier)

Bei Genitivobjekten wie in Ihrem Beispiel muss eine andere Formulierung gewählt werden:

Sie nimmt sich einer größeren/geringeren Anzahl Menschen an.
Sie kümmert sich um mehr/weniger Menschen.

Die Lösung für dieses Genitivproblem ist also nicht die Form *wenigerer, sondern eine andere Formulierung. Einen hiermit verwandten Fall beschreibt dieser ältere Blogeintrag.

Der Genitiv kann sich also ziemlich eigensinnig benehmen. Zum Glück merken wir das beim Sprechen und Schreiben meistens nicht, weil wir die oben stehenden Ausweichmanöver unbewusst ganz gut beherrschen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Infinitivgruppen: kein »zu«, kein Komma

Frage

Ich habe eine Kommafrage zu diesem Satz: „Den Kontakt zu unseren Kunden stärken, heißt …“ Steht vor „heißt“ ein Komma? […]

Antwort

Guten Tag Herr G.,

vor heißt steht hier kein Komma:

Den Kontakt zu unseren Kunden stärken heißt …

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine Infinitivgruppe ohne zu steht (die Infinitivgruppe ist Subjekt des Satzes; siehe hier, ganz unten). Erweiterte Infinitive ohne zu gelten nicht als „nebensatzähnlich“ und werden wie gewöhnliche Satzglieder behandelt. Sie werden also nicht durch Kommas abgetrennt:

Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden steigern heißt noch besser auf ihre Wünsche eingehen.

Ich kann Ihnen hierzu keine konkrete Kommaregel nennen, weil die meisten Kommaregeln „nur“ angeben, wo man ein Komma setzen muss oder kann. Dieser Fall (erweiterter Infinitiv ohne zu) wird nicht ausdrücklich genannt. Daraus folgt, dass man kein Komma setzt.

Man kann diese Sätze auch mit zu formulieren. Dann gibt es Regeln, nämlich die Kommaregeln für die Infinitivgruppen (siehe hier für eine Übersicht). Diese Regeln sagen, dass man hier ein Komma setzen kann:

Dich zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu zeigen(,) gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten(,) macht hungrig.
Den Kontakt zu unseren Kunden zu stärken(,) heißt(,) noch besser auf ihre Wünsche einzugehen.

Zusammenfassend kann man sagen

ohne Komma:
Die Kommaregeln verstehen ist nicht immer einfach.

mit fakultativem Komma:
Die Kommaregeln zu verstehen ist nicht immer einfach.
Die Kommaregeln zu verstehen, ist nicht immer einfach.

Dem habe ich vorerst nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum das dass das das tötet …

Heute geht es um die Frage, warum das dass das das tötet und warum das orthografisch nicht korrekt ist:

Frage

Könnten Sie mir sagen, ob Kommas in diesem Satz fehlen, und falls ja, wo?

Antwort

Guten Tag Herr V.,

man muss bei diesem bekannten Spruch genau hinsehen, bis man seine Struktur erkennt. Dann sieht man aber, dass die Kommas richtig gesetzt sind. Der Gesamtsatz fängt mit einem dass-Satz an:

Dass das X mit Y verwechselt wird, …

Dann kommt der Hauptsatz:

… führt irgendwann dazu, …

gefolgt von zwei weiteren, durch und verbundenen gleichrangigen dass-Sätzen:

… dass das X das nicht mehr erträgt und dass das X das Y dann tötet

Dabei steht X für dass und Y für das. Wenn man nun alles zusammensetzt, erhält man diesen Satz:

Dass das X mit Y verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das X das nicht mehr erträgt und dass das X das Y dann tötet

Und wenn man X und Y wieder ersetzt:

Dass das dass mit das verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das dass das nicht mehr erträgt und dass das dass das das dann tötet.

Ein amüsantes Wortspiel. Doch nun kommt der pingelige Spielverderber: Die Kommas sind zwar richtig gesetzt, aber bei der Groß- und Kleinschreibung hapert es. Wo oben der bestimmte Artikel das vor dass und das steht, handelt es sich eigentlich um Substantivierungen, die großgeschrieben werden müssen. Nach den Rechtschreibregeln ganz richtig wäre also:

Dass das Dass mit das verwechselt wird, führt irgendwann dazu, dass das Dass das nicht mehr erträgt und dass das Dass das Das dann tötet.

So wäre es orthografisch korrekt, aber so viel Korrektheit ist leider auch witztötend.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Diese 1,5 Millonen monatliche(n) Nutzer

Frage

Ich hätte eine Frage zur Deklination nach Maßangaben an Sie. Sollte im folgenden Beispiel das Adjektiv „monatliche“ stark oder schwach dekliniert werden (auf den partitiven Genitiv soll verzichtet werden)?

Ein Jahr nach der Neugestaltung weist das Portal immer noch genau diese 1,5 Millionen monatliche(n) Nutzer aus.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

nach Million als Mengenangabe steht wie nach Pfund, Tonne oder Gruppe der Genitiv oder eine Apposition mit Kasusangleichung (vgl. hier und hier):

1,5 Millionen monatlicher Nutzer
1,5 Millionen monatliche Nutzer

Da Sie den Genitiv ausschließen, bleibt die Apposition. Das bedeutet, dass das Adjektiv stark gebeugt wird:

1,5 Millionen monatliche Nutzer
diese 1,5 Millionen monatliche Nutzer
vgl. diese zwei Gruppen monatliche Nutzer

Nun ist aber Million keine gewöhnliche Mengenangabe. Das Wort erfüllt auch die Aufgabe einer Kardinalzahl (nach 999 999 geht es ja mit eine Million weiter) und als solche wird es manchmal auch behandelt. Ohne ein Artikelwort merkt man nichts davon, denn ein Adjektiv wird dann auch stark gebeugt:

150 000 monatliche Nutzer
1,5 Millionen monatliche Nutzer

Wenn aber ein gebeugtes Artikelwort vor die Kardinalzahl gestellt wird, ändert sich die Beugung des nachfolgenden Adjektivs. Man verwendet dann die schwache Endung:

diese 150 000 monatlichen Nutzer
diese 1,5 Millionen monatlichen Nutzer

Da ich in keiner mir zur Verfügung stehenden Grammatik Angaben zu diesem nicht allzu häufig vorkommenden Fall finden konnte, das Internet beide Formulierungen ausweist und für mich beide Formulierungen akzeptabel klingen, kann ich Ihnen nur sagen, dass m. M. n. beides möglich ist. Man kann Million hier als Mengenangabe verwenden:

Ein Jahr nach der Neugestaltung weist das Portal immer noch genau diese 1,5 Millionen monatliche Nutzer aus.
Ein Jahr nach der Neugestaltung weist das Portal immer noch genau diese Gruppe monatliche Nutzer aus.

aber auch wie eine Kardinalzahl:

Ein Jahr nach der Neugestaltung weist das Portal immer noch genau diese 1,5 Millionen monatlichen Nutzer aus.
Ein Jahr nach der Neugestaltung weist das Portal immer noch genau diese 150 000 monatlichen Nutzer aus.

Das liegt daran, dass Million einerseites wie Pfund oder Gruppe eine substantivische Mengenangabe ist, andererseits aber wie hundert oder tausend die Funktion einer Kardinalzahl hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wer zweifelt, nimmt einfach den Genitiv: diese 1,5 Millionen monatlicher Nutzer.

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Ein Schwimmbecken zum Längenschwimmen

Die Frage nach der Schreibung von substantivierten Infinitiven und Infinitivgruppen taucht immer wieder auf. Insbesondere nach zum und beim scheint es – den eingehenden Fragen nach zu urteilen – häufig zu Unsicherheiten zu kommen. Deshalb heute wieder einmal dieses Thema:

Frage

Ich weiß, dass nach der Präposition „zum“ das Verb substantiviert wird. Wie sieht die Schreibung in dieser Konstellation aus: zum + Substantiv + Verb?

Heißt es „ein Schwimmbecken zum Längen schwimmen“ oder „zum Längenschwimmen“? Verhält es sich also wie bei „zum Fahrradfahren“? Eigentlich schon, oder?

Antwort

Guten Tag Frau F.,

der Schwimmsport und der Radsport sind nicht ganz dasselbe, aber beim Längenschwimmen verhält es sich genau gleich wie beim Fahrradfahren, zumindest was die Rechtschreibung angeht: Man schreibt beides zusammen und mit einem großen Anfangsbuchstaben.

Man trifft insbesondere nach zum und beim häufig andere Schreibweisen an, aber nach der Rechtschreibregelung werden substantivierte Infinitivgruppen zusammengeschrieben, wenn sie aus nur zwei Teilen bestehen. Dabei muss man sich übrigens häufig unerbittlich über die Vorschläge der Rechtschreibprüfung hinwegsetzen!

nicht:
*beim Längen schwimmen
*beim Längen Schwimmen

besser nicht:
beim Längen-Schwimmen

sondern:
beim Längenschwimmen

Und weil es so schön einfach ist, hier noch ein paar Beispiele:

beim Kaffeetrinken
zum Ostereierverstecken
zum Bäumeausreißen
beim Promisgoogeln

Das gilt übrigens nicht nur, wenn wie oben ein Substantiv vom Infinitiv abhängig ist, sondern auch bei Verbindungen mit anderen Wortarten:

etwas zum Selbermachen
kein Grund zum Sichaufregen
beim Schnellfahren erwischt werden
beim Nichtbeachten der Vorfahrt

Siehe auch hier und hier.

Wie einige der oben stehenden Beispiele und die nachfolgende Wortschöpfung zeigen, ist es häufig besser, auf das Infinitivgruppensubstantivieren zu verzichten. Hier hilft stilistisch auch kein Bindestrich mehr.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wurde die Kirche zu bauen begonnen? (II)

Es ist vielleicht einigen von Ihnen aufgefallen, dass hier gestern schon einmal ein Artikel zu diesem Thema stand. Durch die Bemerkung eines aufmerksamen Besuchers habe ich feststellen müssen, dass ich mich bei der ersten Beantwortung der Frage richtig klassisch verrannt hatte. Um Ihnen eine allzu lange und komplexe Richtigstellung zu ersparen, habe ich den Artikel zurückgezogen und stelle ich hier den zweiten Antwortversuch vor. Es geht um eine außergewöhnliche Konstruktion, die manchmal „langes Passiv“ genannt wird.

Frage

Könnten Sie mir bitte bestätigen, dass folgender Satz falsch ist:

Das Besondere an diesem Ort ist, dass die Kirche 1143 zu bauen begonnen wurde und es dann nur wenige Veränderungen gab

Es geht um den Satzteil „zu bauen begonnen wurde“. Grammatikalisch richtig, aber stilistisch äußerst unschön wäre meiner Meinung nach: „dass die Kirche 1143 gebaut zu werden begann […]“. Liege ich richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

der zitierte Satz ist außergewöhnlich und die Stellung der Jahrseszahl sorgt bei mir für Verwirrung, aber er ist nicht falsch. Betrachten wir den Satz zuerst einmal ohne diese Jahreszahl. Wir haben es dann mit einem unpersönlichen Passivsatz zu tun:

dass die Kirche zu bauen begonnen wurde

Das ist eine ungewöhnliche Konstruktion. Wie kommt sie zustande und was ist das Ungewöhnliche an ihr? Ich versuche dies anhand von drei Beispielsätzen zu zeigen. Beginnen wir im Aktiv:

Man begann die Kirche zu bauen
Man begann den Turm zu bauen
Man versuchte den Wagen zu reparieren (das klassische Beispiel bei diesem Thema)

Diese Sätze werden nun ins Passiv gesetzt:

Es wurde begonnen, die Kirche zu bauen
Es wurde begonnen, den Turm zu bauen
Es wurde versucht, den Wagen zu reparieren

und in einen Nebensatz umgeformt:

dass begonnen wurde, die Kirche zu bauen
dass begonnen wurde, den Turm zu bauen
weil versucht wurde, den Wagen zu reparieren

Bei den Verben versuchen, beginnen, vergessen, beabsichtigen kann die Infinitivgruppe nicht nur am Schluss, sondern auch innerhalb einer solchen Satzklammer stehen (kohärente Konstruktion). Das sieht dann so aus:

dass die Kirche zu bauen begonnen wurde
dass der Turm zu bauen begonnen wurde
weil der Wagen zu reparieren versucht wurde

Der aufmerksamen Betrachterin fällt hier auf, dass Turm, Wagen und analog auch Kirche nicht mehr im Akkusativ, sondern im Nominativ stehen. Diese Konstruktion wird auch „langes Passiv“ genannt. Durch die Integration der Infinitivgruppe in den übergeordneten Satz entsteht am Satzende eine Verbgruppe, die als eine Einheit angesehen wird: zu bauen begonnen wurde resp. zu reparieren versucht wurde. Das Akkusativobjekt der Infinitivgruppe wird zum Subjekt des übergeordneten Verbs uminterpretiert und steht dann im Nominativ. So kann es geschehen, dass den Turm zu der Turm wird:

dass begonnen wurde, den Turm zu bauen
dass der Turm zu bauen begonnen wurde
(nicht: dass den Turm zu bauen begonnen wurde?)

Das ist zwar rein logisch gesehen fragwürdig, aber die Sprache funktioniert nicht immer nach den Regeln der Logik. Hier noch zwei Beispiele:

weil das Fenster zu schließen vergessen wurde
Alle Produkte, die unfachmännisch zu reparieren versucht wurden …

Der langen Erklärung kurzer Sinn: Die Formulierung dass die Kirche zu bauen begonnen wurde ist zwar eine außergewöhnliche Konstruktion, sie ist aber im Deutschen so akzeptiert.

Kommen wir zu guter Letzt zur Stellung der Jahreszahl:

dass die Kirche 1143 zu bauen begonnen wurde

Wenn man den Infinitivsatz einfach wieder auslagert, erhält man diesen Satz:

dass begonnen wurde, die Kirche 1143 zu bauen

Das würde heißen, dass die Kirche im Jahr 1143 gebaut wurde. Große Bauprojekte dauerten damals (und auch heute noch!) um einiges länger. Deshalb ist der Satz für mich recht verwirrend, wenn ich ihn zu analysieren versuche. Gemeint ist:

dass 1143 begonnen wurde, die Kirche zu bauen

Die Jahreszahl gehört nicht zur Infinitivgruppe (mit bauen), sondern zum übergeordneten Satz (mit beginnen). Es müsste also eigentlich heißen:

dass 1143 die Kirche zu bauen begonnen wurde

Da nun aber die Kirche, wie wir oben gesehen haben, nicht mehr Akkusativobjekt, sondern Subjekt ist und das Subjekt eine starke Tendenz hat, an erster Stelle zu stehen, kann die Jahreszahl doch hinter Kirche in den (ursprünglichen) Infinitivsatz hineinrutschen:

Das Besondere an diesem Ort ist, dass die Kirche 1143 zu bauen begonnen wurde und es dann nur wenige Veränderungen gab

Nachdem ich nun den Satz auseinandergenommen und seine Konstruktion verteidigt habe, möchte ich doch dafür plädieren, solche Formulierungen mit Maßen zu verwenden. Es gibt einfachere und elegantere (und mich weniger in Verwirrung bringende) Arten, dasselbe auszudrücken. Zum Beispiel:

dass der Bau der Kirche 1143 begann
dass 1143 mit dem Bau der Kirche begonnen wurde

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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