Umzug

Diese Woche sind Blogartikel spärlich und die Antwortzeiten lang. Das liegt daran, dass ich umziehe. Nicht der Blog und nicht Canoonet, sondern Dr. Bopp ganz privat hat morgen Umzugstag, und das bei Temperaturen die besser für einen karibischen Sommerkarnevalsumzug als für einen mitteleuropäischen Wohnungsumzug geeignet wären. Guten Mutes, aber doch schon leicht gestresst muss ich Sie deshalb um etwas Geduld bitten.

Wortbildung Umzug

Diese Wortbildungsinformationen finden Sie in Canoonet

Kommentare (1)

Als Ganzes

Frage

Ich habe eine Frage zur Anwendung der Flexion: „Die Bemerkungen orientieren sich an der Heiligen Schrift als Ganzer (Ganzem, Ganzes????).“

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

wenn mit dieser Wendung etwas in seiner Gesamtheit gemeint ist, wird üblicherweise die sächliche Form verwendet.

als Gesamtheit = als Ganzes

Das substantivierte Adjektiv wird nur im Kasus angeglichen:

die Heilige Schrift als Ganzes
sich an der Heiligen Schrift als Ganzem orientieren
= an der Heiligen Schrift in ihrer Gesamtheit

der Park als Ganzes
für den Park als Ganzes
= für den Park in seiner Gesamtheit

Die Übereinstimmung in Kasus und Genus ist weniger üblich, aber auch möglich. Dann muss allerdings kleingeschrieben werden, weil das Adjektiv ganz sich dann direkt auf das vorhergehend Substantiv bezieht:

die Heilige Schrift als ganze
an der Heiligen Schrift als ganzer

der Park als ganzer
für den Park als ganzen

Eine weitere Tücke besteht darin, dass als Ganzes nicht im Genitiv stehen kann. Das liegt daran, dass im Deutschen eine Nomengruppe u. a. nur dann im Genitiv stehen kann, wenn mindestens ein Wort die Genitivendung (e)s oder er hat. Das ist hier nicht der Fall:

nicht: das Symbol der Heiligen Schrift *als Ganzen
(möglich: das Symbol der Heiligen Schrift als ganzer; er = weibl. Gen. Sing.)
nicht:
die Renovation des Parks als Ganzen

Man muss in solchen Fällen also wieder einmal Ausweichen. Am einfachsten geht das, indem man den unbestimmten Artikel einfügt, der im Genitiv die geforderte Genitivendung es hat:

das Symbol der Heiligens Schrift als eines Ganzen
die Renovation des Parks als eines Ganzen

Wenn Ihnen das zu umständlich oder zu gehoben klingt, dann müssen Sie anders formulieren. Zum Beispiel:

das Symbol der Heiligen Schrift als einer Einheit
die Renovation des gesamten/ganzen Parks

Es gäbe bestimmt noch mehr dazu zu sagen. Man braucht also ziemlich viele Worte, um das Phänomen als Ganzes als Ganzes zu beschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Achtung, Hühner!

Frage

Eine Anzeige lautet beispielsweise:

Achtung Referendare!
Rechtssicher handeln mit der Ausbildungsliteratur aus dem Hause …

Muss oder kann nach „Achtung” ein Komma stehen oder wäre ein Komma gerade falsch? Es soll nicht vor Referendaren gewarnt werden, sondern diese sollen aufmerksam gemacht werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

sowohl die an Referendare gerichtete Aufforderung, sie sollen aufpassen, als auch die Aufforderung, vor Referendaren aufzupassen, werden mit Komma geschrieben:

Achtung, Referendare!

Vgl.

Vorsicht, Stufe!
Achtung, bissiger Hund!

Passt auf, Kinder!
Achtung, Michael, die Ampel ist rot!

Es gibt fast keine Möglichkeit, eventuellen Zweideutigkeiten dieser Art mit Hilfe der Zeichensetzung vorzubeugen. (Die Aufforderung vor etwas oder jemandem aufzupassen, kann – aber muss keineswegs – mit einem Doppelpunkt geschrieben werden: Achtung: Referendare! Aber das ist ja gerade, was in Ihrem Beispiel nicht gesagt werden soll.)

In der Regel gibt die Bedeutung oder der weitere Zusammenhag an, was gemeint ist. Falls dies nicht so ist und es zu Problemen führen kann, muss anders formuliert werden. In Ihrem Beispiel sollte es meiner Meinung nach nicht zu Missverständnissen kommen (außer bei den üblichen Spaßvögeln, siehe auch unten).

Mir kommt hier ein Schild am Straßenrand bei einem Bauernhof in den Sinn, an dem wir auf einer unsere Lieblingsfahrradtouren vorbeikommen. Darauf steht in großen Buchtstaben die Warnung:

Achtung, Hühner!

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass wir uns dann fröhlich fragen (Achtung, Humor!), wovor die Hühner denn aufpassen sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ich gelang?

Frage

[…] Es geht um:

Ich gelang (te) auf einem anderen Weg in den Besitz dieses Werkes.

Beim ersten Durchblättern der Grammatiktabellen in einem Werk des […]-Verlages stellte ich fest, dass die Formulierung „ich gelang“ dort nicht vorgesehen ist. Das verwirrt mich sehr, denn sowohl Canoo als auch Wiktionary sehen diese Form vor.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Wortform ich gelang ist tatsächlich in Canoonet zu finden. Warum sie nicht im Werk steht, das Sie konsultiert haben, weiß ich natürlich nicht genau. Wichtig sind hier jedenfalls die folgenden beiden Präzisierungen:

Erstens: Die Form ich gelang gehört zum Verb gelingen. Das Verb gelangen wird regelmäßig gebeugt. Es heißt also korrekt:

Ich gelangte auf einem anderen Weg in den Besitz dieses Werks.

Die Form ich gelang kann nur als (umgangssprachlich oder poetisch) verkürzte Präsensform zu gelangen gehören:

Wie gelang[e] ich in den Besitz dieses Werks?

Zweitens: Die Vergangenheitsform ich gelang kommt äußerst selten vor. Das Verb gelingen wird vor allem in der dritten Person verwendet: etwas gelingt (jemandem). Die Formen der zweiten Person kommen selten vor, zum Beispiel wenn Gegenständliches personifiziert und direkt angesprochen wird:

Was soll ich tun, neuer Tag, dass du gut gelingst?
Lied, wie schlecht gelingst du mir!

Die Formen der ersten Person sind noch seltener. Sie sind wohl vor allem theoretisch möglich:

Lied, wie schlecht gelangst du mir! – Ich gelang dir nicht, weil …

Damit stellt sich die Frage, ob man solche Formen in Konjugationstabellen aufnehmen soll oder nicht. Nimmt man sie auf, könnte der Eindruck entstehen, sie seien allgemein üblich. Nimmt man sie nicht auf, sieht es so aus, als seien sie grundsätzlich falsch. Beides ist nicht der Fall.

Wenn man sie wie Canoonet anzeigt, müsste idealerweise auch eine recht detaillierte Beschreibung der Verwendungsmöglichkeiten von Formen dieser Art hinzugefügt werden. Solche detaillierten Angaben zur Verwendung „problematischerer“ Formen stehen schon lange auf meiner Wunschliste der Dinge, um die ich unsere Wörterbücher gerne ergänzt sehen würde. Aus Kapazitätsgründen verschiedener Art müssen Sie und ich uns aber leider noch gedulden und ohne sie auskommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Fremdsprachige Grüße: mit einem „à bientôt“

Frage

Mich quält da eine Frage. Ich habe folgenden Satz vorliegen:

Sie verabschiedete sich mit einem a bientot – bis bald – von ihm.

Mit Accents? In Anführungszeichen? Groß oder klein? Mit Bindestrichen (mit einem à-bientôt)? Gibt es eine elegantere Lösung als die Gedankenstriche?

Ich gestehe, ich bin etwas überfordert. Wie würden Sie diesen Satz schreiben?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

da der Abschiedsgruß französisch ist und auch noch übersetzt wird, würde ich ihn ganz einfach als Zitat behandeln, der in den Text integriert ist. Sie schreiben in gleich wie im Französischen und kennzeichnen ihn mit Anführungszeichen oder Kursivdruck als fremdsprachigen Ausdruck:

Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“ von ihm
(auch: mit einem „À bientôt!“, vgl. unten)

Wenn Sie die deutsche Übersetzung auch angeben, können Gedankenstriche verwenden. Es gibt aber auch andere Möglichkeit wie zum Beispiel Klammern oder Kommas:

Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“ – bis bald – von ihm.
Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“ (bis bald) von ihm.
Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“, bis bald, von ihm.

Ähnliches gilt auch für andere Wendungen, die viele aus dem Urlaub kennen:

sein kurzes „hasta la vista“
ihr fröhliches „come stai“
mit einem „kali nichta“
Er hat nicht einmal „good morning“ gesagt
Sie warf ihm ein „dzień dobry“ zu.

Da diese Wendungen auch als verkürzte Ganzsätze gesehen werden können, kann auch großgeschrieben werden: ein kurzes „Hasta la vista!“, ihr fröhliches „Come stai?“, mit einem „Kali nichta“, nicht einmal „Good morning“ sagen, ein „Dzień dobry“.

Mit freundlichen Grüßen, ciao und „à bientôt“

Dr. Bopp

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Unklarer Bezug: Notwehrfälle mit Schusswaffen aus Österreich

„Warnung“: Wer immer und überall eindeutige Formulierungen haben will, wird enttäuscht sein.

Frage

Es geht um Notwehrfälle die in Österreich stattgefunden haben, bei welchen eine Schusswaffe verwendet wurde. Die Formulierung ist:

Es sind bereits viele Fälle von Notwehr mit Schusswaffen aus Österreich in die Medien gekommen.

Nun wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass man den Satz auch so verstehen könnte, dass nicht die Fälle in Österreich stattgefunden haben, sondern dass lediglich die Schusswaffen aus Österreich waren. Ist die ursprüngliche Formulierung wirklich dermaßen unverständlich? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

Ihr Satz kann ohne weiteren Zusammenhang tatsächlich zweierlei bedeuten:

– viele Fälle aus Österreich, in denen es um Notwehr mit Schusswaffen geht
– viele Fälle von Notwehr mit aus Österreich stammenden Schusswaffen

Rein grammatisch gibt es sogar eine dritte Variante, die nur durch ihre Bedeutung relativ unwahrscheinlich ist:

– viele Fälle von österreichischer Notwehr mit Schusswaffen

Beim spontanen ersten Lesen Ihres Satzes habe ich den Satz so verstanden, wie Sie ihn gemeint haben. Die zweite Interpretationsmöglichkeit habe ich erst beim Weiterlesen erkannt. Ich bin der Meinung, dass Sie Ihren Satz nicht anpassen müssen, weil ich annehme, dass er nicht allein steht. Vorher oder nachher (oder eventuell in einem Text, auf den verwiesen wird) steht der weitere Zusammenhang, aus dem hervorgeht, ob es um Notwehrfälle aus Österreich oder um Schusswaffen aus Österreich geht. Eine solche Formulierung steht selten wie oben im Titel ganz allein für sich. Wenn Sie sich trotzdem eindeutig und ebenso kurz ausdrücken möchten, können Sie den Satz auch wie folgt abfassen. Er ist nicht sehr elegant, aber eindeutig:

Es sind bereits viele Fälle aus Österreich von Notwehr mit Schusswaffen in die Medien gekommen.

Es kommt übrigens sehr häufig vor, dass ohne weiteren Kontext nicht eindeutig ist, worauf sich ein Teil des Satzes bezieht.

Sie fuhr mit den Nachbarn und ihren Kindern weg.
Wessen Kinder sind das?
Ich nehme den Kuchen und den Kaffee ohne Sahne.
Nehme ich nur den Kaffee oder beides ohne Sahne?
Herr M. kam mit einem Auto aus Deutschland.
Kam Herr Müller aus Deutschland oder kam er mit einem deutschen Auto?

Das Deutsche lässt uns hier bei der Formulierung oft viel Freiheit und gelegentlich – wenn man sehr auf exakte Formulierungen besteht – sogar im Stich. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn normalerweise steht ein Satz ja innerhalb eines Zusammenhangs, aus dem sich ergibt, welche Lesung gemeint ist. Und manchmal ist es ja auch egal, wie der Bezug genau aussieht: Ob sie nun aus Rio zurückkommen mit Medaillen oder ob sie zurückkommen mit Medaillen aus Rio, Hauptsache:

Sie kommen erfolgreich mit Medaillen aus Rio zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Stellt man etwas wieder her oder wiederher?

Frage

Ich habe einmal eine Frage zu dem Wort „wiederherstellen“ wie beispielsweise im Satz:

So stellt man den alten Zustand wieder her / wiederher.

Da sehen Sie auch schon das Dilemma: Eine Korrekturleserin meinte, das „wiederher“ werde in diesem Fall zusammengeschrieben und der Duden bestätigt diese Aussage sogar. Ich finde diese Schreibweise jedoch sehr ungewöhnlich und möchte behaupten, das in dieser Form noch nie gesehen zu haben […]. Haben Sie eine Erklärung?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

Sie haben recht. Die korrekte Schreibweise ist:

So stellt man den alten Zustand wieder her.

Siehe zum Beispiel hier (weit unten auf der Seite), hier und hier.

Das Verb wiederherstellen gehört zu den wenigen Verben, bei denen ein abtrennbarer Verbteil vor einem bereits trennbaren Verb steht (wieder+herstellen). Weitere Beispiele sind:

wiederaufbauen, wiederaufnehmen, wiedereinstellen, wiedergutmachen, miteinbeziehen u.a.m.

Das Besondere an diesen „doppelt trennbaren“ Verben ist, dass sie im Hauptsatz nicht wie gewöhnliche trennbare Verben in zwei, sondern in drei Teile auseinanderfallen:

Man stellt den alten Zustand wieder her. (nicht *widerher)
Sie bauten das Haus wieder auf. (nicht *wiederauf)
Wie mache ich das nur wieder gut? (nicht *wiedergut)
Beziehen Sie das in Ihre Überlegungen mit ein! (nicht *mitein)

Die meisten von uns schreiben diese Formen spontan richtig. Man begegnet ihnen aber dennoch hin und wieder, insbesondere in automatisch erzeugten Konjugationstabellen. Im Allgemeinen sind deutsche Verben in dieser Hinsicht entweder einteilig (wiederholen – ich wiederhole) oder zweiteilig (wiederkehren – ich kehre wieder). Die meisten Programme können damit problemlos umgehen. Einige von ihnen „stolpern“ aber über diese dreiteiligen Verben (wiederherstellen – ich stelle wieder her), weil sie im Programm nicht vorgesehen sind, und behandeln sie fälschlich gleich wie die zweiteiligen Verben (*ich stelle wiederher).

Ich vermute, dass im Wörterbuch, das Sie in Ihrer Frage erwähnen, ein ähnlicher Fehler passiert ist. Man findet dort in der Konjugationstabelle des Verbs wiederherstellen tatsächlich die Form ich stelle wiederher. Dasselbe Wörterbuch gibt dann aber bei zum Beispiel wiederherrichten in der Tabelle korrekt ich richte wieder her an. Fehler können überall vorkommen (auch bei uns …).

Ich hoffe, dass das Vertrauen in Ihr Schreibgefühl durch diese Antwort gänzlich wiederhergestellt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Dick und dünn groß oder klein?

Frage

Ich tue mich etwas schwer mit der Schreibunge von „dick und dünn“ bzw. „Dick und Dünn“. Gibt es da Regeln?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

ob man „dick und dünn“ oder „Dick und Dünn“ schreibt, hängt vom Kontext ab. In der Wendung

durch dick und dünn

schreibt man die Adjektive wie oben klein. Nach der Rechtschreibregelung schreibt man feste adverbiale Wendungen, die aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv bestehen, klein (siehe hier). Die Wendung durch dick und dünn = in allen Situationen, in allen Lebenslagen entspricht dieser Regel, auch wenn sie zwei Adjektive enthält. Beispiele:

Man sah den Turm schon von fern.
Reparaturen nur gegen bar
Sie arbeitete von früh bis spät.
Die Zuschauer kamen von nah und fern.
Wir werden uns über kurz oder lang entscheiden müssen.
Echte Freunde gehen miteinander durch dick und dünn.

Die Großschreibung Dick und Dünn kann aber auch vorkommen, zum Beispiel dann, wenn alle Menschen ungeachtet ihrer Leibesfülle gemeint sind:

Sportliche Aktivitäten für Jung und Alt und Dick und Dünn.

Nicht gebeugte Paarformeln von ungebeugten Adjektiven werden großgeschrieben (siehe hier). Weitere Beispiele:

ein Programm für Alt und Jung
Alt und Jung
war(en) begeistert.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst rasant.
Supermarkt für Arm und Reich
jenseits von Gut und Böse
der Kampf zwischen Gut und Böse
Aktivitäten für Dick und Dünn

Es wäre schön, wenn damit alle Zweifelsfälle aus der Welt geschafft wären. Dem ist natürlich nicht so, aber für heute soll es genügen, dass sich mit diesen beiden Regeln sehr viele der Zweifelsfälle in diesem Teilbereich bewältigen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Basilikum und Basilika

Heute einmal eine Frage zur Wortherkunft, die bei uns am Tisch auftauchte. Sie passt gut zum Sommer und zur Urlaubszeit. Man denke an Sonne, gutes Essen, Italien und Kultur.

Das sommerlichste aller Küchenkräuter ist Basilikum. Vor allem mit Tomaten schmeckt es ausgezeichnet. Das war auch gestern Abend der Fall. Es gab Insalata caprese, die italienische Vorspeise mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum. Aber ums Kochen und um Rezepte soll es hier ja nicht gehen (leider …). Also zurück zur Sprache: Beim Essen kam die Assoziation Basilikum – Basilika auf. Die Wörter klingen fast gleich und sie haben beide etwas Mediterranes, aber was hat eine aromatische Pflanze mit Kirchenbauten gemein?

Die Antwort lautet: Sie haben beide etwas Königliches.

Basilika

Eine Basilika ist ein mehrschiffiger Kirchenbau mit einem erhöhten Mittelschiff. Dieser Bautypus war vor allem im Mittelalter beliebt, kam aber schon in frühchristlicher Zeit vor. Architektonisches Vorbild waren öffentliche Markt- und Gerichtshallen in Rom. Eine solche basilica richtete sich wiederum nach einem griechischen Muster, der basilikḗ (stoá), was so viel wie königliche Wohnung bedeutet. Das Adjektiv basilikós ist eine Ableitung von basilé͞us = König.

Basilikum

Das Wort Basilikum ist die sächliche Form des lateinischen Adjektivs basilicus = königlich, fürstlich. Die Lateiner haben es, wie wir bereits gesehen haben, von den Griechen übernommen, die das Kraut basilikon phutón nannten, d. h. königliche Pflanze.

Basilikum ist also eine königliche Pflanze und eine Basilika ein königliches Bauwerk – jedenfalls was ihre Wortherkunft betrifft.

Basilisk

Harry-Potter-Fans, sonstige Kenner von Fabelwesen sowie Reptilienkundige wissen, dass es ein weiteres sehr ähnlich klingendes Wort gibt: Basilisk. Das Fabelwesen mit tödlichem Blick und die Echsenart tragen ebenfalls einen griechischen Namen: basilískos bedeutet kleiner König, Prinz. Es war wahrscheinlich der Name einer Echsenart mit einem weißen Fleck auf dem Kopf, der einer Krone glich.

Die Frage, die beim gestrigen Abendessen aufkam, ist so weit beantwortet. Und wenn ich an den Tomaten-Mozzarella-Salat zurückdenke, muss ich sagen, dass frisches Basilikum wirklich königlich schmeckt.

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Max und Moritz und die Form des Verbs

Frage

Ich habe Ihnen schon einmal eine Frage zum Numerus vorgelegt. Mein Beispielsatz lautete:

In der Deutschstunde wurde Max gelobt und Moritz getadelt.

Dass hier der Singular „wurde“ verwendet wird, haben Sie damals folgendermaßen erklärt: Es handelt sich um die Zusammenziehung zweier Sätze, bei der das Hilfsverb „wird“ nur einmal genannt wird, da es in beiden Sätzen identisch ist. Wie übertrage ich diese Erklärung auf den folgendermaßen abgewandelten Satz:

In der Deutschstunde wurde Max vom Lehrer und Moritz vom Schuldirektor gelobt.

Auch dieser Satz ist meinem Sprachgefühl nach mit dem Singular „wurde“ korrekt; er kann dies aber wohl nur dann sein, wenn man davon ausgeht, dass auch hier zwei Sätze mit jeweils einem eigenen Subjekt und einem eigenen Prädikat vorliegen. […]

Genau dieselbe Frage würde sich bei Sätzen wie „Max wurde um 11 Uhr und Moritz um 12 Uhr geboren“ und „Vergangenes Jahr reiste Max nach Innsbruck und Moritz nach Bregenz“ stellen.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

es geht hier um Sätze mit mehreren Subjekten und einem und. Kurz zusammengefasst gilt in solchen Fällen die folgende vereinfachende Regel:

a) Wenn in einem Satz mit mehr als einem Subjekt der Rest des Satzes für alle Subjekte identisch ist, handelt es sich um ein mehrteiliges Subjekt. Das Verb richtet sich nach der Mehrteiligkeit des Subjekts und steht im Plural.

b) Wenn in einem Satz mit mehr als ein Subjekt sich weitere Teile des Satzes auf das eine resp. das andere Subjekt beziehen, handelt es sich um einen zusammengezogenen Satz. In zusammengezogenen Sätzen richtet sich das Verb nach dem Subjekt, das ihm am nächsten steht.

Diese Faustregel gilt nur für Aneinanderreihungen mit und. Sie ist weder wissenschaftlich präzis noch wirklich leicht verständlich. Deshalb folgen hier ein paar Beispiele, die illustrieren sollen, was gemeint ist:

a) Mehrteiliges Subjekt
Nur die Subjekte unterscheiden sich voneinander – Das Verb steht im Plural

In der Deutschstunde wurden Max und Moritz gelobt.
In der Deutschstunde wurde Max gelobt.
In der Deutschstunde wurde Moritz gelobt.

In der Deutschstunde wurden Max und Moritz vom Lehrer gelobt.
In der Deutschstunde wurde Max vom Lehrer gelobt.
In der Deutschstunde wurde Moritz vom Lehrer gelobt.

Max und Moritz wurden um 11 Uhr geboren.
Max wurde um 11 Uhr geboren.
Moritz wurde um 11 Uhr geboren.

Vergangenes Jahr reisten Max und Moritz nach Innsbruck.
Vergangenes Jahr reiste Max nach Innsbruck.
Vergangenes Jahr reiste Moritz nach Innsbruck.

Max und Moritz trinken Bier.
Max trinkt Bier.
Moritz trinkt Bier.

b) Zusammengezogene Sätze
Die Subjekte und weitere Satzteile unterscheiden sich voneinander – Das Verb richtet sich nach dem ihm am nächsten stehenden Subjekt.

In der Deutschstunde wurde Max gelobt und Moritz getadelt.
In der Deutschstunde wurde Max gelobt.
In der Deutschstunde wurde Moritz getadelt.

In der Deutschstunde wurde Max vom Lehrer und Moritz von der Schuldirektorin gelobt.
In der Deutschstunde wurde Max vom Lehrer gelobt.
In der Deutschstunde wurde Moritz von der Schuldirektorin gelobt.

Max wurde um 11 Uhr und Moritz um 12 Uhr geboren.
Max wurde um 11 Uhr geboren.
Moritz wurde um 12 Uhr geboren.

Vergangenes Jahr reiste Max nach Innsbruck und Moritz nach Bregenz.
Vergangenes Jahr reiste Max nach Innsbruck.
Vergangenes Jahr reiste Moritz nach Bregenz.

Max trinkt Bier und Moritz Wein.
Max trinkt Bier.
Moritz trinkt Wein.

Ich hoffe nur, dass die große Zahl an Beispielen mit den Namen Max und Moritz nicht mehr verwirrt als erhellt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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