Über das Weglassen gemeinsamer Adjektive

Heute geht es um eine Frage, der viele beim Verfassen von Reklametexten, Produktbeschreibungen und Ähnlichem begegnen – und die auch das geschlechtergerechte Formulieren im Deutschen ziemlich umständlich machen kann.

Frage

Ich wollte wissen, wie man ein Adjektiv handhabt, das sich auf zwei Substantive mit verschiedenem Genus bezieht. Soll das Adjektiv dann im Plural oder Singular stehen. Das Beispiel ist: „mit Stoff oder Leder bezogene/r Sitz und Rückenlehne“.

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

es ist nicht möglich, in dieser Weise zu formulieren. Wenn zwei Substantive nicht in Genus (Geschlecht) und Numerus (Zahl) übereinstimmen, kann ein gemeinsames Bestimmungswort nicht weggelassen werden. Das bedeutet, dass ein vorangestelltes Adjektiv sich nur dann auf zwei Substantive beziehen kann, wenn diese das gleiche Genus und den gleichen Numerus haben. Mehr dazu finden Sie hier.

Diese Bedingung ist in Ihrem Beispiel nicht erfüllt: Sitz ist männlich und Rückenlehne ist weiblich. Das adjektivische Partizip bezogen… kann sich also nicht auf beide Substantive beziehen.

nicht: mit Stoff oder Leder bezogener Sitz und Rückenlehne
nicht: mit Stoff oder Leder bezogene Sitz und Rückenlehne

nicht: graues Armaturenbrett und Türverkleidungen
nicht: graue Türverkleidungen und Armaturenbrett

Sie müssen deshalb umformulieren. Zum Beispiel:

mit Stoff oder Leder bezogener Sitz und mit Stoff oder Leder bezogene Rückenlehne
Sitz und Rückenlehne sind mit Stoff oder Leder bezogen
Sitz und Rückenlehne mit Stoff oder Leder bezogen

graues Armaturenbrett und graue Türverkleidungen
Armaturenbrett und Türverkleidungen grau

Wenn das nicht möglich ist, können Sie eventuell mit Schrägstrichen, Klammern o. Ä. arbeiten (wovon ich aber abraten würde):

Mit Stoff oder Leder bezogene(r) Sitz und Rückenlehne

Die Einschränkung, dass ein Bestimmungswort sich nicht auf zwei Substantive mit unterschiedlichem Genus beziehen kann, macht es oft so schwierig, eine elegant kurze Formulierung zu finden, wenn es um Frauen und Männer geht.

Sehr geehrte Frau Müller und sehr geehrter Herr Müller
nicht: sehr geehrte Frau Müller und Herr Müller
nicht: sehr geehrte Herr und Frau Müller

Liebe Anna, lieber Tom
Nicht: Liebe Anna und Tom

Letzteres wäre nicht so nett für Tom, denn auf ihn kann das Adjektiv liebe sich eigentlich nicht beziehen.

jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer
nicht: jede Teilnehmerin und Teilnehmer

Suche einen jungen Mitarbeiter oder eine junge Mitarbeiterin
nicht: Suche einen jungen Mitarbeiter oder Mitarbeiterin

Hier kann es häufig hilfreich sein, dass die oben genannte „Übereinstimmungsregel“ nicht ganz vollständig formuliert ist. Das gemeinsame Bestimmungswort kann nämlich dann trotzdem weggelassen werden, wenn es vor beiden Substantiven dieselbe Form hat.** Das ist insbesondere im Plural der Fall, wo Adjektive in allen drei Genera gleich dekliniert werden. Deshalb wird oft auf den Plural ausgewichen, wenn einfacher formuliert werden soll:

alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer
alle Teilnehmenden

Mit freundlichen Grüßen (auch an die geschätzten Leserinnen und Leser dieses Blogs)

Dr. Bopp

** Man kann diese Einschränkung also vereinfachen, indem man rein formal formuliert: Ein gemeinsamens Bestimmungswort kann nicht weggelassen werden, wenn es nicht vor beiden Substantiven die gleiche Form hat.

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Der Fall in »der Meinung sein«

Heute schon wieder der Fall eines ungewöhnlichen Falles:

Frage

Dürfte ich eine Frage stellen:

Ich bin der Meinung, dass …

In welchem Fall steht „der Meinung“? Genitiv oder Dativ? Ich bin mir nämlich nicht sicher, welcher der beiden folgenden Sätze richtig ist:

Diese Meinung, deren ich nicht bin, wird häufig vertreten. (Gen.)
Diese Meinung, der ich nicht bin, wird häufig vertreten. (Dat.)

Der zweite klingt besser, aber auch irgendwie nicht ganz richtig. Oder ist keine dieser Formulierungen korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

keine der beiden Formulierungen klingt wirklich richtig, weil keine von ihnen wirklich richtig ist. In der Wendung der Meinung sein steht Meinung im Genitiv. Es handelt sich um einen prädikativen Genitiv, d.h. um einen Genitiv, der über das Verb sein mit dem Subjekt verbunden ist. Solche Genitive kommen nur noch bei bestimmten Substantiven in relativ festen Wendungen vor. Zum Beispiel:

der/gleicher/anderer Ansicht sein
der/gleicher/anderer Meinung sein
guten Mutes, guter Laune, guter Dinge sein
gleichen Alters sein
guter Hoffnung sein
voller Erwartung, voller Hoffnung, voller Spannung sein
des Glaubens sein
reinen Herzens sein
bäuerlicher Herkunft sein
natürlichen Ursprungs sein

Es müsste also theoretisch heißen:

*Diese Meinung, deren (o. derer) ich nicht bin, wird häufig vertreten.

Warum theoretisch und warum das Sternchen vor dem Beispielsatz? Bei festen Wendungen ist es oft so, dass syntaktisch nicht alles möglich ist, was bei „normalen“ Wendungen vorkommt. So ist es bei diesen Wendungen z. B. nicht möglich (oder sehr ungebräuchlich), einen Relativsatz zu bilden:

nicht: *die (üble) Laune, deren wir sind
nicht: *das Alter, dessen sie sind
nicht: *das reine Herz, dessen ihr seid
nicht: *die Meinung, deren ich nicht bin

Sie können hier deshalb besser auf eine andere Formulierung ausweichen. Zum Beispiel:

Diese Meinung, die ich nicht teile, wird häufig vertreten.

Ich hoffe, dass Sie hier mit mir einer Meinung sein werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Darauflegen und darüberstreuen

Frage

In welchen Fällen schreibt man „darüber“ oder „darauf“ mit Verben zusammen, in welchen getrennt? Wie heißt es:

darüber streuen oder darüberstreuen
darüber legen oder darüberlegen

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

die Getrennt- und Zusammenschreibung bei Verbverbindungen ist ziemlich komplex. In Fällen wie diesen hilft mir die folgende Faustregel meistens weiter:

Man schreibt darüber und darauf  mit einem einfachen Verb zusammen, wenn die Hauptbetonung auf darüber oder darauf liegt, und zwar auf dem ü bzw. dem au:

a) Speckscheiben darauflegen,
a) dann Käse darüberstreuen

Man schreibt die Verbindung getrennt, wenn die Hauptbetonung nicht auf darauf oder darüber liegt:

b) Ich kann mich nicht darauf konzentrieren
b) Wir sollten darüber reden.

Es wird ebenfalls getrennt geschrieben, wenn die Hauptbetonung auf dar liegt:

c) Hast du die Speckscheiben darauf gelegt? Dort gehören sie nicht hin.
c) Ich will nicht darüber reden, sondern über etwas ganz anderes.

Dies gilt nicht nur für darauf und darüber, sondern auch zum Beispiel für dabei, dafür, dagegen, daher, dahin, dahinter, daneben, darauf, darum, darunter, davon, davor, dazu und dazwischen. Einige Beispiele:

a) Das sollte man immer dabeihaben.
b) Was hast du dir dabei gedacht?
c) Was hast du dir dabei gedacht?

a) Wir machen mit, weil alles dafürspricht.
b) Ich habe dafür bezahlt.
c) Soll ich etwa dafür bezahlen?

a) Ich werde mich mit allem dagegenstellen, was mir zur Verfügung steht.
b) Er konnte sich nicht dagegen wehren.
c) Wie hätte ich mich dagegen wehren können.

a) Schau mal, wie der daherkommt!
b) Wir haben daher beschlossen, dass …
c) Das wird daher kommen, dass ihr nicht gut aufgepasst habt.

a) Ich werde schon noch dahinterkommen, wer es getan hat.
b) Er ging zum Pult und blieb dahinter stehen.

a) Sie haben versucht, eine Wolldecke darunterzulegen.
b) Ich weiß nicht, was darunter zu verstehen ist.

a) Es ist noch eine Aufgabe dazugekommen.
b) Ich bin noch nicht dazu gekommen, die Aufgabe zu lösen.

Ob man hier getrennt oder zusammenschreibt, hängt also von der Betonung oder eigentlich vom Zusammenhang und der genauen Bedeutung ab. Es ist deshalb nicht möglich, bei einer allein stehenden Verbindung eindeutig zu sagen, ob man zum Beispiel dafürkönnen oder dafür können, daherkommen oder daher kommen, dazwischenreden oder dazwischen reden schreibt.

Nur in Verbindung mit dem Verb sein ist alles klar. Unabhängig von Betonung und Bedeutung wird immer getrennt geschrieben: dafür sein, dagegen sein, dabei sein, davor sein usw.

Ich hoffe, dass Sie trotz der vielen Beispiele dabeigeblieben sind und sich nicht allzu sehr dabei gelangweilt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Worte sind genug gewechselt – Lasst mich das Subjekt sehn!

Frage

„Der Worte sind genug gewechselt, Lasst mich auch endlich Taten sehn!“ (Goethe)

Ich brauche Ihre Hilfe: „der Worte“? Was ist das Subjekt? Ich verstehe also die Grammatik dieses Satzes nicht.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

Goethes Dichtersprache hält sich nicht immer an die aktuellen Regeln der deutschen Grammatik! Vieles im folgenden Erklärungsversuch entspricht also nicht dem, was im heutigen Standarddeutschen möglich oder üblich ist.

Der erste Schritt zur Lösung Ihres Problems liegt beim Wort genug. Es wird in diesem Goethezitat als unbestimmtes Pronomen verwendet. Als solches kann es zu einer Pronomengruppe erweitert werden. Hier hat es ein Gentivattribut bei sich: der Worte.

genug der Worte

Dies ist bei genug heute noch in gehobenem oder (absichtlich) veraltendem Sprachgebrauch üblich: genug des Guten/des Guten genug, genug der leeren Worte, genug des Lamentierens.

Um es nun gleich zu „verraten“: Die Rolle des Subjekts wird hier durch die Pronomengruppe genug der Worte erfüllt. Das ist aber nicht ganz unproblematisch, denn das Pronomen genug ist im Prinzip ein Singular und die Verbform sind ist ein Plural. Da genug der Worte bedeutungsmäßig eine Mehrzahl ist, steht das Verb nach der Bedeutung im Plural:

Es sind genug der Wort gewechselt (worden) …
Genug der Worte sind gewechselt (worden) …

Schließlich wird – entgegen der sonst geltenden Regel – das Genitivattribut vom Wortgruppenkern genug getrennt und allein ins Vorfeld, das heißt vor das konjugierte Verb gestellt:

Der Worte sind genug gewechselt …

Und damit ist der Aufbau von Goethes Satz analysiert. Niemand spricht oder schreibt allerdings heute so, außer vielleicht wenn absichtlich alte Dichtersprache imitiert wird. Ein nicht allzu gelungenes Beispiel zum Schluss: Der Antwort soll dies das Ende sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das hartnäckige Komma

Frage

Bei der Durchführung einer Korrektur bin ich bei folgender Definition unsicher, ob hier nach „Art“ ein Komma gesetzt werden muss:

– die Art[,] sich zu wehren, indem man mit Humor reagiert

Dafür spricht, dass es sich um eine Infinitivgruppe handelt, die von dem Substantiv „Art“ abhängt. Damit wäre das Komma verpflichtend. Dagegen spricht leider, dass es sich seltsam liest, was aber an der verkürzten Formulierung als Definition liegen könnte.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

richtig ist die Formulierung mit Komma

– die Art, sich zu wehren, indem man mit Humor reagiert

Verpflichtete Kommas werden nämlich auch in kurzen Definitionen, stichwortartigen Aufzählungen, Titeln usw. gesetzt. Zum Beispiel:

– Herrliche Ferientage, schöne Hotels, attraktive Destinationen
– Kompetente Reiseleitung, die Land und Leute kennt
– Kurzum: Urlaub, wie Sie ihn schon immer erleben wollten!

Jugendliche und Alkohol, eine gefährliche Kombination
Qual der Wahl für die Bachelorette: Höhlenmensch, Leberwurst oder Hühnerbrust
Der Spion, der mich liebte
Wetten, dass …?

Satzzeichen sind hartnäckig. Sie müssen fast immer und überall gesetzt werden, also auch in Titeln, Überschriften, Schlagzeilen, Kurzdefinitionen usw. Nur der Schlusspunkt wird in gewissen Fällen weggelassen (siehe hier). Es ist eigentlich ganz einfach – soweit man das Wort „einfach“ im Zusammenhang mit der deutschen Zeichensetzung überhaupt verwenden kann …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von gemeinen Weibern und gewöhnlichen Frauen

Frage

Seit Längerem beschäftigen mich die Wortherkunft und die widersprüchliche Bedeutung des Wortes „gemein“. Einerseits wird es als Synonym für „gewöhnlich“, „normal“ oder „durchschnittlich“ verwendet, was wohl auch die Verwandtschaft mit „Gemeinschaft“ erklärt. Andererseits bedeutet „gemein“ auch so etwas wie „fies“ und „bösartig“, was ja gerade Eigenschaften sind, die alles andere als gemeinschaftsfähig sind. Wie kam es zu diesem Bedeutungsunterschied? Stammen beide Bedeutungen vom selben Wort ab?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

beide Bedeutungen von gemein haben denselben Ursprung. Die Grundbedeutung war ungefähr gemeinsam besessen; zusammengehörig; allgemein; für alle (vgl. zum Beispiel Gemeinde, Gemeinschaft, gemeine Interessen). Was von allen ist oder für alle ist, kann nicht wirklich gut sein. Deshalb erhielt gemein zuerst die Bedeutung von gewöhnlich (vgl. die Gemeine Stubenfliege, das gemeine Volk) und später abstoßend, roh; unverschämt; unflätig; boshaft, bösartig – so eben, wie sich das „gewöhnliche Volk“ nach der Meinung des „besseren Volkes“ benimmt. So sehr kann es mit einem Wort bergab gehen!

Ein ähnliches Schicksal erlitt zum Beispiel ordinär (unfein, vulgär), das im Französischen ursprünglich nur gewöhnlich bedeutete. Auch das Wort Weib war einmal eine neutrale Bezeichnung für eine weibliche Person und wurde gleich verwendet wie Mann für männliche Personen. Das Wort Frau stand auf der gleichen Ebene wie das Wort Herr. Es war eine Bezeichnung für sozial Höhergestellte. Das erklärt, warum wir Herr und Frau Meier und nicht Mann und Frau Meier sagen. Dann ist das Ganze langsam ins Rutschen gekommen. Es wurde immer unüblicher, Frauen mit dem gewöhnlichen Wort Weib zu bezeichnen. Das ging so weit, dass Weib nun ein Schimpfwort ist. An seine Stelle ist Frau getreten und die dadurch „weiter oben“ frei gewordene Stelle nahm das französische Dame ein: meine Damen und Herren.

Wörter haben immer wieder die Neigung, auf der Wertskala einige Stufen herunterzurutschen. So ist auch das Wort gewöhnlich oft als eher negative Charakterisierung gemeint. Bei gemein ist interessant, dass die ursprüngliche, neutrale Bedeutung an verschiedenen Orten immer noch präsent ist: etwas mit jemandem gemein haben, einer Sache gemein sein; allgemein, Gemeinschaft usw.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eure Liebe und Zuneigung sucht …esgleichen

Frage

„Eure Liebe und Zugneigung sucht seinesgleichen“, sagt der Junge im Radio über seine Eltern. Meines Erachtens muss es heißen: „Eure Liebe und Zuneigung sucht ihresgleichen.“ Wie ist es richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

auch ich würde hier eher ihresgleichen als seinesgleichen nehmen:

Eure Liebe und Zuneigung sucht ihresgleichen.

Viel besser wäre allerdings:

Eure Liebe und Zuneigung suchen ihresgleichen.

Die Erklärung ist nicht einfach. Die Wahl seinesgleichen im zitierten Satz ist nämlich nicht unbegreiflich. Die Form des Indefinitpronomens …esgleichen richtet sich danach, worauf es sich bezieht. Hier bezieht es sich auf Liebe und Zuneigung, also auf zwei Substantive oder, anders gesagt, auf einen Plural der dritten Person. Daraus folgt, dass man die Form ihresgleichen der dritten Person Plural wählen sollte.

Der pluralische Charakter der Wortgruppe, auf die sich das Indefinitpronomen bezieht, ist aber gar nicht so eindeutig. Im zitierten Satz steht das Verb nämlich in der Einzahl (sucht). Wenn zwei durch und verbundene Subjektteile ein gemeinsames Bestimmungswort haben, das nur einmal genannt wird (hier: eure), können sie als eine Einheit angesehen werden. Das Verb kann dann ganz korrekt auch im Singular stehen (vgl. hier):

Eure Liebe und Zuneigung ist einzigartig oder
Eure Liebe und Zuneigung sind einzigartig.

Eure Liebe und Zuneigung kennt keine Grenzen oder
Eure Liebe und Zuneigung kennen keine Grenzen.

So weit, so gut, denn nun beginnt die große Unsicherheit. Wenn das Verb im Singular steht und wenn sich das Indefinitpronomen wie hier nach dem Subjekt richten muss, handelt es sich dann in diesem Satz um ein pluralisches Subjekt (zwei Nomen) oder um ein singularisches Subjekt (Verb im Singular)? Wenn man es als singularisches Subjekt ansieht, ist es dann männlich, weiblich oder sächlich? Es gibt dann eine starke Tendenz, diese Einheit als sächliches „Etwas“ zu verstehen und deshalb wie der Junge im Radio die sächliche Einzahlform seinesgleichen zu wählen.

Eure Liebe und Zuneigung sucht seinesgleichen.

Die Wahl für seinesgleichen ist also gar nicht so unverständlich. Ist sie aber auch korrekt? Ich denke, dass viele wie ich seinesgleichen hier für sehr zweifelhaft halten. Es ist besser, ihresgleichen zu wählen. In Kombination mit der Einzahl des Verbs „holpert“ aber auch die Formulierung mit ihresgleichen sehr. Es ist deshalb am besten, das Verb in den  Plural zu setzen:

Eure Liebe und Zuneigung suchen ihresgleichen.

… oder auf eine Formulierung mit einzigartig auszuweichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von Grün-Weißem und rot-weiß Kariertem

Frage

Schreibt man „Das Team spielt in Grün-weiß“ oder „Das Team spielt in Grün-Weiß“? Oder ist auch „in Grünweiß“ möglich? Wenn ja, würde mir das nicht so zusagen, da der Kontrast der beiden Farben nicht so zur Geltung kommt, wie wenn man sie mit Bindestrich voneinander trennt.

Und noch ein Zweites: In der Zeitung [...] las ich neulich: „das Hemdle leuchtet in rot weiß kariert”. Ich meine, dass es erstens nicht „kariert“ leuchten kann. Aber wie würde man es schreiben? Da gibt der Duden keine Auskunft.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

richtig ist beim ersten Beispiel die Großschreibung beider durch den Bindestrich verbundenen Teile:

Das Team spielt in Grün-Weiß.

Der Bindestrich zeigt hier an, dass die beiden Adjektive gleichrangig nebeneinanderstehen. Sie sind dann auch beide „gleichrangig“ als substantiviert anzusehen und entsprechend beide großzuschreiben. Die Zusammenschreibung ist hier übrigens ebenfalls korrekt:

Das Team spielt in Grünweiß.

Der Gebrauch des Bindestrichs beim Nebeneinander zweier Farben ist heute nicht mehr obligatorisch (vgl. hier). Ich halte es aber wie Sie und schreibe im Allgemeinen Mischfarben zusammen (der blaugrün leuchtende See) und das Nebeneinander von Farben mit Bindestrich (das blau-grün gestreifte Hemd).

Bei Ihrem zweiten Beispiel sollte eigentlich kein in stehen. Wenn man es aber stehen lässt, wäre dies eine passable Schreibweise

Das Hemdle leuchtet in Rot-Weiß kariert.

Besser formuliert man hier aber ohne in:

Das Hemdle leuchtet rot-weiß kariert.

Etwas ist nämlich nicht in Grün-Rot gestreift oder in Rot-Weiß kariert, sondern es ist einfach grün-rot gestreift bzw. rot-weiß kariert.

Ihre Ansicht, dass etwas nicht kariert leuchten kann, teile ich nur dann, wenn man es ganz wörtlich nimmt. Ich finde nämlich, dass etwas in frischen, bunten Farben Kariertes einem richtig entgegenleuchten kann. Es leuchtet dann frisch und bunt kariert! So viel Freiheit sollte beim Formulieren schon möglich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was, wie, wann und wo und die Kommas

Frage

Ich habe eine Kommafrage, mit der ich u. a. schon eine [bekannte Wörterbuchredaktion] nervös gemacht habe – so etwas gibt es, das hätte ich auch nicht gedacht. Es geht um folgenden Satz:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was wie wann und wo zu tun ist.

Fraglich sind die Kommas zwischen was und wie und zwischen wie und wann.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

ganz spontan hätte ich die Kommas wie folgt gesetzt:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was, wie, wann und wo zu tun ist.

Es handelt sich ja um eine Aufzählung von vier Fragewörtern. Wenn man den Satz aber genauer betrachtet, fängt es an zu „klemmen“. Nach einiger Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, dass die Kommas in diesem ziemlich kniffligen Fall so gesetzt werden sollten:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was wie, wann und wo zu tun ist.

Meine Begründung: Das Fragewort was ist das Subjekt des Nebensatzes, denn die Verbform ist richtet sich nach was. Danach folgt eine Aufzählung von weiteren Fragewörtern mit der Funktion von Adverbialbestimmungen. Zwischen den ersten beiden Teilen dieser dreiteiligen Aufzählung steht ein Komma: wie, wann und wo. Zwischen dem Subjekt und den Adverbialbestimmungen steht normalerweise kein Komma. Deshalb steht hier zwischen was und wie auch kein Komma.

Formen wir zur Verdeutlichung den Nebensatz, um den es hier geht, einmal in einen Hauptsatz um:

Was ist wie, wann und wo zu tun?

Wenn wir diese direkte Frage nun in eine indirekte Frage resp. einen w-Satz zurückverwandeln, wird die finite Verbform ist einfach an den Schluss des Satzes verschoben, wie dies in Nebensätzen üblich ist. Dadurch stehen Subjekt und Adverbialbestimmungen nun zwar direkt nebeneinander, sie werden aber nicht durch ein Komma voneinander getrennt:

die Frage, was wie, wann und wo zu tun ist
Sie schreiben vor, was wie, wann und wo zu tun ist.

Die Folge der Fragewörter was, wie, wann und wo ist hier also nur scheinbar eine Aufzählung. Rein syntaktisch handelt es sich bei was einerseits und wie, wann und wo andererseits um verschiedene Satzteile. Da wir diese Formulierung aber bedeutungsmäßig dennoch als Aufzählung von vier Teilfragen empfinden, werden die meisten von uns (spontan) auch nach was ein Komma setzen wollen. Wer mich länger kennt, wird vielleicht nicht allzu erstaunt sein, dass ich deshalb geneigt bin, auch das Komma nach was „durchgehen zu lassen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Morphen in und zu

Frage

Ich würde gerne „morphen“ im ungefähren Sinne von „verwandeln/umformen“ verwenden. Nun stellt sich mir die Frage, wäre „etwas zu etwas anderem morphen“ oder „etwas in etwas anderes morphen“ korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

im engeren Sinne bedeutet morphen: durch computergestütztes Verfahren die Abbildung von etwas in eine andere wechseln lassen. Sie möchten es offenbar in einem weiteren Sinne verwenden. Am besten machen Sie es einfach so, wie bei der ungefähren deutschen Entsprechung:

Der Regen verwandelte den Bach in einen reißenden Strom.
Der Regen verwandelte den Bach zu einem reißenden Strom.

Die Freiheitsstrafe wurde in eine Geldstrafe umgewandelt.
Die Freiheitsstrafe wurde zu einer Geldstrafe umgewandelt.

Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln
Gleichstrom zu Wechselstrom umwandeln

Verwandlung und Umformung geschehen im Deutschen also sowohl von etwas in etwas als auch von etwas zu etwas. Wenn bei verwandeln, umwandeln und umformen beide Formulierungen möglich sind, sehe ich keinen Grund, weshalb dies bei morphen mit ähnlicher Bedeutung nicht ebenfalls so sein sollte:

etwas in etwas morphen
etwas zu etwas morphen

Beide Formulierungen sind also möglich. Die Wahl liegt ganz bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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