Auf oder in die Ebene hinausreiten?

Frage

Ich brüte gerade über der Korrektur eines Textes und bin mir unsicher welche Variante folgenden Satzes korrekt ist:

Er bestieg sein Kamel und ritt in die Ebene hinaus.
oder
Er bestieg sein Kamel und ritt auf die Ebene hinaus.

Die Antwort eines Fachmanns auf diese Frage würde mir sehr weiterhelfen.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

bei der Wahl einer Präposition kommt es oft auf die gewählte Perspektive an. Bei einer Ebene kommen zwei Sehensweisen vor: Man kann die Sache sozusagen „vertikal“ betrachten und etwas auf einer Ebene platzieren. Es ist aber auch möglich, die Ebene als eine Fläche zu sehen, innerhalb derer etwas sich befindet.

etwas befindet sich auf einer Ebene
etwas befindet sich in einer Ebene

Entsprechend sind auch bei Ihrem Satz beide Formulierungen möglich und gebräuchlich:

Er ritt auf die Ebene hinaus.
Er ritt in die Ebene hinaus.

Nicht immer kommt das, was in dieser oder ähnlicher Weise theoretisch erklärt werden kann, auch tatsächlich in der Sprachrealität vor. So gilt das Gesagte zwar allgemein für „Ebene“, aber nicht immer und überall in gleichem Maße: So liegt zum Beispiel Padua fast immer in der Po-Ebene und kaum je auf der Po-Ebene, dafür wird häufiger auf einer Hochebene gewohnt als in einer Hochebene.

Auch sonst ist lange nicht immer alles üblich, was in dieser Weise erklärt werden könnte: So kann etwas auf dem Teller oder im Teller liegen, aber der Teller kann nur auf dem Tisch stehen. Eine Insel liegt mitten im Ozean, ein Schiff fährt mitten auf dem Ozean. Eine Kuh grast meist auf der Wiese und nur selten in der Wiese, ein Blümchen hingegen wächst häufiger in der Wiese als auf der Wiese. Ein Denkmal steht immer nur auf einem großen Platz oder nur in einem großen Park. Nicht immer sind beide Sehensweisen gebräuchlich oder gleich üblich, auch wenn sie theoretisch beide möglich sind.

Bevor ich Sie nun ganz verunsichere, sei noch einmal gesagt, dass Ihr Kamelreiter nach üblichem Sprachgebrauch sowohl in die Ebene als auch auf die Ebene hinausreiten kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß oder klein, mit oder ohne Leerschritt – die Tücken des Schrägstriches

Frage

Zum Thema Schrägstrich findet man häufig (z. B. auf duden.de) das Beispiel „Ich/Wir überweise(n)“ bei der Verwendung des Schrägstrichs im Sinne von „beziehungsweise“. Wieso wird hier „Wir“ eigentlich großgeschrieben? Ausgeschrieben hieße es doch „Ich bzw. wir überweisen“.

Und wie sieht es dann mit dem folgenden Fall aus?

Wende dich an die Betreuerin / den Betreuer. Diese/dieser (oder Diese/Dieser?) wird dir gerne helfen.

Dann müsste hier doch ebenfalls großgeschrieben werden?

Und gleich noch eine Nebenfrage: Ist im ersten Satz das Leerzeichen vor und hinter dem Schrägstrich mit der Argumentation, dass es sich um (kleine) Wortgruppen handelt, vertretbar […]? Die DIN 5008 ist hier in 7.7 zwar klar, hat aber keine Wortgruppen in den Beispielen.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

die beiden Fragen werden in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht explizit behandelt. Sie sollten auch nicht vergessen, dass die DIN 5008 nicht allgemein verbindlich ist. Sie ist „nur“ eine Richtlinie, an die man sich halten kann (oder halten muss, wenn sie durch einen Hausstil, Auftraggebende usw. vorgeschrieben wird). Ich will mit so vielen Worten sagen, dass es hier wieder einmal mehr als eine Möglichkeit gibt. Wichtig ist nur, möglichst konsequent die gewählte Lösung anzuwenden.

Großschreibung am Satzanfang

Im Zusammenhang mit dem Schrägstrich zwischen Wörtern am Satzanfang gibt es zwei mögliche Interpretationen, die zu einem unterschiedlichen Resultat bei der Groß- und Kleinschreibung führen:

a) Der Schrägstrich steht für oder, resp.:

Ich resp. wir überweise(n) …
→ Ich/wir überweise(n) …

Diese oder dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/dieser wird dir gerne helfen

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

b) Der Schrägstrich steht zwischen Alternativen:

Ich überweise … Wir überweisen …
→ Ich/Wir überweise(n) …

Diese wird dir gerne helfen. Dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/Dieser wird dir gerne helfen.

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/Der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Leerzeichen

Bei der Verwendung von Leerzeichen vor und nach dem Schrägstrich ist es allgemein üblich, keine Leerzeichen zu verwenden.

Wir kommen heute/morgen am Zielort an.
Ankunft am Montag/Mittwoch/Freitag
Gerne wird dir diese/dieser helfen.

Weniger einheitlich ist der Gebrauch, wenn der Schrägstrich zwischen Wortgruppen steht. Implizit sagt die Rechtschreibregelung, dass auch dann keine Leerzeichen verwendet werden. In § 106 der Regelung steht nämlich das Beispiel:

das Semikolon/der Strichpunkt als stilistisches Zeichen

Von diesem Vorgehen wird aber häufiger abgewichen. Es kann oft sinnvoll sein, Leerschritte zur Verdeutlichung zu verwenden.

Wir kommen heute Nachmittag/morgen Abend am Zielort an.
Wir kommen heute Nachmittag / morgen Abend am Zielort an.

Wende dich an Susanne Müller/Herbert Gruber.
Wende dich an Susanne Müller / Herbert Gruber.

Wende dich an den Betreuer/die Betreuerin.
Wende dich an den Betreuer / die Betreuerin.

Wichtig ist, wie schon gesagt, vor allem, dass man sich möglichst konsequent an eine Schreibweise hält.

Und wenn Sie einmal ganz unsicher sind, erwägen Sie doch einfach eine Lösung, die häufig auch stilistisch weniger unschön ist, nämlich das Wörtchen oder:

Wende dich an den Betreuer oder die Betreuerin. Er oder sie wird dir gerne helfen.

Probleme mit Groß- und Kleinschreibung oder der Verwendung von Leerzeichen gibt es dann kaum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Es wird geklatscht, geholfen und gedankt, aber nicht gewachsen, geglichen und begegnet

Es gibt Sachen, die man einfach richtig macht. Schwierig werden sie erst, wenn man sie zum Beispiel Deutschlernenden erklären soll. Eine solche Frage stellt Frau K. aus Russland.

Frage

Den Satz „Dem Arzt wird von den Patienten gedankt“ gebraucht man in der normalen Sprache selten oder vielleicht nie, aber grammatisch ist es doch möglich und richtig, oder? Warum ist es dann falsch, zu sagen „Dem Arzt wird von den Patienten begegnet“?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

nicht alle Verben können ins Passiv gesetzt werden. Im Allgemeinen können alle transitiven Verben, also Verben mit einem Akkusativobjekt, im Passiv stehen. Bei Ihren Beispielen handelt es sich aber um Sätze mit intransitiven Verben, das heißt Verben ohne ein Akkusativobjekt. Intransitive Verben können ebenfalls im Passiv stehen, aber nur dann, wenn das zu ihnen gehörende Subjekt der eigentliche Verursacher der Verbhandlung ist. Ein paar Beispiele können diese theoretische Beschreibung vielleicht ein bisschen verdeutlichen.

Bei den folgenden Sätzen ist das zum Verb gehörende Subjekt der eigentliche Träger oder Verursacher der Handlung. Das Subjekt klatscht, hilft, sorgt oder dankt bewusst und aktiv:

A: Die Zuschauer klatschen.
P: Es wird (von den Zuschauern) geklatscht.

A: Sie hilft der Nachbarin.
P: Der Nachbarin wird (von ihr) geholfen.

A: Der Vater sorgt für die Kinder.
P: Für die Kinder wird (vom Vater) gesorgt.

Ebenso:
A: Die Patienten danken dem Arzt.
P: Dem Arzt wird (von den Patienten) gedankt.

In den folgenden Sätzen ist das zum Verb gehörende Subjekt nicht der eigentliche Verursacher der Verbhandlung. Das Wachsen, Gleichen, Enden oder Begegnen ist hier keine bewusste und aktive Handlung des Subjekts:

A: Das Gras wächst schnell.
nicht: *Es wird vom Gras schnell gewachsen.

A: Sie gleicht ihrer Schwester.
nicht: *Ihrer Schwester wird von ihr geglichen.

A: Diese Substantive enden auf -ung.
nicht: *Von diesen Substantiven wird auf -ung geendet.

Ebenso:
A: Die Patienten begegnen dem Arzt.
nicht: *Dem Arzt wird von den Patienten begegnet.

Nur Verben mit einem aktiven Subjekt können also ins Passiv gesetzt werden. Eine Übersicht und weitere Beispiele finden Sie hier.

Man kann viele Verben ins Passiv setzen, aber das gilt nicht für alle. Oder im Passiv ausgedrückt: Viele Verben können ins Passiv gesetzt werden, aber es wird nicht für alle …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von den Osterglocken zur Narkose

Etwas Österliches zum ausklingenden Ostermontag: Osterglocken. Das ist der Name, mit dem man in vielen Regionen die Narzissen (auch) bezeichnet. Der Name birgt wortgeschichtlich wenig Spannendes in sich. Osterglocken sind mehr oder weniger glockenförmige Blumen die, wie in diesem Jahr, häufig zu Ostern blühen.

Interessanter ist in dieser Hinsicht die Narzisse. Sie hat ihren Namen nicht, wie Kenner und Kennerinnen von Ovids Metamorphosen und der griechischen Sage vielleicht denken, direkt dem schönen Jüngling Narziss zu verdanken, der die Liebe der Nymphe Echo zurückwies, dafür mit krankhafter Selbstliebe bestraft wurde, sich prompt in sein Spiegelbild verliebte, an dieser unerfüllbaren Liebe zugrunde ging und darauf in eine Narzisse verwandelt wurde. Der Name der Blume (und des Jünglings) geht auf das griechische Wort nárkissos (νάρκισσος) zurück. Da die Narzisse einen betäubenden Duft verbreitet (was mir bei uns im Garten allerdings noch nie aufgefallen ist), der eine beruhigende Wirkung haben soll, wurde dieser Name schon bei den Griechen mit dem Wort nárkē (νάρκη) = Krampf, Lähmung, Erstarrung in Verbindung gebracht. Die Gelehrten meinen allerdings, dass dies eine volkstümliche Erklärung für einen Namen aus einer anderen Sprache sein muss.

Das Wort nárkē liegt übrigens über nárkōsis (νάρκωσις) = Erstarrung, Lähmung, Betäubung auch unserem Fremdwort Narkose zugrunde. Auch in Narkolepsie (Schlafkrankheit) und Narkomanie (Abhängigkeit von Schlaf- und Betäubungsmitteln) findet sich dieser Wortstamm.

Bei so viel Schlaf und betäubenden Düften kommt in mir das romantische Bild eines auf einer sonnigen Wiese zwischen blühenden Narzissen schlafenden Linguisten auf – doch mein Realitätssinn macht mir hier einen Strich durch die Rechnung: Dafür müsste es hier bestimmt zehn Grad wärmer sein!

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Finnisch und finnländisch

Frage

In welchem Zusammenhang sagen wir „finnisch“ und wann „finnländisch“? Ich spreche Finnisch und esse finnländischen Fisch? Stimmt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

die Adjektive finnisch und finnländisch werden oft wild durcheinander gebraucht, wobei man allerdings sagen muss, dass finnisch sehr viel häufiger vorkommt:

Ich spreche Finnisch, rede über die finnische Regierung und esse finnischen Fisch.

Damit ist natürlich noch nicht alles gesagt. Für Leute, die es genau nehmen und die Struktur der Adjektive wörtlich interpretieren, hat finnländisch die Bedeutung von Finnland, zu Finnland gehörend. Es bezeichnet also die Zugehörigkeit zum Land oder zum Staat Finnland. So gesehen kann man problemlos von der finnländischen Regierung sprechen. Als finnländischen Fisch könnte man noch Fisch bezeichnen, der in Finnland oder in zu Finnland gehörenden Gewässern an die Angel oder ins Netz gegangen ist. Bei der finnländischen Sprache wird es dann aber zweifelhaft, denn diese Sprache wird nicht nur in Finnland gesprochen, sondern als Minderheitensprache auch in Schweden, Norwegen, Estland und Russland. Auch Menschen, die man als ethnische Finnen bezeichnen kann und die sich dem finnischen Kulturkreis zugehörig fühlen, gibt es nicht ausschließlich innerhalb Finnlands.

Wer also finnländisch wörtlich nimmt, verwendet dieses Adjektiv nur in Zusammenhang mit dem Land Finnland. Ganz so genau muss man es meiner Meinung nach zwar nicht immer nehmen, doch wenn Sie gegen eventuelle Kritik gefeit sein wollen, halten Sie sich am besten an diese Vorgabe und reden Sie nicht von zum Beispiel der finnländischen Sprache oder der finnländischen Volkskunst, sondern nur von der finnischen Sprache und der finnischen Volkskunst.

Viel einfacher ist es allerdings, immer das viel gebräuchlichere Adjektiv finnisch zu verwenden. Es bezieht sich sowohl auf die Sprache und die Kultur als auch auf das Land und das Staatsgebilde: die finnische Sprache, die finnische Kultur, die finnische Küche; das finnische Parlament, der finnische Präsident usw. Das Wort finnländisch kann man dann den Fachleuten überlassen, die „unbedingt“ einen Unterschied zwischen der Sprach- und Kulturbezeichnung und der staatlich-politischen Bezeichnung machen wollen.

Zu guter Letzt sei noch dies gesagt:

Hyvää pääsiäistä!

So sagt man frohe Ostern auf Finnisch (wenn man weiß, wie man es ausspricht …).

Dr. Bopp

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Hellrotbraun, hell-rotbraun, helles Rotbraun

Frage

Ich habe eine Frage zur Zusammen- und Getrenntschreibung von Farben. Man schreibt ja sowohl „hellrot“ als auch „rotbraun“ […] zusammen. Gilt das auch für die Kombination aus beiden: „hellrotbraun“? Das scheint mir zwar logisch, wirkt aber merkwürdig. […] Wäre „hell rotbraun“ oder „hell-rotbraun“ akzeptabel? Oder müsste man auf Umformulierungen ausweichen wie z. B. „in einem hellen Rotbraun gefärbt“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

die deutlichste Farbbezeichnung ist in hellem Rotbraun. In der Regel werden nämlich nur einfache Farbbezeichnungen mit hell- oder dunkel- kombiniert: hellrot, hellbraun, hellrosa, hellbeige, hellviolett usw. Nicht üblich sind solche Kombinationen bei komplexen Farbbezeichnungen wie flaschengrün, olivbraun oder fahlgelb. Es heißt also in der Regel nicht hellflaschengrün, dunkelolivbraun oder hellfahlgelb. Die Kombination hellrotbraun kommt Ihnen wahrscheinlich deshalb merkwürdig vor.

Bei Mischfarben kommt hinzu, dass undeutlich ist, ob die gesamte Farbe oder nur die erste Farbe durch hell bestimmt wird:

hellrotbraun
hellrot-braun (hellrot und braun)
hell-rotbraun (helles Rotbraun)

Doch dieses Argument finde ich nicht sehr stark, denn was genau gemeint ist, wird meist durch den weiteren Satzzusammenhang geklärt und kann notfalls durch einen verdeutlichenden Bindestrich angegeben werden.

Wenn Sie die Farbbezeichnung trotz der genannten Einwände verwenden möchten – sie ist nicht grundsätzlich unmöglich –, dann können Sie sie zusammenschreiben oder ggf. den verdeutlichenden Bindestrich verwenden:

hellrotbraun o. hell-rotbraun

Deutlicher und üblicher ist, wie eingangs gesagt, die Formulierung helles Rotbraun
in hellem Rotbraun.
Hier ein paar Beispiele:

Jetzt möchte ich gerne meine Haare in einem hellen Rotbraun tönen.
Ihre Grundfarbe ist variabel und reicht von einem hellen Rotbraun bis zu einem hellen Graubraun.
Die Farbe schwankt zwischen hellem Strohgelb und dunklem Rotbraun.
Ich würde gerne ein Band 28/24 in dunklem Rotbraun oder Dunkelbraun bestellen.

Die Farbbezeichnungen, die nicht direkt mit hell und dunkel kombinierbar sind, werden übrigens in der Regel auch nicht gesteigert. Das ist so richtig schön konsequent.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ob man hier Kommas setzen muss, ist, was Sie mich fragen

Alles ist im Wandel, der Winter macht langsam dem Frühling Platz, nur die Kommafragen bleiben …

Frage

Müssen Subjektsätze immer durch Komma vom Hauptsatz getrennt werden? Ich stolpere gerade über die folgende Liedzeile:

Was du gibst ist was du kriegst.

Trenne ich die beiden Subjekte vom finiten Verb des Hauptsatzes ab, kommt es mir richtig, aber unschön vor, weil die Kommas den Satz eher zergliedern, statt ihn zu strukturieren:

Was du gibst, ist, was du kriegst.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

nach der allgemeinen Regel werden Nebensätze durch Kommas abgetrennt. Wenn Sie wie hier ein Satzgefüge mit einem Subjektsatz und einem Prädikativsatz formulieren, müssen Sie also tatsächlich beide Nebensätze mit Kommas abtrennen:

Was du gibst, ist, was du kriegst.
Ob ihr mitkommt, ist, was ich wissen will.
Dass man dich lobt, heißt, dass du es gut gemacht hast.
Was du gesagt hast, bleibt, was du gesagt hast.

Ob man die Kommas nun nützlich oder unschön findet, nach der Rechtschreibregelung müssen sie stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nur[,] solange der Vorrat reicht

Das Komma ist eindeutig Ihr Lieblingssorgenkind. Heute gibt es gleich wieder eine Kommafrage, aber nur eine ganz kurze.

Frage

Die Frage taucht immer wieder auf:

Nur, solange der Vorrat reicht.
Nur solange der Vorrat reicht.

Wie würden Sie sich entscheiden? Ist beides möglich?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

es gibt meiner Meinung nach Argumente für beides. Je nachdem, wie man diese verkürzte Wendung ergänzt, kann sie mit oder ohne Komma stehen:

Das Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht.
→ Nur, solange der Vorrat reicht.

Das Angebot gilt, aber nur solange der Vorrat reicht.
→ Nur solange der Vorrat reicht.

Das Komma nach nur entspricht einer kurzen Pause in der gesprochenen Sprache. Üblicher ist die Schreibung ohne Komma.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma vor „dass“

Frage

Vor „dass“ steht immer ein Komma. Gibt es Ausnahmen zu dieser Regel?

Regeln sind gut, abgesehen davon (Komma?) dass es viele Ausnahmen gibt.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

mit dass werden Nebensätze eingeleitet und entsprechend steht meistens ein Komma vor ihm. „Meistens“ ist nicht immer: Bei Aufzählungen kann dass ganz „kommalos“ sein, und bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen kann das Komma nicht unmittelbar vor dass, sondern vor dem ersten Teil der Einleitung stehen.

Kein Komma steht, wenn der mit dass eingeleitete Nebensatz nach z. B. und oder oder steht und Teil einer gleichrangigen Aufzählung ist:

Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und dass ihr uns bald wieder einmal besucht.
Ich glaube, dass er gar nicht kommt oder dass er viel zu spät sein wird.
Das kann bedeuten, dass sie sich entweder tatsächlich nicht mehr erinnert oder dass sie lügt.

Siehe auch hier.

Wenn dass Teil einer mehrteiligen Nebensatzeinleitung ist, steht unmittelbar vor ihm häufig kein Komma. Zum Beispiel:

Das ist zu schön, als dass es wahr sein könnte.
Sie hat nichts gesagt, außer dass sie kurz weggehe.
Anstatt dass ihr nur zuschaut, könntet ihr uns auch helfen!
Sie haben mir alles erzählt, auch dass du mitgegangen bist.
Er war zufrieden, nur dass es nichts zu essen gab, hat ihn gestört.

Siehe auch hier.

Manchmal kann zwischen die Teile einer mehrteiligen Einleitung ein Komma gesetzt werden:

Angenommen[,] dass alles gutgeht, wie lange wird es dann dauern?
Etwas wusste ich damals noch nicht, nämlich[,] dass er verheiratet war.
Du kennst den Titel ihres Buches nicht, geschweige[,] dass du es gelesen hat.

Siehe auch hier.

Hiermit sind wir endlich bei Ihrem Beispiel. Hier sollte vor dass ein Komma stehen, weil der Nebensatz durch davon angekündigt wird und sozusagen zweimal im Satz erscheint:

Regeln sind gut, abgesehen davon, dass es schwierige Ausnahmen gibt.

Und zum letzen Mal für heute: Siehe auch hier.

In diesem Bereich ist es tatsächlich sehr schwierig, einfache Regeln zu formulieren!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie man „schenken“ und „schenken lassen“ substantiviert

Frage

Neulich fiel mir auf einem Werbeplakat der Spruch auf: „Zum Schenken und Schenken lassen.“ Müsste es aber nicht eigentlich heißen: „Zum Schenken und Schenkenlassen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

nach den Rechtschreibregeln schreibt man tatsächlich:

Zum Schenken und Schenkenlassen

Wenn eine Infinitivgruppe, das heißt ein Infinitiv und was zu ihm gehört, aus zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, dann schreibt man groß und zusammen:

schenken lassen → zum Schenkenlassen

Immer wenn ich diesem Spruch begegne, habe ich das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, ein sich einzufügen. Meiner Meinung nach ist nicht einfach gemeint, dass man etwas irgendjemandem schenken lassen kann, sondern dass man es sich schenken lassen kann. Unbedingt notwendig ist das sich nicht. Vielleicht ist dieses Bedürfnis nach dem verdeutlichenden Reflexivpronomen ja auch nur der Ausdruck eines geschenkgierigen Charakters.

Orthografisch hat das Anfügen von sich gewisse Konsequenzen. Da die Infinitivgruppe nun aus mehr als zwei Teilen besteht, wird alles etwas komplizierter – nicht zuletzt die Beschreibung: Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, setzt man zwischen allen Teilen der Gruppe einen Bindestrich. Das erste Wort und der (letzte) Infinitiv werden großgeschrieben (ebenso wie ggf. vorkommende Substantive):

sich schenken lassen → zum Sich-schenken-Lassen

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Doch jetzt, da sie deutlich auf dem Bildschirm steht, stelle ich fest, dass auch die mit sich erweiterte Form zum Sich-schenken-lassen falsch verstanden werden könnte. Mit sich meine ich ja den/die Beschenkten und nicht etwa den/die Verschenkten. Nur wenn man anfängt zu duzen, wird eindeutig klar, dass der Dativ zum Dir-schenken-Lassen und nicht etwas der Akkusativ zum Dich-schenken-Lassen gemeint ist.

Doch genug der Spitzfindigkeiten! Die Beispiele zum Schenken, zum Schenkenlassen und zum Sich-schenken-Lassen sollen ja nur zeigen, wie man substantivierte Infinitive schreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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