Komma nach Ergänzungsstrich?

Frage

Bei folgendem Problemchen habe ich mit einer Korrektorin einen kleinen Meinungsstreit. Es geht um diesen Satzanfang:

Seitdem ich im Freundes- Bekannten- und Familienkreis …

Ich bin für ein Komma nach „Freundes-“, sie ist dagegen. Was ist nun richtig und warum?

Antwort

Guten Tag Herr V.,

manchmal irren sich selbst Korrektorinnen und Korrektoren. Richtig ist hier nämlich die  Schreibweise mit Komma, die Sie vertreten:

Seitdem ich im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis …

Es geht um die Einsparung von gemeinsamen Wortteilen in einer Aufzählung. Dabei wird der nicht genannte Wortteil durch einen Ergänzungsstrich ersetzt. Der Rest des Satzes bleibt unverändert:

Seitdem ich im Freundeskreis, Bekanntenkreis und Familienkreis
Seitdem ich im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis …

Das Komma gehört nicht zum weggelassenen Wortteil, sondern zum Rest des Satzes. Auch wenn -kreis vor ihm weggelassen wird, behält es die Funktion, die Elemente der Aufzählung voneinander abzutrennen. Das Komma nach Freundes- muss also wie das und nach Bekannten- stehen bleiben (NB: ohne Leerzeichen zwischen dem Ergänzungsstrich und dem Komma). Vgl. hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kleines Obst und niedliches Gemüse

Frage

Gibt es eine Verniedlichung von „Tomate“? Tomätchen?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

die beiden Suffixe chen und lein sind wirklich sehr allgemein verwendbar. Von praktisch allem, was dinglich ist, kann mit man mit ihrer Hilfe eine Verkleinerungsform (Diminutiv) bilden. Vom Atömchen bis zum Eiffeltürmchen, Großes und Kleines, der Diminutivbildung sind fast keine Grenzen gesetzt. Nicht alles ist gleich üblich, und sobald man in den Bereich des Abstrakten und der Sammelbezeichnungen kommt, nimmt die Verkleinerung rapide ab. Man kann zwar gerade noch von einem kleinen Minderheitchen reden, aber Öbstchen, Ängstchen und Verständchen sind nicht üblich und mit Liebchen ist bereits wieder konkret eine Person gemeint.

Da Früchte und Gemüse sehr konkrete Dinge sind, steht ihrer Verkleinerung oder Verniedlichung mit chen nichts im Wege, auch wenn Ihr Korrekturprogramm vielleicht nicht all diese Diminutive erkennt. Zum Beispiel:

Äpfelchen, Birnchen, Banänchen, Köhlchen, Böhnchen, Karöttchen, Läuchlein, Auberginchen und Tomätchen

Einschränkungen gibt es bei einigen Fremdwörtern, bei denen der Form wegen niemand so richtig weiß, wie der Diminutiv eigentlich lauten müsste. Deshalb trifft man Verkleinerungsformen wie diese kaum an:

Ananässchen[?], Orängelchen[?], Papayachen[?], Avocadochen[?]

Wenn Sie hübsche kleine Kirschtomaten vor sich haben, können Sie also ungeniert von (hoffentlich!) leckeren Tomätchen reden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Grammatik oder Rechtschreibung

Die Unterscheidung zwischen Grammatik und Rechtschreibung ist für einige von Ihnen manchmal ein Problem. Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit dieser Frage. Sie finden hier aber keine wissenschaftlich fundierte, alles abdeckende Abhandlung. Es ist nur eine kurze und hoffentlich praktische Hilfestellung.

Frage

Bei meiner Korrekturarbeit soll ich nur Rechtschreib-, nicht aber Grammatikfehler verbessern. Nun stellt sich mir die Frage, wie ich Rechtschreib- von Grammatikfehlern abgrenzen soll. Meiner Meinung nach geht es bei der Grammatik um korrekte Deklination und Konjugation und die richtige Satzbildung oder, anders gesagt, um „hörbare“ Fehler. […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

kurz und kräftig ausgedrückt:

Die Grammatik bestimmt, welche Wörter und Wortformen man in welcher Reihenfolge verwendet. Die Rechtschreibung bestimmt, wie man diese Wortformen schreibt.

Hier ein paar Beispiele, die den Unterschied aufzeigen sollen:

er habt statt er hat = Grammatik
er hatt statt er hat = Rechtschreibung

sie bittete statt sie bat = Grammatik
sie baht statt sie bat = Rechtschreibung

Sehe mich an! statt Sieh mich an! = Grammatik
Sie mich an! statt Sieh mich an! = Rechtschreibung

Hilf mich bitte! statt Hilf mir bitte! = Grammatik
Hilf mier bitte! statt Hilf mir bitte! = Rechtschreibung

weil sie ist krank statt weil sie krank ist = Grammatik
weill si kranck isst statt weil sie krank ist = Rechtschreibung

die Frage, dass statt die Frage, ob = Grammatik
die Tatsache, das statt die Tatsache, dass = Rechtschreibung

das Buch, was du liest statt das Buch, das du liest = Grammatik
das Buch, dass du liest statt das Buch, das du liest = Rechtschreibung

die großschreibung“ statt die Großschreibung = Rechtschreibung

Leistungs Ausweis statt Leistungsausweis = Rechtschreibung

Wenn Sie diese Beispiele laut vorlesen, sehen Sie, dass Ihre Faustregel zutrifft: Grammatikfehler hört man, Rechtschreibfehler nicht.

Grammatik und Rechtschreibung sind also zwei recht unterschiedliche Disziplinen. Die Rechtschreibung kommt aber nicht ohne die Grammatik aus: Bei der Rechtschreibung muss man die Grammatik kennen, wenn es zum Beispiel um die Groß- und Kleinschreibung geht oder wenn unterschiedliche Wortformen gleich klingen, aber unterschiedlich geschrieben werden. Zum Beispiel

Wir leben unser Leben.
Man ist, was man isst.
Ihr seid seit gestern hier.

Die Grammatik hingegen kommt ganz ohne die Rechtschreibung aus. Man kann grammatisch richtig formulieren, ohne sich um die Rechtschreibung kümmern zu müssen. Die Sätze Wir leben unser leben und Ihr seit seit gestern hier sind grammatisch korrekt, nur falsch geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma und die Bachelor- und Mastertitel

Frage

Ich hätte eine Frage bez. Kommasetzung. […] Werden akademische Grade wie zum Beispiel B. A. oder B. Sc. bei Eigennamen mit Kommas abgetrennt oder nicht?

Beispielsatz: … meine Betreuerinnen Frau X, B. Sc. und Frau Y, M. A. sowie Frau …

Müssen hier nach B. Sc. und M. A. Kommas gesetzt werden?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

ob man hier Kommas setzt, hängt davon ab, als was man nachgestellte abgekürzte Bachelor- und Mastertitel ansieht. Sind sie Bestandteil des Namens (ohne Komma) oder sind sie Apposition (mit Komma)? Beide Sichtweisen sind vertretbar.

Nach den Angaben in Duden, Richtiges und gutes Deutsch, und nach DIN 2005 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) stehen abgekürzte Master- und Bachelortitel als Teil des Namens ohne Komma hinter dem Namen:

… meine Betreuerinnen Frau Icks B. Sc. und Frau Ypsilon M. A. sowie Frau …

Siehe auch hier.

Häufig wird allerdings nach angelsächsischem Vorbild der nachgestellte Titel als Apposition gesehen und durch Kommas abgetrennt. Dabei sollte auch das abschließende Komma hinter dem Titel gesetzt werden:

… meine Betreuerinnen Frau Icks, B. Sc., und Frau Ypsilon, M. A., sowie Frau …

Wenn Sie den Titel vor den Namen stellen – was auch nicht „verboten“ ist – dann steht kein Komma:

… meine Betreuerinnen Frau B. Sc. Icks und Frau M. A. Ypsilon sowie Frau …

Eine eindeutige, allgemein verbindliche Regel gibt es (erstaunlicherweise!) nicht. Wenn es wichtig und formell ist und Sie für eine bestimmte Instanz schreiben, lohnt es sich, dort nachzufragen, ob es entsprechende interne Empfehlungen oder Richtlinien gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum es nicht „nach hier“ heißt

Frage

Mein Mitbewohner und ich streiten uns seit einiger Zeit darüber, ob „nach hier“ grammatikalisch korrekt ist. Er kommt aus einer anderen Stadt und bittet mich des Öfteren „nach hier zu kommen“. Ich bin der Meinung, dass diese Formulierung falsch ist, kann ihm jedoch auch nicht erklären warum.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

in der Standardsprache und eigentlich auch umgangssprachlich ist nach hier tatsächlich nicht üblich. Man verwendet stattdessen:

hierher o. hierhin
Ich bitte dich hierherzukommen.
Schau bitte hierher!
Ich habe die Schere hierhingelegt.

Die Formulierung nach hier ist rein grammatisch möglich (vgl. nach oben, nach hinten, nach draußen usw.). Sie wird trotzdem nicht verwendet, weil das Wort hierher sie blockiert. Mit „Blockierung“ ist Folgendes gemeint: Ein bereits etabliertes, häufig vorkommendes anderes Wort verhindert das Entstehen oder den Gebrauch einer Form. Hier blockiert das geläufige hierher die Wendung nach hier. Dass die Blockierung auch andernorts wirken kann, zeigt dieser Blogartikel. Auch für weitere Beispiele verweise ich Sie nach dort – nein: dorthin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Jeder im Genitiv

Eine Frage, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal auftaucht: allein stehendes jeder im Genitiv.

Frage

Folgendes ist ein klarer Genitivfall:

sich einer Sache bewusst sein
sich einzelner Schritte bewusst sein
sich seiner einzelnen Schritte bewusst sein

Wie sieht es aber aus, wenn das Indefinitpronomen „jeder“ vorangeht?

sich jeden seiner einzelnen Schritte bewusst sein
sich jedes seiner einzelnen Schritte bewusst sein
oder
sich jedem seiner einzelnen Schritte bewusst sein

Antwort

Guten Tag Frau H.,

keiner der beiden Vorschläge ist (zumindest standardsprachlich) korrekt. Das liegt daran, dass man die Genitivform jedes/jeden nur dann im Genitiv verwenden kann, wenn sie attributiv vor einem Nomen steht. Zum Beispiel:

im Leben jedes Menschen
am Ende jedes/jeden Tages (zu jedes/jeden siehe hier)
sich jedes einzelnen Schrittes bewusst sein

Wenn das Wort jeder nicht attributiv vor einem Nomen steht, kann es nicht im Genitiv verwendet werden. Für eine Erklärung, warum das genau so ist, müsste ich raten. Es geht ganz einfach nicht. Man muss dann auf eine andere Formulierung (z. B. ein jeder, alle, aber in diesem Fall nicht auf den Dativ) ausweichen:

im Leben eines jeden
im Interesse eines jeden / im Interesse aller

In Ihrem Satz wird jedes nicht attributiv verwendet, das heißt, es bestimmt nicht ein nachfolgendes Substantiv näher. Das Pronomen hat umgekehrt eine nähere Bestimmung bei sich, nämlich das Genitivattribut seiner einzelnen Schritte. Das sieht man gut, wenn man es durch die Fälle dekliniert:

Jeder seiner einzelnen Schritte ist gut vorbereitet.
Er hat jeden seiner einzelnen Schritte gut geplant.
Er hat bei jedem seiner einzelnen Schritten gut nachgedacht.

Und somit sind wir bei Ihrem Problem angelangt. Da die Genitivform jedes/jeden nur attributiv verwendet werden kann und hier keine attributive Verwendung vorliegt, muss auf eine andere Formulierung ausgewichen werden:

Man muss sich eines jeden seiner einzelnen Schritte bewusst sein.
Man muss sich all seiner einzelnen Schritte bewusst sein.

Siehe auch einen schon fast zehn Jahre alten Blogeintrag zu diesem Thema.

Das Gute an der komplizierten Sache ist, dass sich dieses Problem vor allem dann stellt, wenn man aus irgendeinem Grund ganz systematisch vorgehen will. Im normalen Sprachgebrauch vermeidet man solche Formen üblicherweise mehr oder weniger unbewusst, indem man eines der „Ausweichmanöver“ anwendet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beim Nachhausegehen und beim Drachen-steigen-Lassen

Frage

Eine Stadt bringt mit riesigen Schildern Gastsättenbesucher zum Nachdenken. Auf einem Schild steht: „Lieber Gast, bitte nimm Rücksicht auf die Anwohner beim nach Hause gehen.“ Täusche ich mich, wenn ich behaupte, der Gast soll beim Nachhausegehen Rücksicht nehmen?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Sie täuschen sich nicht, richtig ist tatsächlich:

beim Nachhausegehen

Nach beim, das ja eine Zusammenziehung von bei dem ist, wird ein Infinitiv oder eine Infinitivgruppe großgeschrieben:

Sie haben ihn beim Stehlen erwischt.
Paket beim Auspacken vorsichtig aufschneiden.
Sie wünscht ihm viel Glück beim Internetdaten.
Ein weißes Hemd ist beim Spaghettiessen keine gute Idee.

Da neben nachhause gehen in zwei Wörtern auch nach Hause gehen in drei Wörtern erlaubt ist, könnte die Substantivierung auch so geschrieben werden:

beim Nach-Hause-Gehen

Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht, schreibt man sie in der Regel mit Bindestrichen (und das erste Wort, alle Substantive und den [letzten] Infinitiv groß, siehe hier und hier):

Sie haben ihn beim Geld-aus-der-Kasse-Klauen erwischt.
Beim Direkt-aus-der-Pfanne-Essen kann man sich den Mund verbrennen.
Hochspannungsleitung: Vorsicht beim Drachen-steigen-Lassen!

Und wenn ich schon beim Erklären bin: Dasselbe gilt auch für Infinitive nach am (z. B. am Lachen sein). Wichtig ist allerdings vor allem, dass man auf die Nachbarn Rücksicht nimmt, ganz gleich ob dies orthografisch korrekt geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kommt/Kommen du und deine Schwester …?

Wenn Deutsch Ihre Muttersprache ist, haben Sie sich diese Frage wahrscheinlich noch nie gestellt. Für mich persönlich war sie jedenfalls nie ein Problem, bis sie mir im Rahmen dieser Rubrik zum ersten Mal begegnete und ich bei ihrer Beantwortung auf Anhieb unsicher wurde. Es ist eine Frage, die regelmäßig gestellt wird, in der Regel durch Deutsch Lernende oder Deutsch Unterrichtende (Deutsch als Fremdsprache). Wie wahrscheinlich viele von Ihnen umgehe ich das Problem häufig unbewusst, indem ich leicht anders formuliere.

Frage

Was ist korrekt?

Du und deine Schwester kommt aus der Schweiz.
Du und deine Schwester kommen aus der Schweiz.

Kommt du und deine Schwester aus der Schweiz?
Kommen du und deine Schwester aus der Schweiz?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

wenn mit und verbundene Subjektteile nicht der gleichen grammatischen Person entsprechen, geht man am besten wie folgt vor (siehe hier)

1. und 2. Person = wir
1. und 3. Person = wir
2. und 3. Person = ihr

Zum Beispiel:

Du und ich müssen zusammen etwas unternehmen.
Ihr und ich sind uns also einig.
Wir und ihr sollten uns für unsere Herkunft nicht schämen.
Seid du und dein Bruder einander sehr ähnlich?
Ihr und eure Eltern seid herzlich eingeladen.

Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Du und deine Schwester kommt aus der Schweiz.
Kommt du und deine Schwester aus der Schweiz?

Diese Hürde wird häufig mehr oder weniger unbewusst umgangen, indem das entsprechende Personalpronomen eingefügt wird.

Du und ich, wir müssen zusammen etwas unternehmen.
Ihr und ich, wir sind uns also einig.
Wir und ihr, wir sollten uns für unsere Herkunft nicht schämen.
Seid ihr, du und dein Bruder, einander sehr ähnlich?
Ihr und eure Eltern, ihr seid herzlich eingeladen.

Du und deine Schwester, ihr kommt aus der Schweiz.
Kommt ihr, du und deine Schwester, aus der Schweiz?

Der Einschub des Personalpronomens ist natürlich nicht obligatorisch, aber er kann häufig helfen, den Satz weniger holprig oder weniger gekünstelt erscheinen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Während mehr als eines Jahres?

Frage

Ich kenne die Regel, dass „bis zu“ oder auch „mehr als“ als Gradpartikeln fungieren können und dann keinen Einfluss auf den Kasus der nachfolgenden Nominalgruppe haben. Aber: Klingen die Beispiele in der Betreffzeile auch in Ihren Ohren schief? Ich neige in beiden Fällen dazu, den Dativ zu setzen. Ist der Genitiv überhaupt korrekt?

Also: während mehr als einem Jahr / während bis zu einem Monat

Antwort

Guten Tag Herr F.,

nach der allgemeinen Regel müssten Sie wie folgt formulieren, denn während verlangt standardsprachlich den Genitiv:

während mehr als eines Jahres
während bis zu eines Monats

In der Schweiz ginge mit einiger Nachsicht evtl. auch der Dativ:

während mehr als einem Monat
während bis zu einem Monat

Das Ganze klingt auch in meinen Ohren sonderbar. Das liegt aber weder am Genitiv noch am Dativ, sondern daran, dass diese Formulierung nicht üblich ist.

Man verwendet zeitliches während bei der Angabe eines begrenzten Zeitabschnittes (wann?):

Es hat während der ganzen Ferien geregnet
während des Krieges
während der Nacht
während dieser beiden Monate

Für die Angabe einer reinen Zeitdauer (wie lange?) verwendet man besser eine Formulierung ohne während:

Es hat drei Tage [lang] geregnet
(besser als während dreier Tage)
Sie haben zehn Jahre [lang] nicht miteinander geredet
(besser als während zehn Jahren)

Die beste Formulierung wäre somit für Ihre Beispiele:

mehr als ein Jahr [lang]
bis zu einen Monat [lang]

Wie so oft sind die Übergänge allerdings auch hier fließend: Es ist nicht immer grundsätzlich falsch und auch keine stilistische Todsünde, während für die Angabe einer Zeitdauer zu verwenden. Wundern Sie sich also nicht über Wendungen wie während Monaten (statt besser monatelang) oder während fünf Stunden und zücken Sie auch nicht gleich den Rotstift.

Mit freundlichen Grüßen

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Vom Haushalten, Staubsaugen und Gewährleisten

Frage

Wie heißt es richtig: „dass du mit deinen Kräften haushältst“ oder „dass du mit deinen Kräften haushaltest“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

bei haushalten gilt Ähnliches wie bei u. a. staubsaugen und gewährleisten. Diese Verbindungen können nämlich sowohl untrennbare Verbkomposita als auch trennbare Verbverbindungen sein.

Bei untrennbar gewährleisten und trennbar Gewähr leisten ändert sich auch die Satzkonstruktion:

etwas gewährleisten
Wir gewährleisten die pünktliche Lieferung der Waren.
Wir können einen reibungslosen Ablauf gewährleisten.
Wir tun alles, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Die Richtigkeit der Angaben wird nicht gewährleistet.

für etwas Gewähr leisten
Wir leisten für die pünktliche Lieferung der Waren Gewähr.
Wir können für einen reibungslosen Ablauf Gewähr leisten.
Wir tun alles, um für die Sicherheit Gewähr zu leisten.
Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Gewähr geleistet.

Wenn staubsaugen ohne Akkusativobjekt steht, kann es auch Staub saugen sein:

staubsaugen
Er staubsaugt im ganzen Haus.
Ich muss noch staubsaugen und die Küche putzen.
Vergiss nicht zu staubsaugen!
Ich habe gestern schon gestaubsaugt.

Staub saugen
Er saugt im ganzen Haus Staub.
Ich muss noch Staub saugen und die Küche putzen.
Vergiss nicht Staub zu saugen!
Ich habe gestern schon Staub gesaugt.

Mit Akkusativobjekt ist nur die untrennbare Variante üblich:

etwas staubsaugen
Er staubsaugt das ganze Haus.
Ich muss noch den Teppich staubsaugen.
Vergiss nicht, dein Zimmer zu staubsaugen!
Ich habe es gestern schon gestaubsaugt.

Und nun sind wir endlich bei „Ihrem“ Verb: Neben dem untrennbaren haushalten gibt es auch das trennbare Haus halten. Anders als bei den vorhergehenden Verben gibt es hier keine Unterschiede auf der Ebene der möglichen Ergänzungen. Die Unterschiede zeigen sich bei den Wortformen: Das Verb haushalten ist regelmäßig, halten in Haus halten aber unregelmäßig:

(mit etwas) haushalten
Er haushaltet nicht gut mit seiner Zeit.
Ich kann einfach nicht haushalten.
Versuche, besser mit deinen Mitteln zu haushalten.
Die Kieler Mannschaft haushaltete klug mit ihren Kräften und gewann.
Es muss vorausschauend mit den Vorräten gehaushaltet werden.

(mit etwas) Haus halten
Er hält nicht gut mit seiner Zeit Haus.
Ich kann einfach nicht Haus halten.
Versuche, besser mit deinen Mitteln Haus zu halten.
Die Kieler Mannschaft hielt klug mit ihren Kräften Haus und gewann.
Es muss vorausschauend mit den Vorräten Haus gehalten werden.

Der vielen Beispiele und der langen Rede kurzer Sinn: Diese beiden Formulierungen sind korrekt:

dass du mit deinen Kräften haushaltest
dass du mit deinen Kräften Haus hältst

So, und jetzt widme ich mich dem Frühlingsputz und gehe Staub saugen bzw. staubsaugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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