Eure Liebe und Zuneigung sucht …esgleichen

Frage

„Eure Liebe und Zugneigung sucht seinesgleichen“, sagt der Junge im Radio über seine Eltern. Meines Erachtens muss es heißen: „Eure Liebe und Zuneigung sucht ihresgleichen.“ Wie ist es richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

auch ich würde hier eher ihresgleichen als seinesgleichen nehmen:

Eure Liebe und Zuneigung sucht ihresgleichen.

Viel besser wäre allerdings:

Eure Liebe und Zuneigung suchen ihresgleichen.

Die Erklärung ist nicht einfach. Die Wahl seinesgleichen im zitierten Satz ist nämlich nicht unbegreiflich. Die Form des Indefinitpronomens …esgleichen richtet sich danach, worauf es sich bezieht. Hier bezieht es sich auf Liebe und Zuneigung, also auf zwei Substantive oder, anders gesagt, auf einen Plural der dritten Person. Daraus folgt, dass man die Form ihresgleichen der dritten Person Plural wählen sollte.

Der pluralische Charakter der Wortgruppe, auf die sich das Indefinitpronomen bezieht, ist aber gar nicht so eindeutig. Im zitierten Satz steht das Verb nämlich in der Einzahl (sucht). Wenn zwei durch und verbundene Subjektteile ein gemeinsames Bestimmungswort haben, das nur einmal genannt wird (hier: eure), können sie als eine Einheit angesehen werden. Das Verb kann dann ganz korrekt auch im Singular stehen (vgl. hier):

Eure Liebe und Zuneigung ist einzigartig oder
Eure Liebe und Zuneigung sind einzigartig.

Eure Liebe und Zuneigung kennt keine Grenzen oder
Eure Liebe und Zuneigung kennen keine Grenzen.

So weit, so gut, denn nun beginnt die große Unsicherheit. Wenn das Verb im Singular steht und wenn sich das Indefinitpronomen wie hier nach dem Subjekt richten muss, handelt es sich dann in diesem Satz um ein pluralisches Subjekt (zwei Nomen) oder um ein singularisches Subjekt (Verb im Singular)? Wenn man es als singularisches Subjekt ansieht, ist es dann männlich, weiblich oder sächlich? Es gibt dann eine starke Tendenz, diese Einheit als sächliches „Etwas“ zu verstehen und deshalb wie der Junge im Radio die sächliche Einzahlform seinesgleichen zu wählen.

Eure Liebe und Zuneigung sucht seinesgleichen.

Die Wahl für seinesgleichen ist also gar nicht so unverständlich. Ist sie aber auch korrekt? Ich denke, dass viele wie ich seinesgleichen hier für sehr zweifelhaft halten. Es ist besser, ihresgleichen zu wählen. In Kombination mit der Einzahl des Verbs „holpert“ aber auch die Formulierung mit ihresgleichen sehr. Es ist deshalb am besten, das Verb in den  Plural zu setzen:

Eure Liebe und Zuneigung suchen ihresgleichen.

… oder auf eine Formulierung mit einzigartig auszuweichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Von Grün-Weißem und rot-weiß Kariertem

Frage

Schreibt man „Das Team spielt in Grün-weiß“ oder „Das Team spielt in Grün-Weiß“? Oder ist auch „in Grünweiß“ möglich? Wenn ja, würde mir das nicht so zusagen, da der Kontrast der beiden Farben nicht so zur Geltung kommt, wie wenn man sie mit Bindestrich voneinander trennt.

Und noch ein Zweites: In der Zeitung [...] las ich neulich: „das Hemdle leuchtet in rot weiß kariert”. Ich meine, dass es erstens nicht „kariert“ leuchten kann. Aber wie würde man es schreiben? Da gibt der Duden keine Auskunft.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

richtig ist beim ersten Beispiel die Großschreibung beider durch den Bindestrich verbundenen Teile:

Das Team spielt in Grün-Weiß.

Der Bindestrich zeigt hier an, dass die beiden Adjektive gleichrangig nebeneinanderstehen. Sie sind dann auch beide „gleichrangig“ als substantiviert anzusehen und entsprechend beide großzuschreiben. Die Zusammenschreibung ist hier übrigens ebenfalls korrekt:

Das Team spielt in Grünweiß.

Der Gebrauch des Bindestrichs beim Nebeneinander zweier Farben ist heute nicht mehr obligatorisch (vgl. hier). Ich halte es aber wie Sie und schreibe im Allgemeinen Mischfarben zusammen (der blaugrün leuchtende See) und das Nebeneinander von Farben mit Bindestrich (das blau-grün gestreifte Hemd).

Bei Ihrem zweiten Beispiel sollte eigentlich kein in stehen. Wenn man es aber stehen lässt, wäre dies eine passable Schreibweise

Das Hemdle leuchtet in Rot-Weiß kariert.

Besser formuliert man hier aber ohne in:

Das Hemdle leuchtet rot-weiß kariert.

Etwas ist nämlich nicht in Grün-Rot gestreift oder in Rot-Weiß kariert, sondern es ist einfach grün-rot gestreift bzw. rot-weiß kariert.

Ihre Ansicht, dass etwas nicht kariert leuchten kann, teile ich nur dann, wenn man es ganz wörtlich nimmt. Ich finde nämlich, dass etwas in frischen, bunten Farben Kariertes einem richtig entgegenleuchten kann. Es leuchtet dann frisch und bunt kariert! So viel Freiheit sollte beim Formulieren schon möglich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was, wie, wann und wo und die Kommas

Frage

Ich habe eine Kommafrage, mit der ich u. a. schon eine [bekannte Wörterbuchredaktion] nervös gemacht habe – so etwas gibt es, das hätte ich auch nicht gedacht. Es geht um folgenden Satz:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was wie wann und wo zu tun ist.

Fraglich sind die Kommas zwischen was und wie und zwischen wie und wann.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

ganz spontan hätte ich die Kommas wie folgt gesetzt:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was, wie, wann und wo zu tun ist.

Es handelt sich ja um eine Aufzählung von vier Fragewörtern. Wenn man den Satz aber genauer betrachtet, fängt es an zu „klemmen“. Nach einiger Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, dass die Kommas in diesem ziemlich kniffligen Fall so gesetzt werden sollten:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was wie, wann und wo zu tun ist.

Meine Begründung: Das Fragewort was ist das Subjekt des Nebensatzes, denn die Verbform ist richtet sich nach was. Danach folgt eine Aufzählung von weiteren Fragewörtern mit der Funktion von Adverbialbestimmungen. Zwischen den ersten beiden Teilen dieser dreiteiligen Aufzählung steht ein Komma: wie, wann und wo. Zwischen dem Subjekt und den Adverbialbestimmungen steht normalerweise kein Komma. Deshalb steht hier zwischen was und wie auch kein Komma.

Formen wir zur Verdeutlichung den Nebensatz, um den es hier geht, einmal in einen Hauptsatz um:

Was ist wie, wann und wo zu tun?

Wenn wir diese direkte Frage nun in eine indirekte Frage resp. einen w-Satz zurückverwandeln, wird die finite Verbform ist einfach an den Schluss des Satzes verschoben, wie dies in Nebensätzen üblich ist. Dadurch stehen Subjekt und Adverbialbestimmungen nun zwar direkt nebeneinander, sie werden aber nicht durch ein Komma voneinander getrennt:

die Frage, was wie, wann und wo zu tun ist
Sie schreiben vor, was wie, wann und wo zu tun ist.

Die Folge der Fragewörter was, wie, wann und wo ist hier also nur scheinbar eine Aufzählung. Rein syntaktisch handelt es sich bei was einerseits und wie, wann und wo andererseits um verschiedene Satzteile. Da wir diese Formulierung aber bedeutungsmäßig dennoch als Aufzählung von vier Teilfragen empfinden, werden die meisten von uns (spontan) auch nach was ein Komma setzen wollen. Wer mich länger kennt, wird vielleicht nicht allzu erstaunt sein, dass ich deshalb geneigt bin, auch das Komma nach was „durchgehen zu lassen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Morphen in und zu

Frage

Ich würde gerne „morphen“ im ungefähren Sinne von „verwandeln/umformen“ verwenden. Nun stellt sich mir die Frage, wäre „etwas zu etwas anderem morphen“ oder „etwas in etwas anderes morphen“ korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

im engeren Sinne bedeutet morphen: durch computergestütztes Verfahren die Abbildung von etwas in eine andere wechseln lassen. Sie möchten es offenbar in einem weiteren Sinne verwenden. Am besten machen Sie es einfach so, wie bei der ungefähren deutschen Entsprechung:

Der Regen verwandelte den Bach in einen reißenden Strom.
Der Regen verwandelte den Bach zu einem reißenden Strom.

Die Freiheitsstrafe wurde in eine Geldstrafe umgewandelt.
Die Freiheitsstrafe wurde zu einer Geldstrafe umgewandelt.

Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln
Gleichstrom zu Wechselstrom umwandeln

Verwandlung und Umformung geschehen im Deutschen also sowohl von etwas in etwas als auch von etwas zu etwas. Wenn bei verwandeln, umwandeln und umformen beide Formulierungen möglich sind, sehe ich keinen Grund, weshalb dies bei morphen mit ähnlicher Bedeutung nicht ebenfalls so sein sollte:

etwas in etwas morphen
etwas zu etwas morphen

Beide Formulierungen sind also möglich. Die Wahl liegt ganz bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Helmut und seine Liebe(n) im Genitiv

Frage

Mit einem Freund bin ich unterschiedlicher Meinung über die richtige Verwendung von „seiner“ und „seinen“ im folgenden Satz, welchen ich in ein Gedicht eingebaut hatte:

Herr Müller wird dann aufgeschrieben
Zum Wohl Helmuts und seinen Lieben

H.  widersprach und setzte sich für „seiner“ Lieben ein.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

Ihr Freund hat recht. Richtig ist:

zum Wohl Helmuts und seiner Lieben

Hier ist nämlich der Genitiv gefragt:

zu wessen Wohl?
zum Wohl Helmuts und
zum Wohl seiner Lieben

Im Genitiv ist also ohne Satzzusammenhang nicht ersichtlich, ob es sich um eine einzelne weibliche Person (seine Liebe) oder um mehrere Personen (seine Lieben) handelt, also ob seine liebe Frau oder Freundin resp. seine lieben Angehörigen gemeint sind. Diese Undeutlichkeit kann man aber nicht klären, indem man seinen statt seiner verwendet. Meistens ergibt sich aus dem Kontext, was gemeint ist, und sonst muss umformuliert werden. In diesem Fall fände ich die „Undeutlichkeit“ gar nicht so undeutlich, selbst wenn der (weitere) Kontext keine genauen Schlüsse zulässt. Wenn Helmut eine besondere Liebe hat, gehört sie auch zu seinen Lieben, die sich sicher gerne ein bisschen mitgemeint fühlen. Und wenn er keine hat, ist ohnehin die Mehrzahl gemeint. In der Sprache ist selten mathematische Präzision gefragt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Für die Kleinschreibung des Adjektivs

Stellvertretend für immer wiederkehrende Fragen zur Groß- und Kleinschreibung von Adjektiven in fest(er)en Wendungen greife ich die Beispiele von Frau P., Herrn W. und von L. auf. Es ging den drei Fragenden um die folgenden Wendungen:

die ordentliche Hauptversammlung / die Ordentliche Hauptversammlung
die allgemeinen Geschäftsbedingungen / die Allgemeinen Geschäftsbedingungen
die freie Marktwirtschaft / die Freie Marktwirtschaft
die unterlassene Hilfeleistung / die Unterlassene Hilfeleistung
der öffentliche Dienst / der Öffentliche Dienst

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Nach den Angaben der Rechtschreibregelung ist hier überall die Kleinschreibung des Adjektivs zu empfehlen. Bis auf gewisse zum Teil ziemlich schwammig definierte Ausnahmen ist die Großschreibung des Adjektivs in festen Wendungen in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen (§63).

Großgeschrieben wird in den folgenden Fällen (§60§64)

Eigennamen

die Neue Zürcher Zeitung
das Zweite Deutsche Fernsehen
das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK

Titel, Ehren- und Amtsbezeichnungen

der Heilige Vater
die Erste Vorsitzende

besondere Kalendertage

der Heilige Abend (24. Dez.)
der Weiße Sonntag (erster Sonntag nach Ostern)

Arten, Unterarten und Rassen in Botanik und Zoologie

der Japanische Ahorn
die Schwarze Mamba

Großgeschrieben werden können (und hier wird es schon etwas schwammiger):

Verbindungen, die eine neue Gesamtbedeutung haben (§63E). Die Standardbeispiele sind:

das schwarze / Schwarze Brett (das Anschlagbrett, das nicht schwarz sein muss oder auch digital sein kann)
der weiße Tod / Weiße Tod (der Lawinentod)
der letzte Wille / Letzte Wille (das Testament)

Was oft vergessen wird, ist der folgende Zusatz:

Kleinschreibung des Adjektivs ist in diesen Fällen der Regelfall.

Die schwammigste und deshalb vielleicht am häufigsten ge- und missbrauchte Ausnahmeregel ist die folgende :

Fachsprachliche Wendungen (§64E)

Die Großschreibung von Adjektiven, die mit dem Substantiv zusammen für eine begriffliche Einheit stehen, ist auch in Fachsprachen außerhalb der Biologie und bei Verbindungen mit terminologischem Charakter belegt.

die Gelbe Karte
der Goldene Schnitt
die Erste Hilfe

Man muss hier das Wörterverzeichnis bemühen, das die Regeln ergänzt, um zu sehen, dass in diesen Fällen auch die Kleinschreibung möglich ist:

die gelbe Karte
der goldene Schnitt
die erste Hilfe

Gerade in Fachsprachen kommt die Großschreibung des Adjektivs sehr häufig vor. Warum dies so ist, weiß ich nicht. Ich vermute, dass das Fachwort in dieser Form irgendwie „fachwortlicher“ aussieht. Wie meine eher negative Charakterisierung zeigt, wundere ich mich ein wenig über diese Vorliebe für die Großschreibung. Ich will den Fachleuten aber nicht dreinreden, wie sie ihre Fachwörter in Fachtexten zu schreiben haben.

Zurück zu den Beispielen oben. Die Wendungen sind keine Eigennamen oder andere Begriffe, die großgeschrieben werden müssen. Sie haben keine sonderliche Eigenbedeutung, die sich nicht aus der Bedeutung des Adjektivs und des Nomens erschließen ließe. Bis auf unterlassen Hilfeleistung sind es auch keine wirklichen Fachbegriffe. Meine Schlussfolgerung: Es gibt keinen Grund, das Adjektiv in diesen Verbindungen großzuschreiben. Also

die ordentliche Hauptversammlung
die allgemeinen Geschäftsbedingungen
die freie Marktwirtschaft
die unterlassene Hilfeleistung
der öffentliche Dienst

Es folgen noch ein paar Beispiele mit großgeschriebenen Adjektiven, die ich im Internet gefunden habe, bei denen ich eindeutig für die Kleinschreibung plädieren würde:

die Angewandte Chemie, die Archimedische Schraube, der Argentinische Tango, das Autogene Training, das Bürgerliche Recht, eine Dantische Hölle, die Erneuerbaren Energien, die Funktionale Grammatik, die Gewaltfreie Kommunikation, die Innere Medizin, das Kleine Latinum, das Kopernikanische Weltbild, das Kreative Schreiben, die Organische Chemie, die Sozialen Medien, die Technische Dokumentation, die Theoretische Physik usw. usw. usw.

NB: In all diesen Fällen ist die Rechtschreibregelung für die Kleinschreibung des Adjektivs. Und Dr. Bopp auch.

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Salsasauce und Diebstahl

Wenn Sie sich über Ausdrücke wie La-Ola-Welle und Salsasauce wundern oder gar ärgern, können Sie wahrscheinlich spanisch. Wenn Sie sich fragen, was an diesen Wörtern nicht stimmen könnte: Es sind Tautologien oder Pleonasmen, das heißt Ausdrücke, die zweimal dasselbe ausdrücken (ola = sp. für Welle, salsa = sp. für Sauce). Solches „doppelt Gemoppelte“ gibt es immer wieder, manchmal aus Unkenntnis eines (Fremd)-Wortes, manchmal bewusst zur Erzeugung eines bestimmten Effektes und manchmal auch einfach, weil es praktischer und verständlicher ist.

Solche tautologischen oder pleonastischen Ausdrücke werden oft sehr kritisch beurteilt. Was ist aber so falsch an La-Ola-Welle, wenn kein Mensch weiß, was la ola bedeutet? Und Salsa mag dann im Spanischen einfach Sauce bedeuten, in der deutschsprachigen Küche und Gastronomie wird damit in der Regel eine bestimmte mexikanische Zubereitungsart mit Chili, Tomaten, Zwiebeln und anderen Zutaten bezeichnet. So hat man dann am Grillfest die Wahl zwischen Barbecue-, Knoblauch- und Salsasauce. Es gibt schließlich auch den lateinamerikanischen Tanz mit dem Namen Salsa, und den meinen wir ja nicht, wenn wir Sauce neben das Gegrillte auf den Teller schöpfen.

Ich will nun nicht alle Tautologien, Pleonasmen und Redundanzen verteidigen. Auch ich finde, dass man nicht bereits schon sagen, sondern sich für eines der beiden Wörter entscheiden sollte. Ich meine nur, dass Doppelungen häufig nicht einfach falsch oder überflüssig sind. Manchmal geht es um die Erzeugung eines komischen Effekts (Nur über meine tote Leiche!), manchmal um Verdeutlichung (Im Land der Zwerge ist ein kleiner Zwerg kleiner als ein großer) und manchmal sind sie praktischer und verständlicher als die einfache Formulierung (HIV-Viren statt „korrekt“ HI-Viren oder HIVs). Im Umgang mit solchen Ausdrücken und Wendungen braucht man keine Liste mit „richtig“ und „falsch“, sondern ein bisschen Fingerspitzengefühl.

Tautologien sind übrigens nichts Neues. Ein schönes Beispiel ist das Wort Diebstahl. Es war mir nie aufgefallen, bis ein Kalenderblatt mich kürzlich darauf hingewiesen hat. Es hieß schon im Mittelhochdeutschen diupstāle, diepstāl. Der erste Teil ist mit dem heutigen Dieb verwandt und bedeutete Diebstahl, Gestohlenes. Der zweite Teil ist natürlich mit stehlen verwandt und bedeutete auch Stehlen. Diebstahl ist also eigentlich gestohlenes Diebesgut – doppelt Gemoppeltes vom Feinsten!

Vielleicht geschieht mit Salsasauce einmal dasselbe wie mit Diebstahl: Das Wort wird als eigenes Wort lexikalisiert und fällt niemandem mehr als Tautologie auf. Vielleicht gerät die Sauce aber auch einfach wieder in Vergessenheit. Saucen unterliegen Trends und Moden, Diebstähle wird es wohl immer geben.

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Im vierzehntägigen Rhythmus?

Ich habe mich zuerst gefragt, was an vierzehntägiger Rhythmus falsch sein soll. Warum es falsch sein könnte und ich es letztlich dennoch nicht für falsch halte, lesen Sie hier:

Frage

Auf einer Webseite, die ein Kollege von mir überarbeitet, ist von mehreren Gruppenangeboten die Rede. Bezüglich jener Gruppen, die nicht jede, sondern nur jede zweite Woche stattfinden, steht da: „Bei Gruppen mit 14-tägigem Rhythmus bitte die Termine telefonisch [...] erfragen.“ Nun wurde ich gefragt, ob es nicht „mit 14-täglichem Rhythmus“ heißen muss, denn laut Duden bedeutet 14-tägig zwei Wochen dauernd, 14-täglich hingegen sich alle zwei Wochen wiederholend. Dennoch klingt „mit 14-täglichem Rhythmus“ irgendwie komisch. Um ganz sicher zu gehen, frage ich Sie.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

wenn man es genau nimmt und die genannte Unterscheidung zwischen –tägig und –täglich streng anwendet, passt hier weder vierzehntägig noch vierzehntäglich:

vierzehntägig = vierzehn Tage dauernd
vierzehntäglich = im Abstand von 14 Tagen wiederkehrend

Nicht der Rhythmus, sondern der Abstand zwischen zwei Treffen ist vierzehn Tage dauernd. Nicht der Rhythmus, sondern die Treffen sind im Abstand von vierzehn Tagen wiederkehrend. Wenn Sie es also ganz genau nehmen, weichen Sie aus auf zum Beispiel:

bei Gruppen mit einem 14-Tage-Rhythmus
bei Gruppen mit einem Rhythmus von 14 Tagen
bei Gruppen, die sich in vierzehntägigem Abstand treffen

Ganz so streng müssen Sie aber in diesem Fall nicht sein. Oft ist es recht wichtig, welche Form man wählt (vgl. hier). So freuen sich die Großeltern vielleicht über den vierzehntäglichen Besuch der fünf dynamischen Enkelkinder, aber ein vierzehntägiger Besuch wäre ihnen doch etwas zu anstrengend. Ich finde dreimonatliche Arbeitstreffen eindeutig weniger belastend als dreimonatige Arbeitstreffen. In Verbindung mit Rhythmus ist diese Verwechslungsgefahr aber nicht gegeben. Sie können es deshalb auch ein bisschen weniger genau nehmen und die häufig vorkommende und gut verständliche Formulierung mit vierzehntägig verwenden:

bei Gruppen mit vierzehntägigem Rhythmus

Das Adjektiv vierzehntägig drückt hier nur aus, dass der Rhythmus etwas mit vierzehn Tagen zu tun hat, womit eigentlich alles klar wäre. Ein kleines Wort der Warnung ist allerdings angebracht: Wenn Sie sich für die Formulierung mit vierzehntägigem Rhythmus entscheiden, sind Kopfschütteln oder Kommentare von Menschen, die es ganz genau nehmen, nicht auszuschließen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Fuchsiafarben oder fuchsienfarben?

Frage

Heißt es fuchsiafarben oder fuchsienfarben?

Antwort

Sehr geehrte Frau U.,

meine spontane Antwort lautet:

fuchsiafarben

Das sächliche Wort Fuchsia ist eine Farbbezeichnung und hat keinen Plural. Pumps in Fuchsia sind also fuchsiafarben.
Fuchsia
Der Plural Fuchsien gehört zum Pflanzennamen die Fuchsie.

Fuchsie

Und nun kommen die ersten Zweifel daran, ob die obige spontane Begründung die einzig mögliche ist. Der Farbname Fuchsia ist natürlich vom lateinischen (oder vom englischen?) Namen der Fuchsie abgeleitet. Etwas in Fuchsia hat also ganz einfach die Farbe einer Fuchsie. Man kann die Farbbezeichnung deshalb auch einfach links liegen lassen und wie bei rosenfarben und lilienweiß direkt „durch die Blume“ sprechen:

fuchsienfarben

Die Pumps können also auch als fuchsienfarben umschrieben werden.

Die gleiche Auswahlmöglichkeit zwischen der (unveränderlichen) Farbbezeichung und der Pflanze, die der Farbbezeichnung ihren Namen gegeben hat, gibt es auch bei zum Beispiel:

auberginefarben – auberginenfarben
olivfarbig – olivenfarbig
orangefarben – orangenfarben

Und zu guter Letzt noch ein Beispiel, bei dem ich nie genau weiß, welche Farbe eigentlich gemeint ist:

mauvefarbig – malvenfarbig

Lassen Sie sich nicht dadurch verunsichern, dass nicht all diese Farbadjektive in allen Wörterbüchern vorkommen. Sie sind trotzdem alle korrekt gebildet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Verbformenpuzzle für den Urlaub (und für die Daheimgebliebenen)

Ein kleine Aufgabe, bei der mit Verbformen jongliert werden muss – nur für Leute, die solches auch wirklich mögen. Den anderen Urlauberinnen und Urlaubern empfehle ich ein Kreuzworträtsel oder ein gutes Buch. Auch ich ziehe in meiner Freizeit beides dem Futur II eines Modalverbs mit einem Infinitiv Passiv vor.

Frage

Ein Nicht-Muttersprachler bat in einem Onlineforum um die Korrektur einer Grammatikübung:

Something must be done. = Es muss etwas getan werden.
Something had to be done. = Es musste etwas getan werden.

und so weiter ohne Probleme bis:

Something will have had to be done. = ?

Sein Vorschlag „Es wird etwas getan werden gemusst haben“ klingt in meinen Ohren falsch, wohl wegen des „gemusst“. Aber ich bin selbst nicht sicher, was richtig wäre: „… werden haben müssen“, „… werden müssen haben“?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

es geht hier um eine Form, der man in der „freien Wildbahn“ nie begegnet und die entsprechend auch nur theoretisch ist.

Der Vorschlag im Forum ist tatsächlich nicht richtig, und zwar, wie Sie zu Recht bemerken, weil er das Partizip gewollt enthält. Was ist dann aber richtig? Wenn wir die Form langsam aufbauen, wird es vielleicht deutlicher. Es geht um das Futur II eines Modalverbs mit einem Infinitiv Passiv (wenn ich dieses Verbformenmonstrum tatsächlich richtig analysiere):

Präsens: Es muss etwas getan werden.
Futur I: Es wird etwas getan werden müssen.
Futur II: Es wird etwas getan werden müssen haben.

In den zusammengesetzten Zeiten steht bei Modalverben wie müssen und können nicht das Partizip Perfekt, sondern der sogenannte Ersatzinfinitiv:

Er hat etwas tun müssen (nicht: tun gemusst)
Es hat etwas getan werden müssen (nicht: *getan werden gemusst).
Es wird etwas getan werden müssen haben. (nicht: *getan werden gemusst haben).

Das ist aber noch nicht alles. Ihre Unsicherheit rührt wahrscheinlich daher, dass ein solcher Ersatzinfinitiv in der Regel am Schluss der Verbgruppe steht. Zum Beispiel:

etwas, was sie hat tun wollen (nicht: *tun wollen hat)
etwas, was sie hätten wissen müssen (nicht: *wissen müssen hätten)

Das Hilfsverb haben hat deshalb auch hier die Neigung, dem Ersatzinfinitiv müssen die letzte Position zu überlassen und weiter vorn zu stehen (obwohl haben hier im Gegensatz zum „Normalfall“nicht finit ist). Es gibt möglicherweise also mehr als eine Lösung, wobei die Fragezeichen meine wachsenden Zweifel an der Akzeptabilität der Formulierungen angeben sollen:

Es wird etwas getan werden müssen haben.
Es wird etwas haben getan werden müssen. (?)
Es wird etwas getan haben werden müssen. (??)

Die erste Form ist nach den allgemeinen Regeln gebildet. Die anderen nach einer Ausnahmeregel. Welche Regel hier im Standarddeutschen wirklich greift, kann m. E. nicht eindeutig gesagt werden, weil solche Formen in der Sprachrealität gar nicht vorkommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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