Ist oder sind Metallica eine Metal-Band?

Frage

Ein Thema, über das ich leider keine guten, fundierten Hilfen im www finden konnte, ist die Frage, ob auf Bandnamen oder allgemeiner auf Namen von Gruppen bezogene Verben im Singular oder im Plural stehen sollen/dürfen, also zum Beispiel „Metallica sind Headliner“ vs. „Metallica ist Headliner“.

Antwort

Guten Tag S.,

erlaubt ist (mehr oder weniger), was gefällt, denn eine verbindliche Regel gibt es nicht und linguistisch sind häufig beide Varianten vertretbar.

Bei Bandnamen, die eindeutig als Plural empfunden werden, stehen das Verb, die Possessivartikel usw. im Plural. Das gilt insbesondere für Gruppen, die mit dem deutschen Pluralartikel die stehen. Zum Beispiel:

die Beatles / die Rolling Stones / die Beach Boys / die Pointer Sisters sind eine Band/Gruppe

Gruppennamen, die in der Ursprungssprache (meist Englisch) für uns erkennbar pluralisch sind und im Deutschen ohne deutschen Artikel verwendet werden, stehen häufig mit dem Plural, weil sie – wie man annehmen darf – in Anlehnung an die Ursprungssprache als Plural empfunden werden. Der Singular kommt ebenfalls häufig vor, weil es eine Band oder eine Gruppe ist und entsprechend als Singular empfunden wird. Zum Beispiel:

Guns ’n’ Roses / 4 Non Blondes / The Doors / Children of Bodom sind eine Band
Guns ’n’ Roses / 4 Non Blondes / The Doors / Children of Bodom ist eine Band

Bei anderen Gruppennamen steht nach den deutschen Kongruenzregeln der Singular. Ein Gruppenname lässt sich mit einer Sammelbezeichnung (Kollektivum) wie Obst, Herde, Familie, Team, Mannschaft usw. vergleichen. Sammelbezeichnungen stehen im Deutschen immer mit dem Singular.

Metallica, Pink Floyd, Queen, Nirvana ist eine Band

So weit, so gut. Hier kommt aber häufig auch der Plural vor. Ich vermute stark (ohne genauere Untersuchungen kann ich es natürlich nicht mit wissenschaftlich fundierter Genauigkeit sagen), dass dies ein Einfluss des Englischen ist. Bei gewissen singularischen Sammelbezeichnungen, die Personengruppen bezeichnen, ist im Englischen die Kongruenz im Plural möglich (zum Beispiel the familiy are, the crew are, the band are). Das gilt auch für Namen von Musikgruppen u. Ä. Dieser Plural wird bei Bandnamen auch ins Deutsche übernommen

Metallica, Pink Floyd, Queen, Nirvana sind eine Band

Ich würde bei dieser Art von Namen immer die Übereinstimmung im Singular empfehlen. Da die Verwendung des Plurals hier aber häufig und systematisch vorkommt, halte ich den Plural nicht mehr für grundsätzlich falsch. Gerade in einem so stark angelsächsisch dominierten Gebiet wie der Pop- und Rockmusik ist ein Einfluss des Englischen auch auf der sprachlichen Ebene nicht sehr erstaunlich.

Und wer immer noch unsicher ist, kann natürlich einfach auf Wendung wie die Metal-Band Metallica, die britische Rockgruppe Queen oder die Rockband 4 Non Blondes ausweichen. Dann steht immer der Singular.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Solch, solches, ein solch, ein solches, solch ein garstiges Wetter!

Das Wörtchen solch… lässt sich nicht mit einem Satz erklären. Es hat die Eigenschaften eines Pronomens, eines Artikelwortes und eines Adjektivs und kann im Satz ganz unterschiedlich verwendet werden. Ich muss Sie deshalb dafür um Nachsicht bitten, dass dieser Beitrag zu Herrn L.s einfacher und kurzer Frage recht lang ausgefallen ist und trotzdem bei Weitem nicht alle Facetten behandelt. Er soll vor allem aufzeigen, wie vielfältig die Formulierungsmöglichkeiten mit solch sind.

Frage

Heißt es „solch“ oder „solche“ oder ist hier beides möglich?

Eine Blume am Armaturenbrett: Solch(e) liebevolle Details finden sich nur in Oldtimern.

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

die meisten Muttersprachigen werden wie Sie vermuten oder einfach wissen, dass hier beide Formulierungen möglich sind:

Solche liebevolle(n) Details finden sich nur in Oldtimern.
Solch liebevolle Details finden sich nur in Oldtimern.

Es gibt dabei allerdings einen kleinen Unterschied: Die gebeugte Form solche bezieht sich auf Details oder eigentlich auf die ganze Nomengruppe liebevolle Details. Seine Bedeutung ist so beschaffen, so geartet:

solche liebevollen Details = so beschaffene liebevolle Details
bei solchem garstigen Wetter = bei garstigem Wetter dieser Art

Die endungslose Form solch bestimmt adverbial das Adjektiv liebevoll näher. Es hat ungefähr die gleiche Bedeutung wie so:

solch liebevolle Details = so liebevolle Details
bei solch garstigem Wetter = bei so garstigem Wetter

Das Wörtchen solch hat noch mehr auf Lager: Im Singular kann man es auch mit dem unbestimmten Artikel ein kombinieren, und zwar auf mehr als eine Art:

ein solches liebevolles Detail
ein solch liebevolles Detail
solch ein liebevolles Detail

bei einem solchen garstigen Wetter
bei einem solch garstigen Wetter
bei solch einem garstigen Wetter

So viele verschiedene Möglichkeiten! Zur Problematik der Beugung des Adjektivs nach solch und solche schweige ich deshalb hier. Für eine solche komplexe, eine solch komplexe oder solch eine komplexe Frage verweise ich Sie auf diese Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auf oder unter www.canoo.net?

Frage

Was ist korrekt: „Interessierte finden auf ODER unter www.canoo.net weiterführende Informationen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

beide Formulierungen kommen häufig vor und beide sind richtig. Aber warum? Schließlich ist auf dem Tisch auch nicht dasselbe wie unter dem Tisch.

Zuerst sollte man hier auf und unter nicht allzu wörtlich nehmen. Weiter kann man eine Angabe wie www.canoo.net oder http://www.canoo.net als eine Internetadresse, aber auch als eine Website ansehen und entsprechend behandeln:

Interessierte finden auf der Website www.canoo.net weiterführende Informationen.
Interessierte finden unter der Adresse www.canoo.net weiterführende Informationen.

Oder ein bisschen kürzer:

Interessierte finden auf www.canoo.net weiterführende Informationen.
Interessierte finden unter www.canoo.net weiterführende Informationen.

Die unterschiedlichen Präpositionen können also auf unterschiedliche Betrachtungsweisen zurückgeführt werden. Diese Information lässt sich übrigens nicht so auf oder unter www.canoo.net finden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Wort Gottes und der Sohn Gottes im Genitiv

Frage

Ich war im Gottesdienst, um dem Wort Gottes zu lauschen. Aber lieferte der Herr Pastor eine Auslegung des Wort Gottes oder des Wortes Gottes? Ich finde, Wort Gottes ist ein geschlossener Begriff und nur das zweite Nomen muss gebeugt werden. Mein Sohn hält dagegen, die Auslegung bezöge sich auf das Wort, das daher zu beugen sei.

Und wie lautete der korrekte Genitiv von „der Sohn Gottes“: „des Sohn Gottes“ oder „des Sohnes Gottes“?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

üblicher und grammatisch richtig ist die Genitivform des Wortes Gottes. In einer Wortgruppe beugt man den Kern der Gruppe. Der Kern ist hier Wort, wie unter anderem der Artikel das anzeigt, der im Genitiv zu des wird: das Wort – des Wortes.

Neben dem Artikel das und dem Kern Wort enthält die Wortgruppe noch das Genitivattribut Gottes. Das Genitivattribut ist direkt vom Wortgruppenkern Wort abhängig und in allen Stellungen gleich. Man beugt also wie folgt:

das Wort Gottes
dem Wort[e] Gottes
des Wortes Gottes

Auch bei der Sohn Gottes ist Sohn der Kern der Wortgruppe, der gebeugt wird. Es heißt also im Genitiv des Sohnes Gottes:

der/den Sohn Gottes
dem Sohn[e] Gottes
des Sohnes Gottes

Man könnte Wort Gottes als Ganzes als einen Titel sehen, der unveränderlich ist. Der Genitiv wäre dann des Wort Gottes. Es ist im Deutschen aber üblich, auch innerhalb eines Titels o. Ä. zu beugen. Es ist deshab vorzuziehen, die Gentivform des Wortes Gottes zu verwenden, das heißt, wie in des Sohnes Gottes oder zum Beispiel des Zorns Gottes und des Willens Gottes den Kern der Wortgruppe zu beugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

 

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Gastlichkeit, gute Küche, bekannte Weine und das Verb

Frage

Auf einer deutschen Seite zu Rechtschreibung und Grammatik wurde folgender Satz angeführt:

Die bekannte Schwarzwälder Gastlichkeit mit der guten Küche und den bekannten Weinen laden nach einer Wanderung zum Einkehren und Entspannen ein.

Der Fragesteller wollte wissen, ob es hier korrekterweise nicht „lädt“ heißen müsste. Sind Sie auch der Meinung, dass im obigen Satz das Verb im Singular stehen sollte?

Antwort

Guten Tag H.,

rein dem Sinn nach ist die Wahl des Plurals hier gut verständlich. Schließlich kann man sich während der Wanderung auf drei Dinge freuen: Gastlichkeit, eine gute Küche und bekannte Weine. Grammatisch ist es aber trotzdem nicht korrekt, hier die Mehrzahl für das Verb zu wählen.

Das Subjekt des Satzes ist der Singular die bekannte Schwarzwälder Gastlichkeit. Diese Nomengruppe steht im Singular und hat eine Wortgruppe bei sich, die mit der Präposition mit eingeleitet wird. Es handelt sich also nicht um ein mehrteiliges Subjekt, sondern um ein einteiliges Subjekt in der Einzahl, das eine Präpositionalgruppe als nähere Bestimmung bei sich hat. Diese Präpositionalgruppe hat keinen Einfluss auf die Form des Verbs. Das Verb des Satzes steht deshalb im Singular:

Die bekannte Schwarzwälder Gastlichkeit mit der guten Küche und den bekannten Weinen lädt nach einer Wanderung zum Einkehren und Entspannen ein.

Bei einem kürzeren und einfacheren Satz sieht man vielleicht ein bisschen besser, worum es geht:

Frau Rothenberger und Begleiter kamen zuletzt an.
aber:
Frau Rothenberger mit Begleiter kam zuletzt an. (nicht: *kamen)

Der Wirt mit seinen Freunden ging zum Saal zurück. (nicht: *gingen)
Der Kuchen mit Schlagsahne und einem Gläschen Likör schmeckte ausgezeichnet. (nicht: *schmeckten)

Grammatisch gesehen ist also A und B nicht dasselbe wie A mit B, obwohl dies bedeutungsmäßig oft der Fall ist. Bei solchen Konstruktionen laufen Bedeutung und Grammatik sozusagen nicht immer parallel. In dem hier behandelten Fall „gewinnt“ dann die Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Aufs Substantivierte-Infinitive-mit-vielen-Ergänzungen-Verwenden verzichten

Frage

Immer wieder lese ich Sätze wie der folgende: „Kinder unterhalten sich beim Bücher anschauen“. Es kann doch nicht richtig sein, dass „anschauen“ kleingeschrieben wird, da es hier „beim“, also „bei dem Anschauen“, heißt.

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es ist tatsächlich nicht richtig, dass anschauen hier kleingeschrieben wird. Richtig ist nämlich diese Schreibung:

Kinder unterhalten sich beim Bücheranschauen.

Substantivierte Infinitive schreibt man groß:

beim Lesen
das Ärgern
das Sagen
zum Essen
freiwilliges Aufräumen

Wenn sie um eine Ergänzung erweitert sind, schreibt man alles zusammen und groß:

beim Bücherlesen
das Sichärgern
Danke fürs Bescheidsagen
zum Selbstessen
freiwilliges Zimmeraufräumen

Die entsprechende Rechtschreibregel finden Sie hier.

Bei mehr als einer Ergänzung verwendet man in der Regel Bindestriche:

beim Zusammen-Bücher-Anschauen
das Gefühl des Mit-dem-Rücken-zur-Wand-Stehens
das So-richtig-ausgiebig-in-der-Nase-Bohren

Mehr dazu hier.

Die letzten Beispiele zeigen, dass es oft lesefreundlicher und stilistisch viel besser ist, wenn man solche erweiterten Infinitive vermeidet und anders formuliert. Man kann also besser auf das Substanitivierte-Infinitive-mit-vielen-Ergänzungen-Verwenden verzichten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Idee des Individuums als Fall[s]?

Neben dem Komma und den Inseln gibt auch der Fall nach als immer wieder Anlass zu Fragen. Heute geht es um die als-Gruppe bei einem Genitiv. 

Frage

Wir schlagen uns mit einem Satz herum, bei dem unser Sprachgefühl dem widerspricht, was wir für grammatikalisch korrekt halten. Der Satz lautet:

Die Idee des Individuums als Falls und somit als Protagonisten einer Fallgeschichte wird hier Realität.

Wir hadern gefühlsmäßig mit den Genitivformen „Falls“ und „Protagonisten“, finden aber keinen Beleg dafür, dass diese im Nominativ stehen dürfen.

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

die als-Gruppe steht nach der Grundregel im gleichen Fall wie das Wort, auf das sie sich bezieht:

Gefüllte Kirschtomaten wurden als kleiner Gruß aus der Küche serviert.
Als erfahrenen Programmier hätte dich das nicht erstaunen müssen.
Die Wissenschaft wurde mit dem Internet als neuem Kommunikationsmedium konfrontiert.
Die Herrscher bedienten sich der Religion als eines Mittels der Unterdrückung.

ABER: Es gibt zahlreiche Ausnahmen. Eine davon betrifft Fälle, in denen das Bezugswort wie in Ihrem Beispiel ein Wort im Genitiv oder im Speziellen ein Genitivattribut ist. In solchen Fällen steht die als-Gruppe nur dann im Genitiv, wenn sie ein Artikelwort enthält. Ohne Artikelwort steht sie meist bzw. immer im Nominativ. Ihr Gefühl täuscht Sie also nicht. In Ihrem Beispiel steht die als-Gruppe ohne Artikelwort und ohne gebeugtes Adjektiv. Sie sollte deshalb im Nominativ stehen:

Die Idee des Individuums als Fall und somit als Protagonist einer Fallgeschichte wird hier Realität.

Ebenso zum Beispiel:

Die Herrscher bedienten sich der Religion als Mittel der Unterdrückung.
die Rolle des Staates als Handelspartner
die Förderung des Kindes als Individuum und als Teil der Gruppe

Mehr dazu finden Sie hier und hier, denn das Ganze ist leider noch ein bisschen komplexer. Die Häufigkeit der als-Gruppe als Problemfall wird Sie nach dem Lesen dieser Abschnitte kaum mehr erstaunen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Allerlei zu entgegen

Frage

Im Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mey steht der Satz:

Wie ein Schleier staubt der Regen, / bis sie abhebt und sie schwebt / der Sonne entgegen.

Ich wurde nun gefragt in welchem Fall „der Sonne entgegen“ steht. Meiner Meinung nach ist es der Dativ und „entgegen“ ist ein Adverb. Ist das richtig oder ist es der Genitiv?

Antwort

Guten Tag K.,

Sie haben recht: In sie schwebt der Sonne entgegen ist der Sonne ein Dativ. Bei entgegen steht immer der Dativ.

Als Präposition (Bedeutung: im Gegensatz zu, im Widerspruch zu) verlangt entgegen den Dativ:

Entgegen allen Erwartungen haben sie das Spiel gewonnen.
Wir fahren entgegen eurem Rat heute noch weg.

Auch nachgestellt:

Allen Erwartungen entgegen haben sie das Spiel gewonnen.
Wir fahren eurem Rat entgegen heute noch weg.

Auch wenn es adverbiell verwendet wird (Bedeutung: in Richtung auf etwas zu), steht bei entgegen der Dativ:

Dem Wind entgegen!
Neuen Abenteuern entgegen!

In Verbindung mit einem einfachen Verb gilt dieses entgegen als Verbzusatz, das heißt, es wird ggf. mit dem Verb zusammengeschrieben:

der Sonne entgegenschweben
dem Himmel entgegenfliegen
Ich will euch gerne entgegenkommen.
das wichtige Fußballspiel, dem du seit Tagen entgegenfieberst

Mehr zu entgegen finden Sie zum Beispiel hier und hier. Und zu guter Letzt sei noch dies erwähnt: Im Standarddeutschen steht entgegen nicht mit dem Genitiv. Es heißt also nicht:

*entgegen des Uhrzeigersinns
*entgegen ihres Willens

sondern:

entgegen dem Uhrzeigersinn
entgegen ihrem Willen
oder
dem Uhrzeigersinn entgegen
ihrem Willen entgegen

Ich konnte es einfach nicht lassen, hier kurz den Auffassungen gewisser übereifriger Genitivanhänger und –anhängerinnen entgegenzutreten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kommas richtig setzen ist nicht immer einfach – Infinitivgruppen als Subjekt

Frage

„Die Elekotromobilität effektiv fördern(,) ist ein wichtiger Schritt bei der Reduktion der CO2-Emissionen.“ Muss nach „fördern“ eine Komma stehen?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

erweiterte Infinitive am Satzanfang stehen meistens mit zu. Dann gilt die Regel, dass die Infinitivgruppe durch ein Komma abgetrennt werden kann, um die Struktur des Gesamtsatzes zu verdeutlichen. In den folgenden Sätzen kann das eingeklammerte Komma also stehen, es kann aber auch weggelassen werden:

Mit dem Finger auf Leute zu zeigen[,] gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten[,] macht hungrig.
Kommas richtig zu setzen[,] ist nicht immer einfach.
Die Elekotromobilität effektiv zu fördern[,] ist ein wichtiger Schritt bei der Reduktion der CO2-Emissionen.

Ihr Satz ist aber nicht ganz gleich formuliert. Er zeigt, dass es natürlich wieder ein Aber gibt: Wenn ein erweiterter Infinitiv Subjekt des Satzes ist und vor dem Verb steht, kann er auch ohne zu verwendet werden. Er zählt dann nicht zu den Infinitivgruppen, die in der Rechtschreibregel gemeint sind, und kann nicht durch ein Komma abgetrennt werden. Ohne zu heißt hier auch ohne Komma:

Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
Kommas richtig setzen ist nicht immer einfach.

Und damit sind wir endlich auch bei Ihrem Satz, der ohne Komma geschrieben wird:

Die Elekotromobilität effektiv fördern ist ein wichtiger Schritt bei der Reduktion der CO2-Emissionen.

Es ist wirklich nicht immer einfach, Kommas richtig zu setzen! Und warum die Infinitivgruppe im vorhergehenden Satz durch ein Komma abgetrennt werden muss, lesen Sie hier (resp. §75.3 der amtl. Rechtschreibregelung).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Etwas in Kauf nehmen

Heute mache ich es mir einmal ganz einfach. Ich zitiere zuerst die schöne Frage von Herrn P. und verwende für die Antwort ein Zitat aus dem Redensarten-Index, einem Wörterbuch, auf das wir in Canoonet für Angaben zu Redewendungen und Redensarten verweisen und das ich für solche Fragen sehr empfehlen kann. 

Frage

Woher stammt die Redewendung „etwas in Kauf nehmen“? Sie erinnert mich an die ehemalige Sowjetunion. Wie überall in den sozialistischen Ländern herrschte hier Planwirtschaft. Wer den Plan erfüllte oder übererfüllte, bekam eine Prämie. Das  führte zu folgenden Erscheinungen: Beim Kauf von Kaviar musste man zusätzlich Sprotten nehmen, [eine Art Heringe,] die keiner haben wollte. Kaviar war zwar nicht sehr teuer, kam aber selten auf den Ladentisch. Hier musste man  wörtlich beim Kaviarkauf die Sprotten in Kauf nehmen.

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

Ihre Vermutung ist richtig. Die Redewendung etwas in Kauf nehmen (etwas hinnehmen; etwas Unangenehmes bei einer sonst vorteilhaften Angelegenheit dulden) hat offenbar genau diesen Ursprung.

Ich mache es mir diesmal ganz einfach und zitiere hier den Redensarten-Index, auf den wir auch von unseren Seiten aus verweisen:

Die Wendung geht auf die Form „etwas mit in den Kauf nehmen“ zurück. Ein Käufer bekam früher gelegentlich etwas Ware zusätzlich mit in den Kauf, wenn der Händler nicht genug Kleingeld zum Herausgeben hatte. „In den Kauf geben“ bezeichnete also eine Zugabe des Verkäufers. Auch bürdeten Wucherer dem Entleiher oft für einen Teil des geborgten Geldes Waren auf, die dieser zwar nicht gebrauchen konnte, die er aber abnahm, um überhaupt ins Geschäft zu kommen. Dies führte zu der Bedeutung: unliebsame Zugabe zu etwas Vorteilhaftem hinnehmen. Der Käufer nahm etwas Unliebsames mit „in (den) Kauf“. Ein Beispiel für die übertragene Bedeutung findet sich 1785 bei Friedrich Wilhelm Gotter in dem Gedicht „Liebeserklärung“: „Ach, Einen Kuß von dir (und ging auch eine Dachtel [=Ohrfeige] / In Kauf) bezahlt‘ ich gern mit meines Lebens Achtel“
Quelle: Redensarten-Index, Eintrag etwas in Kauf nehmen

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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