Keynotespeaker, Keynote-Speaker, Keynote Speaker und andere Zusammensetzungen aus dem Englischen

Ein immer wiederkehrendes Problem sind die zusammengesetzten Fremdwörter, insbesondere aus dem Englischen. Da sich die Ursprungssprache und das Deutsche bei den Regeln und Gebräuchen im Bereich der Zusammen-, Getrennt- und Bindestrichschreibung zum Teil beträchtlich unterscheiden, kommt es regelmäßig zu Zweifeln. Im Folgenden wird nicht dargestellt, was häufig vorkommt oder u. a. in Fachsprachen üblich ist, sondern „nur“, wie man nach der amtlichen Regelung vorgehen sollte. Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn Sie in Ihren Augen ungewohnte Schreibungen antreffen!

Frage

Gibt es für die Zusammenschreibung von englischen Fremdwörtern Regeln? Wenn das Wort aus einem Verb und einem Partikel besteht, ist der Bindestrich vorzuziehen, sagt der Duden (vgl. Know-how). Wie sieht es aber bei einer Zusammensetzung von Substantiv und Substantiv bzw. Adjektiv und Substantiv aus (Keynote Speaker, Best Practice)?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn Sie zusammengesetzte Fremdwörter aus dem Englischen ins Deutsche integrieren, gilt im Prinzip wie bei einheimischen Zusammensetzung die Zusammenschreibung. So weit wäre es eigentlich ganz einfach. Doch dann kommen natürlich wieder einmal die Ausnahmen:

Bei Zusammensetzungen Substantiv + Substantiv ist neben a) der Zusammenschreibung auch b) der verdeutlichende Bindestrich möglich. Die ebenfalls häufig vorkommende c) Getrenntschreibung ist nach der amtlichen Rechtschreibregelung nicht korrekt (außer bei direkten Zitaten aus der Fremdsprache, z. B. „keynote speaker“):

  1. Keynotespeaker, Taskforce, Junkfood, Realityshow
  2. Keynote-Speaker, Task-Force, Junk-Food, Reality-Show
  3. Keynote Speaker, Task Force, Junk Food, Reality Show (NB: nach amtl. Regelung nicht korrekt)

Bei Zusammensetzungen Adjektiv + Substantiv ist a) die Zusammenschreibung möglich, wenn die Hauptbetonung der Verbindung auf dem Adjektiv liegt. Daneben ist auch b) die Getrenntschreibung möglich, die für alle anderen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen aus dem Englischen verbindlich ist:

  1. Smalltalk, Shortstory, Coldcream
  2. Small Talk, Short Story, Cold Cream; Best Practice, Electronic Banking, Direct Mailing

Bei Verb-Partikel-Verbindungen ist neben a) der Zusammenschreibung ebenfalls b) die Schreibung mit Bindestrich möglich. Der Bindestrich ist vorzuziehen, wenn die Zusammenschreibung die Lesbarkeit beeinträchtigen würde. (Eine Duden-Empfehlung ist übrigens nicht weniger und nicht mehr als eine unverbindliche Empfehlung der Duden-Redaktion.)

  1. Knowhow, Backup, Burnout, Stopover
  2. Know-how, Back-up, Burn-out, Stop-over; Make-up, Go-in

Das sind nur die wichtigsten Stolpersteine bei der Schreibung von Fremdwörtern. Auf dieser Seite in Canoonet finden Sie Links auf die Regeln, weitere Informationen und Beispiele.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von »nicht wahr« über »oder« bis zu »woll«: immer mit Komma

 Frage

Eigentlich sollte ich es wissen aber ich weiß es nicht mehr :-( Kommt in diesen Satz ein Komma oder nicht?

Eigentlich nicht schlecht oder?

Ich freue mich auf Ihre Antwort und evtl. auch eine Erklärung.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Vor einem abschließenden fragenden oder steht ein Komma:

Eigentlich nicht schlecht, oder?

Siehe auch hier.

Man kann dieses oder als nachgetragene Erläuterung sehen, mit der man um Zustimmung fragt. Solche nachgetragenen Erläuterungen werden durch ein Komma abgetrennt. Das gilt auch für das standardsprachliche Äquivalent dieses eher umgangssprachlichen oder

Das ist gut, nicht wahr?

sowie für seine regionalen, mehr oder weniger umgangssprachlichen Neffen und Nichten wie zum Beispiel diese:

Da staunst du, gelt/gell/gelle?
Du kommst auch mit, ja?
Wir haben schon gezahlt, oder nicht?
Wir haben gewonnen, stimmt’s?
Ihr kommt aus dem Süden, nich(t)?
Sie haben Hunger, ne?
Sie haben schon gegessen, näch?
Du hast sie nicht mehr alle, wa?
Das war teuer, was?
Da biste platt, woll?

Und seien Sie mir bitte nicht böse, wenn die Variante Ihrer Region nicht dabei ist. Die Beispiellisten können ja nicht immer vollständig sein, oder?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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An die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste

Es steht zwar nicht ganz oben auf der Liste der am meisten besuchten Urlaubsziele, aber falls Sie Ihren Osterurlaub doch einmal in diesem westafrikanischen Land verbringen möchten, fahren Sie dann an die Elfenbeinküste, in die Elfenbeinküste oder nach Elfenbeinküste? Eine ähnliche Frage hat Frau W. gestellt:

Frage

Heißt es „Addah an der Elfenbeinküste“ oder „Addah in der Elfenbeinküste“?

Persönlich finde ich die erste Lösung besser, allerdings schreibt beispielsweise der Duden: „er ist Staatsbürger von Elfenbeinküste“. Sicher, die Elfenbeinküste ist ein Staat, aber klingt das nicht furchtbar?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

es gibt hier keine eindeutig festgelegte, allgemein verbindliche Formulierung. Im offiziellen Verkehr wird im Deutschen im Prinzip der einzige offiziell von diesem Staat akzeptierte Name Côte d’Ivoire verwendet.

Addah liegt in Côte d’Ivoire
die Bevölkerung von Côte d’Ivoire

Sonst ist die Elfenbeinküste oder seltener Elfenbeinküste ohne Artikel üblich:

die Bevölkerung der Elfenbeinküste
die Bevölkerung von Elfenbeinküste

Wenn man den Namen mit Artikel verwendet, kann bei Ortsangaben an oder in stehen. Mit an verweist man auf die Küste dieses Namens, mit in auf den Staat. Es gibt somit drei Möglichkeiten, von denen keine als falsch bezeichnet werden kann:

Addah liegt in Elfenbeinküste
Addah liegt in der Elfenbeinküste
Addah liegt an der Elfenbeinküste

Am schönsten (und interessantesten) klingt für mich an der Elfenbeinküste. Damit ist allerdings eher die Küste als der Staat gemeint. Bei einem Ort, der nicht wie Addah an der Küste, sondern weiter im Landesinnern liegt, verwendet man besser eine dieser Formulierungen:

Yamoussoukro liegt in der Elfenbeinküste
Yamoussoukro liegt in Elfenbeinküste

Die Einwohner und Einwohnerinnen der Elfenbeinküste heißen übrigens offiziell Ivorer und Ivorerinnen und das Adjektiv lautet ivorisch (vgl. d’Ivoire). Da diese Bezeichnungen nicht allzu bekannt sind, würde ich allerdings empfehlen, X der Elfenbeinküste oder Y von Elfenbeinküste zu verwenden, wenn man gerne auf Anhieb verstanden werden möchte.

Man kann also in die Elfenbeinküste/nach Elfenbeinküste fahren, wenn das Land gemeint ist, oder an die Elfenbeinküste, wenn das Ziel der Reise dort am Meer liegt. Ich verbringe Ostern dieses Jahr übrigens ruhig und ohne jeglichen präpositionalen Zweifel zu Hause.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

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Der Großteil der Frauen und seine/ihre Stellung im Beruf?

Frage

Ich stoße in dem folgenden Satz auf ein Problem mit dem Genus:

Der Großteil der Frauen strebt eine möglichst hohe Stellung in seinem/ihrem (?) Beruf an. Dafür müssen sie/muss er (?) …

Was ist hier erlaubt bzw. gefordert, sofern man nicht auf eine andere Formulierung ausweichen möchte?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

hier konstruiert man besser nicht nach „mathematisch-logischer Präzsision“, sondern nach dem Sinn: Nicht der Großteil hat eine Stellung im Beruf, sondern die Frauen haben eine Stellung im Beruf. Auch im weiteren Text ist es sinnvoller, sich auf Frauen und nicht auf die ungenaue Mengenangabe Großteil zu beziehen. Es ist also nicht so, dass sich alles zwingend nach dem grammatischen Subjekt Großteil richten muss:

Der Großteil der Frauen strebt eine möglichst hohe Stellung in ihrem Beruf an. Dafür müssen sie

Umgekehrt ist aber auch die Übereinstimmung nach dem Sinn nicht zwingend. Man kann häufig auch rein grammatisch konstruieren:

Ein Großteil der Befragten ist zufrieden mit seinem Beruf.
Beim Börsencrash verlor ein großer Teil der Anleger sein gesamtes Vermögen.

Und wenn weder das eine noch das andere wirklich zu überzeugen vermag – was bei solchen Konstruktionen häufiger vorkommt –, könnten Sie vielleicht doch eine Umformulierung dieser Art erwägen:

Der Großteil der Frauen strebt einen möglichst hohe Stellung im (eigenen) Beruf an.
Beim Börsencrash verlor ein großer Teil der Anleger das gesamte Vermögen.

Aus diesem Grund schreibe ich auch lieber nicht, dass eine Teil Ihrer Fragen noch auf seine oder ihre Beantwortung wartet, sondern einfach, dass ein Teil Ihrer Fragen noch auf Beantwortung wartet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Präposition versus Konjunktion: versus

Frage

In einer Zeitschriftenüberschrift lese ich: „Alte Zöpfe versus frischem Wind“. Stimmt der Kasus nach „versus“?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

nach versus steht nicht der Dativ, sondern der Akkusativ:

alte Zöpfe versus frischen Wind
alte Armut versus neuen Reichtum
christliche Dogmentreue versus einen kritischen Geist

So steht es in den Wörterbüchern, auch in Canoonet.

Die Präposition versus stammt direkt aus dem Lateinischen, wo sie ebenfalls mit dem Akkusativ steht. Der Dativ frischem Wind ist vielleicht durch die deutsche Entsprechung gegenüber beeinflusst, die diesen Fall verlangt.

Das ist aber nicht alles, was ich hierzu sagen möchte. Mir kommt nämlich ganz spontan eine andere Formulierung in den Sinn, die ich eigentlich auch nicht als falsch empfinde, obwohl nach versus nicht ein Akkusativ steht:

Alte Zöpfe versus frischer Wind

Der Nominativ „frischer Wind“ nach versus? Ich habe ganz schnell auch noch weitere Beispiele gefunden, in denen nach versus nicht der Akkusativ, sondern ein anderer Fall steht, ohne dass mir das grundsätzlich falsch vorkommt:

neue Form versus neuer Inhalt
die Interaktion Personalchef versus junger Angestellter
Es kam zu einer Auseinandersetzung von Halbstarken versus Erwachsenen**

Es sieht also so aus, wie wenn versus häufig nicht als Präposition mit einem festen Kasus, sondern als Konjunktion verwendet wird. Bei einer Konjunktion stehen die durch die Konjunktion verbundenen Elemente im gleichen Kasus. Der Kasus wird durch ihre Rolle im Satz bestimmt. Die Verwendung von versus als Konjunktion ist nicht ganz abwegig, da es die Elemente, die vor und nach ihm stehen, häufig zu einem Gegensatzpaar verbindet, dessen gleichrangige Elemente auch die Plätze tauschen können:

alte Zöpfe versus frischer Wind = frischer Wind versus alte Zöpfe
vgl.
alte Zöpfe und frischer Wind = frischer Wind und alte Zöpfe
alte Zöpfe oder frischer Wind = frischer Wind oder alte Zöpfe

Die Tatsache, dass versus häufig in dieser Weise „falsch” verwendet wird, und in wesentlich geringerem Maße mein Erstaunen darüber, dass mich das nicht erstaunt, sind Anzeichen dafür, dass die Einteilung von versus als Präposition mit Akkusativ vielleicht nicht die ganze Sprachwirklichkeit beschreibt. Es wäre genauer zu prüfen, ob versus nicht auch in der Standardsprache häufiger die Funktion einer Konjunktion hat: Präposition versus Konjunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

**Akkusativ wäre Erwachsene, vgl. für Erwachsene

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Nur kein(en) Stress!

Frage

Welche elliptische Formulierung ist korrekt?

(1) Nur kein Stress!
(2) Nur keinen Stress!

Falls (1) korrekt ist – wie erklärt sich der Nominativ, wenn der vollständige Satz doch lautet: „Mach dir nur keinen Stress!“? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr L.

beide Formulierungen können als richtig angesehen werden, je nachdem wie man die Ellipse (den Auslassungssatz) ergänzt. Zum Beispiel:

Mach dir nur keinen Stress!
→ Nur keinen Stress!

Es darf/soll nur kein Stress aufkommen!
→ Nur kein Stress!

Man muss die Äußerung „Nur kein Stress!“ allerdings nicht unbedingt als Ellipse im engeren Sinne ansehen. Sie kann auch als absoluter Nominativ interpretiert werden. Ein absoluter Nominativ ist ein Wort oder ein Satzglied, das nicht in das Satzgefüge eingebunden ist und im Nominativ steht. Solche Nominative stehen mehr oder weniger unabhängig für sich allein. Drei weitere Beispiele:

Zu verkaufen: frischer Spargel
Ein Zufall? Sie trafen sich schon wieder am Bahnhof.
Kilometerlanger Stau wegen Baustelle

Es ist in der Regel möglich, solche absoluten Nominative als Ellipsen zu sehen und sie zu einem vollständigen Satz zu ergänzen, unbedingt notwendig ist es aber nicht. Vgl. hier.

Die Variante im Nominativ scheint übrigens bei der Aufforderung, möglichst ohne Stress zu reagieren, häufiger vorzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Weiterlesen und was sonst (nicht) im Wörterbuch steht  

Immer wieder gibt es Kommentare und Fragen zu Wörtern, die nicht im Wörterbuch verzeichnet sind. Nicht allen ist bewusst, dass ein Wort auch dann möglich, wohlgeformt und richtig sein kann, wenn es nicht in den Wörterbüchern zu finden ist.

Kommentar

Laut [meinem Wörterbuch] „gibt es“ weiterlesen bzw. wird es in einem Wort geschrieben. Nicht kritisch gemeint, sondern nur informativ.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

danke für die Information. Wir werden prüfen, ob wir weiterlesen auch in die Canoonet-Wörterbücher aufnehmen sollen. Dazu die folgende Bemerkung:

Wenn weiter die Bedeutung fortfahren zu oder vorwärts, voran hat, vor einem einfachen Verb steht und stärker als das Verb betont wird, schreibt man es mit dem Verb zusammen (vgl. hier). Zum Beispiel:

weitergehen = fortfahren zu gehen
weiterleiten = etwas Erhaltenes einer anderen Person, Instanz zuleiten
weiterlesen = fortfahren zu lesen

Das gilt für alle einfachen Verben, bei denen dies sinngemäß möglich ist. Auch andere Wörterbücher listen nicht alle diese möglichen Verben auf, insbesondere dann nicht, wenn sie nicht häufig vorkommen. Dafür sind nicht nur Platzgründe verantwortlich, sondern auch die Tatsache, dass diese Verbverbindungen auch ohne Beschreibung gut verständlich sind.** Ein paar Beispielsätze mit Verben, die nicht in (allen) Wörterbüchern stehen:

Wenn die Löwensippe satt ist, kann die Gazellenfamilie in Ruhe weiteräsen.
Solange das Bier nicht ausgeht, wird weitergehüpft.
Ich falle ins Gras und muss einfach immer nur weiterlachen.
Er ging in die Küche zurück, um weiterzukochen.
10 Minuten weiterköcheln lassen
Gibt es eine Funktion, bei der ich das Gerät vor mir hinlegen und trotzdem weitertelefonieren kann?
u.v.a.m.

Wenn ein Wort nicht im Wörterbuch steht, bedeutet das also noch lange nicht, dass es dieses Wort nicht gibt. Hier nach ein paar zusammengeschriebene Verbverbindungen mit weiter, die in Canoonet, aber – soweit ich weiß – nicht im gelben Wörterbuch stehen:

weitersegeln, weitersingen, weiterstolpern, weiterspedieren, weiterstreiken, weitertanzen, (sich) weitertasten

Ich werde mich weiter bemühen (= weiterhin bemühen), Ihnen bei Sprachfragen weiterzuhelfen – auch dann, wenn es um Wörter geht, die nicht im Wörterbuch stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Dies gilt in noch viel stärkerem Maße für Substantivzusammensetzungen. Es ist unmöglich, alle korrekt bildbaren Zusammensetzungen aufzulisten: Amselnest, Drosselnest, Finkennest, Starennest usw.

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Von Bernd das Brot oder von Bernd dem Brot?

Frage

Gestern bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem es um Bernd das Brot ging, Titel: „Was ich von Bernd das Brot über das Leben gelernt habe“.

Intuitiv würde ich hier stattdessen schreiben: „Was ich von Bernd dem Brot über das Leben gelernt habe“, analog zu „was Alexander dem Großen widerfuhr“. Ich würde „das Brot“ also als eine ganz normale Apposition behandeln.

Was meinen Sie dazu? Gibt es Fälle, in denen eine Apposition ein Teil des Namens wird und nicht flektiert wird? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

es gibt keine eindeutige, in Stein gemeißelte Regel für solche Fälle. Wenn das Brot als Apposition empfunden wird, geht man gleich vor wie bei Katharina der Großen, Wilhelm dem Eroberer oder Jan Brueghel dem Älteren:

Ich bin Bernd das Brot.
Ich habe Bernd dem Brot zugehört.
Was ich von Bernd dem Brot gelernt habe.
Leben und Werk Bernds des Brotes

Ganz so eindeutig ist es aber nicht. Der Kinderfernsehstar Bernd ist kein Herrscher wie Katharina II. von Russland oder Wilhelm I. von England und das Brot ist auch kein unterscheidendes Merkmal wie bei Vater und Sohn Jan Brueghel dem Älteren und dem Jüngeren. Man kann das Brot auch einfach als Familiennamen sehen. Seine Form mit einem bestimmten Artikel ist im Deutschen ungewöhnlich, aber Bernd, der Träger des Namens, ist ja auch keine ganz alltägliche Figur. Als Familienname wird er wie ein „gewöhnlicher“ Familienname behandelt:

Ich heiße Bernd das Brot.
Ich habe Bernd das Brot zugehört.
Was ich von Bernd das Brot gelernt habe.
Bernd das Brots Leben und Werk

Es lässt sich nicht eindeutig und objektiv feststellen, ob das Brot eine nachgestellte enge Apposition oder ein Familienname sein muss. Beides ist vertretbar. Ich neige eher zur Apposition, insbesondere dann, wenn nicht nur von Bernd dem Brot, sondern auch von Chili dem Schaf und Briegel dem Busch die Rede ist. Beim Kinderfernsehkanal KIKA (zumindest im Webauftritt) schein man aber das Brot als Familiennamen zu behandeln:

„Freu dich auf Spaß, Spiel und ganz viel Comedy!“, heißt es in Sketchen mit Bernd das Brot.
http://www.kika.de/bernd-friends/index.html

Mehr Informationen zur Beugung von engen Appositionen und Namen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Etwas tolles Neues und etwas Tolles, Neues

Frage

Bei einem Meeting stand auf einer Power-Point-Folie unter der Rubrik „Ziele für die Zukunft“: „Etwas tolles Neues finden“. Irgendwie kam mir die Schreibweise merkwürdig vor; zumindest habe ich sie so noch nie gesehen. Daher meine Frage: Ist es möglich, dass das substantivierte Adjektiv in diesem Beispiel ein eigenes Adjektiv haben kann? […] Sollte es nicht eher heißen: „Etwas Tolles, Neues finden“ bzw. „Etwas Tolles und Neues finden“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Formulierung ist stilistisch vielleicht nicht die allerschönste und sieht auch etwas ungewohnt aus, aber sie ist möglich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein substantiviertes Adjektiv durch ein attributives Adjektiv näher bestimmte wird. Ein paar Beispiele:

Mach aus etwas langweiligem Neuen etwas schönes Neues!
Sie wussten viel interessantes Neues zu berichten
Perlen und anderes Schönes
Sie begrüßte die nervösen Kleinen und die sich gelassen gebenden Großen
Sie trug ihr kleines Schwarzes

und

etwas tolles Neues finden

Das zweite Adjektiv ist substantiviert und wird großgeschrieben. Das erste Adjektiv bestimmt als attributives Adjektiv das substantivierte Adjektiv und wird deshalb kleingeschrieben.

Die Formulierungen etwas Tolles, Neues und etwas Tolles und Neues sind natürlich auch möglich, aber die erste wird anders betont (und die zweite enthält ganz offensichtlich ein „und“).

etwas tolles Neues = etwas Neues, das toll ist
etwas Tolles, Neues = etwas, das neu und toll ist

Meist ist der Unterschied zwischen etwas Neuem, das toll ist, und etwas, das neu und toll ist, nicht allzu groß. Das bedeutet aber nicht, dass nicht beide Formulierungen möglich sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist steinreich reich an Steinen?

Vor Kurzem sah ich eine Fernsehsendung über das Sauerland. Bei den Bildern schöner alter Fachwerkhäuser machte der Präsentator neben einem historischen auch einen kleinen Exkurs in die Wortgeschichte: Die ärmeren Leute bauten ihre Häuser mit Holz, Stroh und Lehm, die Reichen hingegen konnten sich für den Hausbau Steine leisten. Daher komme auch die Wendung steinreich, also so reich, dass man sich ein Haus aus Stein leisten konnte. Diese Erklärung hat mir sehr gut gefallen. Doch mit solch schönen wortgeschichtlichen Erklärungen gilt es meistens vorsichtig umzugehen. Das ist, leider, auch hier der Fall.

Die Erklärung mit den steinernen Häusern der Reichen ist nämlich nicht die einzige. Andere Erklärungen sagen, steinreich komme von reich an Edelsteinen oder – mit etwas geringerem Bling-Bling-Gehalt – mit so viel Geld, wie man Steine findet; des Geldes so viel besitzend, als man etwa in steinigen Gegenden Steine sammeln kann oder bei dem das Geld wie Steine aufeinandergehäuft ist. Diese Erklärungen klingen ebenso schön wie einleuchtend. Aber auch sie sind nicht unumstritten.

Für die langweiligste, jedoch wahrscheinlichste Erklärung halte ich die Vermutung, dass steinreich einfach eine Verstärkung ist, die in Anlehnung zu Intensivierungen wie steinhart und steinalt gebildet wurde. Im Wörterbuch der Brüder Grimm finden sich weitere Bildungen dieser Art: steinfremd, steinfest, steinfromm, steinmüde, steinplump, steinrau(h), steintaub (sehr fremd, sehr fest, sehr fromm, sehr müde, sehr plump, sehr rau, sehr taub). War stein- also ein Vorläufer von zum Beispiel knall-, super-, mega- und voll-, der sich ohne die Hilfe der modernen Kommunikationsmittel nicht ganz so weit verbreiten konnte wie diese?

Für die letzte Interpretation spricht auch die Betonung des Wortes. Während bei steinreich im Sinne von reich an Steinen der ersten Teil stein- die Hauptbetonung trägt (ein stéínreicher Acker), werden bei steinreich im Sinne von sehr reich beide Teile ungefähr gleich betont, wie dies auch bei steinalt und steinhart der Fall ist (eine stéínréíche Familie). Doch man könnte auch argumentieren, dass die Akzentverschiebung erst später erfolgt ist …

Es ist schade, dass die schöne Erklärung aus der Sendung über das Sauerland und seine Fachwerkhäuser wahrscheinlich nicht zutrifft. Wer sie aber wie ich trotzdem mag: Die anderen Erklärungen können auch nicht steinfest bewiesen werden.

Quellen u.a. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Etymologisches Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer im DWDS.

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