letztendlich

Herr S. schickte uns diese Reaktion:

Das Wort „letztendlich“ gibt es in der deutschen Sprache nicht. Es gibt nur „letztlich“ und „endlich“, die das Gleiche bedeuten. „Letztendlich“ wäre also eine Tautologie. Bitte streichen Sie dieses Wort aus Ihrem Wörterbuch.

Antwort:

Sehr geehrter Herr S.,

leider können wir Ihnen nicht zustimmen, dass es „letztendlich“ im Deutschen nicht gibt. Es ist nur schon deshalb ein deutsches Wort, weil es sowohl in der geschriebenen als auch der gesprochenen Sprache sehr häufig verwendet wird.

Rein logisch könnte man argumentieren, dass „letzt-“ und „endlich“ die gleiche Bedeutung haben und deshalb nicht zusammen verwendet werden sollten. Wir Sprachbenutzer verhalten uns aber nicht immer ganz so logisch. Wir verwenden die Kombination „letztendlich“ absichtlich, um hervorzuheben, dass wir „ganz am Schluss“ meinen. Ähnliche Hervorhebungen sind „schließlich und endlich“, „letzten Endes“ oder eben „ganz am Schluss“. Solche nicht logischen Konstruktionen werden auch an anderer Stelle häufig zur Hervorhebung verwendet: so z.B. die Verwendung von „aller“ in „allerbeste“, obwohl rein logisch gesehen „beste“ bereits den höchsten Grad bezeichnet.

Darüber hinaus scheinen auch andere unserer Meinung zu sein: Auch andere Wörterbücher, worunter der Duden, führen das Wort „letztendlich“ auf und geben dabei nicht an, dass es falsch oder unschön sei. Wir werden dieses Wort also nicht aus unserem Wörterbuch streichen und hoffen, dass die obenstehenden Ausführungen erklären, weshalb wir Ihre Meinung nicht teilen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

12 Kommentare

  1. Hans Thieroff schreibt:

    Juni 22, 2008 um 05:12

    Hallo Herr Doktor Bopp,
    ich teile die Meinung des Herrn S. „Letztendlich“ ist ein Modewort das durch die Lande geistert wie eine Seuche. Vom
    Analphabeten bis zum Professor hat „letztendlich“ die Gehirne
    erobert. Das ist wie das „määh“ einer Herde von Schafen. Die
    Krönung kommt dann noch mit „Schlussendlich“. Es gibt noch
    eine freundliche Variation: „Zu guter Letzt“, die allerdings tatsächlich existiert. Dieses „Letztendlich“ zeigt uns doch wie manipolierbar die Massen sind. Genauso ein Phänomen ist das Wort „Geil“. Der Begriff kommt aus der Sexualität. Vor vierzig
    Jahren wurde das Wort nur dezent benutzt. Heute ist es sogar
    in der Werbung alltäglich. Määh !!
    Mit freundlichem Gruss !

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Juni 23, 2008 um 12:39

    Sehr geehrter Herr Thieroff,

    es zeugt von wenig Schick und Anstand, wenn man anderen, die in Wortwahl und Stilfragen anderer Meinung sind, einfach unterstellt, sie seien dumme Schafe. Wenn man dies mit wenig stichhaltigen („gibt es nicht im Deutschen“) und falschen Argumenten (z.B. Bedeutungsentwicklung von geil) tut, ist dies umso peinlicher. Sie sind nicht der einzige, Herr Thieroff. Wenn es um Sprachfragen geht, glauben einige Leute offenbar die Weisheit so sehr in Pacht zu haben, dass sie Adjektive wie „dumm“, „schlecht“ und „falsch“ verwenden dürfen, ohne dies ausreichend begründen zu müssen. Verzeihen Sie mir bitte, dass ich mich auf dieser Ebene nicht auf eine Diskussion einlassen will.

  3. Gräfin von Krolock schreibt:

    Oktober 10, 2008 um 21:06

    Unser Deutschlehrer hat und das folgendermaßen erklärt:

    letztlich = tot
    endlich = tot

    letztendlich = ganz ganz tot

    MfG

    Gräfin von Krolock

  4. Herr Kammerpech schreibt:

    Januar 30, 2009 um 00:18

    Danke Dr Bopp,

    wenn sich alle „manipolieren“ lassen , dann gehöre ich warscheinlich auch dazu.

    Letztendlich – war bei uns schon sehr lange im Sprachgebrauch
    Schlussendlich – Vor einigen Jahren kam dieses Modewort was eine Verballhornung von „letztendlich“ und auch nur in der flapsigen Umgangssprache: Schlussendlich. Etwa so, wie manche unkaputtbar sagen würden.

    Doch wie so oft, gute Ideen (oder schlechte) setzten sich irgendwann durch – und auf einmal hörte man „schlussendlich“ auch von Menschen an Orten, die sonst als alles andere, nur nicht als besonders witzig galten. Radio, Fernsehsprecher etc.
    Es war nicht mehr zu übersehen: Schlussendlich hatte es in den normalen Sprachgebrauch geschafft und tauchte nun auch immer öfter in geschriebenen Texten auf – völlig ernstgemeint.
    Warum, darüber kann man nur spekulieren: Vielleicht weil „Schluss“ bedeutungsschwangerer klingt als „letzt“. Oder weil man sich keine Gedanken mehr zu machen brauchte, wie „letzt“ geschrieben wird.

  5. Frau Lollo schreibt:

    Mai 16, 2009 um 22:08

    Danke! Jetzt habe ich gefunden, was ich gesucht habe: Den Unterschied zwischen letztlich und letztendlich :-). Das ist mein voller Ernst! Ich hatte vermutet, es sei ein regionaler Unterschied im Sprachgebrauch. Übrigens die Erklärung von dem Lehrer ist genial ;-). (Gräfin….)
    „Manipolieren“ fand ich auch ganz interessant, vor allem von jemanden, der sich über das Wort letztendlich aufregt und deren „Benutzer“ als blökende Schafherde tituliert! Allerdings für das Wort „Geil“ hätte ich mir vor vierzig Jahren eine „saftige Ohrfeige“ eingefangen! Dieser Wortgebracuh ist wirklich nicht schön.

  6. mp-vision schreibt:

    September 8, 2009 um 11:06

    Zuerst möchte ich sagen, dass die Diskussion darüber, ob es deutsch ist oder nicht irgendwie nicht sehr sinnig erscheint.

    Fakt ist, dass das Wort geschrieben und gesprochen verwendet wird und das mitunter sehr häufig. Eine Sprache ist etwas lebendiges, abgesehen von den toten Sprachen, und alles Lebendige ist einem Wandel und einer Entwicklung unterworfen.

    Wenn sich Sprache nicht entwickeln würde, dann würden wir heute noch grunzen wie die Urmenschen.

    So gesehen empfinde ich das Wort \’letztendlich\‘ sehr wohl als deutsches Wort. Eine bekannte Persönlichkeit sagte einmal: \

  7. mp-vision schreibt:

    September 8, 2009 um 11:07

    „Erlaubt ist alles, was im Duden steht“.

    Noch vor einigen Jahren hätte sich wohl fast jeder an einer Schifffahrt mit drei f gestört, heute ist es gültige Rechtschreibung. So viel zum Thema Wandel der Sprache.

    Zu meiner Vorrednerin (oder besser Schreiberin) Frau Lollo möchte ich anmerken, dass Sie leider falsch liegen. Geil stammt in seiner ursprünglichen Herkunft nicht wirklich aus dem Sexuellen.

    Es stammt aus dem Althochdeutschen und wurde vor allem in der Natur verwendet, wovon noch die ‚Geilstelle‘ erzählt – Wiesenflecken zum Beispiel, die besonders dicht und grün bewachsen sind. Verwandte Worte gibt es in vielen germanischen sowie einigen baltischen Sprachen, wobei die Bedeutungen erheblich variieren. So z.B. altenglisch gal (lustig, lüstern), altnordisch geiligr (schön), gotisch gailjan (erfreuen), lettisch gails (wollüstig) und litauisch gailùs (beißend, scharf).

    So gesehen finde ich nichts Anrüchiges an dem Wort ‚geil‘, insbesondere wenn man sich die heutige Bedeutung des Wortes vor Augen führt. Natürlich hat es heute auch einen sexuellen Hintergund, wird aber weitaus häufiger in den Bedeutungen toll, spitze, super, fantastisch, etc. verwendet.

  8. Axl schreibt:

    September 26, 2009 um 13:43

    mp-vision

    Ich liebe dich

  9. Bettina schreibt:

    Oktober 9, 2009 um 11:32

    Anmerkung zu geil.
    Im österreichischen Sprachgebrauch wird dieses Wort völlig offiziell und auch von sittenstrengen, erzkatholischen Großeltern für „fett“ „gallig“ verwendet. Etwa die geile Buttercremetorte.
    Als 14jährige erstarrte ich, als meine Oma – die moralsiche Höchstinstanz ad personam – zu mir sagt „hol bitte drei Stück von der geilen Nusscremetorte“. Ich war in meinen Grundfesten erschüttert. Seit diesem Tag ist nichts mehr so, wie es war.
    Geil und verwirrt stolpere ich seitdem durchs Leben.
    🙂

  10. Frog schreibt:

    Oktober 9, 2009 um 22:25

    Sprache entsteht auch im Gehirn, wenn man begreift, was man ausdrücken will. Ich habe festgestellt, dass ich anders denke, wenn ich englisch rede. Und letztendlich ist noch lange nicht das Ende!

  11. Timothy schreibt:

    Februar 24, 2010 um 17:13

    Ich find sowas gar nicht schlecht, wenn neue Wortkreation die Runde machen! Ich zum Beispiel hab es mit einem Kumpel ausprobiert: Wir haben ein Wort erfunden und es recht häufig gebraucht und es in einer Kleinstadt verbreitet. Und siehge da, nicht ein Jahr hat es gebraucht und man konnte es von einer fremden Person aufschnappen! Das Wort verrate ich aber an dieser Stelle nicht, da es für immer unsere Trophäe sein soll! ^^

  12. Ruedi schreibt:

    Dezember 11, 2014 um 09:33

    „letztendlich“
    dies ist eines der vielen sinnleeren Füllwörter, die solchen
    Leuten, welche oft schneller sprechen als denken (und trotzdem in
    einer Diskussion nicht gerne von anderen unterbrochen werden),
    helfen, Denkpausen zu überbrücken, welche von anderen etwa mit
    einem „määh“ – sorry, mit einem „äähm“ überbrückt werden.
    Wer derartige Füllsel oft verwendet, eröffnet damit seinen
    Zuhörern oder Lesern einen lehrreichen Einblick in sein Innenleben.