Archiv für Februar, 2007

Wer sind das? Was sind das?

Eine Frage, die im Internetformum „Deutsch als Fremdsprache“ diskutiert wurde, und zu der man mich um meine Meinung bat, beschäftigt sich damit, ob man im Deutschen Wer sind das? und Was sind das? sagen kann. Hier meine Antwort:

Auch mein Sprachgefühl sagt mir, dass die Fragen

Was sind das?
Wer sind das?

nicht korrekt formuliert sind. Ein Erklärungsversuch:

Die Fragewörter wer und was stehen im Prinzip mit dem Singular:

Wer wohnt dort?
Was geht hier vor?

Das ändert sich, wenn das Verb sein ist und ein Prädikativ im Plural folgt. Dann richtet sich das Verb nach dem Prädikativ:

Wer sind diese Leute?
Was sind Kaugummifrösche?

Bei den Konstruktionen

Was sind das, Adenome?
Adenome, was sind das?
Wer sind das, die anderen?
Diese Leute, wer sind das?

wird es schon schwieriger zu erklären, weshalb genau der Plural steht oder stehen darf. Auf jeden Fall ist das pluralische Element, für das das steht, explizit im Satz enthalten.

Letzteres scheint im Deutschen eine Bedingung zu sein, damit das Verb sein nach wer oder was im Plural stehen darf. Deshalb werden die isolierten Fragen

Wer sind das?
Was sind das?

nicht mehr als korrekt empfunden. Sowohl wer resp. was als auch das sind im Prinzip singularische Elemente und es steht kein anderes pluralisches Element im Satz, das eine Pluralform des Verbs unterstützen würde. Ein impliziter Verweis auf ein pluralisches Element außerhalb des Satzes scheint hier nicht auszureichen.

Sie haben recht, dass das sich auch auf nicht sächliche und nicht singularische Nomen beziehen kann. Aber auch hier gilt, dass dann das nicht sächliche oder nicht singularische Nomen explizit im Satz genannt wird. Vgl.

Das ist mein Wagen.
Das sind meine Kinder.

Dies ist auch keine knallharte Grammatikregel, wie wir sie normalerweise gerne hätten. Eine solche darf auch erst nach genauerer Untersuchung in größeren Textmengen formuliert werden. Ich hoffe aber trotzdem, dass die Antwort etwas deutlicher macht, weshalb das Sprachgefühl vieler hier offenbar keine Pluralform zulassen will.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Restaurator – Restaurateur – Restaurant

Frage:

Ist es zulässig, den Begriff Restaurateure als Plural für Restaurator zu verwenden, oder ist lediglich Restauratoren zulässig?

Antwort:

Es ist nicht korrekt, Restaurateure als Plural von Restaurator zu verwenden. Die beiden Wörter Restaurator und Restaurateur bedeuten in der Regel nämlich nicht das Gleiche:

Ein Restaurator oder eine Restauratorin ist eine Person, die Dinge – meistens Kunstwerke – wiederherstelt. Ein Restaurateur oder eine Restaurateurin hingegen ist eine Person, die ein Restaurant führt, also ein(e) Gastwirt(in) oder Gastronom(in). Der Begriff Restaurateur ist in der Schweiz noch gebräuchlich, sonst gemäß den Wörterbücher veraltet.

Wenn Sie Menschen andeuten wollen, die etwas wiederherstellen, empfehlen wir Ihnen deshalb, die Begriffe Restaurator-Restauratoren bzw. Restauratorin-Restauratorinnen zu verwenden.

Der Begriff Restaurateur wird manchmal anstelle von Restaurator verwendet. Doch selbst wenn man diese Verwendung als richtig akzeptiert, sollten die Formen nicht vermischt werden: also entweder Restaurator-Restauratoren oder Restaurateur-Restaurateure.

Wie kommt es dazu, dass die beiden Begriffe manchmal durcheinander verwendet werden? Das hat natürlich damit zu tun, dass beide Wörter mit dem Verb restaurieren – wiederherstellen verwandt sind. Während Restaurator (mehr oder weniger) direkt auf das Lateinische zurückgeht, gelangte Restaurateur aus dem Französischen ins Deutsche. Dort bezeichnet es nicht nur jemanden, der etwas restauriert, sondern eben auch jemanden, der ein Restaurant führt. Und im Prinzip wird im Deutschen nur diese zweite Bedeutung als Berufsbezeichnung verwendet.

Den Begriff Restaurant und das davon abhängige Restaurateur gibt es übrigens noch nicht so lange. Eine Erklärung sagt, dass es von bouillon restaurant – stärkende Fleischbrühe komme, wobei bouillon oder restaurant langsam von der Bezeichnung des Gerichtes zur Bezeichnung des Ortes, an dem das Gericht verkauft wurde, übergegangen sei. Eine mindestens ebenso schöne Erklärung besagt, dass der erste Restaurateur im modernen Sinne, ein Monsieur Boulanger, in 1795 in Paris über der Tür seines Etablissements den folgenden Bibelspruch in lateinischer Sprache anbrachte: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (= ego vos restaurabo). Dies soll dazu geführt haben, dass Boulanger restaurateur und seine Gaststube restaurant genannt wurden. Der Durchbruch der Institution Restaurant kam mit der Französischen Revolution: Der Adel wurden vertrieben oder guillotiniert. Der Not gehorchend boten die so arbeitslos gewordenen Köche der Adligen ihre Dienste als Restaurateure an.

Sowohl Restauratoren und Restauratorinnen als auch Restaurateure und Restaurateurinnen restaurieren also etwas. Bei Letzteren gilt das aber nur ganz spezifisch für den „inneren Menschen“, den sie mit Hilfe von Speise und Trank „wiederherstellen“.

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Vorschläge wie bei Google Suggest

In der letzten Woche sind einige Neuerungen livegeschaltet worden:

Vorschläge wie bei Google Suggest
Im Eingabefeld gibt es nun eine Voransicht, die in alphabetischer Reihenfolge die Wörter anzeigt, die mit der eingegebenen Buchstabenfolge anfangen. Geben Sie zum Beispiel rad ein. Direkt unter dem Eingabefeld werden 16 Wörter angezeigt die mit dieser Buchstabenfolge anfangen.

Canoo.net AJAX Suggest

Sie können jetzt ähnlich wie in einem gedruckten Wörterbuch die Einträge sehen, die unmittelbar nach dem gesuchten Wort kommen.

Weitere Infos über Google Suggest finden Sie hier.

Häufigen Nutzern unserer Sprachseiten raten wir den Browser-Cache zu leeren, falls Sie diese Neuerung nicht sofort nutzen können.

Für technisch Interessierte gibt es auch einen Hintergrundartikel über RIA- und AJAX-Technologien auf der Canoo-Firmenwebsite.

Canoo.net-Blog
Außerdem bieten wir nun diesen Weblog an ;), in dem interessante Fragen von Nutzerinnen und Nutzern veröffentlicht werden. Hier wurde bereits unsere dritte Neuerung diskutiert.

Wikipedia-Links
Wir haben testweise die Möglichkeit für eine direkte Abfrage in Wikipedia eingeführt.
Geben Sie beispielsweise einen Begriff wie Hazienda ein und klicken Sie anschließend auf Wikipedia?

Sie werden auf folgende Wikipedia-Seite geleitet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hazienda

Der Wikipedia-Link führt nicht bei allen Wörtern zu einem Suchresultat. Das ist aber bei den ca. 250 000 Wörtern in den Canoo-Wörterbüchern gar nicht so erstaunlich.

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Antwort auf eine oder-Frage

Herr L. stellte uns eine Frage, über die ich bei mir zu Hause schon des Öfteren „gestolpert“ bin. Kann eine oder-Frage mit ja oder nein beantwortet werden?

Antwort:

Sehr geehrter Herr L.,

um es gleich vorwegzunehmen: Eine oder-Frage (Alternativfrage) sollte nicht mit ja oder nein beantwortet werden. Siehe auch Canoo-Grammatik. Auf die Frage Möchtest du Kaffee oder Tee? ist die Antwort ja oder nein also nicht möglich. Die Antwort muss entweder Kaffee oder Tee enthalten oder mit Umschreibungen wie das Erste oder das Letztere formuliert werden. Weshalb ist das eigentlich so?

Wenn eine Frage mit ja oder nein beantwortet werden kann, handelt es sich um eine sogenannte Entscheidungsfrage.

Frage: Möchtest du Kaffee?
Antwort: Ja (ich möchte Kaffee) / Nein (ich möchte keinen Kaffee).

In einer mit oder gestellten Fragen werden zwei Entscheidungsfragen miteinander kombiniert:

Möchtest du Kaffe oder Tee? = Möchtest du Kaffee? oder Möchtest du Tee?

Beide dieser Teilfragen können individuell mit ja oder nein beantwortet werden. Wenn man also die Gesamtfrage mit ja oder nein beantwortet, ist nicht deutlich auf welche der beiden Teilfragen diese Antwort sich bezieht. Eine oder-Frage fordert uns auf, eine von zwei (oder mehr) Alternativen zu wählen. Mit einem einfachen Ja oder Nein lässt sich nicht ausdrücken, welche Alternative man wählt. Deshalb ist, wie oben bereits gesagt, eine andere, deutlichere Antwort nötig.

Eine andere Interpetation lautet, dass die Antwort ja sich auf den letzten Teil der oder-Frage bezieht. Die Antwort ja auf die obenstehende Frage würde dann bedeuten: Ich möchte Tee. Dieser Intepretation begegne ich in meinem Alltagsleben des Öfteren, aber es ist mir immer noch nicht gelungen, mich daran zu gewöhnen. Sie wird auch nur auf die Antwort ja bezogen. Bei der Antwort nein wird diese Interpretation nämlich ziemlich kompliziert: Nein, ich möchte keinen Tee und daraus folgt, dass ich Kaffee möchte. Außerdem könnte nein auch noch als keines von beiden interpretiert werden.

Deshalb empfiehlt es sich zumindest in der Standardsprache, der Deutlichkeit halber oder-Fragen nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Alte Schreibungen in Flexionstabellen

Frau H. hatte eine Frage zu den alten Schreibungen in den Flexionstabellen, insbesondere zu den getrennt geschriebenen Formen:

Guten Tag,

hin und wieder greife ich ganz gerne auf Ihr Canoo-Wörterbuch zurück, da es insbesondere in Bezug auf die neue Rechtschreibung sehr zuverlässig ist. Heute ist mir allerdings etwas aufgefallen, was ich mir nicht erklären kann: Das Wort kennenlernen kann nach der neuen Rechtschreibung getrennt oder zusammengeschrieben werden, das haben Sie auch so in Ihrem Canoo-Wörterbuch angegeben.

Klickt man dann allerdings auf die Flexion, erscheint nur die alte Variante, zwar mit der Überschrift „von der Rechtschreibreform betroffen“, aber es wird in allen Zeiten nur die zusammengeschriebene Variante angezeigt!

Antwort:

Sehr geehrte Frau H.,

es stimmt, dass in unseren Flexionstabellen für kennenlernen nur die alten, zusammengeschriebenen Formen erscheinen (siehe Rechtschreibung von kennenlernen und Flexion von kennenlernen). Das hat damit zu tun, dass unsere Flexionstabellen nur die Wortformen von Einzelwörtern auflisten, nicht aber die Wortformen von aus mehreren Wörtern bestehenden Ausdrücken. Durch die Entscheidung der Rechtschreibkommission ist dieses Verb nicht mehr nur ein Einzelwort (kennenlernen), sondern auch ein aus zwei Wörtern bestehender Ausdruck (kennen lernen). Deshalb stehen die neuen, getrennt geschriebenen Schreibweisen nicht in den Flexionstabellen.

Wir geben zu, dass diese Unterscheidung etwas (zu) akademisch anmuten kann. Wir hofften auch, dass der Hinweis auf die Rechtschreibreform ausreichen würde, den Benutzern die Schreibweisen zu verdeutlichen. Anfragen wie die Ihre zeigen uns aber, dass wir hier eine besser verständliche Lösung anbieten sollten. Es ist nur nicht ganz so einfach, hier eine sprachwissenschaftlich korrekte, leicht nachvollziehbare und technisch nicht allzu aufwändige Lösung zu finden. Es könnte deshalb leider eine geraume Weile dauern, bis wir Ihnen etwas Entsprechendes online zur Verfügung stellen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Zahlen schreiben

Herr H. stellte die folgende Frage:

Wann werden Zahlen in literarischen Texten wörtlich und wann in Ziffern geschrieben?

Antwort:

Sehr geehrter Herr H.,

es gibt keine allgemeine Regel, wann Zahlen in Worten und wann in Ziffern geschrieben werden. Ich kann mich erinnern, in der Schule gelernt zu haben, dass man die Zahlen bis und mit zwölf in Worten und Zahlen über zwölf in Ziffern schreibt. Dies ist nicht mehr als eine Faustregel, die ich nur in technisch-wissenschaftlichen und evtl. journalistischen Texte anwenden würde. Im Allgemeinen gilt wohl, dass Zahlen in wissenschaftlichen und technischen Texten eher in Ziffern geschrieben werden, während man sie in literarischen Texten üblicherweise in Worten schreibt.

Letzteres gilt auch für größere und große Zahlen: siebenundzwanzig Stufen, vierzig Räuber, tausendundeine Nacht, hundertzwanzigtausend Golddublonen usw. Bei Jahrzahlen und anderen unübersichtlichen Zahlen würde ich allerdings Ziffern verwenden. Zum Beispiel:

1782 statt siebzehnhundertzweiundachtzig
125 738 statt hundertfünfundzwanzigtausendsiebenhundertachtunddreißig

Zahlen wie die zweite kommen allerdings in literarischen Texten kaum je vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Goethe und die Rechtschreibreform

Nein, es geht hier nicht darum, was der große Dichter zur Rechtschreibreform gemeint hätte. Solche Spekulationen überlasse ich lieber anderen. Es geht hier nur darum, wie man seinen Namen schreibt.

Frage:

Letztens sah ich im Internet für den Dichter und Denker Goethe die Schreibweise Göthe mit ö statt oe. Können Sie mir bitte sagen, ob die seltsame Schreibweise Göthe nach neuer Rechtschreibung tatsächlich erlaubt ist?

Antwort:

Sehr geehrte Frau S.,

die geltende offizielle Rechtschreibregelung gibt an verschiedenen Stellen an, dass die Schreibung von Eigennamen von den allgemeinen Rechtschreibregeln abweichen kann. Die Reform wirkt sich also nur bedingt auf die Schreibung von Eigennamen aus. Denken Sie nur z.B. an Schmitt und Schmidt, Schmied und Schmid oder Meier, Meyer, Maier und Mayer. Bei der Schreibung ö und deren Variante oe hat sich ohnehin nichts geändert. Außerdem war das oe im Namen des Dichterfürsten schon vor der Reform eine orthographische Ausnahmeerscheinung.

Wir vertreten die Ansicht, dass Eigennamen nach den offiziellen Registern und/oder dem allgemeinen Gebrauch geschrieben werden sollten. Wir (wie z. B. auch die Rechtschreibwörterbücher von Duden und Wahrig) empfehlen deshalb nach wie vor als einzig richtige Schreibung: Goethe.

Siehe im Canoo.net-Rechtschreibwörterbuch Goethe (und zur Kontrolle auch Göthe).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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zu Beginn dieses/diesen Jahres?

Auch am ersten Februar ist diese Frage noch aktuell, denn man kann ja bis am 31. Dezember über den Anfang dieses/diesen? Jahres reden. Hier die Antwort:

Sehr geehrter Herr B.,

Richtig ist:

zu Beginn dieses Jahres

Das Pronomen dieser/diese/dieses wird im Gegensatz zu Adjektiven immer stark dekliniert. Vergleichen Sie z. B.

trotz schlechten Wetters – trotz dieses Wetters

Sie finden diese Informationen unter dem Titel „dieses/jenes im Genitiv Singular“ auf der folgenden Grammatikseite von Canoo.net. Sie könnten diese Seite u. a. finden, indem sie im Suchfeld dieser eingeben und dann dem Grammatiklink ‚Pronomen: Demonstrativpronomen: dieser/jener‘ folgen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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