Archiv für Juni, 2007

Brutto und netto

Frage

Zurzeit suche ich zwei Wörter. Ich kann diese nirgenwo finden. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.

Die Pluralformen von Brutto und von Netto, sind dies Brutti und Netti?

Woher stammen diese Wörter? Aus dem Italienischen oder dem Lateinischen?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.

es ist vielleicht gar nicht so erstaunlich, dass Sie die beiden Wörter nirgendwo finden können, denn es gibt sie eigentlich nicht. Die Wörter brutto und netto werden in der deutschen Standardsprache nur als Adverbien benutzt:

etwas brutto/netto auszahlen
das Salär beträgt brutto/netto

Sonst kommen sie eigentlich nur als erster Teil in Zusammensetzugen vor:

Bruttolohn/Nettolohn
Bruttogewicht/Nettogewicht
Bruttobetrag/Nettorbetrag
Bruttosozialprodukt
usw.

Wenn Sie sie als Nomen verwenden, insbesondere im Plural, dann handelt es sich wohl meistens um eine Abkürzung, die als umgangssprachlich gelten muss. Zum Beispiel:

die Bruttos und Nettos berechnen = die Brutto- und Nettobeträge berechnen

Wenn Sie dennoch darauf bestehen, brutto und netto als Nomen zu verwenden, empfehle ich Ihnen den Plural mit s zu bilden: Bruttos und Nettos. Ein Plural mit i klingt sehr förmlich und „offiziell“, was nicht so gut zum umgangssprachlichen Charakter passt. Es ist auch eine korrekte Art der Deutschen Pluralbildung, denn die Mehrzahlformen Kontos, Saldos und Pizzas sind ja auch richtig.

Die beiden Wörter stammen aus dem Italienischen. Das Wort netto bedeutet sauber, rein. Das Wort brutto bedeutet im modernen Italienischen hässlich, schlecht. Ein schönerer Gegensatz zu netto ergibt sich, wenn man eine im Italienischen veraltete Bedeutung von brutto hinzuzieht: schmutzig. Zu der Zeit, in der diese Begriffe ins Deutsche übernommen wurden, machte man also einen Unterschied zwischen dem schmutzigen und dem sauberen Gewicht. Das tun die Italienischsprachigen noch immer, denn im modernen Italienischen ist das Nettogewicht zwar das peso netto, aber das Bruttogewicht nicht etwa das peso brutto, sondern das peso lordo. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass lordo tatsächlich schmutzig bedeutet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ferien

Dr. Bopp macht zwei Wochen Urlaub. So lange werde ich leider keine Ihrer brennenden und weniger akuten Fragen beantworten können. In der letzten Juniwoche bin ich aber wieder ganz der Ihre.

Das heißt natürlich nicht, dass Canoo.net einfach stillliegt. Unser Team wird dafür sorgen, dass die Sprachdienste wie immer vierundzwanzig Stunden am Tag online verfügbar sind. Ich habe auch munkeln hören, dass Canoo.net vielleicht sogar schon in ein paar Tagen mit ein, zwei Neuigkeiten aufwarten kann.

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jeden Freitag

Frage

Letztens bin ich über folgende Frage gestolpert:

Warum heißt es : „jeden Freitag gehe ich …“? Warum wird das Pronomen im Akkusativ benutzt? Gibt es dazu eine Regel oder Gesetzmäßigkeit?

Antwort

Sehr geehrte Frau J.,

die Wortgruppe jeden Freitag in Ihrem Beispiel steht tatsächlich im Akkusativ. Das kommt im Deutschen häufiger vor und heißt dann ein Adverbialakkusativ oder adverbialer Akkusativ.

Dieser Akkusativ wird u.a. bei Zeitangaben verwendet, nach denen mit wann oder wie lange gefragt werden kann und die nicht von einer Präposition (z.B. an, in) eingeleitet werden. Beispiele:

Ich fahre jeden Morgen/Tag/Freitag/Sommer in die Stadt.
Ich habe den ganzen Abend/Tag/Sommer gearbeitet.
Wir haben einen Tag/Monat warten müssen.

Andere Adverbialakkusative finden Sie bei Angaben wie den folgenden:

Er hat den Rucksack den ganzen Weg getragen.
Wir sind einen Kilometer gegangen.
Die Temperatur ist zehn Grad höher als gestern.

Siehe hierzu auch die Seiten Adverbialbestimmung und Akkusativ in der Canoo.net-Grammatik.

Etwas Vergleichbares ist der adverbiale Genitiv bei unbestimmten Zeitangaben:

Du wirst es eines Tages verstehen.
Eines schönen Morgens wachte ich auf und …

Andere Beispiele für den Adverbialgenitiv:

Wir waren bester Stimmung.
Sie kam gemessenen Schrittes auf uns zu.
Unseres Erachtens muss das Haus abgebrochen werden.

Zur Unterscheidung zwischen diesen Adverbialbestimmungen und dem Akkusativobjekt resp. Genitivobjekt siehe diese Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Trennbare Verben

Eine Frage, die immer wieder einmal auftaucht und deren Beantwortung den meisten Muttersprachigen einiges Kopfzerbrechen bereiten kann:

Frage

In Singapur hatte ich eine interessante Diskussion mit einer Deutschstudentin. Ich konnte ihr leider nicht erklären, warum Verben teilweise im Satzbau getrennt werden (als Native-Speaker man macht es ja intuitiv richtig). Z.B. abfahren: Heute fährt Sven um 15 Uhr ab. Oder einkehren: Ich kehrte abends in eine Gastwirtschaft ein. Wie läßt sich dies grammatikalisch genau erklären und wie ist hier die Regel? Vielen Dank! G.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

nicht nur in Singapur, sondern auch an anderen Orten wundern sich Anderssprachige über gewisse deutsche Verben. Es geht hier nämlich um die sogenannten trennbaren Verben. Wenn sie in einem Hauptsatz stehen, wird der erste Teil abgetrennt und ganz an den Schluss des Satzes gestellt:

abfahren: Heute fährt Sven um 15 Uhr ab.
einkehren: Ich kehrte abends in eine Gastwirtschaft ein.
herumtreiben: Er treibt sich wieder irgendwo herum.

Man erkennt die trennbaren Verben im Allgemeinen daran, dass sie auf dem ersten Teil betont sind:

abfahren
einkehren
herumtreiben

Untrennbare Verben werden auf dem Verbstamm betont:

verfahren: Heute verfährt Sven sich sicher wieder.
betreiben: Sie betreibt eine Gastwirtschaft.

Diese Unterscheidung kann ziemlich wichtig sein. Ein bekanntes Beispiel ist das folgende:

umfahren: Er umfährt den Polizisten.
umfahren: Er fährt den Polizisten um.

Damit ist aber noch nicht alles gesagt, denn die Trennung gilt nur in Hauptsätzen. In Nebensätzen bleiben auch die trennbaren Verben ungetrennt:

…, dass Sven heute um 15 Uhr abfährt.
…, als ich abends in eine Gastwirtschaft einkehrte.
…, wenn er sich wieder irgendwo herumtreibt.

…, obwohl Sven sich sicher wieder verfährt.
…, weil sie eine Gastwirtschaft betreibt.

Das zwingt uns manchmal (aber wirklich nur ganz selten), einen Satz in der geschriebenen Form umzuformulieren, da es sonst zu ziemlich ernsten Missverständnissen kommen kann:

Es ist besser, wenn du den Polizisten umfährst.

Sie finden diese Informationen auch in unserer Grammatik: Trennbare Verben.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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