Archiv für September, 2007

gut zufrieden

Frage

Letzthin las ich:

Danke, ich bin gut zufrieden.

Diese Zusammensetzung der Wörter gut und zufrieden kann man doch sicherlich so nicht verwenden? Es gibt doch andere Möglichkeiten auszudrücken, dass jemand mehr als zufrieden ist.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

der Ausdruck gut zufrieden sein ist tatsächlich kein Standarddeutsch. Wenn man den Grad, die Intensität eines Adjektivs verstärken oder abschwächen will, kann man im Deutschen sogenannte Gradpartikeln verwenden. Das Wörtchen gut ist keine solche Gradpartikel. Dafür gibt es eine ganze Reihe verschiedenster anderer Möglichkeiten:

sehr zufrieden
höchst zufrieden
äußerst zufrieden

Weitere Beispiele, auch zur Abschwächung der Intensität finden Sie auf dieser Grammatikseite.

Da gut bei vielen Verben stehen kann, findet man es allerdings vor den entsprechenden als Adjektiv verwendeten Partizipien:

ein gut geschriebener Roman (gut schreiben)
eine gut eingerichtete Werkstatt (gut einrichten)
eine gut sitzende Krawatte (gut sitzen)

Das Gleiche gilt auch für von Verben abgeleitete Adjektive auf z.B. -bar und -lich:

gut erreichbar (gut erreichen)
gut verdaulich (gut verdauen)

Ich hoffe, dass es dank dieser Erklärung relativ gut verständlich ist, warum gut im Standarddeutschen nicht vor einem Adjektiv stehen kann, es aber trotzdem manchmal tut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Du und er seid oder sind?

Frage

Was ist richtig?

Peter und du sind doof! oder
Peter und du seid doof!

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

die Bedeutung des Satzes ist wohl in beiden Varianten eindeutig: Ein gewisser Peter und die angesprochene Person stehen zum Sprechzeitpunkt auf einer eher niedrigen Sprosse der Sympathieleiter des oder der Sprechenden. Soweit zum Inhalt. Nun zur Form. Die entsprechende Regel lautet:

Sind eine 2. Person (du) und eine 3. Person (Peter) mit und verbunden, richtet sich das Verb nach der 2. Person Plural. Die beiden Subjekte können durch ihr zusammengefasst werden.

Richtig ist demnach:

Peter und du seid doof.

Für mehr Informationen hierzu siehe diese Grammatikseite.

Ihre Frage zeigt aber, dass der Satz irgendwie nicht so richtig gut läuft. Auch ich musste bei der Wahl der Verbform zuerst überlegen. Es ist deshalb zwar nicht notwendig, aber auch nicht übertrieben, hier ein ihr einzufügen.

Peter und du, ihr seid doof.

Der Satz lässt sich dadurch besser, das heißt ohne Zweifel über die Verbform aussprechen und interpetieren. Und in diesem Fall kann man vor dem ihr auch noch eine kleine „Kunstpause“ einfügen. Dadurch wird die Gesamtaussage noch prägnanter:

Peter und Du – ihr seid doof!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Geschlecht von Fremdwörtern

Frage

Immer wieder frage ich mich, wer denn bestimmt, welches Genus Fremdwörter bekommen. Insbesondere Begriffe der Informationstechnologie werden zwar häufig im Deutschen verwendet, doch oft mit verschiedenem Genus. Beispiele: der/das Bookmark (canoo.net sagt sogar noch die Bookmark), der/das Tab, der/das Blog etc. Kann man sagen, dass falls es eine deutsche Entsprechung gibt, das Fremdwort das Genus von diesem Wort übernimmt, Bsp. das Lesezeichen -> das Bookmark? der Reiter -> der Tab?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

wieso sagt man der Star, der Cognac, die E-Mail, das Electronic Banking, das Cello, der oder das Weblog, der oder die Benchmark usw.? Bei der Festlegung des Geschlechts von Fremdwörtern gibt es wie bei vielen anderen sprachlichen Phänomenen keine festen Regeln. Es gibt aber verschiedene, unterschiedlich starke Tendenzen oder Strategien, die – wie könnte es auch anders sein – sich zum Teil widersprechen.

Eine nicht unwichtige Tendenz ist das „Ursprungsprinzip“: Ein Nomen hat das gleiche Geschlecht wie in der Sprache, aus der es übernommen wird:

der Boulevard – frz. le boulevard
die Allee – frz. une allée
die Paella – sp. la paella
der Risotto – it. il risotto

Das ist aber bei weitem nicht immer so. Gerade bei einer Sprache wie dem Englischen, in der Nomen in der Regel kein Geschlecht haben, kann dieses Prinzip gar nicht funktionieren. Aber auch bei Wörtern aus Sprachen wie dem Französischen, Spanischen und Italienischen spielen andere Tendenzen eine Rolle.

Die zweite wichtige Tendenz ist – wie Sie richtig erkannt haben – die Übertragung des Geschlechts der deutschen Übersetzung auf das Lehnwort. So sucht Deutschland den Superstar, weil es der Stern ist. Dieses Prinzip gilt auch in anderen Sprachen. So nennt man Brad Pitt oder Russel Crowe in Frankreich une grande star und auch Silvester Stallone war selbst in seinen besten Rambo-Zeiten in Italien una grande star hollywoodiana. Dies ist so, weil die nächtlich funkelnden Himmelskörper in diesen Sprachen weiblich sind. Das finden wir vielleicht etwas komisch, aber umgekehrt wundert man sich in den romanischsprachigen Ländern nicht weniger darüber, dass wir für zum Beispiel Catherine Deneuve, Sophia Loren und Cameron Diaz ein männliches Wort verwenden. Doch ich schweife ab. Hier noch weitere Beispiele für das „Übersetzungsprinzip“:

die Soap – die Seife, die Seifenoper
das Shirt – das Hemd
die Bouillon – die Brühe (frz. le bouillon)
der Chef de Cuisine – der Küchenchef, der Leiter (frz. le chef de cuisine))
das Chef d’Œuvre – das Meisterwerk (frz. le Chef d’œuvre)
der Computer – der Rechner
das Direct Banking – das Bankieren

Die letzten beiden Beispiele zeigen , dass auch die Form des Lehnwortes (-er resp. -ing) eine Rolle spielen kann. Sehen Sie hierzu und zu weiteren Tendenzen die entsprechende Grammatikseite.

Gerade bei neueren Lehnwörtern können mehrere Tendenzen einen Einfluss haben , sodass das Wort mit mehr als nur einem Genus verwendet wird:

der Grappa – Übersetzung: der Branntwein, der Schnaps
die Grappa – Ursprung: la grappa
der Benchmark – Übersetzung: der Maßstab
die Benchmark – Form: die Marke
das Weblog – Übersetzung: das Log, das Logbuch
der Weblog – ???

Ob eine der Tendenzen letzlich „gewinnt“ und welche das ist, bestimmt der Sprachgebrauch. Vielfach gibt es dabei dann wieder regionale Varianten wie zum Beispiel bei E-Mail: Neben die E-Mail gibt es im südlichen deutschen Sprachraum auch das E-Mail …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die über Achtzehnjährigen

Frage

Ich habe mehrfach in einem Buch die Worte überachtzehnjährig oder der Überachtzehnjährige oder der Untersechszehnjährige gefunden. Gibt es diese Wörter und würde es dann auch den Unterfünfundzwanzigjährigen geben? Das sieht für mich alles sehr lustig aus und ich würde es nicht so schreiben.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

auch ich würde diese Wörter nicht so schreiben. Ich schreibe: über achtzehnjährig, die über Achtzehnjährigen und die unter Sechzehnjährigen. Das kann ich eigentlich nur damit begründen, dass es keine Rechtschreibregel gibt, die besagt, dass in diesem Fall zusammengeschrieben werden muss. Dann gilt die Getrenntschreibung. Entsprechend schreibe ich auch der unter Fünfundzwanzigjährige – dies allerdings schon seit ziemlich vielen Jahren nur noch über andere …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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gefolgt von

Frage

Meine Deutschlehrerin erklärte 1975, dass die Formulierung gefolgt von nicht korrekt sei. Mir leuchtete das ein und tut es nach wie vor. Heute wird diese Form jedoch immer häufiger gebraucht – und das nicht nur von Sportreportern, sondern auch z.B. im Feuilleton der NZZ oder in inhaltlich hochstehenden Referaten etc.

Die Violinistin aus QR gewann den ersten Preis gefolgt von ihrer Kollegin aus XY.
Die Feinstaubkonzentration in Neudorf ist sehr hoch, gefolgt von der in Altdorf.

Falls das korrekt wäre, müsste doch auch gelten: Ich werde von meinem Kind gefolgt. Oder nicht? Was meinen Sie dazu?

Antwort

Sehr geehrte Frau F.,

Sie stellen eine Frage, die mir einiges Kopfzerbrechen bereitet hat. Damit Sie dies nicht als Vorwurf auffassen, sei Folgendes gleich hinzugefügt: Solche Fragen habe ich eigentlich am liebsten.

gefolgt von

Den Ausdruck gefolgt von finde ich korrekt. Er steht zum Beispiel auch in den Beispielsätzen zum Verb folgen in Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache:

Gefolgt von verschiedenen Würdenträgern, betrat er den Saal.

Er hat vor allem die Bedeutung im Gefolge begleitet von. Im modernen Sprachgebrauch wird gefolgt von immer mehr auch in einem weiteren Sinne verwendet. So zum Beispiel auch in Ihren Beispielsätzen. Ich bin geneigt, diese Verwendung auch als korrekt anzuschauen (ich bin eben nicht so ein strenger Grammatiker). Der Ausdruck gefolgt von hat sich gewissermaßen vom Verb folgen gelöst und die Funktion einer eigenständigen Präposition erhalten.

gefolgt werden von

Erstaunlicher fand ich, dass auch immer mehr die Wendung gefolgt werden von verwendet wird. Zum Beispiel:

Jeder Zahlenwert wird gefolgt von einer Erläuterung.
Die Wiederbelebung der Wirtschaft wurde gefolgt von einer politischen Wiederbelebung.

Diese Formen erachte ich als falsch, auch wenn sie relativ häufig vorzukommen scheinen. Es handelt sich um eine Passivkonstruktion, die ein Verb jemanden folgen voraussetzt. Im Deutschen heißt es aber jemandem folgen. Die richtige Formulierung wäre also:

Jedem Zahlenwert folgt eine Erläuterung.
Der Wiederbelebung der Wirtschaft folgte eine politische Wiederbelebung.

Woher diese Form gefolgt werden von kommt, kann ich leider nicht erklären. Dafür wären genauere Untersuchungen notwendig. Es kann sein, dass sie in Analogie mit Verben wie begleiten (begleitet werden von) gebildet wird. Ebenfalls nicht unwahrscheinlich sind Einflüsse von etwas zu wörtlichen Übersetzungen aus dem Englischen, wo solche Passivsätze korrekt sind: to be followed by. Aber dies sind natürlich nur einige unfundierte „Schnellschüsse“.

Vielleicht wird auch die Passivkonstruktion gefolgt werden von einmal korrektes Deutsch sein. Vorläufig würde ich sie aber im Standarddeutschen nicht verwendet. Ich halte deshalb Ihren Beispielsatz Ich werde von meinem Kind gefolgt für falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn „es“ (nicht) wegfällt

Lesen Sie diesen Beitrag, wenn es Sie interessiert, mit welchen sprachlichen Hürden Deutschlernende konfrontiert werden können.

Frage

Geschäftlich müssen wir Dokumentationen schreiben. Ein Mitarbeiter ist italienischer Muttersprache. Er verwendet immer eine bestimmte Satzstellung, die falsch ist. Keiner konnte jedoch erklären welche grammatikalische Regel dies begründet.

Falsch: Weiter wird es spezifiziert, wie neue Benutzer erfasst werden.
Richtig: Es wird spezifiziert, wie neue Benutzer erfasst werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

Sie stellen eine ziemlich knifflige Frage, denn das deutsche Wörtchen es hat es in sich. Wie Ihnen Ihr ursprünglich fremdsprachiger Mitarbeiter sicher bestätigen kann, wird es sehr häufig und für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet, sodass es Fremdsprachige (und Grammatiker …) oft beinah zur Verzweiflung treibt. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Hier der Versuch einer Antwort:

Das Pronomen es kann verschiedene Funktionen haben. Unter anderem:

Fürwort, das ein sächliches Substantiv vertritt:
das Kind – Es spielt im Garten.
das Buch – Es liegt auf dem Tisch.

Unpersönliches Subjekt bei unpersönlichen Verben:
Es regnet.
Es windet.

Platzhalter für das Subjekt in einem unpersönlichen Passivsatz:
Es wird hier viel getrunken (= Man trinkt hier viel).
Es wird kaum mehr gearbeitet (= Man arbeitet kaum mehr).

Wenn das es im Satz nicht an erster Stelle steht, verhält es sich je nach Funktion unterschiedlich:

In den ersten beiden Fällen darf es nicht wegfallen:

das Kind – Heute spielt es im Garten.
NICHT: Heute spielt im Garten.

Heute regnet es.
NICHT: Heute regnet.

Aber in einem unpersönlichen Passivsatz muss das es wegfallen:

Heute wird hier viel getrunken.
NICHT: Heute wird es hier viel getrunken.

Bei ihrem Beispielsatz handelt es sich um einen unpersönlichen Passivsatz:

Es wird spezifiziert, wie … (= Man spezifiziert, wie …)

Entsprechend muss das es wegfallen, wenn ein anderes Wort die erste Stelle im Satz einnimmt:

Weiter wird spezifiziert, wie …

Zusätzliche Informationen zum Pronomen es finden sie u. a. auf dieser Grammatikseite.

Dort sehen Sie auch, dass das Wörtchen es noch andere Funktionen erfüllt und sowohl für die armen Nicht-Muttersprachigen als auch für diejenigen, die es ihnen erklären wollen, noch einige Knacknüsse in petto hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Tessinerbrot

Dank einer Besprechung durfte ich wieder einmal in die Südschweiz, genauer gesagt ins Tessin fahren. So gelangten wir entlang des regnerischen Vierwaldstätter Sees, durch ein neblig graues Urner Tal und durch den Gotthardtunnel, ein 17 km langes Loch in den Schweizer Alpen, in die sonnige Tessiner Bergwelt.

Sie vermuten richtig, wenn Sie annehmen, dass ich hier keinen Reisebericht erstatten möchte. Es geht mir um die unveränderlichen geografischen Adjektive auf –er wie Vierwaldstätter, Urner, Schweizer und Tessiner. Gemäß den Rechtschreibregeln werden geografische Ableitungen auf -er in Verbindung mit einem Nomen getrennt vom Nomen geschrieben, außer wenn das Wort auf –er eine Personenbezeichnung ist.

Siehe Rechtschreibregel.

Mit dieser Regel hatte ich immer so meine Mühe. Sie ist einfach, aber gewisse Ausnahmen, denen man vor allem in der Schweiz begegnet, erklärt sie nicht. So schreibt man in der Schweiz den Vierwaldstätter See in einem Wort: Vierwaldstättersee. Das Gleiche und Ähnliches gilt auch für den Genfer See, den Neuenburger See und die Basler Straße, die von den deutschsprachigen Eidgenossen in der Regel als Genfersee, Neuenburgersee und Baslerstrasse geschrieben werden. So weit so gut, aber wenn mir dann im Tessin plötzlich in den Sinn kommt, dass man nördlich der Alpen Tessinerbrot (eine spezielle Brotsorte) und Bündnerfleisch kaufen kann, dann wird die Erklärung mit der Personenbezeichnung schlichtweg unhaltbar oder sogar kannibalisch.

Oder man sagt einfach, dass die Schweizer ein bisschen sonderbar schreiben. Wenn man aber eine andere Regel anwendet, sind sowohl die standardsprachlichen Zusammenschreibungen wie Schweizergarde und Römerbrief (die Schweizer und Römer sind hier Personen) als auch die Abweichungen in der Schweiz zu erklären. Die Regel lautet: Liegt bei neutraler Aussprache die Hauptbetonung auf dem Wort auf –er, schreibt man zusammen. Sonst schreibt man getrennt.

Zusammen:
die Schweizergarde, der Römerbrief

Gertrennt:
die Schweizer Alpen, die Römer U-Bahn

Und dann die Schweiz: Die Abweichung erklärt sich dadurch, dass Deutschschweizer in den genannte Fällen das erste Wort betonen:

Genfersee, Neuenburgersee, Baslerstrasse, Tessinerbrot, Bündnerfleisch.
(Standardaussprache: Genfer See, Neuenburger See, Basler Straße, ?)

Das tun die Schweizer aber nicht in allen Fällen, und dann schreibt man auch in der Schweiz getrennt:

Berner Oberland, ein Urner Tal, die Tessiner Bergwelt, Basler Leckerli, Zürcher Hüppen (die letzen zwei sind süß und lecker!)

Ich möchte jetzt nicht die Rechtschreibregeln neu schreiben. Sie sind nun einmal so, wie sie sind. Die Betonungsregel soll nur eine kleine Eselsbrücke sein für diejenigen – vor allem Schweizer und Schweizerinnen –, die in diesem Bereich mit der amtlichen Regel und den Schweizer Ausnahmen nicht so gut zurechtkommen.

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Unbekannte Wörter

Wieder einmal etwas in eigener Sache: Treuen Canoo.net-Benutzern und -Benutzerinnen ist es bestimmt schon passiert, dass ein Wort, das sie suchten, nicht in unseren Wörterbüchern enthalten war. Das ist selbst bei über 250 000 Einträgen nicht weiter verwunderlich, denn die Anzahl der deutschen Wörter ist ja unendlich. Dabei geht es nicht nur um die große Zahl von fachspezifischen Wörtern, sondern vielmehr darum, dass immer wieder neue Wörter gebildet werden. Dies geschieht in verschiedener Weise. Unter anderem:

  • durch Neuformung aufgrund von Abkürzungen, Namen, Produkten usw.
    Zum Beispiel: simsen, googeln
  • durch Übernahme aus anderen Sprachen
    Zum Beispiel: Blog, Messie
  • durch Ableitung und Wortzusammensetzung
    Zum Beispiel: Islamdebatte, Suchbarkeit, Gammelfleischskandal

Die meisten neuen Wörter werden durch Ableitung und Wortzusammensetzung gebildet.

Obwohl wir unsere Wörterbücher laufend erweitern, können wir natürlich nie alle neuen Wörter, die es täglich gibt, erfassen und aufnehmen. Vielen von ihnen ist auch gar kein langes Leben beschieden. Bei Neuformungen und neuen Lehnwörtern müssen wir leider schlichtweg passen. Dann sehen Sie einfach den Satz Keine Einträge gefunden für „…“ Bei den gängigsten Ableitungsarten und bei Zusammensetzungen geben wir uns aber nicht so schnell geschlagen. Dann kommt uns ein Programm zu Hilfe, das wir auf gut Denglisch den Unknown Word Analyzer nennen.

Wenn ein Wort nicht in unseren Wörterbüchern vorkommt, versucht dieses Programm das eingegebene Wort in bestehende Wörter und ggf. Vor- und Nachsilben zu zerlegen sowie die Wortklasse des neuen Wortes zu bestimmen. Zum Beispiel (Klicken Sie auf das Wort, um die Wortanalysen zu sehen):

Islamdebatte
Suchbarkeit
Gammelfleischskandal

Auch deklinierte und konjugierte Formen werden erkannt:

Islamdebatten
Dammbalkenverschlüsse
Beamtenversicherungskassen
hinaufrollst
begreifbarste

Damit nicht allzu viele unsinnige Resultate angezeigt werden, ist die Analyse je nach Wortbildungsart auf zwei bis drei Elemente beschränkt. Die berühmte Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmütze erkennt der Analysator also nicht (den Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän allerdings schon :-)). Er kann auch keine stilistischen Korrekturen vornehmen und analysiert deshalb brav begreifbarste, obwohl am besten begreiflich bestimmt besser wäre. Auch Reagierung wird analysiert, obwohl wahrscheinlich Reaktion gemeint ist.

Da ein solches Analyseprogramm die Wörter nicht versteht, sind die Analyseresultate nur als Vorschläge zu sehen. So kann es manchmal zu recht unerwarteten Resultaten kommen: So werden Mittagsteller nicht nur als Teller zum Mittag sonder auch als Steller des Mittags analysiert. Auch die Schikaneurin wird nicht nur als weibliche Form des Schikaneurs interpretiert (gab es früher so wenig schikanierende Frauen, dass dieses Wort in vielen Wörtebüchern nicht vorkommt?), sondern zur Freude der Liebhaber von Junggymnasiastenhumor eben auch als – sehen Sie selbst: Schikaneurin.

Manchmal braucht es eben mehr als nur Kenntnis von Wortformen und Wortbildungsregeln, aber die Analysen sind sehr oft korrekt. Wir halten deshalb unseren Unknown Word Analyzer für ein gutes Hilfsmittel für die Erkennung „unbekannter“ Wörter, auch wenn er hin und wieder kein Resultat oder mehr als nur das gewünschte Resultat anzeigt.

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