Archiv für Dezember, 2007

Mein guter Vorsatz zum neuen Jahr

Diesen Blog gibt es inzwischen schon seit über einem Jahr. Das ist eigentlich ein weiterer Grund, heute Nacht die Champagnerkorken zischen zu lassen (man soll sie ja der Qualität des Flascheninhalts zuliebe nicht knallen lassen, hat man mir einmal erklärt, aber das ist wohl eher ein Thema für einen kulinarisch-önologischen als einen sprachlichen Beitrag). Das Jubiläum ist eigentlich schon fast zwei Wochen alt, aber es bringt mich dazu, Ihnen einen meiner guten Vorsätze zum neuen Jahr zu verraten: Ich nehme mir vor, im Jahr 2008 all Ihre Fragen mindestens ebenso gut und schnell zu beantworten wie bis anhin. Und wenn Sie vermuten, dass es mir nicht allzu schwer fiel, diesen Vorsatz zu fassen, haben Sie recht. Meine Aufgabe als Dr. Bopp ist nämlich sehr interessant und macht mir viel Spaß. Ich freue mich also auf Ihre Fragen und Kommentare.

Ich wünsche Ihnen allen e guets Nöis/ein gutes neues Jahr!

Dr. Bopp

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Was ist häufiger: der, die oder das?

Frage

Meine Zweitklässer möchten gern Folgendes wissen: Welcher bestimmte Artikel ist am häufigsten; der, die oder das? Gibt es Prozentzahlen? Unsere Stichprobenforschung hat ergeben, dass der am häufigsten ist. Stimmt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

Ihre Frage ist komplizierter, als sie sich auf Anhieb anhört. Gemäß den Angaben des Wortschatz-Projektes der Universität Leipzig sind die folgenden zehn Wörter die häufigsten deutschen Wörter:

der
die
und
in
den
von
zu
das
mit
sich
(http://wortschatz.uni-leipzig.de/Papers/top10000de.txt)

Die Reihenfolge für der, die, das wäre somit:

1. der
2. die
3. das

ABER: In dieser Aufstellung entspricht zum Beispiel der nicht dem männlichen Artikel, sondern nur der Wortform der.

Die Wortform der kann auch weiblich (das Auto der Frau, mit der Tochter) oder allgemein Mehrzahl sein (die Spielsachen der Kinder). Sie kann unter anderem auch Relativpronomen sein (der Mann, der das gesagt hat). In gleicher Weise ist die nicht nur der weibliche Artikel, sondern auch der bestimmte Artikel des Nominativ und des Akkusativ Plural, ein Relativpronomen usw. Außerdem steht der Akkusativ des männlichen Artikels, d.h. den, selbstständig auf Platz fünf der Liste der Uni Leipzig.

Die obenstehende Reihenfolge sagt also nichts darüber aus, wie häufig die verschiedenen Artikel vorkommen, sondern nur, wie oft eine bestimmte Form vorkommt. Eine Liste, die genaue Aussagen über die Häufigkeit der einzelnen Artikel angibt, ist mir leider nicht bekannt. Es ist wegen der verschiedenen Funktionen der Wortformen der, die, das, den usw. auch sehr schwierig, eine solche Liste zu erstellen.

Wenn die Frage lautet, ob es mehr männliche, mehr weibliche oder mehr sächliche Nomen gibt, ist die Antwort auch nicht ganz so einfach. In unseren Daten sieht das wie folgt aus:

weibliche Nomen: ca. 68’000 = 40%
männliche Nomen: ca. 52’000 = 31%
sächliche Nomen: ca. 49’000 = 29%

Es gibt also am meisten weibliche und am wenigsten sächliche Nomen. Dies sind aber nicht endgültige, unverrückbar feststehende Zahlen, denn die folgenden Einschränkungen müssen gemacht werden:

  • So umfangreich unserer Daten sind, sie können nicht nicht den ganzen deutschen Wortschatz abdecken.
  • Die Prozentzahlen sagen nichts darüber aus, wie häufig weibliche, männliche und sächliche Nomen tatsächlich verwendet werden.

Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine kurze und eindeutige Antwort geben kann. Ich befürchte auch, dass sie für Zweitklässler etwas gar kompliziert ist. Ich hoffe aber, dass Sie trotzdem etwas damit anfangen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag
Zweitklässler sind offenbar viel schlauer, als ich dachte. Wie mich Frau B. wissen lässt, können sie sehr wohl etwas mit der Antwort anfangen. Wie man sieht, sollte man (oder besser: sollte ich) die Kleinen nicht unterschätzen. Es ist auch schon so lange her …

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Frohe Weihnachten!

Wie man Weihnachtswünsche in korrekter Groß- und Kleinschreibung verfasst, habe ich hier schon erwähnt. Wie es sich genau mit dem Nikolaus, dem Weihnachtsmann, dem Christkind und den Geschenken verhält, wurde an anderen Orten bereits ausführlich beschrieben: zum Beispiel hier, hier und hier. Und auch die Herkunft des Wortes Weihnachten gibt nicht wirklich viel Spannendes her (die heiligen Nächte, wahrscheinlich zurückgehend auf die heiligen Mittwinternächte). Deshalb hier nur kurz, aber nicht weniger wohlgemeint:

Ich wünsche allen treuen, gelegentlichen und zufälligen Besuchern dieses Blogs und insbesondere auch allen „Canooeys“ wunderschöne Weihnachtstage!

Dr. Bopp

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zu durchforsten oder durchzuforsten?

Nein, es geht nicht darum, den Wald sogenannt zu „durchforsten“ oder „durchzuforsten“, um sich auf das Portemonnaie schonende Weise einen Weihnachtsbaum zu verschaffen. Außer bei Waldbesitzern und anderen dazu berechtigten Personen würde man das nämlich nicht durchforsten, sondern ganz unweihnächtlich und mit einem nicht präfigierten Verb stehlen nennen. Die Fragestellerin möchte vielmehr eine Bibliothek auf Vordermann bringen.

Frage

Ich habe Canoo.net gerade zu Rate ziehen wollen, um zu klären, ob man um (die Bibliothek) zu durchforsten oder um (die Bibliothek) durchzuforsten sagt. Sie haben das Verb zweifach in Ihrer Liste, einmal soll das Präfix untrennbar und einmal trennbar sein. Welchen Schluss soll ich nun daraus ziehen? Sind beide Möglichkeiten gleichwertig? Das kommt mir seltsam vor.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

beides ist ohne Bedeutungsunterschied möglich; zu durchforsten scheint allerdings üblicher zu sein als durchzuforsten.

Ich kannte eigentlich nur die untrennbare Variante durchfórsten. Nicht nur in Canoo.net, sondern auch gemäß zum Beispiel Duden gibt es aber daneben die trennbare Variante dúrchforsten, die allerdings seltener sein soll. Entsprechend sind immer beide Varianten möglich.

gebräuchlicher:

Ich durchforste das Archiv:
Ich habe das Archiv durchforstet.
das Archiv zu durchforsten

seltener:

Ich forste das Archiv durch.
Ich habe das Archiv durchgeforstet.
das Archiv durchzuforsten

Dass ein trennbares Verb (auf der Vorsilbe betont) und ein untrennbares Verb (auf dem Verbstamm betont) ohne eigentlichen Bedeutungsunterschied nebeneinanderstehen, kommt nicht allzu häufig vor. Das Verb durchforsten ist aber nicht der einzige Fall. Zum Beispiel:

Ich durchtrenne das Kabel.
Ich trenne das Kabel durch.

Man überführte ihn in ein anderes Krankenhaus.
Man führte ihn in ein anderes Krankenhaus über.

Weitere Informationen zu den trennbaren Verben gibt es in diesem Blogeintrag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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mit Kind und Kegel

Es kann gut sein, dass es allgemein bekannt und ausgiebig beschrieben ist, aber ich kannte den Ursprung des Ausdrucks mit Kind und Kegel noch nicht. Ich bin soeben zufällig darüber gestolpert und fand es ganz nett. Ich fragte mich nämlich immer, mit was für einem Kegel man denn unterwegs ist, wenn man etwas mit Kind und Kegel unternimmt. Ich kam immer nur so weit, dass man alles, das heißt sogar das Kegelspiel mitnimmt, aber irgendwie ist das Bild nicht wirklich einleuchtend. Es stimmt auch nicht.

Nun denn: Mit Kegel bezeichnete man früher ein uneheliches Kind. Wenn also nicht nur die (ehelichen) Kinder, sondern auch die Kegel dabei waren, dann waren wirklich alle dabei.

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Umlaut bei -in

Frage

Meine Frau lernt gerade Deutsch und hat mich nun etwas gefragt, worauf ich selber keine Antwort habe. Die Bildung der weiblichen Berufsbezeichnungen ist normalerweise durch den Anhang von in vollständig abgehandelt. So zum Beispiel Polizist – Polizistin, Fahrer – Fahrerin. Nun aber wurde ich gefragt, warum es Arzt – Ärztin heißt, speziell der Anfangsbuchstabe Ä. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

es gibt leider keine festen Regeln, wann bei der Bildung von weiblichen Bezeichnungen mit -in auch ein Umlaut verwendet wird. Den armen Deutschlernenden bleibt somit nichts anderes übrig, als die wichtigsten Fälle auswendig zu lernen. Der Umlaut steht vor allem bei älteren Bildungen. Nach den Angaben im Canoo.net-Wörterbuch sind dies die folgenden Ableitungen:

Berufs- und andere Personenbezeichnungen

Amtsrätin (Bundesrätin, Kreisrätin usw.), Anwältin, Ärztin, Bäuerin, Bischöfin, Bübin (Spitzbübin), Gräfin, Göttin, Jüdin, Kräuterin, Köchin, Männin, Muselmännin (veraltet für Muselmanin), Närrin, Obmännin, Päpstin, Pröpstin, Schwägerin, Spitzbübin, Törin, Vögtin

Einwohnernamen:

Flämin, Fränkin, Französin, Sächsin, Schwäbin, Westfälin

Und dann gibt es auch noch Tierbezeichnungen:

Äffin, Bräckin (Art Jagdhündin), Dächsin, Füchsin, Häsin, Hündin, Kätzin, Spätzin, Störchin, Täubin, Wölfin

Weiter gibt es auch die entsprechenden zusammengesetzten Personen- und Tierbezeichnungen wie Amtsärztin, Chefärztin, Großbäuerin, Burggräfin, Südfranzösin, Jagdhündin usw. Der weitaus größte Teil der mit -in gebildeten weiblichen Bezeichnungen wird übrigens nicht umgelautet: Von den ca. 8450 mit diesem Suffix abgeleiteten Wörtern in unserem Wörterbuch wurden nur 230 mit Umlaut gebildet.

Weitere Informationen zur weiblichen Endung -in finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist duschen exotisch?

Heute fragte ich mich beim Duschen plötzlich, wo denn das Wort Dusche eigentlich herkommt. Es ruft bei mir keine direkten Assoziationen mit einem anderen Wort auf, so dass ich – für mich und für Sie – auf eine möglichst exotische Erklärung hoffte: irgendetwas Fremdländisches wie Kautschuk, Kumquat und Aloa vera in Verbindung mit tropischen Wasserfällen. Ein d gefolgt von einem dunklen u und dann das Rauschen des sch würde doch dazu passen. Und nach den verschiedenen Werbekampagnen für Duschgels mit Palmen, blonden und tahitianischen Schönheiten, Stränden, Wellen, Dschungeln und Ähnlichem wäre das doch eigentlich unser gutes Recht. Leider nein.

Das Wort Dusche gelangte über unseren früheren Fremdwortlieferanten Nummer eins, das Französische, in der Form douche zu uns. Das ist insofern erstaunlich, als nach dem gängigen Klischee die Franzosen so wenig von körperlicher Reinlichkeit hielten, dass sie das Parfüm erfinden mussten. Wie auch immer, die eingedeutschte Variante Dusche scheint heute das deutsche Wort Brause in dieser Bedeutung ziemlich erfolgreich, wenn auch noch nicht vollständig verdrängt zu haben. Damit ist die Hoffnung auf Exotisches noch nicht ganz verflogen. Frankreich hatte ja viele Kolonien in tropischen Gegenden und auch heute noch gibt es die Départements und Territoires d’Outre-mer mit wohlklingenden Namen wie Martinique, La Réunion und Guadeloupe. Auch die Insel Tahiti war einmal französisch. Leider kommt das gesuchte Wort aber doch nicht von dort.

Das Wort douche war zwar auch im Französischen ein Fremdwort, aber es wurde aus nicht ganz so exotischen Gefilden übernommen. Im 16. Jahrhundert kamen in Frankreich viele Wörter aus dem Italienischen. So auch doccia, das damals schon ungefähr die gleiche Bedeutung hatte wie unser heutiges Dusche. Dann wird die Herkunft unsicher. Wahrscheinlich kommt doccia von doccione, das „Rohr, Leitung, Wasserspeier“ bedeutete und auf das lateinische Wort ductio, ductionis (ebenfalls „Leitung“, „Wasserleitung“) zurückgeht. Das ist leider gar nicht so exotisch, wie ich gehofft hatte. Interessant ist dann aber doch noch, dass Dusche über den Wortstamm duct indirekt mit Aquädukt verwandt ist. Und so kann dieses Wort einem Sprachliebhaber doch noch eine kleine Überraschung bereiten.

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Dashboard-Widget für Mac OS X

Für alle Mac-Benutzer gibt es jetzt ein Dashboard-Widget, mit dem man vom Dashboard aus Wörter in Canoo.net aufrufen und überprüfen kann. Erstellt wurde das kostenlose Widget vom Canoo.net-Nutzer Olaf Marzocchi.

So installieren Sie das Widget auf Ihrem Mac:

  • Laden Sie das Widget hier herunter und packen Sie das Zip aus.
  • Doppelklicken Sie auf das Widget-Symbol.
  • Bestätigen Sie, dass Sie ein neues Widget installieren möchten.
  • Bestätigen Sie, dass Sie das neue Widget behalten möchten.

Wechseln Sie nun in die Dashboard-Sicht und geben Sie ein Suchwort ein. Ein Webbrowser-Fenster öffnet sich und zeigt die entsprechende Canoo.net-Seite an.

Die Kommentar-Funktion für diesen Beitrag ist zur Zeit ausgeschaltet.

Wie heißen die Einwohner von Nizza?

Bei frühlingshaft warmem Wetter fragte ich mich vorgestern in Nizza plötzlich, wie denn die Einwohner der Stadt auf Deutsch heißen. Das Resultat meiner Überlegungen, die dank der viel zu schönen Umgebung nicht allzu tiefschürfend waren, lautete, dass man wohl im Deutschen jemand aus Nizza oder das französische Niçois verwendet. Das aus der örtlichen Sprache mit dem gleichen Namen stammende Nissart kann man ja im deutschen Sprachraum kaum als bekannt voraussetzen.

Diese Überlegungen stimmen nicht ganz. Zu meinem Erstaunen fand ich zu Hause auch viele Belege für das Adjektiv und den Einwohnernamen Nizzaer. Das Wort klingt für mich irgendwie gar nicht nach Côte d’Azur und Riviera, aber es hat es sogar in den Duden und ins Canoo.net-Wörterbuch geschafft. Die Nizzaerin ist dann die grammatisch korrekte weibliche Form, aber sie findet sich außer im Duden und auf Canoo.net kaum irgendwo. Und bei Niçoise stößt man natürlich vor allem auf Salatrezepte. Ich würde es deshalb am ehesten auf Einwohnerin von Nizza halten.

Diese Lösung klingt relativ unbefriedigend, aber sie muss öfter angewendet werden, als man auf Anhieb denken würde. Oder wüssten Sie auch nach längerem Nachdenken, wie die Einwohner von Antibes, einem Ort in der Nähe Nizzas, mit einem Wort genannt werden müssten? Viel weiter als Antibier und Antibioten komme ich nicht, und das ist natürlich reinster Unsinn.

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Typisch vorweihnachtliche Frage zur Rechtschreibung

Der Advent ist im Land und nach seinem gestrigen Großeinsatz genießt der Nikolaus wieder seine verdiente Ruhe (außer dort, wo er noch als Weihnachtsmann auftreten muss – doch darüber vielleicht ein andermal). Es wird also Zeit für den Vorweihnachtsstress. Dazu gehören auch die Feiertagsgrüße und Neujahrswünsche. Und selbst hierbei entdeckt der berufsdeformierte Dr. Bopp ein Rechtschreibproblemchen: die Groß- und Kleinschreibung von Adjektiven in Glück- und anderen Wünschen. Obwohl die Regel eigentlich ganz einfach ist, wird sehr oft gegen sie verstoßen, auch (oder vielleicht sogar vor allem) auf Karten mit vorgedrucktem Text.

In Wendungen, die keine Eigennamen sind, werden Adjektive kleingeschrieben (Regel). Man schreibt also zum Beispiel:

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr.

Auch ohne einleitendes Ich wünsche oder Wir wünschen schreibt man nur das ganz am Anfang stehende Adjektiv groß:

Gesegnete Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!
Fröhliche Weihachten und alles Gute fürs neue Jahr!
Alles Gute zum neuen Jahr!
Die besten Wünsche für 2008!
Schöne Feiertage!

Was wirklich zählt, sind natürlich die Grüße und Wünsche an sich, ganz gleich ob sie nun vollständig korrekt nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung abgefasst sind. Aber sollten Sie sich im Zeitdruck der Weihnachtsvorbereitungen plötzlich doch fragen, ob es nun frohe oder Frohe sein muss, dann wissen Sie die Antwort jetzt schon.

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