-ung oder -rung: Werden Suffixe abgetrennt?

Frage

Wie kann ich das Wort Berufserfahrungen trennen (Einkonsonantenregel oder Stamm-Suffix Regel)?

Berufserfahr-ung-en oder
Berufserfah-run-gen

Antwort

Sehr geehrte Frau V.,

Bei der Worttrennung gibt es in der deutschen Rechtschreibung keine Stamm-Suffix-Regel. Anders als zum Beispiel im Englischen wird am Zeilenende nicht zwischen dem Stamm und der Endung getrennt, sondern wie im Wortinnern zwischen zwei Sprechsilben. Bei der Worttrennung gelten die folgenden Grundregeln:

Präfixe (Vorsilben) werden abgetrennt:

Be-ruf
be-enden
ver-arbeiten
Aus-übung

Zusammengesetzte Wörter werden voneinander getrennt:

Trenn-regel
Hoch-ebene
Leder-waren-abteilung
Berufs-erfahrung

Innerhalb dieser Segmente wird nach Sprechsilben getrennt:

ar-bei-ten
Re-gel
Ebe-ne

Dies gilt auch, wenn es sich um eine Kombination Stamm+Endung handelt:

Ab-tei-lung
Er-fah-rung
Bä-cke-rei
mu-tig
ak-zep-ta-bel

Richtig ist also Be-rufs-er-fah-run-gen.

Auch andere Sprachen gehen sehr ähnlich vor. Achten Sie auf die Trennstelle beim Suffix -abel in zum Beispiel dem Französischen (ac-cep-ta-ble), Italienischen (ac-cet-ta-bi-le), Spanischen (acep-ta-ble), Niederländischen (ac-cep-ta-bel) und Norwegischen (ak-sep-ta-bel).

Im Englischen macht man das allerdings anders: ac-cept-able. Dies geschieht dort aus begreiflichen Gründen. Es hat mit der mehr historischen als phonetischen Schreibweise zu tun, aber ich kann hier leider nicht weiter darauf eingehen. Es scheint jedenfalls so zu sein, dass die englischsprachigen Kinder viel später – oder gar nie – lernen, wie man richtig trennt. Man muss dort oft auch die unterliegende Struktur eines Wortes kennen, was nicht immer ganz so einfach ist wie bei -able. Dass man Suffixe nicht abtrennt, sondern sich einfach an die Sprechsilben hält, macht unser System offenbar im Vergleich dazu einfacher.

Die entsprechenden Trennregeln und weitere Informationen finden Sie hier:
Wortrennung bei einfachen Wörtern
Worttrennung bei komplexen Wörtern

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.