Archiv für März, 2008

Kon-trol-le und Kont-rol-le

Letzte Woche fragte Frau H., wie denn Kontrolle zu trennen sei. Die Antwort lautet: Kon-trol-le oder Kont-rol-le. Das Wort gehört zu den Fremdwörtern, die nach der Rechtschreibreform auf zwei verschiedenen Arten getrennt werden können, je nachdem ob man „gebildet“ fremdwörtlich oder „nüchtern“ deutsch trennen möchte. Dabei gibt es zwei Gruppen:

  • Zusammengesetzte Wörter und Wörter mit Vorsilben, die nicht mehr als solche erkannt werden (Regel). Zum Beispiel:
    fw. Syn-onym oder dt. Sy-no-nym
    fw. in-ter-es-sant oder dt. in-te-res-sant
    fw. kon-stant oder dt. kons-tant
  • Wörter mit einer Buchstabenfolge Konsonant + l, n oder r (Regel). Zum Beispiel:
    fw. Re-pu-blik oder dt. Re-pub-lik
    fw. ma-gne-tisch oder dt. mag-ne-tisch
    fw. Ma-tro-ne oder dt. Mat-ro-ne

Soweit war mir eigentlich alles klar. Dann aber wäre Dr. Bopp beinahe über seine eigene Bildung gestolpert. Ich wollte nämlich Frau H. auf die erste, das heißt die Rechtschreibregel mit der Vorsilbe hinweisen. Schließlich fängt ja Kontrolle mit Kon- an wie Konfirmand, Konzentration und konstant. Ich hatte die Antwort schon beinahe abgeschickt, als mir auffiel, dass es wirklich nicht klar ist, wo denn der zweite Wortteil -trolle herkommen soll, wenn man Kon- als Vorsilbe anschaut. Gibt es vielleicht eine Erklärung aus der germanischen Mythologie, in der Trolle in irgendeiner mehr oder weniger unergründlichen Weise mit dem Überprüfen zu tun haben? Gemäß Tolkiens „Herr der Ringe“ sollen Trolle zwar furchterregend, aber nicht besonders intelligent und zuverlässig sein. Für den Erklärungsweg von Trolle zu Kontrolle wären wohl ein paar Schritte zu viel nötig. Deshalb habe ich statt die germanische Mythologie und Tolkiens Werk einfach ein paar Wörterbücher mit etymologischen Angaben zu Rate gezogen.

Das Wort Kontrolle kommt vom Französischen contrôle, das eine Verkürzung von contre-rôle ist. Der Ausdruck contre-rôle lässt sich ungefähr mit Gegenregister übersetzen. Ein contre-rôle und später contrôle war ein Buch oder ein Register, das neben dem eigentlichen Register, rôle (= Rolle) genannt, geführt wurde. Die Kontrolle ist also ursprünglich eine im Französischen verkürzte „Gegenrolle“, die der Überprüfung der registrierten Angaben diente.

Es handelt sich beim Kon- in Kontrolle somit nicht um eine Vorsilbe (diese war ja ursprünglich contre). Ich habe Frau H. deshalb nicht auf die erste, sondern auf die zweite der beiden obengenannten Trennregeln hingewiesen (Trennung der Konsonatengruppe -tr-). Auch für „Sprachler“ gilt also: Vertrauen (in die eigene Kenntnis) ist gut, Kontrolle ist besser.

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Canoo.net im Handelsblatt

So viel Positives über uns kann ich Ihnen einfach nicht vorenthalten: Lesen Sie hier, was das Handelsblatt über Canoo.net schreibt.

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Kann ich Sie zurückrufen?

Frage

Ich muss öfter Telefonnotizen schreiben. Dabei kommt es häufig zu folgender Formulierung: Frau R., bitte Herrn P. zurückrufen/zurück rufen. Welche Schreibweise ist die Richtige?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

man schreibt zurückrufen auch im Sinne von bei jemandem wieder anrufen, der angerufen hat zusammen: bitte zurückrufen.

Etwas anderes ist, dass man im Standarddeutschen in diesem Sinne eigentlich nicht jemanden zurückrufen kann. Nach zum Beispiel Duden und Wahrig verwendet man zurückrufen in dieser Bedeutung nur ohne Ergänzung:

Frau R., Herr P. hat angerufen, bitte zurückrufen.

Andere Formulierungen:
Frau R., Herr P. bittet um Rückruf.
Frau R., bitte Herrn P. anrufen.

Wendungen wie Frau R., bitte Herrn P. zurückrufen oder Kann ich Sie in 10 Minuten zurückrufen? gelten als umgangssprachlich oder als „Jargon im Bürowesen“. Sie werden allerdings häufig und auch außerhalb des Bürowesens verwendet. Wenn Sie also ein eher ungezwungenes Verhältnis zu Ihren Kollegen und Kolleginnen haben, ist eine als umgangssprachlich geltende Formulierung aus dem Jargon sicher nicht völlig fehl am Platz. Und wenn Sie jemand deswegen kritisiert, sind Sie jetzt gewappnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist die Sache die oder der Mühe wert?

Frage

Ist es der Mühe wert? Oder ist es vielleicht die Mühe wert? Ich weiß es nicht…

Wie Sie sehen, bin ich im Zweifel befangen, und um mich nicht zu verhaspeln, frage ich lieber gleich einen Gstudierten: Wenn es der Mühe wert ist, müsste es auch eines Versuches wert sein. Ebenso sollte Rom einer Reise wert sein. Viel gebräuchlicher hingegen scheint mir, dass Rom eine Reise und es einen Versuch wert ist. Ich vermute einmal, dass wohl beide Varianten vertretbar sind, allein welche ist die richtigere?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

auch der „Gstudierte“ wusste nicht gleich die Antwort auf diese Frage. Zum Glück gibt es aber „gscheite“ Bücher, die einem wieder auf die Sprünge helfen. Der Ausdruck wert sein kann mit dem Akkusativ und mit dem Genitiv stehen. Mit dem Akkusativ (etwas wert sein) bedeutet er einen bestimmten Wert haben oder den Aufwand, die Mühe lohnen:

Das ist viel Geld wert.
Das ist keinen Cent wert.

Rom ist eine Reise wert
Das ist einen Versuch wert.

Mit dem Genitiv (einer Sache wert sein) ist die Bedeutung würdig sein, verdienen:

Sie sind unseres Vertrauens wert.
Ihr Verhalten ist größter Bewunderung wert.
Das ist nicht der Rede wert. (= Das ist es nicht würdig, erwähnt zu werden.)

Unsere Unsicherheit ist wohl darauf zurückzuführen, dass man viele Wörter mit beiden Bedeutungen von wert sein verwenden kann und dass die Bedeutungen die Mühe lohnen und würdig sein manchmal gar nicht so weit auseinanderliegen:

Diese Sache ist die Mühe wert. = Es lohnt sich, sich für diese Sache Mühe zu geben.
Diese Sache ist der Mühe wert. = Diese Sache verdient es, dass man sich Mühe gibt.

Je nachdem, welche dieser beiden Bedeutungen Sie eher meinen, verwenden Sie also den Akkusativ (die Mühe wert sein) oder den Genitiv (der Mühe wert sein).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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für euch zwei Hübsche(n)?

Frage

Zu Ostern haben wir in unserer Familie eine Diskussion. Folgender Satz wurde hart diskutiert:

Liebe Oma und lieber Opa,
wir laden Euch zwei Hübsche am Mittwoch ein ….

Oder heißt es:

Liebe Oma und lieber Opa,
wir laden Euch zwei Hübschen am Mittwoch ein …

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

Hoffentlich haben Sie nicht allzu hart diskutiert. Beide Formulierungen sind nämlich möglich. Das substantivierte Adjektiv Hübsche wird hier als eine nähere Bestimmung oder Beifügung zu einem Personalpronomen (euch) verwendet. Im Prinzip gilt dabei, dass das Adjektiv stark gebeugt wird:

ich Armer (m.) resp. ich Arme (w.)
du Liebes
mir Unglücklichem (m.) resp. mir Unglücklicher (w.)
usw.

Im Plural wird hier aber manchmal auch schwach gebeugt. Im Nominativ Plural wird sogar häufiger schwach als stark gebeugt:

schwach: wir Deutschen neben stark: wir Deutsche
schwach: ihr zwei Hübschen neben stark: ihr zwei Hübsche

Im Akkusativ Plural – um einen solchen handelt es sich in Ihrem Beispielsatz – ist die schwache Beugung weniger üblich, sie kommt aber vor:

stark: für uns Deutsche neben selten schwach: für uns Deutschen
Stark: wir laden Euch zwei Hübsche ein neben selten schwach: wir laden euch zwei Hübschen ein.

In diesem Fall sind also beide Formen möglich, zumal es sich bei Ihrer Einladung um eine eher umgangssprachliche Formulierung handelt. Standardsprachlich ist allerdings im Akkusativ Plural die starke Form mit der Endung -e vorzuziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Osterwünsche

Wieder einmal stehen Feiertage ins Haus und wieder einmal gibt es entsprechende Grüße und Wünsche. Oft gesagt und geschrieben wird:

Schöne Ostern!
Frohe Ostern!
Fröhliche Ostern!

Wenn man diese Wendungen in einen Satz einfügt, ändert sich die Schreibung des Adjektivs. Es wird dann kleingeschrieben:

Ich wünsche Ihnen schöne Ostern.
Wir wünschen Ihnen frohe Ostern.
Ich wünsche dir fröhliche Ostern.

Regelmäßige Besucher finden jetzt wahrscheinlich, dass ich anfange mich zu wiederholen. Dem ist auch so, denn Ähnliches habe ich in der Adventszeit bereits über Weihnachtswünsche geschrieben. Ich verspreche dann auch, dass ich versuchen werde, dieses Thema in Zukunft nicht mehr anzuschneiden (aber ob es mir das dann auch wirklich gelingt?). Man soll es ja mit der Rechtschreibung nicht übertreiben. Rechtschreibfanatiker tun sich damit oft schwer: lieber ein zwar falsch geschriebener, dafür ehrlich gemeinter Wunsch als einer, der orthographisch einwandfrei ist, aber vor Gleichgültigkeit oder sogar Zynismus trieft. Das heißt jetzt aber nicht, dass korrekt geschriebene Wünsche nicht ehrlich gemeint sein können.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

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zusammenraufen oder zusammen raufen

Frage

Ich frage mich, wie man zusammen raufen schreibt. Zusammen oder getrennt?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

ob man zusammenraufen oder zusammen raufen schreibt, hängt davon ab, was gemeint ist. Man schreibt zusammenraufen, wenn man damit meint: sich zusammenraufen = sich erst streiten und dann doch gut verstehen. Getrennt schreibt man zusammen raufen, wenn es miteinander kämpfen, balgen bedeutet. Achten Sie dabei auch auf die Betonung:

Die Parteien sollten das Kriegsbeil begraben und sich zusammenraufen.
Ihr Jungs solltet nicht immer zusammen raufen.

Weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite.

Ganz ähnlich liegt das auch in den folgenden Fällen:

Es ist nicht das Gleiche, ob man Stimmen zusammenzählt (addiert) oder zusammen zählt (gemeinsam zählt).
Man kann etwas schneller zusammenbasteln, wenn man zusammen bastelt.
Ein größerer Betrag ist schneller zusammengeklaut, wenn man zusammen klaut.

Die Liste ließe sich noch um einiges verlängern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Jein!

Frage

Gibt es bereits ein Wort das weder Ja noch Nein beschreibt. Wie wäre es mit Jain oder Jein?

Antwort

Ein solches Wort gibt es. Es ist sogar ein ziemlich bekanntes und vielverwendetes Wort: jein.

Seine Bedeutung ist meistens ja, aber; nein, außer; einerseits ja, andererseits nein. Es verlangt normalerweise eine sowohl die Jaseite als auch die Neinseite erläuternde Ergänzung. Als allein stehende Antwort kann jein eigentlich nur scherzhaft oder abwertend gemeint sein:

Auf die Frage, ob sie bereit sei, antwortete sie mit einem eindeutigen Jein.
Im Brustton der Überzeugung antwortet er: „Jein!“
Klare Antworten erhält man von ihm nie, er sagt immer nur jein.

Falls Sie an der Groß- und Kleinschreibung interessiert sind: Es gelten die gleichen Regeln wir für ja und nein.

Ein Wort wie jein wird Kofferwort (engl. portmanteau) genannt. Der Ausdruck stammt aus dem 6. Kapitel von Lewis Carrolls Alice hinter den Spiegeln:

“That’s enough to begin with,? Humpty Dumpty interrupted: “there are plenty of hard words there. ‚Brillig‘ means four o’clock in the afternoon – the time when you begin broiling things for dinner.?

“That’ll do very well?, said Alice, “and ’slithy‘??

“Well, ’slithy‘ means ‚lithe and slimy‘. ‚Lithe‘ is the same as ‚active‘. You see it’s like a portmanteau – there are two meanings packed up into one word.?

„Das ist erst mal genug“, unterbrach Hampti Dampti, „da sind ja schon eine ganze Menge schwerer Wörter. ,Brollig‘ bedeutet vier Uhr nachmittags – die Zeit also, zu der man mit dem Brodeln von Sachen für das Abendessen beginnt.“

„Das passt sehr gut“, freute sich Alice, „Und ,schleimdig‘?“

„Nun, ,schleimdig‘ bedeutet ,schleimig‘ und ,geschmeidig‘. Siehst du, das ist wie bei einem Koffer – du packst zwei Bedeutungen in ein Wort.“

(Übersetzung von Dieter H. Stündel)

Andere Kofferwörter sind zum Beispiel:

Demokratur (Demokratie + Diktatur)
Eurasien (Europa + Asien)
Teuro (teuer + Euro)
Transistor (engl. transfer + resistor)
verschlimmbessern (verschlimmern + verbessern)
Nescafé (Nestlé + Café)
Osram (Osmium + Wolfram)

Und auf gut Denglisch (Deutsch + Englisch):

Brunch (breakfast + lunch)
Infotainment (Information + Entertainment)
Podcasting (iPod + broadcasting)

Natürlich gibt es in der Sprachwissenschaft noch ein paar andere Ausdrücke für die gleiche oder ähnliche Erscheinungen: Neben den leicht verständlichen Ausdrücken wie Wortkreuzung, Wortmischung und Wortverschmelzung gibt es Begriffe wie Kontamination und Amalgamierung. Der erste klingt nach Verunreinigung und der zweite – zumindest für die Älteren unter uns – nach Zahnfüllungen. Kontaminierung geht auf das lateinische contaminare zurück, das tatsächlich durch Berührung, Verschmelzung, Vermengung verderben bedeutete. Deshalb wurden und werden manchmal nur fehlerhafte Vermengungen von Wörtern und Ausdrücken als Kontaminationen bezeichnet (zum Beispiel unzweifellos oder Auch ein blindes Huhn legt einmal ein Ei). Ein Amalgam ist in erster Linie eine Legierung mit Quecksilber. Amalgame wurden für Zahnfüllungen verwendet, sind aber in dieser Verwendung mittlerweile sehr umstritten. Im übertragenen Sinne wird das Wort auch mit der Bedeutung Mischung verwendet. Und über diesen letzten Schritt versteht man den Begriff Amalgamierung für Wörter wie jein wahrscheinlich etwas besser.

Die Sprachwissenschaft wäre nicht die Sprachwissenschaft, wenn sich alle über die genaue Definition der genannten Begriffe einig wären. Wenn Sie mich also fragen, ob alle obengenannten Wörter eindeutig Kofferwörter sind, müsste ich mit einem klaren Jein antworten.

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Die heutige Frage ist eigentlich ein Kommentar zu einem anderen Beitrag, der aber schon etwas weiter zurücklieg. Ich wollte deshalb nicht dort, sondern etwas prominenter an dieser Stelle darauf reagieren.

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Mein Mitarbeiter oder ich stehe, stehen, steht …?

Frage

Heißt es bei dem Satz: Für Rückfragen stehe(n) ich oder mein Mitarbeiter Ihnen gerne zur Verfügung. Heißt es hier stehe oder stehen? Wie lautet die Regel ?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

es gibt leider (oder je nach Einstellung zur Grammatik: zum Glück) keine allgemeingültige Regel zu dieser Frage. Es gibt allerdings eine starke allgemeine Tendenz, die auf der unten erwähnten Grammatikseite aufgezeigt wird.

Kurz zusammengefasst lautet die Tendenz, dass bei mit oder verbundenen Subjektteilen, die sich in Person und/oder Anzahl voneinander unterscheiden, das Verb sich nach dem ihm am nächsten stehenden Subjektteil richtet. In Ihrem Beispielsatz sind die Subjektteile erste Person Einzahl (ich) und dritte Person Einzahl (mein Mitarbeiter). Das Verb steht am nächsten bei ich und wird deshalb am ehesten in der ersten Person Einzahl verwendet:

Für Rückfragen stehe ich oder mein Mitarbeiter Ihnen gern zur Verfügung.
oder „umgekehrt“:
Für Rückfragen steht mein Mitarbeiter oder ich Ihnen gern zur Verfügung.

Am besten vermeidet man solche Konstruktionen, denn sie klingen für viele Deutschsprachige irgendwie unbefriedigend. Beispiele für mögliche Umschreibungen sind:

Für Rückfragen stehen ich und mein Mitarbeiter Ihnen gerne zur Verfügung.
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an mich oder meinen Mitarbeiter.

Weiter Informationen finden sie auf dieser Grammatikseite, insbesondere unter

  • Problemfälle: Zwei verschiedene Personen mit oder
  • Problemfälle; 1. Person und 3. Person

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Liebe Auszubildende(n)?

Frage

Ich habe eine Frage zur Flexion von substantivisch verwendeten Partizipien: Wenn ich meine Azubis anschreiben möchte, heißt es dann Liebe Auszubildende oder Liebe Auszubildenden?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.

Die richtige Anrede lautet in diesem Fall:

Liebe Auszubildende

Das Partizip wird hier wie ein substantiviertes Adjektiv verwendet. Es muss deshalb wie ein ohne Artikelwort stehendes Adjektiv gebeugt werden. Es hat die gleiche Endung wie das vor ihm stehende Adjektiv liebe.

Ohne Artikelwort stehende Adjektive werden stark gebeugt und Anreden stehen im Nominativ. Daraus folgt, dass die beiden Wörter in der Anrede die folgende Form haben müssen: Nominativ Plural starke Flexion.

  • Die Form des Nominativ Plural der starken Flexion finden Sie hier.
    => Auszubildende
  • Die Regel zur Deklination zweier aufeinanderfolgender Adjektive steht hier.
    => Liebe Auszubildende

Andere Beispiele sind:

Lieber Auszubildender
Liebe Studierende
Sehr geehrte Beamtinnen und Beamte

Die Anrede mit der Endung en (Liebe Auszubildenden) wird wohl in Anlehnung an die Pluralform mit Artikelwort (die Auszubildenden) oder Anreden mit anderen Wörter (zum Beispiel Liebe Kollegen) gebildet. Sie kommt recht häufig vor, ist aber als falsch anzusehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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