Archiv für Mai, 2008

Urlaub

Ab morgen werde ich Sie wieder einmal für zwei Wochen im Stich lassen. Ich könnte den Urlaub als Studienreise tarnen, indem ich behaupte, die Eigentümlichkeiten der deutschen Sprache im Elsass untersuchen zu müssen. Falls ich in dieser Hinsicht interessante Beobachtungen machen sollte, werde ich sie Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Ich „befürchte“ allerdings, dass ich mich doch eher mit Landschaftlichem, Kulturellem, Kulinarischem, Weinkundlichem und Ähnlichem beschäftigen werde. In zwei Wochen bin ich wieder ganz für Sie da.

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Gebührt oder gebühren ihm Respekt und Anerkennung?

Frage

Wie muss es richtig heißen: „dafür gebührt ihm Respekt und Anerkennung“ oder „dafür gebühren ihm Respekt und Anerkennung“?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

wenn das Subjekt aus mit und verbundenen Teilen besteht, muss das Verb im Prinzip im Plural stehen. Das Subjekt ist hier Respekt und Anerkennung.

Dafür gebühren ihm Respekt und Anerkennung.

Bei Wortpaaren, die ohne Artikel stehen und die als eine Einheit aufgefasst werden, kann das Verb aber auch im Singular verwendet werden. Zum Beispiel:

Freund und Feind war eingeladen. Essen und Trinken wurde draußen serviert, während im Saal Musik und Tanz die Gäste erfreute.

oder

Freund und Feind waren eingeladen. Essen und Trinken wurden draußen serviert, während im Saal Musik und Tanz die Gäste erfreuten.

Wenn ein solcher Empfang ein voller Erfolg war, lässt sich über den Organisator sagen:

Dafür gebührt im Respekt und Anerkennung.

Beide Formulierungen sind also möglich. Wenn man die Singularform gebührt verwendet, wird Respekt und Anerkennung als eine zusammengehörende Einheit aufgefasst. Nimmt man die Pluralform gebühren, sind Respekt und Anerkennung zwei selbstständige Einheiten. Sehen Sie auch die entsprechende Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Jemanden oder jemandem das Leben kosten?

Frage

Ich bin irritiert. Ich habe mir vor einigen Tagen ein Magazin gekauft. Die Artikel sind toll, leider habe ich einige grammatische Fehler gefunden. Ein Beispiel:

Dass die Archäologen etwas übersehen hatten, kam erst Monate später ans Licht, als es mehrere Menschen das Leben kostete.

Muss es nicht vielmehr folgendermaßen lauten:

Dass die Archäologen etwas übersehen hatten, kam erst Monate später ans Licht, als es mehreren Menschen das Leben kostete.

Google findet zum Suchbegriff „mehrere Menschen das Leben kostete“ vier Ergebnisse und zum Suchbegriff „mehreren Menschen das Leben kostete“ vierundzwanzig Ergebnisse. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Mehrheit ist für „mehreren Menschen das Leben kostete“.

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

ich weiß nicht, ob Ihr Magazin an anderer Stelle grammatikalische Fehler enthält, aber in diesem Fall stimmt die Formulierung. Das Verb kosten gehört zu den wenigen Verben, die mit einem doppelten Akkusativ stehen:

Das kostet dich einen Euro.
Das kostet mich nur eine kleine Mühe.
Die Umfrage kostet Sie höchstens fünf Minuten Zeit.

In diesen Fällen kann die Bedeutung von kosten wie folgt umschrieben werden: „von jemandem einen bestimmten Preis fordern“. Das Verb kosten kann auch „jemanden um etwas bringen“ bedeuten. Auch dann steht es mit zwei Akkusativen:

Es kostete mehrere Menschen das Leben.
Das kostete das Team den Sieg.

In dieser zweiten Bedeutung wird aber – wie Sie ja auch festgestellt haben – häufig auch der Dativ verwendet:

Es kostet mehreren Menschen das Leben.
Das kostete dem Team den Sieg.

Achtung: Strengere Grammatiker behaupten, diese Konstruktion sei falsch. Sie kommt aber recht häufig vor und wird zum Beispiel auch im Duden und im DWDS erwähnt. Ich finde deshalb, dass auch die Formulierungen mit dem Dativ als korrekt anzuschauen sind. Sehen Sie hierzu auch die entsprechende Grammatikseite auf Canoo.net.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Schibboleth

Ein netter Kollege hat mich auf den Begriff Schibboleth hingewiesen, der recht exotisch aussieht und für ein interessantes Phänomen verwendet wird. Es handelt sich um eine Art Losungswort. Es geht aber nicht um Losungswörter, wie wir sie aus Abenteuer-, Kriegs- und Piratenfilmen kennen. Diese werden vorher abgesprochen und sollten danach nur Eingeweihten bekannt sein. Ein Schibboleth funktioniert auch anders als Passwort und PIN, die modernen Varianten des Losungswortes. Schibboleth kommt aus dem Hebräischen und bedeutet wörtlich Getreideähre. Die Bedeutung Losungswort stammt aus der Bibel:

(5) Gilead besetzte die nach Ephraim führenden Übergänge über den Jordan. Und wenn ephraimitische Flüchtlinge (kamen und) sagten: Ich möchte hinüber!, fragten ihn die Männer aus Gilead: Bist du ein Ephraimiter? Wenn er Nein sagte, (6) forderten sie ihn auf: Sag doch einmal «Schibboleth». Sagte er dann «Sibboleth», weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihn dort an den Furten des Jordan nieder. So fielen damals zweiundvierzigtausend Mann aus Ephraim. (Richter 12, 5-6)

Ein Schibboleth ist also Wort, das Anderssprachige nicht korrekt aussprechen können. Es kann deshalb als Losungswort verwendet werden, mit Hilfe dessen man Fremde „entlarven“ kann. Das konnte manchmal für die so Ertappten wie für die Ephraimiter böse Folgen haben. Während der Sizilianischen Vesper 1282, einem Aufstand der Sizilianer gegen die Franzosen, erging es Leuten, die das sizilianische Wort ciciri nicht richtig aussprechen konnten, schlecht. Offenbar war das ein Wort, das der französischen Zunge gar nicht lag. Ein anderes Beispiel ist der Name der niederländischen Stadt Scheveningen. Während des Zweiten Weltkrieges sollen niederländische Widerstandskämpfer mit Hilfe dieses Wortes deutsche Infiltranten erkannt haben. Das s und das ch werden nämlich getrennt voneinander ausgesprochen (wobei das ch am besten richtig schön kratzend klingen sollte), was für Deutsche vor allem am Anfang eines Wortes sehr schwierig bis unmöglich ist.

Schibboleth wird auch in einem übertragenen Sinne verwendet. So versuchten amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe der Kenntnisse des Baseballs echte Amerikaner von feindlichen Spionen und Infiltranten zu unterscheiden. Nicht die Aussprache, sondern kulturgebundene Kenntnisse dienten als Schibboleth.

Natürlich gibt es auch harmloserer Beispiele: Nur wenige Nichtdeutschsprachige könne das Wort Streichholzschächtelchen richtig aussprechen. All diese sch, ch und h in einem Wort sind für die meisten Fremdsprachigen eine zu große Herausforderung. Und auch innerhalb des deutschen Sprachraumes gibt es solche Erkennungswörter. So erkennt der Bayer am Oachkatzlschwoaf den „Preißn“, das heißt jeden Nicht-Bayern deutscher Zunge. Das Plattdeutsche revanchiert sich hierfür mit dem Eekkattensteert, das die gleiche Bedeutung hat wie Oachkatzlschwoaf, aber für die Bayern unaussprechlich sein soll. Das bekannteste Schweizer Beispiel hat nichts mit einem Eichhörnchenschwanz zu tun, sondern mit einem Küchenmöbel, dem Chuchichäschtli (Küchenkästchen). Da die Deutschschweizer das ch so richtig schön kratzen lassen, erkennt man mit Hilfe des Chuchichäschtli, ob jemand ein Uwe, ein Horst oder jemand aus dem großen Kanton ist. Für die nichtschweizerische Leserschaft: ein Uwe, ein Horst oder einer aus dem großen Kanton ist ein Deutscher. Diese beiden typisch deutschen Vornamen kommen bei Schweizern nicht vor. Sie sind deshalb in gewisser Weise Schibboleths. Die Bezeichnung „großer Kanton“ (auch „großer Nordkanton“ genannt) bedarf wohl keiner Erklärung.

Auch auf der sozialen Ebene gibt es Schibboleths: richtige Wortwahl und richtiger Akzent. So lernen wir im Musical „My Fair Lady“, dass nur wer „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn“ richtig sagen konnte, sich ein Mitglied der gehobeneren Gesellschaft nennen durfte. Ganz so streng ist das heutzutage nicht mehr, aber es gibt viele Bereiche, in denen Wörter und Ausdrucksweisen nicht nur der Kommunikation, sondern auch dazu dienen, die Dazugehörenden zu erkennen und die anderen auszugrenzen.

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Die Universität als Antragsteller oder Antragstellerin?

Frage

Der Dekan ist der Antragsteller und die Dekanin die Antragstellerin. Wie verhält es sich aber mit der Universität? Ist sie Antragsteller oder Antragstellerin? Und wenn sie als Antragstellerin auftritt, was ist dann das Institut?

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

wenn ein Wort, das eigentlich eine Personenbezeichnung ist (hier: Antragsteller), sich im übertragenen Sinne auf eine weibliche Sache (hier: Universität) bezieht, kann sowohl die weibliche also auch die männliche Form der Personenbezeichnung verwendet werden:

Antragstellerin ist die Universität B. oder
Antragsteller ist die Universität B.

Andere Beispiele:

Die Firma XY ist Lieferantin dieses Produktes. oder
Die Firma XY ist Lieferant dieses Produktes.

die Stadtverwaltung als Arbeitgeberin oder
die Stadtverwaltung als Arbeitgeber

Die Geschichte ist eine Lehrmeisterin für die Zukunft. oder
Die Geschichte ist ein Lehrmeister für die Zukunft.

Klingt das nicht sehr emanzipiert? Dem ist aber leider nicht ganz so, denn das Umgekehrte gilt nämlich nicht. Wenn eine Sache männlich oder sächlich ist, kann sich nur eine männliche Personenbezeichung auf sie beziehen:

Der Antragsteller ist das Institut B.
Der Betrieb XY ist Lieferant dieser Produkte.
das Stadttheater als Arbeitgeber
Der Neid ist ein Spielverderber des Glück.

Man könnte argumentieren, dass hier auch die weiblichen Formen verwendet werden können müssten, aber das ist in der deutschen Sprache schlichtweg nicht üblich. Es wäre natürlich auch möglich, umgekehrt die Verwendung von männlichen Personenbezeichnungen für weibliche Sachen zu „verbieten“, aber das ginge wohl auch etwas zu weit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die indirekte Rede und der Konjunktiv

Frage

Ich habe eine Frage zur indirekten Rede: Wenn ich die Ausführungen im aktuellen Duden richtig verstehe, muss man in den Fällen, bei denen der eigentlich zu verwendende Konjunktiv Präsens mit dem Indikativ Präsens identisch ist, den Konjunktiv Präteritum verwenden. Stimmt das? Dieses ständige hätten stört mein Sprachgefühl, aber vielleicht liege ich da ja falsch und meine Kollegen, die das haben stört, richtig.

Beispiel:
Er sagte: „Wir haben uns getroffen.“
Er sagte, sie haben sich getroffen. ODER Er sagte, sie hätten sich getroffen.

Antwort

Sehr geehrte Frau F.,

die indirekte Rede wird mit Hilfe von zwei Mitteln ausgedrückt:

  • Konjunktiv
  • Nebensatz

In der indirekten Rede verwendet man im Prinzip den Konjunktiv I (Konjunktiv Präsens). Der Satz Er sagt: Ich habe sie getroffen“ wird dann in der indirekten Rede zu:

Er sagte, er habe sie getroffen.
Er sagte, dass er sie getroffen habe.

Der Konjunktiv gibt an, dass es sich nicht um die eigenen, sondern um die Worte von jemand anders handelt. Wenn nach Verben wie sagen, behaupten, erklären, erzählen, fragen usw. ein mit dass, ob oder einem Fragewort eingeleiteter Nebensatz folgt, kann das darin Ausgedrückte eigentlich nichts anderes als indirekte Rede sein. Deshalb ist der Konjunktiv nicht mehr unbedingt notwendig und wird in einem solchen Nebensatz auch der Indikativ verwendet:

Er sagte, dass er sie getroffen hat.

Einige strengere Grammatiker, bezeichnen die die Verwendung des Indikativs auch im Nebensatz als falsch oder umgangssprachlich. Diese Meinung teile ich nicht. In einem nicht eingeleiteten Nebensatz ist allerdings von der Verwendung des Indikativs abzuraten. Also nicht: Er sagte, er hat sie getroffen, denn das stimmt mit der direkten Rede überein: Er sagte: „Er hat sie getroffen.“

Wenn der Konjunktiv I mit dem Indikativ Präsens zusammenfällt, ist die Kennzeichnung der indirekten Rede durch den Konjunktiv nicht mehr möglich:

Nicht: Er sagte, sie haben einander getroffen

Sie müssen dann wie vom Duden angegeben auf den Konjunktiv II (oder in bestimmten Fällen auf die würde-Form) ausweichen.

Er sagte, sie hätten einander getroffen.
Er sagte, dass sie einander getroffen hätten.

Im Nebensatz ist dieses hätten allerdings nicht unbedingt notwendig, denn dort ist ja – wie oben erwähnt – auch der Indikativ möglich:

Er sagte, dass sie einander getroffen haben.

Ein weiteres Beispiel:

nicht: Sie sagten, sie verlieren die Geduld.
sondern: Sie sagten, sie verlören die Geduld
dafür gebräuchlicher: Sie sagten, sie würden die Geduld verlieren.

Oder mit einem Nebensatz:

Sie sagten, dass sie die Geduld verlören/verlieren würden.
Sie sagten, dass sie die Geduld verlieren.

Wenn Sie Ihrem Sprachgefühl folgend in solchen Fällen lieber nicht den Konjunktiv II (Konjunktiv Präteritum) oder die würde-Form verwenden, können Sie also immer erwägen, die indirekte Rede in einem Nebensatz auszudrücken.

Mehr Angaben finden Sie hier:
Indirekte Rede

insbesondere:
Indirekte Rede und Konjunktiv
Stilistische Kriterien

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wörth, Werth, Werd und Werder

Ein Kommentar mit nettem Gruß vom Wörther See hat mich an eine andere Frage erinnert:

Frage

Wovon ist eigentlich der Begriff Wörth abgeleitet? Oder was ist mit diesem Begriff eigentlich ursprünglich gemeint?

Ich habe heute im Buch „Istein und der Isteiner Klotz III“ diesen Begriff Wörth als Namensteil früherer Inseln im Alt-Rhein/Bereich Istein entdeckt. Hierzu vermute ich eine Parallele bei Nürtingen. In diesem Fall gibt es die Bezeichnung Stadion Wörth. Dieses Gelände liegt am Zusammenfluss von Neckar und Aich und könnte früher durchaus (auch) eine Insel gewesen sein.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

Sie vermuten richtig. Der Ortsname Wörth geht auf mittelhochdeutsch wert und althochdeutsch warid, werid zurück. Es bedeutete Insel, oder genauer gesagt gegen Wasser geschütztes o. schützendes Land. Im neueren Deutschen gibt es noch die auf das gleich Wort zurückgehende Nebenform Werder mit der Bedeutung Flussinsel, Niederung zwischen Flüssen und Seen. Sehen Sie hierzu den entsprechenden Eintrag „Werder“ im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.

Ortschaften mit dem Namen Wörth liegen dann auch am Wasser. So gibt es zum Beispiel ein Wörth an der Donau, an der Isar, an der Lafnitz, am Main, an der Sauer, an der Sempt und auch am Rein. Inseln mit dem Namen Wörth gibt es unter anderem in der Donau, im Schliersee, im Staffelsee und im Wörthsee. Und auch der Wörther See (oder Wörthersee) in Kärnten verdankt seinen Namen den in ihm liegenden Inseln.

Eine Variante zu Wörth ist Werth. Diesen Ortsnamen gibt es unter anderem im Münsterland, an der Ruhr, in Stolberg, in Wuppertal und als Teilname in zum Beispiel Niederwerth (Rheininsel), Beeckerwerth und Werthacker in Duisburg, Kaiserswerth in Düsseldorf, Oberwerth in Koblenz, Rolandswerth und Nonnenwerth in Remagen.

Mit d statt th findet man zum Beispiel das Obere und das Untere Werd in Wien, die Insel Werd im Bodensee und die Werdinsel in Zürich, die also genau genommen Inselinsel heißt.

Und dann gibt es, wie bereits erwähnt, auch noch die Variante Werder:

Damerower Werder, Halbinsel im Kölpinsee
Großer Werder, Halbinsel östlich von Zingst in Vorpommern
Kleine Werder, Inselgruppe östlich von Zingst in Vorpommern
Großer Werder im Liepnitzsee in Brandenburg
Elbinsel Großer Werder in Magdeburg.
Stadtwerder in Bremen

Es gibt noch viele Ortschaften, Stadtteile, Inseln, Halbinseln usw. die den Namen Wörth, Werth, Werd oder Werder tragen. Ich kann sie hier nicht alle nennen und hoffe dann auch, dass niemand beleidigt ist, weil sein oder ihr Name hier nicht erwähnt wird.

Auf den zuletzt genannten Namen, Stadtwerder, geht übrigens den Name des Sportvereins Werder Bremen zurück. Nun wissen wir also, was der Fußballclub aus Bremen mit der Werdinsel in Zürich und dem Wörther See in Kärnten gemeinsam hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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In beiderseitigem Einvernehmen oder im beiderseitigen Einvernehmen?

Frage

Wie ist die Redewendung richtig: in beiderseitigem Einvernehmen oder im beiderseitigen Einvernehmen? Die Frage ist, ob der bestimmte Artikel dem gebraucht oder nicht. Bei Google steht es 23.000 zu 12.300 für in beiderseitigem.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

Wörterbücher wie zum Beispiel Duden und DWDS, die Mehrheit der Fundstellen auf Google und mein eigenes bescheidenes Sprachgefühl sind alle für die artikellose Variante in beiderseitigem Einvernehmen. Es gibt viele mehr oder weniger feste Wendungen, bei denen ein Substantiv ohne Artikel steht. Zum Beispiel:

in freundschaftlichem Einvernehmen
in hohem Maße
mit vorzüglicher Hochachtung
zu gegebener Zeit

Mit in beiderseitigem Einvernehmen liegen Sie also immer richtig.

Trotz dieses „3:0-Sieges“ der artikellosen Variante, ist die Variante mit Artikel (im beiderseitigen Einvernehmen) nicht falsch. Sie ist grammatikalisch korrekt formuliert und sie wird auch verhältnismäßig häufig verwendet. Sie ist allerdings weniger üblich und entspricht allerdings nicht der „offiziellen“ festen Wendung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wegfallende Artikelwörter

Frage

Heißt es:

Die anhaltend dynamische Entwicklung der Gruppe ist der beste Beweis dafür, dass wir mit unserer Unternehmensstrategie, unserer ausgeprägten Kundennähe und unserer hohen Servicebereitschaft auf dem richtigen Weg sind.

oder:

Die anhaltend dynamische Entwicklung der Gruppe ist der beste Beweis dafür, dass wir mit unserer Unternehmensstrategie, ausgeprägten Kundennähe und hohen Servicebereitschaft auf dem richtigen Weg sind.

Muss das unserer jedes Mal wiederholt werden?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

das Wort unserer ist ein Artikelwort. Wiederholte Artikelwörter können im Prinzip nur dann wegfallen, wenn sie in einer Aufzählung stehen, die eine Einheit bezeichnen. Ein paar einfach Beispiele sollen die kurz erläutern.

Ich hole den Wein und den Flaschenöffner.
Nicht: Ich hole den Wein und Flaschenöffner.

Nicht etwas, dass es Probleme beim Öffnen der Flasche gäbe oder der Wein weniger gut schmecken würde, aber der zweite Satz ist so nicht richtig formuliert. Der Artikel den muss wiederholt werden, weil es sich bei Wein und Flaschenöffner um zwei unterschiedliche Einheiten handelt, die offensichtlich beide darauf bestehen, ein eigenes Artikelwort bei sich zu haben.

In anderen Situationen kann ein gemeinsames Artikelwort weggelassen werden, aber nur dann, wenn alle Elemente der Aufzählung die gleiche Person, Sache o. Ä. bezeichnen.

Ich schenke meinem Freund und meinem Nachbarn ein Glas ein.
Ich schenke meinem Freund und Nachbarn ein Glas ein.

Im ersten Fall schenkt man zwei Gläser ein, im zweiten Fall nur eines. Ein Freund und ein Nachbar sind zwei Personen. Ein Freund und Nachbar hingegen ist nur eine Person, die gleichzeitig Freund und Nachbar ist.

Im folgenden Satz ist eine solche Personalunion“ nicht möglich, außer wenn die Gentechnologie äußerst zweifelhafte Fortschritte macht. Deshalb muss das Artikelwort seine hier wiederholt werden:

Er verwöhnt seine Katze und seine Schildkröte sehr.
Nicht: Er verwöhnt seine Katze und Schildkröte sehr.

Diese Regel gilt auch in der Mehrzahl. Der Übergang zwischen einer Einheit und mehreren Einheiten ist dort allerdings oft fließender:

Sie mag die roten und die weißen Burgunderweine.
Sie mag die roten und weißen Burgunderweine.

Im ersten Satz werden die roten und die weißen Weine als separate Gruppen genannt. Im zweiten Satz werden durch das Weglassen des zweiten die alle Burgunderweine zu einer Einheit zusammengefasst (für diejenigen, die es immer ganz genau nehmen: alle Burgunderweine außer den Rosés).

Darf ich dir meine Brüder und meine Schwestern vorstellen?
Darf ich dir meine Brüder und Schwestern vorstellen?

Auch hier fasst der zweite Satz durch das Weglassen des Artikelwortes Brüder und Schwestern zu einer Einheit (Geschwister) zusammen.

Und somit sind wir endlich bei der obenstehenden Frage angelangt: Die drei mit unserer eingeleiteten Elemente im Beispielsatz bezeichnen nicht die gleiche Einheit. Es ist deshalb besser, das Artikelwort unser zu wiederholen:

Die anhaltend dynamische Entwicklung der Gruppe ist der beste Beweis dafür, dass wir mit unserer Unternehmensstrategie, unserer ausgeprägten Kundennähe und unserer hohen Servicebereitschaft auf dem richtigen Weg sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Reflektion statt Reflexion

Frage

Ich habe eine Frage zum Wort Reflektion: Mir fällt in letzter Zeit auf, dass es sehr häufig gebraucht wird im Sinne von Reflexion. Meines Wissens gibt es das Wort aber im offiziellen“ Wortschatz nicht. Oder ist mir da etwas entgangen? Ist es eine neue, spontan von reflektieren abgeleitete Wortbildung, die noch nicht in den Korpus eingegangen ist?

Anwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort Reflektion gibt es im Deutschen offiziell“ (noch?) nicht, auch wenn man ihm immer wieder begegnet. Meistens ist damit wohl Reflexion gemeint. In diesem Zusammenhang wird immer wieder der Einfluss des Englischen angeführt. Dort schreibt man tatsächlich reflection, aber mein Wörterbuch sagt mir, dass man im britischen Englisch auch reflexion schreibt. Bei der Aussprache macht das im Englischen übrigens nichts aus. Davon ausgehend, dass das amerikanische Englisch die Welt regiert und dass englisches …ection vielfach deutschem …ektion entspricht, kann man diesen Einfluss sicher nicht ausschließen.

Es gibt aber auch einen Erklärungsversuch, der ohne das Englische auskommt. Ganz unbegreiflich ist diese Wortbildung nämlich nicht, denn Reflektion liegt doch eindeutig näher bei reflektieren als Reflexion. Außerdem gibt es auch noch die Direktion, die Erektion, die Inspektion, die Interjektion, die Kollektion, die Projektion, die Protektion, die Selektion usw. Das sind alles Wörter, die irgendwie von Verben abgeleitet sind und ebenfalls auf …ektion enden. Wie viele Wörter gibt es dahingegen schon, die auf …exion enden? Wenige: Annexion, Flexion, Komplexion (und ein paar davon abgeleitete Wörter). Es sind auch nicht gerade die am häufigsten vorkommenden Wörter. Als Sprachwissenschaftler hab ich zwar öfter mit der Flexion (= Beugung) zu tun, aber im Allgemeinen ist dies kein allzu häufig verwendeter Begriff. Ich begegne ihm übrigens hin und  wieder in der Form Flektion. Ohne Kenntnisse des lateinischen Ursprungs der Wörter reflektieren (reflectere) und Reflexion (reflexio) kommt man nie darauf, wie das zu reflektieren gehörende Substantiv heißen muss. In Analogie mit den vielen anderen Wörtern auf …ektion ist dann Reflektion eigentlich viel naheliegender.

Ich weiß nicht, ob das Wort Reflektion jeweils aus dem Englischen übernommen wird oder ob es ganz unabhängig davon als Analogiebildung innerhalb des Deutschen entsteht. Wahrscheinlich haben beide Phänomene einen einander verstärkenden Einfluss. Zurzeit sollte man die Verwender von Reflektion noch vorsichtig darauf hinweisen, dass Reflexion besser wäre. Aber wer weiß, vielleicht ist das englisch-deutsche Verschwörerpaar so stark, dass Reflexion einmal von seinem Thron als offizieller Alleinherrscher gestoßen werden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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