Die Universität als Antragsteller oder Antragstellerin?

Frage

Der Dekan ist der Antragsteller und die Dekanin die Antragstellerin. Wie verhält es sich aber mit der Universität? Ist sie Antragsteller oder Antragstellerin? Und wenn sie als Antragstellerin auftritt, was ist dann das Institut?

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

wenn ein Wort, das eigentlich eine Personenbezeichnung ist (hier: Antragsteller), sich im übertragenen Sinne auf eine weibliche Sache (hier: Universität) bezieht, kann sowohl die weibliche also auch die männliche Form der Personenbezeichnung verwendet werden:

Antragstellerin ist die Universität B. oder
Antragsteller ist die Universität B.

Andere Beispiele:

Die Firma XY ist Lieferantin dieses Produktes. oder
Die Firma XY ist Lieferant dieses Produktes.

die Stadtverwaltung als Arbeitgeberin oder
die Stadtverwaltung als Arbeitgeber

Die Geschichte ist eine Lehrmeisterin für die Zukunft. oder
Die Geschichte ist ein Lehrmeister für die Zukunft.

Klingt das nicht sehr emanzipiert? Dem ist aber leider nicht ganz so, denn das Umgekehrte gilt nämlich nicht. Wenn eine Sache männlich oder sächlich ist, kann sich nur eine männliche Personenbezeichung auf sie beziehen:

Der Antragsteller ist das Institut B.
Der Betrieb XY ist Lieferant dieser Produkte.
das Stadttheater als Arbeitgeber
Der Neid ist ein Spielverderber des Glück.

Man könnte argumentieren, dass hier auch die weiblichen Formen verwendet werden können müssten, aber das ist in der deutschen Sprache schlichtweg nicht üblich. Es wäre natürlich auch möglich, umgekehrt die Verwendung von männlichen Personenbezeichnungen für weibliche Sachen zu „verbieten“, aber das ginge wohl auch etwas zu weit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

3 Kommentare

  1. Andreas schreibt:

    Mai 22, 2008 um 14:20

    Die Universität als Antragstellerin sucht um einen Zuschuss an.
    (Hier sind „Universität“ u. „Antragstellerin“ Nominativ)

    Mir als langjährigem Lieferanten ihres Betriebes ist der Zwischenfall sehr unangenehm.
    (Hier sind „Mir“ u. „langjährigem Lieferanten“ Dativ)

    Ich halte den Herrn Dr. X (Akk.) als Präsidenten (Akk.) für sehr dipolomatisch.

    Wie aber lautet die mittels „als“ gewissermaßen gleichgeschaltete Version im Genitiv?

    Die Fähigkeiten des Dirigenten (Gen.) als großen Musikers (?) sind sehr beachtlich.

    Oder geht das schlicht nicht?

    MfG

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 22, 2008 um 14:58

    Wenn sich die mit als eingeleitete Wortgruppe auf eine Genitivattribut bezieht, verwendet man meistens den Nominativ:

    Die Fähigkeit des Dirigenten als großer Musiker sind sehr beachtlich.
    Die Fähigkeiten der Dirigentin als große Musikerin sind sehr beachtlich.
    Die Fähigkeiten der Dirigenten als große Musiker sind sehr beachtlich.

    Der Genitiv ist ebenfalls möglich, aber – außer wenn die Wortgruppe mit einem Artikel steht – nicht mehr üblich:

    Die Fähigkeiten des Dirigenten als großen Musikers sind beachtlich.
    Die Fähigkeiten der Dirigentin als großer Musikerin sind beachtlich.
    Die Fähigkeiten der Dirigenten als großer Musiker sind sehr beachtlich.

    Ohne begleitendes flektiertes Wort ist nur der Nominativ üblich:

    Die Fähigkeiten des Dirigenten als Musiker sind sehr beachtlich.
    Die Fähigkeiten der Dirigentin als Musikerin sind sehr beachtlich.
    Die Fähigkeiten der Dirigenten als Musiker sind sehr beachtlich.

  3. Fragen Sie Dr. Bopp! » Die Polizei, dein(e) Freund(in) und Helfer(in) schreibt:

    September 26, 2008 um 15:58

    […] Zu diesem Thema gibt es übrigens einen früheren Blogeintrag. […]