Archiv für Februar, 2009

Steche oder stich dich nicht!

Frage

Es ist nirgendwo nachzulesen, wie der folgende Satz geschrieben wird: „Stich dich nicht!“ oder „Steche dich nicht!“? Es wäre sehr nett, wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Es gab nämlich deswegen schon sehr viele Diskussionen.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

richtig ist:

Stich dich nicht!

Es handelt sich hier um eine Befehlsform (einen Imperativ). Bei einer Gruppe von unregelmäßigen Verben wechselt der Selbstlaut im Stamm von e zu i, wenn sie in der Befehlsform der Einzahl stehen. Zum Beispiel:

brechen  –  brich!
essen  –  iss!
helfen  –  hilf!
lesen  –  lies!
nehmen  –  nimm!

und eben

stechen – stich!

Es sind dies die gleichen Verben, bei denen es auch in der zweiten und dritten Person Einzahl der Gegenwart (Indikativ Präsens) zu einem solchen e/i-Wechsel kommt:

brechen  –  du brichst er bricht
essen  –  du isst, er isst
helfen  –  du hilfst, er hilft
lesen  –  du liest, er liest
nehmen  –  du nimmst, er nimmt
stechen du stichst, er sticht

Man hört zwar hin und wieder Befehlsformen wie steche!, helfe!, lese! und benehme dich! (es ist also nicht sehr erstaunlich, dass es bei Ihnen zu Diskussionen kommt ), aber diese Formen gelten im Standarddeutschen als nicht korrekt.

Eine vollständige Liste dieser Verben finden Sie hier. Sie müssen aber nicht die ganze Liste auswendig lernen. Es gibt zumindest für Muttersprachige eine viel einfachere Regel: Wenn in der Gegenwart die ich-Form einen e-Laut und die du-Form einen i-Laut hat, hat auch die Befehlsform der Einzahl diesen i-Laut:

ich steche/du stichst  –  stich!
ich lese/du liest  –  lies!
ich nehme/du nimmst  –  nimm!
ich zersteche/du zerstichst  –  zerstich!
ich lese vor/du liest vor  –  lies vor!
ich empfehle/du empfiehlst  –  empfiehl!

Unsere deutsche Sprache wäre aber unsere deutsche Sprache nicht, wenn es nicht auch hier eine Ausnahm gäbe:

ich werde/du wirst – werde!

Aber das sollte man sich merken können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine Million Menschen kam oder kamen?

Frage

Unser Professor erwähnte in seinem Vortrag, dass die Formulierung Eine Million Menschen kamen zu XY falsch sei, da das Verb durch eine Million in der Einzahl stehen müsse. Ist das korrekt, oder gilt die Regel, dass das Subjekt im Plural steht und darum auch das Verb im Plural stehen muss?

Antwort

Guten Tag M.,

in der Mengenangabe eine Million Menschen ist das Substantiv Million der Kern der Wortgruppe, der durch das Attribut Menschen näher bestimmt wird. Rein formal hat ihr Professor deshalb recht, wenn er sagt, dass bei einem solchen Subjekt das Verb in der Einzahl stehen müsse.

Eine Million Menschen kam zu diesem Anlass.
Ein Pfund Nudeln reicht nicht.
Eine Anzahl teure Designerbrillen wurde gestohlen.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Das Verb wird oft nicht formal der Maßbezeichnung (dem Wortgruppenkern) sondern sinngemäß dem Gemessenen (dem Attribut) angeglichen. Dies geschieht bei Maßbezeichnungen in der Einzahl  mit einem Attribut in der Mehrzahl:   

Eine Million Menschen kamen zu diesem Anlass.
Ein Pfund Nudeln reichen nicht.
Eine Anzahl teure Designerbrillen wurden gestohlen.

Ihr Professor hat also nicht ganz recht. Nach eine Million Menschen kann das Verb auch in der Mehrzahl stehen. Strengere Grammatiker finden oder fanden die Mehrzahl hier zwar nicht korrekt, aber nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und zum Beispiel auch der Dudengrammatik ist sowohl eine Million Menschen kam als auch eine Million Menschen kamen korrekt. Sehen Sie hierzu auch diese Seite in Canoo.net.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Vom Verbreitungsgebiet des Emus und dem Gehege der Gnus

Gestern war ich wieder einmal im Zoo. Ein Tiergarten im Winter hat ja auch so seine Reize. Abgesehen davon, dass viele schreiende Kinder ihr Schreien zurzeit nicht dort, sondern auf Skiliften und Skipisten zum Besten geben, sind bei kaltem Nordwind für mich die geheizten Tierhäuser einer dieser Reize. Das nennt sich dann „geheheizt spazieren gehen“. Als ein solcher „Kälteflüchter“ habe mich dann auch darüber gewundert, welche Tiere trotz Kälte draußen anzutreffen sind. Bei Eisbären, Schneeleoparden und Steinböcken erstaunt einen das ja nicht. Diese Tiere sind sozusagen dafür geschaffen. Löwen, Zebras und Flamingos hingegen sind für mich eindeutig in flimmernder Hitze zu Hause und sollten deshalb tiefe Temperaturen nicht ertragen oder zumindest nicht ausstehen können. Ich habe mich wieder einmal eines Besseren belehren lassen müssen: Die Löwen lagen, die Zebras trotteten und die Flamingos standen einfach draußen herum, Leztere sogar mit den Füßen im Wasser!

Sprachlich oder besser gesagt orthografisch gesehen fiel mir positiv auf, dass der Tiergarten, in dem ich war, nicht von der „Apostrophitis“ befallen ist. An Orten mit exotischen Tieren gibt es nämlich viele auf a, i, o oder u endende Wörter. Bei den Vögeln findet man zum Beispiel die Aras, die Emus, die Flamingos, die Kolibris, die Marabus und die Nandus (die Uhus sind ja keine Exoten). Auch bei den Huftieren gibt es viele solche Namen: z. B. die Gnus, die Impalas, die Kudus, die Lamas, die Vikunjas und die Zebras. Andere Beispiele aus anderen Tiergattungen sind die Capybaras, die Gorillas, die Kängurus, die Pandas, aber auch die Boas und die Geckos.

Unter „Apostrophitis“ ist die Tendenz zu verstehen, bei solchen Wörtern vor dem s des Genitivs oder dem s der Mehrzahl einen Apostroph zu verwenden. Das ist nach den geltenden Rechtschreibregeln falsch, sogar bei ganz kurzen Wörtern wie Ara, Emu und Gnu. Also:

Richtig Falsch
das Verbreitungsgebiet des Emus   das Verbreitungsgebiet des Emu’s
das Federkleid des Aras das Federkleid des Ara’s
das Futter der Flamingos das Futter der Flamingo’s
das Gehege der Gnus das Gehege der Gnu’s

Und genau so wird das in „meinem“ Zoo auch getan. Alle Schilder, Beschriftungen und Hinweistafeln sind perfekt apostrophfrei. Da soll also keiner behaupten, ich hätte immer nur etwas zu bemängeln.

Gerne hätte ich auch etwas über meine Lieblingstiere geschrieben, aber die geben in dieser Hinsicht nichts her: Giraffen und Seekühe schreibt auch während des schlimmsten Apostrophitisanfalls niemand mit Apostroph.

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In keinster Weise

Frage

In „keinster Weise“, sehr geehrter Herr Dr. Bopp, glaube ich Sie zu überfordern, wenn ich frage ob kein so steigerbar ist, wie es im z.B. Deutschen Bundestag oft gesteigert wird.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Wort kein hat im Prinzip keine Steigerungsformen. Im Standarddeutschen kann man deshalb nur sagen in keiner Weise. In der Umgangssprache – und offenbar auch im Bundestag – hört man allerdings oft die nachdrücklichere Form in keinster Weise. Im Standarddeutschen sollte man diese Form höchstens bewusst scherzhaft übertreibend verwenden, denn sie gilt dort allgemein als nicht korrekt. Irgendwie klingt die Wendung in keinster Weise auch etwas gar gewichtig. Das könnte ihre häufigere Verwendung in Debatten im Bundestag erklären …

Wenn man es mit Nachdruck sagen will, sagt man wohl besser in gar keiner Weise oder ganz schlicht und einfach überhaupt nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Woher kommt der Adamsapfel?

Frage

Wer führte Adamsapfel ins Deutsche ein?

Antwort

Sehr geehrte Frau A.,

beim Adamsapfel handelt es sich um „den hervorspringenden und tastbaren Abschnitt des Schildknorpels (Cartilago thyroidea) des Kehlkopfs“. Wie die meisten Wörter, wurde auch das Wort Adamsapfel nicht durch eine Person ins Deutsche eingeführt. Es geht auf Volkslegenden zurück, nach denen Adam ein Stück der verbotenen Frucht im Hals stecken geblieben sein soll. Als Erinnerung an die Erbsünde sei dies bei Männern in der Form des Adamsapfels noch zu sehen.

Das Wort gibt es nicht nur im Deutschen:

lateinisch: pomum Adami
englisch: Adam’s apple
schwedisch: adamsäpple
französisch: pomme d’Adam
italienisch: pomo d’Adamo

Auch auf z. B. Polnisch, Russisch und Griechisch nennt man ihn so. Es ist also ein seit langem im gesamten europäischen Raum verbreitetes Wort. Wie und wo genau dieses Wort und seine Deutung entstanden sind, ist ungewiss.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Snowboard und Skibrett, Gleitbrett fahren und snöben

Da sich dieser Winter hartnäckiger zeigt, als mir eigentlich lieb wäre (aber Mitte Februar darf man ja noch nicht klagen), schreibe ich nach dem letztwöchigen Thema Skifahren heute etwas über Snowboard und snowboarden. Zuerst geht es um die Beugung, dann um die Wortwahl.

Wie alle im Deutschen verwendeten Verben muss sich auch snowboarden den deutschen Beugungsregeln beugen: Man nimmt die Grundform (den Infinitiv) des Verbs, schneidet -en ab und hängt die regelmäßigen deutschen Verbendungen an:

ich snowboarde, du snowboardest, er snowboardet, …
ich snowboardete, du snowboardetes, er snowboardete, …
die snowboardenden Massen

Dies gilt auch für das Partizip Perfekt, das übrigens sowohl mit sein als auch mit haben verwendet wird:

ich bin/habe gesnowboardet

Die Form gesnowboarded ist falsch, auch wenn die Endung -ed so schön zu einem englischen Verbstamm zu passen scheint. Alle Wortformen von snowboarden finden Sie hier.

Die Ableitung des Verbs snowboarden von einem Substantiv wie Snowboard folgt einer ganz normalen deutschen Wortbildungsregel, mit der unter vielen andern auch so schöne Wörter wie ehrgeizen, fuhrwerken, kuhhandeln, ohrfeigen, schauspielern und schulmeistern gebildet wurden. Auch die Wörter für Leute, die sich auf einem Snowboard fortbewegen, werden mit deutschen Endungen gebildet: Snowboarder und Snowboarderinnen wie zum Beipspiel Rodler und Rodlerinnen oder Eisläufer und Eisläuferinnen.

Beugung und Wortbildung folgen also ganz deutschen Mustern, auch wenn das Wort sehr englisch anmutet und es (ursprünglich) natürlich auch ist. Man kann sich aber die Frage stellen, ob es sich hier nicht um einen „unnötigen“ und „hässlichen“ Anglizismus handelt, den man besser durch ein deutsches Wort ersetzt. Aber welches?

Nicht in Frage kommt wohl die wörtliche Übersetzung Schneebrett. Dieses Wort hat bereits eine andere Bedeutung: Ein Schneebrett ist eine bestimmte Lawinenart. Wenn von Schneebrettgefahr die Rede ist, heißt das nicht, dass man sich vor rasenden Snowboardern in Acht nehmen soll, sondern dass man sich nicht abseits der freigegebenen Pisten bewegen sollte. Andere Vorschläge macht der Verein Deutsche Sprache e.V. in seinem Anglizismenindex: Skibrett oder Gleitbrett für Snowboard und Skibrett/Gleitbrett fahren oder schneebrettern für snowboarden.

Beim Wort Gleitbrett kann ich kurz sein, denn für mich klingt es irgendwie einfach nach Bügelbrett. Können Sie sich vorstellen, dass ein sich selbst respektierender, auch nur einigermaßen szenen- und modebewusster Snowboarder jemals von sich sagen wird, er sei ein Gleitbrettfahrer? Welche sportliche junge Frau wird sich je freiwillig als Gleibrettfahrerin bezeichnen?

Dann hat das Wort Skibrett doch die besseren Karten. Es beschreibt, was das Ding ist, es klingt nicht allzu verstaubt und man kann problemlos alle benötigten Wörter davon ableiten: Skibrett fahren, Skibrettfahrer, Skibrettfahrerin, Skibrettweltmeisterschaft usw. Da ich das Wort aber noch fast nie gehört oder gelesen habe, scheint es vorläufig doch nicht packend genug zu sein, um das Snowboard verdrängen zu können.

Ganz besonders gefällt mir der Vorschlag schneebrettern. Das klingt so „fetzig“, dass ich es ab sofort, allerdings eher scherzend als seriös, anstelle von snowboarden verwenden möchte. Am allerbesten gefällt mir aber das auf den Pisten der deutschsprachigen Schweiz gängige Verb snöben! Das ist eine Wortschöpfung, die es verdient, in den restlichen deutschen Sprachraum exportiert zu werden.

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Ein solcher guter, solch ein guter, ein solch guter

Nachdem ich kürzlich darauf hinweisen konnte, dass einem das Wort jeder manchmal eine recht große Freiheit lässt, folgen ein paar Hinweise zu einem anderen Wort, das noch „flexibler“ ist: solcher.

Frage

Heißt es:

Einen solchen guten Freund hätte ich auch gerne.
Einen solch guten Freund hätte ich auch gerne.
Solch einen guten Freund hätte ich auch gerne.
Einen so guten Freund hätte ich auch gerne.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

alle Sätze sind korrekt. Es gibt aber kleine Bedeutungsunterschiede. Bei „zählbaren“ Substantiven verwendet man solch- meistens mit dem unbestimmten Artikel ein. Er kann dann vor dem gebeugten solch- oder nach der ungebeugten Form solch stehen:

einen solchen guten Freund 
solch einen guten Freund

Es gibt hier keinen wirklichen Bedeutungsunterschied. In beiden Fällen ist einen guten Freund wie diesen gemeint. Dann gibt es noch die Möglichkeit, die ungebeugte Form direkt vor einem Adjektiv zu verwenden:

einen solch guten Freund 

Und hier kommt dann der kleine Bedeutungsunterschied zum Zug. Diese Formulierung bedeutet nämlich: einen derart/so guten Freund. Wenn man die vier Wendungen in Ihrer Frage nimmt, gibt es also diese Entsprechungen:

ein solcher guter Freund = solch ein guter Freund
und
ein solch guter Freund = ein so guter Freund

Das ist aber noch nicht alles. Bei nicht zählbaren Substantiven gibt es sogar noch die Möglichkeit, den Artikel wegzulassen:

solche große Freude = eine solche große Freude = solch eine große Freude
und
solch große Freude = eine solch große Freude = [eine] so große Freude

Diese Angaben finden Sie auch auf dieser Grammatikseite. Zum Glück hilft einem auch hier meistens das Sprachgefühl, denn sonst könnte man bei solcher/solch einer/einer solchen Variantenvielfalt ganz unsicher werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp 

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Branntwein, Weinbrand und Quittenwasser

Frage

Gemeinsam mit Freunden habe ich einen Schnaps aus Quitten hergestellt. Bei der Gestaltung des notwendigen Etikettes kam die Frage auf, ob es sich um Quittenbrand oder um Quittenbrannt handelt. Ich kenne zwar Branntwein aber keinen Weinbrannt.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

auf dem Etikett sollte stehen:

Quittenbrand

Branntwein ist ein altes Wort, das irgendwann in früher Zeit aus einer Zusammenziehung der mittelhochdeutschen Wörter [ge]brannt[er] und wîn (= Wein) entstanden ist. Das Wort wurde früher übrigens auch im Wortinnern gebeugt. So ruft zum Beispiel bei Schiller der Räuber Roller, übrigens aus auch heute noch gut verständlichen Gründen, nämlich nach seiner Rettung vom Galgen: „Gebt mir ein Glas Branntenwein!“ (Schiller, Die Räuber, 2. Akt, 3. Szene).

Mit Branntwein bezeichnet man heute ganz allgemein eine durch Brennen (Destillation) hergestellte alkoholhaltige Flüssigkeit. Ursprünglich war es aber ein Brand (ein Destillat) aus Wein. Ein solches Destillat aus Wein nennt und schreibt man entsprechend Weinbrand. Ebenso: Aprikosenbrand, Heidelbeerbrand, Kirschbrand, Pflaumenbrand, Zwetschgenbrand usw.

Für die Obstbrände gibt es übrigens auch einen Namen auf -wasser, der mir in seiner verhüllenden Art auch ganz gut gefällt: Aprikosenwasser, Heidelbeerwasser, Zwetschgenwasser oder eben:

Quittenwasser

Mit freundlichen Grüßen und – wenn dann die Zeit des Kostens gekommen sein wird – zum Wohl!

Dr. Bopp

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Ski fahren und Skifahren

In Val d’Isère streiten die Skifahrerinnen und Skifahrer zurzeit gerade um die Weltmeistertitel in der Abfahrt, im Super-G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Superkombination. Vier verschiedene Arten (plus eine Kombination), auf zwei langen Latten den Hang hinunterzugleiten: da sage mir keiner, Skifahren sei einfach Skifahren! Der Februar ist auch der Monat des Skiurlaubs. Die Staus in Richtung Wintersportgebiete halten sich zwar noch in Grenzen (die Holländer sind noch nicht unterwegs), aber auch dieses Jahr – Krise hin oder her – werden sich Unzählige wieder auf den Weg machen, um sich eine Woche lang Skier und Snowboards unterzubinden und je nach Lust und Wesensart eher Tiroler Knödeln und Käsefondue oder vor allem dem feuchtfröhlichen Après-Ski zu frönen.

Das heutige Thema ist also das Skifahren. Wenn es um meine Skikünste geht, kann ich mich kurzfassen: Ich komme irgendwie, meist sogar ohne zu stürzen, den Hang hinunter, aber nur schon beim Anblick von Welcup-Abfahrtspisten packt mich kaltes Grauen, und wenn mir Zehnjährige elegant um die Ohren sausen, muss ich blanken Neid unterdrücken. Dass ich weiß, wann man Ski fahren und wann Skifahren schreibt, ist dann natürlich ein äußerst schwacher Trost. Es ist auch nicht allzu spannend. Deshalb nur kurz:

Im Prinzip schreibt man Ski fahren (wie Rad fahren und Auto fahren) getrennt:

Ich fahre Ski.
…, dass ich unheimlich gut Ski fahre.
…, dass ich nicht so gut Ski fahren kann.
Ich bin gestern den ganzen Tag Ski gefahren.
Wohin fährt fahrt ihr, um Ski zu fahren?

Wenn man aber das Skifahren meint, das heißt die Handlung als Substantiv verwendet, schreibt man zusammen:

Das Skifahren gefällt mir gut.
Er hat sich beim Skifahren das Bein gebrochen.
Ich freue mich aufs Skifahren.
Wohin fährt fahrt ihr zum Skifahren?

Dann gibt es auch noch die Formulierungen, bei denen man nicht entscheiden kann, ob es sich um einen verbalen Ausdruck oder um ein Substantiv handelt. Zum Beispiel (Regel):

Ist snowboarden populärer als Ski fahren?
Ist Snowboarden populärer als Skifahren?

Das war noch nicht alles: Neben Ski kann man auch Schi schreiben und statt Ski fahren kann man auch Ski laufen sagen. Ob sie nun Ski fahren, Schi fahren, Ski laufen oder Schi laufen, seien Sie vorsichtig und brechen Sie sich nichts!

PS: Auch über das Snowboarden gäbe es einiges zu sagen, doch das kommt vielleicht ein andermal.

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Patienten jedes/jeden/eines jeden Alters?

Frage

Ich bin mir bei der folgenden Formulierung nicht sicher: Heißt es Patienten jeden Alters können davon profitieren oder Patienten jedes Alters oder Patienten eines jeden Alters?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

es mag vielleicht erstaunen, aber das Deutsche lässt uns hier wieder einmal eine unerwartet große Freiheit. Alle Formulierungen sind korrekt:

Patienten jedes Alters
Patienten jeden Alters
Patienten eines jeden Alters

Im Genitiv kann nämlich statt jedes auch jeden verwendet werden, wenn das nachfolgende Nomen eine eindeutige Genitivform mit der Endung s oder es hat.

der Traum jedes oder jeden Kindes
der Auschluss jedes oder jeden Risikos

Aber nur:

im Leben jedes Menschen

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Neben jeder wird auch die Wendung ein jeder verwendet. Sie gehört eher zum gehobenen Sprachgebrauch. Im Genitiv wird nach eines nur die Form jeden verwendet:

der Traum eines jeden Kindes
der Ausschluss eines jeden Risikos
im Leben eines jeden Menschen

Wenn Sie noch mehr zu jeder wissen möchten, klicken Sie einfach hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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