Archiv für März, 2009

Straßennamen

Frage

Wann schreibe ich –str. zusammen, und wann – Str. getrennt? Und wann kommt ein Bindestrich dazu und wann nicht? Gelten diese Regeln dann auch für Alleen, Wege und Chausseen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln schreibt man Straßennamen grundsätzlich gleich wie „gewöhnliche“ Zusammensetzungen:

Im Prinzip zusammen:

Bahnhofstraße
Goethestraße
Fleischergasse
Langgasse
Eichenweg
Donauallee    

Ist der erste Teil ein gebeugtes Adjektiv, schreibt man den Namen getrennt und das Adjektiv groß:

Breite Straße
Lange Gasse
Neue Gasse

Man schreibt ebenfalls getrennt, wenn der erste Teil ein mit -er von einem geographischen Namen abgeleitetes unveränderliches Adjektiv ist:

Bielefelder Straße
Innsbrucker Straße
Königsberger Allee
Berliner Chaussee
(aber: Hannoverstraße)

Bindestriche werden dann verwendet, wenn der erste Teil aus einer Wortgruppe wie zum Beispiel einem mehrteiligen Eigennamen besteht:

Heinrich-Heine-Straße
Van-Gogh-Straße
Heinrich-von-Kleist-Weg
General-Guisan-Quai

ABER: Dies sind die allgemeinen Regeln. Im konkreten Fall weichen Ortschaften und Städte von diesen Regeln ab. So schreibt man in der Schweiz Genferstrasse und Baslerstrasse statt Genfer Straße und Baseler Straße, und auch in Österreich findet man des Öfteren die Schreibung Innsbruckerstraße statt der amtlich empfohlenen Schreibung Innsbrucker Straße. Diese lokal festgelegten Schreibweisen gehen den amtlichen Rechtschreibregeln vor!

Abgekürzt wird genau gleich. Also zum Beispiel:

Bahnhofstr.
Breite Str.
Bielefelder Str.
Heinrich-Heine-Str.

Noch viel mehr Informationen zur Schreibung von Eigennamen finden sie auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Bis nächstes Ostern oder bis nächste Ostern?

Frage

Ich stehe wieder vor einem kleinen Rätsel:

Wenn Sie das Marmorieren oder die Serviettentechnik noch nicht beherrschen, können Sie sich mit Stickern und Abziehbildchen helfen und die beiden Techniken bis zum nächsten Ostern lernen

Diese Formulierung behagt mir aber nicht. Ich würde entweder schreiben bis zum nächsten Osterfest oder bis nächste Ostern. Bei der letzteren Variante bin ich jedoch unsicher.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wie Sie mit dem Wort Ostern umgehen, scheint davon abhängig zu sein, woher Sie kommen oder wo Sie sind. Im südlichen deutschen Sprachraum ist Ostern ein Pluralwort. In Nord- und Mitteldeutschland ist es ein sächliches Singularwort. Sie schreiben also je nachdem:

bis nächste Ostern
bis nächstes Ostern

Die etwas schwerfälligen Formulierungen bis zu den nächsten Ostern und bis zum nächsten Ostern sind ebenfalls möglich. Was immer Sie auch wählen, ein Teil der Leserschaft wird sich über die Formulierung wundern. Wenn nicht der Süden den Kopf schüttelt, dann ist der Norden unzufrieden. Deshalb empfehle ich Ihnen, den Satz anders zu formulieren, wenn Sie den gesamten deutschen Sprachraum ansprechen wollen:

bis dieses Jahr Ostern bzw. bis nächstes Jahr Ostern
bis zum nächsten Osterfest

Ganz Ähnliches gilt auch für Pfingsten und Weihnachten.

Wenn es wie jetzt gar nicht mehr so lange dauert, kann man auch einfach sagen:

bis Ostern

So zum Beispiel in der folgenden Gewissensfrage: Gelingt es Ihnen, den je nach Region und Größe des Geschäfts zentner- bis tonnenweise angebotenen Süßigkeiten in Eiform bis Ostern zu widerstehen? Ich gestehe: Es ist mir nicht gelungen. Die kleinen Schokoladeneier mit Fondant- und Haselnussfüllung und die Nougateier schmecken einfach zu gut! Ich versuche allerdings, mich der Tradition und meiner Gesundheit zuliebe bis Ostern einigermaßen zurückzuhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Vorbereitung für/zu/auf etwas

Frage

Heißt es Die Vorbereitungen für dieses große Ereignis laufen oder die Vorbereitungen zu diesem großen Ereignis oder vielleicht sogar die Vorbereitungen auf dieses große Ereignis?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

nach Vorbereitung kann sowohl für als auch auf folgen. Welche dieser Präpositionen man verwendet, hängt davon ab, was genau vorbereitet wird:

Vorbereitung(en) für etwas = etwas vorbereiten
Vorbereitung auf etwas = sich/jemanden in Hinblick auf etwas vorbereiten

Vorbereitungen für das Fest = Handlungen, die das Fest vorbereiten
Vorbereitung auf das Fest = sich/jemanden in Hinblick auf das Fest vorbereiten

Es ist also nicht dasselbe, ob sie von einer Vorbereitung für das große Ereignis oder einer Vorbereitung auf das große Ereignis sprechen. Im ersten Fall geht es vielleicht darum, einen Saal zu mieten und Einladungen zu verschicken, im zweiten Fall sind eher Handlungen wie ein Besuch beim Friseur oder – bei Sängern und großen Rednern – Stimmübungen gemeint.

Diese Verwendungen gehen aber ineinander über, so dass man oft keine strenge Trennlinie zwischen Vorbereitung für und Vorbereitung auf ziehen kann. So kann die Anschaffung einer passenden Garderobe sowohl als eine Vorbereitung für als auch als eine Vorbereitung auf die Teilnahme an einem großen gesellschaftlichen Ereignis gesehen werden. Das gilt für den Opernball genauso wie für die Kiddie-Party. In Ihrem Beispiel würde ich empfehlen: Die Vorbereitungen für das große Ereignis laufen.

Auch Vorbereitung(en) zu wird verwendet. Es hat etwa die gleiche Bedeutung wie Vorbereitung(en) für. Sie können also auch sagen: Die Vorbereitungen zum großen Ereignis laufen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Zu unserer vollsten Zufriedenheit

Frage

In der Zeugnissprache taucht immer wieder die Formulierung auf: „… erledigte die Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit“. Das mag inzwischen eine Standardformulierung für einen sehr guten Mitarbeiter sein, drückt aber auch eine gewisse Respektlosigkeit vor der Logik und auch der deutschen Sprache aus. Behelfsweise nutze ich Formulierungen wie zu unserer höchsten Zufriedenheit. Nicht undankbar wäre ich für weitere Alternativvorschläge, vor allem solchen, die eine Leistung als „1a“ bewerten ohne zugleich allzu schwülstig zu sein.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Formulierung zur vollsten Zufriedenheit ist zwar umstritten, aber eindeutig.

stets zu unserer vollsten Zufriedenheit = Note 1
stets zu unserer vollen Zufriedenheit = Note 2
zu unserer vollen Zufriedenheit = Note 3
usw.

Da diese „Benotung“ in Arbeitszeugnissen sehr wenig mit Logik, dafür sehr viel mit verhüllendem Sprachgebrauch zu tun hat, finde ich die Form vollste in diesem Zusammenhang nicht störend. Sie ist Teil einer unter Eingeweihten verwendeten „Geheimsprache“. So muss man zum Beispiel auch wissen, dass jemand, der sich bemühte, ein Versager auf der ganzen Linie war. Ob mir diese „Geheimsprache“ als Ganzes gefällt, ist eine ganz andere Frage.

Es gibt natürlich viele andere mögliche Formulierungen wie zum Beispiel:

stets zu unserer höchsten Zufriedenheit
waren wir äußerst zufrieden

Ich wage es aber nicht, diese oder andere Formulierungen zu empfehlen. Dafür kenne ich die „Geheimsprache“, das heißt die Regeln und Gepflogenheiten der zuständigen Chefs und Manager beim Verfassen von Arbeitszeugnissen, nicht gut genug. Jede Hinzufügung oder Weglassung kann ganz unerwartete Bedeutungsveränderungen bewirken. So liegt die Beurteilung stets zu unserer vollen Zufriedenheit ohne das Wörtchen stets eine ganze Note tiefer (siehe oben). Etwas, das in der Allgemeinsprache positiv klingt, kann in Arbeitszeugnissen ganz anders gemeint sein. Wie bereits erwähnt: Wer sich bemüht, taugt nichts.

Sie können sich deshalb mit dieser Frage besser an Verfasser und Beurteiler von Arbeitszeugnissen als an einen Sprachler wenden. Bei diesem Thema bin ich leider nicht „vom Fach“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kamuff(el)

Frage

Woher stammt das alte berndeutsche Wort Kamuff und was bedeutedet es?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

das Wort Kamuff im Sinne von Dummkopf kommt nicht nur im Berndeutschen, sondern auch in anderen Dialekten vor. Eine Variante, Kamuffel, hat es sogar in deutsche Wörterbücher geschafft (zum Beispiel Duden, Wahrig und Canoo.net). Bei der Herkunft des Wortes scheiden sich allerdings die Geister:

Eine Herkunftserklärung sagt, dass Kamuff früher Halunke, Schuft bedeutete und auf das ältere italienische Wort camuffo (Betrüger, Halunke) zurückgehe. Eine andere Erklärung sagt, Kamuff sei eine verhüllende Form von Kamel. Es ist gut möglich, dass beide Erklärungen etwas Wahres an sich haben. Das Wort könnte aus dem Italienischen stammen und durch seine Ähnlichkeit mit Kamel die heutige Bedeutung und die recht weite Verbreitung erhalten haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Liter Benzin kostet einen Euro und zwanzig Cent.

Frage

Im Radio hörte ich vor kurzem Folgendes: „Der Liter Benzin kostet heute einen Euro und 20 Cent.“ Meine Frage dazu: Heißt es wirklich kostet EINEN Euro, oder ist kostet EIN Euro richtig? Ich tendiere zu Letzterem, aber mein Bekannter ist der festen Meinung, das Radio habe richtig gesprochen. Was sagen Sie?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

in der Standardsprache verlangt das Verb kosten den Akkusativ. Etwas kostet einen Euro, einen Euro und zwanzig Cent, einen Euro dreißig, einen Franken sechzig Rappen, einen Dollar, einen Rubel und fünfzig Kopeken usw. Ihr Bekannter und die Radiostimme haben also recht.

Eher umgangssprachlich gibt es noch eine andere Variante: „Der Liter Bezin kostet heute eins zwanzig.“ Das geht aber nur, wenn nach eins ein Centbetrag (in der Schweiz ein Rappenbetrag) folgt und die Währungseinheit nicht genannt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Zum Verb kosten gab es schon einmal einen Blogeintrag.

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Die Anzahl Sekunden seit Mitternacht

Frage

Das Wort Mitternacht wird ja im allgemeinen ohne Artikel verwendet: Es ist Mitternacht. Wenn ich jetzt aber den Sachverhalt die Anzahl Sekunden, die vergangen ist, seit es das letzte Mal Mitternacht war verkürzt ausdrücken möchte, komme ich nicht umhin, einen Artikel zu benutzen: die Anzahl Sekunden seit der letzten Mitternacht. Der Artikel hört sich hier fehl am Platze an. Eine Formulierung wie die Anzahl Sekunden seit Mitternacht lässt aber meiner Meinung nach eine Interpretation bzgl. dessen zu, „welche“ Mitternacht gemeint ist. Daher halte ich die Konkretisierung letzte Mitternacht für notwendig.

Außerdem habe ich mal gehört, dass Deutsch sich besonders gut als Wissenschaftssprache eignet, weil in ihr Sachverhalte sehr exakt ausgedrückt werden können, wobei andere Sprachen, wie Englisch oder Russisch eine vergleichbare Eindeutigkeit entweder gar nicht erreichen, oder nur durch umständliche und lange Formulierungen.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

es ist mir auch schon zu Ohren gekommen, dass das Deutsche besonders gut für wissenschaftliche und technische Beschreibungen geeignet sei. Ich kann das aber einfach nicht so recht glauben, denn auch das Deutsche besteht wie andere Sprachen aus viel mehr Mehrdeutigkeiten und „Ungenauigkeiten“ als präzise definierten Begriffen und Relationen. Außerdem waren das Russische und das Englische doch wissenschaftlich genug, um eine Technik hervorzubringen, mit der Menschen in den Weltraum geschickt werden können. Auch in Frankreich, im Land, das man mit Chic und guter Küche, aber (zu Unrecht!) nicht mit Wissenschaft assoziiert, fuhren zum Beispiel die TGVs um einiges früher als in deutschen Landen die ICEs. Der deutsche Sprachraum hat ebenfalls viele technische und wissenschaftliche Leistungen hervorgebracht, aber ob dabei die Struktur der Sprache einen Vorteil gegenüber anderen geliefert hat, wage ich zu bezweifeln.

Zu Ihrer Frage: Das Wort Mitternacht wird im Prinzip ohne Artikelwort verwendet. Eine Formulierung wie letzte Mitternacht klingt deshalb ungewöhnlich, aber ausgeschlossen ist sie nicht. Wendungen wie die Anzahl Sekunden seit letzter Mitternacht oder die Anzahl Sekunden seit der letzten Mitternacht sind jedenfalls gut verständlich.

Aber auch die Formulierung die Anzahl Sekunden seit Mitternacht finde ich eigentlich präzise genug. Kaum jemand nimmt wohl an, dass damit Mitternacht vor zwei oder drei Tagen gemeint sein könnte. Mathematisch-logisch ist das natürlich möglich, aber im konkreten Sprachgebrauch – auch unter Technikern und Wissenschaftlern; nur bei Juristen wäre ich da vorsichtiger – eher eine Spitzfindigkeit. Außerdem gibt die Anzahl der Sekunden an, ab „welcher“ Mitternacht gemessen worden ist. Wenn es weniger als 86.400 Sekunden sind, kann es sich nur um die letzte Mitternacht gehandelt haben. Aber wenn Sie wirklich präzise formulieren wollen, gibt es Möglichkeiten wie diese:

die Anzahl Sekunden seit der letzten Mitternacht
die Anzahl Sekunden seit 00.00 Uhr des betreffenden Tages

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Steuern – zahlen, lenken, unterstützen

Gestern saß ich ein paar Stunden lang auf der Autobahn am Steuer. Heute habe ich damit angefangen, das zu durchwühlen, was man mit einem großen Wort meine „finanzielle Administration“ nennen könnte. Eine mir zurzeit noch völlig unverständliche Steuerrechnung harrt nämlich seit einiger Zeit der Bezahlung. Ich bin zwar kein leidenschaftlicher Autofahrer, aber ich drehe doch lieber am Lenkrad, als dass ich mich um Steuerangelegenheiten kümmere. Bei Letzterem will bei mir einfach keine richtige Freude und Begeisterung aufkommen. Deshalb werde ich jetzt zuerst einmal typisches Flucht- und Verdrängungsverhalten zeigen, indem ich mich statt um die Steuern um die folgende, mich plötzlich brennend interessierende Frage kümmere: Was haben die Steuer und das Steuer miteinander zu tun?

Der genaue Zusammenhang zwischen den beiden Wörtern scheint nicht vollständig geklärt zu sein. Beide sollen etwas mit Stütze, Stützpfahl, Unterstützung zu tun haben. Im Fall von das Steuer könnte das die Stange gewesen sein, mit der Boote in untiefem Wasser vorwärtsgestoßen und gelenkt wurden. Bei die Steuer ging es um eine – offenbar unterstützende – Geldabgabe, die im Mittelhochdeutschen auch die heutige Bedeutung erhielt. Man findet ältere Bedeutungen noch in die Aussteuer (Heiratsgut) und etwas beisteuern (einen Beitrag leisten). Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass sich zwei Wörter von einem gemeinsamen Ursprung zu Bezeichnungen für so unterschiedliche Begriffe wie Steuerrad und Abgabe an den Staat entwickeln können.

Ich hatte ganz am Anfang gehofft, auf einen direkteren Zusammenhang zu stoßen, nämlich dass man mit den Steuern, die man zahlt, das Staatsschiff steuert. Aber vielleicht ist es ja ganz gut, dass dem nicht so ist. Frei nach dem Motto „Wer zahlt, befiehlt“ hätte das dann ja bedeutet, dass man sich (noch mehr als jetzt) den Einfluss auf die Gemeinschaft erkauft. Geben wir uns also damit zufrieden, dass wir unsere Länder mit den Steuern zwar nicht steuern, dafür aber unterstützen!

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Wie sagt man via E-Mail?

Frage

Man liest heute häufig via Internet, via E-Mail. Wie ist die Aussprache von via? Welche ist gebräuchlicher? Englische oder deutsche: [vaiə] oder [vi:a]?

Antwort

Guten Tag C.,

das Wörtchen via gab es schon vor dem Internetzeitalter. Es bedeutet über, durch:

Wir sind via Paris nach Tunis geflogen.
Sie versuchten, den Streik via Gerichtsbeschluss zu verbieten.

Es kommt nicht aus dem Englischen, sondern auch dem Lateinischen (Ablativ von via = Weg). Es wird in der Regel deutsch ausgesprochen: [‚vi:a]. Dies gilt auch vor Wörtern wie E-Mail, Internet oder iPhone. Wenn das Wörtchen via in einem deutschen Zusammenhang englisch ausgesprochen wird, hat das meist etwas mit – wie sage ich denn das jetzt diplomatisch – Unkenntnis oder Wichtigtun zu tun. Sehen Sie auch diese Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Heißer Durst

Der Frühling lässt immer noch auf sich warten. Das mag zwar Hamburger auf Skiern freuen (in HH haben nämlich gerade die Ferien angefangen), aber mich und vielleicht auch einige von Ihnen reißt die Hartnäckigkeit dieses Winters nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin. Darum geht es heute um eine Frage, die zumindest indirekt etwas mit Wärme zu tun hat.

Frage

Heute sagte ein Freund: „Nach dem Schwimmen habe ich mir eine Flasche Ananassaft gekauft und direkt leer getrunken. So einen Heißdurst hatte ich.“ Ich stutzte. Heißhunger, ja, das kannte ich. Aber wo kommt der Begriff her? Und gibt es einen äquivalenten Begriff für einen ähnlichen Durst?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

nach den Angaben im historischen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (Eingabe „heisz“) zu schließen kommt das Heiß- in Heißhunger ganz einfach vom Adjektiv heiß. Von der wörtlichen Hitze über die innerliche Hitze (vgl. zum Beispiel heißes Blut, heißes Verlangen, etwas heiß ersehnen) wurde heiß ein verstärkendes Element bei Hunger UND Durst. Früher sprach man von heißem Hunger und von heißem Durst. Im heutigen Deutschen sind nur noch Heißhunger und heißhungrig gebräuchlich. Wenn man großen Durst hat, sind andere Ausdrücke üblich. Neben dem wenig spektakulären Riesendurst sind dies zum Beispiel Höllendurst und Mordsdurst. Es würde mich auch gar nicht erstaunen, wenn im deutschen Sprachraum noch eine ganze Palette anderer Wörter für dieses Phänomen zu finden wäre.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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