Archiv für März, 2009

Willkommen „zu“ meiner Webseite?

Frage

In letzter Zeit fällt mir immer öfter das Wort zu im Zusammenhang mit willkommen auf. Heißt es tatsächlich willkommen zu meiner Webseite? Und heißt es willkommen bei der Eröffnung oder auf der Eröffnung? Wann benutze ich auf, bei oder zu und gibt es dazu eine Regel?

Antwort

Sehr geehrte Frau O.,

auch meine Ohren stören sich an der Formulierung willkommen zu meiner Webseite. Woran könnte das liegen? Eine genaue Regel zu dieser Frage kenne ich nicht, aber im Allgemeinen kann ich die folgenden Tendenzen beobachten:

Wenn man an einem Ort willkommen geheißen wird, wählt man die Präposition, die man bei der betreffenden Ortsbezeichnung auf die Frage wo? verwendet:

willkommen in Innsbruck (wo? – in Innsbruck)
willkommen auf dem Reiterhof
willkommen am Niederrhein
willkommen bei Canoo
Seid hoch willkommen unter meinem Dach! (Schiller: Willhelm Tell, 1. Akt, 4. Szene)

Man wählt zu, wenn man jemanden zu einem Geschehen, einem Ereignis u. Ä. willkommen heißt:

willkommen zur Eröffnung der Ausstellung
willkommen zur Konferenz
willkommen zum 60. ordentlichen Kreisparteitag
willkommen zu unserem Gartenfest

Hier sind auch andere Formulierungen möglich. Zum Beispiel:

willkommen bei der Eröffnung der Ausstellung
willkommen bei der Konferenz
willkommen auf unserem Gartenfest

Formulierungen wie die folgenden klingen deshalb nicht richtig, weil es sich nicht um ein Ereignis oder Geschehen, sondern (im weiteren Sinne) um einen Ort handelt:

willkommen zu meiner Webseite
willkommen zur Homepage der Familie X
willkommen zur Firma Y
willkommen zum Hotel California

Viel besser klingt:

willkommen auf meiner Webseite
willkommen auf der Hompage der Familie X
willkommen bei der Firma Y
willkommen im Hotel California

Das gilt auch dann, wenn die Homepage dynamisch so gut durchdesignt ist, dass sich alles auf ihr irgendwie bewegt. Es gilt auch trotz der Tatsache, dass die Eagles singen „Welcome to the Hotel California“. Letzteres soll nur ein leiser Hinweis darauf sein, dass viele der weniger gut klingenden willkommen zu dem Einfluss des Englischen zuzuschreiben sein könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Hin und her schieben oder hin- und herschieben?

Frage

Ich habe wieder einmal eine Frage, zu der ich keine eindeutige Klärung finden konnte.

Eine Bindehautentzündung kündigt sich durch Jucken, Reiben, Brennen und ein gerötetes Auge an, wobei ein Gefühl entsteht, als würden bei jedem Lidschlag Sandkörner hin und her geschoben.

Oder schreibt man hier hin- und hergeschoben?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

ob Sie hin und her schieben oder hin- und herschieben schreiben, hängt davon ab, was genau gemeint ist. Man schreibt hin und her getrennt vom Verb, wenn es ohne bestimmte Richtung, kreuz und quer bedeutet. Es kann dann durch herum- ersetzt werden. Man schreibt hin- und her…, wenn damit eine Bewegung an einen bestimmten Ort und zurück gemeint ist:

hin und her fahren = ziellos herumfahren
hin- und herfahren = hin- und zurückfahren

hin und her schieben = herumschieben
hin- und herschieben = hinschieben und zurückschieben

Hier ist im Prinzip beides möglich (bei einem Lidschlag gibt es ja eine Bewegung hin und zurück), aber es ist wohl eher gemeint, dass die Sandkörner im Auge herumgeschoben werden. Deshalb:

…, als würden bei jedem Lidschlag Sandkörner hin und her geschoben.

Man kann also einen Schrank im ganzen Zimmer hin und her schieben und ihn dabei dreimal zwischen der Tür und dem Sofa hin- und herschieben. Das ist aber innenarchitektonisch sehr ineffizient und rechtschreiblich ziemlich spitzfindig.

Auch im übertragenen Sinne schreibt man hin und her getrennt vom Verb:

hin und her reden = reden, ohne zu einem Ergebnis zu kommen
hin und her überlegen = alle Aspekte berücksichtigend überlegen

Weitere Beispiele finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Hundertdrei im Nenner

Frage

Wie werden eigentlich Brüche ausgesprochen bzw. in Worten geschrieben, deren Nenner 103 lautet? Wenn die Bruchzahlen von den Ordinalzahlen abgeleitet werden, müsste es beispielsweise ein Hundertdrittel (1/103) lauten, oder? Andererseits heißt es aber auch ein Hunderteintel (1/101).

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

der Nenner in Bruchzahlen wird von der entsprechenden Ordinalzahl (Ordnungszahl) abgeleitet. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn ein Ganzes als Bruchzahl ausgedrückt wird, sagt man Eintel: ein Eintel, zwei Eintel usw. Diese Ausnahme gilt auch für andere Zahlenwerte, die auf -eins enden. Bei allen anderen Zahlen gilt die allgemeine Regel. Daraus ergibt sich:

erste || ein Eintel
zweite – ein Zweitel
dritte – ein Drittel
vierte – ein Viertel
zwanzigste – ein Zwanzigstel
einundzwanzigste – ein Einundzwanzigstel
usw.

hunderterste || ein Hunderteintel
hundertzweite – ein Hundertzweitel
hundertdritte – ein Hundertdrittel
hundertvierte – ein Hundertviertel
usw.

tausenderste || ein Tausendeintel
tausendzweite – ein Tausendzweitel
tausenddritte – ein Tausenddrittel
tausendvierte – ein Tausendviertel
usw

Der Grund, weshalb man diese Formen nicht in Wörterbüchern findet, ist wohl, dass Wendungen wie „ein Hunderteintel der Gesamtmenge“ oder „ein hundertdrittel Gramm“ kaum je im wirklichen Sprachgebrauch vorkommen.

Den Witz, dass mir einhundert Viertelliter Wein lieber sind als ein hundertviertel Liter Wein, wollte ich hier eigentlich nicht wiederholen, aber manchmal kann ich es eben einfach nicht lassen. Ich bitte Sie um Nachsicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Angaben zur Groß- und Kleinschreibung von Bruchzahlen finden Sie hier.

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