Archiv für April, 2009

Sprachliche „Ismen“

Frage

Gibt es für die französische Sprache einen Begriff ähnlich dem Anglizismus? Frankozismus?

Antwort

Guten Tag M.,

von Anglizismen ist ja seit einer geraumen Weile an vielen Orten die Rede. Manch einer und manch eine verdammen sie als Wegbereiter oder gar Ursache des Untergangs der deutschen Sprache. Viele andere sehen das glücklicherweise etwas nuancierter. Dieser Streit gegen die „Überflutung“ der deutschen Sprache durch Fremdwörter ist, wie viele von Ihnen wahrscheinlich schon wissen, nicht der erste, der geführt wird. In früheren Jahrhunderten ging es aber nicht um Anglizismen, sondern vor allem um Wörter und Wendungen aus dem Französischen. Während es heute in ist, englische Ausdrücke zum Besten zu geben, war es früher en vogue, sich mit aus dem Französischen Entlehntem zu schmücken. Solche Lehnwörter werden Gallizismen genannt (obwohl sie im Grunde genommen recht wenig mit den früheren Einwohnern Frankreichs, den Galliern, zu tun haben).

Ich möchte hier auf keinen Fall die Frage diskutieren, wie „verurteilenswert“ oder gar „schädlich“ der Einfluss von (zu) vielen fremden „Ismen“ ist. Diese Diskussion wurde und wird an anderer Stelle schon zur Genüge geführt. Es geht mir hier nur um Fachwörter wie Anglizismus und Gallizismus. (Ich kann es in diesem Zusammenhang aber doch nicht lassen, wieder einmal leicht hämisch darauf hinzuweisen, dass sich selten jemand über die vielen Latinismen und Gräzismen, eine Art Lehnwörter aus den „Bildungssprachen“ Lateinisch und Griechisch, aufregt …).

Welche sprachlichen „Ismen“ gibt es also? Die Anglizismen und Gallizismen wurden bereits erwähnt. Zu den in unseren Breiten wichtigen alten Sprachen wurden auch schon der Latinismus und der Gräzismus genannt. Rund um den deutschen Sprachraum herum gibt es noch eine ganze Reihe von Fremdsprachen, die einen mehr oder weniger großen Einfluss gehabt haben:

Italianismen
Rätoromanismen
Slowenismen
Ungarismen (o. Hungarismen o. Magyarismen)
Slowakismen
Bohemismen (o. Tschechismen)
Sorbismen
Polonismen
Danizismen
Friesismen
Batavismen (o. Niederlandismen)
Belgizismen (eigentl. nur im Niederländischen u. Französischen)

Nicht von direkten Nachbarn, aber von anderen wichtigeren Fremdwortlieferanten stammen zum Beispiel:

Arabismen
Hispanismen (aus dem Spanischen)
Russizismen
Amerikanismen (aus dem amerikanischen Englischen)

Mit dem letzten Wort sind wir bei einer anderen Art von „Sprach-Ismen“ angelangt: Wörter und Ausdrücke aus einer Variante einer Sprache. Wenn es aus dem Deutschen kommt, ist es ein Germanismus. Davon gibt es aber noch geografische, dialektale oder landestypische Varianten:

Austriazismen (aus Österreich)
Helvetismen (aus der Schweiz, gibt es also auch auf Französisch und Italienisch!)
Bavarismen (aus dem Bayerischen)
Schwabismen (aus dem Schwäbischen)
Palatinismen (aus dem Pfälzischen)
usw.

Zum Schluss noch ein heiteres Worteraten: Wissen Sie zu welchen Sprachen die folgenden Ausdrücke gehören?

Fennizismen
Sinismen
Turzismen

und als Bonusfrage:

Lusitanismen

Vor allem den letzten Ausdruck muss man kennen, sonst errrät man ihn wohl kaum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*****

Antworten: Finnisch, Chinesisch, Türkisch, Portugiesisch (die römische Provinz, die einen großen Teil des heutigen Portugals umfasste, hieß Lusitania).

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Geht man über oder durch die Bahnschranke?

Frage

Ich rufe Sie heute um Hilfe an, weil ich mit einer Lebenssituation nicht fertig werde. Sie passierte mir heute schon wieder und ich weiß nicht, ob ich die richtige Präposition gewählt habe. Evtl. habe ich die Bahnschrankenwärterin auch in eine tiefe Präpositions-Sinn-Krise gestürzt.

Ich war heute mit dem Fahrrad unterwegs, wunderschöne Tour am Mittellandkanal entlang, und stand dann irgendwann wieder vor (m)einer Bahnschranke, die sich nach Betätigung einer Sprechtaste öffnet, sofern kein Zug in unmittelbarer Nähe ist.

Mein Satz lautete: „… ich möchte durch die Schranke.“ Ist das richtig? Hätte ich sagen müssen: „… ich möchte über die Schranke“? Wenn die Bahnschranke hochgezogen ist, gehe ich darunter hindurch. Aber das traute ich mich nun wirklich nicht zu sagen.

Welche Präposition ist in diesem Fall richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

da ich annehme, dass Sie nicht mehr vor der geschlossenen Schranke stehen, kann ich Ihnen bestätigen, dass Sie diese Lebenssituation ausgezeichnet gemeistert haben, ganz gleich, welche Präposition Sie dabei benutzt haben. Ich nehme weiter an, dass die Bahnschrankenwärterin durch die Präposition durch in keinerlei Krise gestürzt wurde. Sie wird diese Präposition schon des Öfteren gehört haben.

Ihre Zweifel entstehen dadurch, dass Sie eigentlich weder über noch durch die Schranke wollen. Sie möchten auch nicht unter ihr hindurch. Sie wollen, dass die Schranke geöffnet wird, damit Sie über die Gleise gehen können. Die wirklich korrekte Frage wäre also:

Könnten Sie bitte die Schranke öffnen? Ich möchte den Bahnübergang benutzen.

Aber auch wenn Sie durch die Schranke sagen, werden Sie im Alltagsleben alle – außer ein paar Spaßvögeln oder Sprachpuristen – ausgezeichnet verstehen, ohne sich zu wundern. Standardsprachlich würde ich diese Form allerdings nicht empfehlen. Die Verwendung von über oder unter ist auf allen Sprachebenen zweifelhaft, denn es ist nicht nur verboten, sondern auch lebensgefährlich, über eine Bahnschranke zu klettern oder unter ihr hindurchzukriechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Umfrage

Ausnahmsweise möchte ich Sie einmal dazu einladen, an einer Umfrage teilzunehmen, die nichts mit Canoo.net zu tun hat. Es geht um das Projekt einiger Studenten der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin, die ein Konzept für ein Magazin für Sprachkultur und Berufskommunikation erarbeitet haben und dieses jetzt realisieren möchten. Lesen Sie hier ihr Anliegen:

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WEIL WIR SPRACHE LIEBEN!

Hinweis für alle Sprachverliebten

txt.hype, das werdende Magazin für Sprachkultur, sucht Menschen, welche mit Ihrer Liebe zur Sprache einem gleichsam verliebten Magazin auf die Beine helfen wollen. Das Ganze braucht nur 10 bis 15 Minuten Zeit und trägt dazu bei, dass aus einer studentischen Idee ein Leseerlebnis erster Güte wird und Ihr Euch als potenzielle Leser eines Tages dort wiederfindet.

Wir würden uns sehr über Eure Meinungen und Minuten freuen!

Zur Umfrage: http://ww3.unipark.de/uc/txthype/

Vielen Dank im Voraus an alle Teilnehmer!

Göran Hielscher
http://www.txthype.de

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Wie sehen Anführungszeichen aus?

Frage

Leider habe ich vergessen, wie Anführungszeichen in deutschen Texten zu setzen sind. Bei Ihren Rechtschreibregeln ist dazu auch nichts zu finden.

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.
oder
Das Musical “Rocky Horror Picture Show? ist echt der Hammer.

Vielleicht ist das Beispiel jetzt nicht so gut, weil es ein Eigenname ist, aber mir fällt gerade nichts besseres ein. Schön wäre es, wenn Sie dann auch die Regeln um das Thema ergänzen könnten.

Antwort

Guten Tag T.,

auf Canoo.net finden Sie zurzeit „nur“ Angaben zur Rechtschreibung. Das bedeutet für die Satzzeichen, dass wir angeben, welche Satzzeichen man setzen muss, aber nicht, wie diese Satzzeichen aussehen müssen. Dazu macht auch die amtliche Rechtschreibregelung keine Angaben.

Ob Sie die Anführungszeichen „so“ oder „so“ oder anders schreiben, ist eine Frage der Typografie. Dazu gibt es verschiedene, im Prinzip unverbindliche Regelungen. Angaben dazu finden Sie zum Beispiel hier.

In Deutschland und Österreich sind diese Varianten üblich:

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.
Das Musical »Rocky Horror Picture Show« ist echt der Hammer.

In der Schweiz und in Liechtenstein werden im Allgemeinen diese beiden Varianten verwendet:

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.
Das Musical «Rocky Horror Picture Show» ist echt der Hammer.

Die Zeichen „“ werden im Prinzip nur dann verwendet, wenn die anderen Zeichen nicht zur Verfügung stehen:

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.

Da diese typografischen Regeln nicht verbindlich sind und man die „-Zeichen am schnellsten getippt hat, verwende ich sie oft zum Beispiel in E-Mails (aber nicht in Briefen u. Ä.).

Wir planen, auf Canoo.net auch Angaben zu typografischen Fragen anzubieten. Da die Regelungen und Empfehlungen zum Teil recht widersprüchlich sein können, ist dies aber nicht ganz unproblematisch und entsprechend aufwendig.  Es könnte also leider noch ein Weilchen dauern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Angaben dazu, wann man Anführungszeichen setzen muss, finden Sie hier.

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Tulpen, Türkisch und Turbane

Tulpen werden zwar wie Erdbeeren fast das ganze Jahr über irgendwo zum Verkauf angeboten, aber die richtige Tulpenzeit ist doch der Frühling. Sie blühen nun auch vielerorts in Parks und Gärten. Tulpen, das weiß jeder, kommen aus Holland. Doch woher kommt ihr Name?

Das Wort Tulpe ist nicht niederländischen Ursprungs. Es scheint dort zwar eine Art Bierglas zu geben, das tulp heißt und eine tulpenähnliche Form hat, aber das Glas verdankt seinen Namen der Blume, nicht umgekehrt. Das Wort Tulpe ist wie die Blume aus der Türkei zu den Holländern und zu uns gekommen: tülbent. Früher hieß die Blume im Deutschen Tulipan(e) (vgl. italienisch tulipano). Mit der Zeit wurde der Namen zu Tulpe verkürzt.

Gegen Ende des 16. Jahrunderts wurde Holland ein Zentrum der Tulpenzucht. Tulpenzwiebeln waren zuerst ein Hobby und dann ein Spekulationsobjekt für reiche Handelsunternehmer. Das führte zu einer richtigen Tulpenmanie, bei der jeder noch größere Profite erzielen wollte. Diese Rage endete – wen wundert das zurzeit? – in einem heftigen Vorläufer der heutigen Bankenkrise. Erst viel später begann in den Niederlanden dank guter klimatischer und Bodenverhältnisse die „Massenproduktion“ der Tulpe, die sie zusammen mit Holzschuhen und Windmühlen zu einem unentbehrlichen Teil des holländischen Klischeebildes werden ließ. Doch ich schweife wieder einmal ab.

Das Wort Tulpe hatte nämlich noch eine kleine Überraschung für mich bereit. Es ist mit Turban verwandt. Das türkische Wort tülbent bedeutete eigentlich Turbantuch, Turban. Es stammte aus dem Persischen und wurde auch für die Tulpe verwendet, weil man ihre Form offenbar mit einem Turban verglich. Mit etwas Phantasie ist das sogar nachvollziehbar. Der Wechsel von lb (Tulban[d]) zu rb (Turban) fand zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert statt. (Er hat übrigens nichts mit einem umgekehrten Kalauer über die chinesische Aussprache des r zu tun.) Tulpe und Turban: Ist es nicht erstaunlich, wie ein Wort sich über eine Bedeutungsunterscheidung zu zwei so unterschiedlichen Formen entwickeln konnte?

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Eher wie eine Katze als wie ein Hund aussehen

Frage

Stimmt dieser Satz: „Er sieht eher aus wie eine Katze als wie ein Hund.“? Mir ist leider kein besseres Beispiel eingefallen, aber mich interessiert eigentlich nur, ob als wie richtig ist oder ob es anders geschrieben werden muss.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

der Satz ist richtig:

Er sieht eher aus wie eine Katze als wie ein Hund.

Der so bezeichnete Hund wird sich, sofern er es versteht, zwar beleidigt fühlen, aber grammatisch ist die Aussage korrekt. Das Vergleichswort als kann auch vor wie stehen, wenn mit einer mit wie anfangenden Wortgruppe verglichen wird:

Er benimmt sich eher wie ein Rüpel als wie ein Gentleman.
Du solltest besser ganz ruhig als wie ein Formel-1-Pilot fahren.

Dies gilt auch für als vor als:

Sie sieht sich eher als Performerin als als klassische Schauspielerin.
Man verdient als Chef mehr als als Hilfsarbeiter.

Hier kann zur Vermeidung von doppeltem als auf denn ausgewichen werden:

Sie sieht sich eher als Performerin denn als klassische Schauspielerin.

Das ist aber nicht zwingend. In meinen Ohren klingt es auch ein bisschen veraltet oder sehr gehoben. Wenn einen das doppelte als stört, kann man oft auch einfach eine andere Formulierung verwenden. Zum Beispiel:

Ein Chef verdient mehr als ein Hilfsarbeiter.

Standardsprachlich nicht korrekt ist es allerdings, das Vergleichswort als durch wie zu ersetzen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Torten und die Rechtschreibung

Ganz unpassend zur Zeit nach Ostern – wenn man wieder einmal zu viel gegessen und genascht hat und sich deshalb vielleicht etwas zurückhalten sollte – eine Frage zur Benennung von Torten:

Frage

Ich arbeite in einer Bäckerei und habe Probleme mit zusammengesetzten Wörtern. Wie schreibt man es richtig? Himbeerkäsesahnetorte oder Himbeerkäsesahne-Torte? Schwarzwälderkirschtorte? Schokoquarktorte?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

Namen von Torten schreiben Sie gleich wie andere zusammengesetzte Wörter, nämlich im Prinzip zusammen:

Himbeerkäsesahnetorte
Schokoquarktorte
Aprikosentorte
Dipolmaten Diplomatentorte
Schwedentorte
Sachertorte
Blaubeereistorte

Auch sonst gelten die gleichen Regeln wie für „gewöhnliche“ Zusammensetzungen. Wenn der Name lang oder kompliziert ist, können zur Verdeutlichung auch Bindestriche verwendet werden:

Himbeer-Käsesahnetorte (Käsesahnetorte mit Himbeeren)
Blaubeer-Eistorte (Eistorte mit Blaubeeren)

Dies gilt insbesondere, wenn verschiedene Zutaten im Namen genannt werden:

Zwetschgen-Nuss-Torte (Torte mit Zwetschgen und Nüssen)
Erdbeer-Kokos-Torte (Torte mit Erdbeeren und Kokos)
Buttermilch-Pfirsich-Torte (Torte mit Buttermilch und Pfirsichen)
Lauch-Schinken-Torte (Torte mit Lauch und Schinken; Die Regeln gelten auch für Salziges!)

Häufig kann die gleiche Torte unterschiedlich geschrieben werden. Dann können Sie selber entscheiden, was Ihnen besser gefällt:

Erdbeer-Mascarponetorte (Mascarponetorte mit Erdbeeren)
Erdbeer- Mascarpone-Torte (Torte mit Erdbeeren und Mascarpone)

Spezialfall mit Bindestrichen, wenn ein Teil des Tortennamens sonst getrennt geschrieben wird:

Crème-brûlée-Torte (Torte mit Crème brûlée)
Rote-Grütze-Torte (Torte mit roter Grütze)
Piña-Colada-Torte (Torte mit/wie Piña Colada)

Getrennt schreibt man Tortennamen, die ein gebeugtes Adjektiv enthalten:

Amerikanische Käsetorte
Römische Erdbeertorte
Cremige Nusstorte
Gebackene Quarktorte

Die gilt auch, wenn ein mit -er von einem geografischen Namen abgeleitetes Wort verwendet wird:

Schwarzwälder Kirschtorte
Augsburger Apfeltorte
Engadiner Nusstorte

Ebenfalls getrennt schreibt man, wenn die genauere Angabe hinter der Torte steht:

Torte mit Himbeergrütze
Torte Napoleon
Torte Hawaii
Torte Schöne Helene

Auch für Tortenbäcker und -bäckerinnen hat die Rechtschreibung also ihre Feinheiten. Doch bevor Sie gleich den Teigschaber ins Mehl werfen: Es ist weniger kompliziert, als es auf den ersten Blick aussieht. Und wenn Sie einmal einen Bindestrich zu viel oder zu wenig verwenden oder ein Leerzeichen steht, wo keines stehen sollte, wird Ihnen das kaum jemand übelnehmen. Man sollte auch als Konditor oder als Bäckerin der Rechtschreibung nicht allzu viel Gewalt antun, doch es ist immer, aber auch wirklich immer viel wichtiger, wie eine Torte schmeckt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kirschblüte zu Ostern

Das Wetter ist so schön, dass man gar nicht zum Schreiben kommt! Außerdem habe ich soeben einen wunderbar weiß blühenden japanischen Kirschbaumgarten unter leuchtend blauem Himmel gesehen. Erstaunlicherweise strahlt die Szene trotz etlicher (meist fotografierender) Besucher eine heitere Ruhe aus. Sie lässt sich aber eigentlich nicht mit Worten beschreiben.

Deshalb versuche ich es auch gar nicht und beschränke mich darauf, Ihnen ganz schöne Ostertage zu wünschen.

Dr. Bopp


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GmbHs oder GmbHen? Die Mehrzahl von Abkürzungen

Frage

Mich beschäftigt schon seit geraumer Zeit eine Frage, die Sie mir hoffentlich beantworten können: Wie wird der Plural von Abkürzungen gebildet?

Es ist sehr oft zu hören, dass an die Abkürzung ein s gehängt wird wie z.B. GmbHs. Wenn man das Wort nun komplett ausschreiben bzw. -sprechen würde, dann wird man feststellen, dass das s irgendwie fehl am Platz ist. Demnach müsste es bei diesem Wort ja eigentlich GmbHen heißen. Diese Regelung trifft dann aber auch nicht auf alle Abkürzungen zu. Wie wäre dann nämlich der Plural von z.B. Demo? Gibt es dafür überhaupt eine Regelung?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

es gibt keine allgemeingültige Regel, wie Abkürzungen gebeugt werden. Die Pluralformen von Abkürzungen werden nicht von den Wörtern bestimmt, für die sie stehen. Bei GmbH müsste die Mehrzahl dann ja ganz genau genommen nicht GmbHen, sondern GenbH heißen. Es sind ja Gesellschaften mit beschränkter Haftung und nicht etwa Gesellschaft mit beschränkten Haftungen.

Die meisten Abkürzungen haben die Neigung, den Plural und (wenn sie männlich oder sächlich sind) den Genitiv mit der Endung s zu bilden. Zum Beispiel:

die WGs (Wohngemeinschaften)
die GmbHs (Gesellschaften mit beschränkter Haftung)

Dies gilt auch für viele Kurzwörter:

die Krimis (Kriminalromane)
die Demos (Demonstrationen)

Die Tendenz zur Pluralbildung mit s ist am stärksten bei

  • Abkürzungswörtern: Unis, Krimis, Demos, Loks
  • weiblichen Abkürzungen: WGs, GmbHs, LPs, CDs

Bei weiblichen Abkürzungen ist die Tendenz, ein Plural-s zu verwenden, wahrscheinlich so stark, weil dadurch die Mehrzahl von der Einzahl unterschieden werden kann: die AG – die AGs. Bei männlichen und sächlichen Abkürzungen ist dieser Unterschied dank des Artikels im Prinzip auch ohne Endung deutlich: das KKW – die KKW.

Sächliche und männliche Abkürzungen bilden den Genitiv Singular und den Plural sowohl mit s als auch ohne s. Je gebräuchlicher eine Abkürzung ist, desto stärker ist im Allgemeinen (vor allem im Plural) die Tendenz zur Endung s:

des KKWs oder des KKW
die KKWs oder die KKW

des PCs oder des PC
die PCs oder (selten) die PC

Man kann also sagen, dass das geschriebene und gesprochene s bei zum Beispiel die GmbHs und die PCs eine im Deutschen allgemein übliche und akzeptierte Form der Pluralbildung bei Abkürzungen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Kein Apostroph!!! Siehe hier.

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TOP?

Nachdem ich vor kurzem so stolz auf meine detektivischen Fähigkeiten war, muss ich gestehen, dass ich bei dieser Frage zu keinem Ergebnis gekommen bin. Vielleicht kennt ein freundlicher Leser oder eine freundliche Leserin die Antwort und ist so nett, dies J. und mir mitzuteilen.

Frage

In Wien wohne ich in TOP 15. Ich merke, dass in Wien neben jeder Haustürklingel steht das Wort ‘TOP,’ und es muss voll bedeuten „Haustürnummer“ bzw. „Apartment-Nummer“. Woher kommt das Wort? Ist es eine Abkürzung?

Antwort

Guten Tag J.,

TOP steht vor allem in österreichischen Adressen tatsächlich für Türnummer oder Wohnungsnummer. Zum Beispiel:

Herzog-Friedrich-Straße 15, TOP 3

Wofür die Abkürzung TOP genau steht oder ob es überhaupt eine Abkürzung ist, konnte ich leider nicht herausfinden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)