GmbHs oder GmbHen? Die Mehrzahl von Abkürzungen

Frage

Mich beschäftigt schon seit geraumer Zeit eine Frage, die Sie mir hoffentlich beantworten können: Wie wird der Plural von Abkürzungen gebildet?

Es ist sehr oft zu hören, dass an die Abkürzung ein s gehängt wird wie z.B. GmbHs. Wenn man das Wort nun komplett ausschreiben bzw. -sprechen würde, dann wird man feststellen, dass das s irgendwie fehl am Platz ist. Demnach müsste es bei diesem Wort ja eigentlich GmbHen heißen. Diese Regelung trifft dann aber auch nicht auf alle Abkürzungen zu. Wie wäre dann nämlich der Plural von z.B. Demo? Gibt es dafür überhaupt eine Regelung?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

es gibt keine allgemeingültige Regel, wie Abkürzungen gebeugt werden. Die Pluralformen von Abkürzungen werden nicht von den Wörtern bestimmt, für die sie stehen. Bei GmbH müsste die Mehrzahl dann ja ganz genau genommen nicht GmbHen, sondern GenbH heißen. Es sind ja Gesellschaften mit beschränkter Haftung und nicht etwa Gesellschaft mit beschränkten Haftungen.

Die meisten Abkürzungen haben die Neigung, den Plural und (wenn sie männlich oder sächlich sind) den Genitiv mit der Endung s zu bilden. Zum Beispiel:

die WGs (Wohngemeinschaften)
die GmbHs (Gesellschaften mit beschränkter Haftung)

Dies gilt auch für viele Kurzwörter:

die Krimis (Kriminalromane)
die Demos (Demonstrationen)

Die Tendenz zur Pluralbildung mit s ist am stärksten bei

  • Abkürzungswörtern: Unis, Krimis, Demos, Loks
  • weiblichen Abkürzungen: WGs, GmbHs, LPs, CDs

Bei weiblichen Abkürzungen ist die Tendenz, ein Plural-s zu verwenden, wahrscheinlich so stark, weil dadurch die Mehrzahl von der Einzahl unterschieden werden kann: die AG – die AGs. Bei männlichen und sächlichen Abkürzungen ist dieser Unterschied dank des Artikels im Prinzip auch ohne Endung deutlich: das KKW – die KKW.

Sächliche und männliche Abkürzungen bilden den Genitiv Singular und den Plural sowohl mit s als auch ohne s. Je gebräuchlicher eine Abkürzung ist, desto stärker ist im Allgemeinen (vor allem im Plural) die Tendenz zur Endung s:

des KKWs oder des KKW
die KKWs oder die KKW

des PCs oder des PC
die PCs oder (selten) die PC

Man kann also sagen, dass das geschriebene und gesprochene s bei zum Beispiel die GmbHs und die PCs eine im Deutschen allgemein übliche und akzeptierte Form der Pluralbildung bei Abkürzungen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Kein Apostroph!!! Siehe hier.

4 Kommentare

  1. Fehlerleser.de schreibt:

    April 8, 2009 um 11:36

    Auch immer wieder gern falsch gemacht:
    AGBs (= Allgemeine Geschäftsbedingungens?)
    oder auch PKWs / LKWs (= Lastkraftwagens?)

    Tolle Erklärung. Tolles Blog (Willkommen in meinem Feedreader).

    Schöne Grüße von der Schreibfehler-Sammelstelle. 😉

  2. Ivan schreibt:

    April 9, 2009 um 13:37

    @Fehlerleser.de PKWs und LKWs ist aber trotzdem richtig.

    Wie Dr. Bopp bereits sagte werden Pluralformen von Abkürzungen nicht von den Wörtern bestimmt, für die sie stehen.

    Man kann die PKW als auch die PKWs und LKW als auch die LKWs sagen.

    AGBs ist allerdings nicht korrekt, da AGB bereits im Plural steht.

    Anstatt WGs kann man übrigens auch WG sagen. Genau das Gleiche gilt auch bei LP (Plural: LP(s)).

  3. Larissa schreibt:

    März 7, 2010 um 19:20

    Auszug aus dem Duden-Newsletter-Archiv:
    Bei Abkürzungen, die als solche nur geschrieben, aber nicht gesprochen werden, setzt man in der Regel auch einen Punkt; Dr., i. A., u. a. usw. Deklinationsendungen verwendet man hier kaum. Gelegentlich treten aber solche Endungen doch auf. Dann sind zwei Fälle zu unterscheiden: Wenn die undeklinierte Abkürzung mit dem letzten Buchstaben der Vollform endet (etwa Hr. auf r wie Herr oder Bd. auf d wie Band), wird die Endung unmittelbar angehängt: Hrn. (= Herrn), Bde. (= Bände). Andernfalls wird die Deklinationsendung hinter den Abkürzungspunkt gesetzt: über die Jh.e (= Jahrhunderte), M.s (= Musils) Mann ohne Eigenschaften.

    Ist die Verwendung von Deklinationsendungen bei solchen Abkürzungen also freiwillig oder verstehe ich das fasch?
    Geht also sowohl „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.s“
    als auch (so heißt es laut der Webseite http://www.dwds.de/) „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.“?
    Und ist es korrekt „die Antwort des Hr. Meier“ statt „des Hrn. Meier“, „12 Bd.“ statt „12 Bde.“ und „über die Jh.“ statt „über die Jh.e“ zu schreiben? Und andersherum bspw. „12 Min.en“ statt „12 Min.“?
    Steht „Hrn.“ nicht des Weiteren auch für den Plural „Herren“ oder heißt es dann korrekt „Hren.“? Und kann dann hier auch die Endung weggelassen werden („die Hr. Müller und Meier …“)?
    Viele Fragen, die Sie hoffentlich mit einer einfach Regel beantworten können.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    März 7, 2010 um 22:08

    Guten Tag Larissa,

    wieder einmal muss ich Sie enttäuschen. Einfache, allgemeingültige Regeln gibt es in diesem Bereich nicht. Es gibt nämlich „sogar“ im Deutschen viele Bereiche, die nicht durch in Stein gemeißelte Regeln festgelegt sind. Wenn man die Duden-Angaben als Regeln nimmt, müsste es Hren. und Jh.s heißen. Aber hier zeigt sich die Grenze dessen, was Sie als „Regeln“ sehen (wollen?). Ich bin der Abkürzung Hren. noch nie begegnet und man liest oft auch des 20. Jh. statt des 20. Jh.s, sogar in Wörterbüchern wie dem DWDS. Die mir bekannte Abkürzung für Herren ist übrigens eine ganz andere: HH. – die HH. Müller und Meier.