Archiv für Juli, 2009

Welch/welche/welch eine/was für eine erstaunliche Vielfalt!

Frage

Meine Frage ist, welche Version richtig oder falsch ist:
… zu wissen, welch große Achtung und Wertschätzung ihm entgegengebracht wurde
oder
… zu wissen, welche große Achtung und Wertschätzung ihm entgegengebracht wurde

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

beide Versionen sind hier möglich und richtig:

Welch große Achtung und Wertschätzung!
Welche große Achtung und Wertschätzung!

Es gibt sogar noch eine dritte und vierte Variante:

Welch eine große Achtung und Wertschätzung!
Was für eine große Achtung und Wertschätzung!

Wählen Sie also einfach die Version, die Ihnen am besten zusagt. Da soll noch einer sagen, Deutsch sei immer nur streng und starr. Welch erstaunliche/welche erstaunliche/welch eine erstaunliche/was für eine erstaunliche Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten man auf ganz kleinem Raum haben kann! Mehr zu welch/welche finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Kirchenmaus

Seit langem habe ich heute Morgen wieder einmal die Redewendung arm wie eine Kirchenmaus gelesen. Für die Jüngeren und Deutschlernenden unter uns: Wenn jemand arm wie eine Kirchenmaus ist, dann ist er oder sie sehr arm. Weshalb ist oder war nun eine Kirchenmaus so besonders arm, dass sie es zu einer eigenen Redewendung geschafft hat? In Wohnhäusern, Scheunen und Ställen konnten Mäuse überall etwas Essbares finden. Man musste sich als Maus zwar sehr gut vorsehen, nicht der Katze oder der Mausefalle zum Opfer zu fallen, aber zu essen gab es. Nicht so in der Wohnstätte einer Kirchenmaus. In Kirchen findet sich nichts, womit ein Mäuschen seinen Magen füllen könnte.

Wenn man den Ausdruck etwas aufpeppen und modernisieren möchte, könnte man im heutigen Sprachgebrauch auch sagen: so arm wie eine Designerküchenmaus. Falls man den Bildern in vorabendlichen Fernsehserien und schicken Küchenprospekten glauben darf, wird in vielen dieser Küchen nämlich nie gekocht. Es gibt dort zwar Essbares, aber an Suppendosen aus dem Delikatessenshop, griechischen Kalamataoliven im Glas und Champagner- oder Wodkaflaschen beißt auch eine noch so gut gerüstete Maus sich nur die Zähne aus.

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Entwalden, entleeren, entsinnen. Was bedeutet ent?

Frage

Als Dichter und Rezitator setze ich mich naturgemäß eingehend mit Sprache auseinander. Mir von der Logik her ungereimt Erscheinendes nutze ich gerne, um es in verdichteter Sprache nach meinem Sprachgefühl und -verständnis zu enträtseln. In diesem Zusammenhang stieß ich kürzlich auf den Begriff des Entsinnens. Woher stammt er, was will er beschreiben? Er wird ja synonym zum Begriff des Erinnerns gebraucht.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Verb entsinnen gab es schon im Mittelhochdeutschen: in den Sinn aufnehmen, sich erinnern. Heute verwendet man sich jemandes/einer Sache entsinnen mit der Bedeutung sich erinnern, sich wieder ins Gedächtnis rufen. Bei der Interpretation schwierig und gleichzeitig sehr interessant finde ich hier die Mehrdeutigkeit der Vorsilbe ent-. Sie kann nämlich je nach dem Verb, bei dem sie steht, verschiedene Bedeutungen haben. Zum Beispiel:

  • das Gegenteil zu be-: entkleiden, entwaffnen
  • das Gegenteil zu ver-: entkrampfen, entzaubern
  • das Gegenteil: enttanken, entwarnen
  • entfernen: entwalden, entrußen, entkernen
  • weggelangen, wegnehmen: entfliehen, entreißen
  • so sein rückgängig machen: entmündigen, entmutigen
  • so werden lassen: entblößen, entfremden, entleeren (bei Adjektiven, die Abwesenheit beinhalten)

In diesen Fälle bedeutet ent- im weiteren Sinne etwas wie gegen, wegnehmen, entfernen. Bei gewissen Verben hat es aber auch noch eine ganz andere Bedeutung:

  • beginnen: entbrennen, entsprießen, entstehen

Beim Verb entsinnen mit der Bedeutung erinnern hat ent- wohl am ehesten die letzte Bedeutung. Es gab früher übrigens auch ein Verb entsinnen, bei dem ent- die Bedeutung entfernen hatte: von Liebe entsinnt = durch die Liebe der Sinne beraubt.

Die Gelehrten vermuten, dass das letzte ent- (beginnen) sprachgeschichtlich nicht die gleiche Vorsilbe wie ent- mit den anderen Bedeutungen ist. Erstaunlich ist aber so oder so, dass wir, in der Regel ohne dabei nachzudenken, eine Vorsilbe verwenden und problemlos verstehen, die derart verschiedene, teilweise sogar gegensätzliche Aspekte ausdrücken kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Alle(r) zwei Jahre

Frage

Wir benötigen dringend Ihre Hilfe, um einen uralten Ost-West-Konflikt beizulegen. Es geht um die aus westdeutscher Sicht falsche Verwendung des Wortes alle. Der Ostdeutsche beharrt darauf, folgende beispielhafte Formulierung als korrekt zu betrachten, zahlreiche Treffer bei einer großen Suchmaschine bestätigen ihn in dieser Annahme: „Die Technik wird ALLER zwei Jahre erneuert.“ „Ha! Das heißt aber doch ALLE zwei Jahre“, quiekt der Wessi – und schon gehts wieder von vorn los. Wie verhält es sich denn nun?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

ob ich hier dazu beitragen kann, den Konflikt beizulegen, weiß ich nicht. Das hängt davon ab, wie kompromissbereit die Streitparteien sind. Bei der Verwendung des Genitivs aller zwei Jahre scheint es sich vor allem um eine sächsische, also nicht unbedingt eine „gesamtostdeutsche“ Eigenart zu handeln. Es geht hier nicht etwa um „modernen Sprachverfall“, denn schon bei Gotthold Ephraim Lessing (einem Sachsen) findet man Textstellen wie „Wenn alle Diebe gehangen würden, die Galgen müssten dichter stehn. Man sieht ja kaum aller zwei Meilen einen“ (Die Juden, 1. Auftritt).

Im heutigen Standarddeutschen gilt nur noch der Akkusativ alle zwei Jahre als korrekt. Ich würde deshalb empfehlen, in einem „offiziellen“ Text alle zwei Jahre zu verwenden. Im ungezwungenen Gespräch sei es aber den Ostdeutschen zugestanden, aller zwei Jahre zu sagen, ohne dass gleich gequiekt wird. In der ostdeutschen Umgangssprache ist das offenbar eine übliche und richtige Formulierung. Die „Wessis“ verwenden beim Reden und Schreiben ja auch des Öfteren Wendungen, die nicht unbedingt reinstes Standarddeutsch sind, ohne dass die „Ossis“ – und übrigens auch nicht die „Südis“ wie Schwaben, Bayern, Österreicher und Deutschschweizer – gleich zu quieken anfangen. Etwas Toleranz (zu der übrigens Lessing mit dem zitierten Stück „Die Juden“ in einem anderen, wichtigeren Zusammenhang aufruft) schadet auch im Bereich der regionalen Sprachvarianten nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine x-stellige Millionensumme

Frage

In einem meiner Texte habe ich etwas leichtfertig von einer neunstelligen Millionensumme gesprochen. Es ging dabei um eine Geldsumme, die nicht genau bestimmt im Zahlenraum 100.000.000 bis 999.999.999 liegt. Es geht um den Begriff neunstellig. Es ist zwar eine neunstellige Zahl gemeint, aber einem Freund und mir kamen dann Zweifel, ob in Bezug auf die Millionen im vorliegenden Fall nicht doch der Ausdruck dreistellige Millionensumme richtig ist. Ist der Betrag 450.000.000 Euro nun eine neunstellige Millionensumme oder doch nur eine dreistellige Millionensumme?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

eine neunstellige Millionensumme ist tatsächlich einiges höher als die Summe, die Sie meinen. Bei zum Beispiel 450.000.000 (vierhundertfünfzig Millionen) spricht man von einer neunstelligen Summe oder von einer dreistelligen Millionensumme. Wenn es sich dabei um einen Betrag handelt, ist es auch üblich, von einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe zu sprechen. Zusammenfassend:

450 000 000 €
= eine neunstellige Summe
= eine dreistellige Millionensumme
= ein Betrag in dreistelliger Millionenhöhe

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Eine neunstellige Millionensumme entspräche somit einer dreistelligen Billionensumme. Allzu viel würde ich allerdings nicht darauf verwetten, denn all diese Nullen sind für mich schon so etwas wie höhere Mathematik.

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Sind Brüder Geschwister?

Frage

Kann man zwei Brüder als auch als Geschwister bezeichnen? Kann ich sagen: Klaus und Martin sind Geschwister oder ist das nicht korrekt?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

Sie können, aber üblich ist es nicht. Normalerweise verwendet man den Begriff Geschwister dann, wenn es sich um Brüder und Schwestern handelt oder wenn man nicht weiß, ob es sich um Brüder und/oder Schwestern handelt. Wenn das Wort Geschwister für Geschwister des gleichen Geschlechts verwendet wird, werden damit vor allem Schwestern bezeichnet (zum Beispiel die Geschwister Brontë). Dies geschieht aber vor allem bei bekannteren Geschwisterpaaren in Verbindung mit dem Familiennamen, also in Zusammenhängen, in denen man für Brüder das Wort Gebrüder verwendet (zum Beispiel die Gebrüder Grimm und die Gebrüder Wright). Sonst sagt man doch eher, dass Marianne und Mathilde Schwestern sind. Bei Brüdern ist die Verwendung von Geschwister nicht grundsätzlich falsch, aber ungebräuchlich. Man sagt dann eher, dass Klaus und Martin Brüder sind – oder man verwendet zum Beispiel in Firmennamen und für berühmte Brüder das relativ gehobene Wort Gebrüder in Verbindung mit deren Familiennamen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Vom Wissenwollen und dem Nicht-begreifen-Können

Manchmal kommen bestimmte Fragen wie in Wellen auf. In letzter Zeit war die Frage nach der Schreibung von substantivierten Infinitivgruppen Ihr großer Favorit. Keine Angst, substantivierte Infinitivgruppe klingt „gefährlicher“ als es ist.

Fragen

  • Schreibt man das Wissen wollen oder das Wissenwollen, das Verzeihen können oder das Verzeihenkönnen?
  • Bei der Suche nach Regeln für die Schreibweise des folgenden Ausdrucks bin ich leider nicht fündig geworden: das Gefundenwerden?
  • Wie werden im folgenden Satz die Worte Erwachsen werden geschrieben: „Es gehört zum Erwachsen werden, dass man Verantwortung übernimmt“?
  • Wie schreibt man vom Gefüttertwerden bis zum allein Essen?
  • Könnten Sie mir bitte sagen, wie man das unter Druck setzen richtig schreibt, d.h. welche Wörter groß, welche klein, wo Bindestrich?
  • Wie wird das Folgende geschrieben:  ein Gefühl des Nicht begreifen könnens?

Antwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn ein Infinitiv, das heißt die Grundform eines Verbs, als Substantiv verwendet wird, schreibt man groß:

das Lesen
beim Stricken einnicken
zum schnellen Aufwärmen
die Zeit mit Spielen und Fernsehen verbringen

Wenn man statt eines allein stehenden Infinitivs eine Infinitivgruppe als Substantiv verwendet, schreibt man ebenfalls groß. Bei einfacheren, in der Regel aus zwei Teilen bestehenden Gruppen schreibt man zusammen:

das Bücherlesen
beim Winterpulloverstricken einnicken
zum schnellen Selbstaufwärmen

Das bedeutet für die Beispiele in Ihren Fragen:

das Wissenwollen
das Verzeihenkönnen
das Gefundenwerden
das Erwachsenwerden
vom Gefüttertwerden bis zum Alleinessen

Bei komplexeren Infinitivgruppen verwendet man Bindestriche. Weiter schreibt man das erste Wort, den (letzten) Infinitiv und ggf. Substantive groß. Das führt dann zu solchen Schreibungen:

das Dicke-Bücher-Lesen
beim Für-die-ganze-Familie-Pullover-Stricken
zum schnellen In-der-Mikrowelle-Aufwärmen

Sie schreiben also auch:

das Unter-Druck-Setzen
ein Gefühl des Nicht-begreifen-Könnens

Es gäbe wahrscheinlich noch einiges zu sagen. Ich glaube aber, dass die Beispiele zeigen, wie es im Allgemeinen gemacht wird. Sie zeigen auch, dass man mit solchen Formulierungen vorsichtig und sparsam umgehen sollte. Sie sind nämlich schwerfällig und – vor allem wenn sie länger sind – nicht gerade einfach zu verstehen. Meist ist eine andere Formulierung vielleicht etwas länger, dafür eleganter und lesefreundlicher. Das war zwar nicht die Frage, aber ich möchte nicht, dass man mir noch den Vorwurf des Den-stilistischen-Aspekt-völlig-außer-Acht-Lassens macht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie sich die entsprechenden Rechtschreibregeln ansehen möchten, finden Sie sie hier:

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Tram, Tramway und Holzschienen

Weil es schon wieder regnet (oder immer noch?), komme ich nochmals auf die Straßenbahn oder eigentlich die/das Tram zurück. Da Sie selbstverständlich schon immer wissen wollten, wo das Wort herkommt, habe ich es für Sie nachgeschlagen. Tram geht auf das englische tramway zurück. Das Wort tram ist schottisch und nordenglisch, wo es im Minenbau sowohl für die Schienen als auch für die darauf rollenden Wagen verwendet wurde. Es kommt wahrscheinlich von einem germanischen Wort tram(e), das Balken, Querbalken bedeutete. Die ersten Schienen in den Minen waren nämlich aus Holz.

Und wenn wir schon bei Geschichtlichem sind, hier noch ein paar Informationen, denen ich auf der Suche begegnet bin: Die ersten offiziellen Pferdetramdienste nahmen 1832 in New York  und 1834 in New Orleans den Betrieb auf. (Den allerersten bezahlten Passagiersdienst auf Schienen gab es allerdings schon 1804 in Südwales, aber die Swansea and Mumbles Railway scheint aus terminologischen oder anderen Gründen nicht als Straßenbahn zu gelten.) In Europa wurden die ersten Pferdestraßenbahnen 1855 in Paris und 1861 in London eingeführt. Die erste Linie in der Schweiz und gleichzeitig die zweite auf dem europäischen Festland wurde 1862 in Genf eröffnet. In Deutschland und Österreich fuhren die ersten von Pferden gezogenen Straßenbahnen in Berlin und Wien, in beiden Städten im Jahre 1865.  Aber was das eigentlich noch mit Sprache zu tun haben soll, weiß ich auch nicht. Das kommt davon, wenn man an einem ziemlich verregneten Sonntagnachmittag zu tippen anfängt.

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Die Straßenbahnfahrkarte und das Trambillett

Weil es heute Morgen wieder einmal schüttete, habe ich die Straßenbahn genommen. Weil man in der Straßenbahn Zeit hat und sich nicht immer wieder über ungeniert in Handys brüllende Mitpassagiere ärgern kann, ließ ich meine Gedanken schweifen. Beim Wort Straßenbahn kommt mir nämlich immer in den Sinn, das dieses Wort für Schweizer Ohren so richtig deutsches Deutsch ist. Das liegt nicht nur daran, dass man in der Schweiz das Wort Tram verwendet, sondern auch daran, dass man im Standarddeutschen nördlich des Rheines ein langes a viel offener ausspricht als im durchschnittlichen schweizerischen Hochdeutsch. (Die Ostschweizer bitte ich, mir diese Verallgemeinerung zu verzeihen.) Dann klingt Straßenbahn schon fast ein wenig wie Sträßenbähn. Noch krasser ist der Unterschied bei der Straßenbahnfahrkarte (Sträßenbähnfährkärte), die man in der deutschen Schweiz „natürlich“ Trambillett nennt.

Ein anderer Ausdruck aus dem öffentlichen Verkehr, den man in der Schweiz nie und nimmer hören würde, ist „Vorsicht am Bahnsteig, die Türen schließen selbsttätig“. Ein Bahnsteig ist in der Schweiz ein Perron und selbsttätig ist automatisch. (Das Wort „selbsttätig“ hört man allerdings auch in Deutschland nur selten anders als aus Bahnhofslautsprechern.) Wenn ich also vor selbsttätig schließenden Türen gewarnt werde, dann weiß ich, dass mein Zug in Deutschland angekommen ist, wo man für die eventuelle Weiterfahrt am Automaten einen Fahrschein und nicht ein Billett löst. Soweit die Gedanken zu Sprachunterschieden im öffentlichen Verkehr, denn ich musste das Tram (nicht etwa die Tram!) schon wieder verlassen.

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Wenn Satzzeichen Flügel kriegen: das Ausrufungszeichen

Frage

Ich habe gerade die beiden Begriffe Ausrufezeichen und Ausrufungszeichen nachgesehen, um herauszufinden, welches der beiden die korrekte Bezeichnung für das Zeichen ! ist, oder ob beide gleichberechtigt verwendet werden können. Nun wird beim Eintrag Ausrufungszeichen als Oberbegriff Eule angegeben, was mich zugegebenermaßen etwas verwirrt hat. Vielleicht können Sie mich diesbezüglich erleuchten?

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

was das Wort Ausrufungszeichen mit einer Eule zu tun haben soll, war auch mir vorerst völlig unklar. Wenn man dann weitersucht, stellt man fest, dass die automatische Darstellung von Synonymen, Ober- und Unterbegriffen manchmal eher verwirrend als hilfreich ist. Dies gilt insbesondere bei Wörtern wie Ausrufungszeichen, die selten verwendet werden und darüber hinaus noch verschiedene Bedeutung haben. Bei solchen Wörtern ist das Risiko größer, dass im Wörterbuch nicht alle Bedeutungen abgedeckt sind.

Eulen sind natürlich Vögel. Eulen oder Eulenfalter sind aber auch eine Nachtfalterart. Zu den Eulenfaltern gehört neben zum Beispiel der Achateule, der Holzkappeneule, dem Schattenmönch, dem Schwarzen Ordensband, dem Jägerhütchen und dem Silberspinnerchen auch das Ausrufungszeichen, das auch den schönen Namen Gemeine Graseule trägt.

Ausrufungszeichen

Es stimmt also, dass Ausrufungszeichen ein Unterbegriff einer bestimmten Bedeutung von Eule ist. Im Bedeutungswörterbuch fehlt aber die bekanntere Bedeutung des Wortes, das heißt, es wird nicht angegeben, dass Ausrufungszeichen auch eine seltener verwendete Variante von Ausrufezeichen ist. Das kann zu sehr begreiflicher Verwirrung führen. Wir werden die Angaben ergänzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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