Archiv für Juli, 2009

sich einander gegenseitig

Frage

Umgangssprachlich ist klar: Wir verwenden die Formen:

Wir treffen uns in der Bar.
Wir schauten uns an.
Sie sahen sich an.

Wie ist es mit der Schriftsprache? Verwendet man grundsätzlich sich anstatt einander? Heißt es beispielsweise:

Sie blickten sich an oder Sie blickten einander an.
Sie klopften sich auf die Schulter oder Sie klopften einander auf die Schulter

Viele Fragezeichen! Ich bin schon ganz verwirrt und bitte um Aufklärung.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

es ist auch im Standarddeutschen üblich, bei einem wechselseitigen (reziproken) Verhältnis die Reflexivpronomen des Plurals uns, euch, sich zu verwenden.

Wie treffen uns in der Bar.
Wir sahen uns an.
Sie klopften sich auch die Schultern.

Wenn man befürchtet, dass es zu Missverständnissen kommen könnte, oder wenn man es einfach möchte, kann man das wechselseitige Verhältnis mit einander oder dem weniger gehoben klingenden sich gegenseitig ausdrücken:

Wir treffen einander in der Bar.
Wir sahen uns gegenseitig an.
Sie klopften sich gegenseitig auf die Schulter.

Die Kombinationen einander gegenseitig und sich einander sind standardsprachlich übrigens nicht akzeptiert. Das sieht wohl zu sehr nach „doppelt gemoppelt“ aus. (Die im Titel stehende Dreierkombination sich einander gegenseitig sollte man demnach höchstens bewusst scherzhaft verwenden.)

Wenn man umgekehrt unbedingt ausdrücken möchte, dass es sich um ein rückbezügliches (reflexives) Verhältnis handelt, wird es schwieriger. Dann hilft meist nur noch umformulieren:

Jeder sah sich selbst an.
Jede klopfte sich auf ihre eigene Schulter.

Das ist aber glücklicherweise nur selten der Fall, da in der Regel der engere oder weitere Satzzusammenhang klärt, ob ein rückbezügliches oder ein wechselseitiges Verhältnis gemeint ist.

Natürlich geht es wieder einmal nicht ganz ohne Ausnahmen. Wenn sich mit einer Präposition verwendet wird, hat es meist nur eine rückbezügliche Bedeutung. Für eine wechselseitiges Verhältnis wird dann -einander verwendet:

Sie sind mit sich zufrieden = rückbezüglich (jeder mit sich selbst und mit der Gruppe)
Sie sind miteinander zufrieden = wechselseitig (jeder mit dem anderen)

Ihr denkt nur an euch= rückbezüglich (Richtet sich an Egoisten).
Ihr denkt nur aneinander = wechselseitig (Richtet sich an sehr Verliebte …).

Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Leuchtendes Blau und blaues Leuchten

Passend zum für viele nicht mehr allzu weit entfernten Anfang der Sommerferien eine Frage im Zusammenhang mit der Farbe des Meeres:

Frage

Welche Form stimmt?

Das Blau des Meeres leuchtet.
Das blau des Meeres leuchtet.

In der Schule gab es verschiedene Auffassungen!

Blau: Gemeint ist die Farbe, also ein Nomen (das).
blau: Wir fragen „Wie leuchtet das Meer?“ – „blau“, also ein Adjektiv.

Wer hat Recht?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Das Blau des Meeres leuchtet.

Das Adjektiv blau wird in diesem Satz als Substantiv verwendet. Das erkennt man unter anderem daran, dass es alleine nach dem Artikel das steht. Als Substantiv verwendete Adjektive schreibt man groß. Sehen Sie hierzu diese Rechtschreibregel.

Sinngemäß stimmt es, dass das Meer blau leuchtet. Konkret wird aber etwas anderes gesagt, nämlich dass das Blau des Meeres leuchtet. Nicht das Meer, sondern dessen Farbe leuchtet. Wichtig für die Groß- und Kleinschreibung ist nicht der tiefere Sinn, sondern die konkrete Satzkonstruktion. Man fragt deshalb in diesem Satz nicht mit wie?, sondern mit wer oder was? nach Blau:

Wer oder was leuchtet? – Das Blau des Meeres leuchtet.

Klein schreibt man blau in anderen Satzkonstruktionen wie zum Beispiel :

Wie leuchtet das Meer? – Das Meer leuchtet blau.

Wenn Sie bald ans Meer fahren und schönes Wetter mögen, kann es Ihnen aber ziemlich egal sein, ob man blau oder Blau schreibt. Hauptsache ist, dass Sie dort blaues Leuchten oder leuchtendes Blau antreffen. Dies gilt übrigens auch bei Bächen, Seen und Flüssen, falls Sie andere Landschaftstypen bevorzugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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