Männliche Autos und weibliche Motorräder

Frage

Mich irritiert eine Sache ganz gewaltig: Wenn ich ein Auto z. B. der Marke BMW besitze, sage ich: „Ich fahre einen BMW.“ Habe ich aber ein BMW-Motorrad, sage ich: „Ich fahre eine BMW.“ Da sowohl das Motorrad als auch das Auto sächlich sind, muss der Ursprung für diese Ausdrucksweise ja zum Beispiel von Synonymen (welchen?) oder aber von importierten Möglichkeiten anderer Sprachen entstanden sein?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

bis auf wenige Ausnahmen sind Autos männlich und Motorräder weiblich. Zum Beispiel:

Autos:
der Alfa Romeo
der Audi
der Citroën
der Honda

Motorräder:
die Ducati
die Honda
die Harley
die Kawasaki

Den genauen Grund für die Wahl des männlichen und weiblichen Artikels kann ich nicht mir Sicherheit angeben. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei den Autos das männliche Wort der Wagen und bei den Motorrädern das weibliche Wort die Maschine eine entscheidende Rolle gespielt haben. Aber warum nicht einfach das? Hier muss ich raten: Wagen klingt eben vornehmer und teurer als Auto und Maschine macht einen schnelleren und sportlicheren Eindruck als Motorrad. Motorfahrzeuge haben ja für viele von uns nicht nur die Funktion, einen von A nach B zu bringen.

Den Einfluss anderer Sprachen kann man eigentlich ausschließen. Die heute einflussreichste Fremdsprache, das Englische, kennt ja außer bei Personen kein Wortgeschlecht. Ihre Vorgänger in Sachen Einfluss, das Französische und zum Teil auch das Italienische, können auch nicht „schuld“ sein. Aus Frankreich und Italien kommen zwar viele Autos, aber dort sind sie weiblich: la Renault, une Peugeot; la Fiat, una Ferrari. Grammatische Einflüsse dieser Art aus dem Japanischen und Koreanischen, also aus Sprachen weiterer Autoländer, kommen wohl ebenfalls nicht in Frage. Diese Sprachen sind dafür nicht nur geographisch etwas zu weit entfernt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.