Archiv für November, 2009

Anzischen und zuzischen

Frage

Kann ich jemandem etwas zuzischen oder kann ich ihn nur anzischen? Ich bin der Meinung, dass ich auch jemandem etwas zuzischen kann, z.B.

Er zischte ihm zu: »Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!«

Meine Freundin ist felsenfest der Meinung, es müsse heißen:

Er zischte ihn an: »Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!«

Sie sieht sich darin bestätigt, dass bei CanooNet kein entsprechender Eintrag zu finden ist. Ist dem also tatsächlich so, dass es zuzischen nicht gibt? Und falls zuzischen doch möglich sein sollte, gibt es einen Unterschied zwischen anzischen und zuzischen?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

lassen Sie mich vorausschicken, dass die Tatsache, dass ein Wort nicht im Wörterbuch steht, nicht bedeutet, dass es das Wort nicht gibt. Unser Wörterbuch enthält zwar ca. 250 000 Einträge, aber damit sind lange nicht alle im Deutschen verwendeten und möglichen Wörter abgedeckt.

Die Wendung jemandem etwas zuzischen gibt es. Sie ist in jedem Fall korrekt gebildet. Viele Verben des Sagens, des Sichäußerns haben eine mit zu- abgeleitete Variante: jemandem etwas zuschreien, zurufen, zuflüstern, zuschnauben usw. Wenn Sie also zischen als eine Art des Sagens verwenden, können Sie ohne weiteres sagen, dass Sie jemandem einen Befehl, eine Verwünschung oder etwas anderes zuzischen.

Der Unterschied zwischen anzischen und zuzischen ist gleich wie der Unterschied zwischen zum Beispiel anschreien und zuschreien. Man zischt/schreit jemanden an und man zischt/schreit jemandem etwas zu:

Er zischte ihn an.
Er zischte ihm einen Befehl zu.

In Ihrem Beispiel sind beide Formulierungen möglich. Die Sicht auf das Geschehen ist leicht unterschiedlich, aber die Bedeutung ist weitgehend identisch.

Er zischte ihn an: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“
Er zischte ihm zu: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“

Vgl.

Er schrie ihn an: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“
Er schrie ihm zu: „Und dich will ich in meinem Büro sehen, sofort!“

Ein kleiner Unterschied liegt vielleicht darin, dass man der angezischten Person gegenüberstehen muss, während man die Person, der man etwas zuzischt, nicht unbedingt ansehen muss. Anzischen ist also direkter, konfrontierender. Wirklich freundlich gemeint ist allerdings keines von beiden.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Vergangenes Präsens: Als er zurückkommt …

Frage

Ich habe eine Frage zur Konjunktion als. Die Grammatikregel zu als sagt, dass man es benutzt, wenn es sich um eine einmalige Handlung in der Vergangenheit handelt. Nun bin ich aber auf diesen Satz gestoßen:

Als er zurückkommt, kann er die Tür nicht öffnen, weil der Schlüssel nicht passt.

Der Satz steht im Präsens. Es ist eine Handlungsbeschreibung in der Gegenwart. Das widerspricht der als-Regel. Gibt es dafür eine Erklärung?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es ist richtig, dass als dann als zeitliche Konjunktion benutzt wird, wenn es sich um eine einmalige Handlung in der Vergangenheit handelt:

Als er zurückkam, konnte er die Tür nicht öffnen, weil der Schlüssel nicht passte.

In der Gegenwart (oder der Zukunft) steht dafür wenn:

Wenn er zurückkommt, kann er die Tür nicht öffnen, weil er den Schlüssel vergessen hat.

Ihr Beispielsatz kann aber trotzdem richtig sein. In einer Erzählung kann sich das Präsens als sogenanntes historisches Präsens auch auf  Vergangenes beziehen. Man kann dann auch als verwenden, weil die Handlung in der Vergangenheit stattfindet, auch wenn die Verbform im Präsens steht.

Er trieb sich in der Stadt herum, weil er es zu Hause nicht mehr ausgehalten hatte. [Szenen- und Tempuswechsel; wir bleiben aber in der Vergangenheit:] Als er zurückkommt, kann der die Tür nicht öffnen. Der Schlüssel passt nicht mehr.

Erstaunlicherweise kann das Präsens also Vergangenes ausdrücken. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Wir nennen die Zeitformen des Verbs zwar Gegenwart (Präsens), Zukunft (Futur) und Vergangenheit (Präteritum), aber wir halten uns nicht daran. Diese Bezeichnungen stimmen oft nicht mit der eigentlichen Zeit der Handlung, die beschrieben wird, überein:

[Präsens der Vergangenheit]
Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, sind sie in Portugal.
Als Karl der Große stirbt, erstreckt sich sein Reich von den Pyrenäen bis zur Elbe.

[Perfekt der Zukunft]
Wir haben die Arbeit spätestens morgen vollendet.

[Futur der Vermutung in der Gegenwart]
Er wird wieder in der Kneipe sitzen.

[Präsens der Zukunft]
In hundert Jahren spielt das keine Rolle mehr.

Der Name, den wir einer Verbform geben, ist also oft nicht mehr als ein Etikett, das nicht viel mit dem Inhalt zu tun hat. In der CanooNet-Grammatik finden Sie weitere Informationen zum historischen Präsens, zum Verhältnis Tempus – objektive Zeit und zu den Tempusfunktionen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Team-Besprechung über das Personal-Management oder Teambesprechung über das Personalmanagement?

Frage

Heute benötige ich wieder einmal Ihre Hilfe beim schwierigen Thema Bindestriche! Wie verhält es sich bei Kombinationen aus englischen (oder schon eingedeutschten) und deutschen Wörtern? Bisher habe ich sie immer mit Bindestrich geschrieben, bin aber mittlerweile bei bestimmten Begriffen verunsichert. Können Sie weiterhelfen? Hier ein paar Beispiele aus meinen Texten: Personal-Management, Software-Modul, Ressourcen-Planer, Team-Besprechung.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

Zusammensetzungen von oder mit Fremdwörtern – auch aus dem Englischen – werden im Prinzip gleich geschrieben wie „normale“ Zusammensetzungen: zusammen. Sie schreiben also am besten:

Personalmanagement
Softwaremodul
Ressourcenplaner
Teambesprechung

Bei langen und unübersichtlichen fremdsprachigen Nomen-Nomen-Verbindungen KANN man Bindestriche verwenden, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Zum Beispiel:

Desktopmanagement o. Desktop-Management
Hardcovereinband o. Hardcover-Einband
Sciencefiction o. Science-Fiction
Sciencefictionautorin o. Science-Fiction-Autorin (o. Sciencefiction-Autorin)

Die Schreibungen mit Bindestrich sind also auch bei Ihren Beispielen nicht grundsätzlich falsch. Falsch wäre hier aber die auch immer öfter anzutreffende Getrenntschreibung!

Es liegt an Ihnen, wann Sie eine Verbindung für so unübersichtlich halten, dass ein Bindestrich angebracht ist. Ich finde, dass man den Lesern oft viel längere Wörter zumuten kann, als allgemein gedacht wird. Meine Empfehlung ist deshalb: Gehen Sie sparsam mit dem Bindestrich um! So würde ich in keinem Ihrer eingangs genannten Beispiele einen Bindestrich verwenden.

Die entsprechenden Rechtschreibregeln und noch mehr zum Thema Fremdwörter und Bindestrich finden Sie hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Teilchenbeschleuniger

Fachsprachen zeichnen sich unter anderem durch für Uneingeweihte schwierig verständliche Wörter aus. Desto schöner ist es, einmal einer Bezeichnung für etwas Wissenschaftliches zu begegnen, die man gleich versteht. Beim CERN in Genf hat man ein technisch hochkompliziertes Gerät repariert, das in seiner Art das größte der Welt ist. Es trägt den Namen Teilchenbeschleuniger.

Ein solcher Name bedarf nur noch der Erklärung, dass er irgendetwas mit Atomen und noch viel kleineren aufeinanderprallenden Materienteilchen zu tun hat, und schon hat man den Eindruck, dass man begreift, worum es geht. Natürlich verstehe ich wenig bis gar nichts davon, worum es beim Teilchenbeschleuniger wirklich geht, aber dieser durchsichtige Name sagt mir immerhin, was passiert: Es werden Teilchen beschleunigt (und diese Teilchen prallen dann aufeinander und das hilft irgendwie dabei, die Zusammensetzung des Universums zu verstehen). Als nur mäßig Interessierter Außenstehender bin ich nun zufrieden. Ich „weiß“ jetzt, wofür dieses aufwändige technische Wunderwerk verwendet wird. Wenn die Allgemeinheit wissen soll, womit eine Wissenschaft sich eigentlich beschäftigt, sind solche gut gewählten, einfach interpretierbaren Namen sehr nützlich.

Wenn ich jeweils ein Wort der Woche küren würde (was ich nicht tue und – ich verspreche es Ihnen – auch nicht tun werde) wäre es deshalb diese Woche noch einmal: der Teilchenbeschleuniger.

Wenn allerdings beim Einsatz des Teilchenbeschleunigers unerwartet doch noch, wie einige befürcht(et)en, ein schwarzes Loch entsteht, das die Erde mit allem Drum und Dran verschluckt, dann ist es nicht mehr nur das Wort der Woche. Es ist dann die absolut größte Verharmlosung aller Zeiten. Aber das ist dann ja nicht mehr so wichtig.

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Vergleiche mit „als wie wenn“

Frage

Ist es grammatikalisch richtig einen Satz mit als wie wenn zu bilden? Zum Beispiel: „Du schaust, als wie wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.“

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

so „gut geschmiert“ die Formulierung auch klingen mag, es ist standardsprachlich nicht richtig, einen Satz mit als wie wenn einzuleiten. Ihren Beispielsatz kann man in verschiedener Weise formulieren:

Du schaust, als hättest du gerade ein Gespenst gesehen.
Du schaust, als ob du gerade ein Gespenst gesehen hättest.
Du schaust, wie wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.
Du schaust, als wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.

Wie Sie sehen, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie man einen solchen irrealen Vergleichssatz einleiten kann. Die Kombination als wie wenn gehört aber nicht dazu. Das wäre wohl etwas gar viel des Guten.

Ein irrealer Vergleichssatz heiß so, weil mit ihm ein Vergleich ausgedrückt wird, der nicht wirklich ist. Man nimmt ja zum Beispiel hier nicht an, dass die angesprochene Person wirklich ein Gespenst gesehen haben könnte, so blass und verstört sie auch aussehen mag. Daneben gibt es auch „gewöhnliche“ Vergleichssätze, in denen als und wie auf wenn treffen. Zum Beispiel:

Im Standbybetrieb verbraucht das Gerät gleich viel Strom, wie wenn es eingeschaltet ist.
Im Standbybetrieb verbraucht das Gerät weniger Strom, als wenn es eingeschaltet ist.

Wenn man nicht mehr genau weiß, ob man bei einem Vergleich wie oder als verwenden sollte, wäre als wie wenn eigentlich ganz praktisch. Es enthält alles, was man so brauchen könnte. Die Standardsprache lässt diese Formulierung aber nicht zu. Man muss sich also bei einem solchen Vergleich entscheiden, ob man wie wenn (Gleichheit) oder als wenn (Ungleichheit) meint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Abstand bei Prozenten

Frage
ich habe eine Frage zum Prozentzeichen, genauer zum Abstand zwischen der Zahl und dem Zeichen. Wird ein Abstand gesetzt oder nicht? Die Kolleginnen vom Duden sind da nämlich uneins. Im aktuellen Rechtschreibeduden (25. Aufl.) steht: Ja, ein Abstand, wenn auch kleiner als beim Wortzwischenraum. Im Duden „Satz und Korrektur“ (2003, S. 76) heißt es: „Kein Leerzeichen“, somit auch kein Abstand, oder?
Antwort
Sehr geehrter Herr W.,
die amtliche Rechtschreibregelung beschäftigt sich nicht mit dieser Frage, d.h. es gibt hierzu keine offizielle, allgemein verbindliche Regel.
Wenn man sich z.B. nach DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung; http://de.wikipedia.org/wiki/DIN_5008 ) richtet, steht zwischen Zahl und Prozentzeichen ein Abstand:
25 % mehr
zu 100 % erfüllt
Bei Ableitungen entfällt der Abstand:
25%ig
100%ige Erfüllung
Sehen Sie hierzu auch:
http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=spelling&input=Prozent&features=(Cat+N)
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp

Frage

Ich habe eine Frage zum Prozentzeichen, genauer zum Abstand zwischen der Zahl und dem Zeichen. Wird ein Abstand gesetzt oder nicht? Die Kolleginnen vom Duden sind da nämlich uneins. Im aktuellen Rechtschreibeduden (25. Aufl.) steht: Ja, ein Abstand, wenn auch kleiner als beim Wortzwischenraum. Im Duden „Satz und Korrektur“ (2003, S. 76) heißt es: „Kein Leerzeichen“, somit auch kein Abstand, oder?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

die amtliche Rechtschreibregelung beschäftigt sich nicht mit dieser Frage, das heißt, es gibt hierzu keine offizielle, allgemein verbindliche Regel. Es gibt aber viele, die einen solchen „ungeregelten“ Zustand nicht mögen. Wenn man sich also zum Beispiel nach DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) richtet, setzt man zwischen Zahl und Prozentzeichen einen Abstand:

25 % mehr
über 75 % der Angestellten
zu 100 % erfüllt

Bei Ableitungen entfällt der Abstand:

25%ig
100%ige Erfüllung

Sehen Sie hierzu auch die Beispiele in unserem Rechtschreibwörterbuch.

In fortlaufendem Text sollte der Abstand allerdings sogenannt geschützt sein, damit Zahl und Prozentzeichen nie am Zeilenende voneinander getrennt werden. Wenn kein solcher geschützter Abstand zur Verfügung steht und man die Zeilenumbrüche nicht manuell unter Kontrolle halten kann, sollte man sich überlegen, den Abstand wegzulassen. Ohne Abstand zwischen Zahl und Prozentzeichen verstößt man vielleicht gegen gewisse typographische Konventionen, aber, wie gesagt, nicht gegen die amtlichen Rechtschreibregeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Abbildbar, das Suffix -bar und das Wörterbuch

Frage

Ich nutze Ihr Wörterbuch regelmäßig und gerne. Gelegentlich finde ich keine Antwort auf meine Fragen, einfach weil Wörter oder bestimmte Zusammensetzungen fehlen […]. Sind Sie daran interessiert, außer Fragen zur Grammatik auch generell Vorschläge zur Aufnahme neuer Begriffe zu erhalten, oder nervt Sie das? Ich habe zum Beispiel abbildbar vermisst.

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es nervt keineswegs, wenn Sie neue Wörter zur Aufnahme vorschlagen. Wir nehmen solche Vorschläge sogar sehr gerne entgegen. Wir hoffen nur, dass es Sie dann nicht nervt, wenn wir ein Wort eventuell doch nicht aufnehmen oder wenn es lange dauert, bis ein Vorschlag online auf CanooNet erscheint.

Zu Ihrem konkreten Vorschlag abbildbar: Das Suffix -bar ist ein sehr produktives Suffix, das heißt, es werden sehr viele Adjektive mit ihm gebildet. Es kann nämlich bei sehr, sehr vielen Verben verwendet werden. Einige Beispiele, die dies zu illustrieren:

abbildbar, abänderbar, abbaubar, abberufbar, abbestellbar, abbezahlbar, abbrausbar, abbürstbar, abnehmbar, abschätzbar, abstellbar, …
anstellbar, aufstellbar, ausstellbar, beistellbar, bestellbar, darstellbar, einstellbar, erstellbar, verstellbar, vorstellbar, zustellbar, stellbar usw.

Sehen Sie diese Seite zur Wortbildung für weitere Informationen über -bar.

Unser Wörterbuch enthält über 18 000 Verben, von denen ein großer Teil ein Adjektiv auf -bar bilden kann. Es wird deshalb nicht möglich sein, alle auf -bar endenden Adjektive aufzunehmen. Es ist auch nicht immer unbedingt sinnvoll, denn manchmal sind solche Wortbildungen zwar möglich und korrekt, aber recht ungebräuchlich oder sehr ungewöhnlich. Zum Beispiel:

hinüberziehbar, kratzbar, eingrabbar, abkaubar

Übrigens: Wenn ein Wort nicht in einem Wörterbuch steht, heißt das noch lange nicht, dass es das Wort nicht gibt! Viele Wörter, die mit so produktiven Wortbildungselementen wie -bar gebildet werden (können), sind nicht in Wörterbüchern zu finden. Sie sind von sich aus verständlich und anwendbar, da ihre Bedeutung, Verwendung usw. sich einfach aus der Bedeutung des Grundwortes und der Art des Wortbildungselementes erschließen. Die Aufnahme von abbildbar werden wir natürlich trotzdem prüfen, denn dieses Adjektiv ist zum Beispiel im Bereich der Informatik recht gebräuchlich geworden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum der Python männlich ist

Frage

Warum heißt es der Python und nicht die Python?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

der Python verdankt seinen Namen der von Apollo getöteten Schlange Python. Diese mythologische Figur, die das Orakel in Delphi behütete, ist im Griechischen männlich. Deshalb heißt die Schlange wohl auch im Deutschen offiziell der Python.

Vor allem umgangssprachlich ist diese Schlange aber häufig weiblich: die Python. Auch ich muss mir Mühe geben, um „der Python“ zu sagen, denn auch bei mir kommt spontan die Python“ auf. Das liegt daran, dass praktisch alle anderen Schlangenarten wie das Wort Schlange“ weiblich sind*. Zum Beispiel:

die Anakonda, die Boa, die Kobra, die Mamba, die Natter, die Otter (der Otter ist ein ganz anderes Tier!), die Viper

Wenn man es aber standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man am besten der Python“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ich habe auf die Schnelle“ nur eine weitere Ausnahme gefunden: der Buschmeister (eine giftige Grubenotternart aus Mittel- und Südamerika). Es ist möglich, dass es noch mehr Ausnahmen gibt.

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Die Algarve, das Portugiesische und das Wetter

Der Urlaub war schön, lehrreich und vor allem auch erholsam. Ich war im Süden Portugals, genauer gesagt in der Algarve. Für Puristen müsste ich jetzt sagen im Algarve, denn im Portugiesischen ist das Wort männlich o Algarve. Üblicher und allgemein akzeptiert ist aber im Deutschen doch die weibliche Form die Algarve. Dort bin ich der deutschen Sprache außer im eigenen Hausgebrauch, auf einigen Menükarten und erstaunlicherweise auf Bioprodukten in Supermärkten kaum begegnet. Die Konversation mit den Einheimischen verlief entweder in sehr dürftigem Portugiesisch meinerseits oder viel besserem Englisch seitens der Portugiesen (also meistens Englisch …).

Die üblichen Redewendungen wie bitte – faz favor, danke – obrigado und die Begrüßungen bom dia, boa tarde und boa noite hatten wir natürlich schon aus dem Reisebüchlein gelernt. Aber danach wird es schwieriger. Wenn man schon eine andere romanische Sprache wie zum Beispiel Französisch, Italienisch oder insbesondere Spanisch kann, kommt man beim Lesen des Portugiesischen noch recht weit. Viele Wörter werden ähnlich oder sogar gleich geschrieben. Natürlich versteht man nicht alles, aber man begreift oft, worum es geht. Dieses Begreifen hat abrupt ein Ende, wenn man Portugiesisch hört. Dann trifft einen ein recht wohlklingender Wortschwall mit viel sss und sch und wenig Selbstlauten. Portugiesen haben die Neigung, Selbstlaute zu verschlucken oder sie nur anzudeuten. Wenn dann doch einmal ein Vokal zu hören ist (auch Portugiesen kommen nicht ohne Selbstlaute aus), klingt er oft anders, als man das aus dem Schriftbild erwarten würde. So spricht man o aus wie u, ou wie o und a oft wie unbetontes e. Und wenn dahinter ein n oder m folgt oder darauf ein ~ steht, wird der Laut wie im Französischen nasaliert (durch die Nase gesprochen). Wenn Sie einmal einen portugiesischen Wein aus der Douro-Region bestellen, sagen Sie also nicht – wie die meisten das erwarten würden – „einen Duro bitte“, sondern mit gut vorbereiteter Kennermiene „einen Doru bitte“. Die Aussprache für Weine aus der Dão-Region ist dann etwas für Fortgeschrittene.

Diese Aussprachehürden führten ganz schnell dazu, dass ich abgesehen von den genannten Höflichkeitsfloskeln meist aufs Englische ausweichen musste. Nach ausreichender  Vorbereitung gelang es mir zwar, eine offenbar sogar einigermaßen verständliche Frage zu formulieren, aber von der Antwort habe ich dann meistens nur das erste oder das letzte Wort verstanden. Das genügt normalerweise leider nicht.

Manchmal konnte man aber nicht auf Englisch übergehen. Auf einer Wanderung begegneten wir einem älteren Ziegenhirten (so richtig malerisch mit Ziegen, Hunden und durch die Witterung zerfurchtem Gesicht), dem ein Gespräch mit Touristen wohl gerade recht war. Er sprach langsam und verschluckte nur wenige Vokale. Ich habe den Mann verstanden! Ich war also doch des Portugiesischen mächtig!! Dieser Eindruck verschwand aber wieder vollständig am Abend zwischen viertel vor sieben und sieben Uhr während des Aktualitätensprogramms auf RTP 1. Irgendwann während dieser Viertelstunde wurde nämlich der Wetterbericht ausgesendet. Die Präsentatorin der Sendung war nicht nur äußerlich das pure Gegenteil des Ziegenhirten (blond, Deuxpièces, glatt geschminkter Teint). Sie sprach auch ganz anders, nämlich so, als ob es ihr erklärtes Ziel wäre, möglichst viele Vokale wegzulassen. So sprach sie den im Bild eingeblendeten Namen Kristina aus wie krschtna und ein Wort, das representar geschrieben wird, klang bei ihr wie chpchsntar. Keine Chance auch nur einen Satz von ihr zu verstehen! Den Wetterbericht präsentierte dann immer jemand anders, den man mit Hilfe der Wetterbildchen viel besser verstand. Wir hatten vierzehn Tage lang ohnehin ungefähr das gleiche Wetter, so dass der Wortschatz diesbezüglich zum Glück sehr beschränkt bleiben konnte: céu pouco nublado oder céu limpo: leicht bewölkt oder unbewölkt!

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