Archiv für Dezember, 2009

Zum Ende der Nullerjahre

Dieser Eintrag kommt eigentlich zu spät, denn die Rückblicke, Bestenlisten und Aufzählungen der unterschiedlichsten Höhepunkte des sich dem Ende neigenden Jahrzehnts sind ja schon fast alle zusammengestellt und veröffentlicht worden. Mir fällt dabei unter anderem auf, dass eine Frage, die viele am Anfang dieses Jahrhunderts beschäftigte, beantwortet zu sein scheint: Wie nennt man die Jahre des ersten Jahrzehnts eines Jahrhunderts? In sehr vielen Rückblicken findet man dafür das Wort Nullerjahre.

Die Nullerjahre. Ich finde es kein besonders schönes Wort – doch das ist reine Geschmackssache. Es ist ein praktisches Wort. Es bezeichnet ziemlich genau das, was gemeint ist, und es fügt sich problemlos in den Wortschatz des Deutschen ein. Die Siebzigerjahre, die Achtzigerjahre, die Neunzigerjahre – in diese Reihe passen die Nullerjahre ausgezeichnet. Auch strengste Anglizismenjäger können nichts daran auszusetzen haben. Es findet sich bestimmt jemand, der „logische“ oder andere Einwände gegen diese Wortschöpfung hat, doch seit über die Sprache nachgedacht, gesprochen und geschrieben wird, hat es wohl noch nie eine sprachliche Neuerung gegeben, gegen die niemand etwas einzuwenden gehabt hätte. Die Nullerjahre sind also ganz zu Recht auf dem Weg, sich durchzusetzen.

Eigentlich wollte ich nur ganz kurz etwas zur Rechtschreibung sagen. Während man sehr oft ganz richtig die Nullerjahre liest, begegnet man auch hin und wieder anderen Schreibungen wie die Nuller-Jahre und die Nuller Jahre.  Die erste Schreibung enthält einen unnötigen, aber nicht grundsätzlich falschen Bindestrich. Die zweite Schreibung ist falsch. Wenn Nuller ein Substantiv ist, muss es mit Jahre zusammengeschrieben werden: die Nullerjahre. Wenn man es als vorangestelltes Adjektiv interpretierte, müsste es wie zum Beispiel achtziger kleingeschrieben werden: die nuller Jahre (vgl. achtziger Jahre). Sie schreiben also am besten in den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts (oder, wie ich es rein stilistisch vorziehe, im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts).

Guten Rutsch in die Zehnerjahre und ein glückliches neues Jahr!

Dr. Bopp

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Wegen nichts, für nichts, um nichts

Auch zwischen Weihnachten und Silvester sind wir für Sie da. Die Besucherzahlen auf CanooNet zeigen zwar jedes Jahr, dass das Interesse an sprachlichen Fragen aus nicht völlig unbegreiflichen Gründen über die Feiertage auf einen absoluten Tiefpunkt sinkt, aber wir möchten ja die wenigen verbleibenden Interessierten nicht gänzlich vor dem Nichts stehen lassen. Deshalb hier eine Frage zum Wort nichts:

Frage

„Wegen Nichts bekommt er einen vor den Kopf.“

Meine Frage zum Wort nichts: Ist im Beispielsatz nur die Kleinschreibung nichts erlaubt oder wäre auch die Großschreibung Nichts möglich?

Antwort

Sehr geehrter Herr E.,

hier ist nur die Kleinschreibung richtig:

Wegen nichts bekommt er einen vor den Kopf.

Ebenso:

…, weil nichts und niemand uns aufhalten kann.
alles oder nichts
Danke für nichts!
mit nichts zufrieden sein
Man kann ihm nichts erzählen, ohne dass es nachher das ganze Dorf weiß.

Das Pronomen nichts schreibt man also grundsätzlich klein. Man muss allerdings großschreiben, wenn nichts als Substantiv verwendet wird. Das ist dann der Fall, wenn es von einem Artikelwort begleitet wird. Zum Beispiel:

Wegen eines Nichts bekommt er einen vor den Kopf.
vor dem Nichts stehen
aus dem Nichts erscheinen

Sehen Sie auch die Angaben zur Rechtschreibung von nichts im CanooNet-Wörterbuch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Weihnachten 2009

Unser ganzes CanooNet-Team wünscht Ihnen ein schönes Weihnachtsfest!

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Mittelständische Unternehmen und mittelständige Fruchtknoten

Frage

Heißt es mittelständisch oder mittelständig?

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

beide Wörter werden verwendet. Wenn Sie den Mittelstand als die gesellschaftliche oder unternehmerische Mittelschicht meinen, verwenden Sie mittelständisch. Zum Beispiel:

kleine und mittelständische Unternehmen
die mittelständische Wirtschaft

Das Wort mittelständig wird unter anderem in der Botanik benutzt. Es bedeutet in der Mitte befindlich, dazwischen befindlich. Zum Beispiel:

ein mittelständiger Fruchtknoten
die mittelständige Nasentrennwand

Man hört und liest allerdings auch hin und wieder mittelständige Unternehmen, doch standardsprachlich ist dies nicht ganz die richtig Wortwahl. Dieser unterschiedlichen Verwendung der beiden Wörter liegt übrigens keine tiefere Logik und auch keine eindeutige Grammatikregel zugrunde. Sie wird durch den allgemein üblichen Gebrauch bestimmt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wieso heißen Dominosteine eigentlich Dominosteine?

Passend zum vierten Adventssonntag eine weihnächtliche Frage:

Frage

Wieso heißen Dominosteine eigentlich Dominosteine? Ich meine damit nicht die Spielsteine, sondern die mit Schokolade überzogenen Süßigkeiten aus Lebkuchen, Marzipan und Fruchtgelee. Sie sind nicht dominostein-, sondern würfelförmig. Wieso heißen sie also Dominosteine?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

leider habe ich keine Ahnung, was den Dresdener Feinbäcker Herbert Wendler im Jahre 1936 dazu bewogen hat, seine inzwischen in ganz Deutschland „weltberühmte“ süße Neuschöpfung Dominosteine zu nennen. Ihn persönlich kann man nicht mehr danach fragen, da er im Jahre 1998 verstorben ist. Auch sonst habe ich nirgendwo entsprechende Informationen finden können.

Ich muss also raten: Vielleicht hatten sie ursprünglich eine länglichere Form. Vielleicht liegt es an den drei Lagen (Lebkuchen, Fruchtgelee, Marzipan), die ein wenig wie drei aufeinandergeschichtet Dominosteine aussehen. Es könnte auch sein, dass zwei nebeneinanderliegende süße Dominosteine von oben gesehen an einen echten Dominostein erinnern. Vielleicht heißen sie so, weil sie mit mehreren zusammen verpackt wie Dominosteine in einer Schachtel liegen. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass sie viereckig sind und dass Dominosteine einfach gut klingt.

Es tut mir leid, dass ich Ihnen eine genauere Antwort schuldig bleiben muss. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag

Geneigte Leser und Leserinnen aus Dresden oder dem Rest der Welt, die Genaueres wissen, mögen doch bitte nicht zögern, ihr Wissen mit uns zu teilen!

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Lange Zähne bekommen

Frage

Heute habe ich den Ausdruck lange Zähne bekommen gehört. Arbeitskollegen meinten, dass sie dieselbigen bekommen, wenn sie an eine Kollegin denken. Was hat das zu bedeuten? Neid etwa?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

ein interessanter Ausdruck! Er ist umgangssprachlich und hat zwei so unterschiedliche Bedeutungen, wie sie unterschiedlicher beinahe nicht sein könnten. Es gibt Leute, die mit lange Zähne bekommen meinen: Lust/Appetit auf etwas bekommen. Bei anderen wiederum bedeutet es (oft in Bezug auf Essen): keine Lust auf etwas haben, etwas nicht mögen. Ich weiß leider nicht, ob es hierbei regionale Unterschiede gibt.

Die beiden unterschiedlichen Bedeutungen sind wohl auf zwei unterschiedliche Redensarten zurückzuführen, in denen lange Zähne vorkommen:

jemandem lange Zähne machen; jemandem die Zähne lang machen
= jemandem Lust auf etwas machen; jemanden auf etwas begierig machen

lange Zähne machen; mit langen Zähnen essen
= etwas essen, das man nicht mag, und diesen Widerwillen gut sichtbar sein lassen

Mir kommt dazu spontan noch ein etwas konkreteres Bild in den Sinn, nämlich dass einem die Zähne länger werden, damit man so richtig schön zubeißen kann. Auch das kann sowohl positiv als auch negativ gemeint sein: Man kann das beißenswürdige Objekt zum Reinbeißen attraktiv finden, aber man kann den Biss auch als Strafmaßnahme sehen.

Es ist also nicht sehr erstaunlich, dass Sie nicht gleich verstanden haben, was mit dem Ausdruck gemeint sein könnte. Je nachdem, wie er gesagt wird, wer ihn verwendet und wie dabei geschaut wird, findet man die Kollegin, über die man spricht

  • sehr attraktiv oder
  • gar nicht nett.

Da Sie spontan auf Neid getippt haben, wird es wohl Letzteres gewesen sein. Auch mit einer positiven Bedeutung finde ich übrigens die Wendung nicht sehr schmeichelhaft, wenn sie auf eine Person bezogen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Alles bleibt selbst höflich klein

Eine häufiger gestellte Frage, die ausnahmsweise einmal (fast) ohne Wenn und Aber zu beantworten ist:

Frage

Jetzt, zu Weihnachten, möchten wir uns bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken. Da die Wörter Kolleginnen und Kollegen im Text nicht noch einmal vorkommen sollen, lautet der Satz: „Wir möchten uns bei allen für das Engagement bedanken.“ Nun kam die Frage auf, ob allen groß- oder kleingeschrieben wird?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

man schreibt alle/alles immer klein. Es wird nur in der Wendung sein Ein und (sein) Alles sowie natürlich am Satzanfang und wie oben als erstes Wort in einer Überschrift großgeschrieben. Ihr Satz ist also richtig geschrieben:

Wir möchten uns bei allen für das Engagement bedanken.

Ebenso zum Beispiel:

Hast du alle informiert?
Ich habe mit allen geredet.
Wenn alle nur noch Hbf. verstehen

Die Kleinschreibung gilt also auch dann, wenn alle sich auf Personen bezieht. Sie gilt sogar dann, wenn man sich direkt in der Höflichkeitsform an mehrere Personen richtet:

Wir danken Ihnen allen für Ihren Einsatz
Ich möchte Sie alle herzlich einladen …

Sehen Sie auch diese Seiten zur Rechtschreibung von alle und zur Kleinschreibung von Pronomen im Allgemeinen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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„Happy Chanukka“ auf Deutsch

Seit Freitagabend, dem Vorabend des 25. Tages des jüdischen Monats Kislew, wird Chanukka gefeiert. Chanukka oder das Lichterfest ist das jährlich gefeierte achttägige Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem  im 2. Jahrhundert v. Chr. (nach dem jüdischen Kalender im Jahr 3597). Es ist ein Familienfest, das verschieden Gebräuche kennt: Die Kerzen des Chanukka-Leuchters werden in einer bestimmten Reihenfolge eine nach der anderen angezündet, Kinder erhalten Geschenke, man isst traditionell in Öl gebackene Gerichte (u. a. Berliner Pfannkuchen) usw.

Ich muss gestehen, dass meine Kenntnisse des jüdischen Brauchtums sehr beschränkt sind. Ohne die Hilfe von Nachschlagwerken wäre die obenstehende Information noch viel spärlicher geblieben. Fast am meisten habe ich mich aber über die folgende Wissenslücke gewundert:  Dank amerikanischen Filmen und Seifenopern wusste ich zwar, dass man jemandem auf Englisch „Happy Chanukka!“ wünscht, aber wenn ich das auf Deutsch hätte sagen wollen, wäre ich nicht viel weiter gekommen als „ähm…“. Nach einigem Suchen bin ich dann fündig geworden. Es ist ganz einfach: „Frohes Chanukka!“ Es gibt wahrscheinlich noch anderer Arten, jemandem ein schönes Chanukka-Fest zu wünschen, aber diese Wendung kann sogar ich mir gut merken. Sie gleicht ja ungemein einem der gebräuchlichsten Wünsche zum bevorstehenden Weihnachtsfest. Wenn Sie also Chanukka feiern: Frohes Chanukka!

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Wenn alle nur noch Hbf. verstehen

Frage

In einem Forum kam die Frage auf, warum das Wort Hauptbahnhof mit HBF und nicht z. B. mit HBH oder nur BF oder BH abgekürzt wird. Vielleicht können Sie uns ja ein bisschen Licht ins Dunkle bringen, da es leider so viele Vermutungen gibt. Und mittlerweile verstehen alle nur noch Bahnhof …

Antwort

Sehr geehrter Frau R.,

warum etwas so und nicht anders abgekürzt wird, ist oft nicht eindeutig zu sagen. Es gibt nämlich keine festen Regeln, wie etwas abgekürzt werden muss. Oft verwendet man die Anfangsbuchstaben des Wortes, eines Wortteils oder einer Silbe, manchmal aber auch Endbuchstaben (z.B. Ltg. = Leitung, lt. = laut, Bgld. = Bargeld). Da es keine festen, allgemeingültigen Regeln gibt, ist  für viele Begriffe mehr als eine Abkürzung üblich. Wichtig ist eigentlich nur, dass eine Abkürzung im Zusammenhang, in dem sie verwendet wird, möglichst eindeutig ist.

Nun zum konkreten Fall: Die im Bahnwesen übliche Abkürzung für Bahnhof ist Bf. In der Allgemeinsprache wird auch Bhf. abgekürzt. Die Abkürzung Bh. kommt ebenfalls vor. Warum das Bahnwesen nicht Bh. oder BH verwendet, ist schwer zu sagen. Vielleicht war die Abkürzung schon „bahnintern“ besetzt. Es könnte auch sein, dass Verwechslungen mit anderen BHs (u. a. Bezirkshauptmannschaft, Bundesheer, Büstenhalter) vermieden werden sollten.

Die im Bahnwesen übliche Abkürzung für Bahnhof ist also Bf. Die Abkürzung für Hauptbahnhof ist entsprechend Hbf.:

Hbf. Leipzig
Leipzig Hbf.

In der Schweiz ist allerdings die Abkürzung HB üblich:

HB Zürich
Zürich HB

Und auch hier kennt die Allgemeinsprache zusätzlich eine andere Abkürzung: Hbhf.

Ich kann also mit einiger Sicherheit sagen, dass die „offiziellen“ Abkürzungen Bf. und Hbf. (HB) sind. Ich kann nur darüber mutmaßen, warum im Bahnwesen diese und nicht andere Abkürzungen üblich sind (Abkürzung schon „besetzt“, Vermeidung von Verwechslungen). Es ist übrigens nicht falsch, in der Allgemeinsprache andere Abkürzungen wie zum Beispiel  Bhf., Bh. Hbhf. zu verwenden. Genießen Sie diese „Freiheit“! Wichtig ist, dass deutlich ist, was Sie meinen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Kurzversion der Fünfundzwanzigerpackung

Frage

Wie schreibt man 25 er Packung korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

man schreibt

Fünfundzwanzigerpackung

oder abgekürzt mit Ziffern

25er-Packung

So einfach kann es manchmal sein! Die entsprechende Rechtschreibregel finden Sie hier. Weitere Beispiele:

Sechserpackung 6er-Packung
im Zehnerpack im 10er-Pack
das Zwölfersystem das 12er-System
die 68er-Generation

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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