Angstschweiß: Wenn Konsonanten sich häufen

Gestern fragte mich ein Kollege nach Angstschweiß. Er weiß natürlich, dass ich nur ein „Sprachdoktor“ bin. Er meinte also nicht die emotional bedingte Drüsensekretion, sondern das Wort.  Angstschweiß wird nämlich häufig dann genannt, wenn es um das deutsche Wort mit der höchsten Anzahl nacheinanderstehenden Konsonanten geht. Es hat deren acht: ngstschw.

Wahrscheinlich stimmt diese Aussage sogar, wenn man die Suche auf in Wörterbüchern verzeichnete Wörter beschränkt. Aber auch dann muss Angstschweiß den ersten Platz mit Angstschrei teilen. Außerdem zählt man nur die geschriebenen und nicht die gesprochenen Konsonanten. So werden zum Beispiel die Buchstaben ng als ein Nasallaut [ŋ] gesprochen und stehen die drei Buchstaben sch für nur einen gesprochenen Zischlaut [ʃ].

Das Wort Angstschweiß hat zwar acht geschriebene, aber nur fünf gesprochene aufeinanderfolgende Konsonanten (ng-s-t-sch-w). So einzigartig ist es deshalb eigentlich nicht, denn fünf gesprochene Konsonanten hintereinander gibt es recht häufig: Dunstglocke, Schwertstreich, Dialektsprecher, Waldstraße usw. Die Verbform röntgst endet sogar mit fünf Konsonanten. Wahrscheinlich ist es darum kaum möglich, dieses Wort überhaupt auszusprechen.

Mit einer Anhäufung von einem halben Dutzend gesprochenen Konsonanten können zum Beispiel Durststrecke und Kunstspringen aufwarten.

Wenn wir den Bereich der Wörterbücher verlassen und die Phantasie etwas spielen lassen, ist es einfach möglich, weitere Wörter mit großen Konsonantenansammlungen zu bilden. Zum Beispiel:

Herbstschnee
8 geschriebene und 6 gesprochene Konsonanten
Herbststreifen
7 geschriebene und 7 (!!) gesprochene Konsonanten

Unübertroffen ist wahrscheinlich der Borschtschschmand: 12 (!!) geschriebene und 6 gesprochene Konsonanten hintereinander! Borschtsch ist aber nicht wirklich ein deutsches Wort und ich bezweifle, dass es spezielle Sahne für Borschtsch gibt. Bei Wortspielereien wie diesen sollte man es aber mit solchen Dingen nicht so streng nehmen. Wenn man auch noch Dialektwörter wie Gschnader und Gschwätz zulässt, kann man auf noch höhere Zahlen kommen.

6 Kommentare

  1. Chesire Cat schreibt:

    Dezember 2, 2009 um 15:14

    „Außerdem zählt man nur die geschriebenen und nicht die gesprochenen Konsonanten.“

    Meinen Sie das andersrum? Oder habe ich jetzt was falsch verstanden?

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Dezember 5, 2009 um 11:56

    Es ist vielleicht nicht ganz so deutlich ausgedrückt, aber es ist schon so gemeint. Das Wort „Angstschweiß“ hat nur dann die längste Konsonantenfolge, wenn man die geschriebenen Konsonanten zählt (8), nicht aber, wenn man die gesprochenen Konsontanten zählt (5).

  3. Jan schreibt:

    Dezember 6, 2009 um 00:58

    Wenn man in der Küche kreativ wird, lässt sich bestimmt auch ein Borschtschschtschi zaubern. 😉

  4. Ivan Panchenko schreibt:

    Dezember 6, 2009 um 16:37

    Ich kenne ein gebräuchliches (!!!) Wort mit 7 hintereinander folgenden Konsonanten aus phonetischer (!!!) Sicht: (das) Selbstpflücken

    Die meisten hintereinander folgenden Konsonantenbuchstaben hat unbestreitbar das Wort Borschtschschtschi. Das Wort ist zwar nicht gebräuchlich, aber immerhin sinnvoll. Man kann es als „Mischung aus Borschtsch und Schtschi“ definieren.

    Borschtsch und Schtschi sind zwar russischen Ursprungs, aber immerhin werden sie, im Gegensatz zu dem Wort Rjaschenka (mit Karamellzuckersirup gefärbtes Sauermilcherzeugnis aus Joghurt), in der deutschen Sprache gebraucht und somit als deutsche (Fremd-)Wörter anzusehen.

  5. Frank schreibt:

    Februar 22, 2010 um 15:57

    Bin gerade durch Zufall auf einen Kandidaten mit 8 Buchstaben gestoßen: Polyrhythmik Allerdings sieht es da mit der Aussprache nicht so doll aus. Schließlich wird das y zum Teil als i gesprochen und die beiden Hs sind auch sehr stumm. 😉

    Dennoch ein schönes verwirrendes Wort.

  6. Ivan Panchenko schreibt:

    Mai 20, 2010 um 14:54

    y ist doch kein Konsonant!