Archiv für Dezember, 2009

Wer erschreckt heute Ihre Kinder?

Dass der Sankt Nikolaus aus der Türkei stammt, in Amerika unter dem Namen Santa Claus zum Weihnachtsmann mutiert und als solcher mit Coca Colas Hilfe nach Europa zurückgekehrt ist, wissen Sie vielleicht schon. Aber wussten Sie auch, dass er, der gütig-strenge Ermahner, der die Herzen der Kinderchen mit einer Mischung von Furcht und Vorfreude höher schlagen lässt, dass also dieser Nikolaus, Samichlaus, Santiklaus, Nikolo, Niglo oder wie Sie ihn nennen, je nach Region andere Begleiter hat, die für die Furcht der lieben oder eben nicht so lieben Sprösslinge zuständig sind?

Im Norden und in der Mitte Deutschlands kommt er zusammen mit Knecht Ruprecht. Im Rheinland begleitet ihn der Belznickel oder Hans Muff, im Elsass Hans Trapp und in der Schweiz meist der Schmutzli. Vom Südtirol über Österreich bis nach Bayern sind die Krampusse fürs Einschüchtern zuständig. All diese Figuren dien(t)en dazu, die Angst vor Ungehorsam zu schüren. Aber wie das so ist, ein Jahr ist lang, vor allem wenn man noch klein ist, so dass es auch Ruprecht, Krampus, Schmutzli und Konsorten nie gelungen ist, die lieben Kleinen sehr lange nur lieb sein zu lassen.

Wie man sieht, haben solche Bräuche viele regionale Varianten und Namen. Ich haben bei der Aufzählung bestimmt einige Begleiter des Sankt Nikolaus vergessen. Mit welcher Figur verunsichern Sie am heutigen Nikolaustag die nicht ganz so lieben Kleinen? Vor wem fürchteten Sie sich ein wenig, als Sie noch nicht ganz davon überzeugt waren, dass alles nur Verkleidung ist?

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Angstschweiß: Wenn Konsonanten sich häufen

Gestern fragte mich ein Kollege nach Angstschweiß. Er weiß natürlich, dass ich nur ein „Sprachdoktor“ bin. Er meinte also nicht die emotional bedingte Drüsensekretion, sondern das Wort.  Angstschweiß wird nämlich häufig dann genannt, wenn es um das deutsche Wort mit der höchsten Anzahl nacheinanderstehenden Konsonanten geht. Es hat deren acht: ngstschw.

Wahrscheinlich stimmt diese Aussage sogar, wenn man die Suche auf in Wörterbüchern verzeichnete Wörter beschränkt. Aber auch dann muss Angstschweiß den ersten Platz mit Angstschrei teilen. Außerdem zählt man nur die geschriebenen und nicht die gesprochenen Konsonanten. So werden zum Beispiel die Buchstaben ng als ein Nasallaut [ŋ] gesprochen und stehen die drei Buchstaben sch für nur einen gesprochenen Zischlaut [ʃ].

Das Wort Angstschweiß hat zwar acht geschriebene, aber nur fünf gesprochene aufeinanderfolgende Konsonanten (ng-s-t-sch-w). So einzigartig ist es deshalb eigentlich nicht, denn fünf gesprochene Konsonanten hintereinander gibt es recht häufig: Dunstglocke, Schwertstreich, Dialektsprecher, Waldstraße usw. Die Verbform röntgst endet sogar mit fünf Konsonanten. Wahrscheinlich ist es darum kaum möglich, dieses Wort überhaupt auszusprechen.

Mit einer Anhäufung von einem halben Dutzend gesprochenen Konsonanten können zum Beispiel Durststrecke und Kunstspringen aufwarten.

Wenn wir den Bereich der Wörterbücher verlassen und die Phantasie etwas spielen lassen, ist es einfach möglich, weitere Wörter mit großen Konsonantenansammlungen zu bilden. Zum Beispiel:

Herbstschnee
8 geschriebene und 6 gesprochene Konsonanten
Herbststreifen
7 geschriebene und 7 (!!) gesprochene Konsonanten

Unübertroffen ist wahrscheinlich der Borschtschschmand: 12 (!!) geschriebene und 6 gesprochene Konsonanten hintereinander! Borschtsch ist aber nicht wirklich ein deutsches Wort und ich bezweifle, dass es spezielle Sahne für Borschtsch gibt. Bei Wortspielereien wie diesen sollte man es aber mit solchen Dingen nicht so streng nehmen. Wenn man auch noch Dialektwörter wie Gschnader und Gschwätz zulässt, kann man auf noch höhere Zahlen kommen.

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Angst vor dem Leuchtturm?

Aus aktuellem Anlass: Das Wort Minarett geht über französisch minaret und türkisch minare auf arabisch manara zurück, wo es eigentlich Leuchtturm bedeutet. So gesehen wäre es ja gar nicht so abwegig: Welchen Sinn haben Leuchttürme in der Schweiz?

Und wenn Sie sich nur fragen, ob das zynisch gemeint ist: Ja, das ist es.

Natürlich weiß ich, dass der Ursprung des Wortes nur wenig mit der heutigen Bedeutung zu tun hat, dass es also um etwas ganz anderes als überflüssige Leuchttürme geht. Ich frage mich nur, ob der Moscheeturm und das Symbol der Bedrohung, das er sein soll, viel mehr miteinander zu tun haben. Worte und das, was sie bedeuten, verhalten sich sehr ähnlich zueinander wie Dinge und das, was sie symbolisieren. Nur weil in irgendeiner Weise ein Zusammenhang  hergestellt werden kann, braucht er noch lange nicht wahr zu sein. Je einfacher und „logischer“ einem der Zusammenhang präsentiert wird, desto vorsichtiger müsste man oft sein.

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