Archiv für Januar, 2010

sic!

Frage

den zusatz (sic!) setzt einer ja wohl, wenn er ausdrücken will, der rechtschreib- oder sonstige fehler sei schon „dort“ und nicht ihm selbst unterlaufen. jetzt bitte ich um Ihre meinung zum solcherart kritisierten fehler in dem satzfragment:

„…bedeutet, mandantenorientiert zu arbeiten, nicht als abstraktes (sic!) ‘organ der rechtspflege’.“

will er sagen, es sei falsch, von einem abstrakten organ der rechtspflege zu schreiben?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

wie Sie richtig schreiben, verwendet jemand den Zusatz sic, um anzugeben, dass ein Zitat exakt so lautet und nicht auf ein Versehen des Zitierenden zurückzuführen ist.  Das Wörtchen sic wird normalerweise in runde oder eckige Klammern gesetzt und kann noch mit einem Ausrufezeichen verstärkt werden. Es ist lateinisch und bedeutet so. Der Autor oder die Autorin will mit (sic) oder (sic!) meistens angeben, nicht mit dem Geschriebenen einverstanden zu sein oder zumindest daran zu zweifeln. Diese Hervorhebung wird nicht nur für Rechtschreibfehler, sondern auch für andere Sprachfehler und bei Zweifel an der Wortwahl oder dem Inhalt verwendet:

„Ich mache nie Feler [sic!].“
„Jeder Intel ist besser wie [sic] ein AMD“
Dem fügte er hinzu, dass eine Hotelübernachtung dort schließlich nur (sic!) 575 Euro pro Nacht koste.

Wenn sic sich nicht direkt auf ein Zitat bezieht, kann je nach Zusammenhang auch eine Stellungnahmen wie ausgerechnet dieser/diese, wie könnte es auch anders sein, man lese und staune, wirklich und wahrhaftig u. Ä. gemeint sein.

Unser Filialleiter (sic) meinte, wir könnten den Laden eine Stunde früher schließen.
Bis zum Ende des Spiels musste der Schiedsrichter insgesamt zwölfmal (sic!) nach der gelben oder roten Karte greifen.

In Ihrem Beispiel soll (sic!) angeben, dass das Wort abstrakt in diesem Zusammenhang falsch oder auffällig ist. Weshalb dieser Hinweis gemacht wird, kann ich, ohne den ganzen Text zu kennen, nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass kein Rechtschreib- oder Grammatikfehler vorliegt – abgesehen natürlich vom fast vollständigen Fehlen jeglicher Großbuchstaben …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das große Eszett

Da man das Jahr mit frischem Schwung, aber nicht gleich übertrieben hektisch beginnen sollte, hier etwas leichtere* Kost zum Auftakt des Jahres 2010:

Frage

Wie schreibt man das Wort Maßstab nur mit Großbuchstaben?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

die amtlichen Rechtschreibregelung § 25 E3 sagt:

Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS.

Man schreibt also:

MASSSTAB

Seit einiger Zeit gibt es das Eszett allerdings auch als Großbuchstabe: Am 4. April 2008 wurde ein Großbuchstabe für ß in den Zeichensatz Unicode 5.1 aufgenommen. Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat mit der Veröffentlichung des Zusatzes 4:2008 zum internationalen Zeichensatz ISO-10646 ebenfalls ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben.

42px-Capital_ß.svg

Dieser Großbuchstabe kommt aber in der amtlichen Rechtschreibung nicht vor. In den Vorbemerkungen zur Laut-Buchstaben-Zuordnung steht:

Die Schreibung des Deutschen beruht auf einer Buchstabenschrift. Jeder Buchstabe existiert als Kleinbuchstabe und als Großbuchstabe (Ausnahme ß)

Wenn Sie sich an die amtliche Rechtschreibregelung halten, schreiben Sie also, wie bereits gesagt, SS für großes ß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Für einige Leute ist diese Frage allerdings manchmal nicht ganz so „leicht“. In Dokumenten wird gelegentlich das kleine ß auch bei Großschreibung angewendet, um Verwechslungen mit ss auszuschließen:

GROßE, Henriette
WEIß, Michael

Wenn jemand nun Große oder Weiß heißt und im Ausland ein solches Dokument vorlegen muss, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Es ist dann nämlich oft nicht einfach, glaubhaft zu machen, dass man nicht Grobe oder Weib heißt. Das ß ist auf der internationalen Bühne schon als Kleinbuchstabe recht unbekannt – als Großbuchstabe verwendet ist es das erst recht.

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