Archiv für Juni, 2010

Global Player und Latin Lover in der Mehrzahl

Frage

Wie heißt es eigentlich richtig: die Global Player oder die Global Players? Ist der Plural hier überhaupt erlaubt?

Antwort

Guten Tag J.,

der Plural von Global Player lautet:

die Global Player
oder
die Global Players

Lehnwörter aus dem Englischen, die auf unbetontes er enden und im Deutschen männlich sind, bilden den Nominativ Plural in der Regel endungslos:

der Computer – die Computer
der Printer – die Printer
der MP3-Player – die MP3-Player
der Ghostwriter – die Ghostwriter

Dies geschieht in Übereinstimmung mit heimischen, ebenfalls mit der Endung er von Verben abgeleiteten Wörtern wie Rechner, Drucker, Spieler, Schreiber usw.

Bei Global Player wirkt einerseits diese Tendenz, das heißt, man sagt die Global Player. Andererseits wird Global Player wegen des ungebeugten und englisch ausgesprochenen Adjektivs global noch stark als englischer Begriff empfunden. Entsprechend wird noch häufig der englische Plural verwendet: die Global Players. Beide Pluralformen kommen vor und beide sind „verteidigbar“.

Ein anderer Ausdruck, der aus den gleichen Gründen zwei Pluralformen hat, erinnert irgendwie an Urlaubsabenteuer in südlichen Gefilden: Wenn sie in der Mehrzahl auftreten, versprühen die Latin Lover oder die Latin Lovers ihren berühmt-berüchtigten unwiderstehlichen Charme mit oder ohne die Pluralendung s.

Der Ausdruck Global Player kann im Übrigen wie seine deutschen Entsprechungen die Weltkonzerne oder die weltweit tätigen Unternehmen problemlos in der Mehrzahl verwendet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Struktur der Hundekotaufnahmepflicht

Als ich nach Hause kam, lag in der kleinen öffentlichen Grünanlage vor unserem Haus schon wieder so ein brauner, fliegenumschwärmter Haufen; ganz am Rand, auf etwas mehr als zweieinhalb Meter Abstand von der Haustür. Seit ungefähr zwei, drei Wochen hat sich ein Hundebesitzer diese Stelle ausgesucht, um seinen Hund ab und zu – pardonnez le mot – scheißen zu lassen. Letzteres wäre gar nicht so schlimm. Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Hunde, auch wenn die Wohnung, in der ich wohne, bewusst haustierfrei war, ist und, soweit es an mir liegt, auch bleibt. Störend ist also nicht, dass der Hund sein Geschäft dort verrichtet. Das arme Geschöpf muss ja irgendwo mal müssen können. Störend ist, dass es immer noch solch asoziale Hundebesitzer gibt, die meinen, den Hundedreck nicht aufräumen zu müssen. In der Weite der unberührten Natur, so wie man sie in diesem Teil Europas praktisch nirgends mehr antrifft, ist das kein Problem. In der relativen Enge eines Wohnviertels mit zahlreichen Hundebesitzern und vielen spielenden Kindern geht es einfach nicht. Das haben die meisten einigermaßen normal denkenden Menschen mittlerweile begriffen. Für die Unverbesserlichen hat man die Hundekotaufnahmepflicht erfunden.

Es ist nicht besonders originell, über das Liegenlassen von Hundekot zu schreiben, aber ich konnte mich dabei so richtig schön abreagieren. Es geht eigentlich um das schöne Wort Hundekotaufnahmepflicht, das mir beim Anblick des besagten Hundehaufens in den Sinn gekommen ist. Obwohl diese Pflicht auch in Deutschland vielerorts besteht, kommt das Wort im Gegensatz zum oft damit kombinierten Leinenzwang fast nur in Österreich und der Schweiz vor. Weshalb dieses eindeutig amts- und beamtendeutsche Wort „ausgerechnet“ in Deutschland nicht verwendet wird, ist mir schon seit einiger Zeit ein Rätsel.

Mir ist etwas anderes an Hundekotaufnahmepflicht aufgefallen: Es handelt sich hier um eine für das Deutsche typische Wortschöpfung, bei der eine Aussage, die viele andere Sprachen mit mindestens einem Nebensatz oder zwei Präpositionalgruppen ausdrücken, in ein einziges Wort gepfropft wird. Die Struktur solcher vielteiligen Zusammensetzungen lässt sich in der Regel gut analysieren und schön wissenschaftlich mit Hilfe von Strukturbäumchen u. Ä. darstellen. Und genau darüber bin ich gestolpert. Muss man die Hundekotaufnahmepflicht nun als Aufnahmepflicht für Hundekot oder als Pflicht zur Hundekotaufnahme analysieren?

Eigentlich ist es egal. Das Wort umschreibt genau, worum es geht, nämlich die Pflicht, Hundekot aufzunehmen. Der Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Strukturanalysen ist, wenn es überhaupt einen gibt, vernachlässigbar. Der Hundebesitzer, um den es hier geht, schert sich sowieso nicht darum. Deshalb mache ich mir nun keine weiteren Gedanken mehr zur Struktur dieses Wortes, erfreue mich am Sonnenschein und hoffe, dass ich das fehlbare Frauchen oder Herrchen bald einmal auf frischer „Nicht-Tat“ ertappe und sie oder ihn zur Rede stellen kann.

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Von Litern, Metern und Vierteln

Heute geht es wieder einmal um eine häufiger gestellte Frage, nämlich das Dativ-n bei gewissen Maß- und Mengenangaben.

Frage

Nie werde ich es mir merken: Heißt es „ein Gefäß von zwei Litern Inhalt“ oder „zwei Liter Inhalt“?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

vielleicht können Sie es sich nicht  merken, weil beides möglich und korrekt ist:

ein Gefäß von zwei Liter Inhalt
oder
ein Gefäß von zwei Litern Inhalt

Männliche und sächliche Maß- und Mengenbezeichnungen bleiben nach Zahlenangaben in der Regel unveränderlich:

zwei Paar Schuhe
2,5 Kilo Äpfel
zehn Fuß dicke Mauern
eine Bildschirmgröße von 17 Zoll
27 Euro

Eine Ausnahme sind Bezeichnungen wie Meter, Liter und Viertel im Dativ Plural. Diese Wörter haben die Eigenschaft, dass sie nur im Dativ eine Pluralendung haben: den Metern, den Litern, den Vierteln. Die anderen Pluralformen sind mit der Form des Nominativ Singular identisch: der Meter ­– die Meter. Bei solchen Maß- und Mengenangaben wird im Dativ Plural nach der allgemeinen Regel die endungslose Form verwendet oder (seltener) als Ausnahme doch die Pluralform:

endungslos
aus sieben Meter Stoff
auf 750 Meter Höhe liegen
ein Gewicht von drei Zentner
mit drei Viertel der Menge

gebeugt
aus sieben Metern Stoff
auf 750 Metern Höhe liegen
ein Gewicht von drei Zentnern
mit drei Vierteln der Menge

Beide Formulierungen gelten als korrekt. Mehr dazu finden Sie hier und hier.

Wie Sie sehen, gibt es im Deutschen auch bei etwas so Präzisem wie Maß- und Mengenangaben nicht nur Regeln, sondern auch Ausnahmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das weibliche Menschenkind und die kleine Insektenlarve

Es geht hier nicht um eine wissenschaftliche Variante von „Rotkäppchen und der böse Wolf“ für Entomologen (Insektenforscher), sondern um das Wort Mädchen:

Frage

Gibt es einen Grund dafür, dass die Verniedlichungsform von „Made“ und „Frauen im Kindesalter“ sich das gleiche Wort teilen müssen?!?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass das Wort Mädchen sowohl ein weibliches Kind als auch eine kleine Made bezeichnen kann. Der einzige Grund, den man dafür anführen kann, ist, dass es manchmal vorkommt, dass verschiedene Wörter in ihrer gesprochenen und/oder geschriebenen Form zusammenfallen. Das weibliche Kind war früher ein Mägdchen, d.h. eine kleine Magd. Damals war eine Magd noch nicht eine Bedienstete, sondern eine junge Frau und Jungfrau. Mit der Zeit ist das g weggefallen, so dass das Mägdchen zu Mädchen wurde. In dieser Form fällt das Wort dann mit der Verkleinerungsform von Made zusammen.

Dass Formen aus den verschiedensten Gründen in Klang und/oder Schrift zusammenfallen können, ohne dass es sonst irgendeinen Zusammenhang zwischen ihnen gäbe, zeigen auch die folgenden Beispiele:

Strauß (Blumengebinde und Vogel)
Ruhr (Fluss und Krankheit)
Ball (kugelförmiges Spielgerät und Tanzfest)
Wachstube (Tube Wachs und Stube der Wache)

Und weil es in der Frage um Wörter mit -chen geht, hier noch ein paar weitere Beispiele:

Kieferchen (kleine Kiefer und kleiner Kiefer)
Wägelchen (kleiner Wagen und kleine Waage)
Hörnchen (kleines Horn und kleines Nagetier)
Küchelchen (mit kurzem ü: kleine Küche; mit langem ü: kleiner Kuchen)

Solche „Doppelformen“ werden fachsprachlich Homonyme genannt. Sie führen übrigens nur sehr selten zu Verständigungsschwierigkeiten. So muss man sich z. B. ziemlich viel Mühe geben, um einen Satzzusammenhang zu finden, in dem man das Wort Mädchen überhaupt im Sinne von kleine Made verwendet und in dem man dann das Insektenlärvchen auch noch mit einem kleinen weiblichen Kind verwechseln könnte. Unmöglich ist es nicht, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Witz mit den Broten und den Eiern

Frage:

Ich bekam folgenden Witz:

Ein Softwareingenieur (Programmierer) und seine Frau.

Sie: „Schatz, wir haben kein Brot mehr, könntest du bitte zum Supermarkt gehen und eins holen? Und wenn sie Eier haben, bring 6 Stück mit.“

Er: „Klar Schatz, mach ich!“

Nach kurzer Zeit kommt er wieder zurück und hat 6 Brote dabei.

Sie: „Warum nur hast du 6 Brote gekauft?!?“

Er: „Sie hatten Eier.“

Eins ist sicher. Er hat alles richtig gemacht …

Ich bin mir da nicht so sicher. Ich denke, dass sich eine Aussage immer auf das letzte Substantiv bezieht. Also „Eier“. Was stimmt?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

auch ich bin mir hier gar nicht sicher, ob der Programmierer es tatsächlich richtig gemacht hat. Ich bin kein Programmierer und auch kein Logiker, aber ich glaube, dass ein echter Programmierer hätte nachfragen müssen. Das Wort Stück ist eine Art Platzhalter, das heißt ein Wort, für das ein anderes Wort eingesetzt werden muss. Was genau eingesetzt werden muss, ist aber nirgendwo eindeutig definiert. Ein Computerprogramm könnte deshalb nicht „wissen“, was mit Stück gemeint ist. Theoretisch könnte sich Stück sogar auch auf Supermarkt beziehen. Es gibt nämlich keine logische, grammatische oder andere Regel, die sagt, dass für den Platzhalter Stück das zuerst genannte Nomen (oder das gleiche Wort wie für den ebenfalls im Text vorkommende Platzhalter eins) eingesetzt werden muss.

Welches Wort für Stück eingesetzt werden muss, das heißt, ob sechs Brote, sechs Supermärkte oder sechs Eier gemeint sind, sagt uns nicht eine Regel, sondern unser Weltwissen. Es ist nämlich auch nicht so, dass ein Platzhalter wie Stück oder eins sich automatisch auf das zuletzt genannte Wort beziehen muss:

Wir haben kein Brot mehr. Gehe bitte in ein Geschäft und hole eines!

Hier ist mit eines grammatisch korrekt ein Brot gemeint.

Wir haben kein Brot mehr. Gehe bitte in ein Geschäft, falls es hier eines gibt!

Hier ist mit eines grammatisch korrekt ein Geschäft gemeint.

Es ist allerdings sehr oft so, dass sich Wörter wie eines oder Stück auf das zuletzt genannte Wort beziehen, wenn es mehr als ein Wort gibt, das in sinnvoller Weise eingesetzt werden kann. Bei Stück ist dies in unserem Witz das Wort Eier. Ein weiteres Indiz, das für Eier spricht, ist, dass Eier sehr oft im halben Dutzend verkauft werden, während dies bei Broten eher weniger der Fall ist. Wichtig ist weiter, dass die Tatsache, ob der Supermarkt Eier hat, für den Kauf von Eiern relevant ist, nicht aber für den Kauf von Brot. Eier gewinnt also 3:0. Das Wort Supermarkt kommt nur schon deshalb nicht in Frage, weil es äußerst unwahrscheinlich ist, dass man jemanden bittet, sechs Supermärkte mitzubringen.

Wenn sich der Programmierer an die Regeln des Progammierens gehalten hätte, hätte er also nicht gewusst, was er holen soll. Wenn er sich an die Regeln der menschlichen Kommunikation gehalten hätte, hätte er sechs Eier gebracht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Das nennt man übrigens einen Witz zu Tode analysieren.

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Wenn der Fahrstuhl das 1. UG nicht erreicht

Frage

Was ist richtig?

Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen der 1.UG zu klemmen.
oder
Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1.UG´s zu klemmen.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

richtig ist:

Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1. UG zu klemmen.
oder
Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1. UGs zu klemmen.

Die Abkürzung UG steht für Untergeschoss. Es heißt deshalb das 1. UG und das Erreichen des 1. UG/UGs.

UG kann wie viele männliche und sächliche Abkürzungen mit oder ohne Genitiv-s verwendet werden: des UG oder des UGs. Das Genitiv-s wird OHNE Apostroph direkt an die Abkürzung angehängt. Mehr zum Thema Genitiv und Mehrzahl von Abkürzungen finden Sie hier.

Ich hoffe, dass der Fahrstuhl mittlerweile nicht mehr klemmt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Meine vorläufige Tippliste

Ich bin bei weitem nicht der Erste und werde wohl auch nicht der Letzte sein, aber ich kann es einfach nicht lassen, das V-Wort hier zu erwähnen:

Meine vorläufige Tippliste für das Wort des Jahres 2010 sieht so aus:

3. Platz: Lena-Manie
2. Platz: Asche[n]wolke
1. Platz: Vuvuzela.

Diese Liste gilt übrigens nur für das Wort des Jahres in Deutschland. Das plötzlich zu Weltruhm gelangte Lärminstrument könnte es allerdings weltweit zum Wort des Jahres schaffen! Die Liste ist auch noch nicht definitiv: Beim dritten Platz zweifle ich bereits, ob ich nicht vielleicht Bavaria-Babes einsetzen sollte …

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Der Name der Vampire

Frage

Hat der Name Krolock (Graf Krolock aus »Tanz der Vampire«) eine Bedeutung?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

die Onomastik oder Namenkunde gehört zu den Teildisziplinen der Sprachwissenschaft, die wir auf CanooNet meist gröblich vernachlässigen. Für diesen Namen mache ich aber gern einmal eine Ausnahme, denn er ist noch relativ jung und nicht wie ein gewöhnlicher Name entstanden.

Der Name Graf von Krolock, den Sie vielleicht vom Musical »Tanz der Vampire« kennen, stammt aus Roman Polanskis gleichnamigem und übrigens sehr amüsantem Film aus dem Jahr 1967, der dem Musical als Vorlage diente. Es ist wahrscheinlich, dass der Name dieses Vampirfürsten lautlich vom Namen Graf Orlok abgeleitet ist (Orlok > Krolock). Graf Orlok ist die Vampirfigur im Film »Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens«, der 1921 von Friedrich Willhelm Murnau gedreht wurde. Inspirationsquelle für diesen Gruselfilm war die Urmutter aller bekannten Vampirerzählungen: der Roman »Dracula« von Bram Stoker. Da die Rechte des Buches nicht erworben werden konnten, durfte der Name Graf Dracula in Murnaus Film nicht verwendet werden. Der blutdurstige Graf musste also einen anderen Namen erhalten. Der Name Orlok ist möglicherweise eine lautliche Zusammenziehung zweier Wörter, die im ersten Kapitel des Romans vorkommen. Dort werden einige nicht gerade vertrauenerweckende Wörter zitiert, die der Ich-Erzähler in Transsylvanien von der örtlichen Bevölkerung vernommen hatte. Darunter sind Orodog = Teufel und vrolok = Werwolf, Vampir.

I must say they were not cheering to me, for amongst them were „Ordog“–Satan, „Pokol“–hell, „stregoica“–witch, „vrolok“ and „vlkoslak“–both mean the same thing, one being Slovak and the other Servian for something that is either werewolf or vampire.
Bram Stoker, Dracula, Chapter 1

Es ist also möglich – aber leider keineswegs hundertprozentig sicher – dass Graf von Krolock in »Tanz der Vampire« seinen Namen dem Grafen Orlok aus »Nosferatu« verdankt und dass dieser wiederum durch eine lautlichen Zusammenziehung unheilsschwangerer Wörter aus dem Roman »Dracula« entstanden ist. Wichtig ist vor allem, dass der Graf uns je nach Art der Geschichte, in der er auftritt, zum Gruseln oder zum Lachen bringt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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canoo TIPP!

Falls Sie sich schon einmal gefragt haben, warum CanooNet so heißt, wie es heißt, und Sie die Antwort nicht gefunden haben: Der kostenfreie Online-Sprachdienst CanooNet und dieses Blog werden durch die Schweizer Firma Canoo ermöglicht.

Falls Sie nicht nur sprachinteressiert, sondern auch fußballbegeistert sind, oder erst recht wenn Ihnen die Sprache zurzeit ziemlich egal ist, weil der Fußball Ihre ganze Aufmerksamkeit beansprucht, dann hat Canoo noch etwas für Sie: ein kostenloses WM-Tippspiel, bei dem Sie sogar ein brandneues iPad gewinnen können!

Da weder die der Sportbanause Dr. Bopp noch die CanooNet-Sprachdienste in Sachen Fußball etwas zu bieten haben, empfehle ich allen WM-Interessierten:

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Warum die Katze nicht gewöhnt ist, Trockenfutter zu fressen

Hinweis für Tierliebhaber: Das ist an dieser Stelle keine Frage der Tierhaltung, sondern der Grammatik. Die standardsprachliche Katze ist nämlich gegebenenfalls [es] gewohnt oder daran gewöhnt, Trockenfutter zu erhalten.

Frage

Sind die beiden Sätze „Ich bin es gewöhnt“ und „Ich bin es gewohnt“ ihrer Meinung nach korrekt und gleichbedeutend? […] Könnte man sagen: „Ich bin das Klima gewöhnt/gewohnt“?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

die beiden Wörter gewohnt und gewöhnt haben tatsächlich eine sehr ähnliche Bedeutung. Sie werden aber im Satz unterschiedlich verwendet. Standardsprachlich sind diese Formulierungen üblich:

etwas gewohnt sein
an etwas gewöhnt sein

Daraus ergeben sich für Ihr Beispiel die folgenden Möglichkeiten:

Ich bin das Klima gewohnt.
Ich bin an das Klima gewöhnt.

Ich bin es gewohnt.
Ich bin daran gewöhnt.

Die Formulierung Ich bin das Klima gewöhnt gilt standardsprachlich als nicht korrekt.

Auch in Verbindung mit einer Infinitivkonstruktion (zu+Infinitiv) formuliert man unterschiedlich, wobei gewohnt mit oder ohne es stehen kann:

Die Katze ist [es] gewohnt, Trockenfutter zu fressen.
Die Katze ist daran gewöhnt, Trockenfutter zu fressen.

Auch hier gilt, dass man standardsprachlich nicht sagt: Die Katze ist [es] gewöhnt, Trockenfutter zu fressen.

Mit gewöhnt drückt man aus, dass etwas das Resultat einer Gewöhnung ist. Mit gewohnt sagt man, dass etwas eine Gewohnheit ist, dass etwas als Selbstverständlichkeit empfunden wird, weil es immer so ist. Die beiden Bedeutungen liegen nicht sehr weit auseinander, so dass es öfter möglich ist, sowohl eine Sache gewohnt sein als auch an eine Sache gewöhnt sein zu sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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