Archiv für Juli, 2010

Beteidigt statt beteiligt

Frage

Ich habe immer wieder Probleme, wenn ich das Wort »beteiligen« schreiben will. Ich bin mir immer unsicher, ob es »er beteiligt sich an etw.« oder »er beteidigt sich an etw.« heißt (l oder d). Nachdem ich das dann nachgeschlagen habe, weiß ich auch, dass die erste Schreibung richtig ist. Trotzdem spreche ich das Wort oft falsch aus. Hat das vielleicht phonetische Gründe? Fällt es mir/manchen/allen leichter, ein »d« an dieser Stelle zu sprechen?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

die genauen Gründe, weshalb Sie und offenbar auch andere die Neigung haben beteidigt statt beteiligt zu sagen, sind auch mir ein Rätsel. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Sie das Wort nicht mehr als abgeleitetes Wort mit dem Kern Teil erfahren. Man ist an etwas beTEILigt, wenn man daran teilnimmt oder teilhat;  man ist ein Teil davon oder trägt einen Teil dazu bei. Diesen Zusammenhang mit Teil spüren Sie nicht mehr. Vielleicht in Anlehnung an die ähnlich klingenden Wörter beleidigt, vereidigt und verteidigt sprechen Sie dann beteiligt als beteidigt aus.

Die Aussprache beteidigt hat also insofern phonetische Gründe, als sie dem Einfluss ähnlich klingender Wörter zuzuschreiben sein könnte. Es ist mir nicht bekannt, dass ein d an dieser Stelle leichter auszusprechen wäre als ein l.

Ich hoffe, dass Ihnen beim Lesen dieser Antwort der Zusammenhang zwischen beteiligen und Teil wieder richtig deutlich geworden ist. Dann werden Sie nämlich in Zukunft ganz automatisch und ohne nachdenken zu müssen beteiligt sagen und schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (5)

Prinz Charles’ Ehe

Immer wieder taucht die Frage nach dem Apostroph beim Genitiv von Eigennamen auf. Diesmal geht es aber ausnahmsweise nicht um Marias Blumenladen, sondern um die Ehe eines Prinzen!

Frage

In meiner Zeitung stand u. a.:

Charles pedantische Ordnungsliebe
Charles Ehe

Muss da nicht ein Apostroph nach Charles stehen oder ist der freigestellt?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

hier müsste tatsächlich ein Apostroph stehen, sofern es sich um Prinz Charles oder allgemein um jemanden mit einem auf s endenden Namen handelt. Es ist nicht korrekt, den Apostroph hier wegzulassen. Man schreibt also richtig:

Charles’ pedantische Ordnungsliebe
Charles’ Ehe

Die entsprechende Regel und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Die Regel gilt natürlich nicht nur für Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prince of Wales und Herzog von Cornwall, sondern für alle, die einen auf s, ss, ß, x oder z endenden Namen haben:

Pythagoras’ Lehren
Erika Hess’ Slalomsiege
Johann Strauß’ Donauwalzer
Beatrix’ Sportwagen
Kater Franz’ Spielzeugmaus

Weil solche Formen manchmal ungewohnt anmuten oder verunsichern können, werden oft andere, ebenso korrekte Formulierungen verwendet:

der Satz des Pythagoras (a2+b2=c2)
die Slalomsiege von Erika Hess
der Donauwalzer von Johann Strauß

Die z. T. ebenfalls möglichen Genitivformen auf -ens und sind heute nicht mehr üblich:

Beatrixens Sportwagen
Kater Franzens Spielzeugmaus

Der Apostroph steht in der Regel auch bei fremdsprachigen Namen, die ausgesprochen auf ein s, aber geschrieben auf zum Beispiel –ce oder –se enden:

Alice’ Reise durchs Wunderland
Amy Winehouse’ neues Album
Henri Matisse’ Scherenschnitte

Es heißt also Prinz Charles’ Ehe oder die Ehe von Prinz Charles. Im ersten Fall schreibt man einen Apostroph, weil ein Genitiv-s wegfällt (vgl. Prinz Andrews Exfrau, die Exfrau von Prinz Andrew). Dem englischen Thronfolger und seiner Gattin wird es allerdings ziemlich egal sein, wann genau sein Name im Deutschen mit einem Apostroph geschrieben wird. Sie machen sich wahrscheinlich mehr Gedanken darüber, ob es wirklich noch einmal Charles’ Thron werden wird.

Kommentare (4)

Du und er, sie und ihr sind oder seid?

Frage

Es macht mir immer wieder Kopfzerbrechen, wie die richtige Personalendung lautet, die eine Kombination aus unterschiedlichen Personen, die mit „und“ verbunden sind, bezeichnet. Zum Beispiel: „Du und deine Freunde seid …“ oder „Du und deine Freunde sind …“?

Ich bekenne, gelesen zu haben, dass hier eigentlich die 2. Person Plural eingesetzt wird, aber mein Sprachgefühl verwirrt dies jedes Mal. Deshalb rette ich mich in eine Umformulierung: „Du und deine Freunde, ihr seid …“ Das ist jedoch nur eine Umgehung und keine eindeutige Antwort.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

diese Frage bereitet nicht nur Ihnen Kopfzerbrechen. Deshalb ist ihr in unserer Grammatik sogar ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort steht, dass Sie in diesem Fall so formulieren sollten:

Du und deine Freunde seid herzlich eingeladen.

Bei einem mehrteiligen Subjekt, das aus Teilen mit unterschiedlichen grammatischen Personen besteht, befolgt man im Allgemeinen die folgenden Regeln:

  • Eine erste und eine zweite Person werden zur ersten Person Plural:

Du und ich sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Wir und ihr haben nicht viel gemeinsam.

  • Eine erste und dritte Person werden ebenfalls zu einer ersten Person Plural:

Er und ich sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Die Nachbarn und ich haben unseren Streit beigelegt.

  • Eine zweite und eine dritte Person werden zu einer zweiten Person Plural:

Du und deine Schwester werdet euch noch wundern!
Ihr und eure Freunde seid herzlich eingeladen.

Das liegt daran, dass ich und du zusammen wir sind. Auch ich und er/sie ergeben zusammen wir. Du und er/sie hingegen umschreibt man zusammenfassend mit ihr.

Wenn Formulierungen wie die oben stehenden Beispielsätze in Ihren Ohren irgendwie „holpern“, können Sie in den meisten Fällen stilistisch einwandfrei das tun, was Sie eine Umgehung nennen:

Du und ich, wir sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Die Nachbarn und ich, wir haben unseren Streit beigelegt.
Du und deine Freunde, ihr seid herzlich eingeladen.

Solche Umschreibungen sind sogar besser, wenn das Bindewort nicht und, sondern oder ist. Ohne Umschreibung richtet sich das Verb meistens nach dem Subjektteil, der ihm am nächsten steht:

Du oder ich muss nachgeben.
Meine Nachbarin oder ich habe recht.
Ich oder meine Nachbarin hat recht.
Du oder deine Freunde sind eingeladen.

Keine dieser Formulierungen ist aber wirklich befriedigend. Deshalb besser:

Du oder ich, eine(r ) von uns muss nachgeben.
Nur eine(r) hat recht, meine Nachbarin oder ich.
Man lädt dich oder deine Freunde ein.

Das klingt alles ziemlich kompliziert. Verlassen Sie sich aber einfach auf Ihr Sprachgefühl, dann geht es meistens automatisch gut. Wenn Sie einmal unsicher sind oder eine Formulierung Ihnen einfach nicht gefallen will, bedenken Sie Folgendes: Umschreibungen und Umformulierungen sind keine „Kapitulationen“, sondern ein Beweis dafür, dass man die Sprache wendig beherrscht.

Kommentare (2)

Warum Wuster und nicht Wörtschester?

Frage

Ich weiß, dass Sie kein Kochprofi sind, aber ich frage Sie trotzdem einmal, warum in aller Welt man „Worcestersauce“ als „Wustersoße“ und nicht etwa als „Wörtschestersoße“ ausspricht? Daneben gibt es ja sogar noch die Schreibweise „Worcestershiresauce“!

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die Frage nach der Worcestersauce hat mit Kochen und Englisch zu tun. Da ich regelmäßig koche,  aber vor allem weil diese Würzsoße auch im deutschen Sprachgebiet in vielen Regalen steht, liegt die Frage trotzdem nicht vollständig außerhalb meines Fachgebietes. Die Antwort lautet: Daran sind die Engländer schuld.

Wie die meisten von uns sehr schnell beim Englischlernen feststellen mussten, haben die Englischsprechenden und -schreibenden manchmal die Neigung, Wörter ganz anders zu schreiben, als sie ausgesprochen werden. So auch hier: Die Stadt Worcester, aus der die Soße stammt, ist die Hauptstadt der Grafschaft Worcestershire. Ausgesprochen werden diese Namen ungefähr wie Wuster und Wusterscher. Dabei liegt die Hauptbetonung auch bei der Grafschaft auf dem u. Danach folgt nur noch ein wenig Gerausche und Genuschel.

Solch große Unterschiede zwischen Schreibung und Aussprache kennt das Englische deshalb, weil es eine „historische“ Rechtschreibung hat. Während die Aussprache sich im Laufe der Zeit veränderte, ist die Schreibung gleich geblieben. Man schreibt also – vereinfacht ausgedrückt – (fast) gleich wie schon vor einigen hundert Jahren. So wurde die Stadt Worcester mit großer Wahrscheinlichkeit früher einmal dreisilbig ausgesprochen.

Die Worcestershiresauce ist übrigens die einzige echte Würzsoße des einzigen echten Herstellers aus Worcester. Der Name ist markenrechtlich geschützt. Unter dem Namen Worcestersauce kauft man Nachahmungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Weizen und Roggen Mehl

Wie der Titel dem aufmerksamen Leser und der aufmerksamen Leserin vielleicht bereits verrät, geht es hier wieder einmal um überflüssige Leerzeichen, eine vor allem (aber nicht nur!) in Werbung und technischen Fachtexten häufig zu konstatierende Art von „orthographischem Ungehorsam“.

Frage

Ich war heute im Supermarkt und entdeckte im Regal „Weizen Mehl“ und „Roggen Mehl“. Das ist offensichtlich ein sogenanntes „Deppenleerzeichen“? Hier zwei Beispiele:

Weizenmehl Roggenmehl

Meiner Meinung nach ist das falsch. Aber so große Konzerne sollten so einen Fehler doch sicherlich direkt merken oder nicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr U.,

Sie haben recht: Man schreibt Weizenmehl und Roggenmehl in einem Wort. Beim ersten Bild könnte man wegen der Großbuchstaben noch sagen, dass die Verpackungsgestalter einfach einen Trennstrich weggelassen haben:

WEIZEN
MEHL

statt

WEIZEN-
MEHL

Das ist nach den Rechtschreibregeln nicht korrekt, aber vielleicht gestalterisch noch irgendwie zu verantworten. Auf keinen Fall richtig wäre diese Schreibung:

Weizen
Mehl

Bei der zweiten Mehlverpackung kann ich beim besten Willen nicht so mild sein. Die Schreibung ROGGEN MEHL ist auch mit Großbuchstaben falsch. Ich würde allerdings nicht so weit gehen, jemanden wegen eines Schreibfehlers einen Deppen zu nennen. Ich wundere mich manchmal auch, dass selbst größere Konzerne die Rechtschreibung nicht im Griff zu haben scheinen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass man die Regel kennt, aber beim Entwerfen der Verpackung bestimmte gestalterische Argumente wichtiger fand als die Rechtschreibung. Schade!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Herr U. erwähnt es in seiner Frage: Wenn Sie falsch verwendete Leerzeichen lustig und interessant finden und sich gerne noch ein bisschen amüsieren wollen oder wenn sie falsche Leerzeichen schlichtweg ärgerlich finden und noch etwas in der Wunde herumrühren möchten, gibt es schon seit einiger Zeit eine vielen bereits bekannte Webseite zu diesem Thema. Der Name gefällt mir nicht, aber die Bildersammlung ist interessant: Deppenleerzeichen.

Kommentare (3)

Ein Wort erfunden, was nun?

Frage

Ich würde gerne wissen, ob es möglich ist, ein neues Wort zu etablieren. Ich arbeite für eine Firma, die auf Metallverarbeitung spezialisiert ist. Nun hat diese Firma vor einigen Jahren eine neue Maschine entwickelt. Mit dieser Maschine lassen sich […]. Für ein solches Verfahren gibt es offiziell noch kein Wort, deshalb nannten wir es […]ieren, was sich vom Namen der Maschine ableitet. Da es sich hier natürlich um eine Wortfindung handelt, würde ich gerne wissen, was getan werden muss, damit dies ein offizielles Word wird.

Antwort

Sehr geehrter Herr S-,

es gibt im deutschen Sprachraum keine „offiziellen“ Wörter. Wörterbücher und Wörterlisten nehmen Wörter auf, die nachweisbar in der deutschen Sprache verwendet werden. Es gibt keine Möglichkeit, ein neues Wort bei einer bestimmten offiziellen Stelle anzumelden. Eine solche Stelle gibt es nicht. Der wirkliche Sprachgebrauch bestimmt, ob ein Wort in Wörterbüchern u. Ä. aufgenommen wird. Eine ähnliche Registrierungsmöglichkeit gibt es nur für Produkte und Einstellungen, deren Name markenrechtlich geschützt werden soll.

Das Einzige, was sie zurzeit tun können, ist das Wort in Ihrem Umfeld, gegenüber Lieferanten, Kunden, Konkurrenten usw. zu verwenden. Sie können auch versuchen, das Wort über Ihre Webseiten, Werbung, Prospekte u. Ä. in Ihrem Fachbereich zu positionieren. Kurzum, sie benötigen eher die Unterstützung von Marketingprofis als Ratschläge von Sprachkennern. Danach „entscheiden“ die Sprachbenutzer, ob sie das Wort verwenden oder nicht. Wenn es eine gewisse Zeit lang an mehreren Stellen verwendet wird, erscheint es irgendwann einmal auch in Wörterbüchern.

Es hilft im Allgemeinen nichts, ein neues Wort bei Wörterbuchverlägenverlagen anzumelden oder eigenhändig in zum Beispiel Wikipedia einzutragen. Das können Ihnen viele bestätigen, die schon einmal ernsthaft oder einfach zum Spaß ein neues Wort lancieren wollten. Wenn keine repräsentative Anzahl Fundstellen – an verschiedenen Orten und über eine längere Zeit – nachgewiesen werden kann, werden die Wörterbuchmacher und -macherinnen das Wort nicht aufnehmen und werden die wachsamen Geister, die bei Wikipedia am Werke sind, Ihren Neueintrag wieder löschen.

Umgekehrt gilt Folgendes: Die Tatsache, dass ein Wort nicht in Wörterbüchern steht, bedeutet keineswegs, dass es ein Wort nicht gibt. Es werden täglich neue Wörter gebildet (z. B. Orakelkrake) oder eingeführt (z. B.Vuvuzela). Viele von Ihnen verschwinden bald wieder, nur einige etablieren sich im Sprachgebrauch und finden nach ein paar Jahren Eingang in Duden, Langenscheidt, Pons, Wahrig, ‘canoonet’ usw. Andere Wörter sind so sehr auf einen gewissen Fachbereich beschränkt, dass sie nie in allgemeinen Wörterbüchern erwähnt werden. Sie können und dürfen […]ieren also benutzen. Das einzige Problem dabei ist, dass nicht alle ohne Erklärung verstehen werden, was dieses Wort bedeutet.

Vergessen Sie nicht, Ihre Neuschöpfung […]ieren, falls möglich und gewünscht, markenrechtlich schützen zu lassen! Wie das genau vor sich geht, weiß ich leider nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Das neue Wort heißt natürlich nicht buchstäblich […]ieren. Ich habe das Wort in Hinblick auf die allen Besuchern bei der Veröffentlichung von Fragen garantierte Anonymität sozusagen anonymisiert.

Kommentare (4)

Zwischen 35 und 45 Jahre(n)

Fragen

In meinem Lehrbuch steht folgender Satz: „Sie sollte zwischen 35 und 45 Jahren alt sein.“ Ich kann mir das n am Wort Jahren nicht erklären.

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

das en bei Jahren ist die Endung des Dativ Plural. Sehen Sie zum Beispiel:

in diesen Jahren
mit den Jahren

Im Lehrbuch wird der Dativ wahrscheinlich deshalb verwendet, weil zwischen bei statischen Angaben in der Regel mit dem Dativ steht:

Der Baum steht zwischen dem Haus und dem Garten.
das Verhältnis zwischen ihm und ihr

So weit, so gut. Trotzdem ist es nicht verwunderlich, dass Sie zweifeln. Bei Alters-, Zeit-, Mengenangaben u. Ä., die mit zwischen … und … ausgedrückt werden, hat zwischen nämlich oft keinen Einfluss auf den Fall. Man wählt dann normalerweise den Fall, der steht, wenn man nur eine der beiden Angaben verwendet:

Sie ist zwischen 35 und 45 Jahre alt.
wie: Sie ist 35 Jahre alt.

Sie haben zwischen 80 und 100 Bücher verkauft.
wie: Sie haben 80 Bücher verkauft.

Das Unternehmen schickt seine Mitarbeiter zwischen zwei und drei Jahre ins Ausland.
wie: Das Unternehmen schickt seine Mitarbeiter drei Jahre ins Ausland.

Der Dativ wird hier ebenfalls verwendet, er ist aber unüblich und sollte besser vermieden werden. Deshalb kommen Ihnen Formulierungen wie die folgenden eher seltsam (?) oder sogar falsch (*) vor:

? Sie ist zwischen 35 und 45 Jahren alt.
* Das Unternehmen schickt seine Mitarbeiter zwischen zwei und drei Jahren ins Ausland.
? Sie haben zwischen 80 und 100 Büchern verkauft.

Natürlich ist das wieder einmal nicht alles: Wenn solche Angaben mit zwischen … und … im Satz nicht durch eine einfache Angabe ersetzt werden können, wählt man den Dativ:

Dies betrifft vor allem Frauen zwischen 35 und 45 Jahren.
Der Kochkurs ist geeignet für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren.

Nicht möglich:
*Dies betrifft vor allem Frauen 35 Jahre(n).
*Der Kochkurs ist geeignet für Kinder 12 Jahre(n).

Immer falsch ist übrigens die Verbindung von zwischen und bis:

NICHT:
Sie sind zwischen 9 bis 12 Jahre alt.

Sondern:
Sie sind 9 bis 12 Jahre alt.
Sie sind zwischen 9 und 12 Jahre alt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (13)

Viel Erfolg, viel Spaß und vielen Dank!

Frage

Warum heißt es „Vielen Dank!“, aber „Viel Erfolg!“ oder „Viel Spaß!“?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

den genauen Grund kenne ich nicht. Bei festen Wendungen wie diesen lässt sich oft nicht so einfach sagen, weshalb sie genau so lauten, wie sie lauten. Es handelt sich hier in allen drei Fällen um einen Akkusativ, denn die Ausdrücke sind eigentlich verkürzte Sätze wie diese:

Haben Sie vielen Dank!
Ich sage Ihnen vielen Dank!

Habt viel Spaß/viel Erfolg!
Ich wünsche euch viel Erfolg/viel Spaß!

Wenn viel ohne Artikel vor einem Nomen in der Einzahl steht, bleibt es heute im Gegensatz zu anderen Adjektiven meist ungebeugt:

Du hast großen Erfolg gehabt.
Du hast viel Erfolg gehabt.

Sie verdient gutes Geld.
Sie verdient viel Geld.

(Mehr dazu finden Sie in der canoonet-Grammatik)

Die Ausdrücke Viel Erfolg! und Viel Spaß! entsprechen diesem heutigen Gebrauch: Man sagt nicht *Vielen Erfolg! oder *Vielen Spaß!, auch wenn sie im Akkusativ stehen. In der Wendung Vielen Dank! hingegen wird viel gebeugt. Man kann daraus schließen, dass die Wendung wahrscheinlich älter ist als die beiden anderen oder zumindest schon früher zur festen Wendung geworden ist.

Solche festen Wendungen und Floskeln entziehen sich oft der „normalen“ Grammatik, weil sie nicht als eine Reihe einzelner Wörter, sondern als Ganzes eine eigene Entstehungs- oder Entwicklungsgeschichte durchgemacht haben. Andere „ungrammatische“ Beispiele dieser Art, die mir hier ganz spontan in den Sinn kommen, sind eines Nachts und aus aller Herren Länder. Nacht ist weiblich und im Genitiv endungslos. Länder müsste eigentlich im Dativ stehen: aus … Ländern. In bestimmten Zusammenhängen sind also selbst gröbere Verstöße gegen die Grammatikregeln richtig!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Kommentar-Funktion für diesen Beitrag ist zur Zeit ausgeschaltet.

Anordnbar, anordbar, anordenbar

Frage

Ich bin auf dem Gebiet des Patentschutzes tätig und immer wieder begegnet mir das Wort „anordenbar“. Auf der einen Seite gibt es eigentlich für alle deutschen Verben auf „en“ die Möglichkeit ein „bar“ an die Grundform ohne „en“ anzuhängen; zum Beispiel: „essbar“, „trinkbar“, „machbar“, „schließbar“ usw. Bei Wörtern auf „nen“ wie „anordnen“ oder „öffnen“ funktioniert das aber nicht so einfach. Meine Frage lautet also: Gibt es das Wort „anordenbar“?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Wort anordenbar gibt es. Wie Sie richtig sagen, leitet man man Adjektive auf bar ab, indem man die Verbendung en (oder ggf. n) weglässt und dann bar an den Verbstamm anhängt:

ess-en – ess-bar
schließ-en – schließ-bar
auswechsel-n – auswechsel-bar

Bei Verben wie anordnen und öffnen führt dies aber zu so sonderbaren Formen wie *anordnbar und *öffnbar. Da solche Formen recht schwierig auszusprechen wären, fügt man im Verbstamm ein unbetontes e ein: anordenbar, öffenbar.

Genau dieses e ist bei solchen Verben einmal weggefallen. Das Verb ordnen hat den gleichen lateinischen Ursprung wie zum Beispiel das Nomen Orden. Es lautete früher u. a. auch ordenen. Das e ist erst später weggefallen. Auch bei öffnen kann man das weggefallene e gut in dem Wort wiederfinden, von dem das Verb abgeleitet ist: offen. Das e, das man zur Vereinfachung der Aussprache vor bar einfügt, ist also eigentlich das e, das zur Vereinfachung der Aussprache vor en wegfällt.

Beispiele:

zuordnen – zuordenbar (frei zuordenbare Kapazitäten)
anrechnen – anrechenbar (anrechenbare Kosten)
beatmen – beatembar (schwer beatembare Frühgeborene)
beregnen  – beregenbar (beregenbare Flächen)
bezeichnen – bezeichenbar (eine als positiv bezeichenbare Stimmung)
öffnen – öffenbar (öffenbare Fenster)

Das zusätzliche e lässt sich also relativ einfach erklären. Wie die Beispiele zeigen, sind einige dieser Formen auf –enbar trotzdem sehr ungebräuchlich. Es ist deshalb stilistisch oft besser, eine andere Formulierung zu wählen:

Fenster, die geöffnet werden können
eine Stimmung, die man als positiv bezeichnen kann

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)