Prinz Charles’ Ehe

Immer wieder taucht die Frage nach dem Apostroph beim Genitiv von Eigennamen auf. Diesmal geht es aber ausnahmsweise nicht um Marias Blumenladen, sondern um die Ehe eines Prinzen!

Frage

In meiner Zeitung stand u. a.:

Charles pedantische Ordnungsliebe
Charles Ehe

Muss da nicht ein Apostroph nach Charles stehen oder ist der freigestellt?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

hier müsste tatsächlich ein Apostroph stehen, sofern es sich um Prinz Charles oder allgemein um jemanden mit einem auf s endenden Namen handelt. Es ist nicht korrekt, den Apostroph hier wegzulassen. Man schreibt also richtig:

Charles’ pedantische Ordnungsliebe
Charles’ Ehe

Die entsprechende Regel und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Die Regel gilt natürlich nicht nur für Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prince of Wales und Herzog von Cornwall, sondern für alle, die einen auf s, ss, ß, x oder z endenden Namen haben:

Pythagoras’ Lehren
Erika Hess’ Slalomsiege
Johann Strauß’ Donauwalzer
Beatrix’ Sportwagen
Kater Franz’ Spielzeugmaus

Weil solche Formen manchmal ungewohnt anmuten oder verunsichern können, werden oft andere, ebenso korrekte Formulierungen verwendet:

der Satz des Pythagoras (a2+b2=c2)
die Slalomsiege von Erika Hess
der Donauwalzer von Johann Strauß

Die z. T. ebenfalls möglichen Genitivformen auf -ens und sind heute nicht mehr üblich:

Beatrixens Sportwagen
Kater Franzens Spielzeugmaus

Der Apostroph steht in der Regel auch bei fremdsprachigen Namen, die ausgesprochen auf ein s, aber geschrieben auf zum Beispiel –ce oder –se enden:

Alice’ Reise durchs Wunderland
Amy Winehouse’ neues Album
Henri Matisse’ Scherenschnitte

Es heißt also Prinz Charles’ Ehe oder die Ehe von Prinz Charles. Im ersten Fall schreibt man einen Apostroph, weil ein Genitiv-s wegfällt (vgl. Prinz Andrews Exfrau, die Exfrau von Prinz Andrew). Dem englischen Thronfolger und seiner Gattin wird es allerdings ziemlich egal sein, wann genau sein Name im Deutschen mit einem Apostroph geschrieben wird. Sie machen sich wahrscheinlich mehr Gedanken darüber, ob es wirklich noch einmal Charles’ Thron werden wird.

4 Kommentare

  1. Ivan Panchenko schreibt:

    Juli 26, 2010 um 19:18

    Der Satz des Pythagoras heißt nicht „a² + b² = c²“, sondern: Seien a, b und c die Seitenlängen eines Dreiecks mit a, b ≤ c. WENN das Dreieck rechtwinklig ist, DANN gilt letztendlich a² + b² = c². Ein mathematischer Satz ist immer eine Wenn-dann-Aussage, daher ist der Begriff bei den meisten Linguisten im mathematischen Bezug total irreführend. Nur mal nebenbei gesagt.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Juli 26, 2010 um 22:44

    Sie haben natürlich recht, dass ich zusätzlich das Dreieck, dessen Rechtwinkligkeit und die Tatsache, dass c die Seite ist, die dem durch die Seiten a und b gebildeten rechten Winkel gegenüberliegt, hätte erwähnen müssen, wenn ich den Satz des Pythagoras hätte beschreiben wollen. Ich meinte aber nicht wirklich, mit „a² + b² = c²“ den Satz des Pythagoras umfassend und mathematisch korrekt wiederzugeben. Ich wollte nur am Rande etwas ganz anderes andeuten: Vielen Nichtmathematikern kommt beim Namen Pythagoras spontan entweder Sommerurlaub auf Samos (woher der Gelehrte stammte) oder eben „a² + b² = c²“ in den Sinn. Also:

    Nichtmathematiker(in) + „Pythagoras“ => „a² + b² = c²“

    Um diese „Formel“ ging es mir beim Aufschreiben der Gleichung. Manchmal kann man selbst mathematische Begriffe ganz ohne mathematische Präzision verwenden.

    Und über dieser ganzen Sache könnte man doch beinahe vergessen, dass der Blogeintrag eigentlich die Verwendung des Apostrophs bei Eigennamen behandelt …

  3. henk schreibt:

    Juli 27, 2010 um 14:41

    Eine, wie ich finde, sehr elegante und sprachlich raffinierte Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, habe ich hier im Süden Deutschlands gelernt: Dem Prinz Charles seine Ehe.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Juli 27, 2010 um 16:30

    Genau: dem Prinz Charles, der Königin Elisabeth ihrem ältesten Sohn seine Ehe! Da soll noch jemand sagen, die Umgangssprache kenne keine komplexen Konstruktionen! Versuchen Sie einmal, dies standardsprachlich korrekt mit Genitiven auszudrücken. Möglich ist es, aber man stolpert unweigerlich über all die Genitive, die aneinandergereiht werden müssen.

    Trotzdem gelten Formulierungen wie dem Prinz Charles seine Ehe und der Königin Elisabeth ihr ältester Sohn standardsprachlich als falsch. Sehen Sie auch hier und hier (ganz unten).