Archiv für August, 2010

Nach mir die Sintflut

Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen war und ist, aber bei mir hier sieht es in den letzten Tagen öfter aus, als würde es nie mehr aufhören zu regnen. Manchmal drängt sich sogar der Ausdruck „sintflutartige Regenfälle“ auf. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht, denn wir kommen noch problemlos ohne Sandsäcke und Wasserpumpen aus, und wenn man an die Flutkatastrophe in Pakistan denkt, haben wir hier erst recht nichts zu klagen. Ich befürchte dann auch nicht, die Sintflut habe wirklich schon angefangen. Verdient hätten wir sie ja vielleicht schon, wenn man bedenkt, dass die Menschheit nicht allzu viel tut, um den drohenden Klimawandel abzuschwächen. In dieser Hinsicht könnte man bei sehr vielen von uns von einer „Nach-mir-die-Sintflut-Haltung“ sprechen.

Mit der Redewendung „Nach mir die Sintflut“ benennt man die egoistische Haltung, bei der jemand nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist und den Nachfolgenden völlig gleichgültig gegenübersteht. Wenn Leute Picknickplätze völlig verdreckt hinterlassen, wenn Banker ausschließlich auf ihre Boni aus sind, wenn die Menschheit die Erde zum eigenen Profit ausbeutet, dann kann man von „Nach mir die Sintflut“ sprechen. Im letzen Fall ist der Ausdruck in vielen Landstrichen der Erde vielleicht sogar wörtlicher zu nehmen, als es den dort Wohnenden lieb sein wird.

Die Redewendung ist eine Übersetzung aus dem Französischen. „Après nous le déluge“, soll der Überlieferung nach Madame de Pompadour, die Mätresse Ludwigs XV., nach der verlorenen Schlacht bei Roßbach (1757) gesagt haben, als sie trotz der Niederlage ihre politischen Pläne nicht aufgeben und weiter Krieg führen wollte. Deshalb machte man sie auch noch nach ihrem Tod für alle französischen Fehlschläge des Siebenjährigen Krieges verantwortlich. Doch das ist ihr eingedenk des ihr zugeschriebenen Mottos wahrscheinlich ziemlich egal.

Das Wort Sintflut hat noch etwas Interessantes: Es ist ein häufig erwähntes Beispiel für die sogenannte Volksetymologie. Es kommt nicht, wie immer wieder angenommen wurde, von Sündflut. Die alt- und mittelhochdeutsche Vorsilbe sin hatte die Bedeutung andauernd, umfassend. Als man diese Vorsilbe nicht mehr verstand, wurde sie durch das „Volk“ zu Sünde umgedeutet. Diese Erklärung drängt sich ganz natürlich auf, wenn man bedenkt,  dass der alttestamentarische rächende Gott die Menschheit mit der Sintflut bestrafte. Bestraft wird man ja im biblischen Kontext für seine Sünden.

Inzwischen meldet der Wetterbericht, dass es in den nächsten Tagen doch wieder Aussicht auf Sonnenschein gibt. So viel zum weltweit meistbesprochenen Thema, dem Wetter.

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Die Tücken des Ergänzungsstriches

Frage

Mich interessiert, ob bei der folgenden Aufzählung das Wort Arbeiten groß- oder kleingeschrieben wird:

Maler-, Lackierer- und WDVS- arbeiten

Antwort

Guten Tag J.,

wenn eine Zusammenziehung von Malerarbeiten, Lackiererarbeiten und WDVS-Arbeiten gemeint ist, schreibt man einen Bindestrich und Arbeiten:

Maler-, Lackierer- und WDVS-Arbeiten

Bei der Schreibung des Wortteils, der bei den ersten Wörtern durch einen Ergänzungsstrich ersetzt wird, „gewinnt“ im Zweifelsfall das letzte Wort der Aufzählung. Man schreibt ihn also gleich, wie er geschrieben wird, wenn das letzte Wort allein steht. Deshalb würde ich die umgekehrte Reihenfolge der Arbeiten so schreiben:

WDVS-, Lackierer- und Malerarbeiten

Vergleichen Sie hierzu auch andere, ähnlich tückische Zusammenziehungen wie:

PVC- oder Gussrohre
Guss- oder PVC-Rohre

Kunststoff- und natürliche Gewebe
natürliche und Kunststoffgewebe

zusammen- oder getrennt schreiben
getrennt oder zusammenschreiben

Wenn in einer Aufzählung nicht der zweite, sondern der erste Wortteil weggelassen wird, sieht die Sache natürlich wieder ein bisschen anders aus:

PVC-Rohre und -Schläuche (vgl. PVC-Schläuche)
Kunststoffrohre und -schläuche (vgl. Kunststoffschläuche)

Mehr zur Verwendung des Ergänzungsstriches finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Für Leserinnen und Leser, die wie ich nicht auf dem Gebiet der Maler-, Lackierer- und anderer Arbeiten dieser Art bewandert sind, habe ich es nachgeschlagen: WDVS steht für Wärmedämmverbundsystem. Das sagt mir auch nicht gerade viel, aber es hat etwas mit außenseitigem Vollwärmeschutz bei Gebäudefassaden zu tun.

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Die Bundeswehr, das Bundesheer und die Armee

Aus mehr oder weniger aktuellem Anlass bin ich wieder einmal über die unterschiedliche Benennung von Behörden, Instanzen usw. in den deutschsprachigen Ländern gestolpert. Früher hatte man einfach eine Söldnertruppe, die direkt vom Monarchen oder, wenn der nicht selbst „kriegen“ wollte, von einem Heeresleiter oder General geleitet wurde. Andernorts stellten sich bewaffnete Bürgertruppen den Belagerern ihrer Stadt entgegen.** Heute ist alles viel komplizierter; auch die Namensgebung.

Wenn in Deutschland davon die Rede ist, die Wehrpflicht auszusetzen und die Bundeswehr zu verkleinern, müsste man in einer auf die österreichischen Verhältnisse übertragenen „Übersetzung“ die Bezeichnungen Wehrpflicht und Bundesheer verwenden und auf gut Schweizerisch von Militärdienstpflicht und Armee sprechen.

In Deutschland und in Österreich besteht die Wehrpflicht, die als Wehrdienst oder als Zivildienst geleistet werden kann. In der Schweiz gibt es dafür die Militärdienstpflicht, die als Militärdienst oder als Zivildienst geleistet werden kann. Weitere Unterschiede gibt es bei den offiziellen Namen der Streitkräfte und der Instanz, in deren Verantwortungsbereich sie fallen:

Deutschland:

  • Bundeswehr
  • Bundesministerium der Verteidigung
  • Bundesminister der Verteidigung (Karl-Theodor zu Guttenberg)

Österreich:

  • Bundesheer
  • Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS)
  • Bundesminister für Landesverteidigung und Sport (Norbert Darabos)

Schweiz:

  • Schweizer Armee (Armée suisse, Esercito svizzero, Armada svizra)
  • Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).
  • Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (Ueli Maurer)

Das war natürlich noch nicht das ganze deutsche Sprachgebiet: In der Luxemburger Armee ist der Militärdienst freiwillig, in der belgischen und der italienischen Armee ist der Wehrdienst nicht mehr obligatorisch und Liechtenstein hat keine Streitkräfte. Erst jetzt ist die Liste der Länder, in denen Deutsch Amtssprache ist, vollständig.

Wie bei den Lottozahlen gilt hier übrigens: alle Angaben ohne Gewähr. Es ist nämlich nicht unwahrscheinlich, dass alles eigentlich viel komplexer ist.

Dr. Bopp

———-

** Historiker und historisch Interessierte bitte ich für diese Vereinfachung um Entschuldigung. Es gab auch früher schon verschiedene, zum Teil sehr komplexe Heeresstrukturen wie zum Beispiel der durch und durch organisierte militärische Apparat des alten Roms.

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Klammern in Klammern

Frage

Dürfen zwei Klammern hintereinanderstehen? Beispiel: „Autofahren entgegen der Richtung in Einbahnstraßen ist verboten (Straßenverkehrsordnung §5 (SVO §5)).“

Stimmt das? Oder dürfen zwei gleiche Satzzeichen nicht hintereinanderstehen?

Antwort

Sehr geehrte Frau U.,

zwei abschließende Klammern dürfen hintereinanderstehen. Es ist mir keine Regel bekannt, die dies verbieten würde. Häufig werden dabei für den Klammerausdruck innerhalb des bereits eingeklammerten Textes eckige Klammern verwendet:

… (Straßenverkehrsordnung §5 [SVO §5]).
vier Großstadtbahnhöfe (Hamburg, Dresden, Frankfurt [Main], Düsseldorf)
Gewonnen hat das Duo Grünloer Spatzen (Hendrik Bremer [19], Stefanie Hansen [21]) mit dem Titel »Klammer mich nicht aus deinem Leben«.

Die Verwendung von eckigen Klammern ist aber nicht zwingend. Weder in der amtlichen Rechtschreibregelung noch in der DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) findet man Angaben hierzu. Sie können also auch schreiben:

… (Straßenverkehrsordnung §5 (SVO §5)).
vier Großstadtbahnhöfe (Hamburg, Dresden, Frankfurt (Main), Düsseldorf)
Gewonnen hat das Duo Grünloer Spatzen (Hendrik Bremer (19), Stefanie Hansen (21)) mit dem Titel »Klammer mich nicht aus deinem Leben«.

Der erfundene Siegertitel des fiktiven Gesangsduos ist mir übrigens nicht so gut gelungen. Es ist deshalb nicht besonders großzügig von mir, wenn ich ihn hier und jetzt zur allgemeinen Benutzung freigebe. (Nur wenn er wider Erwarten doch einmal auf einer Hitliste und bei Gottschalk oder Borg erschiene, wäre es nett, wenn sein Entstehungsort (Canoonet) erwähnt würde.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Hat der Hund mich oder mir in den Fuß gebissen?

Eine regelmäßig vorkommende Frage ist, ob man jemanden oder jemandem an den Haaren zieht, auf die Schulter klopft, in die Hand sticht, auf den Fuß tritt, in die Wade beißt usw.

Frage

Mich würde interessieren, ob man sagt: „Der Hund hat mich in den Fuß gebissen“ oder „Der Hund hat mir in den Fuß gebissen“?

Antwort

Guten Tag L.,

beide Formulierungen sind richtig:

Der Hund beißt mich in den Fuß.
Der Hund beißt mir in den Fuß.

Bei Konstruktionen mit einem Verb, das im weiteren Sinne ein Berühren ausdrückt, und einem Körperteil, der als Adverbialbestimmung den Ort der Berührung angibt, kann häufig sowohl der Dativ als auch der Akkusativ stehen. Zum Beispiel:

Er zog mir/mich an den Haaren.
Die Wespe stach ihm/ihn in die Hand.
Er klopfte seinem/seinen Freund auf die Schulter.
Hast du dir/dich in den Finger geschnitten?
Sie hat ihr/sie ins Schienbein getreten.

Wenn man den Akkusativ verwendet, ist mich das Akkusativobjekt zu beißen. Wenn man den Dativ verwendet, ist mir ein Dativ, der angibt, zu wessen „Ungunsten“ das In-den Fuß-Beißen geschieht resp. in wessen Fuß da gebissen wird. Es ist ein Dativ wie derjenige, den man verwendet, wenn ein Sohn seinem Vater einen Kratzer ins Auto macht, die Katze ihrem Frauchen das Sofa zerkratzt oder ein Mädchen dem kleinen Bruder heimlich Salz in den Sirup schüttet.

Wie so oft muss ich auch hier davor warnen, dies als strikte Regel anzusehen. So drücken zum Beispiel die Verben küssen und streicheln eine Berührung aus, deren Ziel ein Körperteil sein kann. Dennoch ist bei ihnen fast nur der Akkusativ beziehungsweise der Dativ üblich:

Sie küsste ihn auf die Wange.
Sie streichelte ihm über die Wange.

Da das Wetter es wieder einmal zulässt, werde ich mir noch ein Gläschen unter freiem Himmel genehmigen – und dabei aufpassen dass mir/mich keine Wespe in den Mund sticht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ich wechsel, wechsle oder wechsele

Frage

In Ihrem Bedeutungswörterbuch steht für das Verb „wechseln“ folgender Beispielsatz:

Ich wechsel den Reifen.

Klicke ich nun auf „Wortformen“, so gelange ich zur „Flexion von wechseln“ und finde dort lediglich diese beiden Formen:

ich wechsele
ich wechsle

Können Sie mir das erklären? Gibt es etwa alle drei Formen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Formen ich wechsle und ich wechsele gelten allgemein als korrekt. Die ungekürzte Form ich wechsele wird allerdings nur selten verwendet. Bei Verben, deren Grundform auf –eln endet, wird vor der Endung –e das e des Stammes meistens weggelassen:

wechseln – ich wechsle
bummeln – ich bummle
handeln – ich handle
regeln – ich regle
zwirbeln – ich zwirble
usw.

Mehr zum Thema der e-Tilgung bei Verbformen finden Sie auf dieser Seite.

Formen, bei denen die Endung e weggelassen wird, kommen auch vor (ich wechsel, ich bummel, ich handel, ich regel, ich zwirbel), sie gelten aber als umgangssprachlich und sollten deshalb in der geschriebenen Standardsprache nicht verwendet werden. Aus diesem Grund findet man sie nicht in der Wortformentabelle.

Sie haben also im Bedeutungswörterbuch einen Beispielsatz entdeckt, der eine umgangssprachliche Form enthält. Vielen Dank für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was tun Sprachexperten auf der Stör?

Frage

Ich habe gerade einen Artikel mit der Überschrift „Sprachexperten auf der Stör“ gelesen. Kennen Sie diesen Ausdruck? Ist er eher regional?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

den Ausdruck auf (der) Stör sein resp. auf (die) Stör gehen kenne ich. Nach den Angaben der Wörterbücher war und ist [?] er in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz üblich. Ob man in weiter nördlich auch kennt und versteht, kann ich von hier aus leider so schnell nicht beurteilen. Ich vermute aber, dass dem eher nicht so ist. Dort denkt man bei auf der Stör wohl eher an den Fluss die Stör (ein Nebenfluss der Elbe) und wundert sich dann, was ein Sprachexperte dort außer Bötchenfahren und Angeln zu tun haben soll. Gemeint ist im Artikel aber, dass Sprachexperten direkt beim Kunden tätig sind.

Auf Stör gingen früher Handwerker, wenn Sie sie anstatt in Ihrer ihrer Werkstatt beim Kunden zu Hause arbeiteten. Das verstieß eigentlich gegen die Zunftordnung. Es war ursprünglich eine Störung der Zunftordnung. Die Stör ist also eine Ableitung von stören. Ganz sicher ist dass allerdings nicht, denn – wie könnte es anders sein – es gibt auch andere Erklärungen für die Herkunft dieses Wortes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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(Keine) Idylle auf deutschen Autobahnen

Wie sehr, sehr viele andere auch habe ich letztes Wochenende ein paar Stunden auf deutschen Autobahnen zugebracht. Da die Landschaft nicht überall so hügelig ist, dass man sich an schönen Fernsichten erfreuen könnte, und in flacherem Gelände fast überall die Autobahnbegrünung vor der Aussicht steht, habe ich mich einen Teil der für mich „steuerlosen“ Zeit damit beschäftigt, auf die Namen von Parkplätzen und Raststätten zu achten. Mir war vorher nie aufgefallen, dass sie so poetisch sein können. Wenn ich einmal einen epischen Roman wie „Der Herr der Ringe“ schreiben würde (was ich bestimmt nie tun werde), wüsste ich nun, wo ich einen Teil der Flurnamen für ein Plagiat von Tolkiens Mittelerde hernehmen könnte:

Hinter dem Entenfang und dem Königsforst stoßen wir auf den Schwarzbach, den wir beim Neuhöfer Tann überqueren. Dann geht es über die Rolandshöhe und den Fuchsbuckel nach Schauinsland, wo man eine gute Aussicht auf den Mahlberg hat, an dessen Fuß der Pfaffenbach in die Murg strömt. Dort wird auf der Fliegwiese gerastet, bevor es weitergeht und wir uns bei Scheidweg entschließen müssen, ob wir unsere Schritte rechts nach Elz oder links nach Welschehahn lenken.

All diese schönen Namen habe ich, wie gesagt, am Rande deutscher Autobahnen entdeckt. Allzu romantisch wird es einem dort allerdings nie zu Mute. Bevor man sich in einer Idylle wähnt, wird man immer wieder durch weniger poetische Texte wie „Baustelle“, „sechsstreifiger Ausbau“, „Missachtung wird geahndet“ und „Tropfmengen sind sofort aufzunehmen“ auf den Boden der Autobahnrealität zurückgeholt.

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adidas, canoo, DER SPIEGEL und das iPhone

Frage

Wenn canoo im Satz klein geschrieben werden soll (davon gehe ich aus), wie schreibt man es dann am Satzanfang?

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

das Logo der Canoo Engineering AG ist:

canooRGB

Auch das Logo canoonet2 schreibt man mit einem kleinen Anfangsbuchstaben. Wenn man diese Wörter aber nicht als Logos, sondern als Namen in einem Text verwendet, kann man sie einfach mit einem großen C schreiben:

Es ist interessant, bei Canoo zu arbeiten.
Canoo ist eine Schweizer Firma.

Das Gleiche gilt auch für Logos wie »adidas« und »DER SPIEGEL«. Wenn Sie nicht an einen Hausstil gebunden sind, der etwas anderes vorschreibt, können Sie einfach Schuhe von Adidas und ein Artikel im Spiegel schreiben.

Es gibt nämlich keine amtliche Regelung für solche Fälle, denn es ist im Prinzip nicht korrekt, Eigennamen mit einem Kleinbuchstaben beginnen zu lassen. Da es aber allen freisteht, ihre Firma oder ihr Produkt so zu nennen, wie sie es wollen, gibt es nun einmal Eigennamen, die – zumindest in Logos – mit einem Kleinbuchstaben beginnen.

Da es keine offizielle Vorschrift gibt, haben Sie am Satzanfang verschiedene Möglichkeiten:

1. Sie schreiben trotzdem groß:

Adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.

Das tue ich normalerweise. Es kann allerdings bei Namen wie iPhone zu unleserlichen Formen führen.

2. Sie schreiben auch am Satzanfang klein:

adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Dies ist nicht zu empfehlen, weil die Großschreibung am Satzanfang eines der wichtigsten Gliederungselemente eines geschriebenen Textes ist. Ein Text wird durch solche Kleinschreibungen schlecht lesbar. Die Kleinschreibung am Satzanfang ist höchstens dann zu vertreten, wenn der Name sich als Logo oder anderweitig durch Farbe, Größe oder Schriftart vom Rest des Textes abhebt.

3. Sie vermeiden es, den Namen als erstes Wort im Satz zu verwenden. Meist kann umformuliert oder ein beschreibendes Element eingefügt werden. Zum Beispiel:

Die Firma »adidas« ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
Apples iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Meine Empfehlung für solche Fälle lautet: Schreiben Sie nur Logos klein und verwenden Sie in durchlaufenden Texten, also nicht nur am Satzanfang, die sonst übliche Groß- und Kleinschreibung:

Canoo ist ein Spezialist für RIA-Anwendungen.
Sportschuhe von Adidas und Puma
Das habe ich im Spiegel gelesen.

Dies ist  die leserfreundlichste Variante. Leserfreundlichkeit finde ich hier wichtiger als Respekt vor der Kreativität der Logoentwerfer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie sich kommerziell mit solchen Namen und Logos beschäftigen, sollten Sie natürlich die geltenden Bestimmungen zur Verwendung geschützter Markennamen beachten.

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Zuliefer(er)industrie

Heute geht es um eine Frage, die etwas mit Arbeiten zu tun hat und somit gar nicht zur derzeit herrschenden Sommerflaute passt:

Frage

Können Sie uns bitte über den Unterschied zwischen „Zulieferindustrie“ und „Zuliefererindustrie“ aufklären, da beide Wortformen gleichermaßen angewendet werden. Ist es so, dass das Wort „Zulieferindustrie“ eher die Funktion einer Industrie beschreibt und das Wort „Zuliefererindustrie“ sich eher auf die Akteure der Zulieferindustrie bezieht?

Unser Forschungsprojekt heißt „Der Strukturwandel in der mittelständischen Zulieferindustrie“. Haben wir die Bezeichnung „Zulieferindustrie“ richtig gewählt?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die beiden Wörter Zulieferindustrie und Zuliefererindustrie unterscheiden sich vor allem durch ihre Wortbildungsstruktur. Das erste ist eine Zusammensetzung des Verbs zuliefern und Industrie, das zweite eine Zusammensetzung des Nomens Zulieferer und Industrie. Ihre Vermutung ist also richtig: Zulieferindustrie betont eher die Handlung des Zulieferns, während bei Zuliefererindustrie eher die Handelnden, die Zulieferer, im Vordergrund stehen. Diese Bedeutungsnuance ist aber in der Praxis nicht so wichtig, da die zuliefernde Industrie und die Industrie der Zulieferer letztlich ein und dieselbe Industrie sind. Die beiden Wörter werden deshalb in der Regel ohne Bedeutungsunterschied verwendet.

Der Name Ihres Forschungsprojektes ist also korrekt. Er wäre auch korrekt, wenn Sie Zuliefererindustrie statt Zulieferindustrie verwenden würden. Erwähnt sei hier höchstens noch, dass es stilistisch besser ist, innerhalb eines bestimmten Zusammenhangs immer die gleiche Bezeichnung zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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