Archiv für September, 2010

Schläger, Schlägel und Schlegel

Frage

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Schlegel und Schläger? Sagt man Trommelschlegel oder Trommelschläger oder …?

Antwort

Guten Tag E.,

man schreibt diese Wörter heute mit ä, weil sie von schlagen abgeleitet sind. Danach hilft einem aber die Logik nicht mehr viel weiter.

Ein Schläger ist:

  • ein Sportgerät, mit dem man einen Ball, Puck o. Ä. schlägt (Tennisschläger, Golfschläger, Hockeyschläger, Baseballschläger usw.)
  • ein unangenehmer Mensch, der oft Streit hat und seinen Standpunkt dann prügelnderweise deutlich zu machen versucht

Ein Schlägel ist:

  • ein schwerer Bergmannshammer
  • ein Art schwerer Holzhammer
  • ein Holzstab bei Schlaginstrumenten (Trommelschlägel u. a.)

Vor allem im südlichen deutschen Sprachraum gibt es daneben noch das Wort Schlegel.

Ein Schlegel ist:

  • eine Tierkeule, die man brät und als Nichtvegetarier auch aufisst (Hühnerschlegel, Lammschlegel, Rehschlegel usw.)

Warum dieser Schlegel mit e geschrieben wird, ist mir nur teilweise klar. Das Wort kommt ursprünglich nämlich auch von schlagen (nach der Form der Keule). Das ist aber offenbar schon so lange her, dass dieser Zusammenhang nicht mehr (genügend) ersichtlich ist, sodass man Schlegel wie ein nicht abgeleitetes Wort behandelt und entsprechend mit e schreibt.

Kurz zusammengefasst: Beim Sport schlägt man den Ball oder den Puck mit einem Schläger, auf ein Musikinstrument haut man mit einem Schlägel und bei Obelix macht man sich mit einem Schlegel (am besten vom Wildschwein) besonders beliebt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mit Leerzeichen rechnen

Zum Wochenanfang ganz kurz etwas „Mathematisches“:

Frage

Wie verhält es sich mit mathematischen Zeichen und Leerzeichen:
10+10=20 oder 10 + 10 = 20?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

es gibt keine bindende amtliche Regelung zu dieser Frage. Es ist aber üblich, bei Rechenaufgaben und Gleichungen vor und nach dem Rechenzeichen ein Leerzeichen zu verwenden:

10 + 10 = 20
144 : 12 = 12
5 · (2 + 3) = 25
(a + b)2 = a2 + 2ab + b2

Sehen Sie auch diese Angaben zu den Wörtern plus und minus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Der geringste meiner Brüder

Heute ist nicht gerade der ruhigste aller Tage. Ich habe zurzeit ein bisschen viel zu tun. Deshalb nur ganz kurz eine Frage zur Groß- und Kleinschreibung, die immer wieder zu Unsicherheiten führt:

Frage

In meinem Freundeskreis kam die Diskussion auf, ob im Zitat

»Was ihr dem geringsten/Geringsten meiner Brüder tut, das tut ihr mir.«

das Wort „geringste“ groß- oder kleingeschrieben wird.

Antwort

Guten Tag J.,

man schreibt das Adjektiv in Ihrem Zitat klein:

»Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, das tut ihr mir.«

Wenn ein Adjektiv sich auf ein im Vorhergehenden oder im Nachfolgenden genanntes Substantiv bezieht, schreibt man es klein, auch wenn es zum Beispiel nach einem Artikelwort steht. Hier bezieht sich geringsten auf Brüder (gemeint ist: dem geringsten Bruder von meinen Brüdern). Vergleichen Sie hierzu:

groß: Er ist der Kleinste der Klasse.
klein: Er ist der kleinste der Schüler seiner Klasse.

groß: Das ist das Beste, was er je gemacht hat.
klein: Das ist das beste von all seinen Werken.

groß: Das Schönste im Leben ist die Freiheit.
klein: das schönste aller Gefühle
klein: Von allen Gefühlen ist dies das schönste.

Sehen Sie auch diese Rechtschreibregel und die dort angegebenen Beispielsätze.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mitteleuropa einschließlich Österreich[s]

Frage

Wenn ich folgenden Satz habe: „Die Awaren wanderten bis weit nach Mitteleuropa einschließlich Österreich ein“, beziehe ich dann „Österreich“ auf „einschließlich“ und sollte somit der Genitiv verwendet werden?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

in Ihrem Satz ist Österreich von einschließlich abhängig. Nach einschließlich steht im Prinzip der Genitiv:

der Preis einschließlich aller Getränke
der ganze Verein einschließlich des Vorsitzenden
die maximale Höhe einschließlich eines allfälligen Antennenmastes

Dies gilt aber nur bedingt für allein stehende Nomen im Singular. Sie bleiben nach einschließlich nämlich meistens ungebeugt:

einschließlich Porto
Der Artikel hat einschließlich Inhaltsverzeichnis 32 Seiten.
die maximale Höhe einschließlich Antennenmast

Bei ohne Artikel stehenden geographischen Namen, die ja auch zu dieser Ausnahmegruppe gehören, sind sowohl gebeugte als auch ungebeugte Formen üblich:

Bremen einschließlich Bremerhaven oder
Bremen einschließlich Bremerhavens

zehn Länder einschließlich Großbritannien oder
zehn Länder einschließlich Großbritanniens

Die Wahl liegt also bei Ihnen. Beide der folgenden Formulierungen sind korrekt:

wanderten die Awaren nach Mitteleuropa einschließlich Österreich ein
wanderten die Awaren nach Mitteleuropa einschließlich Österreichs ein

Sehen Sie auch die Angaben zu einschließlich in Canoonet.

Dies gilt übrigens auch für die Präpositionen ausschließlich, inklusive und exklusive. Wieder einmal zeigt sich also, dass man nie einfach so behaupten sollte, eine Präposition stehe immer mit dem Genitiv.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Woher kommt eigentlich das e in Spontaneität?

Frage

Wo kommt eigentlich das e in Spontaneität her?

Antwort

Guten Tag D.,

das e in Spontaneität kommt über das Französische aus dem Spätlateinischen. Das französische Wort spontanéité ist vom Adjektiv spontané abgeleitet, das wiederum auf lateinisch spontaneus zurückgeht. Auch in anderen Sprachen gibt es dieses e. Zum Beispiel:

italienisch: spontaneo – spontaneità
englisch: spontaneous – spontaneity

Man kann die Frage also auch umgekehrt stellen: Wo ist eigentlich das e bei spontan geblieben?

Neben der üblicheren Form Spontaneität gibt es auch die seltener verwendete Form Spontanität. Sie ist nicht „importiert“, sondern direkt mit ität von spontan abgeleitet worden. Spontaneität ist übrigens nicht das einzige Wort mit einem solchen e. So gibt zum Beispiel auch noch das ebenso schön gebildet klingende Substantiv Simultaneität.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Adverbialgenitiv

Lassen Sie sich durch den ziemlich fachsprachlichen Titel nicht abschrecken! Wieder einmal hat mich eine Frage eines Nicht-Muttersprachigen auf eine Eigenheit des Deutschen hingewiesen, durch die unsere Sprache zwar nicht einfacher, aber dafür oft ein bisschen schöner wird.

Frage

Ich habe eine Frage zu diesem Satz: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, …“ Warum heißt es dort „eines Morgens“? Ich habe gesehen, dass es in vielen literarischen Texten eine ähnliche Struktur im Genitiv gibt. Warum ist das so?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

es handelt sich bei eines Morgens um eine im Genitiv stehende feste Wendung. Sie ist eine unbestimmte Zeitangabe und hat als solche die Funktion einer Adverbialbestimmung. Der Genitiv wird nicht durch ein Verb oder durch ein anderes Wort im Satz bestimmt. Solche im Genitiv stehenden Adverbialbestimmungen werden Adverbialgenitive genannt (vgl. hier und hier). Adverbialgenitive sind häufig wie in Ihrem Beispiel unbestimmte Zeitangaben, sie können aber auch andere Bedeutungen haben. Weitere Beispiele:

Eines Tages wirst du es verstehen.

Der Kriminalkommissar erhielt eines späten Abends telefonisch einen anonymen Hinweis.

Letzen Endes zählt nicht, was war, sondern was ist.

Die Rohstoffpreise bleiben unseres Erachtens auf einem hohen Niveau.

Das Zitat stammt meines Wissens von Max Liebermann.

Er war aufgebrochen, um um Hilfe zu bitten, kehrte jedoch unverrichteter Dinge zurück.

Dem stimme ich leichten Herzens zu.

Welche Fische kann man ruhigen Gewissens essen?

Beleidigt drehte er sich auf dem Absatz um und verließ schnellen Schrittes das Motel.

Selbst als der Kaiser stolzen Hauptes splitternackt durch die Straßen schreitet, hört man lauter Ahs und Ohs.

Es gibt noch viel mehr Adverbialgenitive, für die wie für die obenstehenden Beispiele gilt: Gezielt eingesetzt können sie sehr schön sein, aber an der falschen Stelle und übermäßig verwendet drohen sie zu papierdeutschen Klischees zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Name der Pünktchen

Passend zum letzten Beitrag und deshalb vielleicht nicht ganz zufällig wurde gestern diese Frage gestellt:

Frage

Die Umlaute schreibt man ä, ö, ü. Nur, wie heißen die Pünktchen auf den Vokalen? Da gibt es bestimmt einen Fachausdruck, den ich leider nirgends finden kann.

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

die Punkte, mit denen Umlaute gekennzeichnet werden, haben einen ganz einfachen, einleuchtenden Namen: Umlautpunkte. Für einmal geht es also ganz ohne kompliziert klingendes Fremdwort.

Die Pünktchen waren einmal ein über dem a, o oder u geschriebenes e:

Umlaute

Das e über dem a, o und u war notwendig, weil das lateinische Alphabet keine Buchstaben für die Umlautvokale hatte und es im Deutschen sehr praktisch ist, wenn man die Umlaute in der Schrift irgendwie von den anderen Vokalen unterscheiden kann. Im Laufe der Zeit wurde dieses e über verschiedene Stufen zu zwei Pünktchen verkürzt. Die Umlautpunkte verdanken ihre Form also Generationen von bequemen Schnellschreibern und –schreiberinnen. Dieser „historische Rückblick“ erklärt auch, warum man die Umlaute in ae, oe und ue auflösen kann, wenn die Zeichen ä, ö und ü nicht zur Verfügung stehen.

Man darf die Umlautpunkte übrigens nicht mit dem Trema verwechseln, das zwar genau gleich aussieht, aber eine andere Funktion hat. Das Trema gibt die getrennte Aussprache zweier aufeinanderfolgender Vokale an und kommt im Deutschen außer in fremden Eigennamen nicht vor (zum Beispiel Anaïs, Joël, Citroën).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum teuer nicht täuer ist

Frage

Warum wird teuer mit eu statt mit äu geschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

der Laut [ɔ?] wird im Prinzip mit eu geschrieben (neu, treu, Eule, Leute, heute). Man schreibt nur dann äu, wenn es eine Grundform mit au gibt (zum Beispiel: bläulich wegen blau; Häuschen wegen Haus, Häute wegen Haut). Bei teuer gibt es keine solche Grundform. Die entsprechenden Regeln und einige der natürlich wieder einmal unvermeidlichen Ausnahmen finden Sie in der amtlichen Regelung § 1.3 und § 16-17.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

——————

Frau W. Hat leider eine falsche E-Mail-Adresse angegeben (vielleicht ein Vertipper). Deshalb konnte ich ihr nicht direkt antworten. Deshalb auch wieder einmal die dringende Bitte an alle Fragestellerinnen und Fragesteller: Vergewissern Sie sich, dass Sie eine korrekte Antwortadresse angeben! (Oder verwenden Sie statt des Frageformulars einfach die ebenfalls dort angezeigte E-Mail-Adresse.)

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Wunder weiß was wie schön

Frage

„Sie meinte, wunderweißwas wie schön sie sei.“ Ist das ein Wort und schreibt man es so?

Antwort

Guten Tag U.,

der Ausdruck gehört eigentlich nur zur gesprochenen Umgangssprache. Wenn Sie ihn dennoch aufschreiben möchten, tun Sie dies am besten wie folgt:

Sie meinte, Wunder weiß was wie schön sie sei.

Man schreibt nämlich Wunder in etwas weniger wortreichen Verstärkungen wie den folgenden ebenfalls von anderen Wörtern getrennt und groß:

Ich kam mir Wunder wie schlau vor.
Ihr bildet euch Wunder was ein.
Er meint Wunder wer zu sein und Wunder was geleistet zu haben.

Sehen Sie auch Wunder in Canoonet.

Im Prinzip ist Wunder weiß was wie eine Zusammenziehung von Wunder wie (siehe Beispiel oben) und Wunder weiß was (siehe unten):

Die können einem Wunder weiß was andrehen.
Er guckte auf seine Schuhspitzen, als gäbe es da Wunder weiß was zu entdecken.

Mit Wunder wer, Wunder was, Wunder wie (oder eben der aneinandergereihten „Turboversion“ Wunder weiß was wie) drückt man aus, dass man eine Einschätzung übertrieben findet. Diese Ausdrucksweise gehört aber, wie gesagt, vor allem zur gesprochenen Umgangssprache. Die richtige Schreibung ist deshalb eigentlich gar nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Russischbrot und Britischkurzhaar?

Frage

Mir sind in letzter Zeit zwei Wörter begegnet, die häufiger mit dem „Deppenleerzeichen“ anzutreffen sind als ohne: Russisch Brot und Britisch Kurzhaar. Wenn man diese Wörter getrennt schreiben würde, müssten die Adjektive eigentlich dekliniert werden. Woher rührt also die Getrenntschreibung und ist diese überhaupt korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

Zusammensetzungen mit einem Adjektiv auf -isch an erster Stelle haben zwei besondere Eigenschaften:

  • Sie sind selten.
  • Sie haben oft ein anderes Betonungsmuster als andere Zusammensetzungen.

Die zweite Eigenschaft ist wichtig für das Verständnis, warum oft getrennt Russisch Brot und Britisch Langhaar geschrieben wird. Im Normalfall liegt die Hauptbetonung in einer Zusammensetzung auf dem ersten Element:

Rótbuche
Adoptíveltern
Fértigprodukt
Grátisanzeiger

Bei Russischbrot und Britisch Kurzhaar ist die Betonung aber anders. Die Hauptbetonung liegt nicht (nur) auf dem ersten Element:

Rússischbrót
Britisch Kúrzhaar

Die Betonung ist also gleich wie bei getrennt geschriebenen Wortgruppen wie diesen:

rosa Brílle
Berlíner Pfánnkuchen

Es gibt hier also zwei einander widersprechende Indizien:

  • Ungebeugtes flektierbares Adjektiv an erster Stelle
    => zusammengeschriebene Zusammensetzung
  • Hauptbetonung nicht auf dem ersten Element der Zusammensetzung
    => getrennt geschriebene Wortgruppe

Es ist also nicht sehr erstaunlich, dass hier neben der Zusammenschreibung häufig auch die getrennte Schreibung vorkommt.

In der amtlichen Rechtschreibregelung finde ich keine Angaben dazu, wie in einem solchen Fall vorzugehen ist. Für Russischbrot geben die meisten Rechtschreibwörterbücher an, dass zusammengeschrieben werden sollte. Ob sie auch für die Namen der Katzenrassen die Zusammenschreibung Britischkurzhaar und Britischlanghaar vorschreiben würden, kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich halte in diesen Fällen beide Schreibungen für vertretbar und entsprechend nicht jeden für einen Deppen, der hier ein Leerzeichen verwendet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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