Archiv für Oktober, 2010

Dattelpalmen, Kamele, Dünen und Wadis

In den nächsten zweieinhalb Wochen werde ich Sie schmählich im Stich lassen. Statt mit Wortbeugung, Verbergänzungen, Kommasetzung und Etymologie werde ich mich mit Dattelpalmen, Kamelen, Dünen und Wadis beschäftigen. Da die Sprache meines Urlaubsziels, das Arabische, für mich ein Buch mit sieben Siegeln ist, werde ich meiner Berufsdeformation auch nicht über die Sprachgrenzen hinweg frönen können. Kurzum: Ferien! Und um wirklich nicht in Versuchung zu kommen, lasse ich den Laptop einfach zu Hause.

Damit auch Sie etwas von meinem Urlaub haben, hier noch eine Frage, die ich mir selbst gestellt habe: Fahre ich nach Oman oder in den Oman?

Offiziell fahre ich in das Sultanat Oman. Das ist in diesem Zusammenhang natürlich nur ein problemvermeidendes Ausweichmanöver. Nach dem Länderverzeichnis des Auswärtigen Amtes für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland, Duden und Canoonet heißt es Oman. Der Name des Landes steht in der Regel ohne Artikel:

Ich fliege nach Oman.
Die Hauptstadt Omans ist Maskat.

Trotzdem hört und liest man häufiger der Oman und die Hauptstadt des Omans. Das ist nach den oben genannten Angaben standardsprachlich nicht korrekt. Bevor man aber alle, die Oman mit dem männlichen Artikel verwenden, eines groben Fehlers bezichtigt, sollte man wissen, dass die Liste der Staatenbezeichnungen des Eidgenössisches Departementes für auswärtige Angelegenheiten EDA angibt, dass in der Schweiz amtlich der Oman verwendet wird. Es gibt also auch hier wieder einmal mehr als nur eine einzige „Wörterbuchwahrheit“.

Ab dem 11. November bin ich wieder für Sie und Ihre Sprachfragen da. Dann werde ich, inschallah, wieder aus Oman zurückgekehrt sein. In der Zwischenzeit wird der Laden natürlich nicht zugesperrt: Unser Team sorgt dafür, dass die unter www.canoo.net angebotenen Sprachdienste wie immer vierundzwanzig Stunden am Tag online zur Verfügung stehen!

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KMUs?

Heute wieder einmal etwas ziemliche Trockenes zum Thema Abkürzungen:

Frage

Ich bin beauftragt, ein Kundenmagazin anzufertigen. Der Kunde nutzt in diesem Magazin die Bezeichnungen „KMU“ und „KMUs“. Die Abkürzung bedeutet ausgeschrieben „klein- und mittelständische Unternehmen“. Ist „KMUs“ als Schreibweise für den Plural grundsätzlich zulässig?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

im Prinzip ist KMU mit der Bedeutung kleine und mittlere Unternehmen bereits ein Plural. Es ist deshalb nicht notwendig, ein Plural-s anzufügen. Richtig ist also:

die KMU
viele KMU
KMU liefern einen wichtigen Beitrag …

Das bedeutet auch, dass man KMU nicht in der Einzahl verwenden sollte. Die Frage lautet also nicht Was ist ein KMU?, sondern Was sind KMU?

Soweit die grundsätzliche „Regel“. Immer häufiger wird allerdings ein KMU gesagt. Damit ist ein Vertreter der KMU oder einfach ein kleines oder mittleres Unternehmen gemeint. Dann kann man die Einzahl verwenden (Was ist ein KMU?, dieses KMU usw.). Es ist dann auch möglich, aber nicht zwingend, den Plural mit s zu bilden: die KMUs (die kleinen oder mittleren Unternehmen; die zu den KMU gehörenden Unternehmen).

Eine solche Bedeutungserweiterung ist weder ungebräuchlich noch grundsätzlich falsch. So steht BMW für Bayerische Motorenwerke, also eindeutig einen Plural. Trotzdem ist es allgemein üblich und akzeptiert von einem BMW und mehreren BMWs zu sprechen, wenn es sich um Autos dieses Herstellers handelt.

Ich kann hier leider nicht beurteilen, inwieweit diese Einzahl-Verwendung von KMU sich eingebürgert hat und akzeptiert ist. Sie ist aber erklärbar, da KMU im Sinne von kleine und mittlere Unternehmen eigentlich nicht auf individuelle Unternehmen bezogen werden kann. Ein Unternehmen ist klein oder mittelgroß, nicht klein und mittelgroß. Daher stammt wohl die Neigung, KMU und KMUs im Sinne von Vertreter der KMU zu verwenden, wenn einzelne Unternehmen gemeint sind.

Ich empfehle Ihnen, KMU nur im Plural und ohne die Endung s zu verwenden. Die derzeitige „offizielle“ Bedeutung von KMU ist kleine und mittlere Unternehmen. Falls Sie aber doch lieber von einem KMU und mehreren KMUs sprechen, geben Sie vorläufig am besten noch ausdrücklich an, dass mit KMU kleines oder mittleres Unternehmen gemeint ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Pferde im Regen

Auf dem Weg zur Arbeit wurde ich heute auf meinem Stahlross vom Regen durchnässt. Diese Frage passt dazu:

Frage

Wie heißt es korrekt: „ein nass geregnetes Pferd“ oder „ein nassgeregnetes Pferd“? Als eigenständiges Verb ist „nassregnen“ mir und (zumindest) auch Canoonet unbekannt, intuitiv würde ich aber zusammenschreiben.

Antwort

Sehr geehrter Herr I.,

darüber, ob man nass regnen auch zusammenschreiben kann, lässt sich diskutieren. Es handelt sich hier ja um ein Verbindung, bei der das Adjektiv das Resultat der Verbhandlung ausdrückt. Man kann deshalb sagen, dass man nass regnen wie nass machen, nass spritzen und nass schwitzen auch zusammenschreiben kann:

nass machen oder nassmachen
nass schwitzen oder nassschwitzen
nass spritzen oder nassspritzen
nass regnen oder nassregnen

Sehen Sie hierzu die entsprechende Rechtschreibregel und die Rechtschreibangaben zu nass in Canoonet.

Weshalb steht das Wort nassregnen dann nicht in den Wörterbüchern? Es gibt so viele Möglichkeiten, Adjektiv-Verb-Kombinationen zu bilden, bei denen das Adjektiv das Resultat der Verbhandlung ausdrückt, dass kein Wörterbuch – auch nicht Canoonet – sie in sinnvoller Weise alle auflisten kann. Zum Beispiel:

nass machen oder nassmachen
rot machen oder rotmachen
rot reiben oder rotreiben
trocken reiben oder trockenreiben
trocken wischen oder trockenwischen
glatt wischen oder glattwischen
glatt schmirgeln oder glattschmirgeln
rund schmirgeln oder rundschmirgeln
rund biegen oder rundbiegen
krumm biegen oder krummbiegen
krumm treten oder kurmmtreten
usw. usw.

Ein etwas anderer Fall ist das als Adjektiv verwendete Partizip, um das es in Ihrem Beispiel eigentlich geht (nass geregnet oder nassgeregnet). Man kann es sowohl zusammen- als auch getrennt schreiben; selbst dann, wenn es so wäre, dass man nass machen nur getrennt schreiben dürfte. Dann gilt nämlich:

Verbindungen mit als Adjektiv verwendeten Partizipien können getrennt oder zusammengeschrieben werden, wenn die zugrundeliegende Verbverbindung eine getrennt geschriebene Wortgruppe ist.
(Regel)

Der langen Rede kurzer Sinn ist also, dass beide Varianten korrekt sind:

ein nass geregnetes Pferd
ein nassgeregnetes Pferd

Sie können somit Ihrer Intuition folgen und zusammenschreiben. Doch ganz gleich wie man es schreibt, man sollte zu dieser kühlen Jahreszeit darauf achten, dass man nicht allzu oft nassgeregnet oder nass geregnet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Zu Großmutters Zeiten

Frage

Meine Frage lautet: In „nach Omas Rezept“ wird „Oma“ wie ein Personenname gebeugt, also nicht „nach dem Rezept der Oma“, sondern „nach Omas Rezept“. Genau so wie hier: „zu Großmutters Zeiten“ anstatt „zu den Zeiten der Großmutter“. Sind solche Formulierungen standardsprachlich korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

Verwandtschaftsbezeichnungen wie Großmutter, Mutter, Vater u. a. m. werden im familiären Bereich oft wie Eigennamen verwendet:

Weißt du schon, was du Mutter zum Geburtstag schenkst?
Frage einmal Vater, ob er eine gute Idee hat!
Großmutter, warum hast du so große Augen?

Als Eigennamen verwendetet Verwandtschaftsbezeichnungen werden auch wie Eigennamen gebeugt. Das sieht man dann am besten, wenn weibliche Bezeichnungen im Genitiv stehen:

Vergiss nicht Mutters Geburtstag!
Erinnerst du dich an Omas Hündchen?
Großmutters neues Auto gefällt mir gut.

Diese Formen sind korrekt. Sie werden auch standardsprachlich verwendet, allerdings nur innerhalb der Familie. Solche Formulierungen treffen Sie deshalb kaum je in formelleren Kontexten an.

Wendungen wie zu Großmutters Zeiten und nach Großmutters Rezept werden häufig auch allgemeiner verwendet; dann nämlich, wenn eine nostalgisch-familiäre Atmosphäre hervorgerufen werden soll. Schließlich – so die darin verpackte Botschaft – schmeckten Großmutters selbstgebackener Kuchen und Omas selbstgemachter Kartoffelsalat viel besser als die heutigen Industrieerzeugnisse. Ich frage mich dann aber immer, ob das wirklich für die Back- und Kochkünste aller Großmütter galt und gilt. Auch zu Großmutters Zeiten interessierten sich ja viele Frauen und Mütter für anderes als nur das perfekte Kuchenrezept.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Einfahren

Es gibt am heutigen Tag wohl kaum jemanden, der sich nicht über die Rettung der Bergleute in Chile unterhalten oder zumindest davon gehört hat. Schön, dass wieder einmal etwas Erfreuliches die gesamte Weltöffentlichkeit beschäftigt!

Man lernt auch immer wieder Neues dazu. So wusste ich, dass das Wort Kumpel ebenso aus dem Bergbau kommt wie die Wendung vor Ort. Ein Kumpel ist ein Bergmann; die saloppe Benennung für Freund ist davon abgeleitet. Mit vor Ort bezeichnet man die Stelle in der Grube, wo abgebaut wird. Erst im übertragenen Sinne bedeutet es an Ort und Stelle. In der Schule habe ich gelernt, dass ein Flöz eine umfangreiche Schicht abbauwürdiges Gestein ist. Ein so ungewöhnliches Wort, das in nichts einem anderen Wort ähnelt, vergisst man nicht mehr. Ich wusste auch, dass das Gegenteil von Tagebau nicht Nachtbau, sonder Untertagebau ist. Aber damit sind meine Kenntnisse der Bergbausprache schon fast erschöpft.

Was habe ich also Neues dazugelernt? Im Mittagsmagazin wurde ein älterer Kumpel interviewt, der in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts ein Grubenunglück miterlebt hatte. Er erzählte unter anderem, dass er nach der Rettung eine Woche Urlaub gehabt hatte, bevor er wieder einfahren musste und wollte. Diese Bedeutung von einfahren kannte ich nicht. Wenn ich zur Arbeit gehe, öffne ich die Tür, begrüße die Anwesenden und setzte mich an den Computer. Bergleute fahren ein. Und wenn sie wieder aus der Grube kommen, sagt man, dass sie (Sie haben es bestimmt schon erraten) ausfahren.

Ich habe das in den Wörterbüchern nachgeschlagen und bin dabei auf ganz viele andere Begriffe aus dem Bergbau gestoßen. Zu den schönsten, das heißt den am schönsten oder abenteuerlichsten klingenden Wörtern gehören: erzhöffig, güldisch, Sargdeckel, Lutte, Schüttelrutsche und Wüstung. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was diese Wörter bedeuten. Ich weiß es jetzt schon nicht mehr genau. Ich bin eben ein „Schreibtischtäter“, kein „Stollengänger“.

Glückauf!

Dr. Bopp

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Warum es nicht beinhält heißt

Und hier gleich noch etwas zum Thema der Entstehung von Wörtern:

Frage

Mich verwirrt die unterschiedliche Deklination des Verbs beinhalten gegenüber halten, enthalten usw., zum Beispiel im Präsens, Indikativ, 3. Person Singular:

er/sie/es hält
er/sie/es enthält
aber
er/sie/es beinhaltet

Gibt es dazu einen sprachgeschichtlichen (Hinter-)Grund?

Antwort

Guten Tag P.,

der Unterschied hat tatsächlich etwas mit der Entstehung der Wörter zu tun. Verben wie enthalten, verhalten, zuhalten usw. sind mit einem Präfix von halten abgeleitet. Wie alle mit einem Präfix von einem Verb abgeleiteten Verben werden sie gleich konjugiert wie das Basisverb:

halten, hielt, gehalten; hältst, hält
enthalten, enthielt, enthalten; enthältst, enthält
zuhalten, hielt zu, zugehalten; hältst zu, hält zu

Siehe auch hier.

Anders sieht es bei beinhalten aus. Dieses Verb endet zwar auch auf –halten, es ist aber nicht mit be-in- von halten abgeleitet worden. Es kommt vom Substantiv Inhalt:

be+Inhalt(+en) => beinhalten

Ebenso entstanden sind zum Beispiel:

beanspruchen, beantragen, beauftragen, bemitleiden, bevorschussen;
entgleisen, übervorteilen, untertunneln, verabschieden, zerfleischen

Solche Ableitungen werden regelmäßig konjugiert:

beinhalten, beinhaltete, beinhaltet; beinhaltest, beinhaltet
beantragen, beantragte, beantragt; beantragst, beantragt

NICHT:

beinhalten, *beinhielt, *beingehalten; *beinhältst, *beinhält
beantragen, *beantrug, *beangetragen; *beanträgst, *beanträgt

Siehe auch hier.

Der langen Rede kurzer Sinn: beinhalten ist nicht direkt vom Verb halten, sondern vom Nomen Inhalt abgeleitet worden. Von Nomen abgeleitete Verben werden normalerweise regelmäßig gebeugt. Deshalb sagt man es beinhaltet und du beantragtest und nicht – auch wenn es irgendwie sehr gebildet klingt – *es beinhält und *du beantrugst.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Unverwandt, verwandt und unabgewandt

Frage

Ich hätte eine Frage zu folgender Redewendung: „Jemanden unverwandt anschauen“. Ich rätsle zusammen mit meinem Freund, was der Wortursprung  von „unverwandt“ sein könnte, das heißt, wie man von „unabgewandt“ zu „unverwandt“ kommt.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

wenn man jemanden oder etwas unverwandt anschaut, dann schaut man längere Zeit, ohne den Blick abzuwenden. Ihre Frage ist also berechtigt: Wieso heißt es unverwandt und nicht unabgewandt? – Das hat mit dem Verb verwenden, von dem unverwandt ja herkommt, und seinen früheren Bedeutungen zu tun.

Das Verb verwenden hatte früher unter anderem die Bedeutung abwenden, umwenden. Die Bedeutung unverwandt = ohne die Augen abzuwenden kommt von dieser Bedeutung des Verbs. Während sich die Bedeutung von verwenden auf benutzen, gebrauchen spezialisiert hat, ist bei unverwandt die Bedeutung unabgewandt erhalten geblieben. Man sagte also ursprünglich einfach buchstäblich, dass man jemanden anschaute, ohne sich (oder die Augen) abzuwenden.

Das ist aber wieder einmal nicht ganz alles. Ihre Frage hat nämlich bei mir die Frage aufgerufen, wie sich denn dieses unverwandt zu seinem scheinbaren Gegenteil verwandt verhält.

Das Wort verwandt hat die Bedeutung zur gleichen Familie gehörend. Das ist, wenn man es genauer betrachtet, nicht das Gegenteil von unabgewandt, sondern das Gegenteil von abgewandt: Wenn man miteinander verwandt ist, ist man im übertragenen Sinne einander vielmehr zugewandt als abgewandt. Die Wörter unverwandt und verwandt drücken also beide in gewissem Sinne das Gleiche aus: nicht abgewandt.

Auch das liegt am Verb verwenden und seiner früheren Bedeutung. Seine Grundbedeutung war nämlich, grob gesagt, bewegen, in eine Richtung wenden. Deshalb konnte man mit ihm nicht nur abwenden, sonder auch hinwenden, zuwenden ausdrücken. Das Adjektiv verwandt bedeutete also ursprünglich zugewandt, zugehörig. Es löste sich dann im Laufe der Zeit vom Verb und hat heute „nur“ noch die Bedeutung zur gleichen Familie gehörend.

Wieder einmal zeigt sich, dass man Sprachregeln nicht allzu stark verallgemeinern darf. Die Vorsilbe un- verneint in der Regel die Bedeutung des Adjektivs, vor dem sie steht: unabgewandt = nicht abgewandt, uninteressant = nicht interessant, unbeliebt = nicht beliebt. Das ist aber nicht immer der Fall: Bei zum Beispiel verwandt – unverwandt macht die Wortgeschichte den Liebhabern absoluter Regeln einen Strich durch die Rechnung. Echte Regelkenner und -kennerinnen tröstet sich dann aber mit der alten Weisheit, die besagt, dass die Ausnahme die Regel bestätigt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Quellen: u. a. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (Einträge unverwandt, verwandt, verwenden)

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Doch den/der, den ich liebe, der liebt mich nicht

Frage

Sicher kennen Sie den Spruch: „Ich liebe die Liebe, die Liebe liebt mich, doch den, den ich liebe, der liebt mich nicht.“ In unserer Abteilung entstand hierüber eine rege Diskussion, da ich der Meinung bin, der Satz müsste richtig heißen: „Ich liebe die Liebe, die Liebe liebt mich, doch DER, den ich liebe, der liebt mich nicht.“ Können Sie mir bitte sagen, was richtig ist?

Antwort

Guten Tag N.,

Sie haben recht. Auch wenn man es häufig anders hört und liest, heißt es:

… doch der, den ich liebe, der liebt mich nicht.

Das der nach doch ist das Subjekt, das zur Verbform liebt gehört.

Wer liebt mich nicht?
– Der, den ich liebe, der liebt mich nicht.

Das Subjekt steht im Nominativ (der),  nicht im Akkusativ (den). Der Relativsatz den ich liebe sagt aus, um welchen der es geht. Das zweite der ist eine Wiederholung oder Wiederaufnahme des Subjekts, die auch weggelassen werden kann:

– Der, den ich liebe, liebt mich nicht.

Vergleichen Sie auch:

Wer liebt mich nicht?
– Der, der wohl blind sein muss, [der] liebt mich nicht.
– Der, den ich heimlich verehre, [der] liebt mich nicht.
– Der, dem ich so viel zu geben hätte, [der] liebt mich nicht.
– Der, dessen ich mich so gerne annehmen würde, [der] liebt mich nicht.

Man schmachtet also tatsächlich:

Ich liebe die Liebe, die Liebe liebt mich, doch der, den ich liebe, der liebt mich nicht.

Grammatisch einfacher haben es übrigens die unglücklich in eine Frau Verliebten. Für sie gibt es keinen Zweifel, dass es die lauten muss:

Ich liebe die Liebe, die Liebe liebt mich, doch die, die ich liebe, die liebt mich nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eierschwammerln

Variation in der deutschen Sprache gefällt mir immer. Deshalb war ich froh über die folgende Frage von Frau M., dank der ich etwas Neues gelernt habe. In Österreich möge man mir meine bisherige Unwissenheit verzeihen.

Frage

Was ich nirgendwo finde: Österreichische Begriffe mit der Endung -erl (zum Beispiel Eierschwammerl), wie werden die dekliniert?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

österreichische Wörter mit der Endung -erl haben im Genitiv Singular die Endung -s und im Plural die Endung -n. Es heißt also:

das Eierschwammerl
dem Eierschwammerl
des Eierschwammerls

die Eierschwammerln
den Eierschwammerln
der Eierschwammerln

Daneben gibt es bei „Österreichunkundigen“, die sich trotzdem österreichischer Begriffe bedienen, auch die endungslosen Mehrzahlformen die Eierschwammerl und der Eierschwammerl.

Das Wort Einerschwammerl finden Sie leider noch nicht im Canoonet-Wörterbuch. Sehen Sie aber zum Beispiel Nockerl und Schmankerl.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Anmerkung: Ein Eierschwammerl ist übrigens kein eiförmiger Badeschwamm, sondern ein Pfifferling. Diesen kleinen, gelben, schmackhaften Pilz, den ich unbedingt wieder einmal essen muss, bevor die Saison zu Ende geht, nennt man vor allem in südlicheren Gefilden auch Eierschwamm.

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Zum 1. Oktober

Wahrscheinlich wussten Sie schon, dass der Oktober seinen Namen der Tatsache verdankt, dass er nach dem altrömischen Kalender der achte Monat im Jahr war: mensis october, octo = acht. Es ist gut möglich, dass Sie auch die folgenden alten deutschen Namen schon kannten: Weinmonat oder Weinmond (wegen der Weinlese), Gilbhard (weil die Blätter gelb werden, d. h. vergilben) und Dachsmond (nach dem Höhepunkt der Dachsjagd). Was Ihnen aber wie mir ganz neu sein könnte, ist Folgendes:

Nachdem es Julius Cäsar und Augustus ganz „bescheiden“ gelungen war, einen Monat nach sich benennen zu lassen, gestand der römische Senat auch Kaiser Domitian zu, seinen Geburtsmonat, den Oktober, Domitianus zu nennen. Im Gegensatz zu Juli und August hat sich der Name Domitian aber nicht durchgesetzt. Dieses Los teilt er mit anderen Namen wie zum Beispiel Neroneus (April), Claudius (Mai) und Germanicus (je nach gerade herrschendem Kaiser Juni oder September).

Auch die genannten alten deutschen Namen haben sich nicht wirklich durchgesetzt. Deshalb steht oben in und unter dem Titel 1. Oktober und nicht 1. Domitian, 1. Gilbhard, 1. Dachsmond oder – was mir eigentlich auch ganz gut gefiele –  1. Weinmond.

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