Archiv für Dezember, 2010

Silvester

Zuerst möchte ich Sie noch ein letztes Mal in diesem Jahr mit einer kleinen Rechtschreibfrage belästigen: Gemäß dem amtlichen Wörterverzeichnis schreibt man Silvester und nicht Sylvester, wenn es wie heute um den letzten Tag des Jahres geht. Die Schreibung mit y gehört zum Beispiel zur Hollywood-Berühmtheit Stallone oder zum katzenartigen Gegenspieler des Trickfilmvögelchens Tweety.

Nachdem nun die nicht gerade weltbewegende Frage geklärt ist, was Herr Stallone und Tweetys Opponent einerseits und der heutige Tag andererseits nicht miteinander gemeinsam haben, bleibt mir nur noch, Ihnen einen schönen, festlich-brausenden oder ruhig-besinnlichen Silvesterabend zu wünschen. Rutschen Sie gut rüber!

Dr. Bopp

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Vorschlag für einen guten Vorsatz

Wenn alle Fragesteller und Fragestellerinnen sich für 2011 vornehmen würden, besonders gut darauf zu achten, dass sie die richtige Mailadresse für die Antwort angeben, wäre ich allen sehr dankbar. Ich komme darauf, weil die Antwort auf eine dringende Frage von Mana soeben „mailwendend“ zu mir zurückgekommen ist: Undelivered Mail Returned to Sender. This user doesn’t have a xyz.de account.

Liebe Mana, wenn Sie die Antwort immer noch benötigen, sollten Sie mir bitte Ihre richtige Adresse angeben. Das können Sie über das Kontaktformular oder die dort angegebene Mailadresse tun.

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Gebietsweise Schnee und stellenweise Glätte

Ich greife auf  eine in der letzten Woche gestellte Frage zurück, weil mir heute eine ähnlich zweifelhafte Formulierung mit stellenweise und Glätte aufgefallen ist wie der Fragestellerin. Bei so viel Schnee und Glätte, wie wir sie hier zurzeit erleben dürfen, ist es wohl nicht verwunderlich, dass es hin und wieder auch zu sprachlichen Ausrutschern kommt.

Frage

Da meine Kinder in letzter Zeit ständig darüber informiert sein wollen, ob vielleicht die Schule ausfällt, informiere ich mich laufend auf der Website des NDR. Dort las ich Folgendes: „Heute wolkig mit einigen Auflockerungen und gebietsweise Schneeschauer mit STELLENWEISER Glätte.“ Darf man das so formulieren, oder müßte es nicht korrekt heißen: „mit stellenweise auftretender Glätte“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Sie haben recht: Die Formulierung Schneeschauer mit stellenweiser Glätte ist standardsprachlich nicht richtig. Man kann zum Beispiel sagen:

Schneeschauer mit stellenweise auftretender Glätte
Schneeschauer, stellenweise mit Glätte

Das liegt daran, dass stellenweise und auch gebietsweise keine Adjektive, sondern wie zum Beispiel überall oder nirgends Adverbien sind. Man fragt mit wo? nach ihnen. Sie können in der Regel nicht direkt ein Substantiv bestimmen. Man sagt deshalb NICHT:

*Es ist mit gebietsweisem Schnee zu rechnen.
*die stellenweise Glätte
*bei der Einführung gebietsweiser gebührenpflichtiger Kurzparkzonen

sondern:

Es ist gebietsweise mit Schnee zu rechnen.
die stellenweise auftretende Glätte

Und jetzt kommt natürlich unvermeidlich die Ausnahme, ohne die es nie geht: Gewisse Adverbien, zu denen auch gebietsweise und stellenweise gehören, können trotz des bisher Gesagten wie Adjektive ein Substantiv bestimmen. Es muss sich dabei aber um den Infinitiv oder um eine Ableitung des Verbs handeln, auf das sich das Adverb bezieht:

bei der gebietsweisen Einführung gebührenpflichtiger Kurzparkzonen

etwas gebietsweise einführen
Kurzparkzonen werden gebietsweise eingeführt
beim gebietsweisen Einführen von Kurzparkzonen
bei der gebietsweisen Einführung von Kurzparkzonen

Ganz gleich ob Sie nun gebietsweise und stellenweise standardsprachlich immer richtig oder auch einmal an der falschen Stelle als Adjektive verwenden: Genießen Sie den Schnee und seien Sie bei Glätte besonders vorsichtig!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Sind Sie sich dessen bewusst oder ist Ihnen bewusst, dass nur noch wenig Zeit bleibt?

Frage

Unlängst hatte ich eine kleine Meinungsverschiedenheit mit einem Kumpel. Es ging um die korrekte Verwendung von Pronomen beim Wörtchen bewusst. Ich bin mir dessen bewusst, so meine Meinung, ist einzig und allein richtig, denn bewusst regiert in dem Fall ganz klar den Genitiv. Er hielt dagegen, er könne schreiben und sagen: Nadja ist dies durchaus bewusst. Und nun bin ich ganz unsicher. Kann er das tatsächlich grammatikalisch richtig sagen und schreiben?

Antwort

Guten Tag M.,

Sie haben recht, Ihr Kumpel aber auch: bewusst steht zwar mit dem Genitiv, aber nur in der Wendung sich einer Sache bewusst sein:

Nadja war sich dessen durchaus bewusst.
Sie war sich dessen durchaus bewusst.

Im Satz Nadja ist dies durchaus bewusst steht eine andere Wendung. Wenn man sich einer Sache bewusst ist, ist diese Sache einem bewusst:

Dies war Nadja durchaus bewusst.
Dies war ihr durchaus bewusst.

Bei sich einer Sache bewusst sein ist das Subjekt des Satzes die Person, die weiß. Bei jemandem bewusst sein ist das Subjekt des Satzes dasjenige, was gewusst wird.

Er war sich der Folgen seiner Tat nicht bewusst.
Ihm war nicht bewusst, welche Folgen seine Tat hatte.

Das Wörtchen bewusst kann in mehr als nur einer Satzkonstruktion verwendet werden: einmal stilvoll mit sich und dem Genitiv und einmal ganz „banal“ mit dem Dativ. Beide Wendungen sind den strengen Genitivverfechtern zum Trotz korrektes Deutsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

An alle Blogbesucher und -besucherinnen:

Wenn Sie jetzt noch Zeit haben, dies hier zu lesen, haben Sie Ihre Weihnachtseinkäufe und sonstigen Feiertagsvorbereitungen bestimmt schon bis ins vorletzte Detail geregelt. Wenn dem nicht so sein sollte, sputen Sie sich! Es bleibt Ihnen nur noch wenig Zeit.

Frohe Weihnachten!

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Es wird getwittert und gefacebookt

Schon wieder geht es darum, wie neue Wörter entstehen:

Frage

Anscheinend bin ich nicht die einzige, die Sätze wie „ich facebooke“, „Das muss ich gleich mal facebooken“ oder „Heute schon getwittert?“ sagt.

– Wie werden neue Wörter in ein Wörterbuch aufgenommen?
– Warum bilden wir neue Verben?
– Welche Regeln gibt es für neue Wortbildungen?

Das Verb „googeln“ steht ja schon ein paar Jahre im Duden und auch in Canoonet.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

ein neues Wort wird in der Regel dann in Wörterbücher aufgenommen, wenn es über eine längere Zeit (ein paar Jahre) häufiger in Zeitungen, Büchern, Artikeln usw. erschienen ist. Das ist, grob gesagt, das Hauptkriterium.

Neue Verben bilden wir dann, wenn es neue Tätigkeiten und Vorgänge gibt, die wir benennen wollen oder müssen. Deshalb sind vor einiger Zeit die Verben morsen, funken, telegrafieren, telefonieren, faxen usw. entstanden. Das Gleiche findet nun auch im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationsmittel statt.

Das Verb twittern scheint schon ziemlich eingebürgert zu sein und ist auch bereits in den ersten Wörterbüchern zu finden. Bei uns steht es zurzeit auf der „Liste der noch aufzunehmenden Wörter“. Anders sieht es bei facebooken aus. Dieses Verb wird offenbar (noch?) weit weniger verwendet. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Facebook eher als etwas Statisches empfunden wird, das man nicht einfach tut, sondern in dem man verschiedene Tätigkeiten ausführen kann (schreiben, mitteilen, lesen, reagieren usw.). Letzteres ist nur ein in keiner Weise überprüfter spontaner Erklärungsversuch von mir.

Das Verb facebooken ist aber wie twittern eine völlig regelmäßige Wortbildung:

Twitter –> twittern, twitterte, getwittert
Facebook –> facebooken, facebookte, gefacebookt

Diese relativ häufig vorkommende Art der Wortbildung wird u. a. Konversion oder Nullableitung (Ableitung ohne Wortbildungselemente) genannt. Eines der jüngsten allgemein bekannten Beispiele haben Sie bereits genannt: googeln. Andere, ältere und neuere Beispiele sind: kellnern, föhnen, lasern, faxen, mailen, internetten usw. usw.

Es genügt jedoch nicht, dass ein Wort korrekt gebildet worden ist, damit es in Wörterbücher aufgenommen wird. Es muss sich, wie gesagt, auch beweisen, indem es über eine gewisse Zeit regelmäßig und an verschiedenen Orten verwendet wird. Wenn Sie das Verb facebooken weiterhin fleißig benutzen, wird es vielleicht auch einmal in den Wörterbüchern erscheinen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Findet man den richtigen oder den Richtigen?

Die Überschrift könnte den Eindruck erwecken, es gehe bei der folgenden Frage um Ratschläge für die Partnersuche. Gemeint ist aber nur die Groß- oder Kleinschreibung allein stehender Adjektive.

Frage

„Zu jedem Menschen passt ein bestimmter Job, aber wie findet man den richtigen/Richtigen?“ Wie schreibt man in diesem Fall  richtigen, groß oder klein?

Antwort

Sehr geehrte Frau C.,

man schreibt das Adjektiv richtigen in Ihrem Satz klein:

Zu jedem Menschen passt ein bestimmter Job, aber wie findet man den richtigen?

Wenn ein Adjektiv sich auf ein im Vorhergehenden oder im Nachfolgenden genanntes Substantiv bezieht, schreibt man es klein, auch wenn es allein nach einem Artikel steht. In ihrem Satz bezieht sich richtigen auf das vorher genannte Substantiv Job und wird deshalb kleingeschrieben. Das gilt übrigens auch über die Satzgrenze hinaus …

Suchen Sie einen Job? Wir helfen Ihnen, den richtigen zu finden.

… und selbst dann, wenn das Adjektiv sich auf einen Menschen bezieht:

Kümmern Sie sich schon früh um eine Hebamme, damit Sie ausreichend Zeit haben, die richtige zu finden.

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Groß schreibt man Adjektive, die als selbstständige Substantive verwendet werden (Regel). Zum Beispiel:

Es ist nicht immer einfach, das Richtige zu tun.
Möchten Sie nicht länger alleine bleiben? Wir helfen Ihnen den Richtigen oder die Richtige zu finden.

Im Unterschied zu den vorhergehenden Beispielen, wird hier vorher und nachher kein Substantiv genannt, auf das sich Richtige bezieht.

So weit, so gut. Die korrekte Groß- und Kleinschreibung hilft einem aber leider auf der Suche nach dem richtigen Job höchstens ein bisschen (im Bewerbungsschreiben) und nützt einem beim Finden des richtigen „Opfers“ für eine Partnerschaft wohl rein gar nichts.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß und klein bei Must-haves

Frage

Heute hätte ich mal eine Frage zu den immer mehr um sich greifenden Anglizismen. So ein neumodisches Wort ist das „Must-have“, also etwas, was man (angeblich) unbedingt haben muss. Würden Sie das Wort auch so schreiben? Oder gibt’s da eine genaue Regel, wie man solche Wörter zu behandeln hat?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

Wenn ich das Wort Must-have benutzen müsste, würde ich es auch so schreiben. Das englische Wort must-have wird als Substantiv verwendet, deshalb schreibt man den Anfangsbuchstaben im Deutschen groß. Der Wortteil nach dem Bindestrich ist kein Substantiv (have ist ein Verb) und bleibt deshalb klein:

das Must-have

Ebenso zum Beispiel:

das Know-how
das Make-up
die Hit-and-run-Strategie
das Savoir-vivre
der Tour-de-France-Gewinner

Sehen Sie hierzu diese Angaben.

So weit die Regel. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Ausnahmen: Die amtliche Wörterliste gibt zum Beispiel an, dass man Rock-and-Roll-Musiker schreiben muss (seufz).

Diese Kleinschreibregelung gilt im Prinzip auch in „deutscheren“ Zusammensetzungen mit Bindestrich. Auch hier werden Wortbestandteile, die keine Substantive sind (und nicht an erster Stelle stehen), kleingeschrieben. Zum Beispiel:

die Ad-hoc-Entscheidung
der Trimm-dich-Pfad
die Links-rechts-Kombination
die Berg-und-Tal-Bahn

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn Sockenpuppen Trolle füttern

Ihre Fragen zu Sprache und Rechtschreibung beantworte ich über das Internet und ich schreibe an dieser Stelle regelmäßig Blogberichte. Ich bin also kein absoluter digitaler Analphabet. Dass ich aber nicht gerade an der vordersten Front der digitalen Avantgarde mitmarschiere, zeigt sich wieder einmal daran, dass ich in der vergangenen Woche freudig etwas Neues entdeckt habe, was anderen schon seit langem bekannt ist. Ich kann es deshalb nicht als sprachliche Neuentdeckung, sondern nur als Beispiel für die Entstehung neuer Wortbedeutungen präsentieren.

Im Zusammenhang mit unflätigen und aggressiven Beiträgen eines wenig diskussionsbereiten Teilnehmers in einem Internetforum, in das ich hin und wieder hineinsehe, stieß ich auf den Vorwurf, der genannte Störenfried sei ein Troll. Ich habe ziemlich gut verstanden, was damit gemeint ist, auch wenn ich Trolle bis dahin nur als bösartige, gewalttätige und Schaden verursachende Wesen aus der nordischen Mythologie und aus Tolkiens Ring-Trilogie gekannt hatte. Entscheidend für die Übertragung von der Mythologie (oder Tolkien) auf die Kommunikation im Internet sind natürlich die Eigenschaften bösartig und schädigend. Ein Troll ist – wie viele von Ihnen wahrscheinlich schon wissen – jemand der in Diskussionen oder Foren mit seinen Beiträgen provoziert und stört, und zwar um des Provozierens und Störens willen.

Das Wort Troll ist ein schönes Beispiel dafür, wie in der Sprache Bezeichnungen für neue Erscheinungen entstehen können. Es werden fast nie völlig neue Wörter erfunden. In diesem Fall verwendet man ein bestehendes Wort in bildlichem, übertragenem Sinne. Verbindendes Element sind typische Eigenschaften, die der ursprüngliche Begriff und der mit dem gleichen Wort neu benannte Begriff gemeinsam haben. Hier sind das, wie gesagt, u. a. die Eigenschaften bösartig und Schaden verursachend. Eine solche übertragene Verwendung eines Wortes kann einmalig sein, sie kann aber auch in den festen Wortschatz einer Sprache übergehen (vgl. zum Beispiel die Schlange vor der Kasse, die Maus am Computer oder die Schwalbe in Akrobatik und Fußball).

Ich habe weiter erfahren, dass man Trolle nicht füttern soll. Man soll also keine Antworten oder Reaktionen auf ihre Beiträge schreiben, die ihnen die Möglichkeit bieten, weiter störend aufzutreten. Auch das Wort füttern wird hier metaphorisch, das heißt in übertragenem Sinne verwendet.

Und nun zu meiner Lieblingsmetapher in diesem Bereich: Wenn ein Troll bemerkt, dass er nicht mehr gefüttert wird, aber trotzdem weiter sein Unwesen treiben möchte, kann er einen einfachen Trick anwenden: Er greift zur Sockenpuppe. Man erstellt ein neues Benutzerprofil unter einem anderen Namen. Mit Hilfe eines solchen Zweit- oder Drittprofils kann man sich dann als Troll selbst füttern, das heißt, man schreibt die Antworten, auf die man danach wieder trollenderweise reagieren kann, einfach selbst. Das Bild, das dahintersteckt, ist der Bauchredner, der sich mit seiner aus einer Socke angefertigten Handpuppe „unterhält“.

Ein Troll, der sich mit Hilfe einer Sockenpuppe selbst füttert, ist in der digitalen Kommunikation äußerst unangenehm, sprachlich aber zeigt sich dabei sehr schön, wie alte Wörter neue Bedeutungen erhalten und wie neue Begriffe zu ihrem Namen kommen können. Mögen Ihnen in Ihrer digitalen Kommunikationswelt Trolle und Sockenpuppen erspart bleiben! Ihre Bezeichnungen klingen amüsant, sie selbst sind aber nur ärgerlich.

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Weibliche Motorschiffe

Eine Frage für Landratten und Binnenlandbewohner:

Frage

Ich las einen Artikel, in dem sinngemäß stand:  „… dann hat die MS Alexander …“ Mir ist die MS Alexander auch sympathisch. Es tönt angenehmer, gewohnter als das MS Alexander. Bin ich auf dem Holzweg, wenn ich MS als Motorschiff lese?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

Sie sind nicht „auf dem Holzweg“. Schiffsnamen sind im Allgemeinen weiblich: die Titanic, die Hindenburg, die Bounty usw. Das gilt sogar dann, wenn eine an und für sich sächliche Abkürzung wie MS (Motorschiff) oder SS (je nach Sprache Steam Ship o. Segelschiff) Teil des Namens ist. Es heißt deshalb das Motorschiff »Alexander«, aber die »MS Alexander« oder einfach die »Alexander«. Ebenso zum Beispiel: die MS Hamburg, die MS Rossini, die SS Rotterdam, die TSS Carnivale usw.

Warum Schiffe immer weiblich sind, ist eine andere Frage, auf die ich bis jetzt keine vernünftige Antwort finden konnte – nur witzig Gemeintes wie „weil die Takelage so teuer ist“ …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mandarin und Mandarine

Welche Frucht gehört zum Nikolaustag? Bei mir ist es eindeutig die Mandarine – so sehr sogar, dass ich eigentlich finde, dass die Mandarinensaison erst am 6. Dezember beginnen dürfte. Das Wort „eigentlich“ zeigt allerdings, dass ich mich nicht an diese selbsterfundene „Tradition“ halte. Auch dieses Jahr habe ich die erste Mandarine der Saison nicht erst heute gegessen.

Die Frage, die ich mir heute stellte, war, inwieweit eine Mandarine etwas mit einem Mandarin genannten hohen chinesischen Beamten zu tun hat. Ein solcher Zusammenhang drängt sich ja bei Worten, die einander so ähnlich sind wie die Mandarine und der Mandarin, unweigerlich auf. Ich habe deshalb ein paar Quellen „angebohrt“ und dabei wieder einmal viel mehr gefunden, als ich erwartet hätte. Hier ein kleiner Auszug, der in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Es beginnt damit, dass das Wort Mandarin, mit dem ein früherer hoher chinesischer Beamter bezeichnet wird, nicht chinesisch ist. Es müsste dann ja Mandalin heißen. (Man verzeihe mir bitte diesen für mich unwiderstehlichen Kalauer.) Das Wort Mandarin ist im 17. Jahrhundert aus dem Portugiesischen zu uns gekommen. Dort war wahrscheinlich aus dem portugiesischen Verb mandar (befehlen) und dem malaiischen Wort mantari (Ratgeber des Fürsten, Minister) das Wort mandarin entstanden. Das Wort wurde dann nach China übertragen und für dortige hohe Beamte verwendet. Auf Chinesisch heißt ein solcher Beamter übrigens guan.

Da China groß ist und es dort sehr viele verschiedene Dialekte gibt, benötigten die Mandarine eine Beamtensprache, mit der sie sich im ganzen Reich verständigen konnten. Diese Sprache, die eine ähnliche Funktion hatte wie Latein in Europa, wurde von den Europäern Mandarin genannt. Das Mandarin basiert auf dem in Peking gesprochenen Dialekt und ist heute die Standardsprache Chinas.

So viel zu der Mandarin und das Mandarin. Wie steht es nun mit der Frucht Mandarine? Hier ist vieles unklar. Je nach Quelle heißt es, die ursprüngliche Variante sei französisch (orange mandarine), spanisch (naranja mandarina) oder dank der Reisebeschreibungen eines schwedischen Schiffskaplans auch schwedisch (mandarin-apelsin). Auf jeden Fall ist im Laufe der Zeit Orange oder Apfelsine weggefallen und nur Mandarine übriggeblieben. Noch unklarer und entsprechen phantasievoller sind die möglichen Erklärungen, weshalb man zu diesem Namen kam. Hier ein paar Beispiele:

  • Die Frucht wurde nach der Farbe, die in der Kleidung der Mandarine vorkam, benannt.
  • Die Früchte waren teuer und köstlich, also eines Mandarins würdig.
  • Mandarinen sollen ein traditionelles Geschenk für Mandarine gewesen sein.
  • Der Name ist vom Namen der Insel Mandara, dem heutigen Mauritius, abgeleitet.

Nicht gerade die wahrscheinlichste, aber die vielleicht schönste Erklärung ist diese:

  • Die Frucht mit Stil Stiel und einem Blatt soll eine gewisse Änlichkeit mit dem Sommerhut eines Mandarins haben, den je nach Rang seines Trägers ein Stöckchen und eine Feder zierte.

Sie können also selber wählen, welcher Erklärung Sie Glauben schenken wollen. Im Prinzip macht es ja nicht viel aus. Hauptsache ist, dass der Nikolaus Mandarinen bringt und dass sie schön süß und saftig sind.

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