Der unpassende Name der Schmetterlinge

Im Zusammenhang mit  Schmant und Schmand fand ich nebenbei zufällig die Antwort auf eine Frage, die ich mir schon öfter gestellt hatte: Warum haben Schmetterlinge einen so schlecht passenden Namen? Wenn einmal das Wort gekürt würde, dessen Klang am wenigsten mit seiner Bedeutung übereinstimmt, wäre mein Vorschlag Schmetterling.

Wie kann man ein buntes, luftiges, geräuschlos von Blume zu Blume flatterndes, sich zwischendurch auf einem leicht im Winde wiegenden Blatt ausruhendes Wesen Schmetterling nennen?! Der Klang von schmetter passt zu Vasen, die während Wutanfällen an Wänden zerbrechen; zu Türen, die bei effektvollen Abgängen ins Schloss knallen; zu Tennisbällen, die Roger Federer kraftvoll über das Netz schlägt; von mir aus auch zum Trompetengeschall, das erklingt, wenn Kleopatra in einem pompösen Kostümfilm in Rom einzieht – zu einem kleinen, feinen Insekt wie dem Schmetterling passen die beiden Silben schmetter eindeutig nicht. Da rettet auch die Endung –ling nichts mehr. Der vor allem in Schweizer Mundarten übliche Name Sommervogel trifft es doch besser. Er stimmt zoologisch gesehen zwar nicht ganz, aber er hat wenigstens etwas Poetisches.

Wie kommen also die Schmetterlinge zu ihrer auf den ersten Blick so unpassenden Bezeichnung. Wie immer sind sich die Gelehrten nicht ganz einig. Einige assoziieren den Namen wegen des Flügelschlags der Falter einfach mit dem Verb schmettern. Weiter verbreitet und auch schöner ist die Erklärung, dass Schmetterling mit dem Wort Schmetten verwandt ist. Schmetten ist ein im Ostmitteldeutschen verwendetes Wort für Sahne, das vom tschechischen Wort smetana herkommt (wie gemäß einer Erklärung Schmant/Schmand). Aus einer ebendieser ostmitteldeutschen Mundarten, dem Sächsischen, stammt ursprünglich auch das Wort Schmetterling. Weitere Indizien sind alte oder regionale Namen für Schmetterling: Neben zum Beispiel Sommervogel, Meienvogel, Tagvogel, Müllermaler und Raupenscheißer heißen oder hießen die Schmetterlinge auch Buttervogel, Butterfliege (vgl. englisch butterfly), Schmantlecker oder Molkendieb.

Den Zusammenhang zwischen den Schmetterlingen und den Milchprodukten erklärt das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Es handelt sich hierbei um dieselben Gebrüder Grimm, die man von den Märchen kennt. In Sachen Volksglauben dürften es sich also um Experten handeln:

eine alte vorstellung des volksglaubens liegt hier zu grunde, dasz hexen die gestalt von schmetterlingen annehmen und in dieser verhüllung einem ihrer hauptgeschäfte, dem verderben der milch- und buttervorräte nachgehen.
(DWB Grimm: Schmetterling)

Nachdem ich dies nun weiß, missfällt mir die Bezeichnung Schmetterling schon viel weniger. Sie hat ja doch etwas Poetisches! Wenn ich in der wärmeren Jahreszeit wieder einmal einen Schmetterling unschuldig durch die Lüfte gaukeln sehe, werde ich daran denken, dass diese Unschuld nur vorgegaukelt ist – und sofort mein Milch- und Buttervorräte in Sicherheit bringen.

2 Kommentare

  1. Ivan Panchenko schreibt:

    Januar 24, 2011 um 17:31

    Wie wäre es mit „Schuppenflügler“?

  2. H. Stein schreibt:

    Januar 29, 2011 um 18:20

    Denn es war nur ein Schmetterling und eine bunte Butterfliege, Hetaera Esmeralda, die hatt es mir angetan durch Berührung, die Milchhexe, und folgte ihr nach in den dämmernden Laubschatten, den ihre durchsichtige Nacktheit liebt, und wo ich sie haschte, die im Flug einem windgeführten Blütenblatt gleicht, haschte sie und koste mit ihr, ihrer Warnung zum Trotz, so war es geschehen. (Thomas Mann: Doktor Faustus, Stockholm 1947, S. 755)