Das Alphabet

Frage

Gibt es noch andere Gründe, das deutsche Alphabet in der Reihenfolge zu beherrschen, als für Lexika, Wörterbücher und Ähnliches, und wie kam die Reihenfolge zustande?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die feste Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet dient tatsächlich nicht dazu, Schulanfängern das Leben schwer zu machen. Sie dient vor allem dazu, Wörter in Listen und Aufzählungen aller Art einzuordnen. Der Vorteil ist, dass man die Wörter mit Hilfe eines „äußerlichen“ Merkmals, das heißt, ohne ihre Bedeutung berücksichtigen zu müssen, einordnen und wiederfinden kann. Das ist deshalb ein Vorteil, weil es nur etwas mehr als zwei Dutzend Buchstaben, aber unzählige Bedeutungsmerkmale gibt.

Der Ursprung der Reihenfolge der Buchstaben ist wie die genaue Herkunft des Alphabets unbekannt. Unsere Schrift lässt sich über verschieden Schritte auf das Alphabet der Phönizier zurückführen. Dessen genauer Ursprung ist bis heute ungeklärt. Das phönizische Alphabet war unter anderem die Basis des griechischen Alphabets, das ja mit seinen ersten beiden Buchstaben, Alpha und Beta, den Namen Alphabet geliefert hat. Vom griechischen Alphabet wurde das etruskische Alphabet abgeleitet und davon wieder das lateinische, das die Grundlage unseres modernen Alphabets ist. Bei jedem Übergang von einem Alphabet auf das nächste wurden Anzahl und Reihenfolge der Buchstaben zu einem großen Teil übernommen, aber auch ein wenig geändert. Kleinere Unterschiede bei der Einordnung der Buchstaben gibt es auch heute noch. So wird zum Beispiel der relativ junge Buchstabe ö im Deutschen gleich nach dem o eingeordnet, während er in schwedischen Listen und Wörterbüchern erst ganz am Schluss hinter dem z zu finden ist.

Wichtig ist nicht so sehr, wie die Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet genau festgelegt ist. Wichtig ist vor allem, dass es eine feste Reihenfolge gibt. Nur eine feste, allgemein bekannte und akzeptierte Reihenfolge erleichtert es, Wörter und Begriffe in Listen wiederzufinden.

In digitalen Wörterbüchern und Enzyklopädien ist die alphabetische Sortierung allerdings für das Auffinden von Wörtern kaum mehr wichtig. Deshalb stellt sich hier für mich gleich die folgende Frage: Wie lange werden die kleine ABC-Schützinnen und ‑Schützen noch lernen müssen, das ABC aufzusagen? Lernen sie es eigentlich noch?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

6 Kommentare

  1. michael schreibt:

    Februar 24, 2011 um 18:35

    Mir ist in diesem Zusammenhang erst kürzlich bewusst geworden, dass das hebräische Alphabet (eigentlich Alefbet) in der heutigen Form über 2’000 Jahre alt sein muss, allenfalls sogar noch erheblich älter.

    Psalm 119 ist nämlich alphabetisch geordnet: Auf acht Verse, die mit dem ersten Buchstaben des Alphabets (Alef) beginnen, folgen acht Verse, die mit dem zweiten (Bet) beginnen. Da das hebräische Alphabet 22 Buchstaben kennt, hat der Psalm 176 Verse (22×8). Leider ist die Struktur des Psalms in den mir bekannten Übersetzungen nicht mehr ersichtlich, man erkennt sie nur in der ursprünglichen hebräischen Form.

  2. WFHG schreibt:

    Februar 25, 2011 um 15:01

    Witzig ist, dass der Psalm auch heute und im Deutschen noch unter „Das güldene ABC“ bekannt ist, man den eigentlich guten Grund dafür aber in der deutschen Übersetzung nicht mehr erkennen kann.
    Interessant übrigens auch, dass sowohl im griechischen als auch im hebräischen Alfabet der dritte Buchstabe das „g“ (gamma/gimel) ist. Das hätte man ja auch bei uns problemlos lassen können – aber warum kommt es bei uns so viel später? Vielleicht weiß ja der Gastgeber etwas darüber?

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Februar 27, 2011 um 17:17

    Dass das G in unserem Alphabet nicht an dritter Stelle steht, hat damit zu tun, dass man in gewissem Sinne das C als direkten Nachfolger des griechischen Gammas bezeichnen muss.

    Die Etrusker hatten keinen g-Laut (stimmhaft), aber verschiedene k-Laute (stimmlos). Sie verwendeten deshalb das Gamma für den stimmlosen k-Laut vor e und i. Diesen Buchstaben übernahmen dann die Römer in der Form C sowohl für den stimmlosen Laut [k] als auch für den stimmhaften Laut [g]. Später wurde das stimmhafte [g] in der Schrift durch ein Strichlein vom stimmlosen [k] unterschieden. So entstand der Buchstabe G, der dann im Alphabet weiter hinten bei F und H eingereiht wurde, also dort, wo in der Zwischenzeit das Zeta weggefallen war, weil man es im Lateinischen nicht benötigte. Das Zeta kam noch später als Z wieder ins Alphabet zurück, dann aber wie bei uns an letzter Stelle.

    Natürlich ist nicht alles ganz sicher und war es eigentlich noch komplizierter. Eine kurze Übersicht zum lateinischen Alphabet finden Sie in Wikipedia. Wenn Sie mehr zur Entstehung der Schrift wissen möchten:
    Harald Haarmann: Geschichte der Schrift, C. H. Beck Verlag, München 2002.

  4. michael schreibt:

    Februar 27, 2011 um 20:27

    Besten Dank!

  5. WFHG schreibt:

    März 1, 2011 um 14:20

    Dank auch von mir – obwohl ich gestehen muss, dass beim Lesen der Erläuterung mein Auge abglitt – das ist doch schon in der Anfängerversion starker Tobak.

  6. Imscharam schreibt:

    Dezember 7, 2011 um 16:29

    Zur „alphabetischen“ Reihenfolge im Schulunterricht fand ich noch für das „&“ einen interessanten Eintrag in Wikipedia:

    „Die englische Bezeichnung Ampersand ist eine Zusammenziehung der englischen und lateinischen Worte „and per se and“, was soviel bedeutet wie „und [das Wort] und selbst.
    Diese Formulierung kommt daher, dass in Schulen beim Aufsagen des Alphabets jedem Buchstaben, der auch für sich als Wort gebraucht werden kann („A,“ „I,“ „&“ und zeitweilig auch „O“), die lateinische Phrase „per se“ („für sich“) vorangestellt wurde. Außerdem wurde das Alphabet im 19. Jahrhundert in England mit dem Zusatz „und &“ aufgesagt. So wird der Schluss zu: „X, Y, Z and per se and.“ Diese letzte Floskel wurde mit der Zeit zu „ampersand“ verschliffen und in dieser Form um das Jahr 1837 in den allgemeinen englischen Sprachgebrauch übernommen.“

    Quelle: Wikipedia