Warum das 25-jährige Jubiläum nicht so alt ist

Frage

Bei uns wird wieder eine Frage heiß diskutiert. Es wird hier gesagt: „Zum 25-jährigen Jubiläum kann man nicht gratulieren, da -jährig immer eine Dauer bezeichnet.“ Klingt logisch. Kann ich aber stattdessen zum 25-jährigen Bestehen gratulieren?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

wenn man es ganz genau nimmt, kann man tatsächlich nicht zum 25-jährigen Jubiläum gratulieren. Damit wird eigentlich gesagt, dass das Jubiläum fünfundzwanzig Jahre alt wird oder fünfundzwanzig Jahre dauert.

Aber:

Die Ausdrucksweise x-jähriges Jubiläum ist auch standardsprachlich so allgemein üblich und eingebürgert, dass man sie nicht als falsch bezeichnen kann. Man könnte dagegenhalten, dass etwas nicht richtig wird, „nur“ weil alle es falsch machen. In der Sprache gilt aber, dass etwas richtig ist, wenn alle es so machen. Wörter wie zehnjährig, fünfundzwanzigjährig usw. haben also nicht zwei, sondern drei Bedeutungen:

  • x Jahre alt (ein zehnjähriges Kind, ein tausendjähriger Baum)
  • x Jahre dauernd (das zehnjährige Bestehen, der Dreißigjährige Krieg)

und in Verbindung mit Jubiläum:

  • anlässlich des x-ten Jahrestages (das zehnjährige Jubiläum)

Es ist  deshalb nicht falsch, zum 25-jährigen Jubiläum zu gratulieren, auch wenn die Jubiläum nur einen Tag und nicht etwa fünfundzwanzig Jahre dauert. Es gibt aber immer Leute, die diese Sichtweise nicht als richtig akzeptieren. Wenn Sie also ganz sicher sein wollen, dass niemand Ihnen einen Fehler vorwirft, sagen Sie, dass Sie zum 25-jährigen Bestehen oder zum Jubiläum des 25-jährigen Bestehens gratulieren.

Etwas Vergleichbares habe ich in einem älteren Blogeintrag für das Wort Geburtstag beschrieben: Wenn man fünfundzwanzig Jahre alt wird, feiert man eigentlich seinen sechsundzwanzigsten Geburtstag. Es gibt zumindest Leute, die das behaupten. Das ist aber nicht richtig, weil Geburtstag im allgemeinen Sprachgebrauch nicht eine, sondern zwei Bedeutungen hat: Tag der Geburt (selten) und Jahrestag der Geburt. Wenn man fünfundzwanzig wird, feiert man also seinen fünfundzwanzigsten Geburtstag und meint damit immer die zweite Bedeutung des Wortes.

Im Gegensatz zu mathematischen Begriffen, haben Sprachbegriffe sehr oft mehr als eine Bedeutung. Und diese Bedeutungen können sich im Laufe der Zeit auch noch verändern …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

10 Kommentare

  1. garrincha@zoho.com schreibt:

    April 9, 2011 um 18:11

    In der Sprache gilt aber, daß etwas richtig ist, wenn alle es so machen.

    Wieso das denn?
    und selbst wenn, wieso schreiben Sie dann, daß es richtig sein und nicht vielmehr üblich? Oder ist in der Sprache das Übliche das Richtige? Warum gibt es dann überhaupt noch einen Duden? Warum werden dann nicht einfach jährlich Statistiken über Falschschreibungshäufigkeiten veröffentlicht; die häufigste Falschschreibung wäre dann für das jeweilige Jahr richig? Richtig?

    Vielleicht ist das nach der letzten Reform ja auch alles nur noch Nonsens, was mit Sprache zu tun hat, da die meisten ja sowieso nicht mehr sprechen können.

  2. garrincha@zoho.com schreibt:

    April 9, 2011 um 18:13

    In der Sprache gilt aber, daß etwas richtig ist, wenn alle es so machen.

    Wieso das denn?
    und selbst wenn, wieso schreiben Sie dann, daß es richtig sein und nicht vielmehr üblich? Oder ist in der Sprache das Übliche das Richtige? Warum gibt es dann überhaupt noch einen Duden? Warum werden dann nicht einfach jährlich Statistiken über Falschschreibungshäufigkeiten veröffentlicht; die häufigste Falschschreibung wäre dann für das jeweilige Jahr richig? Richtig?
    Politisch hielte ich das für ziemlich reaktionär. Vielleicht sollte dann auch die Bildzeitung den Duden verfassen.

    Vielleicht ist das nach der letzten Reform ja auch alles nur noch Nonsens, was mit Sprache zu tun hat, da die meisten ja sowieso nicht mehr sprechen können.

  3. Dr. Bopp schreibt:

    April 9, 2011 um 23:52

    Im Prinzip gilt in der Sprache, dass richtig ist, was üblich ist. Auf welcher anderen Basis sollte man denn sonst entscheiden, ob etwas in der Sprache richtig ist? Etwa: „Richtig ist, was im Duden steht“? Auch der Duden beschreibt Grammatik und Wortgebrauch auf der Basis dessen, was üblich ist. Das darf man nicht mit der folgenden Aussage verwechseln: Richtig ist, was vorkommt. Nicht alles, was vorkommt, ist auch richtig. Zwischen „Es kommt vor“ und „Es ist üblich“ gibt es viele Abstufungen, so dass es immer und immer wieder zu Diskussionen kommt, was als richtig anzusehen ist.

  4. D.A. schreibt:

    April 10, 2011 um 12:49

    garrincha: Sie verwechseln Sprache mit Rechtschreibung. In der Sprache ist richtig, was üblich ist. In der Rechtschreibung ist (hierzulande) richtig, was eine bestimmte Instanz, der Rat für deutsche Rechtschreibung, festlegt.

  5. garrincha@zoho.com schreibt:

    April 13, 2011 um 14:30

    Wenn wir zunächst einmal festhalten könnten, daß „üblich“ und „richtig“ keine Synonyme sind. Dann würde ich anführen, was mit täglich ebenso häufig begegnet wie falsches Deutsch. Es ist ja mittlerweile üblich, daß Autofahrer bei Rot über die Ampel fahren überhaupt grundsätzlich zu schnell fahren und sich sowieso üblicherweise wenig an die Regeln halten. Aber ist das richtig? Könnten wir, wenn wir das Übliche zur Regel machen, nicht eigentlich die StVO einsparen? Oder gleich den Bundestag?
    Und war der Duden nicht einst als normierendes Regelwerk gedacht? Wenn im Duden heute nur noch Üblichkeiten verzeichnet werden, bräuchte man ihn doch eigentlich nicht mehr. Aber was rede ist, den kann man ja mittlerweile sowieso nicht mehr gebrauchen. Die Zeiten ändern sich halt. Früher wurden die diskriminiert, die nicht richtig schreiben konnten, heute die, die es können.

  6. Dr. Bopp schreibt:

    April 13, 2011 um 23:50

    Garrincha, Sie lehnen die deskriptive, das heißt beschreibende Grammatik ab und sind für die präskriptive, d.h. vorschreibende Grammatik. Sie gehen also davon aus, dass es eine Instanz gibt, die weiß, was richtig ist, und die Kompetenz hat, dies der Sprachgemeinschaft vorzuschreiben. Ich bezweifle dies und gehe wie viele von einem beschreibenden Ansatz aus. Es geht hier also um den Gegensatz zwischen vorschreibender und beschreibender Grammatik. Es ist nicht sinnvoll, diese bereits häufig und an vielen Orten geführte Diskussion hier noch einmal zu wiederholen.

    Ich möchte mich im Übrigen nicht darüber streiten, inwieweit man die Grammatik mit der Straßenverkehrsordnung vergleichen kann und ob richtig Schreibende heutzutage tatsächlich diskriminiert werden.

  7. garrincha@zoho.com schreibt:

    April 15, 2011 um 15:07

    Ihre Entscheidung für die deskripive gegen die präskriptive Variante ist die als deskriptive oder präskriptive Aktion zu verstehen? Oder womöglich als dezisionistische?

  8. Dr. Bopp schreibt:

    April 15, 2011 um 17:02

    Nachdem die polemischen Unsinnigkeiten mich nicht zu einer an dieser Stelle sinnlosen Streitdiskussion mit Ihnen bewegen konnten, kann ich natürlich einer in „gelehrte“ Wendungen verpackten Provokation nicht widerstehen. Wie wäre es, wenn wir dabei auch gleich über Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform und die mangelnde Qualität des heutigen Deutschunterrichts diskutieren würden?

  9. garrincha@zoho.com schreibt:

    April 16, 2011 um 01:39

    Dann kämen wir auf einen grünen Zweig …

  10. D.A. schreibt:

    April 16, 2011 um 16:20

    garrincha, Sie sitzen einem beliebten Trugschluss auf. „X ist der Meinung, dass in der Sprache richtig ist, was üblich ist, also ist X auch der Meinung, dass in allen anderen Lebensbereichen richtig ist, was üblich ist.“ Und da das natürlich nicht sein darf, hat X mit seiner Meinung über die Sprache unrecht.
    Auf die Idee, dass sich Sprache von ihrem Wesen eben grundlegend von anderen Dingen unterscheidet, sie quasi per Definition von ihren Sprechern gemacht wird, darauf kommt von denjenigen, die dem Trugschluss aufsitzen, niemand.