Archiv für Mai, 2011

Wieder da!

Einigen ist es bestimmt aufgefallen, dass der Dr.-Bopp-Blog seit gestern für einige Zeit unerreichbar war. Wir bitten Sie dafür um Entschuldigung.

Nun sind wir wieder da! Auch die Möglichkeit, über das Kontaktformular Fragen zu stellen, besteht wieder. Anfragen über unsere E-Mail-Adresse, die vielen Canoonet-Kennerinnen und -Kennern bekannt ist (falls nicht: siehe ebenfalls hier), waren übrigens immer möglich.

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Wenn Zeiten nicht ihrem Namen entsprechen: das Perfekt des Zukünftigen

Frage

Kann man im folgenden Satz das Perfekt verwenden, auch wenn jemand erst in der Zukunft gesund sein wird?

„Wir bleiben hier, bist du gesund geworden bist.“

Antwort

Sehr geehrte Frau A.,

Ihr Beispielsatz ist korrekt. Er zeigt schön, dass man sich nicht genug davor hüten kann, die Bezeichnungen für die verschiedenen Zeitformen des Verbs wörtlich zu verstehen. Die Namen der verschiedenen Verbzeiten sind nicht viel mehr als reine Namen. Die größte Schwierigkeit bei der Verwendung der Zeitformen ist die Tatsache, dass es keinen direkten, gradlinigen Zusammenhang zwischen ihrem Namen und der wirklichen, objektiv messbaren Zeit gibt. Anders ausgedrückt: Die Zeitformen „Vergangenheit“, „Gegenwart“ und „Zukunft“ haben nicht immer etwas mit der wirklichen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu tun.

So auch in diesem Fall: Das Perfekt (die Vorvergangenheit Vorgegenwart) kann ausdrücken, dass etwas in Zukunft abgeschlossen sein wird:

Wir bleiben hier, bis du gesund geworden bist.
Wir haben es bald geschafft.
Übermorgen habe ich alles wieder vergessen.

Es ist hier auch möglich, die ihrem Namen nach „passendere“ Zeit zu verwenden, nämlich das Futur II, das mit deutschem Namen „Vorzukunft“ heißt:

Wir bleiben hier, bis du gesund geworden sein wirst.
Wir werden es bald geschafft haben.
Übermorgen werde ich alles wieder vergessen haben.

Das ist aber nicht notwendig. Wenn bereits durch zum Beispiel bis, bald, übermorgen oder nächstes Jahr angegeben wird, dass es sich um etwas Zukünftiges handelt, kann man werden einfach weglassen. So effizient kann die deutsche Sprache sein!

Mehr zum Perfekt des Zukünftigen und anderes Wissenswertes zu den Zeitformen finden sie hier.

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Die Fälle entlang – entlang der Fälle

Frage

Ich habe ein Problem mit „entlang“: Heißt es „Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft“ oder „Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft“?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

das Wort entlang lässt einem so viel Freiheit bei der Wahl des Falles, dass viele ganz unsicher werden und dann „vorsichtshalber“ den Genitiv verwenden. Das ist zwar auch richtig, aber nicht immer:

Das Wort entlang wird dem Substantiv oft nachgestellt. Es steht dann in der Regel mit dem Akkusativ:

Die Strecke führt die Allee entlang.
Den Fluss entlang stehen Trauerweiden.

(Selten steht v. a. in der Schweiz auch der Dativ:
Die Strecke führt der Allee entlang.
Dem Fluß entlang stehen Trauerweiden.)

Wenn entlang vorangestellt wird, folgt ihm der Genitiv oder der Dativ:

Die Strecke führt entlang der Allee.
Entlang des Flusses stehen Trauerweiden.
Entlang dem Fluss stehen Trauerweiden.

Auch in Ihrem Beispiel steht entlang vor dem Wort das es bestimmt. Es kann entsprechend mit dem Genitiv oder mit dem Dativ stehen. Beide Varianten, die Sie vorschlagen, sind deshalb richtig:

Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft. (Dativ)
Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft. (Genitiv)

Wem diese Auswahlmöglichkeiten noch nicht genügen, dem stellt der Genitiv noch eine Variante zur Verfügung. Das ist ein weiterer komplizierender Faktor bei Ihrem Beispielsatz. In der weiblichen Einzahl und wie hier im Plural lautet die Genitivform des Relativpronomens nicht nur derer, sonder auch deren:

Gesteinsbänder, entlang deren die Strecke verläuft.

Weitere Angaben finden Sie in der Canoonet-Grammatik hier und hier.

Das Wörtchen entlang kann einen mit all seinen Möglichkeiten ziemlich verunsichern! So kurz nachdem ich dies alles aufgeschrieben habe, wüsste ich jedenfalls nicht mehr spontan, was richtig ist. Glücklicherweise hat man bei der Wahl des richtigen Falles fast immer viel weniger Schwierigkeiten, wenn man nicht darüber nachdenkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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