Von Amphoren zu Eimern

Frage

Woher kommt das Wort „Eimer“?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

das Wort Eimer hat eine interessante Entstehungsgeschichte, bei der Entlehnung, Umdeutung und lautliche Entwicklung eine Rolle spielen.

Seinen Ursprung findet Eimer bei einem Lehnwort, das schon in alter germanischer Zeit aus dem Lateinischen übernommen wurde und das wir viel später noch einmal ins Deutsche übernommen haben: amphora. Das ursprünglich griechische Wort bezeichnet ein zweiohriges Gefäß oder ein Gefäß, das mit zwei Händen getragen wird. Im Althochdeutschen hatte es die Form amber, im heutigen Deutschen die lateinische Form Amphora oder Amphore. Die erste Entlehnung wurde bereits im althochdeutschen Volksmund zu einer Zusammensetzung aus dem Zahlwort ein und einer Form von beran umgedeutet. Das Verb beran bedeutete tragen. (Das Wort Bahre geht auch auf dieses beran zurück.) Der Hintergrund für die Umdeutung war, dass der Eimer nur einen Henkel hat, den man zum Tragen benutzt. Über Formen wie eimbar und eimber entstand dann das heutige Wort Eimer.

Wir haben es also bei Eimer mit einem Wort zu tun, das nicht nur einen Teil seiner ursprünglichen Bedeutung verloren hat, sondern sich durch volksetymologische Umdeutung und jahrhundertelange „ungenaue“ Aussprache auch ganz anders anhört. Trotz „Fehlern“ bei der Bedeutung (einhenkelig statt zweiohrig), bei der Herkunftsbestimmung (germanische Zusammensetzung statt griechisch-lateinisches Lehnwort) und bei der Aussprache (u. a. amber statt amphora) ist im Laufe der Zeit ein nützliches und brauchbares Wort entstanden und erhalten geblieben. Dank dieser Verselbständigung des Wortes Eimer konnten wir das Wort amphora später sogar noch einmal „importieren“ – diesmal mit seiner klassischen Bedeutung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

3 Kommentare

  1. Ralf Spoering schreibt:

    August 19, 2011 um 01:52

    Dies ist der erste Blog-Eintrag, seit ich mitlese, mit erläuternden Abbildungen. Klar und schlicht gestaltet und doch gelungen, wie ich finde.

    Es ist eine mutige Entscheidung, grafische Elemente einzusetzen – sicherlich werden die Reaktionen darauf geteilt sein. Meine Unterstützung haben Sie jedenfalls, wenn es sich wie heute bei einem Thema anbietet und so überzeugend umgesetzt ist.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    August 22, 2011 um 17:25

    Danke für die lobenden Worte! Es ist allerdings nicht ganz der erste Beitrag mit Abbildungen. Ich verwende sie nur sehr selten, so dass es schon wieder ein Weilchen her ist. Abbildungen finden Sie zum Beispiel, wenn es um offenes Kaminfeuer, arabische Zahlen, Gladiolen, Eierschwammerln, Weizen- und Roggenmehl, Ausrufungszeichen oder Bartgagamen geht.

  3. Fragen Sie Dr. Bopp! » Entbiehr, entbahr, entbohren schreibt:

    Oktober 8, 2012 um 10:22

    […] = tragen finden wir heute übrigens noch in verschiedener Form in anderen Wörtern: Bahre, Bürde, Eimer (über Eimbar = einhenkliges Gefäß), Gebärde und gebären. Beim Verb gebären sind die starken […]