Archiv für Februar, 2012

In der Tinte sitzen

Frage

Ich wollte Sie freundlich anfragen, ob Sie mir aus der Patsche helfen. Woher kommt wohl der Ausdruck „in der Tinte sitzen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

aus dieser Patsche kann ich Ihnen leider nicht helfen. Ich haben keine zuverlässige Erklärung für die Entstehung der Wendung in der Tinte sitzen (= in Bedrängnis, Schwierigkeiten sein) finden können.

Eine Erklärung sagt, dass man dann so richtig in der Tinte sitzt, wenn man durch etwas in Bedrängnis kommt, das schriftlich, das heißt mit Tinte festgelegt ist. Besser gefällt mir der Versuch, den Ursprung der Wendung in der „Geschichte von den schwarzen Buben“ im „Struwwelpeter“ zu suchen. In der nach heutigen Maßstäben politisch nicht sehr korrekten Erzählung wird ein vor dem Tor spazierender Mohr zum Gespött dreier böser Buben. Zur Strafe werden die uneinsichtigen Bösewichte ins große Tintenfass des großen Nikolas getunkt:

Da kam der große NIKOLAS
Mit seinem großen Tintenfaß.
Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu,
Und laßt den Mohren hübsch in Ruh’!
Was kann denn dieser Mohr dafür,
Daß er so weiß nicht ist wie ihr?«
Die Buben aber folgten nicht,
Und lachten ihm ins Angesicht
Und lachten ärger als zuvor
Über den armen schwarzen Mohr
Der Niklas wurde bös und wild,
Du siehst es hier auf diesem Bild!
Er packte gleich die Buben fest,
Beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West’,
Den Wilhelm und den Ludewig,
Den Kaspar auch, der wehrte sich.
Er tunkt sie in die Tinte tief,
Wie auch der Kaspar: »Feuer!« rief.
Bis übern Kopf ins Tintenfaß
Tunkt sie der große Nikolas
[Heinrich Hoffmann, Die Geschichte von den schwarzen Buben, in: Lustige Geschichten und drollige Bilder, 1845, Frankfurt am Main (ab 1847 mit dem Titel Der Struwwelpeter)]

So sympathisch die Erklärung auch klingen mag, die Redewendung in der Tinte sitzen kann ihren Ursprung nicht im „Struwwelpeter“ haben. Gemäß den Angaben in Grimm verwendete zum Beispiel Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510), Autor und bekannter Münsterprediger in Straßburg, diese Ausdrucksweise bereits Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts:

ir stecken mit mir in der dinten
[Doctor Keiserssbergs Postill, 1522]

soltestu den man strofen, din gesind strofen, so bistu selber in der dinten
[Peregrinus / Der bilger mit seinen eygenschaften, 1494]

Am wahrscheinlichsten ist, dass Tinte, die bei unsachgemäßer Handhabung ja ausgezeichnet und hartnäckig beschmutzen kann, eine nettere Alternative für Dreck war und ist. Auch ihre dunkle, undurchsichtige Färbung mag zu diesem negativen Bild beitragen. Mit Sicherheit kann ich dies aber leider nicht sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Aus 15 Meter(n) Entfernung

Frage

In Fußballreportagen höre ich immer wieder die Formulierung „ein Schuss aus 15 Metern Entfernung“. Meine Frage dazu wäre, ob es „Meter“ oder „Metern“ heißt – oder ist „Metern“ nur richtig, wenn man dahinter nicht mehr das Wort „Entfernung“ anhängt?

Antwort

Guten Tag S.,

beides ist hier möglich. Wenn Meter wie hier als Maßangabe im Plural nach einer Zahlenangabe steht, gelten sowohl die endungslose Form Meter also auch die gebeugte Form Metern als richtig. Ob das Wort Entfernung folgt oder nicht, hat darauf keinen Einfluss:

ein Schuss aus 15 Metern [Entfernung]
ein Schuss aus 15 Meter [Entfernung]

Normalerweise stehen männliche und sächliche Maß- und Mengenangaben ungebeugt im Nominativ Singular:

2,5 Kilo Äpfel
zwei Paar Schuhe
fast drei Dutzend Polizisten
12 Euro
eine Bildschirmgröße von 17 Zoll/Inch

Eine besondere Stellung nehmen hier die männlichen und sächlichen Maß- und Mengenangaben ein, die auf unbetontes el oder er enden. Speziell sind sie deshalb, weil man ihrer Form oft nicht ansieht, ob sie im Singular oder im Plural stehen:

(der/das) Drittel – (die) Drittel
(der) Liter – (die) Liter
(der) Kilometer – (die) Kilometer

Im Dativ Plural allerdings unterscheiden sich die Wortformen vom Nominativ Singular. Sie haben dann die Endung n, die sie als Pluralform „verrät“:

den Dritteln
den Litern
den Kilometern

Bei Maß- und Mengenangaben dieser Art gelten im Dativ Plural sowohl die gebeugte als auch die endungslose Form als korrekt:

bei zwei Drittel der Befragten
bei zwei Dritteln der Befragten

ein Inhalt von bis zu 7,5 Liter
ein Inhalt von bis zu 7,5 Litern

ein Schuss aus 15 Meter Entfernung
ein Schuss aus 15 Metern Entfernung

eine Höhe von 10 Zentimeter
eine Höhe von 10 Zentimetern

Mehr hierzu finden Sie auf der dieser Seite in der Canoonet-Grammatik (insbesondere Abschnitt „Spezialfall: Meter, Liter, Drittel“).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Außergewöhnlich aufmerksamen Lesern und Leserinnen mag aufgefallen sein, dass dieses Thema im Jahr 2010 schon einmal im Blog behandelt wurde. Da ich davon ausgehe (so realistisch bin ich schon), dass die meisten den Blog nicht so regelmäßig und lesen, nehme ich es niemandem übel, dass die Frage nach diesem Dativ-n immer wieder auftaucht. Ich hoffe, dass mir umgekehrt niemand diese Wiederholung zum Vorwurf macht.

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Die Frage, ob und wenn ja wo hier Kommas stehen müssten

Frage

Bitte helfen Sie mir bei der Kommasetzung […] Wo werden (weitere) Kommas benötigt?

Teilen Sie mir bitte mit, ob und wenn ja bis wann Sie die Texte schicken können.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

es werden keine weiteren Kommas benötigt. Wenn man will, kann man allerdings zwei weitere Kommas einfügen. Wie ich zu diesem Schluss komme, lässt sich über einige Schritte herleiten.

Es handelt sich bei dieser Formulierung um die Zusammenziehung zweier indirekter Fragen, die mit einem eingeschobenen formelhaft verkürzten Bedingungssatz garniert ist. Wenn wir auf die Zusammenziehung verzichten und den verkürzten Bedingungssatz weglassen, erhalten wir den folgenden Satz:

Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie die Texte schicken können und wann Sie die Texte schicken können.

Vorläufig wird also weder vor dem und noch nach dem und ein Komma benötigt. Da der Satz so aber etwas seltsam ist, fügen wir nun den weggelassenen Bedingungssatz unverkürzt wieder ein:

Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie die Texte schicken können und, wenn die Antwort ja ist, wann Sie die Texte schicken können.

Vor und nach dem eingeschobenen Nebensatz muss, wie man sieht, ein Komma stehen (vor wenn und nach ist).

Nun gehen wir in die umgekehrte Richtung und ziehen wieder zusammen. Wir lassen den zweimal vorkommenden Teil (Sie die Texte schicken können) im ersten Nebensatz weg:

Teilen Sie mir bitte mit, ob und, wenn die Antwort ja ist, wann Sie die Texte schicken können.

Als letzten Schritt verkürzen wir den eingeschobenen Nebensatz so, dass nur noch wenn ja von ihm übrig bleibt:

Teilen Sie mir bitte mit, ob und, wenn ja, wann Sie die Texte schicken können.

Der eingeschobene Nebensatz ist so sehr verkürzt, dass er als „formelhaft verkürzter Nebensatz“ gelten kann. Das hat zur Folge, dass man die abtrennenden Kommas auch weglassen darf (Regel):

Teilen Sie mir bitte mit, ob und wenn ja wann Sie die Texte schicken können.

Bei Formulierungen der Art ob und wenn ja … kann man also den Einschub wenn ja durch Kommas abtrennen, muss dies aber nicht tun. Die Anfangsfrage hätte also auch so gestellt werden können:

Meine Frage lautet, ob und wenn ja wo weitere Kommas benötigt werden?
Meine Frage lautet, ob und, wenn ja, wo weitere Kommas benötigt werden?

Ich habe mich gefragt, ob und[,] wenn ja[,] an welchem Tag ich diese Frage im Blog erwähnen soll. Warum nicht gleich heute?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Lawine kommt aus der Schweiz

Wenn es viel schneit kommt in den Bergen neben großer Wintersportfreude unweigerlich auch große Lawinengefahr auf. Das allgemein bekannte und zurzeit leider wieder sehr aktuelle Wort Lawine kommt aus der Schweiz. Dass es aus dem Alpenraum stammt, ist nicht sehr erstaunlich, denn im deutschsprachigen Raum gab es vor Massenreisefieber und Massenmedien andernorts selten Verwendung für dieses Wort – außer vielleicht im Zusammenhang mit Dachlawinen, doch man kam dabei offensichtlich ohne die spezielle Bezeichnung Lawine aus.

Nun klingt Lawine im Vergleich zu Chuchichäschtli, Chopfchüssi, Grüezi/Grüessech, Müesli und Bankghäimnis nicht sehr schweizerdeutsch. Das liegt daran, dass wir es eigentlich den Lateinern zu verdanken haben. Seine Wurzel ist lateinisch l?bī = herabgleiten, fallen, von dem das spätlateinische l?bīna = Erdrutsch, Bergsturz abgeleitet wurde. Über das Ladinische und Rätoromanische der in den Alpen wohnenden Romanen gelang das Wort schon früh zu den Alemannen an die Alpennordseite: lewina, lowin dann Láui, Láuine, Láuene. Das Wort reiste auch andernorts über die Alpen: bairisch-österreichisch u. a. L?ne, L?n, Län. In der schweizerischen Form Lauwin(e) wurde es später in die Schriftsprache übernommen und gelangte über die Reiseliteratur auch weiter nördlich zu einiger Bekanntheit. Zum eigentlichen „Durchbruch“ hat dem Wort wohl Friedrich Schiller verholfen, der in seinem „Willhelm Tell“ die Nebenform Lawine verwendete:

Bei jedem Abschied zittert mir das Herz,
Dass du mir nimmer werdest wiederkehren.
Ich sehe dich im wilden Eisgebirg,
[…] Wie eine Windlawine dich verschüttet,
[3. Aufzug 1. Szene]

– Das sind die Gletscher, die des Nachts so donnern,
Und uns die Schlaglawinen niedersenden.
– So ists, und die Lawinen hätten längst
Den Flecken Altorf unter ihrer Last
Verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht
Als eine Landwehr sich dagegen stellte.
[3. Aufzug 3. Szene]

Vater, es wird mir eng im weiten Land,
Da wohn’ ich lieber unter den Lawinen
[3. Aufzug 3. Szene]

Am Abgrund geht der Weg, und viele Kreutze
Bezeichnen ihn, errichtet zum Gedächtniß
Der Wanderer, die die Lawine begraben.
[5. Aufzug 2. Szene]

Auch damals versuchte man also, dem Publikum mit der Schilderung „exotischer“ Gefahren ein Schaudern zu entlocken. Die Hauptbetonung ist auf dem Weg in den Norden übrigens von der ersten Silbe (Láuwine) auf die zweite Silbe (Lawíne) gerutscht.

Das Wort Lawine kommt also aus der Schweiz. Genauer müsste man allerdings sagen, dass es aus dem Spätlateinischen über die Schweiz in Werken von Reiseschriftstellern und Dichterfürsten in den allgemeinen deutschen Wortschatz gelangt ist.

Wie dem auch sei: Seien Sie vorsichtig und passen Sie gut auf, wenn Sie sich auf Latten und Brettern in den Schnee wagen! Lawinen sind gefährlich – nicht nur bei Schiller und nicht nur in der Schweiz.

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Ist oder sind die Groß- und Kleinschreibung problematisch?

Frage

Wir sind uns sehr uneins. Heißt es:

Die Groß- und Kleinschreibung bereitet ihm große Probleme.

oder:

Die Groß- und Kleinschreibung bereiten ihm große Probleme.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

hoffenlich waren Sie nicht allzu sehr uneins, denn beides ist möglich:

Die Groß- und Kleinschreibung bereitet ihm große Probleme.

Hier wird die Wortgruppe die Groß- und Kleinschreibung als eine Einheit aufgefasst. Die beiden Subjektteile sind durch den gemeinsamen Artikel die und den gemeinsamen Wortteil …schreibung eng miteinander verbunden. Entsprechend steht das Verb in der Einzahl: bereitet.

Die Groß- und Kleinschreibung bereiten ihm große Probleme.

Hier wird die Wortgruppe Groß- und Kleinschreibung als zwei separate Subjektteile behandelt (Großschreibung und Kleinschreibung). Entsprechend steht das Verb in der Mehrzahl: bereiten.

Wieder einmal führen unterschiedliche Sehensweisen zu unterschiedlichen Resultaten. Die Groß- und Kleinschreibung ist als ein Rechtschreibphänomen problematisch oder die Groß- und Kleinschreibung sind als zwei verschiedene Schreibweisen problematisch. Beide Auffassungen und Formulierungen gelten als korrekt. Mehr dazu lesen Sie, wenn Sie möchten, auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Blogspektrogramm 10

Die zehnte Ausgabe des Blogspektrogramms finden Sie diesen Monat im Sprachblog [ʃplɔk]:

Auch diesmal wird wieder auf viel Lesenwertes über die deutsche Sprache und darüber hinaus hingewiesen. Mehr dazu, wie bereits gesagt, in Kristins [ʃplɔk]. Viel Spaß beim Lesen!

Blogspektrogramm 10
Blogspektrogramm 9
Blogspektrogramm 8
Blogspektrogramm 7
Blogspektrogramm 6

Blogspektrogramm 5
Blogspektrogramm 4
Blogspektrogramm 3
Blogspektrogramm 2
Blogspektrogramm 1

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Warum nicht flügig?

Frage

Wieso geht „fündig“, „schlüssig“ und „flüssig“, aber nicht „flügig“?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

in der deutschen Sprache gab und gibt es verschiedene Möglichkeiten, neue Wörter zu bilden. Diese Möglichkeiten werden aber nie vollständig umgesetzt. So kann man zum Beispiel mit dem Suffix -ig Adjektive von Substantiven und Verben ableiten. Diese Möglichkeit wird aber nicht bei allen Substantiven und Verben genutzt, das heißt, es gibt bei weitem nicht zu jedem Nomen und zu jedem Verb eine Ableitung auf -ig. Zum Beispiel:

haarig. wollig, seidig
nicht: leinig, kunststoffig, nylonig

holprig, auffällig, rutschig
nicht: rüttlig, aufprallig, gleitig

Weshalb eine Ableitung nicht vorkommt, ist oft schwierig zu sagen. Gründe können u. a. sein:

  • Es gibt bereits ein anderes Wort dafür (zum Beispiel: *Stehler – Dieb, *Pferdin – Stute).
  • Das Basiswort gehört zu einer Klasse, von der nicht in dieser Weise abgeleitet werden kann (z. B. Bedeutung: *schlafbar, *blühbar; Herkunft: *Hellität, *Gründlichität).

Oft gibt es aber nur diese recht unbefriedigende Erklärung:

  • Es gibt die Ableitung nicht, weil das Wort nicht benötigt wird.

Im Fall von flügig könnte die erste „Erklärung“ zutreffend sein: Je nach Bedeutung machen Wörter wie flügge, fliegend und flugtauglich die Ableitung flügig überflüssig. Mehr lässt sich dazu leider kaum sagen. Wenn ein Wort nicht benötigt wird, dann gibt es das Wort in der Regel nicht, auch wenn man es theoretisch bilden kann. An Wörtern wie fündig, schlüssig und flüssig hatte man im Deutschen Bedarf, für flügig gilt das offenbar nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Shitstorm

Es klingt englisch und das ist es auch: Das Wort Shitstorm ist zum Anglizismus des Jahres 2011 gekürt worden. Alles Weitere zu Bedeutung, Konkurrenten, Jury usw. finden Sie bei »Anglizismus des Jahres«.

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Eisspazieren

Wenn es die Holländer und die Italiener zugleich massenweise in die Berge zieht, ist Wintersport angesagt: Man fährt Ski, snowboardet, geht langlaufen, rodelt (oder schlittelt) und vergnügt sich beim Après-Ski. (Zwischenfrage: Verwendet tatsächlich irgendjemand außer in Kolumnen und touristischen Werbeprospekten das Wort Après-Ski?) In flacheren Gegenden kann man ebenfalls langlaufen oder man läuft eis oder Schlittschuh. Damit wären lange nicht alle, aber die wichtigsten Wintersportverben genannt.

Bei uns war gestern eine andere winterliche Tätigkeit angesagt: das Eiswandern. Damit meine ich hier nicht, dass wir auf einem gefrorenen Fluss, Kanal, Teich oder See herumspaziert sind oder gar mit Rucksack und Stöcken bewaffnet die Finnische Seenplatte durchquert hätten. Nein, wir sind um und durch das Hochmoor gegangen, über das an dieser Stelle schon einmal geschrieben wurde.

Das Erwähnenswerte daran ist weniger, dass wir um das Moor gegangen sind, sondern dass wir uns durch das Moor wagen konnten. Normalerweise ist davon nämlich abzuraten, wie dies an einigen Stellen Schilder mit der Aufschrift Nicht betreten. Lebensgefährlich! vielleicht etwas drastisch, aber nicht ganz zu Unrecht den allzu Waghalsigen begreiflich zu machen versuchen. Wir halten uns gewöhnlich brav daran.

Nach einer so langen Frostperiode sieht ein Hochmoor ganz anders aus: Wo sonst Wasserflächen glänzen und man knöchel- bis achseltieft im Schlamm versinkt, glitzern Eisflächen umgeben von solide gefrorenem Boden. Ein ganz besonderer Anblick! Wir konnten es natürlich nicht lassen, uns ein Stück weit in das Moor hineinzuwagen. Statt einsinken war ausgleiten das Risiko.

Es ist eine Variante des Eiswanderns oder „Eisspazierens“, die ich nur empfehlen kann. Sie sollten allerdings zu Ihrem Wohle sicher sein, dass alles wirklich solide geforen ist, und zum Wohle des Moores nicht hordenweise, lärmend und alles niedertrampelnd eine Schneise durch die gefrorene Natur schlagen. Kurzum, Vorsicht und Behutsamkeit sind geboten, dann ist es wirklich schön!

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Der Bürgersteig

Frage

Bürgersteig! Ist diese Bezeichnung für „Gehweg“ heute noch standesgemäß? Während meines Studiums, wurde uns erklärt, diese Definition stamme aus Kaisers Zeiten! Um den Kaiser bei Besuchen, Paraden etc. besser sehen zu können, sollten die Bürger den höher gelegenen Teil der Straße (den Bürgersteig) benutzen! Warum nicht heute generell „Gehweg“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.

am Wort Bürgersteig gibt es eigentlich nicht so viel auszusetzen. Die Erklärung, die man Ihnen während des Studiums gegeben hat, scheint mir nicht wirklich zutreffend zu sein. Bürgersteige gab es schon vor des Kaisers Zeiten. Vielleicht war aber auch einfach allgemein ein Fürst gemeint oder wurden Bürgersteige erst unter kaiserlicher Herrschaft so genannt. Bürgersteige gab es allerdings auch dort, wo keine kaiserlichen oder sonstigen fürstlichen Paraden zu erwarten waren. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie außerdem häufiger Trottoir genannt. Eine andere überzeugende Erklärung muss ich Ihnen aber ehrlich gesagt auch schuldig bleiben. Ich konnte sie in keiner der mir zur Verfügung stehenden Quellen finden. So behauptet jemand, dass der Bürgersteig so heiße, weil nur die gute Bürgerschaft, nicht aber das gewöhnliche Volk ihn benutzen durfte. Bei dieser Erklärung ist die Benutzung des Bürgersteigs also nicht dem niedrigeren Stand, sondern umgekehrt den Höhergestellten vorbehalten.

Die genaue Herkunft des Wortes ist also ungeklärt oder einfach so unspektakulär, dass ich keine Informationen dazu finden konnte. Heute heißt der erhöhte Gehweg für Fußgänger jedenfalls so, ohne dass ein bestimmter sozialer Stand damit verbunden wäre. Ich finde also keinen Grund, weshalb man das Wort Bürgersteig nicht mehr verwenden sollte. (Man könnte sich höchstens Fragen, ob denn Fahrradfahrer, Motorradfahrer und Automobilisten nicht auch Bürger sind. Nicht alle Verkehrsteilnehmer auf Rädern sind schließlich ungehobelte Rüpel und auch unter den Fußgängern gibt es sich eher proletenhaft Benehmende.) Das Wort Bürgersteig ist allerdings nicht überall üblich und manche finden den Begriff etwas veraltet. Deshalb hört man oft eher Gehweg, Gehsteig (SO-Deutschland, Österreich) oder Trottoir (Schweiz).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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