Regelmässig trennen

Wenn Sie denken, im Titel einen Fehler entdeckt zu haben, stimmt das nur bedingt.  Es geht heute um eine Frage, die mich hin und wieder aus der Schweiz erreicht. In der schweizerischen Rechtschreibung gibt es das ß (Eszett) ja nicht. Man verwendet immer ss. Manchmal stellt sich dann am Zeilenende die Frage, wie dieses anstelle von ß verwendete ss zu trennen ist. Wie also trennt man regelmäßig, wenn man regelmässig schreibt?

Frage

Können Sie mir bitte die korrekte Trennung von „regelmässig“ sagen. Im Duden finde ich nur die deutsche Schreibweise.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn man ss statt ß schreibt, trennt man ss gleich wie andere Doppelkonsonanten:

re-gel-mäs-sig (re-gel-mä-ßig)
schweis-sen (schwei-ßen)
Straus-sen-fe-der (Strau-ßen-fe-der)
gros-se Füs-se (gro-ße Fü-ße)

und

schweiss-te (schweiß-te)
scheuss-lich (scheuß-lich)
Fleiss-ar-beit (Fleiß-ar-beit)
klei-ne Füss-chen (kleine Füß-chen)

Die entsprechende Regel finden Sie hier (unter „x, ss und ß“).

Das war früher, das heißt vor der Rechtschreibreform, übrigens anders. Damals war man „offiziell“ gehalten, für ß stehendes ss gemeinsam abzutrennen (re-gel-mä-ssig). Wahrscheinlich haben sich aber nur wenige an diese Regel gehalten – sofern sie überhaupt bekannt war. Die mit der Reform eingeführte Änderung ist kaum jemandem aufgefallen, geschweige denn, dass es zu Protesten gekommen wäre. Man trennt in der Schweiz heute also nicht nur in der Praxis, sondern auch mit offzieller „Genehmigung“ der Rechtschreibregelung re-gel-mäs-sig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NS: Leser und Leserinnen, die diese schweizerische Schreibgewohnheit nicht kennen, und sich nun vielleicht fragen, wie man überhaupt ohne ß auskommen kann, verweise ich auf den schon etwas älteren Blogeintrag „Die Maße und die Masse in der Schweiz“.

2 Kommentare

  1. Stephan Maroschek schreibt:

    April 25, 2012 um 13:36

    Mein Sohn (10) stellte mir anderntags die Frage warum Schiffe, Raumschiffe und manche andere Fahrzeuge mit weiblichem Artikel verwendet werden ( z.B.: die Titanic, die Hindenburg, die Boeing, …).Da es aber der Kreuzer, Dampfer, die Maschine, das Schiff, Flugzeug kann ich nicht wirklich einen Grund finden.
    Gruss und danke für Ihr Service!
    Stephan

  2. Dr. Bopp schreibt:

    April 26, 2012 um 08:11

    Fragen und Kommentare, die nicht direkt mit einem Blogeintrag zu tun haben, stellen Sie am besten über die dafür bestimmte E-Mail-Adresse oder das Kontaktformular. Sie finden die entsprechenden Angaben, wenn Sie in der linken Spalte auf den Link Kommentare und Fragen an Dr. Bopp klicken.

    Diesmal genügen allerdings zwei Links für den Versuch einer Antwort: siehe »Weibliche Motorschiffe« und »Männliche Autos und weibliche Motorräder«. Für Flugzeuge, die in diesen Artikeln nicht vorkommen, gilt, dass sie als »Flugschiffe« angesehen wurden/werden. Man geht bei Flugzeugen ja auch »an Bord« und wird dort manchmal »im Namen des Flugkapitäns« begrüßt.