Archiv für Juni, 2012

Griechischer Salat vs schottischer Whisky

Frage

Worin besteht der Unterschied zwischen einem „griechischen Salat“ und einem „Salat griechischer Machart“? Meiner Meinung nach kann ein Salat griechischer Machart von jedem gemacht werden, ein griechischer Salat jedoch muss in Griechenland gezogen und geerntet oder von einem Griechen zubereitet sein!

Antwort

Guten Tag F.,

griechischer Salat und Salat griechischer Machart bezeichnen sehr oft dasselbe. In Griechenland geernteten Salat nennt man zwar tatsächlich nur griechischen Salat, aber ein Salat griechischer Machart wird meistens ebenfalls einfach griechischer Salat genannt. Diese Bezeichnung hat sich für ein Salatgericht, das unter anderem Tomaten, Gurken, Feta und Oliven enthält, eingebürgert.

Geografische Adjektive bezeichnen nicht immer die direkte Herkunft, sondern manchmal, wie hier, die ursprüngliche oder sogar nur die vermeintliche Herkunft. Gerade bei Gerichten kommt dies häufiger vor:

griechischer Salat
französische Salatsauce
chinesische Nudeln
russische Eier
Wiener Schnitzel
Frankfurter Würstchen

All diese Gerichte müssen nicht aus dem entsprechenden Land oder der entsprechenden Stadt kommen. Sie können sie selbst in Ihrer Küche zubereiten, in Ihrem Lebensmittelgeschäft kaufen oder in einem Restaurant in Ihrer Umgebung bestellen.

Bezeichnungen dieser Art kommen auch im „Non-Food-Bereich“ vor (insbesondere Pflanzen- und Tiernamen):

Appenzeller Sennenhund (eine Hunderasse)
Sibirische Schwertlilie (eine Lilienart)
amerikanische Buchhaltung (Art der doppelten Buchführung)
englische Krankheit (Rachitis)
russisches Roulette (lebensgefährlich!)

Gewisse Namen sind allerdings geschützte geografische Angaben, das heißt, die Produkte müssen aus der im Namen genannten Region kommen. Zum Beispiel:

Bündnerfleisch
Dresdener Stollen
Nürnberger Lebkuchen
Kölnisch Wasser

Ganz allgemein ist man bei der Verwendung von geografischen Bezeichnungen an strengere Regeln gebunden, wenn man Produkte verkaufen will. Wenn es sich nicht um eine gebräuchliche Bezeichnung für etwas handelt, darf eine Herkunftsbezeichnung nur dann verwendet werden, wenn das Produkt auch tatsächlich aus der entsprechenden Region kommt. Toskanisches Olivenöl muss aus der Toskana kommen, spanische Wurst aus Spanien, schottischer Whisky aus Schottland usw.

Über die Begriffe italienischer Fußball und deutscher Fußball schreibe ich heute, „am Tag danach“, besser nichts .

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der ungebeugte Präsident

Frage

Mir ist aufgefallen, dass es bei „von“ scheinbar unerklärliche Ausnahmen gibt. Dabei geht es mir um folgenden Satz: „Ich halte nichts von Präsident XY.“ Das „von“ sollte doch eigentlich den Dativ fordern, tut es hier aber offensichtlich nicht, da es sonst „PräsidentEN“ heißen müsste. Bildet man den Satz mit einem bestimmten Artikel, so kann man auf einmal korrekt formulieren: „Ich halte nichts von dem Präsidenten XY.“ Könnten Sie mich hier aufklären?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

diese „Ausnahme“ kann man nicht nur bei von und nicht nur bei Präsident beobachten. Sie hat mit der Funktion zu tun, die Wörter wie Präsident (Titel, Berufsbezeichnungen, Verwandschaftsbezeichnungen u. Ä.) innerhalb einer Personenbezeichnung haben können.

Wenn Präsident ohne Artikel vor einem Namen steht, ist es eine Ergänzung (Apposition) zum Namen. Der Name ist der Kern der Wortgruppe und wird gebeugt. Der Titel bleibt ungebeugt:

Die Bundeskanzlerin empfängt Präsident Hollande.
Europa hat von Präsident Hollande nicht zu fürchten.
Präsident Hollandes Lebensgefährtin

Ebenso zum Beispiel:

der von Fürst Metternich geleitete Kongress
Krimiautor Mario Puzos berühmter Roman
Onkel Bernhards Fiat und Tante Lindas Volvo
Königin Elisabeths Thronjubiläum

Wenn man ein Wort wie Präsident mit einem Artikelwort verwendet, werden die Rollen umgedreht. Der Titel ist der Kern der Wortgruppe und der Name eine Ergänzung (Apposition). Dann wird der Titel gebeugt und der Name bleibt unverändert:

Die Bundeskanzlerin empfängt den Präsidenten Hollande.
Europa hat vom Präsidenten Hollande nicht zu fürchten.
die Lebensgefährtin des Präsidenten Hollande

Ebenso zum Beispiel:

der vom Fürsten Metternich geleitete Kongress
der berühmte Roman des Krimiautors Mario Puzo
der Fiat meines Onkels Bernhard und der Volvo deiner Tante Linda
das Thronjubiläum der Königin Elisabeth

Mehr zu diesem Thema finden Sie, wenn Sie möchten, in der Canoonet-Grammatik hier und hier.

Es ist also nicht nur bei Präsidenten so, dass ohne Artikel der Name und mit Artikel der Titel gebeugt wird. Das Deutsche behandelt ganz demokratisch auch Königinnen, Krimiautoren und normalsterbliche Onkel und Tanten in dieser Weise.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen: Die Anrede Herr wird immer gebeugt, also auch dann, wenn kein Artikel verwendet wird:

Frau Merkel empfängt Herrn Hollande.
Europa hat von Herrn Hollande nichts zu befürchten.
Herrn Hollandes Lebensgefährtin.

Umgekehrt bleibt der Titel Doktor auch mit Artikel ungebeugt:

Doktor Bopps Blog
der Blog des Doktor Bopp

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Pläuschchen

Frage

Wie heißt die Verniedlichung von „Plausch“? Heißt es „Pläuschen“ oder „Pläuschchen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau V.,

die Verkleinerungsform von Plausch ist:

Pläuschchen

Wenn der Stamm eines Substantivs auf sch endet, bildet man den Diminutiv, indem man wie bei anderen Wörtern chen anhängt (und ggf. umlautet). Zum Beispiel:

Fischchen
Fläschchen
Täschchen
Tischchen
Rüschchen
Bürschchen
usw.

Das gilt auch dann, wenn man das chen nicht ganz standardgemäß als schen ausspricht („Hündschen, mach mal Männschen für das Frauschen!“): Auch wer Handtäschen sagt, sollte Handtäschchen schreiben.

Wem die Konsonantenfülle schch etwas zu viel ist, kann natürlich auch auf die eher südliche Variante lein ausweichen:

Pläuschlein
Fischlein
Fläschlein
usw.

Notwendig ist das aber nicht. Bei Zusammensetzungen bewältigen wir nämlich noch viel eindrücklichere Konsonantenhäufungen: Herbststurm, Angstschweiß. (Mehr dazu finden Sie hier.)

Wie immer man es aussprechen und schreiben mag, ein kleines Pläuschchen oder Pläuschlein ist immer gut fürs Gemüt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Umgeschlossen?

Frage

Ich bin beim Verb „umschließen“ auf Ihre Partizip-Perfekt-Form „umschlossen“ gestoßen. Die Form „umgeschlossen“ kann ich in Canoonet nicht finden.

Ich bin auf diese Form einmal im Zusammenhang mit Telefonverträgen gestoßen. Wenn man mit seiner Rufnummer den Telefonprovider wechselt, stellt sich die Frage, wann der Umschluss der Rufnummer auf den neuen Anbieter stattfindet. Also: Wann wird „umgeschlossen“?

Zum anderen finden in Haftanstalten auch Umschlüsse statt. Wenn z. B. Häftlinge temporär von einer in eine andere Zelle verbracht werden, spricht man davon, dass sie „umgeschlossen“ wurden. In beiden Fällen heißt der Infinitiv Präsens „umschließen“.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.

wenn ein Wort nicht in den Wörterbüchern zu finden ist, heißt das nicht zwangsläufig, dass es das Wort nicht gibt. Häufig heißt es einfach, dass es eine weniger häufig vorkommende Ableitung oder Zusammensetzung ist, die nach einem gängigen Wortbildungsmuster gebildet wurde und einfach zu interpretieren ist. So auch hier: Neben dem in den meisten Wörterbüchern vorkommenden untrennbaren umschlíéßen (auf schließ betont, Partizip: umschlóssen, Bedeutung: einschließen, umgeben, umfassen) kommt auch das trennbare úmschließen vor (auf um betont, Partizip úmgeschlossen).

Im Deutschen gibt es viele Verben mit um-. Sie lassen sich grob in drei Klassen einteilen.

  • Mit um- werden trennbare Verben mit dem Bedeutungselement zurück, herum, zu Boden gebildet. Zum Beispiel:

úmschauen, úmkehren, úmrühren, úmstürzen, úmwerfen

  • Mit um- werden weiter trennbare Verben mit dem Bedeutungselement neu, anders, allgemein verändern gebildet. Zum Beispiel:

úmbauen, úmbuchen, úmfüllen, úmprogrammieren und úmschließen

  • Mit um- werden auch untrennbare Verben mit dem Beutungselement rundum, um herum gebildet. Zum Beispiel:

umgéhen, umflíéßen, umfássen, umrúnden und umschlíéßen

(Interessant sind die manchmal nicht ganz unwichtigen Bedeutungsunterschiede zwischen trennbaren und untrennbaren Verben. So macht es einen wesentlichen Unterschied, ob ich ein Hindernis umfáhre oder úmfahre: Wenn man nicht zufällig auf einem großen Bulldozer sitzt, ist es einfacher, einen Baum zu umfahren als ihn umzufahren.)

Es gibt, wie gesagt, sehr viele Verben mit um-. Viele davon sind in Wörterbüchern verzeichnet, aber bei weitem nicht alle. Beschränken wir uns einmal auf die Gruppe der trennbaren Verben mit dem Bedeutungselement verändern. In den meisten Wörterbüchern verzeichnet sind zum Beispiel:

umarbeiten, umbauen, umbuchen, umdatieren, umpflanzen, umprogrammieren, umschulen, umschichten, umschminken, umstellen, umziehen …

Nach demselben Muster werden auch Verben gebildet, die es (noch) nicht bis in alle Wörterbücher geschafft haben:

umfädeln, ummontieren, umplanen, umreihen, umschienen, umspuren, umstöpseln, umtüten, umschließen …

Auch wenn man sie nicht im Wörterbuch findet, sind solche Bildungen meistens leicht verständlich. In der Regel hilft nämlich der Kontext, sie richtig zu interpretieren. Als ich Ihre Frage las, war mir nicht sofort klar, was die allein stehende Form umgeschlossen bedeutet. Sobald aber der Kontext hinzukommt (im einen Fall werden Telefonanschlüsse umgeschlossen, im anderen Fall werden Gefangene umgeschlossen), wird deutlich, was mit umschließen gemeint ist: anders anschließen bzw. an einem andern Ort einschließen.

Das Wortbildungselement um- kann mit vielen Verben kombiniert werden. Nicht immer führt dies zu einem stilistischen Meisterwerk, aber meistens zu einem einfach verständlichen Wort. Das trennbare Verb umschließen – schließt um – hat umgeschlossen gibt es also, auch wenn es wie viele andere nicht im Wörterbuch steht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Blogspektrogramm 14

Die viezehnte Ausgabe des Blogspektrogramms ist während meiner Abwesenheit bei */ˈdɪ?kæf/ erschienen:

Es wird wieder auf Interessantes zur deutschen und diesmal auch zu anderen Sprachen hingewiesen. Von der Frage, ob Stundenkilometer korrekt gebildet ist, über die (Un–)Beliebtheit des Sächsischen, den Kampf gegen Anglizismen, die Bedrohung durch das „Bürokratische Monster“ bis hin zum Siezen im Englischen und hartnäckigen Missverständnissen über die chinesischen Schriftzeichen (Letzeres auf Englisch) findet sich viel Lesenswertes. Mehr dazu, wie bereits gesagt, bei */ˈdɪ?kæf/. Viel Spaß beim Lesen!

Frühere Ausgaben:
Blogspektrogramm 13
Blogspektrogramm 12
Blogspektrogramm 11
Blogspektrogramm 10
Blogspektrogramm 9
Blogspektrogramm 8
Blogspektrogramm 7
Blogspektrogramm 6

Blogspektrogramm 5
Blogspektrogramm 4
Blogspektrogramm 3
Blogspektrogramm 2
Blogspektrogramm 1

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Unterwegs

Wieder einmal bin ich für ein paar Tage unterwegs. Ich werde versuchen, der französischen Tourismus- und Gastronomiebranche im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten einen bescheidenen Impuls zu geben. Als europäischer Konsument soll man ja in dieser Krisenzeit den Euro rollen lassen, wenn man noch einen hat.

Ab dem 17. Juni bin ich wieder für Sie und Ihre Sprachfragen da. In der Zwischenzeit wird Canoonet natürlich nicht abgeschaltet: Unser Team sorgt dafür, dass die unter www.canoo.net angebotenen Sprachdienste wie immer vierundzwanzig Stunden am Tag online zur Verfügung stehen!

Merci et au revoir!

Dr. Bopp

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Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Flamingos in NRW

Wenn Sie mich nun fragen, was Flamingos in Nordrhein-Westfalen zu suchen haben – und zwar nicht in einem öffentlichen Tiergarten oder einem Privatzoo, sondern in freier Wildbahn –, dann könnte die „humoristische“ Antwort lauten: Futter. Wir waren im Zwillbrocker Venn, im Münsterland, ganz an der niederländischen Grenze. Dort gibt es tatsächlich seit den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts eine kleine Brutkolonie von Flamingos, die nördlichste der Welt. Lärmende Möwen, bewegungslos fischende Graureiher und ihre Flügel spreizende Kormorane sind ein schöner, aber vielleicht nicht allzu großes Staunen erregender Anblick in einem Naturschutzgebiet rund um einen kleinen See. Herumstelzende Flamingos hingegen passen irgendwie gar nicht in diese Szenerie. Sie taten uns sogar den Gefallen, ihr Futter ganz in der Nähe der Beobachtungshütte zu suchen, so dass wir sie auch ohne Fernglas gut bewundern konnten. Die „richtige“ Fotokamera war leider nicht dabei und die Handyfotos sind zu unscharf geworden, als dass man sie hier veröffentlichen könnte. Dieser Beitrag bleibt deshalb leider fotolos.

Nach einem wohlverdienten Bierchen in der Sonne fragte der berufsdeformierte Dr. Bopp sich natürlich nicht nur, wie Flamingos einen Winter wie den vergangenen an einem zugefrorenen Gewässer überstehen (sie ziehen offenbar an einen Ort mit einem nicht zugefrorenen Gewässer), sondern auch, woher das Wort Flamingo kommt.

Der Name Flamingo stammt aus dem Portugiesischen und Spanischen (flamingo resp. flamengo). Alles andere ist unsicher. Das spanische Wort könnte auf das provenzalische flamenc zurückgehen, das vom lateinischen Wort flamma (Flamme) abgeleitet ist und sich auf das flammend rotweiße Federkleid der Vögel bezieht. Das französische Wort für Flamingo, flammant, geht auch auf diese provenzalische Form zurück.

Eine andere Theorie besagt, dass der spanische Vogelname vom flämischen Wort Vlaming (= Flame) abgeleitet sei. Flandern war vom 16. bis ins 18. Jahrhundert ein Besitz der spanischen Krone und es gab lange Zeit intensive Kontakte zwischen Spanien und Flandern. Die Vögel hätten also ihren Namen der Ähnlichkeit mit der rosa Hautfarbe der Flamen zu verdanken. Wenn man bedenkt, dass die Flamen die Nachbarn der heutigen Niederländer sind, und man sich die von Weiß über Rosa in feuriges Rot verfärbende Haut des eben am spanischen Strand angekommenen holländischen Touristen vor Augen führt, ist diese Theorie gar nicht so abwegig.

Wahrscheinlicher ist aber dennoch, dass Flamingo über das provenzalische flamenc auf flamma zurückgeht. Im Spanischen sind die Bezeichnung für den Vogel und der Name der Flamen einfach lautlich zusammengefallen. Das heutige spanische Wort für beides ist flamenco. Wie nun der typisch spanische Flamencotanz zum Vogel und zu den Flamen passt, ist eine andere, ebenfalls nicht vollständig geklärte Wortgeschichte.

Wenn die rosarot gefiederten Vögel ihren Namen tatsächlich den Einwohnern der früheren Spanischen Niederlande zu verdanken hätten, wären sie heute ganz im Westen Nordrhein-Westfalens an der niederländischen Grenze doch nicht so fehl am Platz. Dieser „abrundende“ Schlusssatz klingt – ich gebe es zu – nur schon desalb ziemlich forciert, weil Vögel sich bei der Wahl ihrer Brutplätze keinen Deut um die europäische Geschichte kümmern.

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