Archiv für November, 2012

Sondern und die Kommas

Endlich einmal eine Kommafrage, die sich ganz einfach beantworten lässt! Oder doch nicht?

Frage

Mir begegnet beim Schreiben deutscher Texte und beim Übersetzen fremdsprachiger Texte immer wieder der Ausdruck „nicht nur … sondern auch“. In dem Fall, dass zwei Substantive verbunden werden, bin ich unsicher, ob vor das Wort „sondern“ ein Komma gesetzt werden muss. Ein Beispiel:

Fritz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Wanderer(,) sondern auch ein passionierter Angler.

Antwort

Guten Tag F.,

es ist im Zusammenhang mir einer Kommafrage kaum zu glauben, aber für einmal ist es ganz einfach: Vor der Konjunktion sondern steht immer ein Komma.

Fritz ist kein Wanderer, sondern ein Angler.
Nicht nur Fritz, sondern auch Anton ist ein leidenschaftlicher Angler.
Fritz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Wanderer, sondern auch ein passionierter Angler.
Das ist kein Süßwasser-, sondern ein Salzwasserfisch.
Fritz fährt in den Ferien nicht in den Schwarzwald, sondern (er) bleibt zu Hause.

Siehe auch sondern in Canoonet.

Und jetzt fühle ich mich wie ein Spielverderber. Wenn Nebensätze und Infinitivgruppen ins Spiel kommen, wird es nämlich doch komplizierter – nicht vor sondern, sondern dahinter.

Bei nicht … sondern ist es noch relativ übersichtlich:

Anton fährt nicht an den See, um zu angeln, sondern um zu wandern.
Anton fährt nicht zum Angeln an den See, sondern weil er wandern möchte.
Fritz fährt nicht in den Schwarzwald, weil er wandern will, sondern weil er angeln möchte.

Bei nicht nur … sondern auch hängt die Kommasetzung davon ab, ob nicht nur und sondern auch a) zum Hauptsatz oder b) zu den Nebensätzen gehören:

a) Anton fährt nicht nur an den See, um zu angeln, sondern auch, um zu wandern.
b) Anton fährt an den See, nicht nur um zu angeln, sondern auch um zu wandern.

a) Fritz fährt nicht nur in den Schwarzwald, weil er wandern will, sondern auch, weil er angeln möchte.
b) Fritz fährt in den Schwarzwald, nicht nur weil er wandern will, sondern auch weil er angeln möchte.

Die Regel, dass vor sondern immer ein Komma steht, bleibt aber erhalten. Insofern habe ich Ihnen also oben doch nicht zu viel „versprochen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie landschaftlich ist „öfters“?

Frage

Das Adverb „öfters“ wird einem des Öfteren angekreidet, und zwar mit der Begründung, es sei eine unzulässige Steigerung von „oft“. So weit so gut. In „Joseph und seine Brüder“ verwendet Thomas Mann ausschließlich „öfters“, nie „öfter“. […] Das DWDS sagt im Gegensatz zum Duden nicht, dass „öfters“ umgangssprachlich bzw. landschaftlich sei. Wie halte ich das Ganze nun? Ist „öfters“ eine unlogische Steigerung und spricht gegen die Logik des Schreibers? (Wobei das bei T. Mann vielleicht sehr zweifelhaft ist.)

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wörtchen öfters ist ein Besserwisserwort, das heißt ein Wort, das Besserwisser anderen immer wieder gerne rot anstreichen. „Das Wort öfters gibt es nicht / ist falsch / sollte nicht verwendet weden“, wird gesagt. Mit der Bedeutung des Öfteren, mehrmals, ab und zu ist es aber recht gebräuchlich, auch in der Literatur, wie Sie selbst ja festgestellt haben. Im DWDS und im Deutschen Wörterbuch von Wahrig stehen keine Angaben dazu, dass es landschaftlich sei. Auch im Grimm-Wörterbuch kommt es vor, sogar mit einer Erklärung seiner Entstehung.

Weshalb soll man es dann trotzdem nicht benutzen? Die Leute, die ich etwas gar streng als Besserwisser bezeichne, berufen sich dabei auf den Duden. Aus irgendeinem Grund hat die Dudenredaktion beschlossen, öfters mit dem Prädikat „landschaftlich“ auszuzeichnen. Das hat automatisch zur Folge, dass es Leute gibt, die behaupten, es sei falsch das Wort öfters zu verwenden. Im Duden „Richtiges und gutes Deutsch“ wird aber bereits nuanciert:

Von den beiden Adverbformen wird heute öfter bevorzugt. Die Form öfters kommt häufig in der Umgangssprache vor; in Österreich ist sie allgemein üblich.
© Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 7. Aufl. Mannheim 2011 [CD-ROM]

Das Wörtchen öfters wird hier nicht als landschaftlich, sondern als umgangssprachlich qualifiziert. Warum das so ist und weshalb die Form öfter heute bevorzugt werden soll, weiß ich nicht. Ich habe nämlich den Eindruck, dass mir die Form öfters ziemlich oft begegnet, auch in als standardsprachlich einzustufenden Texten und bestimmt nicht nur in Österreich.

Eine völlig unfundierte, auf keinerlei Nachforschung beruhende Vermutung sagt mir, dass die von Duden konstatierte heutige Bevorzugung von öfter (wenn es sie denn gibt) vor allem darauf zurückgeführt werden kann, dass in den Duden-Wörterbüchern steht, öfters sei landschaftlich. Die negativen Kommentare über öfters, die ich im Internet gelesen habe, berufen sich nämlich praktisch ausnahmslos auf die Angaben von Duden. Ist öfters tatsächlich landschaftlich/umgangssprachlich oder ist es von Duden dazu gemacht worden? Ich vermute Letzteres.

Das Wörtchen öfters ist kein eigentlicher Komparativ mehr (öfters als ist tatsächlich nicht zu empfehlen), sondern ein Adverb mit einer eigenen Bedeutung. Die Grundfrage lautet also nicht, ob öfters richtig oder falsch ist, sondern ob man diese Variante des Adverbs öfter auch standardsprachlich verwenden kann. Duden sagt „eher nicht“, DWDS gibt keine Anwendungsbeschränkungen an. Auch meiner Meinung nach kann man öfters problemlos verwenden, nicht nur in Österreich. Wie so oft bei solchen Fragen gilt allerdings, dass man sich nicht wundern sollte, wenn man öfters von jemandem wegen der Verwendung von öfters korrigiert wird. Vorsichtige Leute verwenden deshalb heute vielleicht tatsächlich besser nur öfter.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie man nach Pferden und Hamstern fragt

Wenn man dem Klischee glauben darf, sind die Deutschen immer ganz präzise und nimmt man es in Österreich und der Schweiz nicht weniger genau. Umso erstaunlicher finde ich es oft, wie ungenau gewisse Regeln und wie unscharf gewisse Unterschiede in der deutschen Sprache gehandhabt werden. Als Muttersprachige haben wir meist keine Ahnung, wie schwierig wir dadurch das Leben für die Deutschlernenden machen!

Frage

Pronominaladverb bei Tieren: Fragt man bei einem Pferd „Worum kümmerst du dich?“ oder „Um wen kümmerst du dich?“?

Antwort

Guten Tag L,

auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Nach der bekannten Grundregel verwendet man standardsprachlich ein Pronominaladverb der Form wo(r)-, wenn man nach Dingen usw. fragt:

Womit schlägst du den Nagel in die Wand.
Wonach riecht es hier?
Worüber lacht ihr?
Worunter haben sie sich versteckt?

Es gilt als umgangssprachlich, hier mit was, nach was, über was, unter was zu verwenden. Nach Personen fragt man hingegen nie mit einem Pronominaladverb, sondern immer mit der entsprechenden Kombination von Präposition und Personalpronomen:

Mit wem fährst du nach Warschau?
Nach wem riecht es hier?
Über wen lacht ihr?
Unter wem arbeiten sie?

Soweit haben wir es mit einer ziemlich klaren Regel zu tun. Wenn es aber um Tiere geht, ist die Lage nicht mehr ganz so eindeutig. Wenn eine Frage sich auf ein Tier bezieht, scheint die Form der Frage nämlich davon abzuhängen, welche Einstellung man zum Tier hat. Wenn das Tier als Aufgabe, als Instrument o. Ä. gesehen wird, steht eher das Pronominaladverb. Wenn das Tier als individuelles Lebewesen gesehen wird, steht eher das Personalpronomen.

Tiere als Aufgabe, um die man sich kümmert:

– Ich kümmere mich um die Hühner.
– Worum kümmerst du dich?

– Er kümmert sich um das Pferd (füttern, Stall ausmisten).
– Worum kümmert er sich?

Tiere als individuelle Lebewesen, um die man sich kümmert:

– Ich kümmere mich um mein preisgekröntes Zwerghuhn.
– Um wen kümmerst du dich?

– Er kümmert sich liebevoll um sein Pferd Fury.
– Um wen kümmert er sich?

Ein weiteres Beispiel:

– Ich spiele mit dem Hamster.
– Womit spielst du?
– Mit wem spielst du?

Bei der ersten Frage (womit?) ist der Hamster ein Spielzeug. Bei der zweiten Frage (mit wem?) ist er ein Spielgefährte.

Es gibt also keine allgemeine Regel dafür, mit welchen Fragewörtern nach Tieren gefragt wird. Dem Hamster wünsche ich übrigens, dass die Frage häufiger mit wem? als womit? lautet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Tastaturorientiert

Frage

Heute habe ich eine neue Frage zur Getrennt- und Zusammenschreibung. Sicher können Sie hier weiterhelfen!

Sie schreibt Tastatur-orientiert
Sie schreibt tastaturorientiert
Sie schreibt Tastatur orientiert

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

die Formulierung vermag mich stilistisch nicht ganz zu überzeugen, aber das ist aus mehreren Gründen irrelevant: Erstens ist es Geschmackssache; zweitens gibt es fachsprachliche Formulierungen, die zwar nicht den Nobelpreis für Literatur verdienen, dafür aber  knapp und präzise und damit sehr praktisch sind; drittens haben nicht alle immer die Freiheit, den Text, den sie schreiben, nach eigenem Gutdünken zu formulieren (Stichwort: weniger flexible Vorgesetzte und Auftraggeber/-innen); und viertens haben Sie mich nicht um eine Stilkorrektur gebeten, sondern eine Frage zur Rechtschreibung gestellt. Es wird dann auch Zeit, dass ich mich an die Beantwortung dieser Rechtschreibfrage mache.

Am besten schreiben Sie zusammen:

Sie schreibt tastaturorientiert
der tastaturorientierte Zugang
eine maus- und tastaturorientierte Steuerung

Zusammensetzungen werden im Deutschen grundsätzlich zusammengeschrieben. Wenn ein Wort sehr lang, unübersichtlich oder missverständlich ist, kann man einen verdeutlichenden Bindestrich verwenden (Regel). Das ist hier nicht nötig. Ich finde, dass die Schreibung mit Bindestrich hier im Gegenteil sogar den Lesefluss stört. Wenn Sie aber anderer Meinung sind, können Sie auch wie folgt schreiben:

Sie schreibt Tastatur-orientiert
der Tastatur-orientierte Zugang
eine Maus- und Tastatur-orientierte Steuerung

Die Getrenntschreibung (Tastatur orientiert) ist nach den geltenden Rechtschreibregeln nicht richtig. Verbindungen von einem Substantiv und einem Adjektiv oder Partizip müssen zusammengeschrieben werden, wenn das erste Wort für eine Wortgruppe steht:

abbruchreif = reif für den Abbruch
computergesteuert = von einem Computer gesteuert
gewerbetreibend = ein Gewerbe treibend
tastaturorientiert = an der Tastatur / auf die Tastatur orientiert

Mehr zu dieser Frage finden Sie bei den Rechtschreibregeln und in einem noch gar nicht so alten anderen Blogeintrag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Kommentar-Funktion für diesen Beitrag ist zur Zeit ausgeschaltet.

Jemanden anrufen und zurückrufen

Frage

Gestört hat mich schon lange die Beendigung eines Gesprächs: „Tschüss, ich rufe dich zurück.“ Heute hört man diese Formulierung sogar bei gebildeten Moderatoren im deutschen Fernsehen. Seit 60 Jahren verwende ich und alle meine Kollegen die Formulierung: „Ich rufe zurück.“ Die oben genannte Formulierung bedeutet meiner Ansicht nach: Ich entferne mich (körperlich) von einem Menschen und er ruft mich zurück, ich soll wieder zurück kommen. Ist meine Ansicht richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

auch wenn man die Formulierung jemanden zurückrufen im Sinne von einen Telefonanruf durch einen Rückruf beantworten sehr oft hört, gilt sie (noch?) als umgangssprachlich oder regionalsprachlich. Wenn man es standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man, wie Sie es tun, besser: „Ich rufe zurück.“

Es stimmt, dass jemanden zurückrufen bedeutet, dass man eine Person, die im Begriff ist wegzugehen, durch Rufen auffordert zurückzukommen. Die umgangssprachliche Verwendung von zurückrufen im Zusammenhang mit dem Telefonieren ist deshalb aber nicht zwangsläufig ausgeschlossen. Wörter haben oft mehr als eine Bedeutung. Man konnte schon jemanden anrufen, bevor es Telefone gab:

jemanden durch Rufen auf sich aufmerksam machen: einen Bekannten auf der Straße anrufen
jemanden bitten, helfend einzugreifen: das Verfassungsgericht anrufen, Gottes Hilfe anrufen

Diese bereits bestehenden Bedeutungen haben nicht verhindert, dass anrufen auch die Bedeutung telefonisch mit jemandem Kontakt aufnehmen erhalten hat. In gleicher Weise ist es nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass jemanden zurückrufen auch eine neue, „telefonische“ Bedeutung erhält. In der Umgangssprache hat das Verb diese Bedeutung schon.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Eichelhäher und die Hauswurzen

Der Eichelhäher hat den Hauswurzen den Garaus gemacht. Das klingt wie eine Mordtat aus einem Märchen, einer Gotthelf-Erzählung, einer Heimatgeschichte oder einem Fantasyroman. Dem ist aber nicht so. Es ist die Beschreibung dessen, was sich letzthin auf unserem Balkon abgespielt hat. Ein Eichelhäher – das ist ein Vogel, ein sehr schöner sogar – hat wohl auf der Suche nach einem wurm- oder larvenförmigen Leckerbissen mit seinem Schnabel die beiden mit Hauswurzen bepflanzten Blumentöpfe umgegraben. Die Hauswurzen, eigentlich sehr zähe Pflanzen, haben es trotz ihres lateinischen Namens Sempervivum (semper = immer, vivum = lebend) nicht überlebt. Die eine Hälfte liegt wurzellos auf dem Balkonboden, die andere Hälfte ist auf der Außenseite des Geländers sozusagen zu Tode gestürzt.

Eichelhäher Hauswurz

Eichelhäher und Hauswurz: Die beiden Wörter rufen bei mir ein Bild von Urtümlichkeit oder zumindest tiefster Ländlichkeit auf. Gewisse Wörter haben das an sich und eignen sich entsprechen gut dazu, einem Text eine bestimmte Atmosphäre zu verleihen. In diesem Fall ist die Wirklichkeit aber viel profaner. Trotz des altertümlich-ländlichen Namens kommt der Eichelhäher heute auch in städtischen Umgebungen vor, und Hauswurzen gibt es in jedem Gartencenter.

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Alles daransetzen, (um) … zu

Frage

Ich heiße E[…] und ich studiere Deutsch. Ich habe eine Frage an Sie zum Thema „Infinitivsätze“. Ich habe gemerkt, dass man bei Infinitivsätzen mit „um…zu“ manchmal das „um“ weglässt. Zum Beispiel:

Ich habe alles daran gesetzt, das Problem zu lösen.
Ich habe alles daran gesetzt, um das Problem zu lösen.

Welcher Satz ist korrekt? Ich würde das „um“ nie weglassen, trotzdem habe ich schon mehrmals gesehen, in mehreren Beispielen, dass es gemacht wird. Ist das korrekt? Ist es Hochdeutsch oder eher Umgangssprache? Ist es immer möglich?

Antwort

Guten Tag E.,

ob man einen uneingeleiteten Infinitivsatz verwenden kann, hängt vom Prädikat (dem „Hauptverb“) des Satzes ab. Siehe hier. Beim Prädikat dransetzen (= aufbieten, einsetzen) kann eine solche uneingeleitete Infinitivkonstruktion stehen:

Sie haben alles darangesetzt, ihn zu finden.
Er hat all seine Kräfte darangesetzt, sein Ziel zu erreichen.
Ich habe alles darangesetzt, das Problem zu lösen.

Hier ist aber auch ein Zwecksatz mit um … zu möglich:

Sie haben alles darangesetzt, um ihn wiederzufinden.
Er hat all seine Kräfte darangesetzt, um sein Ziel zu erreichen.
Ich habe alles darangesetzt, um das Problem zu lösen.

Man kann also sagen, dass es bei den letzten drei Sätzen möglich ist, das um wegzulassen. Das geht auch bei anderen Prädikaten, die mit einer Infinitivkonstruktion stehen können, wenn ein Zweck angegeben wird:

Sie haben ihr Möglichstes getan, um ihn zu finden.
Sie haben ihr Möglichstes getan, ihn zu finden.

Ich habe alles versucht, um sie zum Lernen zu bewegen.
Ich habe alles versucht, sie zum Lernen zu bewegen.

Dies ist aber nur dann möglich, wenn

a) die Verbkonstruktion mit einem uneingeleiteten Infinitivsatz stehen kann;
b) der Infinitivsatz den Zweck der Handlung im Hauptsatz angibt.

Verstoß gegen a)

nicht: *Ich tue dies, dir zu helfen.
sondern nur: Ich tue dies, um dir zu helfen.

Bei etwas tun kann keine uneingeleitete Infinitivkonstruktion stehen.

Verstoß gegen b)

nicht: *Es nützt nichts, um dich zu verstecken. Sie finden dich überall.
sondern nur: Es nützt nichts, dich zu verstecken. Sie finden dich überall.

Der Infinitivsatz drückt nicht den Zweck des im Hauptsatz Gesagten aus.

Bevor Sie sich nun daranmachen, eine neue Regel zu lernen, sei Folgendes nocht gesagt: Es handelt sich hier nicht um eine spezielle, genau abzugrenzende Regel. Es geht hier um Satzkonstruktionen, in denen zwei unterschiedliche Ergänzungen stehen können, (uneingeleiteter Infinitivsatz und mit um … zu eingeleiteter Zwecksatz), die mehr oder weniger „zufällig“ dasselbe ausdrücken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Le-gostein

Frage

Ich bin mir nicht sicher, wie die Silbentrennung von Legosteinen ist? Hat es nur zwei Silben?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort Legostein hat drei Silben, die Mehrzahl Legosteine hat vier Silben:

Le-go-stein
Le-go-stei-ne

Im Prinzip kann man Eigennamen und Markennamen gleich wie andere Wörter trennen, wenn dies sinnvoll und nach den allgemeinen Trennregeln möglich ist. Auch Le-go darf also getrennt werden. Weitere  Bespiele:

Goe-the-haus
Düs-sel-dorf
Mo-sel-wein
Deut-sche Bank
Volks-wa-gen-werk
Raiff-ei-sen-bank
Mac-in-tosh
Mi-cro-soft o. Mic-ro-soft

Dennoch ist es hier zu empfehlen, wenn möglich erst nach Lego zu trennen. Der Text ist dann besser lesbar. Also besser

Lego-stein
Lego-steine

als:

Le-gostein
Le-gosteine

Die letzten Trennungen sind nicht falsch, aber ich würde beim Lesen wahrscheinlich zuerst einmal zweifeln, ob hier Werbe- oder Marketingfachleute aus irgendeinem Grund den Steinen für das japanische Brettspiel Go den französischen Artikel le verpasst haben: Le‑gostein! Es ist ja in den letzten Jahren sehr beliebt, mit Groß- und Kleinbuchstaben, (fehlenden) Leerzeichen, Satzzeichen usw. zu „spielen“, wenn neue Namen und Logos entwickelt werden (iPhone, WordNet, LeShop, ver.di, adidas, canoonet …). Ich übertreibe hier allerdings etwas mit dem Zweifel, denn meist verdeutlicht der Kontext, was gemeint ist, sodass es gar nicht zu solchen Fehlinterpretationen kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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„Was sorgt Sie?“ ist zu kurz, wenn etwas Sorgen macht

Frage

Erst kürzlich stand ich vor einem kleinen Problem, das ich auch mit Kollegen nicht eindeutig klären konnte. Die Frage lautete: „Was sorgt Sie, wenn Sie an die Zukunft der Tante denken?“ Hierin liegt schon das Problem: Kann mich eine Sache sorgen? [… Ich bin] als Einziger in der Runde immer noch der Meinung – auch bei vielen anderslautenden Einträgen im Internet  –, dass eine Sache nicht sorgen kann, maximal Sorgen bereiten.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

Sie haben recht. In der deutschen Standardsprache kann das Verb sorgen nicht in dieser Weise verwendet werden:

nicht: *etwas sorgt jemanden
nicht: *Was sorgt Sie, wenn Sie an die Zukunft der Tante denken?
nicht: *Die hohe Jugendarbeitslosigkeit sorgt mich.

Wenn die Person, die Sorgen hat, Objekt des Satzes und das, was Sorgen bereitet, Subjekt des Satzes sein soll, muss eine etwas wortreichere Formulierung gewählt werden:

etwas bereitet/macht jemandem Sorgen
Was bereitet/macht Ihnen Sorgen, wenn Sie an die Zukunft der Tante denken?
Die hohe Jugendarbeitslosigkeit bereitet/macht mir Sorgen.

Im Zusammenhang mit Sorgen haben/bereiten kann das Verb sorgen nur reflexiv verwendet werden:

sich um etwas sorgen
Worum sorgen Sie sich, wenn Sie an die Zukunft der Tante denken?
Ich sorge mich um die arbeitslosen Jugendlichen.

Andere Formulierungsmöglichkeiten sind z. B.:

Worum machen Sie sich Sorgen, wenn Sie an die Zukunft der Tante denken?
Weshalb machen Sie sich Sorgen, wenn Sie an die Zukunft der Tante denken?
Ich finde die hohe Jugendarbeitslosigkeit besorgniserregend.

Alle diese Formulierungen sind vergleichsweise lang und komplex. Dennoch ist das so schön kurz und bündig abgefasste „Was sorgt Sie?“ standardsprachlich nicht üblich. Es könnte an dieser praktischen Kürze liegen, dass Formulierungen wie „Das sorgt mich (nicht)“ hin und wieder auftauchen. Andere Erklärungen könnten sein, dass regionalsprachlich eine ältere Nebenform „überlebt“ hat (vgl. Grimm, Ziffer 1-b-λ) oder dass hier die englische Konstruktion to worry someone = jemandem Sorgen bereiten einen Einfluss hat. Genaue Informationen dazu, woher diese „Kurzversion“ von Sorgen bereiten kommt, habe ich leider nicht.

Es heißt also nicht: „Was sorgt Sie?“, sondern zum Beispiel: „Was bereitet Ihnen Sorgen?“ Eine ganz andere Frage ist die folgende: Nachdem oben so viele Beispielsätze die Zukunft der Tante erwähnt haben, bin ich ganz neugierig geworden, welche besorgniserregenden Umstände der armen Tante denn bevorstehen könnten. Doch das ist keine Frage der Grammatik und bleibt deshalb an dieser Stelle ungeklärt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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