Das Fugenelement in der Bank[en]sprache

Es geht hier weniger um die Bankensprache oder Banksprache an sich als um das Fugenelement en in Zusammensetzungen mit Bank-:

Frage

Ich habe eine Frage zu Komposita mit dem Bestimmungswort Bank. Es gibt einerseits Komposita wie z. B. Bankgeheimnis, Bankkonto und Banknote, die allesamt im Duden aufgeführt sind und die ich auch so schreiben würde.

Daneben gibt es aber eine Reihe von Komposita, bei denen ich unsicher bin: Heißt es Bankensektor oder Banksektor? Bankenwesen oder Bankwesen? Banksprache oder Bankensprache? Interbankengeschäft oder Interbankgeschäft? Interbankzahlungen oder Interbankenzahlungen? Interbankkredite oder Interbankenkredite?

Ich vermute, dass in diesen Fällen beide Varianten möglich sind. Sind Ihnen dazu Tendenzen bekannt?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

die Faustregel für Fugenelemente in Zusammensetzungen sagt, dass man bei neuen Zusammensetzungen gleich vorgehen sollte wie bei bestehenden Zusammensetzungen mit dem gleichen Bestimmungswort. Neue Zusammensetzungen mit dem Bestimmungswort Bank sollten demnach gleich gebildet werden, wie bestehende Komposita mit Bank an erster Stelle.

Diese „Regel“ führt im Fall von Bank zu einem kleineren Problem: Es gibt gefestigte Komposita ohne Fugenelement (Bankkonto, Bankgeheimnis), aber auch Komposita mit dem Fugenelement en (Bankenaufsicht, Bankenviertel). Mehr als die genannte Faustregel steht uns aber nicht zur Verfügung. Grammatisch gesehen sind also jeweils beide Bildungen korrekt. Nur der allgemeint Gebrauch kann mit der Zeit bestimmen, was in den Wörterbüchern aufgenommen wird.

Ein mit der üblichen Vorsicht zu genießender Blick ins Internet zeigt, dass bei all Ihren Beispielen beide Formen vorkommen – oft allerdings in unterschiedlicher Häufigkeit.

  • Bankensektor häufiger als Banksektor
  • Bankwesen viel häufiger als Bankenwesen
  • Banksprache häufiger als Bankensprache
  • Keine deutliche Tendenz scheint es bei Interbank- vs Interbanken- zu geben.

Wie Sie richtig vermutet haben, dürfen also immer beide Varianten als korrekt angesehen werden. Sie können sich bei Ihrer Wahl nach der Häufigkeit, aber auch nach Ihrem eigenen Sprachempfinden richten. Wichtig ist höchstens, innerhalb eines Textes oder einer Textsorte (oder einer Firmenterminologie) möglichst konsequent immer zum Beispiel Interbankengeschäft oder Interbankgeschäft zu verwenden. Wären doch alle Bank[en]probleme so einfach!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Antonius Reyntjes schreibt:

    Januar 23, 2013 um 21:59

    Im (alten) Deutschen Wörterbuch findet sich nur ein Kompositum mit Fuenbildung „en“:
    Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Leipzig 1971. Online-Version vom 23.01.2013.

    „bankenrumpierig, bankbrüchig: o ihr bankenrumpirige, halten euch steif auf dem stul, es wird bürzlens gelten!“ (Fischarts Groszm. 27).

    Viele andere Wortbildungen stoßen im DWB direkt aufeinander: auch „Bankwesen“.

  2. Christoph schreibt:

    Januar 24, 2013 um 10:17

    „Ein mit der üblichen Vorsicht zu genießender Blick ins Internet zeigt, dass bei all Ihren Beispielen beide Formen vorkommen – oft allerdings in unterschiedlicher Häufigkeit“

    Hierfür eignet sich wunderbar der Einsatz von Google Fight:

    http://www.googlefight.com/index.php?word1=Bankensektor&word2=Banksektor