Archiv für Februar, 2014

Die Konjunktion »statt« statt der Präposition »statt«

Das Wörtchen statt sorgt oft für eine gewisse Unsicherheit. Es kann nämlich als Präposition, die den Genitiv fordert, aber auch als Konjunktion, die nicht fallbestimmend ist, verwendet werden (siehe hier). Wann statt in welcher Funktion auftreten kann oder muss, war (und ist) auch mir nicht immer klar. Es folgt ein Klärungsversuch anhand der Frage von H.:

Frage

a) Darf man in den folgenden beiden Sätzen den Dativ verwenden oder ist hier nur der Genitiv richtig?

Sie kommt statt ihres Bruders.
Sie kommt statt seiner.

Sie kommt statt ihrem Bruder.
Sie kommt statt ihm.

b) Kann „statt“ im folgenden Satz sowohl Präposition als auch Konjunktion sein?

Sie macht eine Torte statt eines Kuchens.
Sie macht eine Torte statt einen Kuchen.

Antwort

Guten Tag H.,

nach der Präposition statt kann standardsprachlich nicht der Dativ stehen (vgl. hier). Es heißt also nicht:

*Sie kommt statt ihrem Bruder.
*Sie kommt statt ihm.
*Sie macht eine Torte statt einem Kuchen.

Damit ist aber noch lange nicht alles gesagt. In Ihren Beispielen kann statt sowohl Präposition als auch Konjunktion sein. Welche Variante man hier wählt, ist eine stilistische Frage. Viele ziehen die Präposition mit Genitiv vor:

Sie kommt statt ihres Bruders.
Sie kommt statt seiner.
Sie macht eine Torte statt eines Kuchens.

Als Konjunktion ist statt hier im Prinzip auch korrekt. Dies wird aber nicht von allen als standardsprachlich gut akzeptiert:

Sie kommt statt ihr Bruder.
Sie kommt statt er.
Sie macht eine Torte statt einen Kuchen.

In Fällen wie diesen, das heißt in Verbindung mit einem Subjekt oder einem Akkusativobjekt, ist es deshalb zu empfehlen, die Präposition mit Genitiv zu verwenden (zu den üblichen Sonderfällen siehe hier).

In Verbindung mit einem Dativobjekt und in einer Präpositionalgruppe ist es umgekehrt zu empfehlen oder sogar obligatorisch, die Konjunktion statt zu verwenden:

Du solltest es lieber ihr statt ihm geben.

Hier steht ihm im Dativ, weil es wie ihr vom Verb geben abhängig ist, das den Dativ verlangt. Die Konjunktion statt hat keinen Einfluss auf den Fall des ihr nachfolgenden Wortes. Ebenso zum Beispiel:

Warum hilfst du ihnen statt deinen eigenen Kindern?
Sie hat es mir statt dir gesagt.

Auch bei Präpositionalgruppen scheint nur die Konjunktion statt üblich zu sein (meist mit Wiederholung der Präposition):

Ich gehe lieber mit dir statt [mit] meinem Bruder.
Warum bist du immer für ihn statt [für] mich?

Wenn hier die Präposition mit Genitiv verwendet wird, entstehen Sätze, bei denen die „Rollenverteilung“ unklar oder verwirrend ist:

*Du solltest es lieber ihr statt meiner geben.
*Warum hilfst du ihnen statt deiner eigenen Kinder?
*Sie hat es mir statt deiner gesagt.

*Ich gehe lieber mit dir statt meines Bruders.
*Warum bist du immer für ihn statt meiner?

Wenn statt in Verbindung mit einem Dativobjekt oder innerhalb einer Präpositionalgruppe steht, sollte man es deshalb als Konjunktion verwenden, die keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Wortes hat.

Es ist nicht einfach, eine klare Trennlinie zwischen der Präposition statt und der Konjunktion statt zu ziehen. Aus dem oben Gesagten lässt sich aber eine Regel – die ich vorsichtshalber lieber eine Tendenz oder eine Faustregel nenne – ableiten:

  • In Verbindung mit einem Subjekt oder Akkusativobjekt: besser Präposition statt mit Genitiv
  • In Verbindung mit einem Dativobjekt oder in einer Präpositionalgruppe: Konjunktion statt 

Mit einem einfachen „Nach statt steht der Genitiv!“ ist es also nicht getan. Es gibt Fälle, in denen man die nicht fallbestimmende Konjunktion statt statt der den Genitiv fordernden Präposition statt verwenden muss. (Diesen letzten Satz habe ich so kompliziert formuliert, weil er dann so schön zur Komplexität des Themas passt.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Macht die Pistole peng oder Peng?

Frage

Könnten Sie mir sagen, ob in den folgenden Fällen Groß- oder Kleinschreibung in der Verwendung von Onomatopoetika angebracht ist?

– Die Pistole machte P/peng.
– Es machte P/platsch, als er ins Wasser sprang.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

die Rechtschreibregel, die diesen Fall eindeutig beschreibt, muss ich Ihnen schuldig bleiben. Nach meinem Urteil kann hier sowohl klein- als auch großgeschrieben werden:

Die Pistole machte peng/Peng.
Es machte platsch/Platsch, als er ins Wasser sprang.

Dies in Anlehnung an vergleichbare Fälle, die man „offiziell“ (gemäß der zur amtlichen Regelung gehörenden Wörterliste) klein- oder großschreiben kann:

nein/Nein sagen
bravo/Bravo rufen
hurra/Hurra schreien 

Im Prinzip werden klangnachahmende Wörter und allgemein Interjektionen kleingeschrieben:

Peng, peng, peng! Drei Schüsse erklangen.
Dann sprang er, platsch, ins Wasser.
Denen hab ich’s gezeigt, hihi!

Man muss sie aber großschreiben, wenn sie als Substantiv verwendet werden (Regel):

Man hörte das Peng der Pistole.
Mit einem Platsch sprang er ins Wasser.
Lass doch dein albernes Hihi!

Bei peng/Peng machen und platsch/Platsch machen kann wie bei nein/Nein sagen und bravo/Bravo rufen nicht entschieden werden, ob es sich um eine Substantivierung handelt oder nicht. Entsprechend halte ich hier sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung für richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Let’s Play und die deutsche Rechtschreibung

Es kommen immer wieder neue Dinge zu uns, die sehr oft auch ihren englischen Namen mit sich bringen. Es ist meist nicht allzu schwierig, diese Neuankömmlinge einigermaßen in die deutsche Rechtschreibung einzupassen. Was ist aber zu tun, wenn ein Aufforderungssatz als Substantiv daherkommt?

Frage

Es gibt im Internet, besonders auf YouTube, sogenannte Let’s Plays. Das sind Videos, bei denen jemand ein Videospiel spielt, dabei kommentiert und diese Aufnahme dann veröffentlicht. Meine orthografische Frage dazu: Allgemein gebräuchlich ist eigentlich nur die Form „das Let’s Play“, wobei ich mich frage, ob das eigentlich mit einem Bindestrich geschrieben werden müsste. […]

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

Wenn dieser Ausdruck eine deutsche Zusammensetzung wäre, müsste er zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden. Der Apostroph legt hier natürlich die Schreibung mit Bindestrich nahe: das Let’s-Play. Dabei müsste allerdings play kleingeschrieben werden, das Let’s-play, weil play ja kein Substantiv, sondern ein Verb ist (vgl. hier und zum Beispiel Ad-hoc-Bildung, Make-up).

Let’s play ist aber ein englisches oder ein aus dem Englischen übernommenes Wort, das eine sehr spezielle Form hat. Es ist ein Aufforderungssatz, der als Nomen verwendet wird (Let’s play! = Lass uns spielen!). Diese Art englischer Wortschöpfung wird in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht berücksichtigt. Dort werden „nur“ Nomen-Nomen-Verbindungen wie Desktop-Publishing/Desktoppublishing, Verb-Partikel-Verbindungen wie Back-up/Backup und Adjektiv-Nomen-Verbindungen wie High Society behandelt (vgl. hier).

Ich finde es deshalb gerechtfertigt, hier frei zu improvisieren und einfach die englische Schreibweise zu übernehmen. (Die Großschreibung scheint auch im Englischen häufig vorzukommen, siehe hier.)

das Let’s Play
die Let’s Plays

Es trifft sich gut, ist aber nicht ganz zufällig, dass dies offenbar auch die in den meisten deutschen Texten gebräuchliche Schreibung ist.

Ganz auf den Bindestrich verzichten möchte ich dann aber doch nicht. In Zusammensetzungen mit Let’s Play sollten Sie Bindestriche verwenden (vgl. hier):

ein Let’s-Play-Video
die Let’s-Play-Szene

Wie wäre es, wenn ich diese Erklärung als eine Art orthographisches Let’s Play anbieten könnte? – Ein solches Video wäre wohl nicht viel interessanter als der trockene Text, den Sie soeben gelesen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ihr alle, die mir gratuliert hab… – wie geht’s weiter?

Frage

Deutsch ist meine Muttersprache, doch sicher gibt es dennoch immer mal etwas, worüber es sich nachzudenken lohnt. So meinte letztens jemand, er müsste mich darauf aufmerksam machen,

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

sei falsch. Er teilte mir aber nicht mit, welche Korrektur ihm vorschwebte. […] Ganz ungebräuchlich, wenn auch richtig, klingt für mich:

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr mir zum Geburtstag gratuliert habt.

Alles in allem: Ist das ursprünglich Geschriebene falsch? […]

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

in diesem Fall haben Sie die eher ungewöhnliche Formulierung gewählt. Wenn ein Relativpronomen das Subjekt des Relativsatzes ist und sich auf ein Pronomen der ersten oder zweiten Person bezieht, wird normalerweise hinter dem Relativpronomen der Nominativ des Personalpronomens eingefügt. Das Verb richtet sich dann nach diesem Personalpronomen. Das klingt kompliziert, es wird aber wie so oft mit Hilfe einiger konkreter Beispiele einfacher:

Ich, die ich immer mein Bestes getan habe
Wer will dir schon helfen, der du immer alles besser weißt.
Es ist für uns besonders schlimm, die wir uns so lange darauf vorbereitet haben.
Euch, die ihr den guten Mann schon lange gewarnt habt, macht er nun Vorwürfe.

Und entsprechend in Ihrem Beispielsatz:

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr mir zum Geburtstag gratuliert habt.

Das Personalpronomen wird seltener auch wie in Ihrem ersten Satz weggelassen. Dann steht das Verb in der dritten Person (vgl. auch hier):

Ich, die immer allen zu helfen versucht
Wer will dir schon helfen, der immer alles besser weiß.
Es ist für uns besonders schlimm, die sich so lange darauf vorbereitet haben.
Euch, die ihn schon lange gewarnt haben, macht er nun Vorwürfe.

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

Diese Formulierungen gelten ebenfalls als richtig, sie sind aber eher unüblich. Sie lassen auch mich beim Lesen stutzen, weil es hier tatsächlich einen Konflikt gibt zwischen der ersten oder zweiten Person, auf die sich der Relativsatz bezieht, und der dritten Person, die das Relativpronomen normalerweise fordert. Diesen Konflikt überbrücken wir, die wir solche Unklarheiten nicht mögen, dann häufig, indem wir das entsprechende Personalpronomen in den Relativsatz „hineinschmuggeln“. Kurz: Ihre ursprüngliche Formulierung ist zwar richtig, aber weniger gebräuchlich als Ihr zweiter Vorschlag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kann etwas als etwas qualifizieren?

Frage

Kann ich die folgenden Sätze so stehenlassen? Das Verb „qualifizieren“ kenne ich in dieser Bedeutung/Verwendung nicht.

Sie können auf einen Anhang verzichten, sofern sie nicht als große Unternehmen qualifizieren.
Das ist eine Beschränkung auf Unternehmen, die als Beteiligung qualifizieren.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

diese Verwendung von qualifizieren ist im Deutschen nicht üblich. Es ist vermutlich eine wörtliche Übersetzung des englischen to qualify as sth. mit der Bedeutung die Voraussetzungen für etwas erfüllen, als etwas bezeichnet werden können. Gemeint ist wohl so etwas wie:

… sofern sie keine großen Unternehmen sind.
… sofern sie nicht als große Unternehmen gelten.
… welche die Bedingungen/Voraussetzungen für eine Beteiligung erfüllen.

Bevor ich nun aber kategorisch erkläre, die zitierten Sätze seien schlichtweg falsch, möchte ich noch eine kleine Nuance anbringen: Es scheint im Jargon der Finanzwelt üblich zu sein, qualifizieren in dieser Weise zu verwenden. Man könnte in einem von Fachleuten für Fachleute geschriebenen Text vielleicht erwägen, stirnrunzelnd nur ein Fragezeichen dahinter zu setzen. Jede Fachsprache hat nun einmal ihre Eigenheiten. In allen anderen Textarten würde ich aber zum Rotstift greifen. Dort qualifiziert dieses qualifizieren als sozusagen als Fehler.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das »fert« in »fertig«

Die Frage ist schon etwas älteren Datums, aber sie kam mir heute beim Anblick des Wortes fertig wieder in den Sinn. Es ist ein unauffälliges und auf den ersten Blick kaum weiter erwähnenswertes Wort. Wenn man aber genauer hinsieht, ist es ein Beweis dafür, dass die Sprachentwicklung ursprünglich leicht Durchschaubares im Laufe der Zeit vollständig undurchsichtig werden lassen kann.

Frage

Vielleicht einfach aber dennoch diskutiert: „fertig“ = Wortstamm „fert“ und Endung „ig“? Oder gibt es eine andere Erklärung, da „fert“ als Wort nicht existiert und alle zusammengesetzten Wörter „fertig“ als Bestandteil haben.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

beim Wort fertig ist tatsächlich die Endung ig zu erkennen, mit der häufig Adjektive gebildet werden. Zum Beispiel:

ehrgeizig, bärtig, rutschig, abhängig, faulig, sofortig

Im Gegensatz zu Ehrgeiz, Bart, rutschen, abhängen, faul und sofort gibt es das Grundwort fert aber nicht – oder besser gesagt: nicht mehr. Das Wort fertig gab es bereits im Althochdeutschen als fartîc, fertîc. Ursprünglich hatte es die Bedeutung zur Fahrt bereit. Wenn man abfahrtbereit war, war man also fährtig. Damals war alles noch deutlich durchschaubar. Dann haben sich die Wörter Fahrt und fertig aber durch die Jahrhunderte hinweg selbstständig weiterentwickelt, und zwar so, dass der Zusammenhang zwischen ihnen heute nicht mehr ersichtlich ist. Die Sprachentwicklung hat den Ursprung des Wortes fertig undurchsichtig gemacht. Nur die Endung ig zeigt noch, dass es einmal ein abgeleitetes Wort war.

Wenn man sich etwas tiefer mit der Wortbildung beschäftigt, trifft man auf allen Ebenen auf solche halbwegs bis ganz „verdüsterte“ Wortbildungen. Hier nur ein paar Beispiele:

emsig: zu veraltet Emse „Ameise“
fähig: zu mittelhochdt. vahen, einer alten Form von fangen
scheußlich: mittelhochdt. schiuzlich, zu schiuzen „Abscheu empfinden“
schleunig(st): mittelhochdt. sliunec, zu sliune „eilig“ und sliunen „beeilen“.
berüchtigt: Partizip von berüchtigen „ins Gerede bringen“, vgl. ruchbar „öffentlich bekannt“
erlaucht: mittelhochdt. (mitteldt.) erluht, Partizip von erluhten „erleuchten“

Auch bei den Substantiven gibt es solche undurchsichtigen Bildungen. So muss Unflat (widerlicher Schmutz, Dreck) verneinter *Flat sein, aber das Grundwort vlat (Schönheit, Zierlichkeit) kennen wir nicht mehr. Die Himbeere war wahrscheinlich eine Beere der Hinde, hintberi, die wir klanglich abgeschliffen haben. Und die Nachtigall war einmal eine Zusammensetzung von Nacht und einem angenommenen germanischen Verb *galan (singen), also eine Nachtsängerin.

Bei vielen solchen undurchsichtigen Wörtern machen wir uns weiter keine Gedanken. Manchmal aber wollen wir doch wieder Ordnung in die Sache bringen. Dann interpretieren wir volksetymologisch um. Die Sintflut (große Flut) machen wir zur Sündflut oder das Eichhörnchen (aikurna) zu einer Zusammensetzung aus Eiche und einem kleinen Horn (mehr dazu hier). Doch beim Schmetterling geben es die meisten dann wieder auf. Das zarte Insekt kann einfach nichts mit schmettern zu tun haben (hat es auch nicht, siehe hier).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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O, o – das olympische Feuer an den Olympischen Spielen

Ich muss zugeben, dass ich kein besonders sportlicher und schon gar kein sportinteressierter Mensch bin. Aber man sollte ja trotzdem „etwas“ tun, um mit zunehmendem Alter nicht ganz einzurosten und die Konfektionsgrößen nicht allzu schnell zu wechseln. Da die Fingerbewegungen auf der Tastatur und die Beinarbeit beim Kaffeeholen nicht ausreichen und sich das Radfahren im Winter auf das Notwendigste beschränkt, kann man auch mich regelmäßig als Jogger verkleidet durch die Natur keuchen sehen. Ich bin dann immer recht stolz auf meine Leistung, bis mich dann wirklich sportliche Leute offenbar ohne größere Anstrengung leichtfüßig überholen. Soweit zum aktiven Sportler. Auch als „Passivsportler“ tauge ich nicht viel. Die Fußball- und Skisaisons gehen von mir unbemerkt vorbei – soweit das bei der großen Medienpräsenz möglich ist – und andere Sportarten verfolge ich mit ebenso geringem Interesse. Das hat übrigens keine tiefere Bedeutung. Ich verstehe den Spaß am Sport und gönne ihn allen. Es ist nur nicht meine Sache.

Die gestern offiziell eröffneten Olympischen Winterspiele können mich entsprechend nur mäßig fesseln. Deshalb hier nur kurz etwas Orthographisches „zum Thema“: Es gibt eine starke Neigung, das Adjektiv olympisch großzuschreiben. Das ist aber nur dann richtig, wenn es Teil eines Eigennamens ist:

die Olympischen Spiele
die Olympischen Winterspiele
das Internationale Olympische Komitee (IOK)

Wenn es sich als „gewöhnliches“ Adjektiv auf die Olympischen Spiele bezieht, schreibt man es klein (vgl. hier):

das olympische Dorf
der olympische Eid
das olympische Feuer

Den Sportlern und Sportlerinnen in Sotschi ist es aber bestimmt egal, ob sie um orthographisch korrekte olympische Medaillen oder um nicht ganz richtig geschriebene *Olympische Medaillen wetteifern. Und allen Olympiafans wünsche ich viel olympischen Sportgenuss!

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Solang, sooft, soviel, soweit – oder doch getrennt?

Achtung: trockene Kost für Rechtschreiber und Rechtschreiberinnen! 

Frage

Nachfolgend Auszüge aus dem Newsletter […] zum Thema so viel/soviel, so weit/soweit:

Wir werden Sie auch 2014 mit interessanten Themen rund um die deutsche Sprache versorgen, soweit können Sie sich sicher sein.

In Einzelfällen sind beide Lesarten möglich: Sie können die Bibliothek benutzen, sooft Sie wollen. Sie können die Bibliothek benutzen, so oft und so lange Sie wollen.

Meine Fragen:

  1. Ist die Zusammenschreibung in „soweit können Sie sicher sein“ korrekt?
  2. Ist die (alternative) Getrenntschreibung der Konjunktion „sooft“ in „so oft und so lange Sie wollen“ wirklich „zulässig“?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

1. Die Zusammenschreibung soweit im ersten Satz halte ich für falsch. Richtig wäre:

 … so weit können Sie sich sicher sein.

Das Wort soweit wird dann zusammengeschrieben, wenn es als Konjunktion einen Nebensatz einleitet. Hier ist es aber eine Adverbialbestimmung in einem Hauptsatz. Das zeigt unter anderem die Zweitstellung der konjugierten Verbform können. Vgl.

Nebensatzeinleitung
falls Sie sicher sein können.
soweit Sie sicher sein können.

Adverbialbestimmung
in dieser Hinsicht können Sie sicher sein.
so weit können Sie sicher sein.

Außerdem hat die Konjunktion soweit eine andere Bedeutung als die adverbiale Fügung so weit:

Konjunktion
soweit ich weiß (soweit = nach dem, was)
soweit ich dazu in der Lage bin (soweit = in dem Maße, wie; falls, vorausgesetzt dass) 

Adverbiale Fügung
Wirf den Ball, so weit du kannst! (so weit = so weit [weg,] wie …)
so weit können Sie sicher sein (so weit = bis zu diesem Punkt; in dieser Hinsicht)

2. Beim zweiten Beispiel würde ich eher zusammenschreiben. Die Getrenntschreibung ist aber ebenfalls möglich:

Sie können die Bibliothek benutzen, sooft und solange Sie wollen.
Sie können die Bibliothek benutzen, so oft und so lange Sie wollen.

Das liegt wieder einmal an einer ungenauen Abgrenzung: Der Übergang von adverbialer Fügung zu eigenständiger Konjunktion ist fließend.

a) Eindeutig um adverbiale Fügungen handelt es sich bei so laut und so schnell in den folgenden Beispielen:

Schreie, so laut du kannst!
Du kannst laufen, so schnell du willst, du kommst doch zu spät.

b) Bei so weit/soweit und so viel/soviel gibt es zwischen der adverbialen Fügung und der Konjunktion einen deutlichen Bedeutungsunterschied. Dieser Bedeutungsunterschied vereinfacht die Entscheidung, ob getrennt oder zusammengeschrieben werden muss. Siehe oben unter 1) die Beispiele mit soweit/so weit und:

Du kannst essen, so viel du willst. (so viel, wie)
Es ist genug da, soviel ich weiß. (nach dem, was)

Einfach nur fahren, so weit das Benzin reicht. (so weit, wie)
Wir werden das Ziel erreichen, soweit das Benzin reicht. (falls)

c) Bei so oft/sooft und so lang(e)/solang(e) hingegen gibt es zwischen der getrennt geschriebenen adverbialen Fügung und der zusammengeschriebenen Konjunktion am Anfang eines Nebensatzes keinen großen Bedeutungsunterschied. Hier der Versuch einer Bedeutungsbeschreibung:

sooft = jedes Mal wenn; immer wenn; wie oft auch immer
so oft[, wie] = (u. a.) jedes Mal wenn

solang = während der Zeit, da; für die Dauer, da; innerhalb der Zeit, in der
so lang[, wie] = (u. a.) während der Zeit, da

Das hat zur Folge, dass man manchmal nicht entscheiden kann, ob es sich am Anfang eines Nebensatzes um eine adverbiale Wendung oder um eine Konjunktion handelt. Meine Empfehlung ist deshalb, sooft und solang(e) immer als Konjunktion zusammenzuschreiben, wenn sie am Anfang eines Nebensatzes stehen

Sie können uns besuchen, solange Sie wollen.
Sie können uns besuchen, sooft Sie wollen.

Dies ist auch die Empfehlung, die man implizit oder explizit in den Rechtschreibwörterbüchern findet.

Es gibt allerdings eine Einschränkung: In den folgenden Fällen würde auch ich zur Getrenntschreibung raten:

Schreie, so lange und so laut du kannst!
Wir werden dir helfen, so oft und so gut wir können.

Die adverbialen Fügungen so laut und so gut legen hier nahe, dass auch so lange und so oft als adverbiale Fügungen zu verstehen sind.

Und dann der Zweifelsfall dazwischen, um den es in Ihrer Frage ging. Hier halte ich, wie gesagt, beide Schreibungen für vertretbar:

Sie können uns besuchen, sooft und solange Sie wollen.
Sie können uns besuchen, so oft und so lange Sie wollen.

Denn – so viel wissen regelmäßige Leserinnen und Leser des Blogs bestimmt – es geht natürlich nie ohne Außer, Wenn und Aber.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

 

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Wie man jemanden orthographisch korrekt kennen(-) und schätzen lernt

Frage

Habe im Duden nachgeschaut. Die Empfehlung: „kennengelernt“ zusammen,
jedoch „schätzen gelernt“ getrennt. Also:

Ich habe ihn kennen- und schätzen gelernt.

So? Habe ich das richtig verstanden?

Antwort

Guten Tag W.,

Sie haben es richtig verstanden. Man schreibt schätzen lernen immer getrennt und kann kennen lernen oder kennenlernen schreiben. Wenn man die beiden Verben zusammen verwendet, gibt es also zwei mögliche Schreibweisen:

1a) Ich habe ihn kennengelernt und schätzen gelernt.
1b) Ich habe ihn kennen gelernt und schätzen gelernt.

Lässt man nun in dieser Aufzählung das erste gelernt weg, ergeben sich entsprechend die folgenden beiden Schreibweisen:

2a) Ich habe ihn kennen- und schätzen gelernt.
2b) Ich habe ihn kennen und schätzen gelernt.

Sofern Sie sich an die – übrigens unverbindliche – Duden-Empfehlung (kennenlernen) halten, wählen Sie 2a). Wenn der zweite Teil eines Wortes weggelassen wird, gibt man dies mit einem Ergänzungsstrich an. Gegen die Schreibung ohne Ergänzungsstrich ist hier allerdings auch nichts einzuwenden. Sie entspricht ebenfalls den „Anforderungen“ der amtlichen Rechtschreibregelung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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