Archiv für März, 2014

Die Namen der Fälle

Die Fälle gehören sozusagen zu meinem Handwerkszeug. Ich schlage mich fast täglich mit den Begriffen Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ herum. Ich hatte zwar schon eine Ahnung, woher diese Namen kommen und was sie ungefähr bedeuten, aber ich habe es nun endlich einmal für mich herausgesucht – und für Sie.

Die Begriffe Kasus, Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ haben wir wie so viele andere zusammen mit der traditionellen Grammatik von den Lateinern übernommen. Diese wiederum verwendeten für ihre Sprachbeschreibung Lehnübersetzungen aus der griechischen Grammatik.

Fangen wir mit Fall an: Das deutsche Wort ist die wörtliche Entsprechung des lateinischen Wortes casus. Es ist in dieser Bedeutung eine Übersetzung des griechischen Wortes ptõsis (das Fallen, der Fall), das schon von den alten griechischen Grammatikern für die Bezeichnung der grammatischen Fälle verwendet wurde.

Der Nominativ war der (casus) nominativus, der benennende Fall. Bei den Griechen hieß er onomastiké ptõsis, wörtlich namengebender Fall. Es ist der Fall, den man beim Bennennen verwendet. Das gleiche nomin- steht zum Beispiel auch im Fachwort Nominalwert. Nominalwert oder Nennwert ist die Bezeichnung des Wertes, der auf einer Münze, einer Banknote o. Ä. angegeben wird.

Der Genitiv geht über (casus) genitivus auf geniké ptõsis zurück, den die Gattung, Herkunft, Abstammung bezeichnenden Fall. Im Lateinischen wurde er als Fall interpretiert, der die Abhängigkeit eines Substantivs von einem anderen angibt. Dem gen in Genitiv begegnen wir auch zum Beispiel in Generation, genetisch, das Gen usw.

Der Dativ kommt von (casus) dativus und dieser von dotiké ptõsis, zum Geben gehörender Fall. Es ist der Fall, in dem häufig die Person oder Sache steht, die bei einem Verb des Gebens das Gegebene erhält. Das lateinische Adjektiv dativus ist von datum abgeleitet, dem zum Verb dare = geben gehörenden Partizip. Das dat in Dativ finden wir unter anderem auch in dem heute so wichtigen Wort Daten. Die Daten sind eigentlich nichts anderes als das Gegebene. Die Bezeichnung Datum für die Angabe eines bestimmten Tages geht auf den lateinischen Gebrauch zurück, in Briefen anzugeben, wann ein Schriftstück datum, also gegeben oder ausgestellt wurde.

Bleibt noch der Akkusativ. Er kommt von (casus) accusativus, der zur Anklage gehörende Fall (vgl. engl. to accuse, frz. accuser). Hier sind sich viele Gelehrte – aber natürlich nicht alle! – einig, dass den Lateinern bei der Übersetzung des griechischen Begriffes aitiatiké ptõsis ein Fehler unterlaufen sei. Gemeint sei nicht der Fall der Anklage, des Anklagens, sondern der Fall der Ursache, des Grundes. Auf die Details der Diskussion will ich hier nicht weiter eingehen, das könnte Ihre (und nicht zuletzt auch meine) Geduld überstrapazieren.

Bei den Fällen haben wir es also wortgeschichtlich mit dem Nennfall, dem Herkunftsfall, dem Gebefall und dem Anklagefall zu tun. Das ist auf den ersten Blick relativ aussagekräftig, aber ich bezweifle, dass diese Namen viel hilfreicher sind als die üblichen deutschen Bezeichnungen Werfall, Wesfall, Wemfall und Wenfall.

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Wenn Sie bzw. eine andere Person mit dem Auto anreis…

Im Prinzip ist es ja ganz einfach: Das Verb richtet sich in Person und Numerus nach dem Subjekt. Problematisch wird es dann, wenn das Subjekt aus mehreren unterschiedlichen Teilen besteht. Das ist genau das Problem, vor das sich Frau J. gestellt sieht:

Frage

Ich benötige Ihre Hilfe bei folgendem Satz:

Wenn Sie bzw. die von Ihnen genannte Person mit dem Auto anreisen, geben Sie uns Bescheid.

Das Verb „anreisen“ passt ja eigentlich nur für „Sie“, nicht aber bei „wenn die von Ihnen berechtige Person mit dem Auto anreisen“. Wie gehe ich hier vor?

Antwort

Sehr geehrte Frau J.,

eine in Stein gemeißelte Regel zu dieser Frage gibt es nicht. Wenn das Subjekt eines Satzes aus zwei Teilen besteht, die mit oder oder bzw. verbunden sind und unterschiedlichen grammatischen Personen entsprechen, richtet sich das Verb meistens nach der Person, die ihm am nächsten steht.

Für Ihr Beispiel bedeutet diese wortreiche Erklärung, dass das Verb sich nach die von Ihnen genannte Person richtet, weil dieser Teil des Subjekts näher beim Verb steht:

Wenn Sie bzw. die von Ihnen genannte Person mit dem Auto anreist, geben Sie uns Bescheid.

Oder umgekehrt:

Wenn die von Ihnen genannte Person bzw. Sie selbst mit dem Auto anreisen, geben Sie uns Bescheid.

Zwei weitere Beispiele:

Entweder du oder sie kommt jetzt sofort her.
Entweder sie oder du kommst jetzt sofort her.

Ihr oder eure Vertretung wird rechtzeitig informiert werden.
Eure Vertretung oder ihr werdet rechtzeitig informiert werden.

Manche Stirn wird sich beim Lesen dieser Beispielsätze runzeln. Zusammenziehungen dieser Art klingen oft holprig oder gezwungen. Deshalb folgt nun noch ungefragt ein stilistischer Rat: Am besten vermeidet man solche Zusammenziehungen, zum Beispiel durch eine Umschreibung mit einem (unbestimmten) Pronomen:

Du oder sie, eine von euch kommt jetzt sofort her!
Wir werden euch resp. eure Vertretung rechtzeitig informieren.
Wenn jemand, d. h. Sie bzw. die von Ihnen genannte Person, mit dem Auto anreist, geben Sie uns Bescheid.

Oder vielleicht noch besser einfach:

Bei Anreise mit dem Auto geben Sie uns Bescheid.

Siehe auch die entsprechende Beschreibung auf dieser Seite.

Ich finde Fälle wie diesen ein schönes Beispiel dafür, dass man nicht immer versuchen sollte, auf Biegen und Brechen eine grammatisch korrekte Lösung zu finden. Guter Umgang mit Sprache kann sich auch darin zeigen, dass man solche Hürden elegant umgeht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Fußballfeld als Maßeinheit

Frage

Bei uns ist folgendes Problem aufgetaucht: Welche Schreibung ist richtig?

die 30 fußballfeldergroße Anlage
die 30 fußballfelder-große Anlage
die 30 Fußballfelder große Anlage

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

die korrekte Schreibung ist:

die 30 Fußballfelder große Anlage

Hier wird Fußballfelder als Maßangabe verwendet. Die Größe der Anlage wird mit Hilfe der Maßeinheit »Fußballfeld« angegeben. Sie ist in den exakten Wissenschaften zwar unüblich, aber im Alltagsgebrauch für viele gut verständlich. Man muss nicht unbedingt Fan von Bayern München, Rapid Wien oder des FCB sein, um eine ungefähre Vorstellung der Größe eines Fußballfeldes zu haben. Obwohl Fußballfelder unterschiedlich groß sein können, sind sie für ungefähre Flächenangaben in allgemeinen Texten oft besser geeignet als abstrakte hohe Quadratmeterzahlen. Bei der Angabe 30 Fußballfelder habe ich zwar auch nur eine ungenaue Vorstellung, aber sie ist für mich dennoch um einiges verständlicher als die Angabe ca. 200 000 m². Doch ich schweife wieder einmal ab. Zurück zu Ihrer Frage:

Die Einheit »Fußballfeld« wird in der Rechtschreibung gleich behandelt wie die bekannteren Maßeinheiten:

Der Turm ist 20 Meter hoch.
der 20 Meter hohe Turm

Der Stau ist drei Kilometer lang.
der drei Kilometer lange Stau

Die Anlage ist 25 Jahre alt.
die 25 Jahre alte Anlage

Und genau gleich:

Die Anlage ist 30 Fußballfelder groß.
die 30 Fußballfelder große Anlage

Völlig ausgeschlossen ist die zusammengeschriebene Form fußballfeldergroß übrigens nicht. Genauso wie es meterhohe Barrikaden, kilometerlange Staus und jahrelange Bemühungen gibt, kann es auch

eine fußballfeldergroße Anlage

geben. Gemeint sind hier ungenaue Angaben, nämlich ungefähr einen oder mehrere Meter hohe Barrikaden, mehrere Kilometer lange Staus, mehrere Jahre dauernde Bemühungen und genauso (Regel):

die fußballfeldergroße Anlage = die mehrere Fußballfelder große Anlage

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Spitze! Klasse! Spitzenklasse!

Spitze! Klasse! Spitzenklasse! Ob zur gesprochenen Umgangssprache gehörende Wörter groß- oder kleingeschrieben werden, ist eigentlich nicht so wichtig. Wer aber umgangssprachliche Äußerungen schriftlich wiedergeben will, muss sich trotzdem manchmal mit dieser Rechtschreibfrage beschäftigen.

Frage

Wie wird die Aussage „Das ist spitze“ richtig geschrieben? M. E. handelt es sich hierbei um ein Adjektiv und wird kleingeschrieben. Ich habe es als Überschrift in der Zeitung schon oft großgeschrieben entdeckt.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Sie haben recht, dass hier spitze als Adjektiv im Sinne von ausgezeichnet, toll kleingeschrieben wird:

Das ist spitze!
Ich finde das spitze!

Auch in diesen Fällen wird spitze kleingeschrieben:

Candy Crush ist ein spitze Spiel!
Sie hat das wieder mal spitze hingekriegt!

Siehe auch spitze im Rechtschreibwörterbuch.

Bei einem verwandten Begriff, nämlich klasse, geht man genau gleich vor:

Das ist klasse!
Ich finde das klasse!
Candy Crush ist vielleicht doch nicht so ein klasse Spiel.
Sie hat das wieder mal klasse gemacht!

Wenn die Wertung klasse! nicht ausreicht und spitze!! auch mit zwei Ausrufezeichen dem Enthusiasmus nicht gerecht wird, gibt es noch eine Steigerungsform:

Spitzenklasse!

Zu meinem Erstaunen sind sich die Wörterbücher einig, dass hier großgeschrieben werden soll:

Das ist Spitzenklasse!
Ich finde das Spitzenklasse!

Ich finde die Großschreibung hier fragwürdig und nicht gerade konsequent. Doch wenn man sich an die Angaben der Wörterbücher halten will oder muss und dies einmal weiß, ist es keine höhere Hexenkunst. Problematisch wird es dann, wenn dieses Wort vor einem Substantiv steht oder als Adverb verwendet wird, also in Fällen wie diesen:

Das ist ein klasse/spitze Spiel.
Sie hat es wieder mal klasse/spitze gemacht.

Da in keinem Wörterbuch Angaben oder Beispiele zu dieser Verwendung zu finden sind, muss ich selbst entscheiden. Und ich bin hier eindeutig für die Kleinschreibung, weil es sich in dieser Stellung um ein Adjektiv resp. ein Adverb handeln muss:

Das ist ein spitzenklasse Spiel!
Sie hat es wieder mal spitzenklasse gemacht.

Ich wünsche Ihnen ein spitze, klasse, nein wunderschönes Wochenende!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beizug, Beiziehung, Hinzuziehung

Es ist wohl für kaum jemanden neu, dass es im Deutschen auf der Ebene des Wortschatzes regionale Unterschiede gibt. Viele kennen bestimmt auch die Standardbeispiele wie das schweizerische Verb parkieren für parken und das österreichisch die Marille für die Aprikose. Ein weniger bekanntes und weniger auffallendes Beispiel hat Herr M. für uns gefunden: beiziehen und Beizug.

Frage

Weshalb ist das Wort „Beizug“ nicht im Duden enthalten? Gibt es dieses Wort überhaupt, wird es nur umgangssprachlich verwendet? Satzbeispiel: „Auf den Beizug des Brandermittlers wurde verzichtet.“ Oder ist es „besser“ bzw. korrekt, „Beiziehung“ zu verwenden?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

warum das Wort Beizug nicht im Duden steht, müssten Sie die Dudenredaktion fragen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Beizug ein Wort ist, das vor allem in der Schweiz, das heißt in der schweizerischen Variante des Standarddeutschen, verwendet wird.

Im südöstlichen Teil Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz kennt man das Verb beiziehen mit der Bedeutung dazunehmen, heranziehen:

Zur Aufklärung des Sachverhalts kann das Gericht externe Akten beiziehen.
Es ist wichtig, einen Tierarzt beizuziehen, um organische Ursachen auszuschließen.

Allgemein wird im Deutschen in diesen Fällen eher das Verb hinzuziehen verwendet:

Zur Aufklärung des Sachverhalts kann das Gericht externe Akten hinzuziehen.
Es ist wichtig, einen Tierarzt hinzuzuziehen, um organische Ursachen auszuschließen.

In Ihrem Satz steht aber nicht das Verb, sondern eine Substantivierung. Dort ist die Situation noch komplexer. Allgemeindeutsch heißt es dann:

unter Hinzuziehung eines/einer Sachverständigen

Im südlichen Deutschland und in Österreich bleibt man hier beim Verb beiziehen:

unter Beiziehung eines/einer Sachverständigen

Auch in der Schweiz bleibt man dem Verb beiziehen treu, es wird aber häufig eine andere Substantivierung verwendet:

unter Beizug eines/einer Sachverständigen

Hinzuziehung, Beiziehung und Beizug: alle Formen sind korrekt gebildet und in einem konkreten Kontext zweifellos überall gut verständlich. Die drei Varianten sind nur nicht überall gleich gebräuchlich.

In der Schweiz können Sie korrekt drei verschiedene Varianten verwenden:

Auf den Beizug des Brandermittlers wurde verzichtet.
Auf die Beiziehung des Brandermittlers wurde verzichtet.
Auf die Hinzuziehung des Brandermittlers wurde verzichtet.

Keine der Varianten ist „korrekter“ als die anderen. Am häufigsten kommt aber in der Schweiz das Wort Beizug vor. Das ist deshalb auch die Form, die ich Ihnen empfehlen würde, wenn Sie in der Schweiz für die Schweiz schreiben. Aber auch jenseits der Grenze wird in Deutschland und Österreich Beizug kaum auf absolutes Unverständnis stoßen.

Diese Angaben habe ich übrigens unter Hinzuziehung/Beiziehung/Beizug des Variantenwörterbuchs des Deutschen* zusammengestellt, das für alle, die regionale Sprachvariation mögen, sehr nützlich und interessant ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin/New York, de Gruyter, 2004.

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Nicht als Ärger, nichts wie weg!

Frage

Mein Telekommunikationsdienster (betrifft alle :-)) macht nichts als Ärger. Man würde hier nicht „wie“ benutzen. Warum sagt man dann „Nichts wie weg!“?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

wie Ihr Stoßseufzer über den Telefonanbieter zeigt, steht nach nichts standardsprachlich als, nicht wie:

Er macht nichts als Ärger.
Nichts als Ratlosigkeit auf der Krim
Sie wollte nichts als weggehen und in Ruhe gelassen werden.

Rein umgangssprachlich (und standardsprachlich nichkt korrekt) kommt in solchen Sätzen mit nichts auch wie vor:

Er macht nichts wie Ärger.
Sie wollte nichts wie weggehen und ihre Ruhe haben.

Die Formulierung

Nichts wie weg!

gehört ebenfalls zur Umgangssprache und ist dort zu einer festen Wendung geworden. Es wäre auf dieser Sprachebene sogar falsch, „nichts als weg!“ zu sagen. Umgekehrt wird „nichts wie weg!“ kaum in einem formelleren standardsprachlichen Zusammenhang verwendet, in dem nach nichts ausschließlich als richtig ist. In dieser Weise bleiben die beiden Sprachebenen hier einmal säuberlich getrennt.

Wenn also jemand nichts als Ärger macht, denkt man für sich ganz umgangssprachlich: „Nichts wie weg!“, sagt aber standardsprachlich und formell: „Ich habe leider noch einen Termin.“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn Modul Q 64 an Deckenleuchten gekoppelt wird

Wer häufiger Beschreibungen für Kataloge u. Ä. oder eher technische Texte durch die Tastatur fließen lässt, kennt das Problem der Bezeichnungen von Produkten, Modellen und Typen, die aus Buchstaben, Zahlen und sonstigen für Laien schwer zu deutenden Teilen bestehen: Was ist zu tun, wenn diese Bezeichnungen als Teil einer Zusammensetzung vorkommen? Es folgt ein Lösungsvorschlag am Beispiel von Decken-, Wand- und Pendelleuchten.

Frage

Heute mal eine Anfrage zum (wohl leidigen) Bindestrichproblem: In einer Zeitschrift fand ich verschiedene Bezeichnungen von Leuchten, verbunden mit dem Artikelnamen:

Modul Q 64 Deckenleuchten
Air Maxx LED 250 Wandleuchten
Modul R 120 XL Pendelleuchten

Müsste da nicht zumindest vor dem Wort „Deckenleuchten“ oder „Wandleuchten“ ein Bindestrich stehen oder gar der ganze Begriff durchgekoppelt werden (was natürlich übel aussehen würde)?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

wenn man die Rechtschreibregeln genau anwendet, ist es ganz einfach. Ausdrücke wie diese müssen durchgekoppelt werden, das heißt, zwischen allen Teilen der Zusammensetzung steht ein Bindestrich:

Modul-Q-64-Deckenleuchten
Air-Maxx-LED-250-Wandleuchten
Modul-R-120-XL-Pendelleuchten

Sie werden also gleich behandelt wie andere Zusammensetzungen mit Abkürzungen, Zahlen und Ziffern (siehe hier und hier):

der 800-m-Lauf
das 1.-Kl.-Abteil

Aus nicht ganz unbegreiflichen Gründen geschieht dies aber bei Modell- und Typenbezeichnungen häufig nicht. Viele mögen diese Anhäufung von Bindestrichen nicht. Andere wollen oder – problematischer – dürfen von Firmen vorgeschriebene Bezeichnungen nicht verändern. Der ersten Gruppe könnte man den Bindestrich eventuell einfach vorschreiben, bei der zweiten Gruppe wird es schwieriger. Wenn die Auftraggeber oder Auftraggeberinnen sich nicht durch das Argument der Rechtschreibregelung zermürben lassen und darauf beharren, dass ihre Produktbezeichnung nicht durch Bindestriche „verhunzt“ werden dürfe, dann bleibt wenig anderes, als sich an diesen Wunsch/Befehl zu halten (oder andere Kunden zu suchen, was angesichts eines kleineren Rechtschreibproblems ein wohl allzu drastischer Schritt wäre).

Meine Empfehlung für solche Fälle lautet: umstellen, falls möglich. Dann muss nicht gekoppelt werden:

Deckenleuchten Modul Q 64
Wandleuchten Air Maxx LED 250
Pendelleuchten Modul R 120 XL

Wenn dies nicht gewünscht oder nicht möglich ist, gibt es eine weitere Schreibung, die mittlerweile einen halboffiziellen Status hat: Die mehrteilige Bezeichnung wird in Anführungszeichen gesetzt (sozusagen als Zitat) und dann mit nur einem Bindestrich an den anderen Teil der Zusammensetzung gekoppelt:

„Modul Q 64“-Deckenleuchten
»Air Maxx LED 250«-Wandleuchten
„Modul R 120 XL“-Pendelleuchten

Die gänzlich bindestrichlose Schreibung, der Sie in der Zeitschrift begegnet sind, kommt wahrscheinlich weitaus am häufigsten vor. Nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung ist sie nicht richtig!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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