Archiv für April, 2014

Zur Beugung heiliggesprochener Päpste (u. a.)

Hier eine Frage zu einem (fast) aktuellen Anlass:

Frage

Ich möchte Sie fragen, wie die folgende Wortgruppe korrekt gesprochen werden muss:

die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

a) Heiligsprechung der Päpste Johannes des Dreiundzwanzigsten und Johannes Paul des Zweiten
b) Heiligsprechung der Päpste Johannes des Dreiundzwanzigsten und Johannes Pauls des Zweiten
c) die Heiligsprechung der Päpste Johannes der Dreiundzwanzigste und Johannes Paul der Zweite

Mich interessiert vor allem, ob der absolute Nominativ in der Version c) falsch oder richtig ist.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

Mit Titeln versehene Namen wie diese werden gebeugt. Ganz so einfach, wie es klingt, ist es aber nicht. Was wird gebeugt und was bleibt ungebeugt?

Standardsprachlich korrekt ist in diesem Fall a):

Heiligsprechung der Päpste Johannes des Dreiundzwanzigsten und Johannes Paul des Zweiten

Es ist eine Zusammenziehung von:

Heiligsprechung des Papstes Johannes des Dreiundzwanzigsten und
Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul des Zweiten

Wenn ein Titel mit einem Artikel steht, ist der Titel der Kern der Wortgruppe und der Name die nähere Bestimmung (Apposition). Gebeugt wird ggf. der Titel und der Name bleibt ungebeugt:

die Regierungszeit des Königs Friedrich Willhelm
am Hof der Zarin Katharina
Heiligsprechung des Papstes Johannes
Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul

Steht der Titel ohne Artikel, wird er zu einer näheren Bestimmung des Namens „degradiert“ und bleibt ungebeugt. Gebeugt wird dann der Name:

die Regierungszeit König Friedrich Willhelms oder vorangestellt
König Friedrich Willhelms Regierungszeit

am Hof Zarin Katharinas oder
an Zarin Katharinas Hof

die Heiligsprechung Papst Johannes Pauls oder
Papst Johannes Pauls Heiligsprechung

Das ist aber noch nicht alles. Ihr Interesse gilt ja vor allem der nachgestellten Ergänzung des Herrschernamens. Diese wird immer gebeugt, ganz gleich ob weiter vorn der Titel oder der Name der Kern der Wortgruppe ist:

die Regierungszeit des Königs Friedrich Willhelm des Zweiten
die Regierungszeit König Friedrich Willhelms des Zweiten

am Hof der Zarin Katharina der Großen
am Hof Zarin Katharinas der Großen

die Heiligsprechung des Papstes Johannes des Dreiundzwanzigsten
die Heiligsprechung Papst Johannes’ des Dreiundzwanzigsten

die Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul des Zweiten
die Heiligsprechung Papst Johannes Pauls des Zweiten

Das klingt kompliziert und das ist es auch (zumal noch gar nicht alles Sagenswerte gesagt worden ist). Meist geht es gut, ohne dass man diese „Regeln“ kennt. Es ist aber nicht erstaunlich, dass dennoch des Öfteren andere Formulierungen zu hören sind.

Die Sache funktioniert übrigens nicht nur bei Herrschern und Päpsten so. Auch Menschen geringeren Standes werden so behandelt, wenn ihr Name mit einem Titel, einer Verwandtschaftsbezeichnung o. Ä. verwendet wird.

Steht die Personenbezeichnung ohne Artikel, wird der Name gebeugt:

Tante Tinas Gärtnerei
Bundeskanzlerin Merkels Reden
Dozent Anderlings Unterricht
die Bilder Pieter Breughels des Jüngeren

Mit Artikel wird ggf. der Titel, die Berufsbezeichnung usw. gebeugt:

die Gärtnerei meiner Tante Tina
die Reden der Bundeskanzlerin Merkel
der Unterricht des Dozenten Anderling
die Bilder des Malers Pieter Breughel des Jüngeren

Und wenn Sie alles noch einmal nachlesen wollen, finden Sie  hier, hier und hier entsprechende Angaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn »hinzu kommen« korrekt getrennt geschrieben wird

Wenn ein trennbares Verb wie hinzukommen in einem Hauptsatz steht, wird der abtrennbare Teil hinter das Verb an den Schluss des Satzes gestellt. Sonst schreibt man zusammen. So weit die Grundregel. Wie Herrn L.s Frage zeigt, gibt es aber noch einen seltenen dritten Fall.

Frage

Muss „Hinzu komme“ in diesem Satz getrennt geschrieben werden? (Indirekte Rede: Präsens Konjunktiv)

Hinzukomme, dass davon auch die regionale Wirtschaft profitiere.

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

das Verb hinzukommen wird im Prinzip zusammengeschrieben. In Ihrem Satz schreibt man hinzu aber trotzdem vom Verb getrennt:

Hinzu komme, dass davon auch die regionale Wirtschaft profitiere.

Das hat nichts damit zu tun, dass es sich um den Konjunktiv der indirekten Rede handelt. Die Getrenntschreibung gilt auch zum Beispiel in der Vergangangenheit und im Indikativ:

Hinzu kommt/kam/käme/, dass davon auch die Wirtschaft …

Die Getrenntschreibung hinzu komme hat vielmehr mit der etwas sonderbaren Satzstellung zu tun. Dafür muss ich ein bisschen ausholen. Wir haben es hier mit einem einleitenden Hauptsatz (Hinzu kommt) und einem dass-Satz zu tun. In einem deutschen Hauptsatz (Aussagesatz) steht die gebeugte Verbform immer an zweiter Stelle. Vor ihr, im sogenannten Vorfeld, steht nicht mehr und nicht weniger als ein Satzteil:

Peter kommt heute Abend nicht.
Kaum ein Mensch kommt noch zu uns.
Meinen Eltern kommt das gar nicht ungelegen.
Heute Abend kommt wahrscheinlich niemand mehr vorbei.
Wahrscheinlich kommt kein weiterer Gast hinzu.
Es kommt hinzu, dass davon auch die Wirtschaft profitiert.

Wie man sieht, kann das Subjekt, ein Objekt oder eine Adverbialbestimmung an erster Stelle stehen. In seltenen Fällen kann auch der abtrennbare Teil eines trennbaren Verbs (der sonst am Schluss des Satzes steht) diese erste Stelle einnehmen:

Hinzu kommt, dass davon auch die Wirtschaft profitiert.

Der abtrennbare Verbteil wird in solchen Fällen getrennt vom Basisverb geschrieben, obwohl er direkt vor diesem steht. Nur so kann die beinahe unantastbare Zweitstellung der gebeugten Verbform im deutschen Hauptsatz gewährleistet werden. Weitere Beispiele:

Fest steht die Tatsache, dass die gebeugte Verbform an zweiter Stelle steht.
Hinauf ging er über die Treppe, herunter kam er über den Balkon.
Zusammen kam dabei eine erfreulich hohe Summe.

Der letzte Satz zeigt, dass solche Formulierungen nicht immer stilistische Höhepunkte sind. Weiter gilt, dass sie fast nur bei trennbaren Verben möglich sind, deren abtrennbarer Teil und Basis noch eine recht große Eigenbedeutung haben. Nicht möglich sind zum Beispiel:

*Zu gab sie den Fehler nicht.
*An ist zu nehmen, dass alles stimmt.
*Ein lade ich nur, wen ich mag.

Siehe auch hier.

Diese Randerscheinung der deutschen Wortstellung (und Rechtschreibung) illustriert wieder einmal, weshalb man bei der Getrennt- und Zusammenschreibung im Bereich der deutschen Verben manchmal so unsicher werden kann. Es gibt keine exakte Trennlinie zwischen getrennt geschriebenen Verbgruppen und zusammengeschriebenen Verbzusammensetzungen. Obwohl feststehen, hinzukommen und hinaufgehen im Allgemeinen Verbzusammensetzungen sind, können sich fest, hinzu und hinauf manchmal wie selbstständige Adverbien benehmen. Fest steht nur, dass nicht alles immer eindeutig feststeht.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn »A und B ist« richtig ist

Die meisten von uns haben auf der Schule gelernt, dass bei einem zweiteiligen Subjekt, bei dem die Subjektteile mit und verbunden sind, das Verb im Plural stehen muss:

Die alte Dame und ihr Sohn gingen jeden Tag im Park spazieren.
Nach der Werbung folgen der TV-Krimi und ein Diskussionsprogramm.

So weit, so einfach. Es gibt aber Ausnahmen. Diese Ausnahmen gleiten meist unbemerkt an uns vorbei, doch Sie können verunsichern, wenn wir darüber nachdenken und uns daran erinnnern, was wir auf der Schule gelernt haben. Hier die Frage von Frau S.:

Frage

Es geht um die korrekte Formulierung des folgenden Satzes:

Natürlich war dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.
Natürlich waren dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Selbst denke ich, dass die zweite Version korrekt ist. Mir fehlt jedoch die fachgerechte Begründung.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

beide Sätze sind richtig formuliert.

Das Verb kann nach der allgemeinen Grundregel im Plural stehen, weil das Subjekt aus zwei mit und verbundenen Teilen besteht.

Natürlich waren dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Das Verb kann aber auch im Singular stehen, weil die beiden Subjektteile eng miteinander verbunden sind und als eine Einheit aufgefasst werden. Das sieht man daran, dass sie eine gemeinsame Bestimmung haben: sehr viel bezieht sich sowohl auf Kleinarbeit als auch auf Konzentration:

Natürlich war dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Weitere Beispiele von Sätzen, in denen ein mehrteiliges Subjekt mit und eine gemeinsame Bestimmung hat und als eine Einheit aufgefasst werden kann:

Viel Glück und Sonnenschein soll dich begleiten.
Viel Glück und Sonnenschein sollen dich begleiten.

Münsters Grund und Boden ist zehn Milliarden Euro wert.
Münsters Grund und Boden sind zehn Milliarden Euro wert.

Ihre totale Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit war unerträglich.
Ihre totale Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit waren unerträglich.

Zum diesem Thema gäbe es noch viel mehr zu sagen. Die Grundregel sowie weitere Ausnahmen und Beispiele finden Sie auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik. Wie so oft sind auch hier die Übergänge zwischen der Grundregel und den Ausnahmen fließend. Als kleiner Trost für nun ganz Verunsicherte kann gelten: Der Plural ist hier (fast) immer richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wird das große Ü zu UE oder zu Ue?

Frage

Wenn man ü mit ue umschreiben muss, was schreibt man dann bei einem großen Ü? UE oder Ue? Beispiel: Uebersetzung/UEbersetzung. Für beides gibt es Argumente. […] Gibt es dazu einen Konsens oder eine Regel? Oder darf ich das machen wie ich will?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn der Großbuchstabe Ü nicht zur Verfügung steht, wird er in der Regel durch Ue ersetzt:

Ueber Dr. Oetkers Ruehrkuchen mit Aepfeln wird nicht viel Uebles gesagt.

Siehe auch hier.

Man geht also genau gleich vor, wie bei der Großschreibung von Diphthongen und in der Schrift besonders gekennzeichneten langen Vokalen:

Auge, Äuglein, Eigelb, Eugen
Aachen, Ahle, Ehre, Ohr, Ührchen

Auch bei mit mehreren Buchstaben geschriebenen einfachen Konsonanten ist dies der Fall:

Schule, China

Das Prinzip der Großschreibung des Anfangsbuchstabens ist also rein formal. Man schreibt den ersten Buchstaben groß, egal ob er nun für sich allein einen Laut darstellt oder ob er zusammen mit einem anderen Buchstaben für eine lautliche Einheit steht (oder wie ue einen Einzelbuchstaben vertritt).

Das mag uns aus Gewohnheit ganz normal erscheinen, doch wie Ihre Frage zeigt, ist es das nicht unbedingt. Die meisten Sprachen machen es so wie wir, aber im Niederländischen gibt es tatsächlich eine Buchstabenkombination, die als ein Buchstabe zählt und am Satzanfang oder in Eigennamen als Ganzes großgeschrieben wird: Das kleine ij wird zum großen IJ. Man segelt dort deshalb nicht auf dem *Ijsselmeer und isst sein Eis nicht im *Ijssalon ‚t Hoekje,  sondern auf dem IJsselmeer und im IJsalon ‚t Hoekje. Selten ist in der Rechtschreibung etwas ganz so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Substantivierte »Jährige«

Frage

Ich lektoriere gerade einen Text und bin mit der Frage konfrontiert, ob das J in „die 38-jährige“ (ohne nachfolgendes Substantiv) groß- oder kleingeschrieben wird. Meiner Auffassung nach steht die Zahl 38 einfach als Ersatz für das Wort „Achtunddreißig“, an das ich das „jährige“ schlicht anhängen würde. […]

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

richtig sind hier der Bindestrich und das große J:

die 38-Jährige

Ebenso (wenn mit Ziffern geschrieben):

Ferienlager für 14- bis 18-Jährige
Benimm dich nicht wie ein 7-Jähriger!

Den Bindestrich, den Sie ja auch gesetzt haben, kann ich leicht erklären: Zusammensetzungen mit einer Ziffer werden mit Bindestrich geschrieben (Regel). Bei der Großschreibung des J ist es etwas schwieriger. Im Prinzip gilt, dass man Substantive in Zusammensetzungen mit einem Bindestrich großschreibt (Regel). Wir müssen also davon ausgehen, dass Jährige in der substantivierten Form 38-Jährige als Substantiv gilt und deshalb großgeschrieben wird.

Dass das J in die 38-Jährige großgeschrieben werden muss, kann ich nachvollziehen, aber ich weiß es ehrlich gesagt nicht, weil ich es sofort eindeutig aus den Regeln ableiten kann. Ich weiß es vor allem, weil in Paragraph 40.3 der amtlichen Rechtschreibregelung das Beispiel der 17-Jährige steht und die zur amtlichen Regelung gehörenden Wörterliste beim Stichwort acht angibt: der, die 8-Jährige.

Die genaue Schreibung von die 38-Jährige, der 17-Jährige, die über 100-Jährigen usw. gehört zu den Sachen, die man sich am besten einfach merkt. Wenn Sie trotzdem einmal unsicher sind, schauen Sie einfach in Canoonet nach, zum Beispiel hier oder hier. Und dann gibt es natürlich immer auch die Möglichkeit, keine Ziffern zu verwenden:

die Achtunddreißigjährige

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Bopp

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Meint er die Anschuldigung gegen sich oder gegen ihn?

Frage

Wie heißt es richtig?

– Jede Anschuldigung gegen sich weist er von sich.
– Jede Anschuldigung gegen ihn weist er von sich.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

die kurze Antwort lautet: Hier ist sowohl sich als auch ihn möglich. Im zweiten Fall ist der Satz eventuell nicht eindeutig, weil mit ihn auch eine andere Person gemeint sein könnte. Es ist allerdings meistens so, dass man aus dem weiteren Satzzusammenhang schließen kann, wer mit ihn gemeint ist.

Und hier die lange Antwort:  Das Reflexivpronomen sich wird dann anstelle des Personalpronomens ihn oder sie verwendet, wenn es mit dem Subjekt des Satzes identisch ist. Das allbekannte Standardbeispiel lautet:

Er wäscht ihn.
= ein andere Person, ein Tier oder eine Sache mit männlichem Genus

Er wäscht sich.
= sich selbst

So weit ist alles recht einfach. Die Unsicherheit entsteht nun, weil Ihr Satz eigentlich zwei Verben enthält, nämlich von sich weisen und anschuldigen. Das zweite Verb erscheint hier in der Form der Substantivierung Anschuldigung.

Das Subjekt des ganzen Satzes und der Angeschuldigte sind identisch, deshalb erwarten wir das Reflexivpronomen sich:

Jede Anschuldigung gegen sich weist er von sich.

Das stimmt allerdings nicht ganz, denn das Pronomen sich ist eigentlich nicht von weisen abhängig, sondern von anschuldigen. Weiter gilt, dass das Subjekt, das man zu anschuldigen ergänzen muss, und der Angeschuldigte nicht identisch sind. Wir müssten also mit ihn auf den Angeschuldigten, das Objekt der Anschuldigung, verweisen:

Er weist von sich, dass man/jemand ihn anschuldigt.
Jede Anschuldigung gegen ihn weist er von sich.

In solchen Fällen wird trotzdem sehr oft sich verwendet. Das Reflexivpronomen verdeutlich hier besser als ihn, wer genau gemeint ist, nämlich das Subjekt des Gesamtsatzes und nicht etwa eine andere Person.

Ganz ohne Kontext wird die Sache aber auch mit sich nicht immer wirklich eindeutig:

Sie konnte sein Gerede über sie nicht ertragen. (über sie oder über eine dritte Person?)
Sie konnte sein Gerede über sich nicht ertragen. (über ihn oder über sie?) 

Es steht Ihnen also frei, in Ihrem Satz ihn oder sich zu verwenden – und wenn man Ihnen vorwirft, Sie hätten einen Fehler gemacht, können Sie diese Anschuldigung gegen sich/Sie zu Recht von sich weisen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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