Archiv für Mai, 2014

Drinks mit und ohne Ergänzungsstrich

Frage

Wenn ich mir in einer Bar einen Long Drink bestelle und meine Frau einen Soft Drink, dann steht da nach „Long“ bzw. „Soft“ kein Bindestrich. Wenn ich mir aber einen Long und meine Frau einen Soft Drink bestellt, kommen mir erhebliche Zweifel, ob ich das „Long“ so alleine stehen lassen soll oder nicht doch durch einen Bindestrich andeuten darf, dass da noch ein Wortteil folgt. Bitte beseitigen Sie meine Zweifel!

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

gerne beseitige ich Ihre Zweifel: Ein Bindestrich oder besser gesagt ein Ergänzungsstrich wird nur dann verwendet, wenn ein Wortteil eines zusammengeschriebenen Wortes wegfällt. Wenn Sie einen Long Drink und einen Soft Drink bestellen und das erste Drink weglassen, fällt (orthographisch gesehen) kein Wortteil, sonder ein Wort weg. Entsprechend verwenden Sie keinen Ergänzungsstrich:

ein Long und ein Soft Drink

Ob das Weglassen von Drink stilistisch immer überzeugt, ist eine andere Frage.

Es folgt nun etwas, was natürlich nur theoretisch und nur in geschriebener Form, nicht aber bei einer tatsächlichen Bestellung an der Bar irgendeine Rolle spielt: Man kann Longdrink und Softdrink auch zusammenschreiben. Wenn Sie nun einen Longdrink und einen Softdrink bestellen und dann beim ersten Wort drink weglassen, fällt kein ganzes Wort, sondern ein Wortteil weg. Dann benötigen Sie einen Ergänzungsstrich:

ein Long- und ein Softdrink

Theoretisch könnte man nun auch noch die Schreibungen Long Drink und Softdrink resp. Longdrink und Soft Drink miteinander kombinieren, aber das ist wenig konsequent und man sollte es der Deutlichkeit halber besser nicht tun.

Ganz ähnlich sieht die Ergänzungsstrichlage bei folgenden Beispielen aus:

Fast Food oder Slow Food → Fast oder Slow Food
Fastfood oder Slowfood → Fast- oder Slowfood

Hard Rock und Soft Rock → Hard und Soft Rock
Hardrock und Softrock → Hard- und Softrock

Beide Möglichkeiten gibt es natürlich nur dort, wo sowohl zusammen- als auch getrennt geschrieben werden kann. Nur eine Möglichkeit gibt es also zum Beispiel hier:

Hardware und Software → Hard- und Software
Corporate Banking und Private Banking →  Corporate und Private Banking

Bei den letzten beiden Beispielen können, falls gewünscht, zum Zwecke der Anglizismenvermeidung etwas „deutschere“ Bezeichnungen wie Apparate und Programme resp. Geschäfts- und Privatkundengeschäft verwendet werden. Bei den Hard, Soft und Long Drinks oder Hard-, Soft- und Longdrinks hingegen ist dies zum Teil ein bisschen schwieriger. Doch das hat sowieso nichts mit dem Ergänzungsstrich zu tun, um den es hier ja geht.

Prost!

Dr. Bopp

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Als wer oder wen gibt man sich aus?

Wenn es nicht um die Rechtschreibung geht, gehören mit als eingeleitete Wortgruppen zu den größten Fragenlieferanten! In welchem Fall steht die als-Gruppe? Hier wieder einmal ein Spezialfall: als und reflexive Verben:

Frage

Ist in folgendem Satz der Nominativ „ich“ oder der Akkusativ „mich“ richtig?

Er hat sich als ich ausgegeben.
Er hat sich als mich ausgegeben

Antwort

Guten Tag H.,

Wenn eine als-Gruppe wie hier von einem reflexiven Verb abhängig ist, steht sie gewöhnlich im Nominativ und nicht wie das Reflexivpronomen im Akkusativ:

Der Mann spielte sich gern als großer Gönner auf.
Wie stellt man sich als neuer Nachbar vor?
Du siehst dich wohl als der Retter des Universums.
Er gibt sich als ihr bester Freund aus.

Die als-Gruppe bezieht sich also auf das Subjekt und nicht auf das Reflexivpronomen.

Nur noch selten (nicht mehr bei echten reflexiven Verben) wird auch der Bezug auf das Reflexivpronomen gemacht. Dann steht der Akkusativ:

Du siehst dich wohl als den Retter des Universums.
Er gibt sich als ihren besten Freund aus.

Siehe auch hier.

Das beantwortet Ihre Frage aber noch nicht ganz. Wenn die als-Gruppe ein Personalpronomen ist, scheint die Lage etwas anders zu sein. Dann kommt bei reflexiv verwendeten Verben der Akkusativ häufiger vor:

Er gibt sich als mich aus.

Der Nominativ ist aber auch möglich:

Er gibt sich als ich aus.

Und wenn Sie einmal gar nicht mehr wissen, was nun möglich ist: Die Unsicherheit lässt sich hier elegant mit für umgehen:

Er gibt sich für mich aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auf wen bin ich eifersüchtig?

Es würde zu weit führen, wenn ich behauptete, dass ich zu allen Zeiten und in allen Lebenslagen gegen Eifersucht gefeit bin, doch zurzeit bin ich mir keinerlei eifersüchtiger Gefühle bewusst. Es geht hier nicht um persönliche Bekenntnisse eines eifersüchtigen Linguisten und auch nicht um eine genaue Definition des Begriffs Eifersucht. Es geht um J.s Frage, auf die ich zu meinem Erstaunen keine klare und eindeutige Antwort finden konnte: Wenn man Gefühle der Eifersucht hegt, auf wen ist man dann eifersüchtig?

Frage

Ich würde gern wissen, wie man „eifersüchtig auf jemanden“ korrekt benutzt und ob das in anderen Sprachen (z. B. im Italienischen) ebenso verwendet wird. Ein Beispiel: Ich (als Mann) habe eine Freundin und merke, dass mein Bruder anfängt, mit meiner Freundin zu flirten. Bin ich dann eifersüchtig auf meine Freundin oder auf meinen Bruder? […]

Antwort

Guten Tag J.,

das Adjektiv eifersüchtig wird vor allem im Sinne von neidisch mit auf verwendet. Wenn es hingegen um die Furcht geht, jemandes Liebe mit einer anderen Person teilen zu müssen, kommt auf nicht häufig vor. Wenn ich sehe, dass mein Bruder anfängt, mit meiner Freundin zu flirten, werde ich eifersüchtig, reagiere ich eifersüchtig, bin ich eifersüchtig. Wenn hier überhaupt eine Person mit auf angeführt wird, ist das Deutsche sehr inkonsequent: Ich bin eifersüchtig auf meine Freundin oder ich bin eifersüchtig auf meinen Bruder. Beides kommt vor. Ich finde auch keine Definition, die eine der beiden Varianten ausschließen würde.

Auch beim mit neidisch verwandten eifersüchtig gibt es mehr als eine Gebrauchsvariante. Der große Bruder kann eifersüchtig auf die kleine Schwester sein, weil sie viel Aufmerksamkeit von der Mutter erhält. Man kann aber auch sagen, dass er eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit ist, die die kleine Schwester von der Mutter erhält. Noch ein Beispiel der syntaktischen Vielseitigkeit von eifersüchtig:

  • eifersüchtig sein, weil andere Leute Erfolg haben
  • eifersüchtig auf andere Leute sein, weil sie Erfolg haben
  • eifersüchtig auf den Erfolg anderer Leute sein

Wenn eifersüchtig mit auf steht, können in Liebes- und anderen Dingen nur Wortbedeutung und Kontext klären, was genau gemeint ist. (Erstaunlicherweise scheint dies meistens gut zu funktionieren, denn sonst hätte sich hier wohl eine klarere Regel ergeben.) Ich kann auf meinen Bruder eifersüchtig sein, weil er mit meiner Freundin flirtet. Ich kann auf meine Freundin eifersüchtig sein, weil ich nicht will, dass jemand anders mit ihr flirtet. Ich kann daneben auch noch eifersüchtig auf meinen Bruder sein, weil er eine tolle Freundin hat und ich keine. Ich bin dann auf seine Freundin eifersüchtig …

Ich wage es nicht anzugeben, wie dieses Adjektiv in anderen Sprachen verwendet wird. Wenn die Situation auch nur annähernd so komplex ist wie im Deutschen, ist muttersprachige Expertise gefragt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Krank am Tag der Kalten Sophie

Heute, am fünfzehnten Mai, ist der Tag der heiligen Sophie. Sie ist im Kalender die letzte der Eisheiligen, die je nach Region vom 11. oder 12. bis zum 15. Mai dauern. Nach den Eisheiligen sind gemäß den alten Bauernregeln keine Nachtfröste mehr zu erwarten. Also nichts wie raus mit dem frostempfindlichen einjährigen Sommerflor!

Schwarzäugige Susanne

Schwarzäugige Susanne (Bild: Wikimedia)

Auch ich – mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem man sich tatsächlich mit Gartenblumen beschäftigt und sich noch nicht einmal schämt, darüber zu reden – auch ich hatte geplant, heute schnurstracks ins Gartencenter zu gehen und eine schöne Auswahl aus all den Begonien, Petunien, Fleißigen Lieschen, Schwarzäugigen Susannen usw. für Garten und Balkon zusammenzustellen. Das Stadium, Blümchen selbst aus Samen zu ziehen, habe ich nämlich (noch?) nicht erreicht. Doch wer macht mir einen Strich durch die Rechnung? Die Grippe. Ausgerechnet am Tag der Kalten Sophie hat mich die Grippe erwischt. Das passt zwar zum Adjektiv kalt, aber nicht zum lang erwarteten Sommerflor.

Wenn Sie also dieser Tage etwas länger auf eine Antwort warten müssen, ist das dadurch zu erklären, dass ich krank darniederliege. Ganz so schlimm ist es nicht, wie nur schon die Tatsache zeigt, dass ich noch zu Blogeinträgen fähig bin. Aber wenn schon krank, dann auch mit Klagen!

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Die Staatsangehörigkeit und das Adjektiv: Deutsch oder deutsch?

Heute geht es wieder einmal um eine Frage, die vielen von Ihnen sicher bekannt vorkommt. Sie taucht regelmäßig in Fragerubriken, Foren usw. auf. Ich bilde mir dann auch nicht ein, dass ich sie mit diesem Blogartikel ein für allemal aus der Welt schaffe. Aber probieren kann man es ja trotzdem.

Frage

Staatsangehörigkeit: deutsch oder Deutsch? Groß oder klein?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

richtig ist hier die Kleinschreibung. Gemeint ist das Adjektiv deutsch, das das Substantiv Staatsbürgerschaft oder die betreffende Person näher bestimmt:

Staatsangehörigkeit: deutsch

Man schreibt das ungebeugte Deutsch eigentlich nur dann groß, wenn es als Sprachbezeichnung verwendet wird (z.B. auf Deutsch, Deutsch können, mehr dazu hier):

Sprachen: Deutsch (Muttersprache), Englisch (gut)

Etwas einleuchtender wird die Kleinschreibung vielleicht auch dann, wenn die Deutschen kurz über die Grenze gucken. Auch dort schreibt man das entsprechende Adjektiv klein*:

Staatsangehörigkeit: österreichisch
Nationalität: schweizerisch

Bei verheiratet, ledig, verwitwet und geschieden scheint übrigens praktisch niemand die Neigung zu haben, das Adjektiv großzuschreiben. Auch hier gilt die Kleinschreibung:

Familienstand: verheiratet

Ganz so streng muss man es nicht unbedingt nehmen. Wer bei den persönlichen Angaben nach dem Doppelpunkt Deutsch statt deutsch schreibt, wird bestimmt nicht gleich des Landes verwiesen, und auch die Stelle, für die man sich bewirbt, ist dadurch kaum gefährdet. Doch wenn die Frage lautet, was regelkonform ist, heißt die Antwort: klein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Im Reispass steht allerdings:

Staatsangehörigkeit: Österreich
Nationalität: Schweiz, Suisse, Svizzera, Svizra, Switzerland

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Wortkreuzungsautomat

Fleischvogelschwinge, Trompetersielienkartoffel, Passagiermaschinenpistole, das sind drei meiner Favoriten, die ich heute Morgen mit Hilfe einer Wortkreuzungsmaschine erzeugt habe.

Micheal Mann vom Lexikographieblog hat einen Wortkreuzungsautomaten gebaut. Dieser Automat bildet aus einer Liste von deutschen Wörtern Wortkreuzungen, das heißt neue Wörter aus sich überschneidenden Wörtern. Das Wortende des ersten Wortes ist identisch mit dem Wortanfang des zweiten Wortes. Oder so. Schauen Sie sich den Wortkreuzungsautomaten doch einfach einmal an. Wenn Sie Spaß an Wortspielereien haben, können Sie sich bestimmt ein verregnetes Wochenendhalbstündchen lang damit amüsieren:

Und hier noch ein paar Beispiele, die mein Spielhalbstündchen hervorgebracht hat:

Gummiparagrafikspeicher, Metamorphosenlatz, Magermilchzahn, Beifallssturmschaden, Nächstenliebesantrag, Riesenfaultierstimmenimitatorin, Steifftierpräparator …

 

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Viel zu tun und viel zu erzählen haben

Frage

Der Satz „Ich habe etwas zu erledigen“ bedeutet, dass ich etwas erledigen muss. Der Satz „Ich habe etwas zu erzählen“ bedeutet, dass ich etwas erzählen kann. […] Die Satzkonstruktion ist gleich, aber der Sinn verschieden. Wieso ist das so?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

die Wendung zu+Infintiv+haben hat oft die Funktion eines Modalverbs. Mit welchem Modalverb sie ausgedrückt werden kann, ist tatsächlich nicht so klar. Sie kann eine Notwendigkeit ausdrücken:

Ich habe noch viel zu tun = Ich muss noch viel tun.

Sie kann aber auch eine Möglichkeit ausdrücken:

Wer viel reist, hat viel zu erzählen = Wer viel reist, kann viel erzählen.

Mit etwas zu _en haben wird also gesagt: etwas _en müssen oder etwas _en können. Eine weitere Bedeutung hat die Wendung, wenn sie verneint ist:

Sie haben nicht viel zu tun = Sie müssen nicht viel tun.
Sie haben nichts zu erzählen = Sie können nichts erzählen.
Sie haben sich hier nicht zu äußern = Sie dürfen sich hier nicht äußern.

Siehe auch hier.

Ob mit der Formulierung Notwendigkeit oder Möglichkeit ausgedrückt wird, ergibt sich erst aus dem Kontext. Es ist ihr nicht von vornherein eine genaue Bedeutung zuzuordnen. Damit ist diese Formulierung tatsächlich nicht so einfach für Deutschlernende. Ähnliches gibt es aber nicht nur im Deutschen. Zum Beispiel:

de: Ich habe viel zu tun.
nl: Ik heb veel te doen.
en: I have a lot do to.
fr: J’ai beaucoup à faire
it: Ho molto da fare.

de: Ich habe viel zu erzählen.
nl: Ik heb veel te vertellen.
en: I have a lot to tell.
fr: J’ai beaucoup à raconter.
it: Ho molto da raccontare.

Nicht allen Deutschlernenden dürfte diese Konstruktion also gleich viele Schwierigkeiten bereiten.

Die Antwort auf die Frage, wie genau wir es schaffen, jeweils problemlos den richtigen modalen Aspekt einer so formulierten Äußerung zu erkennen, muss ich Ihnen leider schuldig bleiben. Manchmal frage ich mich einfach, wie wir es bei so viel Mehrdeutigkeit überhaupt schaffen, einander auch nur annähernd zu verstehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Unser beider Frauen und unsere beiden Frauen

Frage

Sind die folgenden beiden Sätze richtig und gleichbedeutend?

Wir kommen mit unser beider Frauen.
Wir kommen mit unseren beiden Frauen.

Antwort

Guten Tag H.,

beide Sätze sind (grammatisch) richtig, auch wenn der erste eher etwas gehoben/antiquiert wirkt. Die Bedeutung der beiden Äußerungen ist nicht ganz dieselbe. Unser kulturelle Kontext macht es aber relativ schwierig, den Unterschied klar aufzuzeigen. Wenn Frau und Mann mit meine, dein oder unsere stehen, ist in unserem Kulturkreis meistens von Paaren die Rede. Deshalb werden viele den beiden oben stehenden Sätzen die gleiche Bedeutung zuordnen: Wir kommen beide mit Partnerin.

Mit Hilfe eines anderen Beispiels lässt sich besser aufzeigen, worin die beiden Formulierungen sich unterscheiden. Bei Hunden und Herrchen oder Frauchen liegt das zahlenmäßige Verhältnis viel weniger stark bei eins zu eins. (NB: Auch die Art des mit unser ausgedrückten Verhältnisses ist anders!)

a) unser beider Hunde = die Hunde, die uns beiden gehören

In Satz a) bezieht sich beider auf unser. Es geht also um zwei „Besitzende“ und um mehrere Hunde. Über die Zahl der Hunde wird nichts gesagt. Die beiden Hundebesitzenden können zwei, drei oder mehr Hunde haben.

b) unsere beiden Hunde = die beiden Hunde, die uns gehören

In Satz b) bezieht beiden sich auf Hunde. Es geht also um zwei Hunde. Darüber, wie viele wir sind, wird nichts gesagt. Die Hundebesitzenden können auch mehr als zwei Personen sein, zum Beispiel eine mehrköpfige Familie.

Nur wenn es um zwei Hunde und um zwei Besitzende geht, sind sowohl a) als auch b) mögliche Formulierungen.

Keine der beiden Formulierungen klärt übrigens die Besitzverhältnisse eindeutig: Es ist nicht klar, ob die Hunde gemeinsam den gleichen Personen gehören oder ob jeder Hund ein eigenes Herrchen oder Frauchen hat.

Kommen wir nun wieder auf die Formulierungen in Ihrer Frage zurück:

c) unser beider Frauen = die Frauen, zu denen wir beide gehören

In Satz c) sind Frauen gemeint, zu denen wir beide gehören. Wir sind zu zweit. Die Anzahl der Frauen ist nicht bestimmt. Wir könnten zum Beispiel zwei Personen und die Frauen deren (erwachsene) Töchter sein.

d) unsere beiden Frauen = die beiden Frauen, zu denen wir gehören

In Satz d) hingegen geht es um zwei Frauen. Wie viele Personen wir sind, ist nicht näher bestimmt. Wenn wir im klassischen Kontext bleiben, könnten wir zum Beispiel ein Vater mit seinen Söhnen und die Frauen die Frau/Mutter und die Tochter/Schwester sein.

Nur wenn von zwei Personen in Verbindung mit  zwei (anderen) Frauen die Rede ist, sind sowohl c) als auch d) mögliche Formulierungen. Das klingt nun alles sehr uneindeutig, und das ist es ohne Kontext auch. Normalerweise erschließt sich aber aus dem weiteren Zusammenhang mehr oder weniger eindeutig, um wie viele Personen in Begleitung wie vieler (anderer) Frauen es geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das unbeständige »entlang«

Falls Sie am heutigen 1. Mai frei haben und einen Spaziergang an Bach, Fluss oder See erwägen, spazieren sie dann das Ufer entlang, dem Ufer entlang, entlang dem Ufer oder entlang des Ufers? Oder gar am Ufer entlang? Heute geht es wieder um ein Wort, das sich nicht so leicht in ein grammatisches Korsett zwängen lässt.

Frage

Ich wende mich heute mit folgendem Problem an Sie:

spazieren … an den Ufern der Neiße entlang

Diese Formulierung verstehe ich grammatikalisch nicht so ganz. Die Präposition steht doch entweder mit Akkusativ, „die Straße entlang“, oder mit Dativ, „entlang der Straße“. Könnte man also den obigen Satz auch so formulieren:

entlang den Ufern der Neiße
die Ufer der Neiße entlang

So wäre es für mich verständlicher. Vielleicht handelt es sich in dem Buch um literarische Sprache?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

das Wort entlang sieht harmlos aus, aber in grammatischer Hinsicht ist es ziemlich widerspenstig. Es weigert sich, einer einzigen Klasse zugeordnet zu werden.

Eine mögliche Verwendung ist die einer klassischen Präposition, das heißt, entlang steht vor dem Substantiv. Bei der Wahl des ihm folgenden Falles ist die Lage schon weniger eindeutig. Möglich sind sowohl der Genitiv als auch der Dativ:

Wir spazierten entlang der Ufer der Neiße.
Entlang des Wanderweges stehen Informationstafeln.

Wir spazierten entlang den Ufern der Neiße.
Entlang dem Wanderweg stehen Informationstafeln.

Häufig gefällt sich entlang aber als nachgestellte Präposition (Postposition). Dann ist der Akkusativ üblich:

Wir spazierten die Ufer der Neiße entlang.
Den Wanderweg entlang stehen Informationstafeln.

Der Dativ kommt hier ebenfalls vor. Heutzutage verrät er aber meistens Sprecher und Sprecherinnen aus dem Süden, vor allem aus der Schweiz. Die folgenden Formulierungen genießen deshalb wohl kaum das Wohlwollen aller Hüter der deutschen Sprache:

Wir spazierten den Ufern der Neiße entlang.
Dem Wanderweg entlang stehen Informationstafeln.

Im Beispielsatz, um den es Ihnen in Ihrer Frage geht, übernimmt entlang eine weitere Rolle: Es tritt nicht als Präposition, sondern adverbial auf. Es hat dann keinen Einfluss auf den Fall. Der Kasus wird durch die Präposition an bestimmt, die hier den Dativ fordert:

Wir spazierten an den Ufern der Neiße entlang.
Am Wanderweg entlang stehen Informationstafeln.

Diese Verwendung ist übrigens nicht literarisch. Sie ist allgemeinsprachlich und klingt in meinen Ohren manchmal sogar ein bisschen holprig.

Das Wort entlang kann also Adverb, Präposition oder Postposition sein und verschiedene Kasus bei sich haben. Wahrlich kein Beispiel grammatischer Unverrückbarkeit und unverbrüchlicher Kasustreue! Falls Sie deshalb wieder einmal unsicher werden sollten, können Sie alles hier noch einmal nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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