Archiv für September, 2014

Der Genitiv lebt dank Analogie

Frage

Vielleicht  können sie mir auch heute helfen. Steht „dank“ mit Dativ oder Genitiv. Hier ist eine Diskussion entstanden, richtig ist ja wohl  beides, aber was ist geläufiger? Zum Beispiel:

Feuchtigkeitsschutz dank innovativen Sensors
Feuchtigkeitsschutz dank innovativem Sensor

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

im Standarddeutschen kann die Präposition dank sowohl mit dem Dativ als auch mit dem Genitiv stehen:

Feuchtigkeitsschutz dank innovativem Sensor
Feuchtigkeitsschutz dank innovativen Sensors

Der Genitiv kommt vor allem im Plural häufiger vor:

Feuchtigkeitsschutz dank innovativer Sensoren
auch: Feuchtigkeitsschutz dank innovativen Sensoren

Der Dativ lässt sich durch die Herkunft der Präposition erklären. Sie ist eigentlich eine Verkürzung der Wendung Dank sei:

Dank sei ihrem Einfluss → dank ihrem Einfluss

Der Genitiv ist hier aber dabei, den Dativ zu verdrängen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass bei anderen Präpositionen dieser Art der Genitiv üblich ist. Zum Beispiel:

kraft ihres Amtes
statt schöner Worte
zeit seines Lebens

Bei diesen Wendungen lässt sich der Genitiv ebenfalls durch die jeweils zugrundeliegende Wendung erklären (durch die Kraft ihres Amtes; an der Statt schöner Worte; in der Zeit seines Lebens). All diese Präpositionen haben sich aber stark von der ursprünglichen Formulierung gelöst, was unter anderem an der Kleinschreibung zu sehen ist. Das gab dem Genitiv die Möglichkeit, sich auch nach dank einzunisten, und zwar so gründlich, dass er heute auch standardsprachlich als korrekt (oder sogar als Vorzugsvariante) gilt.

Richtig ist also beides. Wenn es darum geht, ob die Verfechter des Genitivs oder die dem Dativ treu Gebliebenen recht haben, ist das Resultat ein Unentschieden. Siehe auch hier.

Eine eindeutige, fundierte Antwort auf die Frage, was geläufiger ist, kann ich hier leider nicht geben. Seit es üblich ist, den Untergang des Genitivs heraufzubeschwören (oder hat sich das schon wieder gelegt?) neigen viele dazu, den Dativ zu vermeiden, wenn sich auch nur der leiseste Zweifel meldet. Das dürfte stark zur weiteren Verbreitung des Genitivs nach dank beitragen. Etwas Ähnliches ist übrigens der Präposition trotz geschehen: Mittlerweile steht trotz sehr häufig mit dem Genitiv, obwohl es ursprünglich den heute standardsprachlich gerade noch tolerierten Dativ verlangte.

Wie man sieht, kommt man mit logischen und historischen Argumenten nicht immer sehr weit. Was ist richtig(er): der „historische“ Dativ oder der „analoge“ Genitiv? Richtig ist letzlich, was üblich ist. Das ist nach „dank“ (vorläufig noch?) beides.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine Stunde hochnotpeinlichen Verhörs

Frage

Wie schreibt man korrekt: „nach einer Stunde hochnotpeinlichem Verhör“ oder „nach einer Stunde hochnotpeinlichen Verhörs“?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

beides ist möglich. Es handelt sich hier um eine Maß- oder Mengenangabe im weiteren Sinne. Wenn das Gemessene wie hier ein Singular ist, steht es im heutigen Deutschen in der Regel im gleichen Fall wie die Maß- oder Mengenangabe. Das ist hier der von nach geforderte Dativ:

eine Stunde hochnotpeinliches Verhör
nach einer Stunde hochnotpeinlichem Verhör

Es ist ebenfalls möglich, den sogenannten partitiven Genitiv zu verwenden:

eine Stunde hochnotpeinlichen Verhörs
nach einer Stunde hochnotpeinlichen Verhörs

Der Genitiv gilt hier allerdings als veraltet. In diesem Fall passt er stilistisch aber recht gut zum ebenfalls altertümlich anmutenden Wort hochnotpeinlich. Siehe auch die Angaben in der Canoonet-Grammatik.

Mir stellt sich hier noch eine ganz andere Frage. Woher kommt hochnotpeinlich? Bei der heutigen, in der Regel scherzhaft gemeinten Verwendung bedeutet es so viel wie sehr streng. Ein hochnotpeinliches Verhör ist ein sehr strenges Verhör, hochnotpeinliche Fragen sind sehr strenge Fragen.

Historisch gesehen war  hochnotpeinlich aber noch viel strenger als das, was wir heute unter sehr streng verstehen: Ein hochnotpeinliches Gericht war ein Gericht, das über schwere Verbrechen urteilte und die Todesstrafe verhängen konnte.

Wie kam das Gericht zu dieser Beifügung? Das Adjektiv peinlich gehört zu Pein (Strafe, Qual, Schmerz). Etwas Peinliches hatte mit Strafe und Schmerz zu tun. Das Adjektiv kam insbesondere in der Rechtssprache vor, wo es die Bedeutung mit Folterschmerzen verbunden hatte. Peinliche Fragen sind auch heutzutage unangenehm, aber im 16. Jahrhundert waren sie zweifellos noch viel unangenehmer: Peinliche Fragen waren nämlich Fragen, die unter Androhung oder Anwendung der Folter gestellt wurden.

Peinlich war also mit Folter verbunden. Die Verstärkung hochpeinlich oder notpeinlich bezog sich auf verschärfte Folter und eine Steigerungsstufe weiter sind wir bei hochnotpeinlich angelangt. Es war also eindeutig vorzuziehen, nicht vor einem hochnotpeinlichen Gerichte erscheinen zu müssen! Deshalb schrieb Gottfried August Bürger in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Ballade „Der Kaiser und der Abt“, wenn auch bereits eher scherzhaft  (von ihm stammt auch eine der bekanntesten Fassungen der „Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen“):

Kein armer Verbrecher fühlt mehr Schwulität [Beklemmung],
Der vor hochnotpeinlichem Halsgericht steht.

Ein hochnotpeinliches Verhör im 16. Jahrhundert war also um einiges schmerzhafter als das, was man heute scherzhaft als ein hochnotpeinliches Verhör bezeichnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Trotz der langen Adverbialbestimmung am Satzanfang steht vor »steht« kein Komma!

Konkrete Zahlen und Beweise habe ich nicht, aber ich nehme an, dass dies eine der Kommahürden ist, die am häufigsten streichende Eingriffe von Korrektor und Lektorin erfordern: Adverbialbestimmungen am Satzanfang.

Frage

Wir sind uns nicht einig, ob hier jeweils das erste Komma stehen muss:

Nicht anders als heute, war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M., kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Erläuterungen und Ergänzungen müssen resp. können durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie eingeschoben oder nachgestellt sind:

Es war üblich, nicht anders als heute, dass Firmen sich auf Ausstellungen präsentierten.
Firmen präsentierten sich damals auf Ausstellungen, nicht anders als heute.

Im Sommer 1979 kam[,] auf Vermittlung von A.M.[,] Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Im Sommer 1979 kam Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen, dies auf Vermittlung von A.M.

Siehe zum Beispiel hier.

Aber: Wenn solche Satzteile nicht eingeschoben oder nachgestellt sind, sondern am Satzanfang vor der konjugierten Verbform stehen, werden sie nicht durch ein Komma abgetrennt. Also nur ohne Komma:

Nicht anders als heute war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M. kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Es geht hier meist um Adverbialbestimmungen, die im Satz an erster Stelle stehen. Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden sie im Deutschen nicht durch ein Komma abgetrennt. Weitere Beispiele, bei denen kein Komma stehen darf:

Trotz des außergewöhnlich schönen Herbstwetters ging der Umsatz zurück.
Einschließlich Mehrwertsteuer und Versandkosten liegt der Jahresbezugspreis bei 140 Euro.
Wie jeden Morgen um halb sieben riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.
Vor allem in den ersten Monaten nach dem Kriegsende war die Versorgungslage in der Stadt katastrophal.

Das letzte Beispiel fasst das oben Gesagte schön zusammen:

Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden Adverbialbestimmungen am Satzanfang nicht durch ein Komma abgetrennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

—–

PS: Am einfachsten wäre es natürlich, wenn man sagen könnte, dass es nie Satzteile gibt, die vor der gebeugten Verbform durch ein Komma abgetrennt werden. So einfach ist es leider wieder einmal nicht. Bekannte Ausnahmen sind Nebensätze, die mit einem Komma abgetrennt werden müssen:

Nicht anders als es heute üblich ist, präsentierten Firmen sich auch damals auf Ausstellungen
Wir er es jeden Morgen um halb sieben tat, riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.

Eine weitere Ausnahme sind die Partizipgruppen, die durch ein Komma abgetrennt werden können:

Durch A.M. vermittelt[,] kam Herr K. im Sommer 1979 als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Das außergewöhnlich schöne Herbstwetter genießend[,] waren viele mit dem Fahrrad unterwegs.

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Über das Weglassen gemeinsamer Adjektive

Heute geht es um eine Frage, der viele beim Verfassen von Reklametexten, Produktbeschreibungen und Ähnlichem begegnen – und die auch das geschlechtergerechte Formulieren im Deutschen ziemlich umständlich machen kann.

Frage

Ich wollte wissen, wie man ein Adjektiv handhabt, das sich auf zwei Substantive mit verschiedenem Genus bezieht. Soll das Adjektiv dann im Plural oder Singular stehen. Das Beispiel ist: „mit Stoff oder Leder bezogene/r Sitz und Rückenlehne“.

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

es ist nicht möglich, in dieser Weise zu formulieren. Wenn zwei Substantive nicht in Genus (Geschlecht) und Numerus (Zahl) übereinstimmen, kann ein gemeinsames Bestimmungswort nicht weggelassen werden. Das bedeutet, dass ein vorangestelltes Adjektiv sich nur dann auf zwei Substantive beziehen kann, wenn diese das gleiche Genus und den gleichen Numerus haben. Mehr dazu finden Sie hier.

Diese Bedingung ist in Ihrem Beispiel nicht erfüllt: Sitz ist männlich und Rückenlehne ist weiblich. Das adjektivische Partizip bezogen… kann sich also nicht auf beide Substantive beziehen.

nicht: mit Stoff oder Leder bezogener Sitz und Rückenlehne
nicht: mit Stoff oder Leder bezogene Sitz und Rückenlehne

nicht: graues Armaturenbrett und Türverkleidungen
nicht: graue Türverkleidungen und Armaturenbrett

Sie müssen deshalb umformulieren. Zum Beispiel:

mit Stoff oder Leder bezogener Sitz und mit Stoff oder Leder bezogene Rückenlehne
Sitz und Rückenlehne sind mit Stoff oder Leder bezogen
Sitz und Rückenlehne mit Stoff oder Leder bezogen

graues Armaturenbrett und graue Türverkleidungen
Armaturenbrett und Türverkleidungen grau

Wenn das nicht möglich ist, können Sie eventuell mit Schrägstrichen, Klammern o. Ä. arbeiten (wovon ich aber abraten würde):

Mit Stoff oder Leder bezogene(r) Sitz und Rückenlehne

Die Einschränkung, dass ein Bestimmungswort sich nicht auf zwei Substantive mit unterschiedlichem Genus beziehen kann, macht es oft so schwierig, eine elegant kurze Formulierung zu finden, wenn es um Frauen und Männer geht.

Sehr geehrte Frau Müller und sehr geehrter Herr Müller
nicht: sehr geehrte Frau Müller und Herr Müller
nicht: sehr geehrte Herr und Frau Müller

Liebe Anna, lieber Tom
Nicht: Liebe Anna und Tom

Letzteres wäre nicht so nett für Tom, denn auf ihn kann das Adjektiv liebe sich eigentlich nicht beziehen.

jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer
nicht: jede Teilnehmerin und Teilnehmer

Suche einen jungen Mitarbeiter oder eine junge Mitarbeiterin
nicht: Suche einen jungen Mitarbeiter oder Mitarbeiterin

Hier kann es häufig hilfreich sein, dass die oben genannte „Übereinstimmungsregel“ nicht ganz vollständig formuliert ist. Das gemeinsame Bestimmungswort kann nämlich dann trotzdem weggelassen werden, wenn es vor beiden Substantiven dieselbe Form hat.** Das ist insbesondere im Plural der Fall, wo Adjektive in allen drei Genera gleich dekliniert werden. Deshalb wird oft auf den Plural ausgewichen, wenn einfacher formuliert werden soll:

alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer
alle Teilnehmenden

Mit freundlichen Grüßen (auch an die geschätzten Leserinnen und Leser dieses Blogs)

Dr. Bopp

** Man kann diese Einschränkung also vereinfachen, indem man rein formal formuliert: Ein gemeinsamens Bestimmungswort kann nicht weggelassen werden, wenn es nicht vor beiden Substantiven die gleiche Form hat.

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Der Fall in »der Meinung sein«

Heute schon wieder der Fall eines ungewöhnlichen Falles:

Frage

Dürfte ich eine Frage stellen:

Ich bin der Meinung, dass …

In welchem Fall steht „der Meinung“? Genitiv oder Dativ? Ich bin mir nämlich nicht sicher, welcher der beiden folgenden Sätze richtig ist:

Diese Meinung, deren ich nicht bin, wird häufig vertreten. (Gen.)
Diese Meinung, der ich nicht bin, wird häufig vertreten. (Dat.)

Der zweite klingt besser, aber auch irgendwie nicht ganz richtig. Oder ist keine dieser Formulierungen korrekt?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

keine der beiden Formulierungen klingt wirklich richtig, weil keine von ihnen wirklich richtig ist. In der Wendung der Meinung sein steht Meinung im Genitiv. Es handelt sich um einen prädikativen Genitiv, d.h. um einen Genitiv, der über das Verb sein mit dem Subjekt verbunden ist. Solche Genitive kommen nur noch bei bestimmten Substantiven in relativ festen Wendungen vor. Zum Beispiel:

der/gleicher/anderer Ansicht sein
der/gleicher/anderer Meinung sein
guten Mutes, guter Laune, guter Dinge sein
gleichen Alters sein
guter Hoffnung sein
voller Erwartung, voller Hoffnung, voller Spannung sein
des Glaubens sein
reinen Herzens sein
bäuerlicher Herkunft sein
natürlichen Ursprungs sein

Es müsste also theoretisch heißen:

*Diese Meinung, deren (o. derer) ich nicht bin, wird häufig vertreten.

Warum theoretisch und warum das Sternchen vor dem Beispielsatz? Bei festen Wendungen ist es oft so, dass syntaktisch nicht alles möglich ist, was bei „normalen“ Wendungen vorkommt. So ist es bei diesen Wendungen z. B. nicht möglich (oder sehr ungebräuchlich), einen Relativsatz zu bilden:

nicht: *die (üble) Laune, deren wir sind
nicht: *das Alter, dessen sie sind
nicht: *das reine Herz, dessen ihr seid
nicht: *die Meinung, deren ich nicht bin

Sie können hier deshalb besser auf eine andere Formulierung ausweichen. Zum Beispiel:

Diese Meinung, die ich nicht teile, wird häufig vertreten.

Ich hoffe, dass Sie hier mit mir einer Meinung sein werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Darauflegen und darüberstreuen

Frage

In welchen Fällen schreibt man „darüber“ oder „darauf“ mit Verben zusammen, in welchen getrennt? Wie heißt es:

darüber streuen oder darüberstreuen
darüber legen oder darüberlegen

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

die Getrennt- und Zusammenschreibung bei Verbverbindungen ist ziemlich komplex. In Fällen wie diesen hilft mir die folgende Faustregel meistens weiter:

Man schreibt darüber und darauf  mit einem einfachen Verb zusammen, wenn die Hauptbetonung auf darüber oder darauf liegt, und zwar auf dem ü bzw. dem au:

a) Speckscheiben darauflegen,
a) dann Käse darüberstreuen

Man schreibt die Verbindung getrennt, wenn die Hauptbetonung nicht auf darauf oder darüber liegt:

b) Ich kann mich nicht darauf konzentrieren
b) Wir sollten darüber reden.

Es wird ebenfalls getrennt geschrieben, wenn die Hauptbetonung auf dar liegt:

c) Hast du die Speckscheiben darauf gelegt? Dort gehören sie nicht hin.
c) Ich will nicht darüber reden, sondern über etwas ganz anderes.

Dies gilt nicht nur für darauf und darüber, sondern auch zum Beispiel für dabei, dafür, dagegen, daher, dahin, dahinter, daneben, darauf, darum, darunter, davon, davor, dazu und dazwischen. Einige Beispiele:

a) Das sollte man immer dabeihaben.
b) Was hast du dir dabei gedacht?
c) Was hast du dir dabei gedacht?

a) Wir machen mit, weil alles dafürspricht.
b) Ich habe dafür bezahlt.
c) Soll ich etwa dafür bezahlen?

a) Ich werde mich mit allem dagegenstellen, was mir zur Verfügung steht.
b) Er konnte sich nicht dagegen wehren.
c) Wie hätte ich mich dagegen wehren können.

a) Schau mal, wie der daherkommt!
b) Wir haben daher beschlossen, dass …
c) Das wird daher kommen, dass ihr nicht gut aufgepasst habt.

a) Ich werde schon noch dahinterkommen, wer es getan hat.
b) Er ging zum Pult und blieb dahinter stehen.

a) Sie haben versucht, eine Wolldecke darunterzulegen.
b) Ich weiß nicht, was darunter zu verstehen ist.

a) Es ist noch eine Aufgabe dazugekommen.
b) Ich bin noch nicht dazu gekommen, die Aufgabe zu lösen.

Ob man hier getrennt oder zusammenschreibt, hängt also von der Betonung oder eigentlich vom Zusammenhang und der genauen Bedeutung ab. Es ist deshalb nicht möglich, bei einer allein stehenden Verbindung eindeutig zu sagen, ob man zum Beispiel dafürkönnen oder dafür können, daherkommen oder daher kommen, dazwischenreden oder dazwischen reden schreibt.

Nur in Verbindung mit dem Verb sein ist alles klar. Unabhängig von Betonung und Bedeutung wird immer getrennt geschrieben: dafür sein, dagegen sein, dabei sein, davor sein usw.

Ich hoffe, dass Sie trotz der vielen Beispiele dabeigeblieben sind und sich nicht allzu sehr dabei gelangweilt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Worte sind genug gewechselt – Lasst mich das Subjekt sehn!

Frage

„Der Worte sind genug gewechselt, Lasst mich auch endlich Taten sehn!“ (Goethe)

Ich brauche Ihre Hilfe: „der Worte“? Was ist das Subjekt? Ich verstehe also die Grammatik dieses Satzes nicht.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

Goethes Dichtersprache hält sich nicht immer an die aktuellen Regeln der deutschen Grammatik! Vieles im folgenden Erklärungsversuch entspricht also nicht dem, was im heutigen Standarddeutschen möglich oder üblich ist.

Der erste Schritt zur Lösung Ihres Problems liegt beim Wort genug. Es wird in diesem Goethezitat als unbestimmtes Pronomen verwendet. Als solches kann es zu einer Pronomengruppe erweitert werden. Hier hat es ein Gentivattribut bei sich: der Worte.

genug der Worte

Dies ist bei genug heute noch in gehobenem oder (absichtlich) veraltendem Sprachgebrauch üblich: genug des Guten/des Guten genug, genug der leeren Worte, genug des Lamentierens.

Um es nun gleich zu „verraten“: Die Rolle des Subjekts wird hier durch die Pronomengruppe genug der Worte erfüllt. Das ist aber nicht ganz unproblematisch, denn das Pronomen genug ist im Prinzip ein Singular und die Verbform sind ist ein Plural. Da genug der Worte bedeutungsmäßig eine Mehrzahl ist, steht das Verb nach der Bedeutung im Plural:

Es sind genug der Wort gewechselt (worden) …
Genug der Worte sind gewechselt (worden) …

Schließlich wird – entgegen der sonst geltenden Regel – das Genitivattribut vom Wortgruppenkern genug getrennt und allein ins Vorfeld, das heißt vor das konjugierte Verb gestellt:

Der Worte sind genug gewechselt …

Und damit ist der Aufbau von Goethes Satz analysiert. Niemand spricht oder schreibt allerdings heute so, außer vielleicht wenn absichtlich alte Dichtersprache imitiert wird. Ein nicht allzu gelungenes Beispiel zum Schluss: Der Antwort soll dies das Ende sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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