Anglizismus des Jahres und (ausnahmsweise) Wort der Woche

Die Zeit der Wörter des Jahres ist wieder angebrochen. Auch dieses Jahr weise ich nur auf einen dieser Beautycontests hin: Die Wahl des Anglizismus des Jahres ist (schon seit einem Weilchen) eröffnet. Bis zum 21. Dezember können auch Sie Ihre Kandidaten hier vorschlagen.

Bei Canoonet gibt es keine Wörter des Jahres. Ich möchte aber ausnahmsweise einmal mein persönliches Wort der Woche vorstellen, weil ich es so schön finde und weil es zeigt, wie flexibel die deutsche Wortbildung sein kann. Das Wort der Woche ist:

kühlschrankgroß

Überall wurde in den Nachrichten und in den Zeitungen berichtet, dass die kühlschrankgroße Landesonde oder der kühlschrankgroßen Kometenlander Philae auf einem Kometen gelandet ist, der den nur für erfahrene Präsentatoren und Präsentatorinnen nach mehrmaligem vorherigem Üben aussprechbaren Namen Tschurjumow-Gerassimenko trägt (ein guter Kandidat für den Namen der Woche, wenn es den denn gäbe).

Das Wort ist nicht neu – als zum Beispiel die Handys immer kleiner wurden, nannte man ältere Modelle gerne einmal kühlschrankgroß –, aber es zeigt schön die Flexibilität der deutschen Wortbildung. Wenn etwas so groß wie ein Kühlschrank ist, dann ist es kurz gesagt kühlschrankgroß. Und jedes Mal, wenn man den Kühlschrank als Vergleichsgröße benötigt, kann man dieses Wort wieder neu bilden, ganz gleich ob es jemals im Wörterbuch gestanden hat oder stehen wird.

Wenn wir schon dabei sind, hier noch weitere Beispiele:

erbsengroß – so groß wie eine Erbst
bärenstark – so stark wie ein Bär
fingerlang – so lang wie ein Finger
papierdünn – so dünn wie Papier

Der Flexibilität sind übrigens kaum Grenzen gesetzt, denn solche Zusammensetzungen bedeuten bei Weitem nicht immer „so x wie Y“:

schulterlang – lang bis auf die Schultern
ideenreich – reich an Ideen
tränennass – nass von Tränen
wasserdicht – dicht in Bezug auf Wasser
bettreif – reif fürs Bett
idiotensicher – so sicher, dass auch Idioten risikolos damit umgehen können
usw. usw. usw.

Und damit auch der „Dr. Bopp“ in mir noch zum Zuge kommt: Vergessen Sie nicht, dass solche Bildungen klein- und zusammengeschrieben werden!

3 Kommentare

  1. Langenberg schreibt:

    November 14, 2014 um 16:54

    Mhm: „kühlschrankgroß“ … sei en Angliszsi-, pardon: -zimus?

    Ich fand das hyperbolische Adjektiv im frühesten Nachweis von 1987

    „Über eine Nasenmaske wird der Patient während des Schlafs mit Überdruck beatmet und so zum Weiteratmen gezwungen . Stand früher ein kühlschrankgroßes Gerät im Schlafzimmer , ist der Kompressor durch technische Weiterentwicklungen heute handlicher und auch leiser geworden . „ Die Patienten sind sehr kooperativ und gewöhnen sich meist schnell an diese Überdruckbeatmung “ , sagt Rühle “ – so irgendeinn Schreiber (ich weiß, man kann danach guggeln; es wird aber keinen Anglizischisimus generieren). – In: Die Zeit. 17.04.1987. Nr. 17 –

  2. Dr. Bopp schreibt:

    November 14, 2014 um 17:41

    Liebe(r) Langenberg,

    Sie missverstehen hier etwas. Ich werde deshalb die Struktur des Artikels kurz „analysieren“. Wie der Titel schon andeutet, besteht er aus zwei Teilen:

    1) Hinweis auf die Wahl des Anglizismus des Jahres 2014
    2) Nur ausnahmsweise erfolgende Angabe eines Wortes der Woche

    Diese beiden Teile sind nur insofern miteinander verbunden, als es in beiden um das „Erwählen“ eines bestimmten Wortes geht. Es wird nicht gesagt und meiner Meinung nach auch in keiner Weise suggeriert, dass kühlschrankgroß ein Anglizismus sei. Ich meine im Gegenteil, dass es ein schönes Produkt deutscher Wortbildung ist.

    Ich danke auch für die Fundstelle aus dem Jahr 1987, aber wirklich nötig war der Wink nicht. Ich habe im Artikel auch schon erwähnt, dass das Wort nicht neu ist, sondern eine praktische Wortbildung, auf die man zugreifen kann, wenn man wieder einmal etwas mit der Größe eines Kühlschranks vergleichen will.

  3. Langenberg schreibt:

    November 15, 2014 um 19:14

    Und 3)?
    Sie behaupten also nicht, dass das dt. Adjektiv aus dem Englischen hilfsweise oder übungsweise oder als zufällig übersetztes Journalistenstückchen generiert wurde (pardon: entstanden ist): ‚refrigerator-sized'“.
    Insofern kann eine Jahrszahl (1987) doch schon das prämierte SchönsprachStückchen einordnen. Aus dem Tagesbruch des Sprachlichen kann es ja nicht stammen.
    Warum also zum Pendant des diesjährigen Anglizismus? Um zu konnektieren?

    Der Weltraumschrott á la Philae oder Rosetta wird ja nicht zum gebräuchlichen Inventar der deutschen Sprache gehören, wenn der extrem teuer bezahlte Hype sich abgeschafft hat.

    Bei der wortwarte.de fand ich nur „kühlschrank-kalt“.

    Stephanie Langenberg