Archiv für März, 2015

Hellrotbraun, hell-rotbraun, helles Rotbraun

Frage

Ich habe eine Frage zur Zusammen- und Getrenntschreibung von Farben. Man schreibt ja sowohl „hellrot“ als auch „rotbraun“ […] zusammen. Gilt das auch für die Kombination aus beiden: „hellrotbraun“? Das scheint mir zwar logisch, wirkt aber merkwürdig. […] Wäre „hell rotbraun“ oder „hell-rotbraun“ akzeptabel? Oder müsste man auf Umformulierungen ausweichen wie z. B. „in einem hellen Rotbraun gefärbt“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

die deutlichste Farbbezeichnung ist in hellem Rotbraun. In der Regel werden nämlich nur einfache Farbbezeichnungen mit hell- oder dunkel- kombiniert: hellrot, hellbraun, hellrosa, hellbeige, hellviolett usw. Nicht üblich sind solche Kombinationen bei komplexen Farbbezeichnungen wie flaschengrün, olivbraun oder fahlgelb. Es heißt also in der Regel nicht hellflaschengrün, dunkelolivbraun oder hellfahlgelb. Die Kombination hellrotbraun kommt Ihnen wahrscheinlich deshalb merkwürdig vor.

Bei Mischfarben kommt hinzu, dass undeutlich ist, ob die gesamte Farbe oder nur die erste Farbe durch hell bestimmt wird:

hellrotbraun
hellrot-braun (hellrot und braun)
hell-rotbraun (helles Rotbraun)

Doch dieses Argument finde ich nicht sehr stark, denn was genau gemeint ist, wird meist durch den weiteren Satzzusammenhang geklärt und kann notfalls durch einen verdeutlichenden Bindestrich angegeben werden.

Wenn Sie die Farbbezeichnung trotz der genannten Einwände verwenden möchten – sie ist nicht grundsätzlich unmöglich –, dann können Sie sie zusammenschreiben oder ggf. den verdeutlichenden Bindestrich verwenden:

hellrotbraun o. hell-rotbraun

Deutlicher und üblicher ist, wie eingangs gesagt, die Formulierung helles Rotbraun
in hellem Rotbraun.
Hier ein paar Beispiele:

Jetzt möchte ich gerne meine Haare in einem hellen Rotbraun tönen.
Ihre Grundfarbe ist variabel und reicht von einem hellen Rotbraun bis zu einem hellen Graubraun.
Die Farbe schwankt zwischen hellem Strohgelb und dunklem Rotbraun.
Ich würde gerne ein Band 28/24 in dunklem Rotbraun oder Dunkelbraun bestellen.

Die Farbbezeichnungen, die nicht direkt mit hell und dunkel kombinierbar sind, werden übrigens in der Regel auch nicht gesteigert. Das ist so richtig schön konsequent.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ob man hier Kommas setzen muss, ist, was Sie mich fragen

Alles ist im Wandel, der Winter macht langsam dem Frühling Platz, nur die Kommafragen bleiben …

Frage

Müssen Subjektsätze immer durch Komma vom Hauptsatz getrennt werden? Ich stolpere gerade über die folgende Liedzeile:

Was du gibst ist was du kriegst.

Trenne ich die beiden Subjekte vom finiten Verb des Hauptsatzes ab, kommt es mir richtig, aber unschön vor, weil die Kommas den Satz eher zergliedern, statt ihn zu strukturieren:

Was du gibst, ist, was du kriegst.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

nach der allgemeinen Regel werden Nebensätze durch Kommas abgetrennt. Wenn Sie wie hier ein Satzgefüge mit einem Subjektsatz und einem Prädikativsatz formulieren, müssen Sie also tatsächlich beide Nebensätze mit Kommas abtrennen:

Was du gibst, ist, was du kriegst.
Ob ihr mitkommt, ist, was ich wissen will.
Dass man dich lobt, heißt, dass du es gut gemacht hast.
Was du gesagt hast, bleibt, was du gesagt hast.

Ob man die Kommas nun nützlich oder unschön findet, nach der Rechtschreibregelung müssen sie stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nur[,] solange der Vorrat reicht

Das Komma ist eindeutig Ihr Lieblingssorgenkind. Heute gibt es gleich wieder eine Kommafrage, aber nur eine ganz kurze.

Frage

Die Frage taucht immer wieder auf:

Nur, solange der Vorrat reicht.
Nur solange der Vorrat reicht.

Wie würden Sie sich entscheiden? Ist beides möglich?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

es gibt meiner Meinung nach Argumente für beides. Je nachdem, wie man diese verkürzte Wendung ergänzt, kann sie mit oder ohne Komma stehen:

Das Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht.
→ Nur, solange der Vorrat reicht.

Das Angebot gilt, aber nur solange der Vorrat reicht.
→ Nur solange der Vorrat reicht.

Das Komma nach nur entspricht einer kurzen Pause in der gesprochenen Sprache. Üblicher ist die Schreibung ohne Komma.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma vor „dass“

Frage

Vor „dass“ steht immer ein Komma. Gibt es Ausnahmen zu dieser Regel?

Regeln sind gut, abgesehen davon (Komma?) dass es viele Ausnahmen gibt.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

mit dass werden Nebensätze eingeleitet und entsprechend steht meistens ein Komma vor ihm. „Meistens“ ist nicht immer: Bei Aufzählungen kann dass ganz „kommalos“ sein, und bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen kann das Komma nicht unmittelbar vor dass, sondern vor dem ersten Teil der Einleitung stehen.

Kein Komma steht, wenn der mit dass eingeleitete Nebensatz nach z. B. und oder oder steht und Teil einer gleichrangigen Aufzählung ist:

Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und dass ihr uns bald wieder einmal besucht.
Ich glaube, dass er gar nicht kommt oder dass er viel zu spät sein wird.
Das kann bedeuten, dass sie sich entweder tatsächlich nicht mehr erinnert oder dass sie lügt.

Siehe auch hier.

Wenn dass Teil einer mehrteiligen Nebensatzeinleitung ist, steht unmittelbar vor ihm häufig kein Komma. Zum Beispiel:

Das ist zu schön, als dass es wahr sein könnte.
Sie hat nichts gesagt, außer dass sie kurz weggehe.
Anstatt dass ihr nur zuschaut, könntet ihr uns auch helfen!
Sie haben mir alles erzählt, auch dass du mitgegangen bist.
Er war zufrieden, nur dass es nichts zu essen gab, hat ihn gestört.

Siehe auch hier.

Manchmal kann zwischen die Teile einer mehrteiligen Einleitung ein Komma gesetzt werden:

Angenommen[,] dass alles gutgeht, wie lange wird es dann dauern?
Etwas wusste ich damals noch nicht, nämlich[,] dass er verheiratet war.
Du kennst den Titel ihres Buches nicht, geschweige[,] dass du es gelesen hat.

Siehe auch hier.

Hiermit sind wir endlich bei Ihrem Beispiel. Hier sollte vor dass ein Komma stehen, weil der Nebensatz durch davon angekündigt wird und sozusagen zweimal im Satz erscheint:

Regeln sind gut, abgesehen davon, dass es schwierige Ausnahmen gibt.

Und zum letzen Mal für heute: Siehe auch hier.

In diesem Bereich ist es tatsächlich sehr schwierig, einfache Regeln zu formulieren!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie man „schenken“ und „schenken lassen“ substantiviert

Frage

Neulich fiel mir auf einem Werbeplakat der Spruch auf: „Zum Schenken und Schenken lassen.“ Müsste es aber nicht eigentlich heißen: „Zum Schenken und Schenkenlassen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

nach den Rechtschreibregeln schreibt man tatsächlich:

Zum Schenken und Schenkenlassen

Wenn eine Infinitivgruppe, das heißt ein Infinitiv und was zu ihm gehört, aus zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, dann schreibt man groß und zusammen:

schenken lassen → zum Schenkenlassen

Immer wenn ich diesem Spruch begegne, habe ich das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, ein sich einzufügen. Meiner Meinung nach ist nicht einfach gemeint, dass man etwas irgendjemandem schenken lassen kann, sondern dass man es sich schenken lassen kann. Unbedingt notwendig ist das sich nicht. Vielleicht ist dieses Bedürfnis nach dem verdeutlichenden Reflexivpronomen ja auch nur der Ausdruck eines geschenkgierigen Charakters.

Orthografisch hat das Anfügen von sich gewisse Konsequenzen. Da die Infinitivgruppe nun aus mehr als zwei Teilen besteht, wird alles etwas komplizierter – nicht zuletzt die Beschreibung: Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, setzt man zwischen allen Teilen der Gruppe einen Bindestrich. Das erste Wort und der (letzte) Infinitiv werden großgeschrieben (ebenso wie ggf. vorkommende Substantive):

sich schenken lassen → zum Sich-schenken-Lassen

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Doch jetzt, da sie deutlich auf dem Bildschirm steht, stelle ich fest, dass auch die mit sich erweiterte Form zum Sich-schenken-lassen falsch verstanden werden könnte. Mit sich meine ich ja den/die Beschenkten und nicht etwa den/die Verschenkten. Nur wenn man anfängt zu duzen, wird eindeutig klar, dass der Dativ zum Dir-schenken-Lassen und nicht etwas der Akkusativ zum Dich-schenken-Lassen gemeint ist.

Doch genug der Spitzfindigkeiten! Die Beispiele zum Schenken, zum Schenkenlassen und zum Sich-schenken-Lassen sollen ja nur zeigen, wie man substantivierte Infinitive schreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn Subjekt und Pronomen um den Vorrang ringen

Wenn es um Fragen der Wortstellung im deutschen Satz geht, sollten Muttersprachige dem lieben Herrgott auf Knien dafür danken, dass sie sich nicht bewusst damit herumschlagen müssen! Was wir normalerweise intuitiv richtig machen, ist für Deutschlernende – und Deutschlehrende! – oft alles andere als einfach. Hier ein ganz kleiner Einblick anhand von Herrn B.s Frage:

Frage

Welcher Regel unterliegt die Satzgliedreihenfolge des hervorgehobenen Abschnitts bei:

Das ist der Mann, von dem mir meine Nachbarin viel erzählt hat.
Das ist der Mann, von dem meine Nachbarin mir viel erzählt hat.

Wenn ich meine Nachbarin durch sie ersetze, können Subjekt und Dativobjekt nicht mehr die Plätze tauschen:

Das ist der Mann, von dem sie mir viel erzählt hat.
falsch: Das ist der Mann, von dem mir sie erzählt hat.

Was ist hier die Regel?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Regeln der deutschen Wortstellung sind bis auf wenige Ausnahmen keine festen Regeln, sondern mehr oder weniger starke Tendenzen. Komplizierend kommt hinzu, dass diese Tendenzen zum Teil widersprüchlich sind. Das ist auch hier der Fall. Im ersten Satz sind beide Wortstellungen möglich, weil hier zwei starke Tendenzen aufeinandertreffen.

Tendenz A*: Das Subjekt steht im Mittelfeld an erster Stelle.

Gestern hat mein Freund[Subj.] ein neues Smartphone[Akkusativobj.] gekauft.
Plötzlich musste ein Autofahrer[Subj.] dem Lastwagen[Dativobj.] ausweichen.
…, weil die Tochter[Subj.] den Eltern[Dativobjekt] das Kind[Akkusativobj.] verheimlicht hatte.

Tendenz B*: Pronomen steht vor Nomen.

Paula hat ihm[Pron.] die Bücher[Nomen] geschenkt.
Paula hat sie[Pron.] ihrem Freund[Nomen] geschenkt.
Die Tochter hatte es[Pron.] den Eltern[Nomen] verheimlicht.
Die Tochter hatte ihnen[Pron.] das Kind[Nomen] verheimlicht.

Wenn wir nun diese beiden Tendenzen im ersten Satz so wirken lassen, dass Tendenz A gewinnt, sieht er so aus:

Das ist der Mann, von dem meine Nachbarin[Subj.] mir[Obj.] erzählt hat.

Gewinnt hingegen die ungefähr gleich starke Tendenz B, erhalten wir diese Wortfolge:

Das ist der Mann, von dem mir[Pron.] meine Nachbarin[Nomen] erzählt hat.

Beim Ihrem zweiten Beispielsatz sind beide Satzglieder Pronomen. Die Tendenz B (Pronomen vor Nomen) hat deshalb ausgespielt und es wirkt nur noch die Tendenz A (Subjekt an erster Stelle):

Das ist der Mann, von dem sie[Subj.] mir[Dativobj.] erzählt hat.
nicht: Das ist der Mann, von dem mir sie erzählt hat.

Während im ersten Satz zwei  starke, einander widersprechende Tendenzen zu zwei möglichen Wortstellungen führen, wirkt im ersten Satz nur eine starke Tendenz und ist deshalb nur eine Wortstellung möglich. In der Theorie sieht es also relativ einfach aus. Im praktischen Sprachgebrauch ist es aber schwierig bis unmöglich, während des Formulierens bewusst solche Entscheidungen zu treffen – zumal Tendenz A und B bei Weitem nicht die einzigen sind!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Es steht hier Tendenz und nicht Regel. Andere Wortstellungen sind also nicht prinzipiell ausgeschlossen. Siehe zum Beispiel die Angaben auf den oben verlinkten Seiten.

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Das User-centered Design

Es geht mir nicht darum, auf einem bestimmten Fremdwort herumzubashen. Das Wort, um das es hier geht, ist nur ein Beispiel für viele englische Ausdrücke, die ihren Weg ins Deutsche nur halb zurückgelegt haben.

Frage

Ich beschäftige mich gerade mit der Schreibung von englischen Fremdwörtern. Die Regeln diesbezüglich sind eigentlich ziemlich klar, wie ich inzwischen herausgefunden habe. Mit einem Ausdruck tue ich mich jedoch schwer: „User Centered Design“. So wird das z. B. in der deutschen Wikipedia geschrieben. Allerdings ergibt das wenig Sinn. […] Wenn man den Ausdruck eindeutscht und als Adjektiv+Substantiv-Gruppe betrachtet, müssen das erste Wort und das Substantiv großgeschrieben werden. Dann haben wir „User-centered Design“. Anhand der Regeln scheint mir das die korrekte Schreibweise zu sein. Bloß verwendet die niemand… Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

bei der Schreibung von Fremdwörtern, insbesondere bei mehrteiligen Ausdrücken in Fachsprachen, stimmen die regelkonforme Schreibung und die tatsächlich verwendete Schreibung sehr, sehr oft nicht überein.

Nach der amtlichen Regelung richtig sind:

a) das „user-centered design“
b) das User-centered Design

Bei a) verwendet man den Ausdruck als englisches Zitatwort und hält sich an die Schreibung, die in der Ursprungssprache gilt. Bei b) folgt man der Rechtschreibregel, nach der auch Sie sich in Ihrer Frage gerichtet haben.

Viel üblicher ist aber die Schreibung, die Sie offenbar auch in Wikipedia angetroffen haben:

c) das User Centered Design

Ich vermute, dass dies in Übereinstimmung mit den Großbuchstaben der Abkürzung UCD geschieht. Da außer Ämtern und Schulen niemand verpflichtet ist, sich an die amtliche Reglung zu halten, können sich insbesondere in Fachsprachen auch nicht regelkonforme Schreibungen durchsetzen. Wenn Sie diesen Begriff verwenden, müssen Sie sich also entscheiden, ob Sie die regelkonforme Schreibung b) oder die üblichere Schreibung c) verwenden. Wenn Sie durch Hausregeln, die Auflagen von Auftraggebenden oder Ihre eigene Einstellung an die amtliche Rechtschreibregelung gebunden sind, wählen Sie b): das User-centered Design.

Sie können das Problem natürlich auch umgehen – das ist in solchen Fällen meine Lieblingstaktik –, indem Sie zum Beispiel nutzerorientiertes Design oder „sogar“ nutzerorientierte Gestaltung verwenden:

d) das nutzerorientierte Design (UCD, user-centered design)

Als kleine Hilfestellung zur Schreibung von Fremdwörtern möchte ich Sie zum Schluss noch auf diese Seiten verweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der standhafte Abkürzungspunkt

Es geht hier nicht darum, welche Abkürzungen mit einem Punkt geschrieben werden und welche nicht. Das ist ein Kapitel für sich. Es geht vielmehr darum, wie der Abkürzungspunkt sich verhält, wenn andere Satzzeichen folgen. So viel sei schon vorweggenommen: Er ist sehr standhaft.

Frage

Behalte ich den Abkürzungspunkt bei, wenn danach ein Doppelpunkt folgt? Zum Beispiel folgender Fall

Bsp.:
Kontonr.:

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

der Abkürzungspunkt wird auch vor einem Doppelpunkt geschrieben:

Bsp.: …
Kontonr.: 123456

Der Abkürzungspunkt und der Punkt bei Ordnungszahlen werden immer geschrieben, also auch vor Komma, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Doppelpunkt, Strichpunkt, Gedankenstrich, Klammern, Anführungszeichen und Auslassungszeichen. Nur mit dem Schlusspunkt am Satzende verschmilzt er.

Komma:
Aufgerufen wurde Frau A., die sich als Zeugin gemeldet hatte.

Fragezeichen:
Wie hieß die erste Frau Heinrichs VIII.?

Ausrufezeichen:
Alles ist o. k.!

Doppelpunkt:
Telefonnr.: +49 123 123456

Strichpunkt:
Konzertdaten: München 29. 5., 30. 5.; Augsburg 31. 5.; Freiburg 5. 6.; Basel 6. 6.

Gedankenstrich:
Sie hatten auch die ganze Familie – Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen usw. – zu ihrem großen Fest eingeladen.

Klammern:
Viele Lebensmittel (z. B. Brot, Milch, Teigwaren, Reis usw.) waren kaum mehr erhältlich.
Eine wichtige Herrscherin war auch Katharina die Große (Katharina II.).

Anführungszeichen:
„Die Bewerberin ist Dr. med.“, schrieb sie auf den Briefumschlag.
Sagte er wirklich: „Abgabetermin ist der 31.“?

Auslassungszeichen:
Sie nannte sich nur Frau P. …

Wie man sieht, ist der Abkürzungspunkt sehr standhaft. Man schreibt in fast immer, also auch vor einem Komma, einem Doppelpunkt, einem Ausrufe- oder Fragezeichen usw. Nur wenn ihm unmittelbar ein Satzschlusspunkt folgt, verschmilzt er mit diesem (wie soeben bei usw.).

Schlusspunkt:
Sie kommen am 15. Dann muss alles bereit sein.
Der Verdacht fiel auf Holger K. Einige Zeugen meinten, ihn am Tatort gesehen zu haben.
Ich beschäftige mich nicht mit Fernsehen, Games, sozialen Medien usw. Dafür habe ich keine Zeit.

Wer die Standhaftigkeit des Abkürzungspunktes nicht in dieser Weise gefährdet sehen möchte, kann auch einfach sagen, dass der Schlusspunkt nach einem Abkürzungspunkt wegfällt. Wenn man es so sieht, bleibt der Abkürzungspunkt IMMER stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Skepsis mit »wollen«

Frage

Wieder einmal habe ich eine Frage. Es geht um die Zeiten bei Modalverben:

Die Polizei will den Dieb festgenommen haben.

Zuerst dachte ich, das wäre einfach ein Perfekt mit Modalverb. Aber eigentlich wäre das dann ja die Struktur mit doppeltem Infinitiv (festgenommen haben wollen).

Antwort

Sehr geehrte Frau I.,

es handelt sich hier um ein Modalverb im Präsens (will), das mit einem Infinitiv Perfekt steht (getan haben). 

Die Polizei will den Dieb festgenommen haben.

Gemeint ist: Die Polizei sagt, dass sie den Dieb festgenommen hat, aber der/die Schreibende ist skeptisch, ob das auch wirklich so ist. Mit wollen kann also eine Behauptung von Dritten zitiert und gleichzeitig mit dem Urteil „fraglich, zweifelhaft“ versehen werden. Siehe auch hier.

Kommen wir nun zu den Verbzeiten: Es geht hier um eine Behauptung in der Gegenwart (Präsens will), die sich auf etwas Vorzeitiges, das heißt etwas vorher Geschehenes, bezieht (Partizip Perfekt festgenommen haben). Weitere Beispiele:

Sie will nichts davon gewusst haben.
Der mutmaßliche Täter will den ganzen Abend zu Hause gewesen sein.

Wenn man in Ihrem Beispielsatz wollen ins Perfekt setzt, müsste der Satz so lauten:

Die Polizei hat den Dieb festgenommen haben wollen.

Das ist aber eine ungebräuchliche Formulierung. In der Vergangenheit heißt es eher:

Die Polizei wollte den Dieb festgenommen haben.
Sie wollte nichts davon gewusst haben.
Der mutmaßliche Täter wollte den ganzen Abend zu Hause gewesen sein.

Für Muttersprachige ist wollen mit der Bedeutung x sagt, aber ich finde es fraglich normalerweise kein Problem – außer vielleicht dann, wenn in einer Übung die Verbzeiten bestimmt werden sollen. Für Deutschlernende hingegen gilt, dass diese Verwendung von wollen gelernt sein will*.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Hier zeigt sich, dass wollen manchmal auch müssen ausdrücken kann!

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