Archiv für April, 2015

Vergönnen war nicht immer gleich vergönnen

Frage

In der NZZ (und in andern Zeitungen) stand zu lesen:

Im Gegensatz zu B. blieb K. und M. in den Finals über 60 Meter der Sprung aufs Podest vergönnt.

Im Walliser Boten und in den Freiburger Nachrichten stand fast dieselbe Nachricht:

Im Gegensatz zu B. blieb K. und M. in den Finals über 60 m der Sprung aufs Podest nicht vergönnt.

War der Sprung nun vergönnt oder nicht vergönnt? Wer hat recht?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

wer recht hat, hängt davon ab, wer tatsächlich auf dem Podest stand und wer nicht. Wenn Sie für vergönnen die fast gleichbedeutenden Verben gewähren oder gönnen einsetzen, wird es vielleicht etwas deutlicher.

Gemäß der NZZ standen K. und M. auf dem Podest. Ihnen blieb im Gegensatz zu B. der Sprung aufs Podest gewährt, gegönnt oder eben vergönnt.

Nach den anderen beiden Zeitungen hingegen stand B. auf dem Podest. Den Konkurrenten K. und M. blieb der Sprung aufs Podium nicht gewährt, nicht gegönnt oder eben nicht vergönnt.

Ich vermute, dass der NZZ eine dialektale Bedeutung von vergönnen in die Tastatur gerutscht ist. In einigen Dialekten bedeutet vergönnen nämlich nicht gönnen, gewähren, sondern im Gegenteil nicht gönnen, missgönnen.

Vielleicht meinten die Autoren aber einfach fälschlich, dass vergönnen das Gegenteil von gönnen sei. Damit haben oder hätten sie nur im heutigen Deutsch falschgelegen. In früheren Zeiten konnte das ver- in vergönnen nämlich neben der heutigen Bedeutung auch eine negative Bedeutung haben: missgönnen. Als Luther in „Colloquia oder Tischreden und andere sehr erbauliche Gespräche“ unter „Sünde in den heiligen Geist“ zitierte:

Seinem Bruder Gottes Gnade vergönnen

war nicht gemein, es sei eine Sünde, seinem Bruder Gottes Gnade zu gönnen. Gemeint war vielmehr, es sei sündig, seinem Mitmenschen Gottes Gnaden zu missgönnen. (Mehr zur Geschichte von vergönnen z. B. in Grimm.)

Im heutigen Deutsch hat aber außer in einigen Dialekten nur vergönnen mit einem verstärkenden ver- überlebt: gönnen, gewähren. Deshalb stehen heute diejenigen auf dem Siegerpodest, denen der Sprung darauf vergönnt war, und diejenigen daneben, denen dieser Sprung nicht vergönnt war.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Möge/möchte/solle – indirekte Bitten und Aufforderungen

Frage

Es geht um folgendes Problem: Ist es möglich, dass Wort „möchten“, wie es in „mögen sie mir bitte folgen“ gebraucht wird, in die Vergangenheit zu setzen? Oder anders ausgedrückt, ist dieser Satz richtig?

Aufgeregt stammelte er irgendetwas von Mord und Totschlag und dass die Herren ihm doch bitte folgen mochten.“

Der höfliche Aspekt des Wortes soll unbedingt erhalten bleiben.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

die Form möchten eignet sich hier sehr gut, um eine indirekte höfliche Bitte auszudrücken:

Aufgeregt stammelt er irgendetwas von Mord und Totschlag und dass die Herren ihm doch bitte folgen möchten.

Aufgeregt stammelte er irgendetwas von Mord und Totschlag und dass die Herren ihm doch bitte folgen möchten.

Man verwendet also auch in der Vergangenheit die umgelautete Form möchten und nicht mochten, um eine indirekte Bitte auszudrücken.

Im Allgemeinen werden indirekte Bitten mit dem Konjunktiv von mögen und indirekte Aufforderungen mit dem Konjunktiv von sollen ausgedrückt.

Sie begann mit den Worten, dass ich ihre Verspätung bitte verzeihen möge/möchte, meinte dann aber gleich, dass man ihr sofort etwas zu trinken bringen solle.

Die freundlichen Worten der Kellnerin, sie möchten sich bitte noch ein wenig gedulden, beruhigten die ungeduldig werdenden Gäste nur kurz.

Der Polizist herrscht die Neugierigen an, sie sollen/sollten mindestens fünf Meter zurücktreten.

Es gibt dabei keinen Bedeutungsunterschied zwischen dem Konjunktiv I und dem Konjunktiv II. Nur die folgenden starken Tendenzen sind zu beachten: Im Plural steht meistens möchten und in der dritten Person Einzahl meistens solle. Siehe auch hier.

Man begegnet dieser Art der indirekten Bitte oder Aufforderung übrigens nicht allzu häufig, weil sie sehr oft durch eine Infintivkonstruktion ausgedrückt wird:

Sie bat mich, ihre Verspätung zu verzeihen.
Die Kellnerin bat die ungeduldig werdenden Gäste, sich noch ein wenig zu gedulden.
Der Polizist befiehlt den Neugierigen, mindestens fünf Meter zurückzutreten.

Und wenn noch etwas unklar ist, können Sie also

  • mich bitten, ich möge/möchte alles besser erklären.
  • mich auffordern, ich solle/sollte alles besser erklären.
  • mich bitten/auffordern, alles besser zu erklären.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auf oder in die Ebene hinausreiten?

Frage

Ich brüte gerade über der Korrektur eines Textes und bin mir unsicher welche Variante folgenden Satzes korrekt ist:

Er bestieg sein Kamel und ritt in die Ebene hinaus.
oder
Er bestieg sein Kamel und ritt auf die Ebene hinaus.

Die Antwort eines Fachmanns auf diese Frage würde mir sehr weiterhelfen.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

bei der Wahl einer Präposition kommt es oft auf die gewählte Perspektive an. Bei einer Ebene kommen zwei Sehensweisen vor: Man kann die Sache sozusagen „vertikal“ betrachten und etwas auf einer Ebene platzieren. Es ist aber auch möglich, die Ebene als eine Fläche zu sehen, innerhalb derer etwas sich befindet.

etwas befindet sich auf einer Ebene
etwas befindet sich in einer Ebene

Entsprechend sind auch bei Ihrem Satz beide Formulierungen möglich und gebräuchlich:

Er ritt auf die Ebene hinaus.
Er ritt in die Ebene hinaus.

Nicht immer kommt das, was in dieser oder ähnlicher Weise theoretisch erklärt werden kann, auch tatsächlich in der Sprachrealität vor. So gilt das Gesagte zwar allgemein für „Ebene“, aber nicht immer und überall in gleichem Maße: So liegt zum Beispiel Padua fast immer in der Po-Ebene und kaum je auf der Po-Ebene, dafür wird häufiger auf einer Hochebene gewohnt als in einer Hochebene.

Auch sonst ist lange nicht immer alles üblich, was in dieser Weise erklärt werden könnte: So kann etwas auf dem Teller oder im Teller liegen, aber der Teller kann nur auf dem Tisch stehen. Eine Insel liegt mitten im Ozean, ein Schiff fährt mitten auf dem Ozean. Eine Kuh grast meist auf der Wiese und nur selten in der Wiese, ein Blümchen hingegen wächst häufiger in der Wiese als auf der Wiese. Ein Denkmal steht immer nur auf einem großen Platz oder nur in einem großen Park. Nicht immer sind beide Sehensweisen gebräuchlich oder gleich üblich, auch wenn sie theoretisch beide möglich sind.

Bevor ich Sie nun ganz verunsichere, sei noch einmal gesagt, dass Ihr Kamelreiter nach üblichem Sprachgebrauch sowohl in die Ebene als auch auf die Ebene hinausreiten kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Groß oder klein, mit oder ohne Leerschritt – die Tücken des Schrägstriches

Frage

Zum Thema Schrägstrich findet man häufig (z. B. auf duden.de) das Beispiel „Ich/Wir überweise(n)“ bei der Verwendung des Schrägstrichs im Sinne von „beziehungsweise“. Wieso wird hier „Wir“ eigentlich großgeschrieben? Ausgeschrieben hieße es doch „Ich bzw. wir überweisen“.

Und wie sieht es dann mit dem folgenden Fall aus?

Wende dich an die Betreuerin / den Betreuer. Diese/dieser (oder Diese/Dieser?) wird dir gerne helfen.

Dann müsste hier doch ebenfalls großgeschrieben werden?

Und gleich noch eine Nebenfrage: Ist im ersten Satz das Leerzeichen vor und hinter dem Schrägstrich mit der Argumentation, dass es sich um (kleine) Wortgruppen handelt, vertretbar […]? Die DIN 5008 ist hier in 7.7 zwar klar, hat aber keine Wortgruppen in den Beispielen.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

die beiden Fragen werden in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht explizit behandelt. Sie sollten auch nicht vergessen, dass die DIN 5008 nicht allgemein verbindlich ist. Sie ist „nur“ eine Richtlinie, an die man sich halten kann (oder halten muss, wenn sie durch einen Hausstil, Auftraggebende usw. vorgeschrieben wird). Ich will mit so vielen Worten sagen, dass es hier wieder einmal mehr als eine Möglichkeit gibt. Wichtig ist nur, möglichst konsequent die gewählte Lösung anzuwenden.

Großschreibung am Satzanfang

Im Zusammenhang mit dem Schrägstrich zwischen Wörtern am Satzanfang gibt es zwei mögliche Interpretationen, die zu einem unterschiedlichen Resultat bei der Groß- und Kleinschreibung führen:

a) Der Schrägstrich steht für oder, resp.:

Ich resp. wir überweise(n) …
→ Ich/wir überweise(n) …

Diese oder dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/dieser wird dir gerne helfen

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

b) Der Schrägstrich steht zwischen Alternativen:

Ich überweise … Wir überweisen …
→ Ich/Wir überweise(n) …

Diese wird dir gerne helfen. Dieser wird dir gerne helfen.
→ Diese/Dieser wird dir gerne helfen.

Die Betreuerin wird dir gerne helfen. Der Betreuer wird dir gerne helfen.
→ Die Betreuerin/Der Betreuer wird dir gerne helfen. (Leerzeichen siehe unten)

Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Leerzeichen

Bei der Verwendung von Leerzeichen vor und nach dem Schrägstrich ist es allgemein üblich, keine Leerzeichen zu verwenden.

Wir kommen heute/morgen am Zielort an.
Ankunft am Montag/Mittwoch/Freitag
Gerne wird dir diese/dieser helfen.

Weniger einheitlich ist der Gebrauch, wenn der Schrägstrich zwischen Wortgruppen steht. Implizit sagt die Rechtschreibregelung, dass auch dann keine Leerzeichen verwendet werden. In § 106 der Regelung steht nämlich das Beispiel:

das Semikolon/der Strichpunkt als stilistisches Zeichen

Von diesem Vorgehen wird aber häufiger abgewichen. Es kann oft sinnvoll sein, Leerschritte zur Verdeutlichung zu verwenden.

Wir kommen heute Nachmittag/morgen Abend am Zielort an.
Wir kommen heute Nachmittag / morgen Abend am Zielort an.

Wende dich an Susanne Müller/Herbert Gruber.
Wende dich an Susanne Müller / Herbert Gruber.

Wende dich an den Betreuer/die Betreuerin.
Wende dich an den Betreuer / die Betreuerin.

Wichtig ist, wie schon gesagt, vor allem, dass man sich möglichst konsequent an eine Schreibweise hält.

Und wenn Sie einmal ganz unsicher sind, erwägen Sie doch einfach eine Lösung, die häufig auch stilistisch weniger unschön ist, nämlich das Wörtchen oder:

Wende dich an den Betreuer oder die Betreuerin. Er oder sie wird dir gerne helfen.

Probleme mit Groß- und Kleinschreibung oder der Verwendung von Leerzeichen gibt es dann kaum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Es wird geklatscht, geholfen und gedankt, aber nicht gewachsen, geglichen und begegnet

Es gibt Sachen, die man einfach richtig macht. Schwierig werden sie erst, wenn man sie zum Beispiel Deutschlernenden erklären soll. Eine solche Frage stellt Frau K. aus Russland.

Frage

Den Satz „Dem Arzt wird von den Patienten gedankt“ gebraucht man in der normalen Sprache selten oder vielleicht nie, aber grammatisch ist es doch möglich und richtig, oder? Warum ist es dann falsch, zu sagen „Dem Arzt wird von den Patienten begegnet“?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

nicht alle Verben können ins Passiv gesetzt werden. Im Allgemeinen können alle transitiven Verben, also Verben mit einem Akkusativobjekt, im Passiv stehen. Bei Ihren Beispielen handelt es sich aber um Sätze mit intransitiven Verben, das heißt Verben ohne ein Akkusativobjekt. Intransitive Verben können ebenfalls im Passiv stehen, aber nur dann, wenn das zu ihnen gehörende Subjekt der eigentliche Verursacher der Verbhandlung ist. Ein paar Beispiele können diese theoretische Beschreibung vielleicht ein bisschen verdeutlichen.

Bei den folgenden Sätzen ist das zum Verb gehörende Subjekt der eigentliche Träger oder Verursacher der Handlung. Das Subjekt klatscht, hilft, sorgt oder dankt bewusst und aktiv:

A: Die Zuschauer klatschen.
P: Es wird (von den Zuschauern) geklatscht.

A: Sie hilft der Nachbarin.
P: Der Nachbarin wird (von ihr) geholfen.

A: Der Vater sorgt für die Kinder.
P: Für die Kinder wird (vom Vater) gesorgt.

Ebenso:
A: Die Patienten danken dem Arzt.
P: Dem Arzt wird (von den Patienten) gedankt.

In den folgenden Sätzen ist das zum Verb gehörende Subjekt nicht der eigentliche Verursacher der Verbhandlung. Das Wachsen, Gleichen, Enden oder Begegnen ist hier keine bewusste und aktive Handlung des Subjekts:

A: Das Gras wächst schnell.
nicht: *Es wird vom Gras schnell gewachsen.

A: Sie gleicht ihrer Schwester.
nicht: *Ihrer Schwester wird von ihr geglichen.

A: Diese Substantive enden auf -ung.
nicht: *Von diesen Substantiven wird auf -ung geendet.

Ebenso:
A: Die Patienten begegnen dem Arzt.
nicht: *Dem Arzt wird von den Patienten begegnet.

Nur Verben mit einem aktiven Subjekt können also ins Passiv gesetzt werden. Eine Übersicht und weitere Beispiele finden Sie hier.

Man kann viele Verben ins Passiv setzen, aber das gilt nicht für alle. Oder im Passiv ausgedrückt: Viele Verben können ins Passiv gesetzt werden, aber es wird nicht für alle …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von den Osterglocken zur Narkose

Etwas Österliches zum ausklingenden Ostermontag: Osterglocken. Das ist der Name, mit dem man in vielen Regionen die Narzissen (auch) bezeichnet. Der Name birgt wortgeschichtlich wenig Spannendes in sich. Osterglocken sind mehr oder weniger glockenförmige Blumen die, wie in diesem Jahr, häufig zu Ostern blühen.

Interessanter ist in dieser Hinsicht die Narzisse. Sie hat ihren Namen nicht, wie Kenner und Kennerinnen von Ovids Metamorphosen und der griechischen Sage vielleicht denken, direkt dem schönen Jüngling Narziss zu verdanken, der die Liebe der Nymphe Echo zurückwies, dafür mit krankhafter Selbstliebe bestraft wurde, sich prompt in sein Spiegelbild verliebte, an dieser unerfüllbaren Liebe zugrunde ging und darauf in eine Narzisse verwandelt wurde. Der Name der Blume (und des Jünglings) geht auf das griechische Wort nárkissos (νάρκισσος) zurück. Da die Narzisse einen betäubenden Duft verbreitet (was mir bei uns im Garten allerdings noch nie aufgefallen ist), der eine beruhigende Wirkung haben soll, wurde dieser Name schon bei den Griechen mit dem Wort nárkē (νάρκη) = Krampf, Lähmung, Erstarrung in Verbindung gebracht. Die Gelehrten meinen allerdings, dass dies eine volkstümliche Erklärung für einen Namen aus einer anderen Sprache sein muss.

Das Wort nárkē liegt übrigens über nárkōsis (νάρκωσις) = Erstarrung, Lähmung, Betäubung auch unserem Fremdwort Narkose zugrunde. Auch in Narkolepsie (Schlafkrankheit) und Narkomanie (Abhängigkeit von Schlaf- und Betäubungsmitteln) findet sich dieser Wortstamm.

Bei so viel Schlaf und betäubenden Düften kommt in mir das romantische Bild eines auf einer sonnigen Wiese zwischen blühenden Narzissen schlafenden Linguisten auf – doch mein Realitätssinn macht mir hier einen Strich durch die Rechnung: Dafür müsste es hier bestimmt zehn Grad wärmer sein!

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Finnisch und finnländisch

Frage

In welchem Zusammenhang sagen wir „finnisch“ und wann „finnländisch“? Ich spreche Finnisch und esse finnländischen Fisch? Stimmt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

die Adjektive finnisch und finnländisch werden oft wild durcheinander gebraucht, wobei man allerdings sagen muss, dass finnisch sehr viel häufiger vorkommt:

Ich spreche Finnisch, rede über die finnische Regierung und esse finnischen Fisch.

Damit ist natürlich noch nicht alles gesagt. Für Leute, die es genau nehmen und die Struktur der Adjektive wörtlich interpretieren, hat finnländisch die Bedeutung von Finnland, zu Finnland gehörend. Es bezeichnet also die Zugehörigkeit zum Land oder zum Staat Finnland. So gesehen kann man problemlos von der finnländischen Regierung sprechen. Als finnländischen Fisch könnte man noch Fisch bezeichnen, der in Finnland oder in zu Finnland gehörenden Gewässern an die Angel oder ins Netz gegangen ist. Bei der finnländischen Sprache wird es dann aber zweifelhaft, denn diese Sprache wird nicht nur in Finnland gesprochen, sondern als Minderheitensprache auch in Schweden, Norwegen, Estland und Russland. Auch Menschen, die man als ethnische Finnen bezeichnen kann und die sich dem finnischen Kulturkreis zugehörig fühlen, gibt es nicht ausschließlich innerhalb Finnlands.

Wer also finnländisch wörtlich nimmt, verwendet dieses Adjektiv nur in Zusammenhang mit dem Land Finnland. Ganz so genau muss man es meiner Meinung nach zwar nicht immer nehmen, doch wenn Sie gegen eventuelle Kritik gefeit sein wollen, halten Sie sich am besten an diese Vorgabe und reden Sie nicht von zum Beispiel der finnländischen Sprache oder der finnländischen Volkskunst, sondern nur von der finnischen Sprache und der finnischen Volkskunst.

Viel einfacher ist es allerdings, immer das viel gebräuchlichere Adjektiv finnisch zu verwenden. Es bezieht sich sowohl auf die Sprache und die Kultur als auch auf das Land und das Staatsgebilde: die finnische Sprache, die finnische Kultur, die finnische Küche; das finnische Parlament, der finnische Präsident usw. Das Wort finnländisch kann man dann den Fachleuten überlassen, die „unbedingt“ einen Unterschied zwischen der Sprach- und Kulturbezeichnung und der staatlich-politischen Bezeichnung machen wollen.

Zu guter Letzt sei noch dies gesagt:

Hyvää pääsiäistä!

So sagt man frohe Ostern auf Finnisch (wenn man weiß, wie man es ausspricht …).

Dr. Bopp

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