Wenn ich eins nicht bin, dann …

In letzter Zeit scheinen viele Fragesteller und Fragestellerinnen mit der Verneinung zu hadern, vor allem der doppelten. Deshalb heute noch einmal das Thema Verneinung

Frage

Wenn ich eins nicht bin, dann bin ich nicht dumm. Doppelte Verneinung oder nicht?

Antwort

Guten Tag R.,

beim Thema Verneinung muss man manchmal aufpassen, dass man eher sprachlich als mathematisch vorgeht. Während minus mal minus in der Mathematik immer plus ist (so weit ich das gelernt und verstanden habe), heben sich zwei nebeneinander erscheinende Verneinungen nicht immer auf. Und nun zu Ihrer Frage:

Nur einmal nicht steht normalerweise in diesen Fällen:

Wenn ich eins nicht bin, dann dumm.
Wenn ich eins nicht bin, dann ist es dumm.

Nach dann folgt in diesen Aussagen die Angabe, was mit eins gemeint ist, und eins steht hier für dumm, nicht für nicht dumm. Deshalb sollte man vor allem beim zweiten Satz besser nicht sagen:

Wenn ich eins nicht bin, dann ist es nicht dumm.

Man könnte dann nämlich nicht ganz zu Unrecht verstehen, dass ich nicht nicht dumm, also dumm bin. (Allerdings erschließt sich in der Regel aus dem Kontext klar, was gemeint ist.)

In Ihrem Beispielsatz folgt aber nach dann nicht einfach die Angabe, was mit eins gemeint ist. Nach dann wird der ganze Satz wiederholt. In der Wiederholung wird eins durch die Angabe ersetzt, was damit gemeint ist: dumm. Und weil die ganze Satzkonstruktion wiederholt wird, muss auch die Verneinung nicht wiederholt werden:

 Wenn ich eins nicht bin, dann bin ich nicht dumm.

Sie können es auch mit diesen Konstruktionen vergleichen:

Was bin ich nicht? – Dumm.
Was bin ich nicht? – Ich bin nicht dumm.

Es handelt sich in Ihrem Beispielsatz also nicht um eine doppelte Verneinung, sondern um eine wiederholte einfache Verneinung.

Und weil es hier heute eins nicht ist, nämlich kühl, höre ich nun lieber auf, bevor mir die doppelten und wiederholten nicht durcheinandergeraten und die Finger von der Tastatur rutschen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.