Der Birnbaum und der Birnenbaum

Frage

Ihre Seite führt die Bezeichnung „Birnenbaum“ auf, welche der Duden nicht kennt (er kennt nur den „Birnbaum“). Warum wird dieses Wort auf dieser Plattform genannt und in anderen Wörterbüchern nicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

das Wort Birnenbaum ist eine Variante von Birnbaum. Bei der Entscheidung, ob ein Wort in das Wörterbuch aufgenommen wird, spielen u. a. zwei Dinge eine Rolle: Ist es korrekt gebildet und kommt es relativ häufig vor.

Das Wort Birnenbaum ist korrekt nach den deutschen Wortbildungsregeln gebildet. Schwach gebeugte weibliche Substantive (sie bilden den Plural mit en) haben in Zusammensetzungen oft das Fugenelement en. Ein paar fruchtige Beispiele:

Zwetschgenbaum, Pflaumenbaum, Aprikosenbaum, Olivenbaum, Orangenbaum, Kirschenbaum (neben Kirschbaum; auch z. B. nach dem in der Frage zitierten Duden)
Birnenkuchen, Birnenstiel, Birnenwasser, birnenförmig [1]

Die Form passt also. Wird sie auch verwendet? Birnenbaum ist zwar weniger gebräuchlich als Birnbaum, aber es kommt doch relativ häufig vor. Gemäß einem kurzen Google-Blick ins Internet kommt die en-lose Form (je nach Deklinationsform) drei- bis viermal häufiger vor als die Variante mit Fugenelement. [2]

Es gib aus unserer Sicht keinen Grund, Birnenbaum als „nicht bestehend“ oder als „falsch“ anzusehen. Es ist eine korrekt gebildete, relativ häufig verwendete Variante des gebräuchlicheren Wortes Birnbaum. Deshalb führen wir es in unserer Wörterliste.

Warum Birnenbaum in anderen Wörterbüchern nicht erscheint, weiß ich leider nicht. Diese Frage können Sie besser an die Redaktion der betreffenden Wörterbücher richten. Da es keine allgemein gültigen, rein objektiven Kriterien für die Aufnahme von Wörtern in Wörterbücher gibt (Lexikographen und Lexikographinnen mögen mir diese grobe Vereinfachung verzeihen), ist es übrigens nicht sehr erstaunlich, dass nicht alle Wörterbücher genau die gleichen Wörter aufführen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

[1] Es geht hier nicht um die Pluralendung en, sondern um das Fugenelement en, das heißt, es geht nicht darum, dass mehrere Früchte im Baum hängen können, sondern darum, dass weibliche Wörter wie Birne in Zusammensetzungen oft mit dem Fugenelement en stehen. Siehe auch hier.

[2] Diese Google-Angaben sind natürlich keine wissenschaftlich fundierten Zahlen, sondern nur eine Annäherung zur Illustration. Eine Schwierigkeit hierbei ist zum Beispiel, dass Birnbaum auch ein Familienname und Birnbäumen auch ein Ortsname ist.

3 Kommentare

  1. Alkinoi Obernesser schreibt:

    Oktober 5, 2015 um 13:56

    Die Form Birnenbaum mit dem Fugenelement „en“ ist eine neue Variante. „Birnbaum“ ist die ältere und poetische Variante, da sie auch in Familien- und Ortsnamen sowie in Romanen und Erzählungen vorkommt.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 8, 2015 um 11:23

    Noch älter ist birbaum oder birboum. Bevor die Birne Birne hieß, wurde sie nämlich bir oder bire genannt. Später drang dann aus der Pluralform biren ein n in den Singular ein, so dass es zuerst birn und dann wie heute Birne hieß.

  3. rolf schreibt:

    Oktober 8, 2015 um 16:45

    Nur mal so am Rande:

    In meinem Heimatdialekt werden oft die Pluralformen der Früchte für die Bezeichnung des Baums verwendet. So ist der Baum, der Äpfel trägt, der Äppelbaam und der Nussbaum wird zum Nessbaam (Nuss, Plural Ness). Der Kirschbaum allerdings ist ein Kirschbaam, kein *Kirschebaam.